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Full text of "Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft Vol. 76"

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Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte) 


76.  Band 
192t 


(Mit  6  Tafeln) 


Berlin  1925 


Verlag  von  Ferdinand  Knke 
Stuttgart 


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Inhalt. 

Hinter  dem  Titel  der  Veröffentlichungen  bedeutet  A:  Abhandlung, 
B:  Briefliche  Mitteilung  und  V:  Vortrag. 

(Die  Seitenzahlen  der  Monatsberichte  sind  kursiv 

gedruckt.) 


Seite 

Bartling,  R.:  Über  den  Gebirgsbau  im  westfälisch-holländi¬ 
schen  Grenzgebiet.  (Hierzu  Tafel  I.)  V . 3,  52 

Bertram:  Die  geologische  Umbildung  des  Weichseldeltas  in¬ 
folge  menschlichen  Eingriffs  (Titel).  V . 156 

Blanckenhorn,  M. :  Über  Fossil-  und  Fährtenhorizonte  im  Bunt¬ 
sandstein  Deutschlands.  B . 269 

Boehm,  J.:  Das  Untersenon  von  Borken  i.  Westf.  (Titel.)  V  .  100 
Braun,  G.:  Über  einen  Fund  von  Geschiebemergel  über  Sanden 

bei  Torneä.  B . 111 

v.  Bclow,  Kurd:  Zur  Moornomenklatur.  B . 189 

Eitel,  W.:  Neuere  Anschauungen  petrologischer  Probleme  auf 

Grund  synthetischer  Versuche.  V . 154,  170 

Erdmannsdörffkh,  O.  H.:  Über  Gesteine  des  Bodeganges  im 

Harz.  (Mit  1  Textabbildung.)  B . 114 

Errilat:  Die  Beziehungen  zwischen  den  erdmagnetischen 
Störungen  und  den  diluvialgeologischen  Verhältnissen  in 

Ostpreußen  (Titel.)  V . 153 

Fischer:  Die  Bildungsbedingungen  des  Dolomits  im  fränkischen 

Keuper  (Titel.)  V . 145 

Foerster,  Hermann:  Beiträge  zur  tektonischen  Deutung  der 
Kluftsysteme  im  sächsischen  Quadergebirge.  (Mit  5  Text¬ 
abbildungen.)  A . 78 


Freudenreich:  Die  Entstehung  der  Halbinsel  Heia  (Titel.)  V  156 
Fulda,  E.:  Die  Entstehung  der  deutschen  Kalisalzlager  (Titel)  V  98 

—  Über  die  Entmischung  der  Mutterlaugen  vor  Bildung  der 

Kalisalzlagerstätten  in  der  Zechsteinzeit.  V . 2,7 

Gagel,  C.:  Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  des  Herrn  K.  Keil¬ 
hack  zur  Geologie  Islands.  V . 245 

—  Über  den  sogen,  unteren  tonigen  Geschiebemergel  von 

Frankfurt  a.  O.  V . 3,  31 

—  Über  den  wolhyuischen  Löß.  V . 1,  4 

Gotelan,  W.:  Einige  neuere  bemerkenswerte  Funde  in  der 

mitteldeutschen  Braunkohle  (Titel).  V . 99 

Grahmann,  R.:  Über  pflanzenführende  Diluvialtone  in  Nord¬ 
westsachsen.  (Mit  2  Textabbildungen.)  A . 138 

Grupe,  O. :  Bemerkungen  zum  Vortrage  von  Herrn  Qiiiung.  V  87 
Haack,  H.:  Über  die  nordwestfälisch-lippische  Schwelle.  V  3,  33 
Heiland,  C.:  Die  bisherigen  Ergebnisse  magnetischer  Messungen 

über  norddeutschen  Salzhorsten.  (Mit  4  Textabbild.)  V  98,  101 


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Seite- 


IV 


Hkss  von  Wichdohff:  Nehrungsbildungen  an  ostpreußischen 
Seen  und  die  Bedeutung  der  Binnenseenehrung  für  das 

Nehrungsproblem  (Titel).  V .  752,  153 

Holstein:  Das  Profil  durch  das  Weichseldelta  parallel  zur 

Weichsel  (Titel).  V . 756 

Hucke,  K.:  Über  das  Alter  des  Gruskalkes  von  Zarenthin  in 

der  Priegnitz.  B . 265 

Jaekkl,  O.:  Die  Tektonik  und  Gliederung  des  Diluviums  in 

Rügen  (Titel).  V . 153 

—  Über  die  Liparischen  Inseln  (Titel).  V .  4 

Janensch,  W.:  Fische  aus  dem  Dysodil  des  Wealden  vom 

Libanon.  (Mit  1  Textabbildung.)  A . 54 

Kegel,  W.:  Das  Unterkarbon  im  östlichen  Lahngebiet  und  die 

varistische  Faltung.  V .  225,  240 

—  Über  oolithische  Eisenerze  im  Produktiven  Karbon  (Titel).  V  2 

Keilhack,  K.:  Zur  Geologie  Islands  (Titel).  V . 226 

v.  Klebelsberg:  Alpine  Quartargeologie  (Titel).  V  .  .  .  .  153 

—  Probleme  der  alpinen  Quartargeologie.  V  .....  .  228 
Koert,  W.:  Geologische  Beobachtungen  in  Syrien  und  Palästina 

während  des  Feldzuges  1917/18.  Mit  paläon tologischen 
Beiträgen  von  W.  Janensch  und  H.  Raufe.  (Hierzu 

Tafel  III,  IV  und  5  Textabbildungen.)  A .  1 

Kuhse:  Eine  Bodenkarte  1:3000  aus  dem  Danziger  Werder 

(Titel )  V . 146 

—  Sedimentpetrographische  Mitteilungen  aus  dem  Weichsel¬ 
delta  (Titel).  V . 146 

Kraus,  E.:  Die  Tektonik  des  ostpreußischen  Quartärs.  V  146,  165 
Mkstwerdt,  A.:  Spateisensteingänge  in  mesozoischen  Schichten 

des  Weserberglandes.  V . 100 

M  kz  :  Das  sero-diagnostische  System  des  Pflanzenreichs  (Titel).  V  146 
Moldenhaukr  :  Die  ingenieurgeologische  Baugrundkarte  Danzigs 

(Titel).  V . 156 

Moos,  A. :  Neue  Nautilus-Schnäbel  aus  dem  Dogger  und  Malm 

Schwabens.  (Mit  2  Textabbildungen.)  B . 792 

Naumann,  E.:  Zur  Kenntnis  der  alluvialen  und  jungdiluvialen 

Schotter  im  mittleren  Weser-  und  Saaletal.  B  ...  .  89 

Nowack,  E:  Über  ein  genetisch  interessantes  Asbestvor¬ 
kommen  bei  Korea.  (Mit  1  Textabbildung.)  B  ...  .  246 
Ortmann  :  Mikroskleren  der  Kreidespongien  (Titel).  V  .  .  .  155 

Petrascheck,  W.  und  Berta  Wilser:  Studien  zur  Geochemie 

des  Inkohlungsprozesses.  (Mit  5  Textabbildungen.)  B  .  200 

Philipp:  Solle  (Titel).  V . 154 

Pompeckj,  J.  F.:  Zum  150.  Geburtstag  Leopold  v.  Buchs  (Titel).  V  97 
Pratjf.,  O.:  Alte  und  junge  Sedimente  am  Grunde  der  Nord¬ 
see.  V . 145,  160 

Qitring,  H.:  Thermenaufstieg  und  Gangeinschieben  (Titel).  V  97 

—  Über  Wesen  und  Ursprung  der  postvaristischen  Tektonik 

Nordwestdeutschlands.  (Hierzu  Tafel  II  und  3  Text¬ 
abbildungen).  V . .  •  3,  62 

—  Postbasaltische  und  rezente  Schubbewegungen  auf  Über¬ 
schiebungsklüften  im  Rheinischen  Schiefergebirge.  (Mit 

2  Textabbildungen.)  B . •  •  •  .  139 

Raufe,  H.:  Über  einige  neue  Spongien  aus  der  Kreide  von 

Aleppo.  A . 47 


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V 


Seite 

Ruck,  Hans:  Die  Kräftegruppen  des  Vulkanismus  und  der 
Tektonik  und  ihre  gegenseitigen  Beziehungen.  Ein  Rück¬ 
blick  und  Ausblick.  A . 115 

Schhiel:  Transgressionen  und  Gebirgsbildungen  im  Altpalaeo- 

zoicum  des  südlichen  Mittelharzes  (Titel).  V  ....  225 
Sem  lz,  P.:  Die  Diatomeenflora  glazialer  und  postglazialer 

Tone  (Titel).  V . 154 

Seidl,  E.:  Die  Höttinger  Brekzie,  die  Exotika  und  andere  Merk¬ 
würdigkeiten  der  nördlichen  Kalkalpen  (Titel).  V .  .  .  3 

Solc.f.r,  F.:  Das  Problem  der  Markgrafensteine  in  den  Rauen- 

schen  Bergen  (Titel).  V . 99 

—  Die  Geologie  als  Grundlage  der  Heimatkunde  (Titel).  V  155 

Sr  appenbeck,  R. :  Ober  Typen  andiner  Kupferlagerstätten  (Titel).  V  1 

—  Typen  andiner  Kupferlagerstätten.  A . 60 

Troll:  Die  Gliederung  der  glazialen  Landschaften  (Titel).  V  154 
Weber,  H.j  Beiträge  zur  Geologie  und  Morphologie  des  Thü¬ 
ringerwald-Randes  zwischen  Frankenhain  und  Georgen - 
thal.  (Mit  l  Textabbildung.)  B . 250 

Wkgner,  Th.:  Die  Rudisten  des  norddeutschen  Turons.  (Hierzu 

Tafel  V  und  2  Textabbildungen.)  A . 159 

van  Wer weke,  L.:  Das  Alter  der  Sundgauschotter  im  Ober¬ 
elsaß.  B . 130 

—  Über  Ineinandergreifen  von  Schollen-  u.  Faltengebirgsbau.  B  126 
W  eise,  E.:  Pflanzenführende  Schichten  im  vogtländischen 

unteren  Kulm.  B . 267 

W enz,  W.:  Tertiäre  Verwitterungsrinden  im  Mainzer  Becken. 

(Mit  3  Textabbildungen.)  B . 215 

W u .skr,  Berta,  siehe  Petrascheck 

Woldstedt,  Paul:  Zur  Tektonik  des  subherzynen  Beckens. 

(Hierzu  Tafel  VI  und  3  Textabbildungen.)  A  ....  183 

Wolf,  W.:  Zur  Abwehr.  B . .  .  223 

Wyss,  Th.:  Die  statischen  Probleme  der  Gebirgsbildung.  (Mit 


Ziegenspkck:  Über  den  serologischen  Stammbaum  und  die 

Phytopaläontologie  (Titel).  V . 147 


Mitgliederverzeichnis . 214 

Neueingänge  der  Bibliothek .  96,  144,  279 

Ortsregister . 281 

Protokoll  der  Sitzung  am  9.  Januar  1924  .  1 

„  „  „  „  6.  Februar  1924  2 

„  „  „  „  6.  März  1924  2 

„  „  „  „  2.  April  1924  3 

„  7.  Mai  1924  .  97 

„  „  „  „  4.  Juni  1924  .  98 

„  „  „  „  2.  Juli  1924  .  99 

Protokoll  der  Hauptversammlung . 145 

Protokoll  der  Sitzung  am  31.  Juli  1924  145 

„  „  wissenschaftlichen  Sitzung  am  1.  August  1924  146 

„  „  geschäftlichen  Sitzung  am  1.  August  1924  .  147 

zweiten  wissenschaftlichen  Sitzung  am 
1.  August  1924  152 


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VI 


Seite 

Protokoll  der  Sitzung  am  4.  August  1924  .  153 

„  „  „  „  5.  August  1924  .  154 

Protokoll  der  Sitzung  am  5.  November  1924  .  223 

„  „  „  „  3.  Dezember  1924  .  226 

Rechnungsabschluß . 225 

Sachregister . 285 

Verzeichnis  der  im  Austausch  bei  der  Bücherei  seit  1920  ein¬ 
gegangenen  Zeitschriften  und  Karten . 202 

Vorstands-  und  Beiratswahl . 226 


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SZ6T  1 1  AVW 


Zeitschrift 


der 


Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte.) 


A.  Abhandlungen, 

1.  u.  2.  Heft.  76.  Band. 

(Hierzu  Tafel  III  und  IV.) 

Berlin  1925. 

Verlag  von  Ferdinand  Enke  in  Stuttgart. 


1924. 


INHALT. 

Aufsätze:  Seite 

1.  Koert,  W.:  Geologische  Beobachtungen  in  Syrien  und 

Palästina  während  des  Feldzuges  1917/18.  Mit 
pal äontologi sehen  Beiträgen  von  W.  Janensch  und 
H  Hauff  (Hierzu  Tafel  III,  IV  und  5  Textabbil¬ 
dungen)  .  1 

Hauff,  H. :  Über  einige  neue  Spongien  aus  der  Kreide 

von  Aleppo .  47 

Janensch,  W.:  Fische  aus  dem  Dysodil  des  Wealden 

vom  Libanon .  54 

2.  Stappenbeck,  R  :  Typen  andiner  Kupferlagerstätten  .  60 

3.  Foerster,  Hermann:  Beiträge  zur  tektonischen  Deutung 

der  Kluftsysteme  im  sächsischen  Quadergebirge. 

(Mit  5  Textabbildungen)  ..........  78 

4.  Reck,  Hans:  Die  Kräftegruppen  des  Vulkanismus  und 

der  Tektonik  und  ihre  gegenseitigen  Beziehungen. 

Ein  Rückblick  und  Ausblick  . 115 

5.  Grahmann,  R.:  Über  pflanzenführende  Diluvialtone 

in  Nord westsachsen.  (Mit  2  Textabbildungen)  .  138 
(Fortsetzung  im  nächsten  Heft.) 


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Deutsche  Geologische  Gesellschaft. 


Vorstand  für  das  Jahr  1925 

Vorsitzender:  Herr  Krusch  Schriftführer:  Herr  BIbtliko 

Stellvertretende  I 
Vorsitzende:  \ 

Schatzmeister: 

Archivar: 


Die  Herren:  ANDRtE-Königsberg  i.Pr.,  BuxTORF-Basel,  CLOOS-Breslau,  Erdmanns- 
DÖRFFER-Hannover,  Faura  i  SANS-Barcelona,  FuEGEL-Berlin,  PETRASCHECK-Leoben, 
ScHUMANN-Grube  Jlse,  N.-L.,  STREMME-Danzig,  SuESS-Wien,  Wegner-M  ünster. 

- □ - 

•  •  \ 

Mitteilungen  der  Schriftleitung. 

Im  Interesse  des  regelmäßigen  Erscheinens  der  Abhandlungen  und 
Monatsberichte  wird  um  umgehende  Erledigung  aller  Korrekturen  gebeten. 

Die  Manuskripte  sind  druckfertig  und  möglichst  in  Maschinenschrift  ein¬ 
zuliefern.  Der  Autor  erhält  in  allen  Fällen  eine  Fahnenkorrektur  und  nach 
Umbrechen  des  betreffenden  Bogens  eine  Revisionskorrektur.  Eine  dritte 
Korrektur  kann  nur  in  ganz  besonderen  Ausnahmefällen  geliefert  werden.  Für 
eine  solche  hat  der  Autor  die  Kosten  stets  zu  übernehmen. 

Im  Manuskript  sind  zu  bezeichnen: 

Oberschriften  (halbfett)  doppelt  unterstrichen, 

Lateinische  Fossilnamen  (kursiv  I)  durch  Schlangenlinie, 

Autornamen  (Majuskeln)  rot  unterstrichen, 

Wichtige  Dinge  (gesperrt)  schwarz  unterstrichen. 


- □ - ?- 

Bei  Zusendungen  an  die  Gesellschaft  wollen  die  Mitglieder  folgende 
Adressen  benutzen: 

1.  Manuskripte  zum  Abdruck  in  der  Zeitschrift,  Korrekturen  usw.  an 
Herrn  Bergrat  Prof.  Dr.  Bärtling,  Berlin-Friedenau,  Kaiserallee  128. 

2.  Einsendungen  an  die  Bücherei,  Reklamationen  nicht  eingegangener 
Hefte,  Anmeldung  neuer  Mitglieder  und  Adressenänderungen  an 
Herrn  Prof.  Dr.  Dienst,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

3.  Anmeldung  von  Vorträgen  für  die  Sitzungen  an  Herrn  Bergrat 
Prof.  Dr.  Mestwerdt,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

4.  Sonstiger  Briefwechsel  an  den  Vorstand  der  Deutschen  Geo¬ 
logischen  Gesellschaft,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

5.  Die  Beiträge  sind  gebührenfrei  auf  das  Postscheckkonto  von 
Prof.  Dr.  E.  Picard,  Schatzmeister  der  Deutschen  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft  in  Berlin  N 4  beim  Postscheckamt  Berlin  NW7  Nr.  38581  zu 
überweisen. 

Aus  dem  Ausland  sind  die  Beiträge  an  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Picard, 
Berlin  N4,  Invalidenstr.  44,  einzusenden. 

Go  gle  j 


POMPECKJ 

BROiu-München 

PlCABD 

Dienst 


Beirat  für  das  Jahr  1925 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 


Aufsätze. 

1.  Geologische  Beobachtnngen  in  Syrien  und 
Palästina  während  des  Feldzages  1917/18. 

Mit  paläontologischen  Beiträgen  der  Herren  W.  Janensch 
und  H.  Rauff. 

Von  Herrn  W.  Koert,  Berlin. 

(Hierzu  Tafel  III,  IV  und  5  Textabbildungen.) 

Seite 


Einleitung .  2 

I.  Zur  Geologie  von  Aleppo .  3 

1.  Die  Kreide .  3 

2.  Die  prämiocänen  Eruptiva  .  7 

3.  Das  Miocän .  9 

a)  Die  Inselplatte  von  Schech  Bekr-Mahmudije  ...  10 

b)  Die  Platte  im  Nordosten .  12 

c)  Die  Platte  im  Nordwesten  bis  zur  Alexandrette- 

Straße  .  13 

d)  Die  Platte  im  Westen  und  Südwesten .  14 

II.  Geologische  Beobachtungen  zwischen  Aleppo  und  Hama 

(Miocän,  prämiocäner  Basalt,  Kreide,  Eocän,  diluviale 

Terrassenschotter  des  Orontes) .  17 

HI.  Diluvialschichten  und  junge  Verwerfungen  in  der  Beka 

und  am  Bande  des  Antilibanos  bei  Kajak .  21 

IV.  Tektonik  und  Wealden  auf  der  Nordwestseite  des 

Kneysseh  im  Libanon .  23 

V.  Geologische  Beobachtungen  zwischen  Afule  und  Kaisa- 

rije,  ferner  bei  Tul  Karm .  29 

1.  Aus  der  Ebene  Jesrecl .  29 

2.  Aus  dem  Berglande  von  Samaria .  30 

3.  Von  der  Küstenebene  Saron .  34 

VI.  Geologisches  aus  dem  Ost  jordanlande  längs  der  Hedschas- 

bahn  .  36 

1.  Kreide  und  Tektonik  bei  Damaskus .  36 

Zeitschr.  d.  D.  Oeol.  Ges.  1924.  1 


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Seite 

2.  Kreide  und  Basalt  zwischen  Mismije  und  Kalat  es 

Zerka,  Artefaktenfund  im  Wadischotter  bei  Dera  .  .  38 

3.  Dänische  Stufe  und  Diluvialschotter  bei  Amman  .  .  39 

4.  Senon,  diluviale  und  jüngere  fluviatile  Bildungen, 


junge  Verwerfung  bei  Kutrane .  42 

5.  Kreide  und  Wadisedimente  bei  Djuruf  ed  Dar&wisch  44 

Schlußwort  . 46 

Paläontologischer  Anhang: 

I.  Über  einige  neue  Spongien  aus  der  Kreide  von  Aleppo. 

Von  H.  Hauff.  (Hierzu  Tafel  IV)  .  47 

II.  Fische  aus  dem  Dysodil  des  Wealden  vom  Libanon. 

Von  W.  Janensch .  54 


Als  Kriegsgeologe  bei  der  Vermessungsabteilung  27  war 
ich  vom  9.  November  1917  bis  zu  meiner  Erkrankung  am 
24.  Juli  1918  in  Syrien  und  Palästina  tätig  und  hatte  dank 
den  mir  gestellten  Aufgaben  Gelegenheit,  das  Land  an  vielen 
Stellen  geologisch  naher  kennen  zu  lernen.  Außer  manchen 
Beobachtungen  von  den  keineswegs  nach  europäischer  Art. 
hastenden  Bahnen  und  längs  der  Marschstrecken  konnte  ich 
zahlreiche  geologisch  -  topographische  Spezialaufnahmen 
machen  und  zi*  Kartenbildem  zusammensteilen,  ferner  ein 
umfangreiches  geologisches  und  paläontologisches  Belegmate¬ 
rial  sammeln.  Leider  haben  meine  schweren  Erkrankungen, 
deren  letzte  mir  im  Lazarett  zu  Haifa  am  23.  September 
1918  auch  die  Gefangennahme  durch  die  Engländer  eintrug, 
ferner  der  Zusammenbruch  der  Front  in  Palästina  sowie 
die  folgenden  Ereignisse  mich  eines  großen  Teils  meiner 
Ergebnisse  beraubt.  Gerettet  habe  ich  meine  sämtlichen 
Tagebücher  und  einen  großen  Teil  meiner  Aufsammlungen 
von  Aleppo,  zwischen  Afule  und  Tul  Karm  und  aus  dem 
Ostjordanlande,  die  rechtzeitig  in  die  Heimat  abgesandt 
waren,  jedoch  ist  selbst  von  dem  nach  Berlin  gelangten 
Probenmaterial  noch  mancherlei  abhanden  gekommen.  Als 
verloren  muß  mein  Material  aus  dem  Libanon,  der  Bekä, 
aus  Nordsyrien  zwischen  Aleppo  und  Hama  und  aus  dem 
Gebiete  von  Es  Salt,  kurz  alles  nach  dem  1.  April  1918 
Gesammelte,  gelten.  Wenn  ich  es  trotz  dieses  Mißgeschicks 
unternehme,  meine  lückenhaften  Beobachtungen  zusammen¬ 
zustellen,  so  leitet  mich  dabei  der  Wunsch,  auch  meinerseits 
ein  Scherflein  zur  geologischen  Kenntnis  des  Landes  bei¬ 
zutragen,  an  dessen  Erforschung  Deutsche  von  jeher  einen 
hervorragenden  Anteil  gehabt  haben. 


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3 


I.  Zur  Geologie  von  Aleppo. 

(Abb.  1.) 

Die  Stadt  Aleppo  liegt  bekanntlich,  in  dem  abflußlosen 
Gebiete  zwischen  Mittelmeer  und  Euphrat  an  dem  Flüßchen 
Kuwrek,  das  24  km  südsüdwestlich  Aleppo  im  Sumpfe 
Ei  Match  endigt.  Die  Seehöhe  wird  auf  der  KiEPERTSchen 
Karte  für  die  Flache  etwa  1  km  südsüdwestiich  von  der 
Zitadelle  von  Aleppo  zu  370  m  angegeben.  Ein  Nivellement, 
welches  seinerzeit  vom  Ingenieur  Herrn  Glückstein 
zwischen  dem  Quellbecken  Am  Helan,  unweit  Muslimije, 
und  der  Zitadelle  von  Aleppo  ausgeführt  worden  war,  ergab 
nach  den  mir  freundlichst  überlassenen  Ergebnissen  für 
einige  bemerkenswerte  Punkte  in  und  bei  der  Stadt  folgende 
Werte: 


Das  Nordende  des  Quellbeckens  N.  Teil  Helan  an¬ 
genommen  zu . ~  0 

Höchster  Punkt  der  Straße  Aleppo — Muslimije, 

etwa  bei  Km.  10 . -}-  47,9 m 

Tiefster  Punkt  beim  Grabe  Abu  Tawil,  zwischen 

Km.  1  und  2  derselben  Straße . — 10,7  m 

Militärhospital  Ramadanije  auf  der  Nordseite  der 

Stadt  . +  3,35m 

Behälter  der  Wasserleitung  vom  Am  Teil,  auf 

der  Südseite  der  Vorstadt  Muslimije . — 15,5  m 

Straßenecke  Dette  Publique,  Wendung  nach  Bab 

en  Nassr  . —  12,7  m 

Ecke  Bab  en  Nassr  zur  Seraije . — 12  m 

Straßenecke  auf  der  Nordseite  der  Zitadelle  am 

Graben,  Wendung  nach  Westen . —  1,5  m 

Portal  der  Zitadelle  auf  der  Südseite . —  3,15  m 

Oberfläche  der  Zitadelle  beim  Minaret . -f-  40,75  m 


1.  Die  Kreide. 

Ober  die  Kreide  bei  Aleppo  scheint  bisher  noch  keine 
genügende  Klarheit  zu  herrschen,  denn  Blanckenhorn 
gedenkt  ihrer  in  seiner  Monographie  („Die  Entwicklung  des 
Kreidesystems  in  Mittel-  und  Nordsyrien“,  1890)  überhaupt 
nicht  und  im  Handbuche  der  Regional-Geologie,  V.  4.  1914 
verzeichnet  er  zwar  auf  Taf.  IV  eine  längs  des  Kuwek  von 
Norden  her  bis  Aleppo  reichende  Bucht  von  Oberer  Kreide 
—  die  aber  in  dieser  Form  nicht  besteht,  wie  ein  Blick 
auf  die  Kartenskizze  (Abb.  1)  der  vorliegenden  Arbeit  zeigt  — 
äußert  sich  sonst  aber  nicht  näher  über  die  Aleppokreide. 
Frech  endlich  kennt  auf  seiner  geologischen  Karte  von 
Anatolien  (diese  Zeitschr.,  68,  1916)  bei  Aleppo  nur  Marines 
Miociin  und  scheint,  nach  einer  gelegentlichen  Bemerkung 

l* 


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Af/ocäne  Kalke 
u  Conglcmeratt 

Bern.  ■■  Weiß  gelassen  und  die 
fliehen  Bei  Alluviums  u. 
des  Schuftkegels  von  Am  Ted 
/  Verwerfung 


Maft*tsb  i  soooe. 


Mit  Gebäuden  bedeckter 
Stadtteil  od.  Araberdorf 

inm 

Muhamedan.  Fhedhof. 


Abb.  1  Geologische  Skizze  von  Aleppo  und  seiner  näheren 
Umgebung. 


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ö 


(a.  a.  O.  S.  80)  zu  urteilen,  die  Kreide  für  Miocän  gehalten 
zu  haben. 

In  der  Tat  bildet  blendendweiße  Schreibkreide  den 
Untergrund  der  Stadt  Aleppo  und  wird,  wahrscheinlich  auf 
allen  Seiten,  so  von  Miocänkalken  eingerahmt,  daß  man 
an  eine  Durchragung  der  Kreide  durch  das  diskordant  auf* 
gelagerte  Miocän  denken  muß.  Bereits  in  prämiocäner  Zeit 
scheint  hier  eine  Insel  bzw.  Untiefe  von  Kreide  bestanden 
zu  haben,  denn  das  Miocänmeer  hat  deutliche  Spuren  seiner 
Abrasionstätigkeit  rings  um  diese  Insel  hinterlassen.  Das 
alte  Aleppo  liegt  im  wesentlichen  auf  einem  Schreibkreide¬ 
rücken,  der  sich  vom  Süden  der  Stadt  über  die  Zitadelle  bis 
zur  Nordostecke  der  Altstadt  verfolgen  läßt.  Der  Zitadellen¬ 
hügel,  welcher  durch  einen  Ringgraben  aus  dem  Höhen¬ 
rücken  herausgeschnitten  ist,  bezeichnet,  wohl  die  höchste 
Erhebung. 

Aufschlüsse  in  der  Schreibkreide  sind  in  erheblicher 
Zahl  und  Tiefe  vorhanden;  einer  der  tiefsten  ist  wohl  der 
Einschnitt  der  Straße,  welche  die  nördliche  Stadtmauer  an 
der  Außenseite  begleitet  und  zwischen  den  Toren  Bab  en 
Nassr  und  Bab  el  Hadid  bis  zu  etwa  15  m  Tiefe  horizontal 
lagernde  und  nur  von  unbedeutenden  Sprüngen  durchsetzte 
Schreibkreide  zeigt.  Kleine,  unregelmäßig  verteilte  Markasit¬ 
knollen  und  -Stengel  bedingen  hier  und  da  Rostflecke.  Feuer¬ 
steine  sind  weder  hier  noch  sonst  irgendwo  in  der  Aleppo¬ 
kreide  zu  beobachten.  Auf  der  Südseite  der  Stadt  sind  in 
der  weichen  Schreibkreide  zahlreiche,  bis  10  m  tiefe  und 
zum  Teil  bereits  eingestürzte  Höhlen  ausgeschachtet  und 
dienen  gegenwärtig  noch  als  Viehställe,  ärmeren  Leuten 
auch  als  Wohnstätten  und  Seilern  als  Arbeitsplätze.  Auch 
hier  herrscht  die  horizontale  Lagerung  vor,  Klüftungen  in 
107°  und  165°  (magnetischer  Meridian)  sind  besonders  augen¬ 
fällig.  Mächtige  dunkelfarbige  Ablagerungen  von  altem 
Stadtschutt  breiten  sich  über  der  Kreide  aus. 

Durch  besonders  starke  Zerklüftung  (in  20  bis  55°  und 
HO  bis  160°)  zeichnet  sich  die  ebenfalls  horizontal  lagernde 
Schreibkreide  aus,  welche  in  dem  bis  9  m  tiefen  Straßen - 
einschnitt  an  der  Südwestseite  der  Eisenbahnwerkstätten  gut 
aufgeschlossen  ist.  Hier  fand  sich  auch  ein  größerer,  leider 
unbestimmbarer,  verdrückter  Zweischaler.  In  ähnlicher 
Weise  stark  mit  zum  Teil  offenen  Klüften  durchsetzt  ist 
die  Schreibkreide  an  der  Fahrstraße,  welche  von  der  Straße 
nach  Alexandrette  zu  den  Kasernen  im  Nordwesten  der 
Stadt  abzweigt.  Hier  wurde  in  einem  40  m  tiefen  Schach  t- 


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brunnen,  welcher  im  Herbst  1917  gerade  fertiggestellt  war, 
unter  dem  Miocän  in  der  Tiefe  die  Schreibkreide  getroffen. 
Auf  der  Halde  dieses  Brunnens  konnte  ich  aus  ihr  sammeln: 
Gryphaea  vesicularis  Brongn.,  eine  beschädigte  Unter¬ 
schale; 

Lima  Hoperi  Mant.,  ein  beschädigtes  zweiklappiges 
Schalenexemplar ; 

sowie  folgende  Spongienreste,  deren  Bestimmung  Herr  Geh. 
Bergrat  Hauff  auf  meine  Bitte  übernommen  hat: 
Ptychocalyptra  Koerti  n.  g.  n.  sp. ; 

Ceriosymplegma  chalybonense  n. sp.; 

Spongia  hexactinellida  g.  ind.  sp.  ind. 

Näheres  über  diese  Spongienreste  enthält  der  von  Herrn 
Hauff  verfaßte  erste  Teil  des  Paläontologischen  Anhangs 
dieser  Arbeit  (S.  47  ff.). 

Herr  Hauff  hatte  ferner  die  Freundlichkeit,  das  Kreide¬ 
gestein  einer  mikroskopischen  Prüfung  zu  unterziehen,  und 
berichtet  darüber  folgendermaßen : 

„Das  die  Spongien  umschließende  Gestein  von  Aleppo 
ist  typische  Schreibkreide.  Es  ist  rein  weiß,  weich,  zwischen 
den  Fingern  leicht  völlig  zerreiblich  und  stark  ab¬ 
färbend.  Die  mikroskopische  Untersuchung  bestätigt  die 
Bestimmung  nach  dem  äußeren  Befunde.  Sie  zeigt,  daß 
das  Gestein  aus  allerfeinsten  zusammengehäuften  Kalk¬ 
partikelchen  besteht,  worin  in  größter  Menge  Foramini¬ 
feren,  vornehmlich  Textularien  und  Globigerinen  sowie 
auch  zahlreiche  Kokkolithen  liegen.  Daneben  sieht  man 
einzelne  Echinodermen-  lind  Bryozoenreste  sowie  Bruch¬ 
stückchen  von  Muschelschalen.  Diagenetische  Umwand¬ 
lungen  haben  begonnen.  Die  Schalen  sind  zum  Teil  in 
Auflösung  begriffen,  die  Poren  der  Foraminiferen  vielfach 
verklebt  und  undeutlich  geworden,  die  allgemeinen  Ge¬ 
häuseformen  im  großen  und  ganzen  aber  noch  gut  er¬ 
halten.  Kieselige  Beste  und  fremde  Mineralkörnchen  "wur¬ 
den  nicht  beobachtet.  Sie  werden  nicht  fehlen,  sich  aber 
in  dem  Kalk  verstecken  und  nicht  ohne  besondere  iso¬ 
lierende  Trennungsmethoden  nachzuweisen  sein,  die  nicht 
angewandt  wurden,  wreil  es  sich  zunächst  nur  um  die 
Feststellung  handelte,  daß  echtes  Kreidegestein  vorliegt/* 

Soweit  der  obige  Fossilbefund  ein  Urteil  gestattet, 
dürfte  die  Schreibkreide  von  Aleppo  zum  Senon  gehören. 

Wegen  ihrer  leichten  Bearbeitbarkeit  dient  die  Schreib¬ 
kreide  bei  Aleppo  vielfach  als  ein  Baustein  für  Hinter-  und 


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7 

Gartenmauern,  wo  es  weniger  auf  Festigkeit  ankommt.  Ihr 
leichter  Zerfall  zu  Staub  veranlaßt  namentlich  in  der 
Sommerzeit  eine  sehr  lästige  Staubbildung.  Bei  ihrer 
Klüftigkeit  gibt  sie  durchweg  einen  guten  Wasserhorizont 
ab,  aus  dem  zahlreiche  der  Gartenbewässerung  dienende 
Brunnen  schöpfen.  Ihr  Verwitterungsboden  behält  stets 
die  hellen  Farben  und  zeigt  nie  auch  nur  Andeutungen 
einer  Roterde  wie  das  Miocän  oder  der  Basalt.  Gelegent¬ 
lich  findet  sich  auf  ihr,  wie  z.  B.  in  der  nördlichen  Vor¬ 
stadt  Suleimanije  oder  an  der  Ostseite  der  großen  Kaserne 
im  NO  der  Stadt  eine  bis  1  m  starke  Kruste  von  hartem, 
lagenförmig  gebauten  Oberflächenkalk  oder  Nari.  Feigen, 
Reben,  Oliven  und  Pistazien  gedeihen  auf  der  Kreide  gut, 
zum  Teil  selbst  im  nackten  Gestein  verlassener  Stein¬ 
brüche. 


2.  Die  prämioeänen  Eruptiva. 

Die  mit  Ackerland  bedeckte  Niederung  zwischen  der 
im  W.  der  Stadt  aufsteigenden  Miocänplatte,  dem  Damas- 
kusbahnhof,  den  Stadtteilen  Dschimelje  und  Mchaka  und 
endlich  der  Kuwekniederung  ist  mit  basaltischen  Eruptiven 
erfüllt,  denen  ein  prämioeänes  Alter  deshalb  beigelegt  wer¬ 
den  muß,  weil  Gerolle  von  ihnen  bereits  in  den  Basis¬ 
schichten  des  Miocäns  auftreten.  Blanckenhobn  hatte  wohl 
bei  Aleppo  die  Auflagerung  des  Miocäns  auf  Basalt  be¬ 
obachtet,  sprach  aber  von  mioeänen  Basalten  und  stellte 
sich  vor,  daß  bei  Katma,  Killis  und  Aleppo  das  Hervor¬ 
brechen  der  Basalte  und  Tuffe  die  II.  Mediterranstufo 
eingeleitet  habe  (Das  marine  Miocän  in  Syrien.  Denkschr. 
K.  Ak.  d.  Wiss.  Wien.  57.  1890  S.  604—606).  Demgegen¬ 
über  muß  betont  werden,  daß  zwischen  der  Eruption  des 
Basaltes  und  seiner  Überlagerung  durch  Miocän  ein  ganz 
erheblicher  Zeitraum  verflossen  sein  muß,  denn  der  Basalt 
verwitterte  in  der  Zwischenzeit  tiefgründig  und  wurde  vom 
Meer  der  II.  Mediterranstufe  zum  Teil  abradiert  und  zu 
Gerollen  verarbeitet.  FiiEcn’s  Anschauung  endlich,  daß 
die  Eruptiva  bei  Aleppo  dem  Miocän  teils  eingelagert, 
teils  aufgelagert  seien  (a.  a.  0.  S.  78  bis  79)  scheint  mit 
der  bereits  im  vorigen  Abschnitte  berührten  Verkennung 
der  Kreide  Zusammenhängen. 

Ein  stark  verwitterter  Mandelsteinbasalt  taucht  zuerst 
am  südwestlichen  Ende  des  Damaskusbahnhofes  auf  und  ist 
nach  SW  längs  der  Bahn  in  einigen,  bis  2,5  m  tiefen  Ein¬ 
schnitten  zu  studieren.  Er  verwittert  durchweg  kugel- 


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schalig,  ist  aber  im  Kern  oft  noch  leidlich  frisch,  sonst 
reich  an  Kalkspatmandeln  und  -trümmern.  Ein  Dünnschliff 
des  frischeren  Gesteins!  ergab  nach  freundlicher  Unter¬ 
suchung  meines  Kollegen  Finckh  einen  doleritischen  Feld¬ 
spatbasalt  mit  reichlich  Analcim,  seltener  Natrolith  und 
Delessit  in  den  Hohlräumen,  ein  Zeichen,  daß  postvul¬ 
kanische  Prozesse  das  Gestein  betroffen  haben,  Finckh 
hält  es  nicht  für  ausgeschlossen,  daß  die  Zeolithe  aus 
einem  ursprünglichen  Nephelingehalt  des  Gesteins  hervor¬ 
gegangen  sind,  und  daß  demnach  ein  Nephelinbasanit  Vor¬ 
gelegen  haben  könnte.  Die  Klärung  dieser  Frage  mag 
späteren  Untersuchungen  überlassen  bleiben. 

Die  Basalteruption  bei  Aleppo  war  kein  einmaliger  Vor¬ 
gang,  sondern  wurde  durch  Zeiten  der  Ruhe  oder  ge¬ 
änderter  vulkanischer  Tätigkeit  unterbrochen,  Anzeichen 
dafür  sind  verwitterte  alte  Oberflächen  innerhalb  der  Ba¬ 
saltmasse,  zum  Teil  verbunden  mit  Steppenkalkabsätzen  und 
Tuffsteinlagerungen.  Dicht  nördlich  der  kleinen  Moschee 
Meschhed  Hussen  hat  man  von  oben  nach  unten  im 
Liegenden  des  Miocäns  folgendes  Profil: 

a)  schwarzbrauner,  verwitterter  Mandelstein  basal  t; 

b)  0,1  m  kalkreicher,  rötlicher  Brockentuff  bzw.  durch  Steppen¬ 
kalk  verkittete  Trümmer  von  rötlich  verwittertem  Basalt; 

c)  mindestens  0,15  m  rötlich  verwitterter  Basalt; 

und  auf  der  Nordseite  des  Meschhed  genannten  Platten¬ 
vorsprungs,  etwa  150  m  N.  der  obigen  Moschee  beobachtete 
ich  im  Herbst  1916  unter  Führung  des  Herrn  Realschul¬ 
lehrers  Stumvoll  aus  Aleppo  unter  dem  Miocän: 

a)  etwa  2  m  graubraunen  bis  grünlichgrauen,  tonig  zersetzten, 
talkig  anzufühlenden  Basalt; 

b)  etwa  1,5  m  frischeren  Mandelsteinbasalt; 

c)  etwa  1,5  m  rötlichen,  helldurchtrümerten  Kalk,  reich  an 
Tuffmaterial ; 

d)  zersetzten  Basalt. 

Aus  beiden  Profilen  geht  hervor,  daß  mindestens  zwei 
Basaltergüsse  stattgefunden  haben,  die  durch  eine  längere 
Ruhepause  getrennt  sind.  Während  dieser  Pause  verwitterte 
der  ältere  Strom,  und  es  bildete  sich  auf  ihm  eine  kalkige, 
den  Steppenkalken  vergleichbare  Decke,  während  Tuff¬ 
eruptionen  in  diese  Zeit  hineinspielten.  Petrographische 
Unterschiede  zwischen  den  beiden  Basaltergüssen  waren 
übrigens  selbst  in  Dünnschliffen  nicht  wahrzunehmen. 

Die  durch  Blanckenhokn1)  bereits  bekanntgewordenen 
Tuffe  werden  in  einem  Seitenrisse  der  Kuwekniederung 

*)  Das  marine  Miocän  in  Syrien.  1890.  S.  605. 


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zwischen  den  Stadtteilen  Dschimelije  und  Mchaka  auf  etwa 
250— 300  m  sichtbar.  Es  sind  mindestens  1,3  m  mächtige 
bräunlichrote,  wohlgeschichtete  Glastuffe  (belegt  durch 
Finckh’s  Untersuchung  an  einem  Dünnschliffe),  die  in 
den  gröberen  Schichten  deutlich  kalkiger  sind  als  in  den 
feinkörnigeren.  Anzeichen  für  einen  marinen  Absatz  sind 
nicht  zu  entdecken.  Ihre  Unterlage  ist  unbekannt,  im 
Hangenden  folgt  kalkiger,  verwitterter  Basalt  mit  einer 
alten  roten  Oberfläche  und  Steppenkalk  und  darüber  wieder 
Mandelsteinbasalt,  also  auch  hier  wieder  Anzeichen  für 
mindestens  zwei  zeitlich  getrennte  Basaltergüsse. 

Unterhalb  der  Miocänkante  westlich  Aleppo  ist  stark 
zersetzter  Basalt  bis  in  das  Tal  hinein  zu  verfolgen,  durch 
welches  die  Straße  nach  Alexandrette  zieht.  Er  scheint 
hier  an  der  dieses  Tal  in  NNW-Richtung  durchsetzenden 
Störung  gegen  Kreide  verworfen  zu  sein,  aber  eine  exakte 
Beobachtung  des  Lagerungsverhäitnisses  zwischen  Kreide 
und  Basalt  liegt  bisher  von  Aleppo  nicht  vor.  Bis  auf 
weiteres  möchte  ich  annehmen,  daß  es  dasselbe  ist,  wie 
das  von  Blanckenhokn  aus  dem  unteren  Afrin-Becken 
(a.  a.  O.  S.  604)  beschriebene,  wo  die  Basalte  und  Tuffe 
den  senonen  Kreidemergeln  aufiagern.  Da  ferner  Blanckkn- 
hokn  (a.  a.  O.  S.  606)  angibt,  daß  hierher  gehörende  Ba¬ 
salte  die  Eocänschichten  des  Kurdengebirges  durchbrochen 
haben,  so  neige  ich  dazu,  das  Empordringen  dieser  Basalte, 
insbesondere  des  von  Aleppo  wesentlich  in  das  O  l  i  g  o  c  ä  n 
zu  verlegen,  welches  bisher  in  fossilführenden  Ablage¬ 
rungen  aus  Syrien  und  Palästina  nicht  bekannt  geworden 
ist  und  vielleicht  eine  Festlandsperiode  mit  vorwiegender 
Verwitterung  und  Denudation  bezeichnet. 

3.  Das  M  i  o  c  ä  n. 

Kreide  und  Eruptiva  werden  bei  Aleppo  diskordant 
vom  Miocän  überlagert,  und  zwar  bildet  das  Miocän  einen 
wohl  fast  geschlossenen  Höhenkranz  um  Aleppo  und  inner¬ 
halb  dieses  Kranzes  noch  mehr  oder  weniger  ausgedehnte, 
inselartige  Denudationsreste.  Seine  Gesteinsentwicklung  ist 
bei  genauerer  Betrachtung  eine  sehr  mannigfaltige,  da 
Konglomerate,  Trümmer-,  Sandkalke  mit  Austern-,  Litho- 
thamnien-,  Korallen-  und  Marmorkaiken  wechseln.  Das 
Miocän  im  Osten  und  Süden  der  Stadt  ist  mir  leider  nicht 
näher  bekannt  geworden,  sondern  nur  das  im  Nordosten, 
Norden,  Westen  und  Südwesten.  Für  die  folgende  Be- 


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spreehung  möchte  ich  das  mir  bekannte  Miocän  von  Aleppo 
etwa  zerlegen  in  (Abb.  1): 

a)  die  Inselplatte  von  Schech  Bekr — Mahmudije, 

b)  die  Platte  im  Nordosten, 

c)  die  Platte  im  Nordwesten  bis  zur  Alexandrette -Straße, 

d)  die  Platte  im  Westen  und  Südwesten. 

a)  Die  Inselplatte  von  Schech  Bekr-Mahmudije. 

Den  am  weitesten  nach  Aleppo  hinein  vorgeschobenen 
Abschnitt  des  Miocäns,  der  durch  die  Denudation  bereits 
zu  einer  von  der  Hauptplatte  getrennten  Insel  geworden 
ist,  stellt  die  Platte  an  der  Nordostseite  der  Stadt  dar, 
auf  welcher  sich  u.  a.  das  weithin  sichtbare  Derwischkloster 
Schech  Bekr  erhebt.  Durch  tiefe  und  zum  Teil  breite 
Buchten  hat  diese  Platte  einen  bastionsartigen,  fünf  lappigen 
Umriß.  Auf  dem  südlichen  Vorsprung  erhebt  sich  die 
Kavalleriekaserne,  dann  folgt  nach  Westen  zu  ein  nur  mit 
Gräbern  bedeckter  Vorsprung,  weiter  nördlich  der  das 
Derwischkloster  mit  seinem  Chan  oder  Rasthof  tragende 
Absatz,  um  dessen  Fuß  sich  die  Straße  nach  Muslimije 
herumzieht.  Nach  Norden  schiebt  sich  eine  längliche  Platt¬ 
form  vor,  auf  der  sich  1917  u.  a.  eine  Militär musikschuie 
befand,  und  nach  Osten  folgt  eine  breitere  Platte,  an 
welche  sich  das  Dorf  Mahmudije  anlehnt.  Die  gesamte 
Platte  ist,  wie  mit  dem  RicnTHOFENSchen  Horizontalglase 
deutlich  zu  erkennen  war,  nach  Norden  geneigt  und  mag 
sich  nach  meinen  Barometermessungen  etwa  25 — 40  m  über 
den  benachbarten  Stadtteil  Azizijc  erheben.  Zahlreiche 
kleine  Brüche  und  Gruben  an  der  Kante  der  Platte  ge¬ 
währen  hinlängliche  Aufschlüsse. 

Auf  der  Nordseite  der  nordwestlich  von  der  Kavallerie- 
kaserne  belegenen  Buchti-Moschee  wird  die  Schreibkreide  in 
der  Kante  von  einem  3  m  mächtigen  Austernkalk  überlagert, 
in  dem  sich  Ostrea  lamellosa  Br.  und  Alec.tr  yonia  plicatula 
Gm.  in  zweiklappigen  Exemplaren  reichlich  finden.  Dieselbe 
Bank  ist  noch  auf  der  Südseite  des  Derw-ischklosters  und 
an  dessen  Chan  nachweisbar,  wo  sie  infolge  einer  ört¬ 
lichen  Störung  leicht  nach  ONO  einfällt.  Unterhalb  der 
Westseite  der  Ivavalleriekaserne  stellen  sich  in  der  Austern¬ 
bank  einzelne  Korallen  zugleich  mit  Trümmern  eines  röt¬ 
lichen  Kalkes  ein,  und  an  der  Südwestecke  der  Kaserne 
ist  ein  echter,  zum  Teil  löcheriger,  kristalliner,  3  m  mäch¬ 
tiger  Korallenkalk  entstanden,  der  Neigung  zur  Roterde¬ 
bildung  bekundet  und  der  Schreibkreide  unmittelbar  auf¬ 
ruht.  In  der  Kante  auf  der  Ostseite  der  Kaserne  vollzieht 


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sich  der  Übergang  von  dem  kristallinen  Korallenkalk  zu 
einem  eigenartigen  Geröll-  oder  Trümmerkalk,  der  als 
Transgressionsbildung  des  Miocäns  angesehen  werden  muß. 
In  kleinen  Brüchen  der  Kante  nordnordöstlich  der  Kaserne 
sieht  man  folgendes  Profil: 

0,5  m  eluviale  Kalkkruste; 

1  m  mürben,  rötlichen  Lithothamnien-Triimmerkalk,  reich 
an  bis  0,5  m  Durchmesser  haltenden  Gerollen.  Unter 
den  Gerollen  sind  vertreten :  Harte,  z.  T.  von  Bohr¬ 
schwämmen  durchlöcherte  Kalke,  rötliche  tonige 
Kalke,  Schreibkreide  und  zersetzter  Basalt;  Neigung 
zur  Roterdebildung. 

Liegendes:  Schreibkreide. 

Der  zersetzte  Basalt  gleicht  ganz  dem,  welchen  wir 
oben  an  der  Nordseite  des  Meschhed  kennengelemt  haben. 
In  einem  Dünnschliffe  läßt  er  nur  noch  eine  trüb  grau¬ 
braune,  von  dem  Maschenwerk  eines  serpentinähnlichen, 
schwach  doppelbrechenden  Minerals  durchzogene  Grund¬ 
masse  erkennen,  in  weicher  nur  die  Titaneisenlamellen 
noch  in  ihrer  ursprünglichen  Frische  und  Anordnung  fest¬ 
zustellen  sind.  Das  serpentinähnliche  Mineral  möchte 
Finckh  als  Pseudophit  ansprechen.  Der  Olivin  ist  nach 
ihm  in  ein  parallelfasriges  oder  -blättriges  Mineral  umge- 
wandelt,  das  an  Iddingsit  erinnert,  nur  fehlt  der  für  diesen 
bezeichnende  Pleochroismus,  dafür  ist  es  erfüllt  von  reich¬ 
lichen  Eisenhydroxyd-Ausscheidungen.  Nach  der  Art  der 
Doppelbrechung  dieser  fasrigen  oder  blättrigen  Neubildun¬ 
gen  möchte  man  an  Talk  denken. 

Dieselbe  Transgressionsfazics  des  Miocäns  ist  noch  in 
der  nordöstlich  von  hier  gelegenen  Kante  des  Mahmudija- 
Vorsprungs  vertreten.  Auf  dem  Halse  dieses  Vorsprungs 
stellt  sich  dagegen  wieder  die  Austernbank fazies  ein  und 
herrscht  nördlich  von  hier  entschieden  vor,  insbesondere 
erreicht  sie  auf  der  Platte  mit  der  Militärmusikschule  eine 
Mächtigkeit  bis  zu  2  m.  Steinbrüche  in  der  nördlichen 
Kante  der  Platte  von  Mahmudije  zeigen  von  unten  nach 
oben  folgendes  Profil: 

1,3  m  aus  Lithothamnientrümmern  und  rötlich-tonigem  Kalk¬ 
grus  zusammengesetztes  Gestein; 

1—1,5  m  Austernbank  u.  a.  mit  Alectryonia  plicat ula  Gm.,  zu 
rotbraunem  Lehm  verwitternd. 

Beim  weiteren  Verfolg  der  Miocänkante  nach  Südosten 
zu  sieht  man  zwischen  die  Austernkalke  sieh  Lithothamnien- 
kalke  einschieben,  wie  folgendes,  etwa  50  m  ostsüdöstlich 


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einer  als  Stall  dienenden  Höhle  auf  genommenes  Profil  zeigt: 
unter  Oberflächenkalk 

0,5  m  austernreicher,  rotpunktierter  Trümmerkalk. 

1  m  kristalliner  Kalk, 

1  m  Austernkalk, 

0,5  m  Lithothamnienkalk. 

In  einer  Reihe  kleiner  Steinbrüche,  die  sich  dicht  nordwest¬ 
lich  von  Mahmudije  in  Ost- Westrichtung  hinzieht,  herrschen 
bereits  teils  feste,  teils  mürbe  und  löcherige  Lithothamnien- 
kalke  vor  und  erreichen  bis  3,5  m  Mächtigkeit.  Diese  Kalke 
fallen  flach  nach  N  ein  und  lieferten  Aequipecten  aff.  Nor - 
thamptoni  Mich.;  sie  verwittern  zu  Roterde,  die  oft  in  geo¬ 
logischen  Orgeln  in  sie  eingreift.  Noch  näher  an  Mah¬ 
mudije  stellt  sich  in  der  Kante  ein  Trümmerkalk  mit  Ge¬ 
rollen  eines  kreidigen  zum  Teil  rötlichen  Kalkes  ein,  aber 
auch  eines  marmorähnlichen,  an  Lithothamnienkalke  er¬ 
innernden  Kalkes,  für  dessen  Alter  vorläufig  noch  jeder  An¬ 
halt  fehlt. 


b)  Die  Miocänplatte  im  Nordosten. 

Von  diesem  Abschnitt  kenne  ich  nur  den  westlichen 
Rand  näher.  Auf  der  linken  Seite  des  Weges  von  der 
nördlichen  Vorstadt  Muslimije  nach  dem  Aln  Teil  stößt 
man  in  etwa  0,9  km  Abstand  von  der  Muslimije-Straße 
auf  eine  niedrige,  sich  über  der  dortigen  Schreibkreide 
inselartig  erhebende  Platte  von  nur  20— 30  m  Durchmesser. 
Die  Platte  besteht  aus  festem,  marmorähniichen  Miocän- 
kaik  und  stellt  einen  Zeugen  der  weiter  nördlich  folgenden, 
zusammenhängenden  Miocändecke  dar.  Etwa  175  m  weiter 
nach  N  liegt  eine  zweite,  etwas  größere  (100x50  m)  Zeugen¬ 
platte,  auf  der  sich  1917  die  Ruine  eines  Steinhauses 
erhfob.  Ein  kleiner  Aufschluß  auf  der  Nordseite  zeigt 
über  der  mürben  Schreibkreide  1  m  dichten,  von  Mangan- 
dendriten  durchzogenen  Kalk ;  50  m  südlich  von  da  betrug 
die  Mächtigkeit  desselben,  hier  aber  Austern  führenden 
Kalkes  einschließlich  der  eluvialen  Kalkkruste  nur  0,5  m. 
Etwa  250  m  weiter  nördlich  beginnt  an  der  Aln  Teil- 
Straße  die  geschlossene  Miocänplatte,  auf  der  nahe  dem 
Südrande  ein  Lehrerseminar,  Der  Mualdemin  genannt,  er¬ 
richtet  ist.  Ende  1917  beobachtete  ich  dort  in  einer 
Brunnenausschachtung  von  oben  an: 

3  m  harten  Lithothamnienkalk  mit  Einschlüssen  von 
Schreibkreide ; 

><>,3  m  Schreibkreide. 


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13 


Weiter  nördlich  schlug  ich  aus  einem  festen,  mit 
Mangandendriten  stark  durchsetzten  Trümmerkalk  einen 
Selachierzahn  und  Peeten  sp.  heraus,  und  etwa  625  m 
Nf.  Der  Mualdemin  ist  bereits  eine  Austernbank  deutlich 
entwickelt.  Am  AXn  Teil,  wo  aus  dem  klüftigen  Kreidekalk 
zwei  der  Versorgung  von  Aleppo  dienende  Quellen  ent¬ 
springen,  wird  im  Hangenden  der  Kreide  2,8  m  knolliger, 
rötlicher,  von  Mangandendriten  durch?e  ztcr,  fester  Trümmer- 
kalk  sichtbar,  der  etwa  40  m  südlich  der  nördlichen  Quelle 
Austern  führt.  Auf  dem  Miocänkalk  erhebt  sich  der  etwa 
20  m  hohe,  aus  dem  Schutte  zahlreicher  Siedlungen  sich 
aufbauende  Am  Teil2).  Obsidian-  und  Feuersteinartefakte 
—  Oberarzt  Dr.  Schiff  fand  dort  u.  a.  eine  zierliche  Pfeil¬ 
spitze  aus  Obsidian  —  beweisen  das  bis  in  die  jüngere  Stein¬ 
zeit  hineinreichende  Alter  dieser  Siedlungen.  Solche  Teils 
liegen  in  Syrien  und  Palästina  ganz  gewöhnlich  an  perennie¬ 
renden  Quellen,  an  die  sich  in  dem  wasserarmen  Lande 
notgedrungen  seit  ältester  Zeit  die  menschlichen  Siedlungen 
immer  wieder  anschlossen. 


2.  Die  Miocänplatte  im  Nordwesten  bis  zur 
Alexandrette-Straße. 

Das  Miocän  im  Nordosten  der  Stadt  findet,  nur  von 
der  Kuwek-Niederung  unterbrochen,  seine  Fortsetzung  auf 
der  Westseite,  ohne  daß  die  liegende  Schreibkreide  hier 
etwa  in  einem  Saume  zutage  träte,  wie  man  nach  der 
BLANCKENHOEN’schcn  Kartendarstellung3)  vermuten  könnte. 
Im  Gegenteil  ist  der  Miocänkranz  hier  bis  auf  das  Kttwek- 
Alluvium  völlig  geschlossen.  Der  Rand  dieses  nordwest¬ 
lichen  Abschnittes  der  Miocänplatte  ist  dagegen  mit  zwei 
tiefen  Buchten  versehen,  in  denen  die  Schreibkreide 
zutage  tritt.  Der  Friedhof,  auf  weichem  die  während  des 
Krieges  in  Aleppo  verstorbenen  deutschen  und  öster¬ 
reichischen  Soldaten,  darunter  auch  der  Geh.  Bergrat  Prof. 
Dr.  Frech  aus  Breslau,  ihre  letzte  Ruhestätte  gefunden 
haben,  liegt  inmitten  dieser  Buchten  am  Fuße  des  Miocän- 
hanges.  Bekannt  geworden  sind  mir  in  erster  Linie  die 
Randgebiete  dieses  Abschnitts. 


2)  In  der  Bemerkung  bei  der  Zeichenerklärung  zu  Fig.  1  ist 
statt  „Schuttkegels  von  Ain  Teil“  zu  lesen:  Schutthügels  von 
Ain  Teil. 

3)  Handb.  d.  Regionalen  Geol.,  V.  4.  1914,  Taf.  IV. 


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14 


Nordöstlich  von  den  Eisenbalmwerkstätten  lagert  in  der 
Nähe  der  Balinlinie  auf  der  Schreibkreide  ein  dünngebankter 
Sandkalk  und  dann  fast  horizontal  ein  nur  1  bis  2  m 
mächtiger,  fester,  doch  etwas  poröser  Lithothamnientrümmer- 
kalk,  der  dort  in  der  Kante  anscheinend  einmal  gebrochen 
wurde,  und  in  dem  ich  einen  nicht  näher  bestimmbare« 
Pecten  feststellen  konnte.  Oberflächlich  ist  dieser  Miocän- 
kalk  stellenweise  von  einer  Kalkkruste  bedeckt. 

Dem  geschlossenen  Miocänrande  sind  wieder  an  zwei 
Stellen  inselartige  Denudationsreste  als  Zeugen  vorgelagert 
Der  westliche  dieser  Zeugen  liegt  dicht  nördlich  des  Bagdad¬ 
bahnhofes  auf  der  Ostseite  des  Kreidebruchs  und  stellt  sich 
als  eine  mit  Ackerland  und  einer  Zisterne  bedeckte,  etwa 
2  bis  3  m  hohe  Platte  eines  hornsteinführenden  Lithotham- 
nienkalkes,  der  auch  Austern  enthält,  dar.  Der  östliche 
Zeuge  zeigt  einen  z.  T.  dichten,  mit  Mangandendriten  durch¬ 
setzten  Kalk,  z.  T.  echten  Lithothamnienkalk. 

Einen  besonders  guten  Aufschluß  in  dem  Miocän  der 
geschlossenen  Platte  gewährt  der  Fahrweg  von  der  Alexan- 
drette-Straße  zu  den  1917  neuen  Kasernen.  Über  der  Schreib¬ 
kreide  folgen  hier: 

a)  1,6  m  sandige,  z.  T.  dünngebankte  Kalke  und  Mergel ; 

b)  mindestens  3  m  fester,  an  Mangandendriten  reicher  und 
fossilführender  Lithothamnien-Trümmerkalk,  der  nach  oben 
löcherig-porös  wird  und  Kalkspatdrusen  führt,  in  ihm  geolo¬ 
gische  Orgeln  mit  Hoterdefüllung; 

c)  2  m  mächtiger,  fester  Lithothamnienkalk; 

d)  1  m  Austernkalkbank; 

e)  mindestens  4  m  mächtiger,  dichter  Lithothamnienkalk,  der 
die  Plattform  zusammensetzt.  Geologische  Orgeln  mit  Rot¬ 
erde  auch  in  dieser  Bank.  Die  Plattform  mag  sich  nach 
meiner  Schätzung  40  m  über  das  Gelände  am  Bagdadbahnhof 
erheben. 

d)  Die  Miocänplatte  im  Westen  und  Südwesten. 

Durch  das  von  der  Alexandrette-Straße  benutzte  Tal 
muß  sich  etw'a  in  NNW — SSO-Richtung  eine  Störungslinie 
ziehen,  denn  die  Miocänplatte  auf  der  Südw^estseite  ist  gegen¬ 
über  derjenigen  auf  der  Nordostseite  erheblich  abgesunken. 
Die  Störung  ist  also  postmiocän.  Andererseits  spricht  der 
plötzlich  mit  diesem  Tale  sich  vollziehende  Wechsel  im 
Liegenden  des  Miocäns,  nämlich  vom  Basalt  zur  Kreide, 
für  eine,  prämiocäne,  wahr  schein  lieh  postkretazische  Störung. 
Wir  haben  es  also  dem  Anscheine  nach  mit  dem  posthumen 
Auf  leben  einer  älteren  Störung  zu  tun,  ein  Vorgang,  der  in 
der  Jetztzeit  noch  nicht  abgeschlossen  zu  sein  scheint,  wie 


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15 

die  schweren  Erdbeben  vermuten  lassen,  von  denen  Aleppo 
nach  Dieneb  (Libanon,  1886,  S.  260  ff.)  vielfach  heimge¬ 
sucht  ist. 

In  der  Miocankante  auf  der  Südseite  des  Tale3  stecken 
hauptsächlich  Lithothamnienkalke,  die  einen  braunroten, 
steinigen,  vielfach  von  kahlen  Felsplatten  unterbrochenen 
Ackerboden  abgeben  und  in  einer  langen  Reihe  von  Brüchen 
ausgebeutet  werden,  da  sie  in  Aleppo  namentlich  als  Fliesen¬ 
steine  wegen  ihrer  Dichte  und  schönen  Zeichnung  sehr 
beliebt  sind.  Die  Miocankante  verläuft  anfangs  fast  nord¬ 
südlich,  biegt  dann  nach  SW  um  und  bleibt  etwa  1km 
in  dieser  Richtung.  Das  Profil  beginnt  hier  über  dem 
völlig  zersetzten  Basalt  mit: 

a)  einen  0,3  m  mächtigen  Transgressionskonglomerat  in  Gestalt 
eines  kreidigen  Kalkes  mit  Gerollen  von  rötlichem  Kalk  und 
besonders  von  zersetztem  Basalt;  es  folgt 

b)  ein  mürber,  knolliger,  gelblicher  bis  pfirsichblätfarbcner 
Kalk; 

c)  ein  nach  Aussage  der  Arbeiter  bis  6  m  mächtiger,  fester 
Lithothamnienkalk.  Manche  Lagen  sind  wegen  der  grauen, 
braunen  oder  pfirsichblütfarbenen  Hornsteinausscheidungen 
zur  Gewinnung  unbrauchbar.  In  solchem  Hornstein  fanden 
sich  gelegentlich  Steinkerne  und  Abdrücke  von  Korallen, 
unter  denen  mein  Kollege  Weissbrmel  Heliastraea  conoidea 
Rss.  und  Heliastraea  cf.  Reussana  M.  E.  &  H.  bestimmte. 

In  diesem  Abschnitt  ist  der  Miocankante  eine  etwa  250  m 
lange,  50  m  breite  und  nur  etwa  2  m  sich  erhebende,  mit 
Feigen  bestandene  Zeugenplatte  vorgelagert,  die  aus  etwas 
porösem  Lithothamnienkalk  besteht.  Außer  gelegentlichen 
bis  kopfgroßen,  lagenförmig  gebauten  Kalkspatdrusen  sind 
Reste  von  Pecten ,  Cardium  und  Echiniden  zu  beobachten. 
Die  Oberfläche  des  zersetzten  Basalts,  dem  dieser  Zeuge 
auf  ruht,  steigt  nach  W  zu  deutlich  an. 

Im  weiteren  Verlaufe  nähert  sich  die  Miocänplatte  wieder 
der  Damaskusbahn  und  berührt  diese  an  dem  „Meschhed“ 
genannten  Vorsprung.  Auf  der  Nordseite  hat  man  hier 
über  dem  zersetzten  Basalt  folgendes  Profil: 

a)  0,7  m  kalkiges  Transgressionskonglomerat,  reich  an  Gerollen 
von  zersetztem  Basalt  und  rötlichem  Kalk,  u.  a.  mit  Ostrea 
lamellosa  Br.; 

b)  über  2  m  mächtiger,  teils  mürber,  teils  festerer,  fossil¬ 
reicher  Kalk  mit  Pecten  Ziziniae  Blanck.,  Ostrea  lamellosa 
Bb.,  Tellina  sp.\ 

c)  fester,  marmorähnlicher  Kalk. 

Feste  Lithothamnienkalke  mit  Knollen  und  Lagen  von 
Hornstein  bilden  die  Kante  von  Meschhed  nach  Süden  zu 
und  sind  dort  in  einer  Reihe  von  Brüchen  ausgel>eutet 


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16 


worden.  Dicht  oberhalb  der  Hassan  Hussen-Moschee  fand 
ich  mürbe,  kreideartige,  fossilreiche  Kalke,  die  bei  der  An¬ 
lage  von  Zisternen  für  eine  unweit  belegene  Gruppe  von 
Steinhäusern  herausgebrochen  waren.  Namentlich  zeichneten 
sich  unter  den  Fossilien  die  Seeigel  durch  Häufigkeit  und 
gute  Erhaltung  aus.  Es  ließen  sich  feststellen: 

Clypeaster  Intermedins  Desm.  besonders  häufig. 

&  enteil  a  subrotunda  Lam. 

Amphiope  biocalata  Ag. 

Ostrea  lamellosa  Bk. 

Pectrn  caralitanus  Menegh. 

Aequipecten  spinosovatus  Sacco. 

Lima  hians  Gm. 

Ringicardium  cf.  burdigalinum  Lam. 

Panopaea  Menardi  Desh. 

Cytherea  sp. 

Lucina  sp. 

Tnrritella  sp. 

Von  der  Hassan  Hussen-Moschee  nach  SO  sinkt  der 
prämioeäne  basaltische  Untergrund  unter,  so  daß  sich  das 
Miocän  bis  an  das  Kuwek-Alluvium  herabzieht. 

Schließlich  mag  noch  der  kristalline,  an  Mangandendriten 
reiche  Kalk  erwähnt  werden,  welcher  an  der  Kuwek-Niede- 
rung  zwischen  den  Stadtteilen  Dschimelije  und  Mchaka  im 
Hangenden  der  Glastuffe  und  des  Basalts  auf  etwa  200  m 
nachweisbar  ist.  Die  weitere  Verbreitung  des  Austern  und 
Clypeaster  führenden  und  unter  etwa  15°  nach  Osten  ein¬ 
fallenden  Miocänkalks  ist  wegen  der  Schuttbedeckung  nicht 
genau  festzulegen,  indessen  wird  man  wohl  kaum  mit  der 
Annahme  fehlgehen,  daß  hier  ein  Zeugenrest  der  ehemaligen 
Miocändecke  vorliegt. 


Die  Miocänschichten  von  Aleppj  wurden  bereits  von 
Blanckenhorn  (Hdbch.  d.  Regional.  Geol.  V.  4.  1914,  S.  50) 
zur  T  o  r  t  a  n  a  stufe  gestellt.  Auf  Grund  des  von  mir  ge¬ 
sammelten  und  oben  mitgeteilten  Materials  kann  ich  ihm 
hierin  nur  beipflichten,  denn  Formen  wie  Ostrea  lamellosa 
Br.,  Aleclryonia  plicatula  Gm.,  Aequipecten  spinosovatus 
Sacco  beginnen  nach  Sacco  (Molluschi  dei  terreni  terziarii 
dei  Piemonte  e  della  Liguria  1897,  parte  XXIII,  S.  8,  20, 
p.  XXIV,  S.  22)  in  der  Tortonastufe,  dauern  im  Pliocän  an 
und  reichen,  wenigstens  die  Austern,  nach  Weinkauff  (Con- 
chylien  des  Mittelmeeres,  1867,  I,  S.  274,  276)  noch  in  die 


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17 


Jetztzeit.  *  Dieses  Ergebnis  möchte  ich  gegenüber  H.  Daus 
betonen,  der  bei  der  Bearbeitung  des  FRECHschen  Materials 
aus  dem  Miocänbecken  von  Aleppo  zu  einer  abweichenden 
Ansicht  gelangt  ist  (N.  Jahrb.  f.  Min.  Beilagebd.  38,  S.  443). 


II.  Geologische  Beobachtungen  zwischen  Aleppo  und 
Hama  (Mioc&n,  prfimiocäner  Basalt,  Kreide,  Eocän, 
diluviale  Terrassenschotter  des  Orontes). 

(Abb.  2.) 

In  der  Zeit  vom  21.  bis  31.  Mai  1918  hatte  ich  Gelegen¬ 
heit,  die  Straße  von  Aleppo  über  Chan  Tumän,  Maarat  en 
Numän,  Chan  Schechün  nach  Hama  zu  bereisen,  eine  Streckt», 
die  in  neuerer  Zeit  wohl  schwerlich  von  einem  Geologen 
besucht  ist.  Leider  sind  sämtliche,  von  mir  gesammelten 
Gesteins-  und  Fossilproben  verloren  gegangen,  so  daß  ich 
nur  auf  meine  Tagebuchangaben  zurückgreifen  kann. 

Etwa  6,5  km  vom  Damaskusbahnhofe  von  Aleppo  ent¬ 
fernt  erhebt  sich  an  der  Straße  nach  Chan  Tumän  über 
einer  perennierenden  Quelle  der  Teil  Ramusse,  ein  aus 
Siedlungsschutt  bestehender  Hügel,  der  wieder  ein  Beweis 
dafür  ist,  wie  seit  alter  Zeit  die  menschlichen  Siedlungen 
sich  an  die.  Quellen  hielten.  Auf  der  anderen  Seite  der 
Straße  werden  künstlich  erweiterte  Höhlen  im  Miocän- 
k  a  1  k  sichtbar.  Die  Quelle  bewässert  Gartenland  in  dem 
flachen  Tälehen. 

Ungefähr  2  kra  weiter  taucht  vor  dem  Dorfe  Naaradi 
auf  etwa  600  bis  700  m  ein  dem  von  Aleppo  ganz  ähnlicher, 
stark  zersetzter  Basalt  auf  und  wird  links  der  Straße 
von  korallenführendem  Miocänkalk  überlagert.  Ich  ver¬ 
mute,  daß  die  Beziehungen  des  Basalts  zum  Miocän  die¬ 
selben  sind  wie  bei  Aleppo.  Da  nun  dieses  Basaltvorkommen 
ungefähr  in  die  nordwestliche  Fortsetzung  des  ausgedehnten, 
SO— NW  streichenden  Basaltrückens  Djebel  el  Hass  fällt, 
so  liegt  es  nahe,  auch  für  diesen  Rücken  ein  prämioeänes 
Alter  wie  beim  Aleppobasalt  anzunehmen. 

Das  Dorf  Tumän  steht  auf  zuckerkörnigem  Kalk  und 
Lithothamnienkalk  des  Miocäns  am  Abhange  zum  Kuwek, 
in  dessen  schlammigem  Wasser  sich  zahlreiche  Schildkröten 
tummeln.  Die  Miocänplatte  reicht  östlich  des  Dorfes  bis 
hart  an  den  Kuwek  heran;  Wadis,  welche  von  der  Platte 
kommen,  haben  ins  schmale  Kuwek- Alluvium  hinein  flache 
Schotterkegel  vorgeschoben. 

Zeftftcbr.  d  D.  Geol.  Ges.  1924.  2 


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Die  M  i  ö  c  ä  n  kalkplatt©  setzt  noch  über  Surba,  Ksebije, 
Schech  Achmed,  Seralkin  bis  Maardibse  weiter,  trägt  viel¬ 
fach  eine  Decke  von  braunrotem  Lehm  und  ist,  wo  dieser 
mächtiger  wird,  mit  Weizen  und  Gerste  angebaut,  während 


Abb.  2.  Kartenskizze  der  Straße  Aleppo — Hama. 

sie  auf  weite  Strecken,  wo  der  kahle  Fels  oder  der  Ober¬ 
flächenkalk  (Nari)  zutage  tritt,  mit  baumloser  Gras-  und 
Distel  stepp©  bedeckt  ist. 

Im  Dorfe  Schech  Achmed  fand  ich  aus  Zisternen  Kalk 
mit  Turritella  sp.  und  Barbatia  sp.,  höchstwahrscheinlich 


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19 


M  i  o  c  ä  n  f  ossilien,  ausgeworfen.  Dicht  vor  SeraJkin  be¬ 
obachtete  ich  in  dem  mürben  Kalk,  der  aus  einer  Zisterne 
stammte,  Ostrea  lamellosa  Bb.  und  Alectryonia  plicatala 
Gm.,  ferner  Pleurotoma  sp .,  Patella  sp.,  Lithodomas  sp . 
und  Korallenreste,  also  zweifellos  M  i  o  c  ä  n.  Ein  mit  Granat¬ 
äpfeln  und  Feigen  bepflanzter  Steinbruch  etwa  1,5  km  nörd¬ 
lich  Maardibse  zeigte  unter  2  m  starkem,  tuffartigen  und 
mit  rötlichem  Lehm  durchsetzten  Oberflächenkalk  festen 
marmorartigen  Kalk  mit  Seeigelresten  und  Steinkernan, 
wahrscheinlich  des  M  i  o  c  ä  n  s. 

Bereits  etwa  1km  vor  Chan  es  Sibil  bis  mindestens 
zu  diesem  Dorfe  wird  öfter  ein  harter  zuckerkörniger  Kalk 
in  Klippen  z.  T.  unter  Oberflächenkalk  sichtbar,  möglicher¬ 
weise  schon  Nummulitenkalk.  Wenn  ich  auch  die  be¬ 
zeichnenden  Fossilien  nicht  gefunden  habe,  so  schließt  das 
noch  keineswegs  diese  Altersauffassung  aus,  denn  nach 
meinen  Beobachtungen  in  Anatolien  und  Syrien  fehlen  Num- 
muliten  in  dem  entsprechenden  Horizonte  stellenweise  völlig, 
während  sie  dicht  dabei  in  Massen  erscheinen. 

Zur  Kreide  gehören  wahrscheinlich  bereits  flach  nach 
N  einfallende,  WNW — OSO  streichende  Bänke  von  kiese- 
ligem,  muschelig  brechendem  Kalk,  welche  etwa  2  km  von 
Chan  es  Sibil  am  Wege  nach  Maarat  en  Numän  anstehen. 
Ähnliche,  aber  dünnplattige  Kalke,  die  NNO — SSW  streichen 
und  flach  östlich  einfallen,  z.  T.  kreidiger  mit  dunkelbraunen 
Kiesellagen  wechselnder  Kalk  stehen  in  etwa  2  m  Mächtig¬ 
keit  an  einer  verfallenen  Zisterne  etwa  2  km  über  das 
rechts  vom  Wege  aus  sichtbare  Dorf  Dana  hinaus  an  und 
machen  durchaus  den  Eindruck  von  Kreide.  Auch  weiter¬ 
hin  nach  Maarat  en  Numän  zu  werden  nur  meist  fast 
horizontale,  teils  kreidige,  teils  kieselige,  Kalke  sichtbar, 
die  z.  T.  völlig  mit  der  Kreide  von  Aleppo  übereinstimmen. 
Die  Ähnlichkeit  der  Kreide  in  der  Umgebung  des  genannten 
Städtchens,  wo  sie  z.  B.  in  einem  Bruche  auf  der  NO-Seite 
etwa  lim  mächtig  erschlossen  ist,  mit  derjenigen  von  Aleppo 
erstreckt  sich  sogar  auf  Einzelheiten;  wie  diese  ist  sie  zer¬ 
klüftet,  wird  mit  Vorliebe  von  künstlichen  Höhlen  durch¬ 
setzt  und  bietet  einen  ergiebigen  Grundwasserhorizont  dar, 
aus  welchem  zahlreiche  knarrende,  von  Zugtieren  getriebene 
Schöpfwerke  das  Wasser  für  die  Berieselung  der  Gärten 
entnehmen.  Von  hier  ab  setzt  die  Kreide  eine,  durch 
Erosionsrinnen  flach  zerschnittene,  sonst  ebene  Landschaft 
zusammen,  die  Pflanzungen  von  Oliven,  Feigen,  Reben  und 
Weizenfelder  auf  ihrem  hellfarbigen,  lehmigen  Boden  ge¬ 
deihen  läßt.  2* 


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20 


An  der  Stfaße  nach  Chan  Schechün  trifft  man  in  einer 
Entfernung  von  etwa  6,5  km  von  Maarat  en  Numän  an  der 
linken  Seite  auf  einen  flachen,  in  einer  Senke  belegenen 
Brunnen,  etwa  0,8  km  nördlich  der  in  Ruinen  liegen¬ 
den  Karawanserei  Marhadat.  In  der  Umgebung  dieses 
Brunnens  und  in  diesem  steht  Alveolinenkalk  des 
Eocäns  an,  ein  Vorkommen,  das  noch  unbekannt  zu  sein 
scheint,  dem  aber,  nach  S  wenigstens,  größere  Ausdehnung 
offenbar  nicht  zukommt,  da  ich  bereits  250  m  jenseits 
der  Ruine  Chan  Marhadat  an  einer  Zisterne  plattigea 
Kreidekalk  beobachtete.  Diese  Kreide  hält  noch  über 
das  Dorf  Hisch  hinaus  bis  zum  Abstiege  in  die  Ebene  Jaffrat 
il  Arr  an,  wo  auf  klüftigem  Kreidekalk  die  Ruinen  des  Dorfes 
Sachien  liegen.  Die  4  bis  5  km  breite,  jetzt  unbebaute 
und  menschenleere  Ebene  muß  in  der  Vorzeit  besiedelt 
gewesen  sein,  denn  auf  ihren  Randhöhen  erhebt  sich  links 
der  Teil  il  Arr,  rechts  der  Teil  il  Möku,  und  ihr  braun¬ 
roter  tiefgründiger  Lehmboden  spricht  für  Fruchtbarkeit. 
Chan  Schechün  liegt  an  einem,  etwa  20  m  sich  erhebenden, 
kegelstumpfartigen  Teil,  der  beackert  ist  und  einen  Dresch¬ 
platz  trägt.  Zerklüfteter  Kreide  kalk  wird  vielfach  im  Ort 
Sichtbar  und  führt  wieder  reichlich  Grundwasser.  Als  Merk¬ 
würdigkeit  sei  erwähnt,  daß  hier  mehrere  antike  Sarkophage 
aus  gebranntem  Ton  zu  Tränktrögen  verwendet  wurden;  die 
schön  erhaltenen,  wenn  auch  schmucklosen  Stücke  sollten 
aus  Gräbern  am  Hange  südsüdwestlich  vom  Teil  stammen. 

Die  z.  T.  etwas  kieseligen  Kreidekalke  halten 
zwischen  Chan  Schechün  und  Taijibe  noch  an,  wie  gelegent¬ 
liche  kleine  Aufschlüsse  beweisen.  Etwa  1,5  km  hinter  dem 
durch  seine  Lage  an  zwei  Teils  ausgezeichneten  Dorfe  Murek 
fanden  sich  im  Kreidekalk  zahlreiche  Teleostierreste  und  ©in 
Selachierzahn;  2,5  km  weiter  beobachtete  ich  in  einem 
weichen  Kreidekalk  außer  Feuersteinbänken  Abdrücke  und 
Steinkerne  von  Zweischalern.  Etwa  2,75  km  vor  Taijibe 
stehen  in  Steinbrüchen  mit  alten  Höhlenwohnungen  (der 
Platz  wurde  mir  als  Siftije  bezeichnet)  meist  mürbe*,  selten 
härtere,  zerklüftete  Kalke  mit  zahlreichen  Fischresten  und 
linsenförmigen  Feuersteinlagen  an,  fallen  flach  NNW  ein, 
streichen  also  WSW— ONO.  Dieselben  an  Fischresten, 
namentlich  Schuppen  reichen  Kalke  sind  noch  bei  Taijibe 
in  unterirdischen  Ställen  und  Zisternenlöchem  mit  flachem 
SW-Einfallcn  und  starker  Klüftung  zu  sehen.  In  das  gleiche, 
horizontal  gelagerte  Kreidegestein  ist  bei  Kumchane  und 
Hama  auch  der  kräftig  strömende  Asi  (Orontes)  einge- 


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schnitten,  der  Schöpfräder  von  etwa  10  na  Durchmesser 
treibt  und  durch  diese  Wasser  in  einen  hochgelegenen 
Bewässerungskanal  hebt.  Der  Kreide  ruhen  bei  Hama  am 
Asi  z.  T.  zu  Nagelfluh  verkittete  Hochterrassen¬ 
schotter  auf,  in  denen  Feuersteine,  Kreidekalke  und 
Basalte  vorwiegen,  und  die  wohl  als  diluvial  angesehen 
werden  können. 


III.  Dilnvialschichten  und  junge  Verwerfungen  in  der 
Beka  und  am  Rande  des  Antilibanos  bei  Rajak. 

Vom  14.  bis  20.  April  1918  konnte  ich  gelegentlich  der 
Untersuchung  von  Rajaks  Umgebung  einige  Beobachtungen 
über  Dilnvialschichten  und  junge  Störungen  in  der  Bekä 
machen,  die  ich  im  folgenden  mitteilen  will.  Die  von  mir 
gesammelten  Gesteinsproben  sind  leider  nicht  mehr  vor¬ 
handen.  Die  Örtlichkeit  geht  aus  der  Abb.  3  auf  S.  23 
hervor. 

Brunnengrabungen  und  -bohrungen  in  Rajak  ergaben 
bis  mindestens  36  m  Schotterlehm  und  Nagelfluh.  Unter 
den  Gerollen  überwiegen  harte  dichte  Kalke  (Eocän? 
Turon?),  daneben  kommen  Basalte  und  z.  T.  bohnerzartige 
Eisensandsteine  vor,  die  sämtlich  dem  Sammelgebiet  der 
aus  dem  Antilibanos  kommenden  Wadis  Jafufe  und  Sahaur 
entstammen  müssen.  Diese  beiden  Wadisi  haben,  wie  noch 
gezeigt  werden  soll,  offenbar  zur  Diluvialzeit.  mächtige 
Schuttkegel  in  den  Graben  der  Bekä  hinein  vorgeschüttet. 
Oberflächlich  ist  dieser  Schotterlehm  stets  rotbraun  ver¬ 
wittert  im  Gegensatz  zu  dem  gelbbraunen,  gegenwärtig  noch 
abgelagerten  Wadilehm. 

Eine  gute  Möglichkeit  zum  Studium  dieser  Schotter  und 
ihres  Verbandes  mit  den  Gebirgsrandschichten  bieten  die 
Aufschlüsse  an  der  Bahn  Rajak — Damaskus  im  Wadi 
Jafufe,  Jenseits  der  Mündung  des  Wadi  Sahaur  schneidet 
die  Bahn  mehrfach  Rücken  an,  welche  aus  Schotterlehmen, 
Schottern  mit  gelegentlichen  Sandbänken  und  fester  Nagel- 
fluh  in  einer  Mächtigkeit  von  stellenweise  25  m  bestehen. 
Etwa  40  Marschminuten  auf  der  Bahnstrecke,  gerechnet 
von  der  Brücke  über  das  Wadi  Sahaur,  liegen  am  Wadi 
Jafufe  an  einer  Wassermühle  und  einer  Steinbrücke  Auf¬ 
schlüsse  in  einem  marmorähnlichen,  gelblichweißen,  rosa¬ 
gefleckten  Nummulitenkalk,  dessen  klüftige  und  löcherige 
Bänke  nach  NW  einfallen  und  außer  stellenweise  in  Massen 
angehäuften,  mittelgroßen  Nummuliten  Seeigelreste  erkennen 


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lassen.  Dieser  Kalk,  wird  von  teilweise  fest  verkitteten 
Schottern  überlagert,  aber  im  Bahnniveau  sieht  man,  daß 
die  Schotter  außerdem  scharf  an  einer  in  68°  (magnet.) 
d.  h.  in  ONO  über  das  Wadi  streichenden  Verwerfung  gegen 
den  Nummulitenkalk  abgesetzt  sind. .  Die  Schotterbanke 
zeigen  eine  nach  der  Bekä  zu  geneigte  Schichtung.  Aus 
diesen  Tatsachen  geht  hervor,  daß  während  der  Bildung 
der  Schotter  das  Vorland  an  einer  Bruchlinie  absank  und 
nun  der  Schotterabsatz  in  verstärktem  Maße  in  das  ge¬ 
senkte  Gebiet  hipein  vor  sich  ging.  In  der  Nagelfluh  waren 
u.  a.  Gerolle  von  Eisensandstein  und  sandigem  Brauneisen¬ 
stein  häufig,  die  wahrscheinlich  auf  Unterkreideschichten 
im  Sammelgebiet  des  Wadi  Jafufe,  also  im  Antilibanos, 
deuten,  wenn  auch  die  BLANCKENHORNsche  Geologische  Karte 
solche  dort  nirgends  verzeichnet. 

Ähnlich  ist  der  Lagerungsverband  der  Diluvialschotter 
mit  dem  Nummulitenkalk  im  Wadi  Sahaur,  welches,  von 
links  kommend,  in  das  Wadi  Jafufe  mündet  und,  wie  bereits 
angedeutet,  von  der  Bahn  nach  Damaskus  überschritten 
wird.  Auch  das  Wadi  Sahaur  wird  von  höheren  Stufen 
von  rotem  Schotterlehm  und  z.  T.  verkitteten  Schottern  be¬ 
gleitet.  Etwa  600  m  oberhalb  der  Bahnbrücke  lag  am 
16.  April  1918  die  Versickerungsstelle  des  bis  dahin  wasser¬ 
führenden  Wadis.  Die  Schotfcerlehmterrasse  selbst  wird 
durch  oberhalb  abzweigende  Gräben  bewässert  und  trägt 
Ackerland;  sie  steigt  zum  Gebirge  hin  an  und  bildet  einen 
deutlichen  Schuttkegel.  Auf  der  Höhe  eines  Rückens  an 
der  Nordscite  des  Wadi,  etwa  2,5  km  von  der  Balmbrücke 
entfernt,  taucht  karrenbedeckter,  marmorähnlielier  Nummu¬ 
litenkalk  mit  flach  nach  NW  gerichtetem  Einfallen  auf. 
Er  wird  durch  eine  in  45°  (magnet.),  also  etw'a  NO,  über  das 
Wadi  Sahaur  setzende  und  unter  70°  nach  0  zu,  demnach 
gegen  das  Gebirge,  einfaliende  Spalte  abgeschnitten,  und  es 
stoßen  Diluvialschotter  mit  Nagelfluhfelsen  unmittelbar  an 
ihn  an.  Rein  äußerlich  betrachtet,  hat  demnach  diese  Spalte 
den  Charakter  einer  Überschiebung;  aber  es  kann  eine  solche 
nicht  vorliegen,  da  Schleppungserscheinungen  fehlen,  viel¬ 
mehr  dürfte  das  widersinnige  Einfallen  der  Verwerfung  wohl 
auf  nachträgliche  Bewegung  des  Gebirges  nach  W,  also 
der  Bekä  zu,  hin  weisen. 

Nach  diesen  Erfahrungen  kann  das  gelegentliche  Aus¬ 
treten  starker  Quellen  am  Gebirgsrande  des  Antilibanos  nicht 
überraschen,  wie  sie  z.  B.  2  km  südsüdöstlich  vom  Dorfe 
Terbol  belegen  sind.  Die  Quellen  treten  dort  in  einer  nach 


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Baurat  Dr.  Schuhmachers  Angabe  47  in  tiefer  als  Rajak 
gelegenen  Einsenkung  zutage,  sind  durch  einen  Staudamm 
zu  einem  etwa  600  m  langen  und  60  m  breiten  Teiche  auf¬ 
gestaut  und  entspringen  dem  karrenbedeckten  Nummuliten- 
kalk,  dessen  Bänke  nach  der  Bekäebene  zu  einfallen.  In 


Abb.  3.  Skizze  der  Bekä  bei  Rajak  und  des  angrenzenden 
Teils  vom  Libanon. 


dem  klaren  Wasser  leben  Neritinen,  Hydrobien  und  eine 
gerippte  Art  von  Melanopsis.  Die  braunroten  Schotteriehme 
der  Bekä  reichen  unmittelbar  bis  an  den  Nummulitenkalk 
heran  und  grenzen  jedenfalls  in  einer  Verwerfung  an.  Die 
Quellen  sind  demnach  durch  den  Stau  des  im  Numinuliten- 
kalke  zirkulierenden  Grundwassers  an  den  verhältnismäßig 
schwer  durchlässigen  diluvialen  Lehmen  hervorgerufen. 


IV.  Tektonik  und  Wealden  auf  der  Nordwestseite  des 
Kneysseh  im  Libanon. 

Begleitet  vom  landeskundigen  Ingenieur  Herrn  Wetzel 
konnte  ich  vom  23.  April  bis  7.  Mai  1918  das  Gebiet  auf 
der  Nordwestseite  des  Kneysseh  im  Libanon  näher  unter¬ 
suchen,  und  zwar  zwischen  Kornaii,  Kefr  Seluan  und  dem 
Paßrücken  Dachr  el  Harf  zwischen  Djebel  Kneysseh  und 
Djebel  Sannin  (Abb.  3). 

Der  Schichtenbau  dieses  Gebietes  ist  folgender:  Die 
kahle,  felsige  Gipfelpartie  des  2030  m  erreichenden  Djebel 
Kneysseh  besteht  aus  einem  etwa  300  bis  350  m  mächtigen, 


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horizontalen  bis  schwach  nach  SW  geneigten  Komplex  von 
Kalken  des  Cenomans  und  Turons,  in  denen  je  nach 
der  Härte  ihrer  einzelnen  Glieder  weithin  verfolgbare  Steil¬ 
abstürze  mit  sanfteren  Hängen  wechseln  und  in  der  damaligen 
Jahreszeit  durch  die  auf  den  letzteren  belegenen  Schnee¬ 
halden  noch  mehr  hervorgehoben  wurden  (Taf.  III,  Abb.  1). 
Namentlich  zwei  mächtigere  Kalkbänder  am  Liegenden 
lassen  sich  als  Leitschichten  weithin  an  den  Gehängen  ver¬ 
folgen.  Unterhalb  dieser  Gipfelpartie  von  Oberkreide  folgt 
eine  sich  durch  sanfte,  quellige  Hänge  auszeichnende,  etwa 
150  m  mächtige  Schichtenfolge,  auf  der  sich  in  diesem  Teile 
des  Libanons  auch  die  höchsten  Dörfer  neben  einzelnen 
Kulturen  finden,  die  aber  in  der  Hauptsache  Nadelwald  oder 
eine  heideartige  Vegetation  mit  Dickichten  von  Farnkraut 
und  Rhododendren  trägt.  Diese  Schichtenfolge  muß,  wie 
noch  gezeigt  werden  soll,  der  Unterkreide  zugerechnet 
werden  und  umfaßt  hauptsächlich  sandige  Gesteine,  dann 
aber  auch  einen  Wechsel  von  tonigen,  organogenen  und 
eruptiven  Gesteinen.  Hierunter  folgt,  meist  mit  einem 
klippigen  Absturz,  doch  tiefer  vielfach  mit  sanfteren  Hängen, 
der  Jurakalk.  Er  ist  die  eigentliche  Ackerbauformation 
und  ermöglicht  der  rührigen  Drusenbevölkerung  auf  Ter¬ 
rassen  den  Anbau  von  Getreide,  Tabak,  Maulbeerbäumen 
und  in  tieferen  Lagen  auch  von  Wein.  Doch  schieben  sich 
dazwischen  noch  oft  kahle,  karrenbedeckte  Felspartien  ein, 
die  nur  dem  Kleinvieh  Weide  bieten. 

Diese  großen  Bauelemente  lagern  nun  fast  horizontal, 
wie  das  bereits  Diener  (Libanon,  1886,  S.  71)  in  seinem 
Profile  2  zum  Ausdruck  bringt,  wenn  auch  nicht  so  ungestört, 
wie  er  annimmt.  Das  Gebiet  an  der  Wasserscheide  Dachr 
el  Harf  bezeichnet  etwa  die  am  höchsten  herausgehobene 
Scholle,  in  welcher  die  Schichtgrenze  Oberkreide — Unter¬ 
kreide  nach  meinen  barometrischen  Messungen  etwa  in  1750  m 
Seehöhe,  die  von  der  Unterkreide  zum  Jura  etwa  in  1600  m 
belegen  ist.  Von  diesem  Horst  fallen  beiderseitsi  die 
Schichten  in  Staffelbrüchen  ab,  jedoch  im  Osten  zur  Bekä 
viel  schroffer  als  im  Westen  zum  Meere.  Von  den  letzteren 
Bruchstaffeln  wird  im  einzelnen  noch  zu  reden  sein. 

Über  die  Jurakalke  im  Liegenden  der  Unterkreide  sei 
nur  soviel  gesagt,  daß  neben  massigen,  dickbankigen,  grauen, 
nach  oben  auch  rot-gefleckten  Kalken  mit  Hornsteinen  auch 
z.  T.  mergelige  Oolithbänke  mit  Korallen-,  Echinoiden-, 
Oinoidenresten  und  Austern  eine  Rolle  spielen.  Auch  Ein¬ 
lagerungen  von  rotem  Schieferton  konnten  wir  etwa  3,4 


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bis  3,6  km  östlich  von  Kefr  Seiuan  in  der  Oberpartie  des 
Jura  feststellen.  Leider  ist  das  von  uns  gesammelte  Fossil¬ 
material  beim  Rückzuge  aus  Palästina  verloren  gegangen. 

In  der  Unterkreide  hat  man  beim  Aufstiege  von  Kornail 
zu  dem  südöstlich  davon  gelegenen  Bergrücken  von  den 
Hornsteinkalken  des  Jura  an  folgendes  Profil: 

1.  Eisenschüssige  Sandsteine,  nahe  der  Basis  mit  einer  Ein¬ 
lagerung  eines  >  2  m  mächtigen,  basaltähnlichen  Eruptiv¬ 
gesteins,  über  dem  der  Sandstein  quarzitisch  wird ; 

2.  feinsandige  Tone,  Brauneisenstein,  Eisensandstein; 

3.  braunrote,  graugefleckte  Steinmergel; 

4.  meist  mürbe,  z.  T.  stark  mit  Brauneisen  durchsetzte,  kreuz- 
geschichtete,  mächtige  Sandsteine;  in  rotbraunen,  festeren 
Lagen,  die  zu  Mühlsteinen  gebrochen  werden,  mit  schlecht¬ 
erhaltenen  Holzresten.  Über  einer  Schiefertoneinlagerung 
treten  Quellen  aus;  heideartige  Vegetation  mit  viel  Farnkraut. 

Diese  Untorkreid©  gehört  einer  Bruchstaffel  an,  welche 
man  die  Staffel  von  Kornail  benennen  kann.  Ihre  öst¬ 
liche  Begrenzung  bildet  ein  SO— NW-Bruch,  welchen  man 
im  Wasserrisse  Am  Bostan  unweit  Kornail  an  der  Straße 
nach  Kefr  Seiuan  wahmimmt,  wo  an  die  Jurakalke  dep 
Nordostflügels  im  Südwesten  sandige  Unterkreideschichten 
anstoßen.  Die  Sprunghöhe  kann  auf  etwa  150  m  geschätzt 
werden.  Unterhalb  der  Straße  nimmt  die  Verwerfung  eine 
fast  nördliche  Streichrichtung  (genauer  in  350°  magn.)  an. 
Beim  Abstiege  von  Kornail  nach  W  zu  der  ehemaligen 
Kohlengrube  von  Mourgue  gelangt  man  plötzlich  aus  dem 
Jurakalk  in  die  mit  Pinienwald  bestandenen  sandigen  Unter¬ 
kreid  eschichten.  Die  scharfe  Grenze,  welche  wieder  durch 
einen  Wasserriß  angedeutet  wird,  ist  die  westliche  Grenz¬ 
spalte  der  Staffel  von  Kornail;  sie  streicht  etwa  in  60 
bis  70°  magn.  und  ist  bis  in  das  Tal  von  Arsün  zu  ver¬ 
folgen.  Die  Unterkreideschichten  der  Grube  Mourgue 
gehören  demnach  bereits  einer  noch  tiefer  abgesunkenen 
Bruchstaffel  an;  ihre  Schichten,  insbesondere  das  Kohlen¬ 
vorkommen,  hat  O.  Fbaas  eingehend  beschrieben  (Geolog. 
Beobachtungen  am  Libanon,  1878,  S.  48  ff.).  Hinzufügen 
möchte  ich  nur,  daß  der  Eisensandsfcein  an  dem  nordwest¬ 
lichen  Entwässerimgsstollen  flach  nach  NO  einfällt,  was 
einen  gewissen  Schluß  auf  die  Schichtenlagerung  innerhalb 
dieser  Bruchstaffel  zuläßt. 

Die  östlich  vom  Am  Bostan  beginnende  Scholle  von 
Unter  kreide  gehört  einer  höheren  Bruchstaffel  an,  die  wir 
als  die  von  Kefr  Seiuan  bezeichnen  können.  Die  Ansicht 
(Taf.  III,  Abb.  1),  welche  nach  einer  von  mir  am  7.  Mai 


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auf  genommenen  Photographie  angefertigt  ist,  stellt  den  Blick 
von  Kefr  Seluan  nach  SW  im  Bereiche  dieser  Bruchstaffel 
dar  und  ganz  rechts  im  Hintergrund  den  Übergang  zur 
Staffel  von  Kornail,  angedeutet  durch  Bruchlinien,  von  denen 
zwei  kleinere  sich  durch  das  Absinken  der  beiden  Kalk¬ 
bänder  an  der  Basis  der  zum  Teil  Schnee  tragenden  Gipfel¬ 
partie  des  Kneysseh  verraten,  während  der  Hauptbruch 
von  Am  Bostan  etwa  in  der  Einsattelung  des  Kammes  ganz 
rechts  zu  suchen  ist.  Im  Vorder-  und  Mittelgrund  ist  der 
teils  mit  Ackerbauterrassen  bedeckte,  teils  kahle  Felsboden 
des  Jurakalkes  sichtbar,  darüber  im  Mittelgrund  die  sanften, 
schüttigen  Hänge  der  Unterkreide  und  höher  die  aus  Ceno¬ 
man-  und  Turonkalken  bestehende  Gipfelpartie  des  Kneysseh. 

Die  Staffel  von  Kefr  Seluan  endigt  an  der  Straße  zum 
Paßrücken  Dachr  el  Harf  etwa  4  km  von  der  Kapelle 
des  genannten  Dorfes  an  einer  wieder  durch  einen  Wasser¬ 
riß  gekennzeichneten  WSW— ONO- Verwerfung  von  etwa 
50  m  Sprunghöhe,  und  es  beginnt  jenseits  der  Horst  des  ! 

Dachr  et  Harf.  Hier  fand  ich  in  dem  Eisensandstein  der  i 

Unterkreide  auch  Braun-  und  Roteisenstein  und  als  Zeichen 
ehemaliger  Verhüttung  Eisenschlacken.  Hatte  uns  bis  hierher 
noch  das  auf  dem  Jurakalk  sich  ausbreitende  Kulturland 
begleitet,  so  hört  das  nunmehr  auf,  und  es  stellen  sich  bis 
zur  Paßhöhe  die  quelligen,  zur  Rutschung  neigenden  Hänge 
der  Unterkreide  mit  viel  Rhododendrongebüsch  und  Farn¬ 
kraut  ein. 

Das  Profil  der  Unterkreide  am  Dachr  el  Harf  ist  folgendes: 

Über  dem  Jurakalk  folgen 

1.  Eisenschüssige  Saude  und  Sandsteine; 

2.  grünliches  Tuffgestein ; 

3.  violettrote  und  graue  Steinmergel  und  Schiefertone; 

4.  eisenschüssige  Sande  und  Sandsteine; 

5.  dichtes  dunkles,  nach  oben  hin  stark  zersetztes,  basaltisches 
Eruptivgestein ; 

6.  Steinmergel ; 

7.  Sandsteine  mit  Eisenschalen,  z.  T.  Tuffs  an  dst  ein  ; 

8.  blaugraue  Tone  mit  einem  Dysodilflöz ; 

9.  Eisensande  und  -Sandsteine. 

Hangendes:  groboolithische  und  dichte  Kalke  des  Cenomans. 

Die  Gesamtmächtigkeit  der  Unterkreide  beträgt  nach 
meinen  Barometermessungen  etwa  150  m;  die  Lagerung  ist 
so  gut  wie  horizontal. 

Die  Eisensande  bzw.  Eisensandsteine  sind  zum  Teil  sicher 
aus  der  Zersetzung  von  schwefe  lkiesführenden  Schichten 
hervorgegangen. 


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Über  das  Eruptivgestein  kann  ich  wegen  des  Verlustes 
meiner  Proben  nähere  Mitteilung  nicht  machen  und  ver¬ 
weise  auf  die  Darstellung  bei  O.  Fbaas  (a.  a.  O.  S.  33  ff.). 
Auch  ich  gewann  den  Eindruck,  daß  es  sich  um  Ergüsse 
aus  der  Unterkreidezeit  handelt,  was  schon  durch  die  ge¬ 
legentlich  zu  beobachtenden  tuffigen  Beimengungen  der 
sandigen  Sedimente  hinreichend  bewiesen  wird. 

Die  Dysodil Vorkommen  liegen  beiderseits  der  Wasser¬ 
scheide  Dachr  el  Harf.  Dasjenige  auf  der  Westseite 
liegt  südlich  des  Paßweges,  es  hat  zum  Liegenden 
teils  blaugrauen  Ton,  teils  grauen,  festen  Kalk,  teils  grauen, 
eisenfleckigen,  tonigen  Sand,  wrährend  das  Hangende  gleich¬ 
mäßig  von  blaugrauem,  zum  Teil  eisenschüssigem  Ton 
gebildet  wrird;  die  Mächtigkeit  sclmankt  zwischen  2,3  und 
6  m.  Über  dem  hangenden  Ton  treten  an  zahlreichen  Steilen 
Quellen  aus  und  sind  an  dem  Streifen  üppigen  Rhododendron¬ 
gebüsches  weithin  an  den  Gehängen  kenntlich.  Der  Dysodil 
ist  in  seinen  tiefsten,  wahrscheinlich  unverwitterten  Partien 
auf  etwa  0,25  bis  0,5  m  dicht,  schwarz,  auch  wohl  etwas 
kalkig  und  pyritführend.  Erst  bei  der  Verwitterung  wahr¬ 
scheinlich  und  nahe  dem  Ausgehenden  wird  er  dünnschiefrig, 
pappeartig  und  bleicht  aus,  wie  das  von  anderer  Stelle 
im  Libanon  bereits  O.  Fbaas  (a.  a.  O.  S.  57)  sehr  anschau¬ 
lich  beschrieben  hat.  In  solchem  Gestein  werden  auch 
organische  Reste,  namentlich  von  Fischen,  Famen  und 
Ostrakodenschäl chen  sichtbar.  Einlagerungen  von  w’enige 
Zentimeter  starkem,  bituminösem,  pyritführendem  Kalk 
spielen  nur  eine  geringe  Rolle. 

Auf  der  Ostseite  der  Wasserscheide  ließ  sich  der  Dys¬ 
odil  im  Wasser  risse  Brok  il  Arab  gleichfalls  beobachten. 
Seine  Oberkante  liegt  hier  etwa  30  m  unter  der  Paßhöhe4) 
der  Straße,  also  in  etwa  1700  m  Meereshöhe,  wie  auf  der 
Westseite.  Das  Hangende  ist  eisenschüssiger,  zum  Teil 
pyritimprägnierter,  kohliger  Sandstein  mit  einem  Besteg  von 
kalkig-bituminösem  Schiefer.  Der  hier  durch  zahlreiche,  bis 
zu  0,5  m  mächtige  Einlagerungen  von  bituminösen  Kalk¬ 
bänken  ausgezeichnete,  schiefrige  Dysodil  erreicht  sogar 
20  m  Mächtigkeit,  ohne  daß  diese  auffallende  Mächtigkeit 
etwa  durch  Verwerfungen  bedingt  w'äre.  Nur  nahe  der 
Basis  gab  sich  eine  etwa  ONO — WSW  streichende  Ver- 

4)  Nach  meinen  Barometerbeobachtungen  im  Anfang  Mai 
1918  möchte  ich  .die  Seehöhe  dieses  Passes  auf  mehr  als  1700  m 
annehmen  und  damit  ebenso  wie  Diexkk  (Libanon  S.  157)  der 
ScoTTschen  Zahl:  1757  in  den  Vorzug  geben. 


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werfuni?  mit  geschlepptem,  also,  abgesunkenem  Nordflügel  zu 
erkennen;  die  Sprunghöhe  kann  nur  unbeträchtlich  sein. 
Das  Liegende  des  Dysodils  ist  ein  dunkelgrauer,  kalkig- 
tuffiger  Sandstein,  zum  Teil  mit  kleinen  Gerollen;  er  geht 
nach  oben  in  eisenschüssigen,  aus  pyritischem  Gestein  her¬ 
vorgegangenen  Sandstein  über. 

Beim  Abstiege  vom  Pa  Brücken  nach  Am  Azir  trifft 
man  noch  mehrfach  Schollen  von  Eisensandstein  oder  des 
basaltischen  Eruptivgesteins  an,  zum  Teil  mit  Einfällen  nach 
der  Bekä  zu,  ein  Zeichen,  daß  die  Unterkreide  des  Dachr 
el  Harf  nach  dem  großen  Grabenbruch  der  Bekä  ebenfalls 
in  Staffeln  abfällt. 

Die  Frage  nach  dem  Alter  des  Dysodils  und  weiterhin 
der  ganzen,  Sandsteine  usw.  umfassenden  Schicht serie  konnte 
noch  nicht  als  geklärt  gelten,  wenn  auch  durch  H.  Douville 
(Etudes  sur  les  Rudistes.  Mein.  soc.  geol.  France,  41,  1910, 
S.  55,  63)  das  Unterkreidealter  dadurch  wahrscheinlich 
gemacht  wurde,  daß  in  den  hangenden  Kalken  Enallaster 
Delgadoi ,  eine  bezeichnende  Form  der  portugiesischen  Apt- 
Aube-  und  Vraconnestufe,  vorkommt.  O.  Fbaas  führte  zwar 
von  anderen  Punkten  des  Libanon,  wo  derselbe  Dysodil 
auftritt,  unbestimmbare  Fischreste  und  Fiederblättchen  von 
Cycadeen  oder  Farnen  an  (a.  a.  O.,  S.  57—58),  aber  es  gelang 
ihm  nicht,  bestimmbares  Material  nach  Deutschland  zu 
bringen.  Einen  Schritt  weiter  in  der  Altersfrage  dieser 
Schichten  vermag  uns  das  kleine,  von  mir  geborgene  Fossil- 
material  zu  bringen;  denn  wenn  auch  infolge  des  unglücklichen 
lvi  iegsausganges  mein  Hauptmaterial  aus  dem  Libanon  ver¬ 
loren  ging,  so  gelang  es  mir  doch,  selbst  durch  die  Ge¬ 
fangenschaft  in  Ägypten  hindurch,  einige  Dysodilblättchen 
mit  gut  erhaltenen  Fisch-  und  Pflanzenresten,  die  ich 
zwischen  den  Blättern  eines  Buches  aufbewahrt  hatte,  in 
die  Heimat  zu  retten.  Unter  den  Pflanzenresten  bestimmte 
Herr  Gothax  außer  jungen  Farnwedeln  Weichselia  reticulata 
Stokes  und  Webb  sp.  (Abbildung  in  Potoniä:  Abbildungen 
und  Beschreibungen  fossiler  Pflanzenreste.  Lief.  VII,  Nr.  126, 
1910)  und  bemerkt  dazu  folgendes:  „Die  Weichselia,  deren 
charakteristische  Masehenaderung  durch  Längsspa!tung  der 
sehr  dicken  Blattspreite  sehr  gut  sichtbar  gemacht 
werden  konnte,  ist  ein  außerordentlich  verbreitetes  Leit¬ 
fossil  für  unterste  Kreide  (Weaklen,  besonders  aber  Neo- 
com):  man  kennt  sie  aus  Nordamerika,  Peru,  Venezuela, 
Mitteleuropa  (England,  Deutschland,  Belgien,  Frankreich 
und  Schweden).  Sie  kommt  mit  Vorliebe  in  Sandstein  (viel- 


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leicht  Dünenpflanze)  vor,  eingeschwemmt  aber  auch  in 
Tonen  (Hildesheimer  Hilston  u.  a.),  wie  hier  im  Dysodii 
des  Libanon.  Die  Angaben  über  Vorkommen  im  Gault  sind 
irrtümlich.  Auch  im  Libanon  kann  Weichselia  reticulata 
als  beweisend  für  Weald-Neocom  - Alter  angesehen 
werden.“ 

Unter  den  Fischresten  erkannte  Herr  Janensch  eine 
neue  Art  der  Gattung  Pleuropholis ,  die  er  PI.  Koerti  be¬ 
nannt  hat,  ferner  eine  generisch  nicht  sicher  bestimmbare 
Form,  die  er  mit  Vorbehalt  an  die  Gattung  Thrissops  an¬ 
schließt.  Näheres  darüber  bringt  der  von  Herrn  Janensch 
verfaßte  Teil  II  des  Paläontologischen  Anhangs  (S.  54). 

Die  Sandsteinserie  des  Libanon  hebt  sich  gleich  scharf 
von  den  marinen  Jurascliichtcn  im  Liegenden  wie  von  den 
marinen  Oberkreideschichten  im  Hangenden  ab,  sie  be¬ 
zeichnet  eine  Epoche  mit  vorherrschenden  festländischen 
Einflüssen.  Darauf  deuten  die  basaltartigen  Ergußgesteine 
und  ihre  Tuffe  hin,  ferner  die  überwiegend  sandigen  Sedi¬ 
mente,  die  Kohlen  und  ganz  allgemein  der  schnelle  Fazies- 
wechsel.  Der  Dysodii  bildet  ebensowenig  wie  die  Libanon¬ 
kohle  einen  durchgehenden  Horizont,  als  Faulschlamm¬ 
bildung  setzt  er  zum  Teil  ziemlich  tiefe  Brackwasserbecken 
voraus,  in  denen  lange  Zeit  eine  ungestörte  Sedimentation 
durch  Organismentätigkeit  vor  sich  gehen  konnte.  Alles 
spricht  dafür,  in  der  Unterkreide  des  Libanon  eine  fest¬ 
ländische  Bildung  etwa  im  Bereiche  eines  Ästuars  zu  er¬ 
blicken,  also  für  ähnliche  Bildungsbedingungen,  wie  man 
sie  für  den  W  e  a  l  d  e  n  voraussetzt.  Dem  mit  dem  nord¬ 
deutschen  Wealden  vertrauten  Geologen  drängt  sich  bei  der 
Betrachtung  der  Unterkreide  des  Libanons  diese  Ähnlich¬ 
keit  ganz  von  selbst  auf. 

V.  Geologische  Beobachtungen  zwischen  Afule  und 
Kaisarije.  ferner  bei  Tul  Kärm. 

(Abb  4.) 

I.  Aus  der  Ebene  Jesreel. 

Um  die  Jahreswende  1917  18  fanden  wir  in  der  Ebene 
Jesreel  weite  Strecken  unter  Wasser  stellend  und  wegen 
des  tonigen  Bodens  schwer  zu  passieren.  In  späterer  Jahres¬ 
zeit  zerfällt  der  schwere  Boden  aber  krümelig  und  erweist 
sich  sehr  fruchtbar,  wie  man  im  August  1918  an  dem 
schönen  Stand  der  Sorghumfelder  sehen  konnte.  Viel  Land 
liegt  noch  brach  und  trägt  Distel-  und  Umbelliferensteppe; 


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eine  Liliaeee  wird  den  dortigen  Bauern  sehr  lästig,  denn 
ihre  Zwiebeln  trägt  er  zu  großen  Haufen  auf  dem  Acker 
zusammen. 

Brunnen  versuche  in  Afufe  an  der .  Haifabahn  auf  der 
Ostseite  der  Straße  nach  Nazareth  ergaben  von  Flur  an 
bis  zu  etwa  10  m  Tiefe  einen  gleichmäßigen,  dunkelbraunen 
Lehm  mit  Kalkknauern,  die  bis  faustgroß  werden,  zweifellos 
ein  Alluvialgebilde.  Das  aus  diesem  Lehm  austretende 
Grundwasser  ist  brackig.  Nach  den  Ergebnissen  einer  Militär- 
bohrung,  die  an  der  Abzweigung  der  Bahn  nach  Mesudije 
gestoßen  werde,  und  in  die  ich  einen  flüchtigen  Blick  tun 
konnte,  scheint  es,  daß  unter  dem  etwa  26  m  mächtigen 
AUuviallehm  noch  eine  etwa  38  m  mächtige  Folge  von 
fluviatilen  Schichten  ruht,  nämlich  teils  grünliche,  teils  rote, 
geröllführende  Lehme  im  Wechsel  mit  Lagen  von  Basalt- 
und  Feuersteingeröll;  diese  Folge  mag  diluvialen  Alters  sein. 
Von  65  bis  80  m  Tiefe  stellte  sich  ein  feinsandiger  Kalk 
oder  Kalksandstein  ein,  von  dem  mir  zwar  eine  Probe 
vorliegt,  für  dessen  Alter  und  Natur  ich  aber  keine  Anhalts¬ 
punkte  finde. 

Westlich  Afule,  etwa  zwischen  Km  31  und  32,  kreuzt  die 
Haifabahn  einen  von  NO  nach  SW  durch  die  Ebene  Jesreel 
sich  ziehenden,  niedrigen  Basaltrücken,  der  über  Lidd  auf 
Ledsclmn  am  Hände  des  Berglandes  von  Samaria  zuführt. 
Dieser  Basalt  ist  durchw  eg  stark  verwittert,  meist  zu  einem 
kaffeebraunen,  mehrere  Meter  mächtigen  Eluviallehm  mit 
Basaltbrocken,  doch  stellenweise  auch  mit  beträchtlichen 
Ausscheidungen  von  Steppenkalk,  der  gelegentlich  selbst  als 
besondere,  bis  1  m  mächtige  Schicht  unmittelbar  über  dem 
verwitterten  Basalt  auftritt  und  ihn  in  Adern  durchsetzt. 
3  km  südwestlich  Lidd  tritt  am  Rande  der  Ebene  Jesreel 
Krusten-  oder  Obcrfläehenkalk  in  niedrigem  Rücken  auf 
und  scheint  durchweg  der  Kreide  aufzulagern,  wie  gelegent¬ 
liche  Aufschlüsse  beweisen.  Als  festere  Schicht  springt  am 
Rande  dieses  Rückens  der  Krustenkalk  vielfach  über  die 
mergelige  Kreide  vor  und  ermöglicht  dadurch  die  Anlage 
von  Zisternen,  da  das  in  der  ausgehöhlten  Kreide  stehende 
Tagewasser  durch  die  überhängende  Kalkkruste  vor  allzu 
schneller  Verdunstung  bewahrt  bleibt. 

2.  Aus  dem  Berglande  von  Samaria. 

Unterhalb  des  etwa  25  m  sich  über  der  Ebene  Jesreel 
erhebenden  Teils  el  Mutessellim,  wo  durch  die  Ausgrabungen 
des  Deutschen  Palästinavereins  die  Grundmauern  der  k&na- 


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arktischen  Feste  Megiddo  aufgedeckt  sind,  wird  teils  kiesliger 
oder  sogar  feuersteinführender,  teils  mergeliger  Kreidekalk 
sichtbar  und  tritt  nach  Ledschun  zu  immer  mehr  in  die 
Erscheinung.  Bei  Ledschun  dehnt  sich  das  Schuttfeld  des 
ehemaligen  römischen  Gamisonortes  Legio  auf  der  Nord¬ 
seite  des  Baches  sowohl  über  den  Kreidekalk  als  auch  über 
Basalt  aus.  Die  Lagerung  der  stark  zerklüfteten  Kreide 
ist  durchweg  sehr  gestört,  denn  das  Einfallen  wechselt  auf 


Abb.  4.  Skizze  der  Gegend  zwischen  Afule,  Kaisarije  und  Tul  Kann. 


kurze  Strecken  zwischen  NW,  W  und  WSW,  was  wohl 
mit  dem  Empordringen  des  Basaltes  Zusammenhängen  dürfte. 
Getrennt  vom  Basalt  der  Ebene  Jesreel  durch  den  Kreide¬ 
riegel  bei  Ledschun  liegt  nordwestlich  dieses  Ortes  bereits 
im  Berglande  und  anscheinend  inmitten  von  Kreide  der 
Basaltrücken  des  Teil  Ismar  mit  säulenförmigen  Klippen 
an  der  Südseite.  Den  Bach  von  Ledschun  begleitet  bei 
seinem  Austritte  aus  dem  Berglande  eine  mit  wenig  mäch¬ 
tigen  Basalt-  und  Kreideschottern  bedeckte,  etwa  200  m 
breite  Terrasse,  in  die  sich  der  jetzige  Lauf  5  bis  10  m 


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tief,  also  bereits  erheblich  in  den  Kreideuntergrund  hinein, 
eingeschnitten  hat. 

Teils  breeeiöser,  teils  tuffiger  Krustenkalk  scheint  im 
Berglande  von  Samaria  geradezu  regional  verbreitet  zu  sein, 
und  zwar  ganz  vorwiegend  im  Bereiche  der  weichen  Senon- 
Mergelkalke,  viel  seltener  auf  den  harten  Turonkalken.  Dem 
Krustenkalk  eigentümlich  ist  eine  Neigung  zur  Bildung  von 
Abbrüchen,  die  dem  Gehänge  parallel  laufen. 

Das  von  der  Straße  Afule — Wadi  Ara  benutzte  und 
durch  das  Bergland  von  Samaria  führende  Paßtal  ist  ein 
echtes  Schichtental,  denn  es  verläuft  von  seiner  Mündung 
südöstlich  Ledschun  über  Musmus,  Am  Ibrahim  bis  über 
Aln  Setuni  hinaus  auf  der  Schichtgrenze  der  weichen  S  »non- 
kreido  gegen  die  liegenden  harten  Kalke  und  Dolomite  des 
Turons5).  Daraus  ergibt  sich  das  allgemeine  Schichtstreichen 
zu  SW — NO  und  das  Einfallen  nach  NW.  Die  Turonkalke 
und  -dolomito  bilden  im  Gegensatz  zu  den  sanften  Formen 
des  Senons  eine  rauhe  Karstlandschaft  mit  karrenbedeckten 
Klippen,  Höckern,  Platten  und  losen  Blöcken  und  tragen 
nur  dünnen,  niedrigen  Busch  von  Steineichen  u.  dgl.  Auf 
der  Talwasserscheide  bei  Am  Ibrahim,  die  etwa  200  m 
über  Km  32  der  Haifabahn  belegen  ist,  sind  die  Senonmergel 
in  einer  Grube  erschlossen6)  und  dadurch  bemerkenswert,  daß 
sie  in.  5  bis  6  m  Tiefe  stark  bituminös  werden  und  zahlreiche 
dünnschalige  Muschelreste  führen;  leider  gehören  die  ent¬ 
nommenen  Proben  zu  dem  noch  in  Berlin  abhanden  ge¬ 
kommenen  Material.  Etwas  oberhalb  dieser  Mergelgrube 
liegt  hinter  der  dort  befindlichen  Mühle  innerhalb  des  Senons 
ein  Erdfall,  der  wohl  auf  die  subterrane  Erosion  der  beiden 
etwas  oberhalb  sichtbaren  Quellen  zurückgehen  dürfte.  Etwa 
ip  der  Mitte  zwischen  hier  und  Am  Setuni  liegt  in  der  Tal¬ 
sohle  ein  Versickerungsgebiet,  denn  Ende  Januar  1918  war 
hier  das  weiter  oberhalb  im  Wadi  noch  sichtbare  Wasser 
bereits  völlig  verschwunden.  Auf  die  Tätigkeit  des  unter¬ 
irdischen  Wassers  deutet  auch  eine  Reihe  von  mehr  als 
10  m  tiefen  Erdfällen  beim  Dorfe  Ara,  die  sich  in  fast 
ostwestlicher  Linie  anordnen.  In  ihnen  steht  zerklüftete, 
mergelige  Senonkreide  an,  die  unter  15°  nach  350'  magn.. 
also  fast  nach  N,  einfällt. 

5)  U lancken hokns  Geologische  Karte  von  Palästina  (Zeit¬ 
schrift  d.  D.  Palästina-Vcr.  1912)  wäre  .dementsprechend  zu  1h»- 
richtigen. 

6)  Die  Mergelkreide  wird  nämlich  als  Belag  auf  die  flachen 
Dächer  gebracht  und  festgewalzt. 


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33 

Während  der  Abschnitt  des  Schichttals  nordöstlich  der 
Talwasserscheide  im  wesentlichen  ein  Erosionstal  ist,  steilen 
sich  in  dem  Abschnitte  südwestlich  von  Am  Ibrahim  in 
dem  von  Umm  ei  Fachm  kommenden  Wadi  Ara  bald  Ailu- 
vionen  ein,  und  zwar  teils  schotterführende,  teils  schotter¬ 
freie  Auelehme,  und  an  den  Mündungen  der  Seitentäler 
Schotterkegel,  seltener  sind  Abhangsschuttmassen. 

Bei  Am  el  Assaua,  einem  que lienreichen  Platze,  tritt 
das  Wasser  aus  kieseligem  Senonkalk  aus.  Ein  aus  Siedlungs¬ 
schutt  bestehender  Teil  springt  in  die  Bucht  mit  den  Quellen 
vor  und  beweist  wieder,  daß  hier  an  die  Quellen  gebundene 
Siedlungen  lange  Zeit  hindurch  bestanden  haben.  Das  Kreide¬ 
bergland  tritt  von  da  ab  beiderseits  zurück,  und  es  beginnt 
die  diluviale  Küstenebene  Saron. 

Über  das  Kreidegebirge  in  der  Umgebung  von  Tul  Kann 
konnte  ich  vom  12.  bis  18.  Februar  1918  einige  Unter¬ 
suchungen  anstellen,  deren  Ergebnisse  sich  hier  am  besten 
einfügen  lassen.  Während  Blanckenhorn  auf  seiner  be¬ 
kannten  geologischen  Übersichtskarte  von  Palästina  am 
Bande  des  Berglandes  von  Tul  Karin  nach  N  nur  Turon 
und  Cenoman  verzeichnet,  ergab  sich  bald,  daß  am  Bücken 
von  Tul  Kann  unter  dem  Oberflächenkalk  nur  der  weiche 
senone  Kreidemergel  ansteht,  wie  das  auch  Bange  neuer¬ 
dings  auf  seiner  geologischen  Karte  der  Küstenebene  von 
Palästina  usw.  (8.  Veröffentlichung  d.  Ges.  f.  Palästina- 
Forschung,  1922)  dargestellt  hat.  Auch  ein  Einschnitt  der 
Bahn  nördlich  Tul  Karm,  etwa  180  m  südlich  der  Brücke 
über  das  Wadi  Zemir,  ließ  auf  etwa  120  m  senone  Kreide¬ 
mergel,  bedeckt  von  einer  Lage  von  Feuersteingeröll,  anschei¬ 
nend  eine  aus  dem  Diluvium  der  Ebene  Saron  auftauchende 
und  abradierte  Kreideinsel,  erkennen.  Die  harten,  mit  Karreh 
bedeckten  Kalke  und  Dolomite  des  Turons  steilen  sich  erst 
an  den  Hängen  des  Wadi  Zemir  ein  und  sind  auf  dessen 
Nordseite  zwischen  Dennabe  und  Schuweke,  nördlich  der 
Bahnbrücke,  als  splittrige  Kalke  mit  unbestimmbaren 
Budistenresten  erschlossen.  Das  Einfallen  ist  unter  10°  nach 
NW,  das  Streichen  also  SW — NO  gerichtet.  Im  Hangen¬ 
den  legen  sich  bald  die  Senonmergel  auf,  verschwinden  aber 
nach  Schuweke  zu  unter  der  Decke  von  Oberflächenkalk. 
Die  Turonkalke  sind  weiter  oberhalb  nach  Anabeta  zu  noch 
mehrfach  an  den  beiden  Talseiten  des  Wadi  Zemir  sichtbar, 
doch  stehen  etwa  800  m  südwestlich  Anabeta  an  der  süd¬ 
lichen  Talseite  unter  2  m  Oberflächenkalk  bereits  wieder 
zerklüftete  Senonmergel  an. 

Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  3 


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Ein  leichtes  Erdbeben  wurde  von  mir  in  Haifa,  wo  im 
Karmel  das  Bergland  von  Samaria  noch  N  endigt,  am 
29.  September  1918  etwa  2_y4  Uhr  nachmittags  wahrge¬ 
nommen,  während  ich  mich  im  Bette  des  Ortslazaretts  befand. 
Nach  Aussagen  englischer  Soldaten  soll  das  Beben  auch 
noch  weiter  im  Süden  bei  Kalkilije  fühlbar  gewesen  sein. 

3.  Von  der  Küstenebene  Saron. 

Bald  hinter  Am  el  Assaua  beginnt  an  der  Straße  nach 
Kerkur  ein  Gebiet  mehr  oder  minder  rot  lehmigen  Sandes, 
der  mir  teils  echter  Meeressand,  teils  aus  Strandsand  hervor¬ 
gegangener  Dünensand  zu  sein  scheint,  und  den  ich  zum 
marinen  Diluvium  rechne.  Dieser  alte  Dünensand  hat  ge¬ 
legentlich  noch,  so  zwischen  Kerkur  und  Tscherkess,  seine 
ursprünglichen  kleinkuppigen  Geländcformen  bewahrt,  wenn 
sie  auch  durch  Bewachsung  mit  büscheligem  Steppengras 
bereits  festgelegt  sind.  Ein  etwa  300  m  westsüdwestlich  vom 
Brunnen  des  Gutshofes  der  jüdischen  Ackerbaukolonie 
Kerkur  angesetzter  Schürf  ergab  folgendes  Schichtenprofil 
in  diesem  alten  Dünensande  (die  Proben  liegen  vor): 

0  —  0,5  in  schwach  humoser,  lehmiger  Sand. 

0,5 —  1,7  m  rotbrauner,  lehmiger  Sand  mit  Kalkknauern, 

1,7 — >2,5m  hellbrauner,  schwach  kalkiger  Sand  mit 
Osbokollen. 

Es  ergibt  sich,  daß  hier  ein  kalkreicher  Sand  vorliegt, 
der  unter  besonderen  klimatischen  Bedingungen  tiefgründig 
und  rotlehmig  verwittert  ist.  Ranges  Auffassung7),  daß 
dieser  Boden  diluvialen  Lehm  (q  1)  darstelle,  kann  ich  dem¬ 
nach  nicht  teilen.  Zwischen  Kerkur  und  Chedera,  wo  solcher 
Boden  verbreitet  ist,  sieht  man,  daß  er  sich  bei  der  dort 
möglichen  Bewässerung  gut  für  den  Anbau  von  Mandeln, 
Reben,  Orangen,  Oliven  und  Ackerbau  eignet.  Eine  wild¬ 
wachsende  Charakterpflanzo  ist  die  Koloquinte  und  außer 
der  Sykomore  die  niedrige  Zwergpalme  Ohamaerops;  sumpfige 
Stellen  in  den  Niederungen  tragen  im  Frühjahr  einen  Flor 
von  Narzissen  und  Asphodelen. 

Jünger  als  diese,  uni  zwar  im  Alter  zwischen  ihr  und 
der  heutigen  Dünenbildung  zu  stehen  scheint  mir  eine  ver- 
lehmte.  ebenfalls  bereits  durch  eine  Grasnarbe  festgelegte 
gelbbraune  bis  hellgelbe  Dünenbildung,  wie  man 
sic  z.  B.  zwischen  Kerkur  und  Burudsch  antrifft.  Die 


7)  Geologische  Karte  der  Küstenebene  von  Palästina  vom 
Kermel  bis  zur  Isthmusw'üste.  Ges.  f.  Palästina-Forschg.  8.  Ver- 
öffentl.,  1922. 


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klimatischen  Bedingungen,  unter  denen  dieses  Dünensystem 
verwitterte,  sind  wohl  denen  der  Jetztzeit  mehr  angenähert 
als  die,  durch  deren  Wirkung  die  roten  bis  rotbraunen 
Dünen  hervorgingen.  Diese  Fragen  weiter  zu  verfolgen, 
war  mir  leider  nicht  möglich. 

Über  den  tieferen  Untergrund  der  Küstenebene  Saron 
kann  ich  noch  anführen,  daß  im  Brunnen  der  Bahnstation 
Tul  Karin,  angeblich  unter  feinkörnigen,  kalkigen  Sanden, 
zwischen  31  und  32  m  Tiefe  Bänke  eines  Kalksandsteins 
auftreten.  die  nach  den  mir  vorliegenden  Proben  außer 
Cardium  und  zahlreichen  unbestimmbaren  Steinkernen  und 
Abdrücken  Gerolle  von  Lithothamnienkalk,  Feuerstein, 
Kreidekalk  und  eines  oolithischen  Kalkes  führen*).  Nach 
meiner  Auffassung  handelt  es  sich  um  eine  diluviale,  strand¬ 
nahe  Meeresbildung.  Bemerkenswert  ist  hier  die  große 
Mächtigkeit  dieser  marinen  Diluvialschichten,  nämlich  minde¬ 
stens  32  m,  trotzdem  nur  etwa  200  m  weiter  östlich  sich 
bereits  die  anstehende  Kreide  von  Tul  Karm  heraushebt. 
Ähnliche  geröllführende  Sande  sind  angeblich  auch  in  dem 
Brunnen  der  Orangenpflanzung  des  Hadschi  Said  von  Nablus 
auf  der  Ostseite  der  Bahn,  südöstlich  von  Kakiin  getroffen 
worden,  wo  etwas  westlich  rötlich  verlehmter,  alter  Dünen¬ 
sand  sichtbar  wird. 

Hauptsächlich  nach  der  Küste  zu,  aber  auch  in  das 
Gebiet  des  alten,  rotverlehmten  Dünensandes  eingreifend, 
stellen  sich  auf  der  Ebene  Saron  die  der  Jetztzeit  an¬ 
geh  origen,  hellen,  vegetationsarmen  und  daher  noch  nicht 
festgelegten  Dünen  mit  ihren  bezeichnenden  Formen  ein. 
Diese  Dünenzone  lernte  ich  zwischen  Kerkur  und  Kaisarije 
kennen.  Tamariskengestrüpp,  auf  dem  eine  Helixart  in 
Menge  lebt,  veranlaßt  oft  die  Bildung  kleinkuppiger  Dünen; 
die  abgestorbenen  Gehäuse  der  Helix  sind  dem  Dünensand© 
in  großer  Zahl  bisw-eilen  beigemengt.  Die  Seebrise  ver¬ 
hindert  das  Aufkommen  von  größeren  Bäumen  und  biegt 
sie,  sobald  sie  eine  gewisse  Höhe  erreicht  haben,  nach  dem 
Landinnern  zu  ab.  Der  Dünensand  ist  von  dem  rezenten 
Strandsand  des  Mittelmeeres  oft  durch  eine  feuchte  De- 


8)  Auf  denselben  Brunnen  bezieht  sich  wolil  das  von  Bange 
(Die  Küstenebene  Palästinas.  8.  Veröffentl.  Ges.  f.  Palästina- 
Forschg.,  1922,  S.  16)  angeführte  Profil  der  Bohrung  16,  wo 
zwischen  31  und  34,5  m  weiße  Schreibkreide  angeführt  wird. 
Ich  muß  es  dahingestellt  sein  lassen,  ob  mit  dieser  Bezeichnung 
nicht  vielleicht  der  Bohrschlamm  des  oben  geschilderten  Kalk¬ 
sandsteins  gemeint  ist. 

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pression  getrennt  und  entwickelt  sich  aus  dem  Strandsaod- 
waile  erst  ganz  allmählich  mit  flach  ansteigenden  Böschun¬ 
gen.  Die  starke  Brandung  erneuert  beständig  den  Strand¬ 
wall,  welchen  Pcctunculus-Schalen  zu  Tausenden  bedecken. 
Infolge  der  Küstenströmung  herrscht  eine  starke  Sandver¬ 
setzung  und  strebt,  die  Bachmündungen  durch  Sandbarren 
zu  verschließen.  Sowohl  in  den  Dünen-  als  auch  in  den 
Strandsanden  kommt  es  durch  Kalkausscheidungen  zur  Ent¬ 
stehung  fester,  in  letzteren  auch  wohl  konglomeratischer 
Sandsteinbänke.  Kaisarije,  das  römische  Caesarea,  liegt  auf 
einem  aus  solchem  Sandstein  bestehenden  Küstenvorsprung, 
und  draußen  im  Meere  werden  noch  in  größerem  Abstande 
von  der  Küste  Riffe  sichtbar,  die  aus  solchem  Sandstein 
bestehen  dürften. 

VI.  Geologisches  aus  dem  Ostjordanlaude  längs  der 
Hedschasbahn. 

1.  Kreide  und  Tektonik  bei  Damaskus. 

Von  Damaskus  erscheinen  mir  einige  Beobachtungen, 
welche  ich  Ende  Februar  und  Anfang  März  1918  am  Djebel 
Kasiun  anstellen  konnte,  mitteilenswrert. 

Oberhalb  der  Vorstadt  Es-Salahije  sind  in  Brüchen  steil- 
stehende  Kreidemergel  und  -kalke  aufgeschlossen,  die  in 
55°  magnet..,  also  fast  SW— NO,  streichen  und  nach  SO 
einfallen  und  durch  ihr  überaus  gelockertes  Gefüge  be¬ 
merkenswert  sind.  Zahlieiche  steil  unter  etwa  75°  ein¬ 
fallende,  zum  Teil  mit  Gipsletten  erfüllte  Klüfte  und  Höhlen 
mit  Steinmark  oder  bräunlichem  Lehm  durchsetzen  das 
wohl  zum  Emscher  oder  Senon  gehörige  Gestein.  Höher 
am  Berge  tauchen  die  dichten,  harten,  aber  ebenfalls  stark 
zerbrochenen  und  von  Höhlen  durchsetzten  Turonkalke  und 
-dolomite  hervor  und  liegen  auf  der  Höhe  des  Djebel  Kasiun 
flach  bzw.  fallen  mit  schwacher  Neigung  nach  N  ein,  bilden 
also  einen  Sattel. 

Aus  mergeligen,  etwas  bituminösen  Kalken  im  Hangen¬ 
den  des  Turons  sammelte  ich  dicht  unterhalb  der  Kubbet 
en  Nassr  auf  der  Höhe  des  Djebel  Kasiun  eine  kleine  Fauna 
von  Austern  und  Ammoniten,  nämlich: 

Ostrea  olisiponensis  Shakpe, 

O.  flabellata  Glof., 

O.  Mermeti  Cogd  var.  rninor  Labtet, 

O.  vesicularis  Lamk.  var.  judaica  Labtet. 


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Die  Ammoniten  gehören  nach  freundlicher  Auskunft  von 
Herrn  Pompeckj  einer  durch  ihre  Wachstums-  und  Skulp¬ 
turverhältnisse  eigenartigen  Prionotropidenform  an,  welche 
außerhalb  des  Bereichs  der  bekannt  gewordenen  Typen  liegt 
und  noch  näherer  Untersuchung  bedarf.  Die  angeführte 
Austernfauna  würde  nach  der  verbreiteten  Auffassung  für 
Cenoman  sprechen,  indessen  ist  mir  nach  der  ganzen  Sach¬ 
lage  dieses  Alter  wenig  wahrscheinlich,  eher  ein  Emscher- 
oder  Senonalter  annehmbar.  Die  Ammonitenform  kann  uns 
vorläufig  leider  auch  noch  keine  Gewißheit  geben.  Es  ist 
nun  sehr  bemerkenswert,  daß  neuerdings  H.  Taubenhaus9) 
ebenfalls  aus  Palästina  und  Syrien  Ammonitenformen  des 
Emscher  aus  Schichten  mit  ähnlichen  „typischen  Cenoman“- 
Austern  beschrieben  hat.  Die  bisherigen  Anschauungen  über 
die  vertikale  Verbreitung  der  Austern  in  Syrien  und  Palä¬ 
stina  im  Verhältnis  zu  derjenigen  der  Ammoniten  scheinen 
also  einer  Revision  bedürftig.  Die  fraglichen  Emscher- 
schichten  streichen  nach  W  noch  über  die  Schlucht  hinweg, 
in  welcher  der  wasserreiche  Barada,  der  Wohltäter  von 
Damaskus,  die  Bergkette  des  Djebel  Kasiun  durchbricht. 

Bei  dem  Grabmal,  welches  nach  Abel  benannt  wird, 
fallen  die  harten  Turonkalke  des  Djebel  Kasiun  unter  etwa 
50°  nach'  N  ein,  etwas  weiter  nördlich  bald  nach  N,  bald 
nach  S,  müssen  also,  flach  gewellt  sein,  zum  Teil  unter 
starker  Breccienbildung.  Ein  Blick  vom  genannten  Grabmal 
auf  die  gegenüberliegende  Wand  der  Baradaschlucht  enthüllt 
die  prachtvolle  Antiklinale  in  den  Turon-Cenomanschichten, 
welche  bereits  Diener  (Libanon,  1886,  S.  294  bis  295)  als 
stehende  Flexur  beschreibt,  und  welche  nach  ihm  „den 
Außenrand  des  Antilibanon  gegen  das  Senkungsfeld  der 
Damascene“  bezeichnet,  während  Blanckenhorn  wohl  mit 
Recht  in  ihr  den  Ausdruck  der  Rückfaltung  sieht  (Handb. 
d.  Region.  Geol.  V.  4.  1914,  S.  107)  entsprechend  dem  Steil- 
einfallen  des  Südflügels  und  der  viel  sanfteren  Neigung 
des  Nordflügels.  Die  auffällige  Lockerung  im  Gefüge  der 
Senon-  oder  Emscherschichten  oberhalb  Es-Salihije  deutet 
zwar  auf  zerrende  Kräfte,  welchen  der  steilstehende  Süd¬ 
flügel  der  Antiklinale  ausgesetzt  war;  aber  nach  dem  Ge¬ 
samtbilde  kann  an  dem  tangentialen  Zusammenschube  nicht 
wohl  gezweifelt  werden. 


3)  Die  Ammoneen  der  Kreideformation  Palästinas  und  Syriens. 
Zeitschrift  des  Deutschen  Palästina-Vereins,  XLIU,  Heft  1 — 2. 


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38 

2.  K  r  o  i  d  e  und  Basalt  zwischen  M  i  s  m  i  j  e  und 
Kalat  es  Zerka,  Artefaktenfund  im  Wadi- 
Schotter  bei  Der  ä. 

Nachdem  die  Hedschasbahn  bald  hinter  Damaskus  das 
gewaltige  Ergußgebiet  des  Hauranbasaltes  betreten  hat, 
hält  sie  sich  zwischen  den  Stationen  Mismije  (Km  62,6)  und 
Esra  (Km  91,25)  am  Bande  der  unwirtlichen  Lavaland¬ 
schaft  El  Ledscha,  welche  wohl  zu  den  jüngsten  Bildungen 
des  Hauranergusses  gehört  Älter  ist  jedenfalls  das  Basalt¬ 
gebiet  des  Hauran  zwischen  Esra  und  Nasib  (Km.  135,75), 
weil  es  bereits  zu  tiefgründigem,  braunroten  Lehm  ver¬ 
wittert  ist.  Dies  Gebiet  ist  berühmt  wegen  seiner  Weizen¬ 
produktion. 

Bei  Derä  (Km  123)  ist  dicht  südsüdwestlich  des  Bahn¬ 
hofes  und  an  der  Balm  nach  Samach  zu  eine  blasige, 
doleritische,  olivinreiche  Basaltlava,  auf  deren  Hohlräumen 
nicht  selten  Glasopal  in  traubigen  Aggregaten  ausgeschieden 
ist,  durch  kleine  Brüche  aufgeschlossen  und  bildet  an  erstem* 
Stelle  einen  etwa  5  m  mächtigen  Deckenerguß  mit  deut¬ 
licher  Kante  über  dem  feuersteinführenden  Senon,  welches 
sich  dort  in  horizontaler  Lagerung,  zum  Teil  mit  WNW— 
OSO-Ivlüftung,  an  den  Hängen  des  Wadi  Zedi  ausdehnt.  Mit 
dieser  Klüftung  steht  auch  die  Höhlenbildung  unter  dem 
Orte  Derä  zum  Teil  in  Zusammenhang.  Eine  Decke  von 
Oberflächenkalk  findet  sich  auch  hier  ganz  gewöhnlich  auf 
der  Kreide.  In  einem  Bruche  auf  der  Nordseite  des  Wadi  Zedi 
etwa  500  m  unterhalb  der  Brücke,  sind  die  weichen  Kreide¬ 
kalke  rotwolkig  oder  rotstreifig,  schichtweise  auch  rötlich 
gefärbt.  Fossilfunde,  die  den  genaueren  geologischen  Hori¬ 
zont  belegen  könnten,  habe  ich  nicht  machen  können, 
indessen  hat  die  Deutung  als  Senon  am  meisten  Wahrschein¬ 
lichkeit  für  sich. 

Durch  Blaxckenhorn  (Zeitschr.  d.  Ges.  f.  Erdkunde, 
Berlin,  1907,  S.  291  ff.)  ist  bereits  die  Umgebung  von  Derä 
als  ein  reicher  Fundplatz  für  frühneolithische  Artefakte 
bekannt  geworden,  auch  altpaläolithische  Funde  verzeichnet 
er  von  hier  an  der  Oberfläche  des  Plateaus  und  Täler 
(Naturw.  Studien  am  Toten  Meer  und  im  Jordantal,  1912, 
Tabelle).  Ich  selber  fand  im  Schotter  des  rechten  Ufers 
hart  an  dem,  Ende  März  1918  wasserreichen,  Wadi  Zedi, 
etwa  850  m  unterhalb  der  Brücke,  einen  „wahrscheinlich  alt- 
paläolit-hischen“  Faustkeil,  den  Herr  Prof.  Hub.  Schmidt 
in  Berlin  freundliehst  geprüft  hat. 


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39 

Bei  Nasib  (Km  135,75)  zeigt  ein  kleiner  Aufschluß  an 
der  Südseite  des  Dorfes  etwa  4  ra  mergeligen  Kreidekalk 
mit  Bänken  von  gebändertem  Feuerstein  und  flach  nach 
N  gerichtetem  Einfallen.  Nördlich  vom  Dorfe  liegen  Brüche 
bereits  in  der  blasigen,  doleritischen,  olivinreichen  Basalt¬ 
lava,  ohne  daß  sich  im  Gelände  der  Rand  des  Lavastroms 
besonders  bemerkbar  machte.  Auch  taucht  dort  ein  Kreide¬ 
rücken  aus  der  Lava  hervor,  die  ihn  anscheinend  um¬ 
flossen  hat. 

Der  Hauranbasalt  reicht  in  geschlossener  Decke  an 
der  Hedschasbahn  weiter  mindestens  von  Km  154  über 
Mcfrak  (Km  161,7),  Samra  (Km  185,3)  etwa  bis  Km  194/195 
und  bildet  ganz  gewöhnlich  eine  Tafellandschaft  mit  grauen 
Blockmeeren  an  den  Hängen.  Die  Bahn  hält  sich  vielfach 
an  der  Grenze  der  Kreide  gegen  die  ostwärts  sich  aus¬ 
dehnende  Basaltlava.  Die  bekannte  BLANCKENHORNsehe  Geo¬ 
logische  Karte  von  Palästina  gibt  diese  Verhältnisse  nicht 
richtig  wieder  und  wäre  hiernach  zu  verbessern. 

3.  Dänische  Stufe  und  Diluvialschotter  bei 

A  m  m  ä  n. 

Seinem  Reichtum  an  fließendem  Wasser  verdankt 
Amman,  daß  es  schon  zur  Römerzeit  ein  blühendes  Kultur¬ 
zentrum  geworden  ist,  wie  die  noch  erhaltenen  Reste  der 
Bauten  bezeugen.  Der  Amman bach  dient  auch  heute,  noch 
zur  Bewässerung  zahlreicher  Gärten,  in  denen  Orangen, 
Mandeln,  Granatäpfel,  Feigen,  Maulbeeren  usw.  gedeihen, 
selbst  mehrere  Mühlen  werden  vom  Bache  getrieben.  An¬ 
fang  Juli  schien  er  allerdings  stellenweise  in  seinem  Schotter¬ 
bette  ganz  versiegt  zu  sein;  aber  der  Schein  trog,  denn 
blühendes  Oleandergebüsch  deutete,  wie  überhaupt  in  den 
Wadis  des  Ostjordanlandes,  auf  fließendes  Wasser  im  Unter¬ 
gründe,  und  etwas  unterhalb  plätscherte  denn  auch  bald 
das  Wasser  wieder. 

Einen  besonders  klaren  Einblick  in  die  Zusammen¬ 
setzung  und  den  Bau  der  Schichten  bei  Amman  gewähren 
die  Bahneinschnitte  oberhalb  auf  dem  östlichen  Ufer  des 
Baches  (Bahnhof  Amman  bei  Km  222,4).  Es  sind  in  der 
Hauptsache  Phosphorittrümmerkalke,  zum  Teil  reich  an 
Knochenresten,  unter  denen  Teleostierwirbel  besonders  häufig 
sind,  und  mehr  oder  weniger  mit  Feuerstein  durchsetzt, 
daneben  feinkristalline  Kalke  und  untergeordnet  auch  wohl 
mergelige  Schichten.  Fossilreste,  und  zwar  mit  Schale  gut 


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erhalten,  sind  in  den  mit  Phosphoritkörnchon  durchspickten 
Kalken  zwischen  Km  221,9  und  222  nicht  selten,  nämlich: 

Baculites  vertebralis  Lam.  (=  B.  Faujasi  Lam.), 

Leda  leia  Wann., 

Lispodesthes  cf.  nuda  Bixckhobst  sp.  (Monogr. 
Gastörop.  et  Cephalop.  craio  sup.  du  Limbourg,  1873, 
S.  5,  Taf.  Va.,  Abb.  9. 

Durch  eingehendere  Nachforschungen,  als  sie  mir  mög¬ 
lich  waren,  ließe  sich  diese  Fauna  wohl  noch  erheblich 
bereichern,  immerhin  dürfte  sie  zur  Kennzeichnung  der 
Dänischen  Stufe  hinreichen.  Leda  leia  Wanner  nämlich, 
von  der  auch  Quaas  besonders  gute  Abbildungen  gegeben 
hat,  kommt  in  Ägypten  in  den  Schichten  der  Dänischen  Stufe 
vor10).  Vom  Baculites  vertebralis  Lam.  gibt  Cl.  Schlüter 
an,  daß  er  mit  Sicherheit  nur  aus  den  Maestrichter 
Schichten,  also  oberstem  Senon,  bekannt  sei11).  Die  Lispo - 
destbes-Art  endlich  kann  ich!  nur  deswegen  nicht  sicher 
mit  der  Maestrichter  Form  identifizieren,  weil  der  wichtige 
Flügelteil  abgebrochen  ist,  aber  in  der  Gestalt  des  Gehäuses 
und  der  einzelnen  Windungen  besteht  eine  große  Über¬ 
einstimmung. 

Die  Bilder,  welche  der  Feuerstein  in  den  Phosphorit¬ 
trümmerkalken,  z.  B.  zwischen  Km  222,2  und  222,3,  dar¬ 
bietet,  nötigen  zu  der  Annahme,  daß  das  Kieselsäuregel  erst 
nach  dem  Absätze  der  Trümmerschichten  ganz  unregel¬ 
mäßig  eingedrungen  und  erhärtet  ist,  denn  der  Feuerstein 
umschließt  ganz  gewöhnlich  kieselfreie  Partien  von  Phos¬ 
phorittrümmerkalk. 

Das  Kreidegebiet  von  Amman  zeichnet  sich  vor  den 
übrigen,  mir  bekannt  gewordenen  Kreidevorkommen  des  Ost- 
jordanlandes  im  engeren  Sinne  durch  seine  deutlichen  Fal¬ 
tungserscheinungen  aus.  Die  auf  Taf.  III,  Abb.  2  wieder- 
gegebene  Photographie  veranschaulicht  aus  dem  Frosions- 
profil  der  nordw  estlichen  Seite  des  Ammänbaches  eine  ganze 
Reihe  prächtiger  Falten,  wie  sie  sich  von  der  gegenüber¬ 
liegenden  Balmseite,  etwa  von  Km  222,4,  darstellen.  Die 
anscheinend  von  einem  Angehörigen  einer  deutschen  Flieger¬ 
abteilung  gemachte  Aufnahme  verdanke  ich  der  Liebens¬ 
würdigkeit  des  Obersten  Au  Fitad  Bey.  Zahlreich  sind 
die  Belege  für  Faltung  in  den  Bahneinschnitten  lx?i  Amman. 
Das  Streichen  der  Faltenachsen  ist  recht  beständig  in  NNO 


30)  Palaeontograph.  XXX.,  II..  S.  120  und  ebenda  S.  197. 
M)  Palaeontograph,  XXIV.,  S.  143  ff. 


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(genau  2ÜV  rnagn.)  gerichtet,  und  daher  sind  an  den  Stellen, 
wo  der  Einschnitt  mit  der  Faltungsrichtung  nahezu  zu¬ 
sammenfällt,  nur  mehr  oder  minder  horizontale  Schicht¬ 
linien  sichtbar;  aber  ein  Blick  auf  einen  quer  zur  Faltung) 
gerichteten  Schnitt,  etwa  auf  einen  Wand  Vorsprung,  belehrt 
sofort  eines  besseren  und  zeigt  die  Wellung  und  Faltung, 
wie  z.  B.  bei  Km  223,  wo  im  Gefolge  der  Faltung  auch 
Zertrümmerungen  der  Schichten  stattgefunden  haben. 
Zwischen  Km  221,7  und  221,8  ist  durch  eine  fast  O — W 
(285°  magn.)  streichende  Verwerfung  die  Bildung  eines  Täl- 
chens  vorgezeichnet. 

In  der  Stadt  Amman  stehen  im  antiken  Theater1-)  zum 
Teil  gefaltete,  feste,  rötlichgraue  Kalke  mit  Feuerstein¬ 
bänken  an  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  Sitzering  (von 
unten  gerechnet)  und  in  der  Höhe  der  Loge  über  dem 
dritten  Sitzering  bituminöse  Kalke,  Phosphorittrümmerkalke 
und  ziemlich  viel  Feuersteinbänke.  In  N — S-Kichtung  ge¬ 
faltete  Kalke,  in  deren  Sätteln  vielfach  durch  Menschen¬ 
hand  Grotten  ausgehöhlt  sind,  reichen  noch  mindestens  2  km 
auf  die  Hochfläche  nordwestlich  von  Amman  längs  der 
Straße  nach  Es  Salt.  Welches  Alter  diesen  Kreideschichten 
zukommt,  muß  ich  dahingestellt  sein  lassen,  es  mag  sich 
schon  um  Senonschichten  handeln.  Jedenfalls  konnte  ich 
an  der  .\patitlagerstätte  des  Siru- Plateaus  zwischen  Aln 
Homar  und  Es  Salt,  die  durch  Krusch13)  und  Blaxcken- 
horx14)  beschrieben  ist,  nichts  mehr  von  Faltung  sehen. 
Nach  NO  zu  beobachtete  ich  längs  der  Hedschasbahn  schöne 
Faltungen  noch  bis  vor  Kalat  es  Zerka,  etwa  zwischen 
Km  205  und  206. 

Mächtige  Flußschotter,  die  zum  Teil  zu  einer  Nagel¬ 
fluh  verkittet  sind  und  mit  einer  Steilkante  zum  Tale  ab¬ 
brechen,  bilden  eine,  die  heutige  Talsohle  des  Ammänbaches 
um  50.  bis  70  m  überragende  Terrasse  und  werden  zwischen 
Km  224,6  und  224,7  von  der  Bahnlinie  erreicht;  sie  lagern 
den  Mergeln  der  Dänischen  Stufe  auf.  Die  kieseligen  Gerolle 
dieser  Terrasse  zeigen  übrigens  keine  Spur  von  Wüstenlack. 


12)  Eine  gute  Abbildung  findet  man  auf  S.  14  des  Aufsatzes 
von  Auler  Pascha  :  Die  Hedschasbahn.  Ergänzungshef t  154 
zu  Petermanns  Mitt.  1906. 

13)  Die  Phosphatlagerstatten  bei  Es-Salt  im  Ost-Jordanlande. 
Zeitschr.  f.  prakt.  Geol.,  1911,  S.  397  ff. 

14)  Naturwissenschaft!  Studien  am  Toten  Meer  und  im  Jordan - 
ta!  1912,  S.  288  ff. 


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4.  Senon,  diluviale  und  jüngere  fluviatile 
Bildungen,  junge  Verwerfung  bei  Kutrane. 

Die  Region  des  Ackerbaues  verläßt  man  auf  der 
Hedsehasbahn  etwa  bei  Station  Daba  (Km  278,7),  von  da 
ab  südwärts  scheint  kein  Ackerbau  mehr  möglich  zu  sein, 
jedoch  hat  das  Land  von  Chan  es  Zebib  (Km  295,2)  bis 
Kutrane  (Km  326,6)  um  Mitte  März  vielfach  noch  Steppen - 
Charakter  und  gewährt  dann  Beduinenhorden  Viehweide. 
Zur  Untersuchung  der  Gegend  von  Kutrane  bot  sich  mir 
vom  16.  bis  19.  März  1918  Gelegenheit. 

Bei  der  Station  Kutrane  (Km  326,6)  erhebt  sich  auf 
der  Ostseite  der  Bahn  eine  vegetationslose,  in  der  Hauptsache 
aus  zum  Teil  feuersteinführendern,  gelblich-weißem  Austern¬ 
kalk  und  untergeordnet  auch  aus  kristallinen,  zum  Teil 
Lumachellkalken  und  Phosphorittrümmerkalken  bestehende 
Iiügelgruppe.  Im  Austernkalk  ist  Ost r ca  V illei  Coqu  ein 
bezeichnendes  und  häufiges  Fossil,  aus  dem  kristallinen  Kalk 
wittern  hier  und  da  zum  Teil  verkieselte  Gastropoden,  wie 
Turritella  Reyi  Labtet,  aus  und  zeigen  einen  Hauch  von 
Wüstcnlack.  Hiernach  wären  die  Schichten  Obersenon  der 
Champagne-Stufe15).  Die  Lagerung  ist  durchweg  fast  hori¬ 
zontal.  Die  Hedsehasbahn  durchschneidet  etwa  bei  Km  324,8 
den  nördlichen  Ausläufer  dieser  Hügelgruppe.  Die  Kreide¬ 
schichten  beginnen  bei  Km  324,788  an  einer  fast  N — S 
(genauer  353°  magnet.)  streichenden,  steilstehenden  Bruch¬ 
linie  und  stoßen  gegen  über  4  m  mächtigen  Schotterlehm 
ab.  Das  Kreideprofil  gestaltet  sich  an  der  Verwerfung  von 
oben  nach  unten  folgendermaßen: 

0,2  m  oberste  Bank  von  Phosphorittrümmerkalk,  oben  mit 
kiescliger  Lage, 

0,3  in  Mergel  und  Kalk, 

0,3  in  dichter  Kalk  mit  Feuerstein, 

0,5  m  blättriger  Mergel, 

0,18  m  zweite  Bank  von  Phosphorittrümmerkalk  mit  dünner 
Feuersteinlage  an  der  Unterseite, 

0,30  m  Blättermergel  mit  unbedeutender  Bank  von  Phos¬ 
phorittrümmerkalk, 

0,20  m  dritte  Bank  von  Phosphorittrümmerkalk  mit  Gastro- 
podensteinkernen, 

0,70  m  Blättermergel  mit  Kalkbänken, 

0,10 m  tiefste  Bank  von  Phosphorittrümmerkalk. 

Liegendes:  hellbraune  Mergel  mit  Bänkchen  und  Knollen 
von  splitterigem  Kalk. 


1:»)  Blaxckeniiohn  :  Syrien,  Arabien  und  Mesopotamien. 
Handb.  d.  Region.  Geologie,  V,  4,  1914,  S.  26. 


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43 

Die  Lagerung  ist  horizontal,  eine  Klüftung  in  NNW — SSO 
deutlich.  Die  Verwerfung,  an  welcher  die  fluviatilen  Ab¬ 
lagerungen  des  Beckens  von  Kutrane  abgesunken  sind,  muß 
wohl  sehr  jugendlichen  Alters  sein,  da  diese  Schichten  noch 
bis  in  die  Jetztzeit  hineinreichen  dürften. 

Im  Westen  wird  das  Becken  von  Kutrane  im  Abstande 
von  2  bis  2,5  km  von  der  Balm  durch  eine  Reihe  von 
nordnordöstlich  streichenden  Hügeln  eingefaßt,  welche  im 
großen  und  ganzen  dieselben  Schichten  in  horizontaler 
Lagerung  aufweisen  wie  die  östliche  Hügelgruppe,  nämlich 
bituminöse  Kalke,  dichte  Kalke  mit  Lagen  von  Phosphorit¬ 
körnchen,  kristalline  Kalke,  zum  Teil  Lumachellen  von 
Ostrea  V illei  Coqd  und  zum  Teil  verkieselte  Phosphorit- 
tiümmerkalkc,  sämtlich  mit  NNW-Klüftung.  Besonders  auf¬ 
fallend  sind  hier  an  der  Leeseite  der  Hügelkette,  welche  die 
von  W  kommenden  Niederschläge  abrängt,  die  Wüsten¬ 
erscheinungen,  nämlich  die  besonders  auf  dem  kieseligen 
Schichten  nie  fehlenden  Überzügo  von  Wüstenlack,  die 
oberflächliche  Anreicherung  des  mit  Wüstenlack  überzogenen 
Feuersteins  zu  einer  klirrenden  Schuttdecke  und  die  tief 
in  den  Kalk  hineinsetzenden  und  namentlich  an  der  Ost¬ 
seite  der  Klippen  auftretenden  Sandwindstiche. 

Es  ist  vielleicht  nicht  überflüssig,  darauf  hinzuweisen, 
daß  es  an  der  Hedschasbahn  demnach  mindestens  zwei 
verschiedene  phosphoritführende  Horizonte  gibt,  nämlich  den 
durch  Ostrea  V illei  Coqd  charakterisierten  der  Champagne- 
Stufe,  wie  hier  bei  Kutrane,  und  den  oben  von  Amman 
geschilderten  der  Dänischen  Stufe.  Letzterer  scheint  schon 
dürcli  die  größere  Reinheit  seiner  Kalke  sich  von  den 
mehr  tonigen  und  bituminösen  Schichten  des  ersteren  zu 
unterscheiden. 

Das  Becken  von  Kutrane  ist  mit  den  fluviatilen  Ab¬ 
lagerungen  dos  Wadi  Hafir  erfüllt;  nur  in  einem  niedrigen 
Einschnitte  bei  Km  325,725  heben  sich  noch  einmal  dichte 
Kreidekalke  aus  den  jüngeren  Schichten  heraus.  Die  ältesten 
dieser  fluviatilen  Bildungen  sind  wohl  die  zu  Nagelfluh 
verkitteten  Terrassensehotter,  welche  sich  beim  Durchbruch 
des  Wadi  Hafir  durch  die  westliche  Hügelreihe  an  den 
Kreidekalk  anlehnen  und  um  etwa  10  bis  15  m  die  Wadi- 
Oberkante  überragen;  man  wird  sie  als  diluvial  ansehen 
können.  Gleichalte rig  sind  wohl  die  lehmigen  Schotter, 
welche  sich  bis  zu  den  Kreidehügeln  im  Osten  der  Bahn 
ausdehnen  und  zwischen  Km  327,34  und  328,8  mehrfach  in 
Einschnitten  in  einer  Mächtigkeit  von  >3  m  aufgeschlossen 


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sind.  Sie  tragen  zum  Teil  bereits  eine  Decke  von  Krusten  - 
kalk  und  enthalten  vorzugsweise  Feuersteine  und  rosarote 
Kreidekalke,  ähnlich  den  noch  zu  erwähnenden  von  Djuruf 
ed  Darawisch.  Diese  lehmigen  Schotterflächen  wiesen  Mitte 
März  1918  einen  dünnen  Grasteppich  mit  vereinzelten  niedri¬ 
gen,  buschigen  Kräutern  auf  und  gingen  allmählich  in  die 
Lehm  fläche  des  heutigen  Wadi  über.  Bei  Km  327  über¬ 
schreitet  die  Bahn  dies  Wadi,  dessen  scharf  eingeschnittene 
Steilwände  mindestens  4  m  hoch  sind  und  aus  kalkigem  Lehm 
mit  Schotterlagen  bestehen.  Der  gleiche  Boden,  oft  von 
Springmäusen  durchwühlt»  ist  durchweg  im  Becken  von 
Kutrane  verbreitet,  dieses  damit  zum  größten  Teile  alluvial. 
Ein  etwa  100  m  westlich  der  Station  in  den  fluviatilen 
Schichten  angesetztes  Bohrloch  soll  129,5  m  Tiefe  erreicht 
haben;  doch  war  über  die  durchbohrten  Schichten  leider 
nichts  gewisses  mehr  zu  ermitteln. 

In  den  Schottern  des  Wadi  Hafir  fand  ich  dicht  an  der 
Abzweigung  des  zur  Versorgung  der  großen  Zisterne  von 
Kutrane  dienenden  Kanals  ein  Feuersteinstück,  welches 
einem  mesolithischen  Meisel  ähnelt,  aber  von  Herrn  Prof. 
H.  Schmidt  als  unsicher  bezeichnet  wird. 

Phosphorittrümmerkalke  und  Kalke,  reich  an  Ostrea 
V illei  Coqd,  also  die  Champagne- Stufe,  beobachtete  ich  an 
der  Hedschasbahn  zwischen  Menzil  (Km  348,8)  und  Kalat 
ei  Hesa  (Km  378,25). 

5.  Kreide  und  Wadisedimente  bei  Djuruf  ed 
Darawisch. 

Die  Bahnstation  Djuruf  ed  Darawisch  (Km  397,7)  liegt 
bereits  in  der  Wüste.  Südlich  der  Station  hebt  sich  Kreide 
mit  Feuersteinlagen  in  einem  schmalen,  etwa  100  m  rel. 
hohen  Rücken,  der  mir  als  Kasr  el  Bint  bezeichnet  w  urde, 
heraus.  Von  der  Höhe  dieses  Rückens  erblickt  man  nach 
N,  also  nach  Kalat  el  Hesa  zu,  die  Kreideplatte  in  größerer 
Ausdehnung,  in  der  unteren  Hälfte  ihres  Abfalles  durch  die 
hellen  Kreidekalke,  in  der  oberen  durch  dunkle  Feuerstein¬ 
lagen  gekennzeichnet.  Diese  Platte  endigt  nach  der  Hedschas¬ 
bahn  zu  in  einem  als  Landmarke  weithin  kenntlichen  Berg¬ 
vorsprung.  Die  Abdachung  von  dem  Rücken  Kasr  el  Bint 
zur  Bahn  und  darüber  hinaus  w'ird  von  fluviatilen  Ab¬ 
lagerungen  gebildet,  in  die  sich  das  Wadi  er  Retem  5  bis 
8  m  tief,  zum  Teil  bis  auf  den  Kreideuntergrund  einge¬ 
schnitten  hat,  und  die  nach  N  zu  augenscheinlich  an  Mächtig¬ 
keit  zunehmen. 


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Die  Kreidekalke  sind  meist  gelbliehwetß,  im  Wadi  auch 
rosa  gefärbt,  und  stark  zerklüftet,  wobei  die  Klüfte  nicht 
selten  von  Kalkspat  erfüllt  sind.  Die  Schichten  fallen  flach 
nach  SO,  zum  Teil  auch  nach  SSW;  die  Klüftung  streicht 
zwischen  N— S  und  NW — SO.  Aus  einem  Brunnen,  etwa 
300  m  südlich  der  Bahnstation,  am  Bande  des  Wadi  waren 
zur  Zeit  meines  Besuches  (12.  bis  15.  März  1918)  dunkel¬ 
graue  bituminöse  Kreidemergel  gefördert,  in  denen 
ich  außer  Baculites  sp.  vor  allem  Pecten  obrutus  Conr. 
(=  farafrensis  Zitt.)  feststellen  konnte.  Nach  den  Aus¬ 
führungen  von  Blanckenhorn  ist  dieser  Pecten  in  Ägypten 
und  Palästina  im  oberen  Teile  der  Champagne- Stufe  und 
in  der  ganzen  Dänischen  Stufe  verbreitet16).  Im  vorliegenden 
Falle  möchte  ich  eher  an  Schichten  vom  Alter  der  oberen 
Champagne-Stufe,  also  an  oberstes  Senon,  denken  als  an 
die  Dänische  Stufe. 

Die  Schuttfläche  westlich  vom  Rücken  Kasr  ei  Bint, 
ist  nicht  mehr  ganz  so  von  Vegetation  entblößt  wie  die 
Kreidefläche,  denn  sie  wird  von  zahllosen  flachen,  mit 
niedrigen  Wüstenbüschen  bestandenen  Rinnen  durchzogen, 
die  offenbar  den  Zug  der,  wenn  auch  seltenen,  Regenwässer 
bezeichnen  und,  von  höherer  Stelle  gesehen,  ein  sehr  an¬ 
schauliches  Bild  von  der  Wirkung  der  Flächenspülung  geben. 
Das  Wadi  er  Rotem  ist  in  diese  Schuttfläche  in  der  Haupt¬ 
sache  von  S  nach  N  mit  scharfen  Rändern  eingeschnitten 
und  wird  bei  Km  397,2  von  der  Bahn  überschritten.  Haupt¬ 
sächlich  nördlich  der  Bahn  sind  die  fluviatilen  Schichten 
in  den  Wadiwänden  gut  aufgeschlossen,  und  zwar  zu  unterst 
als  Schotter  mit  Kreuzschichtung,  höher  als  kalkige  Schotter- 
lelimo  und  reine  kalkige  Lehme,  insgesamt  über  8  m  mächtig. 
Die  Schotter  sind  ganz  gewöhnlich  zu  fester  Nagelfluh  ver¬ 
kittet,  deren  kieselige  Bestandteile  meist  mit  Wüstenlack 
überzogen  sind.  Sie  enthalten  außer  Feuersteinen  teilweise 
große  Blöcke  von  Basalt  und  eine  poröse  vulkanische 
Schlacke,  die  wohl  von  S  her  transportiert  sind,  denn,  wie 
mir  Meissner  Pascha  in  Damaskus  freundliehst  mitteilte, 
erstreckt  sich  zwischen  Djuruf  und  Aneze  ein  Lavarücken, 
Et  Tawil  genannt,  und  bei  Aneze  sollen  zwei  vulkanische 
Stellen  bekannt  sein  (Blanckenhorn  gibt  auf  seiner  geo¬ 
logischen  Karte  von  Aneze  ebenfalls  Basalt  an).  Weitere 
Bestandteile  der  Schotter  sind  braune  Kalksteine,  Arkose- 
quarzite  und  eingekieselte  Sandsteine,  über  deren  Zugehörig- 

16)  Diese  Zeitsclir.  67.  1915,  Monatsber.  S.  187  ff. 


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keit  und  Herkunft  ich  kein  Urteil  habe.  Das  Schichten¬ 
profil  im  Wadi  er  Betern  dürfte  wohl  vom  Diluvium  bis 
zur  Jetztzeit  reichen,  insofern  als  die  tieferen  Schotter 
jedenfalls  bereits  als  diluvial  anzusehen  sind,  während  die 
Lehme  sicher  der  Jetztzeit  angehören. 

Die  Profilform  des  Wadi  innerhalb  seiner  Ufer  gestattet 
mehrfach,  ein  Hochwasserbett  von  dem  gewöhnlichen  Bett 
zu  unterscheiden,  indem  letzteres  durch  eine  1  bis  2  in  hohe 
Stufe,  oft  von  fester  Nagelfluh,  gegen  das  weitere  Bett 
abgesetzt  ist.  Die  Sohlenbreite  des  gewöhnlichen  Bettes 
beträgt  innerhalb  der  Kieide  südlich  der  Bahn  etwa  12  bis 
15  m,  während  sich  innerhalb  der  fluviatilen  Schichten  nur 
wenig  unterhalb  das  Hochwasserprofil  auf  60  bis  100  m 
erweitert.  Das  läßt  einen  Schluß  zu  auf  die  gewaltigen 
Wassermassen,  welche  zu  Zeiten  durch  dieses  Profil  ab- 
kommen  und  deren  Höchstmaß  naturgemäß  Profil  und  Trans¬ 
portleistung  bestimmt.  Tamarisken  sind  im  Wadi  häufig. 

Die  für  die  Wüste  bezeichnenden  Windwirkungen,  wie 
die  Bildung  von  Stichlöchern  und  Galerien,  sind  ganz 
gewöhnlich  an  der  Westwand  des  Wadi  zu  finden,  ein 
Zeichen,  daß  vorwiegend  östliche  Winde  tätig  sind.  Am 
15.  März  1918  erlebte  ich  hier  allerdings  einen  aus  W  bis 
SW  wollenden  Sandsturm,  der  die  ganze  Gegend  in  Finsternis 
hüllte.  Aus  der  Ausblasung  der  feineren  Bodenbestandteile 
und  der  dadurch  bedingten  Anreicherung  des  groben  Schutts 
erklären  sich  auch  die  Feuersteinsehuttflächen  im  Bereiche 
der  Kreide  und  der  Schotterreichtum  auf  den  Flächen  der 
fluviatilen  Bildungen. 


Schlußwort. 

Durch  ihre  Beiträge  oder  ihren  Rat  haben  folgende 
Herren  die  vorliegende  Arbeit  bereichert  oder  unterstützt: 
J.  Boehm,  Finckh,  Gothan,  Janensch,  Pompeckj,  Rauff, 
Hub.  Schmidt,  Weissekmel,  Wieoers.  Ihnen  allen  gebührt 
mein  herzlichster  Dank.  Schließlich  sei  noch  bemerkt,  daß 
die  Originale,  überhaupt  das  ganze  Fossil-  und  Gesteins- 
material,  soweit  es  gerettet  ist,  in  der  Sammlung  der 
Preußischen  Geologischen  Landesanstalt  zu  Berlin  auf¬ 
bewahrt  werden. 


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Palaeontologischer  Anhang. 

I.  Über  einige  neue  Spongien  aus  der  Kreide 
von  Aleppo. 

Von  Herrn  H.  Rauff,  Berlin. 

(Hierzu  Tafel  IV.) 

1.  Plychocalyptra  Koerti  Rff.,  n.  g.,  n.  sp.,  Tat.  IV,  Abb.  1. 

Es  liegt  kein  vollständiges  Exemplar,  sondern  nur  ein 
in  weiße  Sch  reibkreide  eingebettetes  Fragment  von  etwa 
0  X  3  X  2  cm  Größe  vor,  das  einen  sicheren  Schluß  auf  die 
ursprüngliche  Gestalt  und  Größe  der  Spongie  nicht  er¬ 
laubt.  Wahrscheinlich  war  sie  im  allgemeinen  Umriß 
knollenförmig,  aus  gewundenen  Blättern  zusammengesetzt, 
paragasterlos. 

Das  dietyonine  Skelett  bildet  eine  blattartig  dünne 
Wand,  die  schnell  wechselnd  so  hin  und  her  gefaltet  ist 
unter  Verwachsung  zusammentreffender  Faltenteile,  daß 
dadurch  ein  unregelmäßiges  System  rundlicher,  ge¬ 
wundener,  offener  Röhren  und  dazwischen  liegender  Lücken 
entstanden  ist1).  Die  Röhren  sind  4 — G  mm  weit.  An¬ 
scheinend  größere  Lücken,  in  denen  die  weiße  Kreide  das 
Skelett  durchbricht,  sind  wohl  erst  nachträglich  durch 
Zerstörung  von  Skelettbrücken  entstanden. 

Das  Bruchstück  zeigt  an  einer  Seite  (links  in  Abb.  1) 
eine  etwa  2  cm  lange,  ungebrochene  Randlinie,  an  der  das 
Skelett  verdichtet  zu  sein  scheint.  Sie  macht  den  Ein¬ 
druck,  als  ob  hier  noch  eine  ursprüngliche  Begrenzung  des 
Spongienkörpers  vorliegt. 

Die  Skelettwand  ist  sehr  dünn;  sie  besteht  nur  aus 
einer  einzigen  Lage  von  Hexactinen,  deren  Tangentialarme 
ein  regelmäßiges  Gitterwerk  mit  quadratischen  und  sub¬ 
quadratischen  Maschen  bilden.  Radialstrahlen  fehlen,  aber 
offenbar  nur  deshalb,  weil  sie  abgebrochen  sind.  Sie 
werden  auf  jedem  Gerüstknoten  auf  beiden  Seiten  der 
Wand  als  frei  vorspringende  Zapfen  gesessen  und  die  ur- 


*)  Das  ist  ein  Cavaedialsystem.  Vgl.  Rauff,  Paläospon- 
giologie,  Palphica  40,  S.  127,  136. 


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sprüngliche  Wanddicke  bestimmt  haben,  die  etwa  ijinm 
betragen  haben  mag. 

Das  jetzt  vorliegende  Gitterwerk  hat  unförmlich  dicke 
Arme  und  plumpe  Knoten.  Die  Armdicke  wurde  zu  0.19 
bis  0,23,  die  Knotendicke  zu  0,3  bis  0.42  mm  bestimmt. 
Doch  sind  das  keine  spezifischen  Werte;  denn  sie  beziehen 
sich  nicht  auf  die  wahren  Skeletteile,  sondern  nur  auf 
Umrindungen  dieser.  Was  jetzt  als  Skelett  erscheint,  sind 
nur  Hülsen  aus  feinschaumig  porösem  Eisenocker,  die,  kon¬ 
kretionärer  Entstehung,  das  Kieselgerüst  eingeschlossen 
hatten.  Dieses  selbst  ist  herausgelöst  worden,  und  nur 
die  hohlen  Futterale  aus  Eisenhydroxyd  sind  übrig 
geblieben.  Die  jetzt  vorhandenen  Gerüstarme  werden  von 
zylindrischen,  sich  in  den  Knoten  erweiternden  Längs- 
kanälen  durchzogen,  die  an  Stelle  des  ursprünglichen  Kiesel¬ 
skeletts  getreten  sind  und  durch  ihre  Weite  dessen  Arm¬ 
dicken  angeben.  Daß  diese  Längskanäle  nicht  etwa  die 
erweiterten  Axenkanäle  der  Hexactine  sind,  geht  daraus 
hervor,  daß  sich  die  Ockerhülsen  unter  dem  Mikroskop 
deutlich  als  vereisenter  Kreideschlamm  mit  seinem  Inhalt 
an  allerhand  Foraminiferen,  namentlich  Textularien  und 
Globigerinen,  erweisen,  und  daß  einige  Stellen  aufgefunden 
w’urden,  wo  der  Längskanal  einen  feinen,  ebenfalls  aus 
Ocker  bestehenden  axialen  Faden  enthielt,  der  je  als  Se¬ 
dimenterfüllung  eines  Axenkanals  gedeutet  wurde.  Die 
Weite  glattwandiger  Längskanäle  in  den  Ockerhülsen  wurde 
zu  0,05  bis  0,06  mm  gemessen;  andere  Kanälchen,  bis 
0,11mm  weit,  hatten  rauhere  oder  zerfressene  Wände, 
so  daß  nur  aus  den  geringeren  Weiten  auf  die  ursprüng¬ 
lichen  Dimensionen  der  kieseligen  Skelettarme  geschlossen 
werden  kann.  Der  Abstand  der  Knotenmitten,  an  dem 
durch  die  sekundäre  Umkrustung  natürlich  nichts  geändert 
ist,  schwankt  zwischen  0,43  und  0,75  mm  und  beträgt  im 
allgemeinen  0,5  bis  0,6  mm  (im  Mittel  aus  37  Messungen: 
0,58  mm),  so  daß  auf  Vs  qcm  etwa  75  Maschen  kommen. 

Die  Knoten  der  Hexaktine  waren  dicht,  undurchbolirt. 
Die  Spongie  gehört  also  zu  den  Dictyonina  hcxactinoaa2). 
Nach  ihrem  Faltenbau  und  ihrer  einschichtigen  Skelett¬ 
wand  mit  dem  regelmäßigen  Gittergerüst  erinnert  sie  zu¬ 
nächst  an  Calyptrella  Bcrtae  Schramm.3),  die  in  zwei 
Exemplaren  aus  der  Quadratenkreide  von  Oberg  bei  Peine 


2)  Vgl.  Schrammen.  Palphica,  Suppl.  V,  S.  208,  264. 

*)  Schrammen,  Palphica,  Suppl.  V,  S.  307;  t.  33,  f.  7,  8. 


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in  Hannover  bekannt  geworden  ist.  Aber  Calyptrella  ge¬ 
hört  zu  den  Dictyonina  lychnicosa.  Lychniske  waren  aber 
in  der  syrischen  Form  nicht  aufzufinden.  Auch  ist  das 
Skelett  von  Calyptrella  viel  zarter  und  dichter,  während 
das  von  Ptychocalyptra  mit  seinen  0,05  mm  dicken  Armen 
und  seinen  weit  von  einander  abstehenden  Knoten  zu  den 
groben  und  großmaschigen  Gerüsten  gehört. 

Unter  den  Hexactinosa  kommt  die  rezente  Gattung 
Farrea  Bowerb.  zur  Vergleichung  in  Betracht4),  die  nach 
Schrammen  schon  im  Senon  auftritt5).  Auch  bei  ihr 
besteht  die  Wand  zum  Teil  nur  aus  einem  einschichtigen 
Netz  mit  quadratischen  Maschen  und  bildet  ein  System 
verzweigter  und  anastomosierender  Röhren5).  Und  auch 
hier  kommen  mehr  grobe  Skelette  vor6). 

Alter  und  Facies:  Senon;  Schreibkreide. 

Vorkommen:  Aleppo,  Brunnengrabung  bei  den  Kasernen 
an  der  Alexandrette-Straße. 

Anzahl  der  untersuchten  Stücke:  1. 

Das  Original  liegt  in  der  Sammlung  der  Preußischen 
Geologischen  Landesanstalt  zu  Berlin. 

2.  C erios ymplegma  chalybonense  Rff.,  n.  g.,  n.  sp.  Taf.  IV, 
Abb.  2—10. 

{xrrfjcov  Wabe;  <pjyrMxzty  ineinander  schlingen;  «To/irlsf/z«  Ver¬ 
flechtung,  Verschlingung.  Chaleb,  gräzisiert  Chalybon,  der 
alte  Name  für  das  heutige  Haleb  oder  Aleppo.) 

Aus  den  vorhandenen,  in  Schreibkreide  eingebetteten 
Bruchstücken  ist  kein  sicherer  Schluß  auf  die  ursprüng¬ 
lichen  allgemeinen  Formen  und  äußeren  Umrißliriien  zu  ziehen. 

Das  Skelett  bildet  eine  dünne,  von  Querkanälen  durch¬ 
brochene,  nach  vielen  Richtungen  hin  und  her  gefaltete 
Wand,  deren  Faltenteile  sich  schleifenartig  durchkreuzen 
(Abb.  6),  sich  umschlingen,  umschachteln  (Abb.  3,  4).  o  1er  auch 
zu  offenen  oder  geschlossenen  Röhren  verwachsen  (Abb.  8, 9). 
Diese  bis  über  10  mm  starken  Röhren  liegen,  von  den  Falten 
umhüllt,  teils  im  Innern  des  Körpers,  teils  bilden  sie 
außen  blindsackartig  schlauch-  oder  taschenförmige  Vor- 


4)  Vgl.  F.  E.  Schci.tze.  Challenger-Reports.  Zool.  21,  1887; 
S.  276;  t.  71,  72. 

*)  Strkammex.  Palphica,  Suppl.  V,  S.  209;  t.  28,  f.  4 — 7. 
ej  F.  E.  Schulze.  Challenger-Reports.  Zool.  21,  1887:  t.  76, 
f.  4,  5:  Farrea  (?)  sp.  mit  Armdicken  von  0,075 — O.llmrn 
und  Abständen  der  Knotenmitten  von  0,32—0,515  mm  in  dem 
sehr  regelmäßigen  Skelettnetz. 

Zeiuchr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  4 


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stülpungen  der  Wand  (Abb.  2,  3).  Paragaster  und  Oscula 
fehlen.  Die  Faitenlängen  (von  der  zentralen  bis  zur  proxi¬ 
malen  Umbiegung  einer  Falte  gemessen)  betragen  bis  zu 
3  cm,  die  Weiten  zwischen  den  beiden  ein  und  dieselbe 
Falte  bildenden,  parallelen  oder  subparallelen  Faltenwänden 
bis  zu  8  mm. 

Die  Wand  ist  bis  1,5  mm,  durchschnittlich  etwa  1  mm 
dick  und  bienenwabenähnlich  von  regelmäßig  nel>eneiii- 
anderstehenden  hexagonal  prismatischen  Zellen  oder  „Ra- 
dialtuben”  rechtwinklig  zu  den  parallelen  Wandflächen  durch¬ 
setzt  (Abb.  2,  7  usw.).  Die  Zellenquerschnitte  sind  —  wenn 
man  sich  die  Dicke  der  die  Tuben  umrahmenden  Wände 
auf  0  reduziert  denkt  —  0,5  bis  1,65,  zumeist  0,8  bis 
1  mm  weit;  die  Scheidewände,  die  aus  dem  Kieselskelett 
aufgebaut  waren,  sind  0,1  bis  0,2  mm  dick7).  Jetzt  be¬ 
stehen  die  Tubenwände  aus  schaumig  feinporösem  Ocker. 
Aber  das  Skelett  darin  ist  nicht  mehr  aufzufinden;  der  Er¬ 
haltungszustand  ist  noch  viel  ungünstiger  als  bei  der  be- 
schriel)enen  Ptychocalyptra.  Bei  dieser  ist  das  eigentliche 
Skelett  zwar  verschwunden,  aber  durch  Umhüllungspseudo- 
morphose  ist  ein  neues  entstanden  und  an  seine  Stelle 
getreten,  das  das  Bild  des  ersten  Gerüstes,  in  vergröberter 
Form,  aber  immer  noch  spezifisch  kennzeichnend  wieder¬ 
gibt.  Im  vorliegenden  Falle  aber  sind  alle  (wahrscheinlich 
sehr  kleinen)  Maschenräume  des  Gitterwerks  mit  Eisen¬ 
hydroxyd  vollständig  ausgefüllt,  und  das  Skelett  selbst 
ist  ebenfalls  verockert.  Im  ersten  Falle  liegt  also  eine 
hypostatische,  im  zweiten  eine  metasomatische  Pseudo- 
morphose  vor,  in  beiden  Fällen  zugleich  eine  Metasomatose 
des  einbettenden  Kreidesedimentes,  die  bei  Ptychocalyptra 
auf  eine  den  Spikulen  zunächst  anliegende  Hüllzone  be¬ 
schränkt  ist,  bei  Ceriosymplcgma  dagegen  die  gesamte  in 
den  Tuben  wänden  steckende  Sedimentmasse  ergriffen  hat. 
Daher  diese  nun  unter  dem  Mikroskop  einen  gleichmäßig 
feinlöchrigen  Ocker  zeigen,  worin  das  Gerüst  untergegangen 
ist.  Alle  Bemühungen,  es  an  irgendwelcher  Stelle  der 
Tubenwändo  aufzufinden,  waren  vergeblich  (ein  negatives 
Ergebnis,  das  auch  von  anderen  vereisenten  Spongien- 
skeletten  bekannt  ist). 

Obwohl  also  ein  Skelett  noch  nicht  beobachtet  worden 
ist,  kann  doch  an  der  Spongiennatur  von  Ccriosymplcgma 


7)  Z.  T.  durch  nachträgliche  Überkrustung  bis  zu  0,35  mm 
verdickt. 


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und  der  Zugehörigkeit  zu  den  Dictyoninen  kein  Zweifel 
bestehen.  Formen  und  Eigentümlichkeiten  der  .Wand  lassen 
sogar  den  Schluß  auf  eine  nahe  Verwandtschaft  der  Spongie 
mit  Aphrocallistes  Gbay  zu,  eine  rezente  Gattung,  die  aber 
nach  Schrammen  mit  mehreren  Arten  auch  schon  im  (nord¬ 
deutschen)  Senon  vorkommt8).  Aphrocallistes  hat  ebenfalls 
die  dünne,  wabenartig  durchlöcherte  Spongienwand ;  für 
eine  Anzahl  ihrer  Arten  sind  die  handschuhfingerförmigen 
Ausstülpungen  (ohne  Oscula)  kennzeichnend,  während  bei 
dem  rezenten  Aphrocallistes  vastus  F.  E.  Schulze  die  Wand 
wie  ein  Wellblech,  aber  tief  hin  und  her  gefaltet  ist9). 

Die  Radialtuben  stellen  die  Aporrhysen  des  Skeletts 
dar,  während  zwischen  dem  Gitterwerk  der  Tubenwände 
die  Epirrhysen  lagen. 

Aphrocallistes  gehört  zu  den  Dictyonina  hexactinosa 
(mit  vollen  Kreuzungsknoten).  Auch  Ceriosymplegma  wird 
deshalb  dahin  zu  stellen  sein 

Ein  Kreidestückchen  enthält  den  rostigen  Abdruck  einer 
kleinen,  stilförmigen  Wurzel,  aus  der  sich  ein  zierlicher 
Becher  entwickelt  (Abb.  10)10).  Die  Wurzel,  deren  unterster 
Teil  fehlt,  ist  bei  2  mm  Dicke  noch  8  mm  lang,  der  7  mm  hohe 
Becher  —  oben  abgebrochen,  mit  kreisförmigem  Rand  von 
4,5  mm  Durchmesser  —  hat  eine  0,5  mm  dicke,  von  hexa¬ 
gonalen  Radialtuben  durchbrochene  Wand.  Die  Zellenquer- 
schnitte  dieser  Wand  sind  durchschnittlich  0,68  mm  weit 
(Mittel  aus  9  Messungen).  Wahrscheinlich  liegt  hier,  da 
die  Masse  gut  zu  denen  von  Cer.  chalyb.  passen,  die  Jugend¬ 
form  der  Art,  oder  einer  von  mehreren  Ankerapparaten 
vor,  womit  die  Spongie  festgeheftet  war11). 

Alter  und  Facies:  Senon;  Schreibkreide. 

Vorkommen :  Aleppo.  Brunnengrabung  bei  den  Kasernen 
an  der  Alexandrette-Straße. 

Anzahl  der  untersuchten  Stücke:  12  Fragmente. 

Die  Originale  liegen  in  der  Sammlung  der  Preußischen 
Geologischen  Landesanstalt  zu  Berlin. 

3.  Spongia  hexactin ellida  gen.  ind.,  sp.  ind.  Taf.  IV,  Abb.  11. 

Eine  dünne  Wand  bildet  durch  mäandrische  Faltung 
und  Verwachsung  sich  berührender  Faltenteile  anastomo- 

8)  Schrammen.  Palphica,  Suppl.  V,  S.  219  ff. 

9)  F.  E.  Schulze.  Challenger-Reports.  Zool.  21.  1887,  S.  317; 
t.  85,  f.  1. 

10)  Vgl.  die  Erklärung  zu  Taf.  IV,  Fig.  10. 

n)  Vgl.  die  Wurzeln  in  den  Figuren  bei  Schrammen,  Palphica, 
Suppl.  V,  t.  27,  f.  2;  t.  31,  f.  7;  t.  33,  f.  8;  t.  40,  f.  8. 

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sierende  Röhren  und  dazwischenliegende  Lücken.  Dieser 
Bau  ist  kranzförmig  um  einen  skelettfreien  Teil  angeordnet. 
Der  Kranz  hat  einen  äußern  Durchmesser  von  etwa  20, 
eine  innere  Weite  von  8  mm.  Die  Röhren  sind  etwa  3  mm 
stark  bei  einer  Wanddicke  von  >/s  bis  1  mm. 

Auf  die  allgemeine  Form  der  Spongie  ist  aus  dem 
vorhandenen  Fragment  kein  Schluß  zu  ziehen.  Das  Skelett 
ist  mit  den  dazwischenliegenden  Maschenerfüllungen  ebenso, 
wie  vorher  beschrieben,  vollständig  verockert  und  dadurch 
vernichtet  worden. 

Der  erhaltene  Rest  erinnert  an  gewisse  Kreide¬ 
schwämme,  die  Schrammen  zu  der  rezenten  Gattung  Peri- 
phragella 1S)  gezogen  hat. 

Alter  und  Vorkommen  wie  bei  1  und  2. 

Anzahl  der  untersuchten  Stücke:  1. 

Original  in  der  Sammlung  der  Preußischen  Geologischen 
Landesanstalt  zu  Berlin. 


Kann  man,  so  läßt  sich  fragen,  die  unter  1  und  2  be¬ 
schriebenen  Arten  nicht  zu  Farrea  und  Aphrocallistes  stel¬ 
len?  Dazu  ist  zu  bemerken,  daß  die  Diagnosen  für  diese 
beiden  Gattungen  nach  den  Merkmalen  der  lebenden  Ver¬ 
treter  aufgestellt  sind.  Zu  diesen  Merkmalen  gehören  in 
erster  Linie  auch  Eigentümlichkeiten  des  Skeletts,  im 
Innern  der  Leibeswand  wie  an  den  Grenzflächen.  Nun 
kennen  wir  aber  das  Skelett  unserer  Ptychocalyptra  nur 
sehr  unvollkommen,  das  von  Ceriosymplegma  überhaupt 
noch  nicht.  Wollte  man  also  die  neuen  Formen  zu  Farrea 
und  Aphrocallistes  ziehen,  so  würde  man  ihnen  damit  be¬ 
stimmte  Eigenschaften  beilegen,  ohne  zu  wissen,  ob  sie 
sie  besitzen  oder  nicht.  Deshalb  erscheint  es  zunächst 
richtiger  ihnen,  um  sie  überhaupt  in  der  gebräuchlichen 
Weise  systematisch  unterscheidend  zu  bezeichnen,  auch 
besondere  Gattungsnamen  zu  geben.  Dagegen  w'ird  es  erlaubt 
sein,  Ptychocalyptra  in  die  Familie  der  Eurctidar.  F.  E. 
Schulze,  zu  der  auch  Farrea  gehört,  Ceriosymplegma  in  die 
der  Aphrocallistidac  Schulze  einzureihen. 


,s)  Schrammen.  Palphica,  Suppl.  V,  S.  214. 


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Tafelerklämngen  sn  Tafel  IV. 

Die  Skelette  sind  aus  dem  Kreidegestein  ein  wenig  heraus - 
geätzt  worden.  Sie  vollständig  herauszulösen,  war  unmöglich,  weil 
sie  in  einen  sehr  feinmulmigen  Ocker  umgewandelt  sind,  der 
bei  der  Ätzung,  auch  wenn  man  nur  ganz  schwache  Säure  an¬ 
wendet,  auseinanderfällt,  überdies  schon  bei  der  leisesten  Be¬ 
rührung  gewöhnlich  zu  Staub  zerdrückt  wird. 

Alle  Figuren  in  Vi  Größe.  Man  betrachte  die  Skelettbilder 
unter  der  Lupe. 

Abb.  1.  Ptychocalyptra  Koerti  Rff.  —  S.  47. 

Die  Oberseite  des  Kreidestückes,  auf  der  die  Skeletthaut  sitzt, 
ist  eine  unregelmäßig  bucklige,  seitlich  teils  steil,  teils  sanfter 
abfallende  Gesteinsloslösungsfläche.  Ihr  Verlauf  wird  durch  die 
gewundene,  gefaltete  oder  auch  röhrig  verwachsene  dünne,  ur¬ 
sprünglich  von  Sediment  ganz  umhüllte  Skelettwand  bestimmt, 
an  der  die  Trennung  des  vorliegenden  Bruchstücks  vom  Gegen¬ 
stück  erfolgt  ist. 

Die  größeren  hellen  rundlichen  Lücken  im  Skelett  sind  die 
Querschnitte  der  röhrig  verwachsenen  Wandfalten.  Stellenweise 
sind  mehrere  solcher  Querschnitte  infolge  Skelettzerstörung  zu 
den  unregelmäßig  umrissenen  größten  Lücken  zusammengeflossen. 

Abb.  2  bis  10.  Ceriosymplegma  chalybonense  Rff.  —  S.  49. 

Abb.  2.  Medianer  Längsbruch  durch  handschuhfingerartige  Aus¬ 
stülpungen  der  wabenartig  durchlöcherten  Skelettwand.  —  Von 
a  bis  a1:  größte  beobachtete  Länge  der  Ausstülpungen,  b,  b, 
b:  sehr  dünne,  die  inneren  Fingerenden  verbindende  Skcletthaut,' 
deren  weiterer  Verlauf  und  Anteil  am  ganzen  Skelettbau  nicht 
aufzuklären  war. 

Abb.  3.  Querschnitt  einer  dünnwandigen  Röhre  (inmitten),  von 
einer  hin-  und  hergefalteten,  normal  dicken,  aber  von  relativ 
engen  Zellen  (Radialtuben)  durchsetzten  Skelettwand  umschlossen. 
—  Bei  a  annährend  median  aufgebrochene  Ausstülpung  mit 
Blindende  und  Ansicht  der  Innenfläche.  Die  Zellen  im  Blindende 
nachträglich  durch  Ocker  und  dessen  Zerreibsei  verklebt  und 
verwischt. 

Abb.  4.  Ähnlich  wie  in  Abb.  3:  Umrahmung  einer  engen 
zentralen  Röhre  durch  eine  umlaufende  Skelettwand. 

Abb.  5.  Schleifen-  und  ringförmige  Querschnitte  durch  die 
mäandrisch  gefaltete  Wand.  —  Bei  a  Blindende  einer  jungen, 
knospenhaften  Ausstülpung. 

Abb.  6.  Berührende  und  durchkreuzende  Verwachsung  einer 
inneren  Röhre  mit  umrahmenden  "Wandschleifen :  Querschnitt. 

Abb.  7.  Oberfläche,  oder  Tangentialschnitt  eines  Wandteils; 
zeigt  die  wabenartige  Zusammensetzung  der  Skelettwand  aus 
polygonalen  Zellen  (Radialtuben),  die  hier  den  größten  beob¬ 
achteten  Durchmesser  aufweisen. 

Abb.  8  und  9.  Ring-  und  languettenförmige  Schnitte  durch 
röhrenförmige  und  gefaltete  Wandteile. 

Abb.  10.  Kleiner,  gestielter  (aas  photographischen  Gründen  mit 
der  Wurzel  nach  oben  gestellter)  Becher.  —  s. :  aus  feinen 
Fäden  bestehender  Stiel  des  Bechers.  Vgl.  S.  51. 

Abb.  11.  Spongia  hexactinellida ,  gen.  ind.,  sp.  ind.  —  S.  51. 


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II.  Fische  aus  dem  Dysodil  des  Wealden 
vom  Libanon. 

Von  Herrn  W.  Janensch  in  Berlin. 

Herr  Prof.  Dr.  Koert  vertraute  mir  vier  kleine  Fische 
aus  dem  Dysodil  der  Westseite  des  Dachr  el  Harf  im 
Libanon  zur  Bearbeitung  an.  Von  diesen  Fischen  gehören 
drei  einer  Art  der  Gattung  Pleuropholis  an,  während  ich 
den  vierten  mit  Vorbehalt  der  Gattung  Thrissops  anreihe. 
Da  eine  artliche  Zusammengehörigkeit  dieser  beiden  Formen 
mit  Arten  anderer  Fundstellen  nicht  erweisbar  ist,  so  bieten 
sie  für  eine  genauere  Horizontvergleichung  keine  Hand¬ 
habe.  Beide  Gattungen  sind  aus  Oberem  Jura  und  Unterer 
Kreide  bekannt  geworden. 

Pleuropholis  Koerti  n.  sp. 

Das  größte  (A,  Abb.  5)  der  drei  Exemplare,  die  mit 
den  ersten  drei  Buchstaben  des  Alphabets  bezeichnet  seien, 
ist  vollständig  erhalten  bte  auf  die  anscheinend  fehlende 


Abb.  5.  Pleuropholis  Koerti  n.  sp.  */i  nat-  Größe 
Der  Kopf  ist  unvollständig  und  unklar  erhalten.  Die  z.  T.  etwas 
unregelmäßig  gelagerten  Flossenstrahlen  sind  gerade  gestreckt 
gezeichnet.  Die  medianen  dorsalen  Schuppen  liegen  in  der 
Schieferebene  flach  ausgebreitet.  Die  Schuppen  der  vorderen 
Bauchpartie  und  des  Schwanzabschnittes,  deren  Grenzen  infolge 
zahlreicher  Brüche  vielfach  nicht  klar  erkennbar  sind,  sind 
z.  T.  etwas  schematisiert  und  mit  mutmaßlicher  Umgrenzung 

eingetragen. 

vorderste  Schädelpartie;  es  hat  eine  Gesamtlänge  von  44  mm 
bei  11  mm  größter  Höhe  des  Rumpfes.  Vollständig  bis  auf 
den  unklar  und  wohl  gleichfalls  nicht  vollständig  erhaltenen 


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Schädel  ist  auch  Exemplar  B  mit  einer  Länge  von  etwa 
37  mm  und  etwa  91/2  mm  größter  Höhe.  C  ist  größtenteils 
nur  als  Abdruck  erhalten  und  hat  eine  Länge  von  etwa 
37  mm  und  eine  größte  Rumpfhöhe  von  etwra  11  mm.  Inwie¬ 
weit  durch  Zusammendrückung  die  allgemeine  Körperform 
gestört  ist,  ist  nicht  mit  Sicherheit  festzustellen;  jedenfalls 
ist  das  ersichtlich,  daß  das  Verhältnis  von  Höhe  und  Länge 
eine  nicht  besonders  schlanke  Form  bedingte. 

An  den  Schädeln  ist  leider  nicht  viel  zu  erkennen.  An 
dem  von  einem  breiten  Riß  durchsetzten  Schädel  von  A  zeigt 
sich  eine  große  gerundete,  dreiseitige  Fläche,  in  der  der  Oper- 
kularapparat  enthalten  sein  muß,  innerhalb  der  aber  nur  ein 
schmales  Suboperculum  mit  einiger  Sicherheit  abgrenzbar 
erscheint.  Von  der  Orbita  ist  nichts  bemerkbar.  Auch  von 
Kieferknochen  ist  nichts  erkennbar;  sie  scheinen  zu  fehlen. 
Dagegen  sind  ventral  Kiemenstrahlen  sichtbar.  Die  ganze 
vordere  Schädelpartie  fehlt  offensichtlich.  Die  beiden 
anderen  Stücke  bieten  über  den  Schädel  keinerlei  Aufschlüsse. 

Bei  A  und  B  ist  die  ziemlich  hoch  ansetzende  Brustflosse 
sichtbar,  sie  ist  dem  Schuppenpanzer  aufgepreßt.  Bei  B 
stellt  sie  einen  Fächer  von  etwa  1/3  »Kreisschnitt  dar.  Die 
Strahlen  gabeln  sich  distalwärts;  ihre  Zahl  ist  nicht  mit 
völliger  Klarheit  zu  ermitteln,  sie  scheint  etwa  17  zu  be¬ 
tragen.  Ihre  größte  beobachtete  Länge  beträgt  bei  B  etwa 
41/2  mm,  bei  A,  bei  dem  nicht  alle  Strahlen  erhalten  sind, 
gegen  6  mm.  Die  Bauchflossen  sind  klein  und  schmal  und 
scheinen  nur  sechs  Strahlen  zu  enthalten,  deren  größte 
Länge  bei  A  4  mm,  bei  B  etwas  weniger  beträgt.  Die 
Afterflosse  ist  klein  und  kurz,  sie  besteht  anscheinend  nur 
aus  sieben  distal  sich  teilenden  Strahlen  von  höchstens  4jbis 
41/2  mm  Länge;  der  erste  Strahl  läßt  bei  B  über  einem 
kräftigen,  langen  unteren  Glied  zwei  Fulkren  erkennen.  Der 
Abstand  zwischen  After  und  Schwanzflosse  beträgt  etwa 
4  mm.  Die  kleine  Rückenflosse  sitzt  genau  über  der  After¬ 
flosse,  sie  besteht  anscheinend  aus  sechs  sich  teilenden 
Strahlen  von  maximal  etwa  5  mm  Länge  (A),  deren  erster 
sich  bei  A  als  kräftiger  Dorn  darstellt.  Die  mäßig  große, 
ziemlich  schmale  Schwanzflosse  ist  ziemlich  gradlinig  ab¬ 
gestutzt;  sie  weist  neun  distal  vierfach  zerteilte  Strahlen 
auf,  deren  längste,  untere  etwa  81/2  mm  Länge  (A)  haben. 
Der  oberste  Strahl  besitzt  zwei,  der  unterste  drei  Fulkren. 
Drei  der  mittleren  Strahlen  weisen  bei  A  in  der  Mitte  ihrer 
Länge  knotenartige  Anschwellungen  auf,  die  als  anomale, 
pathologische  Bildungen  anzusehen  sein  dürften. 


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Die  Beschuppung  besteht  in  wohlausgebildeten  G&noid- 
schuppen.  Infolge  zahlreicher  Brüche  durch  die  Schuppen 
ist  deren  Umgrenzung  vielfach  nicht  klar  festzustellen. 
Sicher  lassen  sich  bei  A  und  B  20  von  der  Dorsalseite 
bis  zur  Ventralseite  durchgehende,  quer  verlaufende 
Schuppenreihen  feststellen;  es  folgen  darauf  noch  drei  Reihen, 
die  das  in  den  oberen  Schwanzlappen  hineinreichende  Körper¬ 
ende  bekleiden.  Ferner  liegen  unterhalb  und  vor  der  Brust¬ 
flosse  noch  etwa  sieben  weitere,  in  ihrer  Zahl  nicht  sicher 
festzustellende,  kurze,  quer  ventrale  Schuppenreihen. 

Auf  den  Körperseiten  haben  die  Schuppen  die  für  die 
Gattung  Pleuropholi*  bezeichnende,  sehr  hohe,  schienenartige 
Form.  Die  einzelne  Schiene  hat  bei  A  etwa  0  mm  Höhe, 
also  etwa  die  halbo  Höhe  des  Rumpfes,  und  ist  in  etwa 
1  mm,  am  ventralen  Ende  in  etwa  X 14  mm  Breite  frei 
sichtbar.  Bis  etwa  zur  zehnten  Schuppenreihe  einschließlich 
haben  die  Schienen  diese  Höhe,  dann  werden  sie  etwas 
niedriger.  Etwa  von  der  fünfzehnten  Schuppenreihe  ab  treten 
an  Stelle  je  einer  hohen  Schienenschuppe  zwei  entsprechend 
niedrigere.  Dorsal  von  jeder  Schiene  liegt  nur  eine  kleine 
rhombische  Schuppe;  darüber  folgt,  in  die  Ebene  der  Schiefer- 
flache  gedrückt,  eine  mediane  Reihe  von  ziemlich  breiten 
Schuppen,  die  nach  hinten  konkav  eingebogene  Ränder  auf¬ 
weisen,  eine  Eigenschaft,  die  im  Verlaufe  der  Dorsallinie 
von  vorn  nach  hinten  bis  an  die  Rückenflosse  sich  stärker 
ausprägt.  Ventral  von  der  Schienenreihe  sind  im  vorderen 
Rumpfteil  zahlreiche  niedrige  Schuppenreihen  vorhanden, 
deren  Zahl  nicht  sicher  zu  ermitteln  ist,  die  aber  im  Maximum 
mindestens  elf  auf  jeder  Seite  zu  betragen  scheint.  Diese 
Zahl  vermindert  sich  caudalwärts  stark,  beträgt  in  der 
Gegend  der  Ventralflosse  etwa  sieben  und  hinter  der  Anal¬ 
flosse  anscheinend  nur  noch  zwei.  Im  Rumpfabschnitt  haben 
diese  Schuppen  schmal  rhombische  Form,  mit  schwacher 
Rundung  des  unteren  Randes.  Im  Schwanzteil  ändert  sich 
bis  zur  Schwanzflosse  die  Gestalt  der  ventralen  Schuppen 
zu  einem  ausgeprägten  Rhombus  um.  Alle  Schuppen  und 
Schienen  sind  glatt  und  skulpturlos,  ihre  sichtbaren  Ränder 
sind  glatt.  Der  Verlauf  der  queren  Schuppenreihen  ändert 
sich  von  vorn  nach  hinten.  Im  vorderen  Rumpfteil  sind 
die  Schienen  gegen  die  Längsachse  unter  einem  Winkel 
von  etwa  70°  gestellt,  dorsal  zeigen  sie  eine  schwache  Ver¬ 
biegung  nach  vorn,  ventral  biegt  die  in  der  Verlängerung; 
einer  Schiene  liegende  Querreihe  kleiner  Schuppen  stark 
nach  hinten  ein.  Dieses  Verhältnis  ändert  sich  caudalwärts 


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in  dem  Sinne,  daß  die  ganze  Schuppenreihe  schräger,  und 
zwar  etwa  von  den  Ventralflossen  an,  unter  einem  Winkel 
von  etwa  45°,  fast  ganz  gleichsinnig  gerade  verläuft  Es 
macht  den  Eindruck,  als  wenn  bei  Exemplar  A  im  Rumpf¬ 
abschnitt  die  unteren  Schuppenreihen  wenigstens  zum  Teil 
etwias  zusammengeschoben  sind,  wodurch  ihr  unbedeckter 
Teil  etwas  zu  niedrig  würde.  Der  Seitenlinie  dürften  feine 
Poren  zuzurechnen  sein,  von  denen  eine  in  halber  Höhe 
des  Schwanzteiles  unmittelbar  vor  der  Schwanzflosse  eine 
Schuppe  durchbohrt  und  eine  zweite  in  einer  Schuppe  der 
dritten  Reihe  von  unten,  also  beträchtlich  unterhalb  der 
halben  Flankenhöhe,  etwa  über  dem  Hinterende  des  An¬ 
satzes  der  Bauchflosse  zu  beobachten  ist  Das  würde  für 
eine  tiefe  Lage  der  Seitenlinie  sprechen. 

Bei  der  Bestimmung  muß  in  erster  Linie  die  charakte¬ 
ristische  Beschuppung  leiten.  An  Ganoidfischen  mit  seitlichen 
Schienenschuppen  sind  die  drei  Gattungen  Pholiäopleurus, 
Peltopleurus  und  Pleuropholis  bekannt  geworden.  Pholi - 
dopleurus  aus  den  Raibler  Schichten  kommt  wegen 
des  Mangels  der  Bauchflossen  und  der  langgestreckten 
Form  der  After-  und  Rückenflosse  nicht  in  Frage.  Bei 
Peltopleurus  steht  die  Rückenflosse  vor  der  Afterflosse;  bei 
ihm  verläuft  die  Seitenlinie  oberhalb  der  halben  Flanken¬ 
höhe,  bei  den  Fischen  vom  Libanon  dagegen  offenbar, 
wie  bei  Pleuropholis  (cf.  A.  S.  Woodward,  Oatal.  foss. 
Fishes  III.  1895,  S.  483)  viel  tiefer.  Bezüglich  der  Stellung 
der  Flossen  zeigen  diese  ebenfalls  gute  Übereinstimmung  mit 
der  Gattung  Pleuropholis ,  von  der  eine  Reihe  von  Arten 
aus  den  lithographischen  Schiefern  Süddeutschlands,  aus  den 
Plattenkalken  von  C  e  r  i  n ,  aus  dem  Oberen  Jura  von  Bran- 
villiere  im  Maasdepartement  Frankreichs,  aus  dem  Wealden 
von  Bernissart,  -wie  aus  dem  Purbeck  Englands  be¬ 
schrieben  worden  ist1).  Abgesehen  davon,  daß  alle  diese 
Arten  mehr  oder  weniger  schlanker  sind,  so  weicht  unsere 
Form  von  diesen  dadurch  ab,  daß  die  Flossen,  mindestens 
die  unpaarigen,  weniger  Strahlen  aufweisen,  daß  sie  — 


J)  Literatur  über  Pleuropholis:  Die  ältere  Literatur  ist  von 
A.  S.  Woodward  in  seinem  Katalog  der  fossilen  Fische  bei  den 
einzelnen  Arten  erwähnt.  (Catalogue  of  the  fossil  Fishes  in  the 
British  Museum.  HI,  1895,  S.  482—487.) 

Neuere  Literatur:  R.  H.  Traquoir:  Les  poissons  Wealdiens 
de  Bernissart.  Mem.  Mus.  Nat.  Belg.,  1910. 

A.  S.  Woodward:  The  Wealden  and  Purbeek  fishes.  Palaeon- 
togr.  soe.  71.  1919,  S.  113—121. 


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soweit  die  Beschreibungen  und  Abbildungen  jener  anderen 
bekannt  gewordenen  Arten  von  Pleuropholis  darüber  Auf¬ 
schluß  geben  —  mit  einer  geringeren  Zahl  von  Fulkren  be¬ 
setzt  sind,  daß  die  Schwanzflosse  nicht  deutlich  zwei¬ 
lappig,  sondern  gerade  abgestutzt  ist,  und  daß  die  Zahl  der 
vertikalen  Schuppenreihen  wesentlich  geringer  ist.  Es  sei 
übrigens  darauf  hingewiesen,  daß  Pleuropholis  Licnardi 
Sauvage  (Bull.  soc.  geol.  France  (III)  11.  1882—83,  S.  501, 
Taf.  10,  Fig.  3)  nur  eine  recht  schwach  zweilappige  Schwanz¬ 
flosse  hat.  also  in  diesem  Punkt©  der  Art  vom  Libanon 
nahe  kommt. 

Die  angeführten  Unterschiede  scheinen  mir  nicht  schwer¬ 
wiegend  genug,  um  di©  Art  vom  Libanon  von  der  Gattung 
Pleuropholis  abzusondern;  dagegen  ist  eine  neue  Art¬ 
bezeichnung  erforderlich.  Ich  widme  die  Form  Herrn  Prof. 
Dr.  Koert. 


Thrissops  sp. 

Dem  einzigen  vorliegenden  Stücke  fehlen  der  Schädel 
und  der  vordere  Abschnitt  des  Rumpfes.  Die  erhaltene 
Maximallänge  beträgt  29  mm.  Die  Form  des  Körpers  war 
anscheinend  etwas  gedrungen. 

Die  Wirbelsäule  ist  offenbar  voll  verknöchert;  bis  zum 
Ansatz  der  Schwanzflosse  sind  22  Wirbel  erkennbar,  deren 
in  ihrem  mittleren  Teil  kräftig  eingezogene  Körper  im 
Schwanz  etwa  ebenso  lang  wie  hoch  sind,  weiter  vorn  aber 
etwas  höher  —  bis  knapp  1  mm  hoch  —  werden.  Auf  der 
Seitenfläche  verläuft,  wie  an  einigen  Wirbelkörpern  wahr¬ 
zunehmen  ist,  ein  vorspringender  Grat. 

Von  der  linken  Brustflosse,  die  jedenfalls  nicht  groß  war, 
ist  der  proximale  Abschnitt  nicht  erhalten.  Erkennbar  sind 
acht  Strahlen.  Eigentliche  Fulkren  sind  an  dieser  und  an 
allen  anderen  Flossen  nicht  vorhanden.  Etwa  5  mm  hinter 
dem  Ende  der  Brustflosse  sitzt  die  sehr  kleine,  nur  gegen 
3  mm  lange,  aus  etwa  acht  Strahlen  zusammengesetzte 
Bauchflosse,  deren  äußerste  Strahlen  die  längsten  sind.  Ziem¬ 
lich  groß  ist  dagegen  die  Afterflosse;  sie  hat  dreiseitigen, 
von  vorn  nach  hinten  stetig  sich  versch malernden  Umriß; 
ihre  Länge  beträgt  etwa  7  ty2  min,  die  längsten  Strahlen 
messen  etwa  5  mm,  deren  Zahl  beträgt  etwa  34.  Die  Lücke 
zwischen  Afterflosse  und  Schwanzflosse  ist  sehr  klein,  an¬ 
scheinend  nur  etwa  2  mm  lang.  Die  unvollständig  erhaltene 
Rückenflosse  beginnt  ein  wenig  vor  dem  Vorderende  der 
Afterflosse,  sie  ist  kürzer  als  diese,  etwa  5  mm  lang,  enthält 


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elf  bis  zwölf  Strahlen  und  nimmt  von  vorn  nach  hinten  stetig 
und  stark  an  Höhe  ab.  Die  nicht  große  Schwanzflosse 
ist  in  mäßigem  Grade  gabelig,  beide  Lappen  sind  annähernd 
gleich  groß.  Es  sind  18  bis  20  distalwärts  sich  gabelnde 
Strahlen  vorhanden  (die  genaue  Zahl  ist  nicht  feststellbar), 
dazu  kommen  ventral  vorgelagert  vier,  dorsal  anscheinend 
fünf  oder  sechs  nach  vorn  immer  kürzer  werdende,  sich 
nicht  gabelnde  Strahlen.  Die  Länge  der  längsten  Strahlen 
beträgt  etwa  8  mm. 

Die  Schuppen  waren  offenbar  recht  dünn;  sie  sind  ver¬ 
hältnismäßig  groß.  Der  Hinterrand  ist,  soweit  erkennbar, 
gerundet  und  ungekerbt;  vorn  liegt  eine  Zone  von  feinen, 
nach  vorn  etwas  divergierenden  und  sich  zum  Teil  gabeln¬ 
den,  eingesenkten  Riefen,  deren:  Zahl  etwa  acht  beträgt. 
Auf  der  übrigen  glatten  Oberfläche  der  Schuppen  liegt  eine 
äußerst  feine  konzentrische  Skulptur.  Die  Gesamtzahl  der 
horizontalen  Reihen  scheint  etwa  15  zu  betragen. 

Das  Fehlen  des  Schädels  und  des  vordersten  Rumpf¬ 
abschnittes  macht  die  sichere  Erkennung  der  Gattungs¬ 
zugehörigkeit  unmöglich.  In  bezug  auf  die  Größen  Verhält¬ 
nisse  und  Steilung  der  paarigen  sowie  der  After-  und  der 
Rückenflosse  besteht  ziemlich  Ähnlichkeit  mit  der  Gattung 
Thrissops,  z.  B.  mit  Thr.  curtus  A.  S.  Woonw.  aus  dem 
unteren  Purbeck  der  Insel  Portland  bei  A.  Smith  Woodwabd 
(Wealden  a.  Purbeck  Fishes.  Paläeontogr.  Soc.  71.  1909. 
Täf.  26,  Fig.  1).  Bauch-  und  Rückenflosse  scheinen  bei 
letztgenannter  Art  kleiner  zu  sein.  Der  gesamte  Körper¬ 
umriß  des  Fisches  vom  Libanon  muß  dem  der  Purbeck- 
form  recht  ähnlich  gewesen  sein.  Auch  die  Form  der  Wirbel¬ 
körper  stimmt  gut  zu  der  von  A.  S.  Woodward  (a.  a.  O. 
S.  136)  gegebenen  Charakterisierung  der  Gattung  Thris8opn1 
besser  als  zu  der  von  Pachy  thrissops  (A.  S.  Woodwakd, 
a.  a.  O.  S.  128).  Den  sonst  aufgestellten  Arten  von  Thrissops 
steht  der  Fisch  vom  Libanon  an  Größe  sehr  bedeutend  nach; 
ob  es  sich  bei  ihm  um  ein  unausgewachsenes  Tier  handelt, 
muß  dahingestellt  bleiben.  Nur  mit  Vorbehalt  kann  ich  ihn 
jener  Gattung  anreihen;  von  einer  Artbenennung  sehe  ich 
in  Anbetracht  der  Unvollständigkeit  des  Stückes  ab. 


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2.  Typen  andiner  Kupferlagerstätten. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  9.  Januar  1924.) 

Von  Herrn  Richard  Stappenbeck  in  Werder  (Havel). 

Die  Kupferlagerstätten,  die  zurzeit  im  Bergbau  Süd¬ 
amerikas  im  Vordergründe  des  Interesses  stehen,  sind  die 
Imprägnationszonen  mit  armen  Erzen,  die  „disseminated 
porphyry  copper  ores“  der  Nordamerikaner.  Hierzu  gehören 
die  größten  bis  jetzt  bekannten  Kupfervorkommen  der  Welt: 
Bisbee,  Tintic,  Clifton-Morenci,  Bingham,  Cananea  in  Nord¬ 
amerika,  Chuquicamata,  Potrerillos,  El  Teniente  in  Süd¬ 
amerika. 

Das  wesentliche  an  ihnen  ist,  daß  das  Erz  fein  und 
unregelmäßig  in  einem  meist  stark  zerrütteten  Eruptiv¬ 
gesteinskörper  verteilt  ist,  daß  diese  immer  saure  oder 
intermediäre  Gesteine  sind,  daß  in  Verbindung  mit  ihnen 
immer  metasomatische  Erzkörper  entstanden  sind,  ja  die 
Imprägnation  selbst  fast  stets  von  einer  metasomatischen 
Verdrängung  gewisser  Gesteinsbestandteile  begleitet  ist. 

Bekannt  sind  derartige  Lagerstätten  bisher  aus  Rhyolith, 
Granit,  Monzonit,  Quarzdiorit,  Andesit  und  Porphyrit  sowie 
aus  Sedimenten.  Kupferbringer  sind  wohl  immer  die  sog. 
Andengranite  oder  Andendiorite  sowie  deren  Ergußgesteine, 
die  Rhyolithe,  Andesite  usw. 

Zu  den  Imprägnationslagerstätten  im  Rhyolith  gehört 
das  Vorkommen  der  Grube  Montenegro  bei  Andalgalä  in 
Argentinien,  wo  Malachit  und  Kupferglanz  einen  Rhyolith- 
tuff  imprägnieren.  Wirtschaftlich  ist  dieses  Vorkommen 
ohne  Bedeutung.  Hierher  gehören  ferner  die  Lagerstätten 
von  Cerro  Verde,  Toquepala,  Cerro  de  Paseo  zum  Teil, 
in  Süd-  und  Mittelperu  und  Choquelimpie  in  Nordchile. 
Wirtschaftlich  spielen  sie  entweder  schon  eine  große  Bolle 
oder  haben  eine  gute  Zukunft. 

Cerro  Verde  bei  Arequipa  setzt  sich  $us  einem  Quarz¬ 
diorit  oder  Tonalit  zusammen,  worüber  Rhyolith  liegt,  der 
an  Granitporphyr  grenzt.  Das  Kupfererz  ist  im  Rhyolith 
verstreut.  Die  60  bis  70  m  mächtige  Oxydationszone  hat 
Kupfersilikate  und  Karbonate,  darunter  folgen  angereicherte 


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Sulfide.  Zwischen  100  und  150  m  von  der  Oberfläche 
beginnt  dann  das  primäre  Erz,  der  Pyrit.  Der  durchschnitt¬ 
liche  Kup  fergehalt  beträgt  2  bis  2,5  °/o.  Bis  Ende  1918  waren 
mindestens  18  000  000  t  Erz  nachgewiesen  worden. 

In  Toquepala,  nahe  an  der  chilenischen  Grenze,  treten 
große  Massen  fein  verteilten  Erzes  im  Rhyolith  auf  wie 
bei  Cerro  Verde.  Der  durchschnittliche  Kupfergehalt  beträgt 
l,9<>/o  bei  1  g  Gold  auf  die  Tonne.  In  der  Nähe  liegt  die 
Lagerstätte  von  Quellaveco,  wo  zerstreutes  Kupfererz  im 
Quarzdiorit  und  im  Rhyolith  auftritt.  Der  Rhyolith  hat 
den  stark  zersetzten  Quarzdiorit  in  großen  Gängen  durch¬ 
brochen.  Erze  sind  Kupferkarbonat,  etwas  Kupfervitriol, 
sodann  Schwefelkies  und  Kupferkies.  Sie  enthalten  1,5  °o  Cu, 
20  g  Ag  und  1  g  Au  auf  die  Tonne1). 

Die  bekannte  Lagerstätte  vom  Cerro  de  Paseo  gehört 
zum  Teil  auch  hierher.  Es  handelt  sich  dort  um  Rhyolith 
und  seine  Tuffe  und  Agglomerate,  worin  die  Erzgänge  auf¬ 
setzen.  Von  diesen  ist  eine  Verdrängung  der  Rhyolith- 
masse  und  ihre  Ersetzung  durch  Pyrit  ausgegangen.  Diese 
Erze  mit  geringem  Gehalt  stehen  in  großer  Menge  an.  In 
der  Oxydationszone  ist  das  Kupfer  ausgelaugt,  das  Silber 
aber  angereichert  worden.  Wahrscheinlich  gehört  hierher 
auch  Ferrobamba,  südwestlich  von  Cuzco,  wo  bisher 
25-  bis  30  000000  t  kuperhaltiger  Kiese  aufgeschlossen 
worden  sind.  Die  Lagerstätte  liegt  geographisch  sehr  un¬ 
günstig. 

Choquelimpie  in  Nordchile  ist  eine  ähnliche  Lagerstätte 
wie  Quellaveco;  silberhaltige  Kupfererze  von  geringem  Ge¬ 
halte  finden  sich  massenhaft  im  Rhyolith  verstreut. 

Im  Andendiorit  liegt  die  Lagerstätte  von  Las  Condes 
bei  Santiago.  Es  handelt  sich  um  eine  Dioritbreccie,  deren 
Bindemittel  Kupferkies  ist.  Der  durchschnittliche  Kupfer¬ 
gehalt  ist  3  bis  40/0,  aber  reiche  Erzanbrüche,  deren  Gehalt 
bis  240/ü  steigt,  kommen  häufiger  vor.  So  soll  vor  kurzem 
eine  derartige  Erzmasse  aufgeschlossen  worden  sein,  deren 
Wert  auf  12  000000  $  m/c  berechnet  wird. 

Verwickelter  liegen  die  Verhältnisse  in  Catemu,  Bezirk 
Putaendo.  Dort  treten  Gänge  von  Kupferkies  mit  silber¬ 
haltigem  Fahlerz  auf,  von  denen  aus  sich  metasomatiscb 
im  Kalk  unregelmäßige  Taschen  und  Nester  von  Schwefelkies, 
im  Sandstein  häufiger  Imprägnationen  der  Schichten  mit 

x)  C.  Basadke  :  Estado  actual  y  porvenir  de  la  industria 
minera  en  los  departainentos  del  sur.  Bol.  Cuerpo  de  In- 
genieros  de  Minas  del  Peru.  Nr.  93.  Lima. 


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Kupferkies  gebildet  haben.  Darunter  »liegt  Porphyr,  und  in 
dessen  Kontakt  mit  dem  Andengranit  haben  sich  ausgedehnte 
Massen  von  fein  verteiltem  Kupferkies,  Kupferglanz  und 
Kupferindig  gebildet. 

Die  bekannteste  und  wichtigste  Lagerstätte  dieser  Gruppe 
ist  die  Chuquicamata  in  Nordchile,  die  eine  der  größten 
überhaupt  ist.  In  einem  stark  zerrütteten  Quarzdiorit 
(Tonalit)  finden  sich  große  Massen  von  Kupfervitriol, 
Kröhnkit,  Atacamit,  Brochantit  und  Rotkupfererz  einge¬ 
schlossen.  Brochantit  ist  das  Haupterz.  Oxydations-  und 
Zementationszone  gehen  ineinander  über.  Im  Durchschnitt 
ist  die  Oxydationszone  110  m  mächtig.  Darunter  folgen 

35.5  m  mit  Kupferglanz  und  Brochantit,  darunter  17  m 
Kupferglanz  mit  Kupferindig,  sodann  bis  500  m  Kupferkies 
mit  2 o/o  Cu.  Der  Durchschnittsgehalt  der  Kupfererze  beträgt 
etwas  über  2%.  Nachgewiesen  sind  rund  700000  000  t  dieses 
Erzes2). 

Dem  Andesit  gehört  die  Lagerstätte  El  Tenienfee  der 
Braden  Copper  Co  bei  Rancagua  an.  Die  wesentlichen  Züge 
dieser  Lagerstätte  hat  schon  Domeyko  vor  etwa  80  Jahren 
gedeutet3).  Es  handelt  sich  um  eine  Art  Explosionskrater 
im  Andesit,  der  mit  Tuff  angefüllt  ist.  Der  Tuff  ist  im 
allgemeinen  nicht  vererzt.  In  der  Breccie  beobachtet  man 
viel  Turmalin.  Das  Erz  sitzt  im  zersetzten  Andesit  rund 
um  den  Schlot  herum;  Kupferkies  wiegt  vor,  daneben  Bunt¬ 
kupferkies,  Kupferglanz  und  sehr  wenig  Enargit.  Nach¬ 
gewiesen  sind  etwa  300  000  000  t  Erz  mit  rund  1,5%  Cu. 

Eine  ähnliche  Lagerstätte  wie  die  von  Chuquicamata 
ist  die  von  Copaquiro,  wo  rund  100  000  000  t  Kupfersulfat  mit 

2.5  bis  3,5%  Cu  von  10  bis  20  m  Mächtigkeit  nachgewiesen 
worden  sind.  Diese  Grube  liegt  4100  m  hoch.  In  der  Nähe 
liegt  das  Vorkommen  von  Huitinquipa,  wo  25  bis  30  m 
mächtige  Schichten  mit  Dioptas  und  Chrysokoll  imprägniert 
sind.  Aufgeschlossen  sind  6  000000  t  mit  3,25%  Cu. 

Eine  Imprägnation  von  Kupferglanz  und  gediegen  Silber 
hat  auf  der*  Grube  Cristobal  Colon  bei  Juncal,  nahe  der 
argentinischen  Grenze,  stattgefunden. 

Im  Porphyrit  treten  die  Lagerstätten  verstreuten  Erzes 
von  San  Jose  de  las  Cuevas,  lx>  Aguirre,  Naltagua,  Potre- 
rillos  und  Amolanas  auf. 


2) 

Welt. 


3) 


M.  Hochsciiii.d  :  Studien  über  die  Kupfererzeugung  der 
J.  Domeyko:  Jeolojia.  Santiago  1903.  65. 


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San  Jose  de  las  Cuevas  liegt  auf  argentinischem  Gebiete, 
nahe  der  Trasandinobahn  und  fast  auf  der  chilenischen 
Grenze.  Dort  ist  Kupferglanz  metasomatisch  verteilt  im 
Porphyrit,  namentlich  sind  die  großen  Plagioklaseinspreng¬ 
linge  verdrängt  worden. 

In  Lo  Aguirre  bei  Santiago  tritt  im  Porphyrit  und 
von  da  aus  auch  im  Kalk  reichlicher  Kupferglanz  auf. 
Er  ist  aber  nicht  so  gleichmäßig  verteilt,  wie  es  sonst  bei 
diesen  Erzen  der  Fall  ist,  sondern  bildet  Nester.  Aufge¬ 
schlossen  sind  6000  000  t  Erz  mit  1,75  bis  3,5°/o  Cu.  Be¬ 
nachbart  ist  Naltagua,  wo  Kalkbänke  im  Porphyrit  imprä¬ 
gniert  sind  mit  Kupferkies  und  Buntkupfererz.  Der  durch¬ 
schnittliche  Kupfergehalt  beträgt  4°/o  Cu. 

Fein  verteilter  Kupferglanz  in  Porphyrit  kommt  bei 
Ladrillos  bei  Copiapö  vor.  Das  Vorkommen  ist  noch  sehr 
wenig  erforscht,  ebenso  dasjenige  von  Altamira  weiter  nörd¬ 
lich,  wo  sich  gleichfalls  erhebliche  Massen  fein  verteilten 
Erzes  in  einem  Aupitporphyrit  finden  sollen. 

In  Potrerillos  bei  Pueblo  Hundido  ist  eine  Quarzglimmer¬ 
porphyrmasse  in  Sandstein,  Quarzit  und  Kalk  eingedrungen, 
wobei  besonders  der  Kalk  metamorphosiert  worden  ist  unter 
Neubildung  von  Granat,  Besonders  im  hangenden  Kontakt 
ist  die  Metamorphose  sehr  kräftig  und  von  einer  Imprä¬ 
gnierung  der  Sedimente  mit  Pyrit  begleitet  gewesen.  Die 
hauptsächlichste  Vererzung  hat  aber  den  Quarzglimmer¬ 
porphyr  selbst  betroffen.  Die  oberste  Zone  enthält  oxydische 
Erze  mit  über  lo/o  Cu;  darunter  folgt  eine  schmale  Zone 
von  Oxyden  und  Sulfiden  mit  über  1%  Cu,  sodann  Sulfide 
mit  über  H'o  Cu.  Die  Grenze  der  Bauwürdigkeit  mag  rund 
200  m  unter  Tage  liegen.  Aufgeschlossen  sind  insgesamt 
130000000  t  Erz  mit  l,5°/o  Cu. 

In  einem  gangartigen  Quarzporphyrit Vorkommen  finden 
sieh  bei  Amolanas,  südlich  von  Copiapö,  ausgedehnte  Imprä¬ 
gnationen  von  Kupferglanz.  Allerdings  ist  deren  Zugehörig¬ 
keit  zu  dem  Typ  der  Imprägnationslagerstätten  noch  keines¬ 
wegs  sicher;  Nordenskjöld  faßt  sie  als  magmatische  Aus¬ 
scheidungen  auf. 

Möglichenfalls  gehört  zu  diesem  Typ  auch  die  Lager¬ 
stätte  von  Natagaima  in  Kolumbien,  wo  nach  Scheibe4) 
Trümmer  und  Nester  von  Silber-  und  goldhaltigem  Kupfer¬ 
glanz  und  etwas  Buntkupferkies,  Kupferkies,  Fahlerz,  ferner 


4)  R,  Scheibe  bei  Otto  Bürger:  Kolumbien.  Leipzig  1922. 
S.  246. 


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feine  Einsprengungen,  Nester  und  auch  große  Massen  von 
gediegenem  Kupfer  in  Porphyriten  verschiedener  Art  als 
auch  goldhaltiger  Kupferkies  und  Schwefelkies  mit  Quarz 
in  den  umgebenden  Sedimenten  auftreten. 

Kontaktlagerstätten  des  Kupfers  sind  aus  der  Kordillere 
erst  wenig  bekannt  geworden.  Ich  nenne  als  solche  La 
Campana  bei  Valparaiso,  Panulcillo  in  Nordchile,  Tintaya 
und  Magistral  in  Peru  und  Payande  in  Kolumbien. 

Das  Vorkommen  von  La  Campana  entspricht  dem  Lager¬ 
stättentypus  von  Schwarzenberg5).  In  Panulcillo  treten 
zwischen  kristallinem  Schiefer  und  Diorit  auf  der  einen, 
Granit  und  Andesit  auf  der  anderen  Seite  Granatfelsmassen 
auf,  deren  mittlere  Breite  bei  800  m  Länge  50  m  mißt, 
worin  die  Erze  Kupferkies,  Magnetkies  und  Schwefelkies 
senkrechte  Zonen  und  Taschen  bilden.  Auch  im  erzbringen¬ 
den  Andesit  gibt  es  Erznester  nahe  am  Granatfels.  Der 
Kupfergehalt  beträgt  5 o/o. 

In  Tintaya,  etwa  halbwegs  zwischen  Arequipa  und 
Cuzco,  tritt  am  Kontakt  von  Rhyolith  und  Kalk  eine  mit 
Hämatit  und  Kupfererzen  imprägnierte  Masse  auf,  worauf 
man  große  Hoffnungen  setzt.  Die  Erze  bestehen  aus  Kupfer¬ 
silikat  und  -karbonat,  Rotkupfererz,  gediegenem  Kupfer, 
Kupferglanz,  Buntkupfererz  und  Kupferkies6). 

In  Magistral  in  Nordperu  haben  sich  längs  dem  Kontakt 
von  Andesit  und  Kreidekalk  Erzlinsen  mit  Kalktongranat, 
Kupferkies,  Schwefelkies,  Magnetkies  und  gelegentlich  etwas 
Molybdänglanz  gebildet,  ebenso  finden  sich  metasom  itisch 
im  Kalk  größere  Erznester.  Der  Kupfergehalt  steigt  bis 
12o/o. 

In  Kolumbien  sind  bei  Payande  Einsprengungen  von 
Kupferkies  in  kontaktmetamorphem  Kalk  mit  Linsen  von 
Magnetit  vorhanden. 

Die  Gold-,  Silber-  und  Kupfergänge  Chiles  hat  Möbicke7) 
eingeteilt  in:  I.  Gold-Kupfergänge,  II.  edle  Silber-Kupfer¬ 
gänge,  HI.  edle  Silbergänge  mit  hohem  Goldgehalt,  IV.  Lager¬ 
stätten  mit  Bleiglanz,  Zinkblende,  Fahlerz,  Enargit  usw. 

Gruppe  I  ist  an  saure  Gesteine  gebunden,  Quarz  ist  die 
Hauptgangart,  Turmalin  ist  häufig  vorhanden; 


5)  Mündliche  Mitteilung  des  Herrn  Bergingenieurs  Dr.  A. 
Dittmann  in  Santiago. 

6)  C.  Basadbe,  a.  a.  O. 

7)  IV.  Möbicke:  Die  Gold-,  Silber-  und  Kupfererzlagerstätten 
in  Chile.  Freiburg  1897. 


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Gruppe  II  ist  an  basischere  Gesteine  oder  an  zumeist 
kalkige  Sedimente  geknüpft.  Gangarten  sind  Karbonate  oder 
Quarz.  Zeolithe  treten  bisweilen,  Turmalin  nie  auf. 

Gruppe  III  kommt  in  basischen  oder  sauren  Gesteinen  vor. 

Gruppe  IV  tritt  in  Verbindung  mit  sauren  oder  inter¬ 
mediären  Eruptivgesteinen  auf. 

Diese  Einteilung  Mörickes  besteht  noch  heute  zu  Recht, 
aber  in  den  seither  verflossenen  25  Jahren  ist  mancherlei 
beobachtet  worden,  woraus  hervorgeht,  daß  alle  Gruppen 
durch  Übergänge  miteinander  verbunden  sind,  ebenso  mit 
Gängen  anderer  Erze  sowie,  daß  sich  mancherlei  neue  Ge¬ 
sichtspunkte  ergeben  für  die  Genesis,  die  geographische 
Verbreitung  und  die  praktische  Beurteilung  dieser  Gänge. 

Die  Gold-Kupfergänge  gliedert  Mjöricke  wieder  in 
eigentliche  Goldlagerstätten,  worin  Gold  dem  Werte  nach 
überwiegt,  z.  B.  Guanaco,  Andacollö,  Inca  de  Oro,  Cachiyuyo 
usw.  und  in  Lagerstätten  mit  reichen  Kupfererzen,  die  in 
der  Regel  einen  sehr  wechselnden  Gehalt  an  Gold  haben, 
z.  B.  Remolinos,  Ojancos,  Tamaya,  Las  Condes.  Daß  Las 
Condes  nicht  unter  die  Gangvorkommen  fällt,  habe  ich 
vorhin  schon  gesagt. 

Es  sind  hier  mehrere  Typen  zusammengefaßt,  die  sich 
bei  näherer  Betrachtung  zweckmäßig  scheiden  lassen,  näm¬ 
lich  solche  Goldkupfererzgänge,  die  an  die  Intrusivmassen 
der  Andengranite  und  Andendiorite  gebunden  sind  (Batho- 
lithe  zum  Teil)  und  denen  Arsen  und  Antimon  immer  fehlen, 
und  solche,  die  mit  deren  Ergußgesteinen  verknüpft  sind 
(Guanaco).  Unter  den  Gängen  im  Andendiorit  haben  wir 
diejenigen  Gänge,  auf  denen  Kupfer  nur  eine  ganz  neben¬ 
sächliche  Rollo  spielt,  der  Goldgehalt  hingegen  bis  in  große 
Teufen  reicht.  Beispiele  dafür 'sind  Inca  de  Oro  und  Cachi- 
yuyo  bei  Copiapö,  San  Cristobal  bei  Antofagasta,  wo  in 
250  m  Teufe  noch  ein  Goldgehalt  von  150  g/t  bekannt  ist8), 
Tiltil  bei  Santiago,  Caballo  Muerto  bei  Chanaral  mit  Gold¬ 
gehalt  bis  200  g,  Conchi  bei  Calama,  El  Espino  bei  Petorca, 
wo  10  bis  15  g  Gold  auf  die  Tonne  mit  nur  l°/o  Cu  zusammen 
sind.  Der  Kupfergehalt  dieser  Gänge  steigt  selten  über 
5o/o,  häufig  geht  der  Goldgehalt  nur  bis  zu  einer  gewissen 
Teufe,  z.  B.  in  Caballo  muerto  bis  80  m,  dann  tritt  Kupfer 
allein  auf.  Dieser  augenscheinlich  primäre  Teufenunterschied 
ist  auch  auf  anderen  Lagerstätten  (Inca  de  Oro,  Paposo) 
beobachtet  worden. 


*)  Mitteilung  des  Herrn  Bergingenieurs  Lossen. 

Zeitscbr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  5 


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_ 6G 

Weiter  treten  im  Andengranit  und  -diorit  die  eigent¬ 
lichen  Kupfergänge  Chiles  mit  gelegentlichem  Goldgehalt 
auf,  der  in  den  oberen  Teufen  natürlich  bisweilen  stark 
konzentriert  sein  kann.  Im  allgemeinen  gilt  für  diese  Lager¬ 
stätten  der  Erfahrungssatz,  daß  der  Goldgehalt  um  so 
niedriger  ist,  je  höher  der  Kupfergehalt  ist  und  umgekehrt. 
Das  Gold  dürfte  in  allen  diesen  Fällen  dem  granodioritischen 
Magma  entstammen;  ist  es  doch  schon  verschiedentlich  in 
chilenischen  und  argentinischen  Graniten  nachgewiesen 
worden.  Geographisch  finden  wir  diese  Lagerstätten  außer¬ 
ordentlich  verbreitet  im  Küstengebiete  von  Mittel-  und  Nord¬ 
chile,  denn  liier  sind  die  granodioritischen  Bathoiithe  durch 
die  Erosion  bereits  in  beträchtlichem  Umfange  freigelegt 
worden.  Sie  fehlen  aber  auch  nicht  in  Südchile  (Gänge 
von  Queucö  bei  Los  Anjeles)  und  an  der  patagonischrn 
Kordillere  (Goldkupfergänge  von  Maiten  im  Chubutgebiet) 
und  sind  wahrscheinlich  im  Gebiete  der  großen  südandinen 
granodioritischen  Bathoiithe  noch  weiter  verbreitet,  aber  noch 
unbekannt,  denn  der  dichte  Pflanzenwruchs  des  patagonischen 
Urwaldes  erschwert  das  Schürfen  ebenso  sehr,  wie  es  die 
Kahlheit  der  Wüsto  in  Nordchile  erleichtert.  In  Peru  ist 
dieser  Typ  dagegen  sehr  selten.  Das  hängt  wohl  damit 
zusammen,  daß  die  großen  granodioritischen  Bathoiithe  noch 
in  weit  höherem  Maße  von  Sedimenten  bedeckt  sind,  so  daß 
dort  nur  Lagerstätten  aufgeschlossen  sind,  die  an  die  Ergu߬ 
formen  dieses  Magmas  gebunden  sind.  In  Kolumbien  scheinen 
die  Gänge  in  entsprechender  geologischer  Stellung,  also 
im  Granodiorit,  als  Goldsilbererzgänge  ausgebildet  zu  sein 
und  nicht  mehr  als  Goldkupfererzgänge,  denn  Kupfererze, 
namentlich  Kupferkies,  spielen  eine  untergeordnete  Rolle; 
dagegen  treten  als  Haupterze  neben  gediegenem  Gold,  mit 
häufig  sehr  hohem  Silbergehalt,  goldhaltige  Pyrite  auf 
(Schwefelkies,  Arsenkies,  Magnetkies),  daneben  Zinkblende, 
Bleiglanz,  gelegentlich  auch  Telluride. 

ln  Kolumbien  kommen  sonst  noch  Kupferkiesgänge  im 
Granit  des  Cerro  Plateado  in  der  Westkordillere  vor,  ebenso 
goldhaltige  Kupferkiesgänge  im  Gebiete  des  Rio  Sucio,  bei¬ 
spielsweise  am  Rio  Tiguairidö.  Doch  kann  man  sich  auf 
Grund  der  spärlichen  Daten  noch  kein  Bild  von  ihrer  syste¬ 
matischen  Stellung  machen. 

Für  diese  eigentlichen  Kupfererzgänge  mit  geringem 
Goldgehalt,  auf  denen  der  Kupferkies  bisweilen  ganz  durch 
Schwefelkies  ersetzt  wird,  möchte  ich  eine  Reihe  von  Bei¬ 
spielen  kurz  an  führen.  Die  Gänge  von  Tamaya  setzen  in 


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Quarzporphyr  und  diesen  unterlagerndem  Gabbrodiorit  auf. 
Auf  die  Zone  der  oxydischen  Erze  folget  eine  Zone  mit 
Kupferglanz,  dann  eine  mit  goldhaltigem  Buntkupfererz 
und  schließlich  Kupferkies  und  Schwefelkies.  Die  Gänge 
von  Remolinos  stecken  im  Amphibolgranit  und  Quarzdiorit. 
Auf  die  goldhaltige  oxydische  Zone  mit  Rotkupfererz,  Kiesei¬ 
kupfer,  Brochantit  und  Atacamit  folgen  in  der  Teufe  Kupfer¬ 
kies  und  Eisenglanz.  Der  Gang  Dulcinea,  der  bis  1100  m 
Teufe  aufgeschlossen  ist,  sitzt  im  Andendiorit.  Die  oxydische 
Zone  reicht  bis  500  m  unter  Tage;  in  ihr  wurden  von  300 
bis  500  m  hauptsächlich  die  sog.  „bionces  negros“  angefahren, 
Kupferindig  und  ähnliches,  mit  einem  Kupfergehalt  bis  zu 
30°/o,  während  die  primären  Erze,  Kupfer-  und  Schwefelkies, 
bis  zu  8  o/o  Cu  haben  mit  wenig  Gold  und  Silber.  Der  Gang 
Poderosa  im  Grubenbezirk  von  Collahuasi  in  Nordchile  tritt 
in  Quarzdiorit  auf.  Als  Erze  brechen  zu  oberst  Chrysokoll 
und  Dioptas,  tiefer  gesellen  sich  dazu  Kuprit,  von  Tenorit 
umrandet,  etwas  Kupferglanz  und  Malachit,  sodann  folgt 
eine  Zone  mit  reichlichem  Kuprit,  etwas  Kupferglanz  und 
eingesprengtem  Bomit  und  schließlich  bis  zur  erreichten 
Teufe  von  155  m  fast  nur  Kupferkies  und  Bornit  mit  wenig 
Rotkupfererz,  Tenorit  und  Kupferglanz.  Um  nur  noch  einige 
weitere  Beispiele  anzuführen,  nenne  ich  die  Lagerstätten  von 
Los  Pozos,  Bella  Vista,  Pastene,  Restauradora,  Ojancos, 
Patacones,  Algarrobo,  Morado,  Moradito,  Animas,  Brillador, 
San  Juan  neben  vielen  anderen.  Gelegentlich  geht  der  Gold¬ 
gehalt  auf  diesen  Gängen  ganz  verloren  und  es  entstehen 
dann  reine  Kupfererzgänge,  wie  diejenigen  von  El  Volcan 
bei  Santiago,  die  aus  dem  Granodiorit,  worin  sie  meist 
taub  sind,  in  Porphyrit  übersetzen.  Hierher  stelle  ich  auch 
die  goldhaltigen  Kupfergänge  der  Sierra  de  las  Minas  in 
Argentinien. 

Die  Oxydationszone  reicht  bei  diesen  Gängen  gewöhn¬ 
lich  sehr  tief;  100  bis  150  m  sind  keine  Seltenheit.  In  ihr 
sind  die  wertvollen  oxydischen  Erze  angehäuft,  die  oft 
ganz  allein  der  Gegenstand  eines  blühenden  Bergbaus  waren. 

Hier  möchte  ich  einige  Beobachtungen  über  eine  ganz 
von  der  Regel  abweichende  Ausbildung  des  eisernen  Hutes 
anschließen,  die  ich  an  chilenischen  Kupfer-  und  an  argen¬ 
tinischen  Bleisilbererzgängen  gemacht  habe. 

In  der  Sierra  de  la  Huerta  in  der  argentinischen  Provinz 
San  Juan  liegt  etwas  oberhalb  der  alten  Bleisilbergrube 
Yansi  die  Grube  Dania,  die  zwei  Gänge  angeritzt  hat,  deren 
einer  vorwiegend  Zinkblende  mit  etwas  Schwefelkies  und 

5* 


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spä tigern  Bleiglanz  führt,  wahrend  auf  dem  anderen  Blei- 
glanz  vorwaltet.  Hier  ist  ,nun  der  eiserne  Hut  ersetzt 
durch  eine  Anhäufung  von  dichtem,  festem  Schwefel, 
daneben  kommt  reichlich  Mangan  vor.  Ebenso  sieht  man 
gediegenen  Schwefel  in  Masse  längs  den  Salbändern  der 
Oxydationszone;  darunter  tritt  etwas  Tetraedrir  auf.  Bei 
der  Umwandlung  der  Sulfiderze  ist  der  Gangquarz  zurück¬ 
geblieben;  auch  sieht  man  im  Schwefel  noch  kleine  Putzen 
von  Bleiglanz. 

In  geringer  Entfernung  davon  liegt  in  der  Quebrada  del 
Cerro  Blanco  die  Grube  Venge  auf  einem  Gange,  der  im 
Gneis  und  Amphibolit  auf  setzt.  Der  eiserne  Hut  dieses 
Ganges  hat  folgende  Beschaffenheit:  an  den  undeutlichen 
Salbändern  tritt  rotes  Eisenoxyd  und  gelber  Eisenocker  auf. 
Der  Gang  selbst  ist  ausgefüllt  mit  gediegenem,  derl)em 
Schwefel  und  mit  zerstückeltem  Quarz  von  sehr  zerfressenem 
Aussehen.  T‘  <)c*  a  von  teilweise  zersetztem,  teilweise  zu 
Jaspis  verKieseitem  Nebengestein  sind  häufig.  Gips  in 
Äderchen  und  vereinzelten  Kristallen  ist  überall  vorhanden. 
Zonenweise  erscheint  lichtbläulicher  Coquimbit.  In  dem  1 
bis  1,5  m  mächtigem  Schwefel  ist  häufig  noch  Gangquarz 
eingeschlossen.  Bei  meinem  Besuche  im  Jahre  1916  waren 
14  m  streichende  Läng©  im  Schwefel  aufgefahren.  Insgesamt 
hat  man  aus  Dania  und  Veng©  an  400  t  gediegenen  Schwefel 
herausgeholt. 

Im  nordwestlichen  Teile  des  Tontalgebirges  in  San 
Juan  (Argentinien)  tritt  in  der  Quebrada  de  Alcaparrosa 
ein  streichender  Gang  auf  von  1,5  bis  2  m  Mächtigkeit, 
der  vollständig  seiner  ganzen  Mächtigkeit  nach  angefüllt 
ist  mit  einem  Gemisch  von  vorwaltendem  Copiapit  mit 
etwas  Coquimbit  und  Hohmannit  und  etwas  Schwefel.  Auf 
Schlüsse  in  der  Teufe  sind  nicht  vorhanden. 

Bei  Tierra  Amarilla,  südöstlich  von  Copiapö,  tritt  ein 
schon  von  J.  Domeyko  erwähnter  Gang  auf,  der  mit  Copiapit 
Fibroferrit,  Kupfervitriol  und  Zinksulfat  (Goslarit)  gefüllt 
ist.  Nach  Sundt9)  tritt  mitten  in  diesen  Sulfatsalzen  eint; 
Vs  m  mächtige  Zone  von  gediegenem  Schwefel  auf,  einige 
Meter  darunter  Schwefelkies  und  Kupferkies. 

Südlich  von  Cerritos  Bayos  bei  Calama  tritt  eine  Reihe 
von  Gängen  auf,  deren  Ausfüllung  aus  Copiapit  mit  etwa* 
Coquimbit  besteht. 


9)  L.  Sundt:  Estudios  jeolöjicos  i  topogräficos  del  Desierto 
i  Puna  de  Atacama.  Bd.  I,  S.  200.  Santiago  de  Chile  1909. 


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Das  Vorkommen  von  gediegenem  Schwefel  ira  eisernen 
Hute  sulfidischer  Erzgänge  ist  schon  öfter  beobachtet  worden, 
aber  mir  ist  nur  ein  einziges  Beispiel  bekannt,  wo  er  in 
so  beträchtlichen  Mengen  auftritt  wie  auf  den  Gruben 
Dania  und  Venge  in  der  Sierra  de  la  Huerta,  nämlich;  die 
Horn  Silver  Mine  in  Utah.  Nach  Vogt  bildet  sich  der 
Schwefel  durch  die  Reaktion  verschiedener  Sulfide  mit 
Eisenchlorid.  Der  normale  Vorgang  ist  ja,  daß  bei  der 
Oxydation  des  Schwefelkieses  Säure  und  Eiscnsulfate  ge¬ 
bildet  werden,  die  zumeist  von  den  Sickerwässern  fort¬ 
gespült  werden,  so  daß  nur  etwas  Eisenoxyd  zurückbleibt. 
Im  Trockenklima  ist  dagegen  die  Möglichkeit  der  Erhaltung 
der  verschiedenen  Sulfate  und  des  Schwefels  gegeben. 

Schwefel  als  Zersetzungsrückstand  von  Sulfiden,  nament¬ 
lich  von  Enargit,  ist  auch  von  den  Enargitgängen  der 
Sierra  de  Famatina  bekannt,  die  in  dieser  Beziehung  an 
die  Enargitlagerstätte  von  Bor  in  Serbiei  cf  ‘mert.  wo  der 
Schwefel  im  eisernen  Hute  gleichfalls  au?  EuuTgit  hervor¬ 
gegangen  ist  und  nicht,  wie  sonst  häufig  genug  auf  Sulfid¬ 
lagerstätten,  spärlich,  sondern  in  Massen  auftritt 

Praktisch  ergibt  sich  hieraus  der  Satz:  In  Trocken¬ 
gebieten  sind  Gangausstriche ,  mit  Eisensulfaten  (Copiapit, 
Coquiinbit,  Hohmannit,  Fibrofcrrit)  oder  gediegenem  Schwefel, 
der  sich  nicht  als  Solfatarenabsatz  erklären  läßt,  oder  mit 
beiden  zusammen,  verdächtig,  die  Ausstriche  sulfidischer 
Erzgänge  zu  sein. 

Den  Cerro  de  Guanaco  reiht  Möricke  auch  unter  seine 
Goldkupfergänge  ein.  Er  enthält  in  den  oberen  60  m  Gold 
in  Quarz  und  Schwerspat  als  Gangart,  darunter  Enargit. 
Es  scheint  mir  zweckmäßig,  das  Hauptgewicht  auf  das  Vor¬ 
kommen  des  Enargits  zu  legen  und  derartige  Lagerstätten 
als  Enargitgänge  auszuscheiden,  sowie  es  Stelzner-Bergeat 
tun.  Es  ist  schon  Stelzner  aufgefallen,  daß  der  Enargit 
eine  ganz  besondere  Stellung  einnimmt,  und  er  hat  für  diese 
Art  Lagerstätten  einmal  den  Ausdruck  „vulkanische  Kupfer¬ 
lagerstätten“10)  gebraucht. 

Die  Enargitgänge  haben  zwei  Hauptmerkmale:  1.  sie 
sind  ausschließlich  an  ziemlich  saure  Eruptivgesteine  ge¬ 
bunden,  und  2.  sie  treten  als  Lagerstätten  fast  nur  in  der 
Umrandung  des  Stillen  Ozeans  auf,  außer  Otavi  und  Bor. 

Eine  kurze  Übersicht  ergibt  folgendes:  an  Andesit 
gebunden  sind  die  Enargitgänge  von  Vacas  Heladas,  Rio 

I0)  Stelzner  :  Beiträge  zur  Geologie  und  Paläontologie  der 
Argentinischen  Republik.  I,  S.  216.  Kassel  und  Berlin,  1885. 


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Seco,  Las  Hediondas  in  Chile  und  die  von  El  Toro,  Moro- 
eocha  und  Quiruvilca  in  Peru,  von  Bor  in  Serbien,  an 
Dazit  die  Gänge  der  Mejicana  im  Famatinagebirge  Argen¬ 
tiniens11),  Guanaco  in  Chile,  Morooocha  in  Peru. 
Gilpin  in  Colorado,  an  Trachyt  der  Cerro  Blanco 
in  Chile  und  das  Vorkommen  auf  der  Philippinen¬ 
insel  Luzön,  an  Liparit  La  Ooipa  in  Chile,  an  Rhyolith 
der  Cerro  de  Paseo  in  Peru,  Summit  in  Colorado,  Tintic 
in  Utah,  an  Granit  oder  Monzonit  Bingham  in  Utah  und 
Butte  in  Montana.  Gilpin,  Summit  und  Bingham  sind  nicht 
als  Energit gange  zu  rechnen. 

Den  goldführenden  Kupfergängen  gegenüber  sind  diese 
Gänge  dadurch  ausgezeichnet,  daß  Arsenverbindungen  immer 
auftreten  (Enargit,  häufig  Mißpickel),  Antimon  Verbindungen 
häufig  (Famatinit,  Tennantit).  Sonst  überwiegen  bald  mehr 
die  Kupfererze,  bald  die  Bleisilbererze,  abgesehen  vom 
Enargit. 

Auf  den  Gängen  des  Famatina  in  Argentinien,  den 
Lagerstättengruppen  Mejicana  und  Los  Bayos,  treten  in 
den  oberen  Teufen  gediegenes  Gold  und  Silber  und  die 
edlen  Silbererze  auf,  darunter  Enargit,  Famatinit,  etwas 
Gold  in  Quarz  und  Schwerspat.  Der  Enargit  weicht  all¬ 
mählich  dem  Schwefelkies  und  dem  selteneren  Kupferkies. 
Mißpicke  1  tritt  auf  diesen  Gängen  reichlich  auf.  Alle  diese 
Erze  sind  goldhaltig.  Erzbringer  sind  Andesit  und  Dazit, 

Ähnlich  ist  die  Erzverteilung  auf  den  Enargitgängen 
von  Quiruvilca,  El  Toro,  Cerro  de  Paseo  und  Morococha 
in  Peru,  wo  zum  Teil  noch  die  Fahlerze  imd  gelegentlich 
Buntkupfererz  hinzutreten,  von  Guanaco  in  Nordchile,  vom 
Gange  Margarita  in  Capillitas  in  Argentinien  und  von  Man- 
cayan  auf  Luzön. 

Die  Gänge  von  Quiruvilca  zerfallen  in  drei  Gruppen: 
Die  südlichen  sind  Silbergänge  mit  quarziger  Gangart,  die 
nördlichen  Silberkupfererzgänge  mit  Enargit  in  quarziger 
Gangart  und  die  nordwestlichen  sind  Silbererzgänge  mit 
barytischer  Gangart.  Auf  den  Enargitgängen  (Morococha, 
Elvira,  Almiranta  usw.)  tritt  der  Enargit  zumeist  in  massiger, 
seltener  in  zonarer  Verwachsung  mit  Schwefelkies  auf. 
Auf  anderen  Gängen  bricht  häufig  Mißpickel  ein,  und  es 
scheint,  daß  sich  diese  beiden  Mineralien  ersetzen.  Neben 


n)  St e lz x er  erwähnt  a.  a.  0.  S.  226  auch  Enargit  aus  den 
goldhaltigen  Pyritgängen  von  Guachi,  Prov.  San  Juan,  Argen¬ 
tinien. 


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diesem  primären  Enargit  kommt  hier  noch  ein  sekundärer 
vor  in  großen  Kristallen,  der  die  normale  Riefung  und 
Streifung  der  Enargitkristalle  vermissen  läßt  und  durch 
kleine  überkrustende  Kupferglanzkristalle  ein  rauhes  Aus¬ 
sehen  erhält.  Die  gleiche  Erscheinung  beschreibt  Lazarevic 
von  Bor,  und  es  dürfte  sich  hier  wie  dort  um  regenerierten 
Enargit  handeln.  Fahlerzc  sind  häufig,  und  ebenso  tritt 
Enargit  mit  Schwefelkies  und  Fahlerzen  auf  den  Gängen 
von  El  Toro  auf. 

In  Cerro  de  Paseo  und  Morocoeha  tritt  der  Enargit 
in  ähnlicher  Weise  zusammen  mit  Pyriten  und  Fahlerzen 
auf,  und  in  Morocoeha  bemerkt  man  ebenso  wie  in  Quiru- 
vilca  einen  Übergang  von  den  Enargit  führenden  Kupfer¬ 
gängen  der  zentralen  Zone  zu  den  Silberkupfergängen  von 
Alpamina. 

Im  Guanaoo  tritt  unter  der  Zone  mit  Quarz,  Freigold 
und  Kupfersilikaten  und  -karbonaten  eine  sehr  bedeutende 
Enargitzone  auf,  die  beispielsweise  auf  dem  Gange  Sileeia 
von  60  bis  172  m  reicht  und  da  in  Pyrite  übergeht.  Ge¬ 
legentlich  tritt  in  der  Enargitmasse  gediegenes  Kupfer  auf, 
das  ich  auch  noch  in  etwa  170  m  Teufe  reichlich  am 
Salbande  neben  dem  Enargit  beobachten  konnte.  Es  ist 
wohl  ohne  weiteres  klar,  daß  es  aus  absteigenden  Lösungen 
durch  die  Einwirkung  der  Sulfide  ausgefällt  worden  ist. 

Für  diejenigen  Enargitgänge,  auf  denen  auch  Bleisilber¬ 
erze  brechen,  kann  die  Lagerstätte  La  Coipa12)  in  der 
Hochkordillere  Nordchiles  als  bezeichnend  gelten.  In  der 
Oxydationszone  treten  gediegenes  Silber  und  Chlorsilber 
auf,  darunter  Silberglanz,  Tetraedrit  und  Tennantit,  ge¬ 
legentlich  etwas  Zinnober,  noch  tiefer  Mißpickei  und  Kupfer¬ 
kies,  wrorin  das  Antimonkupfer  (Famatinit)  und  etwas 
Realgar  Vorkommen,  und  schließlich  folgt  Enargit.  Ein 
gewisser  Goldgehalt  ist  auch  hier  vorhanden,  wTahrend  er 
sonst  dieser  Gruppe  meist  fehlt.  Hierher  gehören  die 
Lagerstätten  von  Vacas  Heladas,  Rio  Seco,  Las  Hediondas 
und  Cerro  Blanco  in  Chile,  die  schon  den  Übergang  zu  den 
Silberlagerstätten  bilden. 

Als  Merkwürdigkeit  sei  das  Vorkommen  des  Enargits 
auf  den  Kupferwolframgängen  von  Mundo  Nuevo  in  Nord¬ 
peru  erwähnt. 


12)  Francisco  J.  San  Roman:  Estudios  jeolöjicos  i  minera- 
löjicos  del  Desierto  i  Oordillera  de  Atacama.  Bd.  II  S.  323. 
Santiago  de  Chile,  1911. 


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72 


Da  Enargit  sonst  schon  ist  und  lagerstättenbildend 
eigentlich  nur  noch  von  Bor  in  Serbien  und  Otavi  in 
Südwestfarika  bekannt  ist,  so  ist  sein  häufiges  und  massen¬ 
haftes  Auftreten  in  den  Gebirgen  um  den  Stillen  Ozean 
herum  rätselhaft,  man  müßte  denn  annehmen,  daß  diese 
Mineralbildung  gerade  den  Magmen  vom  pazifischen  Typ 
eigentümlich  sei.  In  der  Tat  ist  auch  die  Lagerstätte  von 
Bor  an  Granodiorit  gebunden. 

Im  allgemeinen  dürfte  der  Enargit  auf  diesen  Lager¬ 
stätten  primär  sein,  obwohl  er  sich  auch  aus  absteigenden 
alkalinischen  Lösungen  unter  Verdrängung  von  Schwefel¬ 
kies  gebildet  haben  kann.  Darüber  kann  nur  eine  mikro¬ 
skopische  Untersuchung  der  Erze  Aufschluß  geben,  die  ich 
bisher  noch  nicht  ausführen  konnte. 

An  saure  E  r  g  u  ß  gesteinc  gebunden  sind  die  Kupfer¬ 
erzgänge  mit  mehr  oder  weniger  hohem  Silbergehalt,  selten 
mit  Goldgehalt.  Das  Silber  steckt  zumeist  in  den  Fahlerzen, 
doch  brechen  häufig  auch  Bleierze  und  Zinkblende.  Arsen  - 
Verbindungen  sind  häufig  in  der  Form  des  Mißpickeis. 
Derartige  Lagerstätten  finden  sich  besonders  in  Mitte  1- 
chile  und  in  Peru.  Als  Beispiele  seien  angeführt  die  Kupfer¬ 
silbergänge  von  Remolinos  bei  Los  Andes,  von  La  Nipita, 
San  Antonio,  San  Francisco  und  Las  Coimas  bei  Putaendo, 
von  Las  Mercedes  bei  Oabildo  in  Mittelchile  und  diejenigen 
von  Sayapuilo,  Quiruvilca,  Punre,  Colquijirca,  Alpannna, 
Huinac,  Anticona,  Pacacocha,  Casapalca  und  viele  andere 
in  Peru.  Gelegentlich  tritt  an  Stelle  des  Silbergehaltes  ein 
hoher  Goldgehalt,  wie  bei  den  an  Andesit  gebundenen 
Kupfergängen  von  Rosario  bei  Putaendo  in  Chile. 

Diesen  Gängen  schließt  sich  endlich  Mörickes  edle 
Silber-Kupfererzformation  an:  Gänge,  die  in  basischen  Ge¬ 
steinen  (Diabasen,  Augitandcsiten,  Augitporphyriten)  oder 
in  Sedimenten  aufsetzen.  Hierher  gehören  die  berühmten 
Ganggebiete  von  Chanarcillo,  Ladrillos,  Tres  Puntas,  Cara- 
coles. 

Die  Geologie  dieser  Gänge  ist  so  allgemein  bekannt, 
daß  selbst  eine  kurze  Schilderung  unnötig  ist.  Ich  möchte 
deshalb  nur  auf  einige  Punkte  aufmerksam  machen,  die 
mir  von  Wichtigkeit  zu  sein  scheinen. 

Betrachten  wir  zunächst  schematisch  Nebengestein  und 
Vererzung  der  Gänge  von  Ladrillos,  so  sehen  wir  zu  oberst 
tonige  Kalksteine  bis  etwa  430  m  Teufe.  In  der  Oxydation«  - 
zone  liegen  im  Kalkspat  als  Gangart  gediegenes  Silber. 
Chlorsilbcr  und  Bromsilber,  in  der  Zementationszolle  in 


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73 


quarziger  Gangart  Silberglanz.,  Rotgüldigerz,  Polybasit, 
darunter  tritt  gediegenes  Arsen  dazu.  Noch  tiefer  folgen 
in  quarzig- toniger  Gangart  Pyrite  und  endlich  im  Granodiorit 
Kupfererze.  Ebenso  haben  diejenigen  Gruben  von  Checo 
de  Cobre,  die  im  geschichteten  Kalk  liegen,  edle  Silber¬ 
erze  geliefert,  diejenigen  im  kristallinen  Gestein,  das  darunter 
liegt,  Kupfererze.  Im  Huantajaya  bei  Iquique  liegt  unter 
dem  Kalk  quarzhaltiger  Diabasporphyrit,  darunter  Anden- 
diorii.  Im  Kalk  führen  die  Gänge  Silber-  und  Bleierze, 
besonders  Chlorsilber  und  Bleispat,  im  kristallinen  Gestein 
vertauben  sie.  Auch  in  Caracoles  pflegen  die  Gänge  mit 
zunehmender  Tiefe  zu  vertauben,  auf  dem  Gange  Deseada 
wurden  aber  in  400  m  Teufe  im  Porphyr  verstreute  Erze 
von  Pyrit  und  Kupferkies  mit  etwas  Blende  und  Bleiglanz 
gefunden.  Bei  diesen  Lagerstätten  der  edlen  Silberkupfer  - 
erzfonnation  muß  man  also  damit  rechnen,  daß  die  Gänge, 
sofern  sie  im  liegenden  Granodiorit  überhaupt  noch  Erz 
führen,  in  reine  Kupfererzgängc  übergehen. 

Einen  interessanten  Beleg  dafür  bietet  auch  eine  alte 
Beobachtung  von  J.  Domeyko  aus  dem  Lagerstättenbezirk 
von  Agua  Amarga13).  Die  Grube  Aris  hat  dort  in  geschickte- 
teil  Gesteinen  noch  Hornsilber  angetroffen.  In  der  Verlänge¬ 
rung  des  Ganges,  auf  dem  sie  baute,  setzt  ein  Gang  im 
Andengranit  auf,  der  weder  die  Gangart  noch  die  Erze 
der  Silbergänge  hat,  sondern  in  quarziger  Gangart  Kupfer¬ 
karbonat  und  -Silikat  mit  Eisenglimmer,  so  wie  ©3  die 
Kupfergänge  an  der  Küste  ihaben. 

Schon  Domeyko  hat  auf  die  Tatsache  aufmerksam 
gemacht,  daß  die  Lagerstätten  der  edlen  Silbe rkupfererz- 
formation  niemals  westlich  von  dem  Erosionsrande  gefunden 
werden,  der  die  mesozoischen  .Sedimente  (einschließlich  der 
geschichteten  Pürphyritkonglomerate  und  Breccien)  von 
dem  unter  lagernden  Granodiorit  trennt;  die  großen  Vor¬ 
kommen  von  Tres  Puntas,  Ladrillos,  Cabeza  de  Vaea, 
Romero,  Chanarcillo,  Agua  Amarga  usw.  liegen  sogar  un¬ 
mittelbar  an  diesem  Erosionsrande.  Es  ist  auffällig,  daß 
diese  wichtige  Tatsache  in  der  Literatur  niemals  mehr 
erwähnt  worden  ist,  da  sie  doch  geeignet  ist,  einen  Leitfaden 
abzugeben  für  die  Aufsuchung  neuer  derartiger  Lagerstätten, 
die  wrohl  noch  vorhanden  sein  könnten  in  dem  unerforschten 
Gebiete  zwischen  Cachinal  und  Caracoles,  einer  wasserlosen 
und  äußerst  unwirtlichen  Wüste,  wo  in  der  Sierra  de 


13)  J.  Domeyko:  Jeolojia.  Santiago  1903.  S.  253. 


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Palestina  bereits,  wie  es  scheint,  ausgedehnte  Gangzüge 
mit  Bleisilbererzen  entdeckt,  aber  wegen  der  Wildheit  der 
Gegend  noch  nicht  näher  erforscht  worden  sind. 

Auch  hier  bietet  sich  wieder  eine  Gelegenheit,  auf  eine 
ungewöhnliche  Ausbildung  des  eisernen  Hutes  einzugehen, 
nämlich  auf  die  gieße  Menge  von  Chlor-,  Brom-  und  Jod¬ 
silber14).  In  den  Lehrbüchern  findet  man  als  Erklärung 
dafür  gewöhnlich  zwei  Theorien  angeführt:  die  einer  ehe¬ 
maligen  Meeresbedeckung  und  diejenige  von  Ochsenius, 
die  einen  Laugeneinbruch  in  idie  Lagerstätten  anniramfc. 
Beide  sind  unhaltbar.  Für  !die  letztere  ist  gar  kein  Anhalt 
da.  Prüfen  wir  nun  die  Möglichkeit  einer  Meeresbedeckung 
an  einzelnen  Beispielen!  Chanarciilo  liegt  1811  m  hoch  und 
(50  km  vom  Meere  entfernt.  Das  ist  die  Entfernung  Stettins 
von  der  Ostseeküste.  Caraeoles  liegt  2900  m  hoch  und 
150  km  vom  Meere  oder  soweit  wie  Küstrin  von  der  Ost¬ 
see.  Ladrillos  liegt  in  1175  m  70  km  vom  Meere,  Paatos 
Redondos  in  3320  m  130  km,  La  Coipa  3700  m  hoch,  155  km 
vom  Meere  entfernt.  Die  Vorkommen  dieser  Silbererze  liegen 
auf  der  argentinischen  Seite,  auf  dem  Paramillo  de  Uspallata, 
in  2300  m  Höhe  930  km  vom  Atlantischen,  220  km  vom 
Stillen  Ozean  entfernt  und  im  Famatinagebirge  in  Höhen  von 
fast  5000  m  weit  über  1000  km  von  der  Küste  ab.  Obwohl 
wir  außerordentlich  kräftige  epirogenetische  Bewegungen 
recht  jungen  Alters  in  der  Kordillere  haben,  so  genügt  doch 
eine  auch  nur  kurze  morphologische  Betrachtung  der  geo¬ 
logischen  Verhältnisse  jener  Gebiete,  um  zu  zeigen,  daß 
derartige  Niveauschwankungen  und  derartige  Transgressi- 
onen,  wie  wir  sie  hier  nach  der  Theorie  der  Meeresbedeckung 
auf  Grund  obiger  Höhen-  und  Entfernungszahlen  fordern 
müßten,  ganz  ausgeschlossen  sind.  Wir  brauchen  sie  auch 
nicht.  Von  unseren  mitteleuropäischen  Verhältnissen  aus¬ 
gehend,  sind  wir  es  gewohnt,  bei  der  Lagerstätten  Verwitte¬ 
rung  und  der  Herausbildung  sekundärer  Teufonunterscliiede 
reichlicher  Wasserzufuhr  eine  große  Rolle  zuzuweisen.  Alle 
Gebiete,  worin  solche  Erze,  wie  Chlor-,  Brom-,  Jodsilber, 
Atacamit  und  Bnochantit,  Kröhnkit,  Kupfer-  und  Zink  Vitriol, 
Copiapit,  Hohmannit,  Coquimbit,  Fibroferrit  und  gediegener 
Schwefel  als  Verwitterungsrückstand  sulfidischer  Erze  lager¬ 
stättenbildend  auf  treten,  liegen  in  Wüstengebieten.  In 
Wüstengebieten  sind  aber  die  spärlichen  Sickerwässer  außer- 

14)  Vgl.  Fr.  A.  Moesta:  Über  das  Vorkommen  der  Chlor-, 
Broin-  und  Jodverbindunuen  des  Silbers  in  der  Natur.  Marburg^ 
1869. 


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ordentlich  stark  mit  allen  möglichen  Salzen  beladen,  so  daß 
die  chemische  Verwitterung  in  hohem  Grade  wirksam  ist. 
Diese  geringe15),  aber  so  außergewöhnlich  aktive  Sicker¬ 
wassermenge  zieht  noch  einen  weiteren  Umstand  nach  sich: 
Während  reichliche  Sieker  wassermengen  auf  Erzlagerstätten 
die  Oxydationszone  auslaugen,  die  Metalle  in  Lösung  in 
die  Teufe  oder  überhaupt  ganz  wegführen  imd  nur  den 
eisernen  Hut  zurücklassen,  ist  die  spärliche,  aber  chemisch 
viel  stärker  wirksame  Sickerwassermenge  auf  Erzlager¬ 
stätten  in  der  Wüste  meist  nicht  imstande,  große  Metall¬ 
mengen  in  Lösung  wegzuführen,  sondern  sie  wandelt  die 
primären  Mineralien  chemisch  um,  läßt  sie  aber  vielfach 
an  Ort  und  Stelle,  so  daß  dadurch  Oxydationszonen  von 
auffälligem  Reichtum  und  gioßer  Teufenausdehnung  (auf 
der  Dulcinea  bei  Copiapö  beispielsweise  bis  500  m  Teufe) 
entstehen  können16). 

Durch  die  Spärlichkeit  der  lösenden  Wassermenge 
erklärt  sich  auch  leicht  die  Tatsache,  daß  die  Grenze 
zwischen  Oxydations-  und  Zementationszone  häufig  sehr 
verschwommen  ist  und  nicht  selten  im  eisernen  Hut  noch 
größere  Partien  primären  Erzes  anzutreffen  sind.  Auf  Grund 
der  verhältnismäßig  geringen  Auslaugung  der  Oxydations¬ 
zone  kann  man  für  Erzlagerstätten  im  Wüstengebiete  den 
Satz  aufstellen:  reiches  Erz  im  eisernen  Hut  pflegt  ein 
gutes  Anzeichen  für  reiches  Erz  in  der  Teufe  zu  sein. 
Diese  Regel  hat  natürlich  auch  ihre  Ausnahmen. 

Suchen  wir  nun  auf  Grund  dieser  Erwägungen  die 
Entstehung  des  Chlor-,  Brom-  und  Jodsilbers  zu  ergründen. 
Alle  Wässer  der  Wüsten-  und  Steppengebiete  sind  in  hohem 
Maße  mit  Chlornatrium  und  Chlormagnesium  beladen.  Hier 


15)  Gruben  wie  Tres  Puntas  fand  ich  bei  meinem  Besuche 
staubtrocken. 

16)  Die  untere  Grenze  der  Oxydations zone  pflegt  auf  Erz¬ 
gängen  der  Trockengebiete  oft  äußerst  unregelmäßig  zu  ver¬ 
laufen  ;  so  beobachtete  ich  auf  den  Kupfergängen  von  Punta 
del  Cobre  bei  Copiapö,  daß  stellenweise  primäres  Erz  noch  fast  an  der 
Oberfläche  anstand,  während  es  an  anderen  Stellen  erst  150m 
unter  Tage  auftrat.  Die  folgenden  Zahlen  mögen  kurz  die 
Tiefe  der  primären  Zone  auf  einigen  Kupfcrlagerstätten  der 
Atacamawüste  angeben:  Puquios  220m,  El  Morado  100m,  Al- 
garrobito  130  m,  Inca  de  Oro  130  m,  El  Desierto  130  m,  Rincön 
de  Bodega  115  m,  Patacones  50  m,  Ojancos  100  m,  Restauradom 
150  m,  Pastene  85  m,  Bella  Vista  100  m.  Unregelmäßig  ist  auch 
die  Grenze  zwischen  Oxydations-  und  Zementationszone.  Auf 
der  Grube  Bolaco  Nuevo  in  Chafiarcillo  wurde  im  Jahre  1920 
noch  in  600  m  Teufe  gediegenes  Silber  gefunden. 


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hätten  wir  ohne  weiteres  die  Quelle  für  die  Chlorsiiber- 
bildung.  Brom-  und  Jodsilber  kommen  aber  —  abgesehen 
von  Orten,  wo  sie  nur  als  mineralogische  Seltenheiten  auf- 
treten  —  fast  nur  in  der  Atacamawüste  vor,  und  dort  sind 
gleichzeitig  die  großen  Salpeterlagerstätten,  deren  Brorn- 
und  Jodgehalt  bekannt  ist. 

So  enthält  die  eine  Schicht  der  Salpeterlagerstätten,  die 
sogenannten  „chuca“  bis  0,25  <Vo,  die  „costra“  0,1  °/o  Natrium- 
jodat,  der  Lautarit,  d.  i.  der  jodsaure  Kalk,  bis  0,2<>/o  Jod. 
Ochsenics  erwähnt  Natriumbromat  aus  den  Salpeterlagern, 
deren  unterste  Schicht  nicht  selten  Jodsäure  und  Phosphor¬ 
säure  enthält,  letztere  bis  fast  l°/o.  Hieraus  dürfte  viel¬ 
leicht  der  geringe  Phosphorgehalt  der  meisten  Kupfererze 
der  Atacamawüste  abzuleiten  sein,  den  Platner17)  in  ihnen 
durch  zahlreiche  Analysen  nachgewiesen  hat.  Dieser  Brom- 
und  Jodgehalt  entstammt  den  Vulkanen  der  Hochkordiüere, 
an  deren  Flanken  sich,  bisweilen  in  ganz  beträchtlicher 
Höhe,  kleine  Salpeter  Vorkommen  befinden,  wie  z.  B.  am 
Vulkan  von  Copiapö.  Hier  können  sich  die  Sickerwässer 
mit  Jod  und  Brom  beladen  und,  wenn  sie  auf  ihrem  Wege 
Lagerstätten  mit  Silbererzen  antreffen,  die  Bildung  von 
Jodsilber  und  Bromsilber  veranlassen.  Diese  Erklärung 
dürfte  auch  für  manche  Orte  außerhalb  der  Ataeainawüste 
stichhaltig  sein,  weil  sich  Salpeter,  Jod,  Brom  und  erst 
recht  Chlor  gelegentlich  auch  dort  dauernd  oder  zeitweilig 
in  freilich  meist  geringen  Mengen  gebildet  haben  kann. 
Ich  erinnere  an  die  kleinen  Salpetervorkommen  der  Bor- 
borema,  dem  trockenen  Inneren  der  Staaten  Cearä,  Rio 
Grande  do  Norte,  Parahyla  und  Pernambuco  in  Nordost¬ 
brasilien,  an  die  kürzliche  Entdeckung  geringer  Salpeter- 
mengeii  im  Gebirge  von  Cordoba  in  Argentinien. 

Hinzu  kommt  noch,  daß  das  übermäßig  trockene  Klima 
der  in  Rede  stehenden  Gebiete  die  Erhaltung  aller  dieser 
Mineralien,  die  anderswo  höchste  Seltenheiten  sind,  außer¬ 
ordentlich  begünstigt.  Je  mehr  neuerdings  in  den  Trocken¬ 
gebieten  auf  diese  Mineralien  geachtet  wird,  desto  häufiger 
werden  sie  entdeckt.  So  dürfte  sich  wohl  bei  näherer  Nach¬ 
prüfung  ein  guter  Teil  der  von  argentinischen  Kupfer¬ 
lagerstätten  erwähnten  Malachite  als  Atacamit  herausstellen. 

Ältere  Forscher,  wie  Domeyko  und  Lastabria1*),  haben 
in  der  Ivordillere  eine  Anordnung  der  verschiedenen  Gruppen 
von  Lagerstätten  in  Längszonen  angenommen,  die  später 

17)  Mündliche  Mitteilung. 

1Ji)  AY.  Lastakhia:  L’industrie  miniere  au  Chili.  Paris  1890. 


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bestritten  wurde.  Bis  zu  einem  gewissen  Grade  stimmt 
das  doch,  insofern  nämlich,  als  der  Bau  der  Kordiliere  ja 
zonar  ist.  Wir  haben,  schematisch  gesprochen,  im  Westen 
die  Küstenkordillere,  nach  Osten  folgend  die  aus  der  andinen 
Geosynklinale  hervorgegangene  Hochkordillere,  danach  die 
angegliederten  Reste  der  herzynischen  Vorkordillere  und 
endlich  ganz  im  Osten,  zum  Teil  angegliedert,  zum  Teil 
die  selbständigen  pampinen  Sierren  bildend,  die  Reste  der 
kaledonischen  Kordiliere.  Die  großen  andengranitischen 
Batholithe  sind  nun  ganz  besonders  in  die  Fuge  zwischen 
Küstenkordillere  und  Hochkordillere  eingedrungen  und  hier 
zum  guten  Teil  durch  die  Abtragung  bloßgelegt,  daher 
sehen  wir  hier  die  reinen  Goldquarzgänge,  die  Goldsilber¬ 
gänge  Kolumbiens,  die  goldhaltigen  Kupfererzgänge,  die 
eine  lange  Zone  im  Westen  bilden.  In  der  patagonischen 
Kordiliere  sind  diese  Batholithe  auch  bloßgelegt.  Die  späte 
und  spärliche  Besiedelung  sowie  der  dichte  Urwald  haben 
aber  die  Untersuchung  auf  Lagerstätten  noch  hintangehalten. 
Wo  Kupferlagerstätten  schon  bekannt  geworden  sind, 
scheinen  sie  durchaus  den  entsprechenden  Typen  in  gleich¬ 
artiger  geologischer  Stellung  in  den  nördlicheren  Teilen 
zuzugehören.  Auch  auf  der  Ostseite,  in  der  Vorkordillere, 
sind  die  granodioritischen  Batholithe  zum  Teil  schon  ent¬ 
blößt,  und  wo  wir  dort  Kupferlagerstätten  finden,  lassen 
sie  sich  in  die  entsprechenden  Gruppen  des  Westens  ein¬ 
reihen.  Es  wurde  schon  erwähnt,  daß  auch  die  gold¬ 
haltigen  Kupfererzgänge  der  Sierra  de  las  Minas  in  Argen¬ 
tinien  hierher  gehören  dürften.  Freilich  handelt  es  sich 
dort  um  sehr  alte  Batholithe.  Eine  sichere  Einreihung 
der  dortigen  Gänge  können  wir  erst  dann  vornehmen,  wenn 
ihr  Alter  zweifellos  klargeetellt  ist.  In  der  andinen  Geo¬ 
synklinale  dagegen  liegen  die  Batholithe  zumeist  noch  tief 
unter  den  Sedimenten  begraben.  Diese  sind  durchbrochen 
von  den  verschiedensten  Effusivformen  der  granodioritischen 
Magmen,  und  dementsprechend  sind  die  Typen  der  Lager¬ 
stätten,  die  daran  geknüpft  sind,  verschieden.  Dem  Magma 
noch  am  nächsten  dürften  die  edlen  Silberkupfererzgänge  sein, 
denen  die  Kupfererzgänge  mit  mehr  oder  weniger  reichem 
Silbergehalt  und  als  magmafernste  die  Enargitgänge  folgen. 

Die  Kupferlagerstätten  mit  verstreutem  armem  Erz 
sind  dagegen  als  Imprägnationen  an  Zerrüttungszonen  ge¬ 
bunden  und  daher  unabhängiger  von  den  großen  tektonischen 
Einheiten  der  Kordilleren. 


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3.  Beiträge  zur  tektonischen  Deutung  der  Kluft¬ 
systeme  im  sächsischen  Quadergebirge. 

Von  Herrn  Hermann  Foerster  in  Leipzig. 

(Mit  5  Textabbildungen.) 

Inhalt.  Seile 

I.  Allgemeines  .  79 

II.  Erweiterung  der  Lose  zu  Klüften .  82 

1.  Mechanische  Lockerung  durch  AVasser .  83 

2.  Chemische  Verwitterung .  84 

3.  Spaltenfrost .  85 

4.  AVind,  Insolation,  Temperaturunterschiede,  Neigung 

auf  nachgebender  Unterlage .  86 

6.  Wirkungen  der  \regetation .  86 

HI.  Einfluß  aus  früheren  geologischen  Perioden .  86 

IV.  Die  Kluftsysteme  .  87 

A)  Das  Lausitzer  System .  88 

a)  Elbtalge birgische  Hauptrichtung .  88 

b)  Abgelenkte  Richtungen .  93 

1.  AVildsteiner  Richtung .  93 

2.  Sternberger  Richtung  .  95 

3.  AVolfsberger  Richtung .  95 

B)  Das  Erzgebirgische  System .  99 

a)  Frauenstein — Dippoldiswaldaer  Hauptriclitung  .  99 

b)  Abgelenkte  Kamnitzer  Richtung . 101 

V.  Die  Tektonik  der  sächsischen  Kreide . 101 

a)  Hebung  des  Erzgebirges,  Absinken  der  Kreide¬ 
mulde,  Entstehung  des  Lausitzer  Kluftsystems  .  102 

b)  Die  Entstehung  des  erzgebirgischen  Systems  .  .  105 

VT.  Der  Granit  und  die  Rückfaltung . 107 

VTL  Das  Grundgebirge .  110 

VIII.  Ergebnis . 113 

Literaturnachwei  s. 

Beck:  Über  die  korradierende  AVirkung  des  AVindes  im  Gebiete 
des  Quadersandsteines  der  Sächsischen  Schweiz.  Zeitschr. 
d.  Deutsch.  Geol.  Ges.,  1894. 

Beck:  Über  Litoralbildungen  in  der  Sächsischen  Kreide. 
Bbyeb:  Alaun  und  Gips  als  Mineralneubildungen  und  als  Ur¬ 
sachen  der  chemischen  Arerwitterung  in  den  Quadersand¬ 
steinen  des  sächsischen  Kreidegebietes.  Zeitschr.  d.  Deutsch. 
Geol.  Ges.,  1911. 

Hettner:  Gebirgsbau  und  Oberflächengestaltung  der  Sächsischen 
Schweiz.  Stuttgart  1887. 


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79 


Kossmat:  Die  mediterranen  Kettengebirge  in  ihrer  Beziehung 
zum  Gleichgewichtszustände  der  Erdrinde.  Abhandlg.  d. 
math.-phys.  Klasse  d.  Sachs.  Akad.  d.  >Wiss.,  Bd.  XXXVIII. 

Obst  :  Die  Oberflächengestaltung  der  schlesisch-böhmischen  Kreide¬ 
ablagerungen.  Mitteil.  d.  Geograph.  Ges.  in  Hamburg  1909. 

Pietzsch:  Das  Elbtalschiefergebiet  südöstlich  von  Pirna.  Zeitschr. 
d.  Deutsch.  Geol.  Ges.,  1917. 


Scupix  :  Über  sudetische  prätertiäre  Junge  Krustenbewegungen 
und  die  Verteilung  von  Wasser  und  Land  zur  Kreidezeit 
in  der  Umgebung  der  Sudeten  und  des  Erzgebirges.  Zeit¬ 
schrift  f.  Naturwiss.,  1910. 

vox  Staff:  Die  Geomorphogenie  und  Tektonik  des  Gebietes  der 
Lausitzer  Überschiebung.  Geol.  u.  pal.  Abhandlungen,  X.  F. 
Bd.  13,  Heft  2. 

Dazu :  Geologische  Karte  von  Sachsen  1 : 25  000 
Blatt  Pirna 
„  Königstein 
„  Sebnitz 
„  Hinterhermsdorf 
„  Bosenthal 
„  Großer  Winterberg 


mit  Erläuterungen 


I.  Allgemeines. 

Im  Gebiete  der  sächsischen  Kreidetafel  treten  eigen¬ 
tümliche  Kluftsysteme  zutage,  welche  sowohl  in  ihrem 
Streichen  wie  in  ihrem  Fallen  einen  auffälligen  Parallelis¬ 
mus  betätigen;  schon  Gütbier  widmet  in  seinen  „Geo- 
gnostischen  Skizzen“  diesem  Klüftungsphänomen  ein  be¬ 
sonderes  Kapitel.  Selbstverständlich  kann  dieser  Parallelis¬ 
mus  kein  starrer,  streng  geometrischer  sein,  sondern  es 
kommen  oft  Abweichungen  von  der  Hauptrichtung  vor ; 
dieselben  sind  jedoch  nur  von  untergeordneter  lokaler  Be¬ 
deutung  und  können  das  herrschende  Prinzip  in  keiner 
Weise  beeinflussen. 

Im  allgemeinen  ist  das  Streichen  der  Klüfte  auf  weite 
Entfernungen  hin  durchaus  in  dem  gleichen  Sinne  orien¬ 
tiert;  Abweichungen  von  der  Hauptrichtung  finden  in  be¬ 
sonders  charakteristisch  ausgeprägten  Gebieten  kaum  statt, 
höchstens  um  etwa  ±5°. 

Die  Gesetzmäßigkeit  im  Verlauf  der  Klüfte  schließt 
deren  Deutung  als  Schrumpfungsrisse,  wie  es  früher  ge¬ 
schehen  ist,  von  vornherein  aus.  Da  die  Klüfte  außerdem 
einheitlich  im  Streichen  und  Fallen  mächtige  Schiehtpakete 
durchsetzen,  kommen  für  ihre  Entstehung  nur  tektonische 
Kräfte  in  Frage,  worauf  auch  Beck  bei  der  geologischen 
Aufnahme  des  Gebietes  hingewiesen  hat,  der  zwei  senk¬ 
recht  sich  schneidende  Kluftsysteme  unterscheidet,  ein  nord¬ 
östlich  und  ein  nordwestlich  streichendes. 


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80 


Größere  Abweichungen  haben  ihren  Grund  in  meist  | 
klar  erkennbaren  Umstanden,  z.  B.  in  einer  lokalen  Ände-  | 
rung  der  richtunggebenden  tektonischen  Kräfte,  wodurch 
die  Klüfte  in  ihrem  Streichen  gewissermaßen  unsicher  wer-  ' 
den,  oder  in  einer  Interferenz  durch  ein  anderes  Kluft¬ 
system,  oder  in  einem  Abdrücken  durch  aufquellende 
Magmen. 

Untergeordneter  erfolgte  die  Anlage  von  Klüften  nicht¬ 
tektonischer  Natur  schon  bei  der  Sedimentation  durch  Nach¬ 
sacken,  ungleichmäßiges  Austrocknen,  durch  petro- 
graphische  Faziesänderung  oder  sonstige  lokale  Umstände. 
Wurden  solche  Fugen  später  freigelegt  oder  von  der  Erosion 
erweitert,  so  entstanden  sogenannte  „Wilde  Klüfte“,  welche 
von  den  echten  tektonischen  Klüften  wohl  zu  unter¬ 
scheiden  sind. 

Vorherrschend  sind  seigere  Klüfte,  welche  sowohl  durch 
die  turonen,  wie  durch  die  cenomanen  Quaderbänke  unge¬ 
hindert  hindurchsetzen.  Jedoch  trifft  man  auch  Klüfte, 
welche  plötzlich  an  einer  Schichtfuge  ihren  Fallwinkel 
ändern,  um  nun  in  der  neuen  Richtung  das  Liegende  weiter¬ 
hin  zu  durchsetzen  oder  aber,  um  an  einer  tiefer  ge¬ 
legenen  Schichtfuge  wieder  die  alte  Fallrichtung  aufzu¬ 
nehmen.  Es  kommt  auch  vor,  daß  sieh  eine  Kluft  in 
mehrere  sekundäre  Klüfte  zerschlägt,  welche  nach  einiger 
Zeit  des  Divergiere  ns  entweder  eine  untereinander  parallele 
Richtung  einnehmen  oder  sich  wieder  zu  der  ursprüng¬ 
lichen  Richtung  vereinigen.  Wellenförmige,  listrischc  Ab- 
scherungsflächcn  sind  seltener  zu  beobachten. 

Der  Zweck  der  vorliegenden  Arbeit  ist,  die  Beziehun¬ 
gen  der  Kluftsysteme  zur  Tektonik  der  Sächsischen  Schweiz 
zu  untersuchen.  Es  mußte  daher  zunächst  eine  eingehende 
Aufnahme  möglichst  vieler,  und  vor  allem  möglichst  charak¬ 
teristischer  Klüfte  erfolgen.  Eine  Messung  sämtlicher 
Klüfte  überhaupt  ist  unmöglich;  denn  ein  großer  Teil  der¬ 
selben  ist  von  Blockwerk  überrollt  oder  von  dicken  Humus¬ 
schichten  bedeckt  oder  befindet  sich  an  unzugänglichen 
Stellen,  ganz  abgesehen  davon,  daß  wir  tatsächlich  nur 
einen  verhältnismäßig  kleinen  Teil  aller  Klüfte  überhaupt 
kartierend  verfolgen  können. 

Die  Messungen  wurden  im  allgemeinen  dort  vor¬ 
genommen,  wo  sich  die  Klüfte  auf  weite  Entfernungen 
hin  gut  verfolgen  lassen;  am  geeignetsten  hierzu  sind 
vegetationslose  Felsvorsprünge  und  Rodeland  auf  den  Höhen 
von  Wänden;  aber  auch  größere  Höhlen  und  Felsüberhänge. 


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81 


die  quer  von  Klüften  durchsetzt  werden,  lieferten  gute 
Ergebnisse.  Am  Fuße  freistehender  Wände  wurden  Messun¬ 
gen  im  allgemeinen  vermieden ;  durch  Einwirkung  von 
Spaltenfrost,  Erosion  und  anderen  geologischen  Faktoren 
können  hier  leicht  Absprengungen  entstehen,  welche  zu 
Irrtümern  Veranlassung  geben;  insbesondere  besteht  diese 
Gefahr  dort,  wo  sogenannte  „Wilde  Klüfte“  auftreten  oder 
wo  durch  nachträgliche  Rutschungen  eine  Schiefstellung  der 
Wand  erfolgt  ist.  Unbedenklich  ist  dagegen  das  Messen 
freier  Wände  dort,  wo  dieselben  als  Begrenzung  von 
Kesseln  auf  größere  Entfernung  staffelförmig  hintereinander 
in  gleicher  Richtung  abbrechen,  so  daß  auf  diese  Weise 
eine  einheitliche  Linie  gegeben  ist.  Auch  Messungen  in 
engen,  unübersichtlichen  Schluchten  können  zu  Quellen  von 
Irrtümern  werden,  weil  es  nicht  ausgeschlossen  ist,  daß 
unwesentliche  Teilstücke  sich  lokal  häufen  und  so  eine  ge¬ 
wisse  Bedeutung  Vortäuschen. 

Oft  kann  man  den  Verlauf  der  Klüfte  einer  Wand  über 
eine  Schlucht  oder  einen  Kessel  hinweg  in  die  gegen¬ 
überliegende  Wand  verfolgen.  So  gewähren  besonders  die 
Bärfangwände,  das  Raubschloß,  der  Lorenzstein,  Teich  stein 
u.  a.  infolge  der  Zersägung  der  Kreideplatte  durch  den 
Großen  und  Kleinen  Zschand  und  andere  Täler  einen  her¬ 
vorragend  guten  Einblick  in  die  einheitliche  Anlage  und 
konsequente  Fortführung  der  Klüfte. 

Im  Verlauf  der  Arbeit  wurde  das  sächsische  und  ein 
Teil  des  böhmischen  Kreidegebietes  bis  zu  der  Linie  Rathe¬ 
walde — Wehlen — Berggießhübel  im  Westen  auf  vorhandene 
Klüfte  untersucht.  Da  es  sich  in  vorliegender  Arbeit 
nicht  darum  handelt,  alle  gemessenen  Klüfte  einfach 
nur  aufzuzählen,  sondern  den  Zusammenhang  zwischen  den 
Kluftsystemen  und  der  Tektonik  der  Kreideplatte  aufzu¬ 
decken,  so  haben  besonders  charakteristische  Gebiete,  die 
wertvolle  Schlüsse  gestatten,  eine  bevorzugte  Darstellung 
erfahren  gegenüber  solchen,  die  für  die  Beurteilung  tek¬ 
tonischer  Fragen  weniger  wertvoll  erschienen. 

Bezüglich  der  ziffernmäßigen  Belege  sei  folgendes  be¬ 
merkt:  Wenn  auf  einem  kleinen  Raume  beispielsweise 
100  Klüfte  zwischen  N  50°  0  und  N  60°  0  gemessen  werden, 
so  erschien  es  unnötig,  sämtliche  sich  fortgesetzt  wieder¬ 
holenden  100  Zahlen  hintereinander  aufzuführen;  in  diesem 
Falle  wurden  nur  die  Grenzwerte  angegeben,  also  N  50°  O 
bis  N  60°  O;  verteilten  sich  die  Ergebnisse  nicht  gleich¬ 
mäßig  auf  die  zwischen  50  und  60  liegenden  Zahlen,  so 

Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  6 


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82 


daß  etwa  die  Mehrzahl  der  Klüfte  ein  Streichen  zwischen 
N  55  bis  58°  O  hatte,  so  ist  das  stets  besonders  angegeben. 
Das  gemessene  Streichen  ist  in  allen  Fällen  unter  Berück¬ 
sichtigung  der  Deklination  in  das  wahre  Streichen  umge¬ 
rechnet  worden. 

II.  Erweiterung  der  Lose  zu  Klüften. 

Die  gegenwärtig  als  Klüfte,  Steilwände,  Schluchten 
und  Täler  in  Erscheinung  tretenden  Spalten  sind  im  Gestein 
ursprünglich  nur  als  haarfeine  Fugen  oder  Spaltrisse  ange¬ 
legt;  oder  was  dasselbe  besagt:  die  im  Gestein  ursprüng¬ 
lich  angelegten  Fugen  wurden  später  und  werden  gegen¬ 
wärtig  noch  zu  Klüften,  Schluchten,  Tälern  usw.  erweitert. 
Der  Steinbrecher  nennt  diese  feinen,  im  Gestein  verborgenen 
Spaltrisse  „Lose“;  es  soll  dieser  Ausdruck  auch  hier  Ver¬ 
wendung  finden,  da  die  oft  gebrauchte  Bezeichnung  „Druck¬ 
fugen"  der  Entstehung  der  Klüfte  nicht  entspricht. 

Die  Erweiterung  der  Lose  zu  Klüften  hat  bereits  in 
früheren  geologischen  Perioden  stattgefunden  und  findet 
gegenwärtig  noch  statt.  Ungezählte  Lose  sind  im  Wechsel 
geologischer  Zeiten  bereits  zu  Klüften,  Spalten,  Schluch¬ 
ten,  Tälern  erweitert  worden  und  mit  dem  denudierten 
Gestcin  schließlich  wieder  verschwunden;  ungezählte  wer¬ 
den  noch  dieselbe  Entwicklung  nehmen,  bis  der  letzte 
Quadcrblock  verschwunden  ist. 

Für  die  Erweiterung  der  Lose  zu  Klüften  kommt 
hauptsächlich  die  Verwitterung  in  Frage.  Es  ist  prinzipiell 
daran  festzuhalten,  daß  alle  geologischen  Faktoren,  die 
unter  dem  Begriff  Verwitterung  zusammengefaßt  werden, 
auch  tatsächlich  an  dieser  Verwitterung  teilhaben,  also 
nicht  nur  einzelne,  z.  B.  nur  das  Wasser  oder  nur  der 
Wind. 

Natürlich  haben  diese  Faktoren  sich  nicht  zu  allen 
Zeiten  in  gleicher  Weise  betätigt,  sondern  in  den  ver¬ 
schiedenen  geologischen  Perioden  je  nach  dem  Klima  ver¬ 
schieden  intensiv.  Wenn  Obst  schreibt,  „selbst  einer  auch 
nur  einigermaßen  bedeutungsvollen  Erweiterung  der  Klüfte 
durch  die  Verwitterung  wird  man  nicht  beipflichten“,  so 
ist  das  entschieden  eine  Verkennung  der  Tatsachen.  Denn 
gerade  die  Verwitterung  ist  wohl  der  wichtigste  Faktor, 
der  für  die  Erweiterung  der  Klüfte  in  Frage  kommt. 
Welchen  Einfluß  sie  hat,  wird  aus  den  folgenden  Erörterun¬ 
gen  zur  Genüge  hervorgehen  ;  hier  sei  vorläufig  nur  darauf 


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83 


hingewiesen,  daß  beinahe  jeder  Wasserlauf  seinen  Weg 
den  Kluftsystemen  entlang  nimmt,  entweder  das  eine  oder 
das  andere  oder  beide  im  Zickzack  benutzend. 

Die  eine  Erweiterung  der  Klüfte  bewirkenden  Faktoren 
sind  im  einzelnen  folgende: 

1.  Mechanische  Lockerung  durch  Wässer, 

2.  Chemische  Verwitterung, 

3.  Spaltenfrost, 

4.  Wind,  Insolation,  Temperaturunterschiede,  Neigung 
auf  nachgebender  Unterlage, 

5.  Wirkungen  der  Vegetation. 

1.  Mechanische  Lockerung  durch  Wässer. 

Durch  das  über  die  Oberfläche  hinspülende  Regen¬ 
wasser  findet  eine  rein  mechanische  Erweichung  und 
schließliche  Wegführung  des  Zements  statt,  wodurch  die 
Quarzkörner  des  Gesteins  den  Zusammenhang  untereinander 
verlieren.  Wenn  auch  die  mechanische  Lockerung  nur  an 
der  Oberfläche  selbst  und  in  ganz  geringer  Entfernung 
von  dieser  stattfinden  kann,  so  werden  doch  dadurch,  daß 
der  Schutt  andauernd  von  Regen  und  Wind  weggeführt 
wird,  immer  neue  Schichten  der  Lockerung  zugänglich 
gemacht. 

Infolge  des  geringen  Widerstandes  des  Gesteins  längs 
der  Lose  findet  natürlich  in  dieser  Richtung  eine  inten¬ 
sivere  Einwirkung  statt,  wodurch  kleine,  etwas  vertiefte 
Rinnen  entstehen,  die  der  späteren  Erosion  den  Weg  weisen. 
So  kommt  es,  daß  die  Täler  der  Sächsischen  Schweiz  in 
der  Mehrzahl  einer  bestimmten  Kluftrichtung  folgen, 
während  die  von  diesen  abzweigenden  Nebenschluchten  die 
andere  Kluftrichtung  als  Weg  benutzen. 

Bei  vollständig  horizontaler  Schichtenlage  erfolgt  das 
Eingraben  des  Oberflächenwassers  auch  dergestalt,  daß 
abwechselnd  die  eine  und  die  andere  Kluftrichtung  benutzt 
wird,  so  daß  eine  Zickzacklinie  entsteht.  Manche  iso¬ 
lierte  Felsen,  insbesondere  die  Talkessel  der  sogenannten 
Hinteren  Sächsischen  Schweiz  zeigen  dann  staffelförmig  vor- 
und  zurück  tretende  Wände. 

Die  Auswertung  eines  kleinen  geologischen  Vorganges 
in  unabsehbaren  Zeiträumen  zu  gewaltiger  Wirkung  läßt 
sich  ermessen,  wenn  man  typische  Beispiele  betrachtet.  Die 
nackte  Oberfläche  vegetationsloser  Höhen  zeigt  die  Kluft¬ 
systeme  in  ihrer  ersten  Anlage  als  feine  schnurförmige, 
geradlinige  Vertiefungen;  die  zwischenliegenden  Gesteins- 

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84 


platten  sind  sanft  erhaben.  Nach  jedem  größeren  Regen 
erscheinen  die  Kluftlinien  oben  wie  scharf  ausgemeiselt, 
Quarzkörner  gucken  mit  ihren  scharfen  Spitzen  leicht  aus 
dem  Zement,  andere  stecken  nur  noch  mit  ihrem  unteren 
Teil  darinnen,  daneben  sieht  man  Löcher  im  Zement,  aus 
denen  die  Quarzkörner  herausgebrochen  sind,  während  die 
meist  nur  erst  wenige  Zentimeter  tiefe  und  wenige  Milli¬ 
meter  breite  Kluft  mit  losen  Körnern  angefüllt  ist.  Räumt 
man  dieselbe  aus,  so  hat  man  nach  einigen  Monaten  wieder 
die  alte  Erscheinung. 

2.  Chemische  Verwitterung. 

Nicht  alles  Wasser  läuft  oberflächlich  ab,  ein  TeiL 
sickert  in  das  Gestein  ein  und  tritt  später  als  Quell-  oder 
auch  als  Schwitzwasser  wieder  zutage.  Hettneb  meint, 
„die  Wirkung  dieses  Schwitzwassers  ist  eine  rein  mecha^ 
nische“,  und  an  anderer  Stelle,  daß  die  graue  Kruste 
des  Sandsteins  „nicht  auf  einer  chemischen  Umwandlung4  ‘ 
beruhe.  Obst  sagt,  „die  Quadersandsteine  verwittern  ledig¬ 
lich  mechanisch“. 

Demgegenüber  hat  Beyer  die  allgemeine  Verbreitung 
und  die  große  Bedeutung  der  chemischen  Verwitterung 
gezeigt.  „Die  Entwickelung  der  charakteristischen  und 
bekannten  Kleinformen  im  Quadersandstein  der  Sächsischen 
Schweiz,  der  Waben,  Steingitter,  Löcher  und  Höhlchcn 
ist  in  erster  Linie  auf  chemische  Verwitterung  zurück¬ 
zuführen“. 

An  besonders  geschützten  Stellen,  unter  Überhängen, 
in  Höhlen  findet  man  oft  ganz  feine,  fadenförmige  Klüfte; 
fährt  man  mit  einem  Blatt  Papier  in  denselben  entlang, 
so  fällt  ein  feines  Pulver  heraus,  welches  sich  schon 
bei  oberflächlicher  Prüfung  als  der  von  Beyer  beschriebene 
Alaun  erweist.  Nach  längerer  Zeit  hat  sich  der  feine 
Spalt  mit  erneuten  Ausblühungen  bedeckt.  Beyer  bemerkt 
hierüber:  „Diese  chemischen  Vorgänge  sind  an  die  Gegen¬ 
wart  zirkulierender  Wässer  gebunden,  weiche  freie 
Schwefsäure  enthalten.  Sie  bestehen  zunächst  in  der  Zer¬ 
störung  des  Bindemittels  im  Sandstein  durch  Entziehung 
von  Aluminium,  Kalzium  und  Kalium  und  in  der  Neu¬ 
bildung  von  Kali-Ammoniumalaun  und  Gips“. 

Die  prinzipielle  Bedeutung  dieses  Vorganges  gegenüber 
der  mechanischen  Lockerung  liegt  darin,  daß  bei  dieser 
hauptsächlich  ein  oberflächliches  Erweitern  der  Klüfte  nach 
der  Breite  stattfindet,  während  hier  ein  Erweitern  derselben 


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nach  der  Tiefe  erfolgt  und  an  solchen  Stellen,  die  gegen 
Oberflächenwasser  geschützt  sind. 

Der  sedimentäre  Ursprung  des  Eibsandsteingebirges  legt 
in  Analogie  mit  anderweitem  Vorkommen  von  Schwefelkies 
in  Mergeln,  Mooren  usw.  die  Vermutung  nahe,  daß  dieser 
auch  hier  sedimentärer  Herkunft  sei.  Es  muß  jedoch 
auf  fallen,  daß  derselbe  gleichmäßig  auf  alle  Horizonte  ver¬ 
teilt  ist,  während  doch  bei  sedimentärer  Entstehung  in 
den  verschiedenen  Horizonten  eine  Anreicherung  oder  Ver¬ 
minderung  stattfinden  mußte,  je  nach  den  verschiedenen 
Bildungsbedingungen. 

Hierzu  kommt,  daß  Schwefelkies  und  mit  ihm  die  von 
Beyer  beschriebenen  Ausblühungen  in  größerem  Umfange 
nur  in  dem  tektonisch  stark  beanspruchten  nördlichen  Flügel 
der  Sächsischen  Schweiz  bekannt  sind;  ganz  besonders 
häufig  ist  deren  Auftreten  in  der  Nähe  von  Basaltaüf- 
brüchen,  z.  B.  am  Zschirnstein,  Winterberg,  Goldstein. 
Das  Vorkommen  von  Schwefelkies  steht  somit  wohl  mit 
den  vulkanischen  Ereignissen  und  der  Tektonik  des  ganzen 
Gebietes  in  Zusammenhang,  so  daß  man  nicht  fehlgeht, 
denselben  als  postvulkanisch  anzusprechen. 

3.  S  p  a  1 1  e  n  f  r  o  s  t. 

Ganz  enorme  Bedeutung  kommt  bei  der  Erweiterung 
der  Klüfte  dem  Spaltenfrost  zu.  Dieser  kann  sich  in 
doppelter  Weise  äußern:  Von  innen  heraus,  wie  auch  von 
außen  angreifend.  An  freistehenden  Kluftflächen  bemerkt 
man  ein  Austreten  des  Sickerwassers  nicht  nur  auf  den 
Schichtfugen,  sondern  fein  verteilt  auch  an  der  ganzen 
Wand.  Diese  das  Bindemittel  des  Sandsteins  füllende  Berg¬ 
feuchtigkeit  äußert  vermöge  ihrer  Expansion  bei  der 
Kristallisation  eine  ziemlich  bedeutende  Sprengwirkung  und 
bringt  an  den  freien  Kluftflächen  die  gelockerten  Quarz¬ 
körner  zum  Absanden. 

An  besonders  engen  Spalten,  die  beim  nächtlichen 
Wiedergefrieren  des  hineingclaufenen  Schmelzwassers  vom 
Eis  vollständig  ausgefüllt  werden,  erfolgt  neben  der  i>e- 
schriebenen  Wirkung  von  innen  zugleich  ein  Absprengen 
der  Quarzkörner  von  außen,  so  daß  die  Erweiterung  solcher 
Klüfte  sehr  rasche  Fortschritte  macht.  Von  der  gewaltigen 
Wirkung  des  Spaltenfrostes  kann  man  sich  leicht  über¬ 
zeugen,  wenn  man  die  Sohle  von  Klüften  im  Herbste 
sorgfältig  reinigt  und  im  Frühjahr  den  angesammelten 
Quarzsand  feststellt. 


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4.  Wind,  Insolation,  Temperaturunter¬ 
schiede,  Neigung  auf  nachgebender  Unter¬ 
lage. 

Nur  von  lokaler  Bedeutung  und  auf  vegetationslose 
Hochflächen  beschränkt  sind  die  Wirkungen  von  Wind, 
Insolation  und  schroffem  Temperaturwechsel.  Besonders 
der  Einfluß  des  ersteren  kann  sich  an  Orten  mit  größerer 
Sandschüttung,  die  gegenüber  angreifenden  Stürmen  günstig 
gelegen  sind,  zu  beträchtlicher  Höhe  steigern. 

Eine  Erweiterung  der  Klüfte  erfolgt  auch  dadurch, 
daß  sich  einzelne  Wände  infolge  Nachgebens  der  Unter¬ 
lage  seitwärts  neigen.  In  diesem  seitlichen  Neigen  der 
Wände  sieht  Obst  sogar  den  Hauptgrund  für  die  Er¬ 
weiterung  der  Spalten,  wenn  nämlich  „nunmehr  die  ver¬ 
tikalen  Tafeln,  gleichsam  aufatmend,  von  dem  starken  seit¬ 
lichen  Druck,  unter  dem  sie  bisher  gestanden,  sich  all¬ 
mählich  seitlich  zu  neigen  beginnen". 

5.  Wirkungen  der  Vegetation. 

Auch  Organismen  wirken  in  besonderen  Fällen  kluft¬ 
verbreiternd,  sei  es  auf  chemische  Weise  durch  Abscheidung 
von  lösenden  Säuren,  wie  es  bei  manchen  Algen,  Moosen 
usw.  der  Fall  ist,  sei  es,  wie  bei  den  Wurzeln  von 
Bäumen,  rein  mechanisch.  Natürlich  können  die  Or¬ 
ganismen  als  kluftverbreiternder  Faktor  nur  geringe  lokale 
Bedeutung  beanspruchen. 

III.  Einfluß  aus  früheren  geologischen  Perioden. 

Wenn  die  Einwirkung  all  dieser  Faktoren  natürlich  im 
einzelnen  Falle  klein  und  unbedeutend  ist,  so  summiert 
sie  sich  doch  im  Laufe  geologischer  Perioden  zu  gewaltigen 
Größen.  Zu  dieser  Summierung  der  Gesamtwirkung  als 
einer  Folge  der  Zeit  kommt  nun  noch  eine  Potenzierung  der 
einzelnen  Faktoren  in  den  verschiedenen  geologischen 
Perioden.  Die  Erweiterung  der  Lose  zu  Klüften  durch 
Verwitterung  begann  natürlich  sofort  mit  der  Heraushebung 
der  Kreideplatte  aus  dem  Meere,  und  jede  folgende  geo¬ 
logische  Periode  hat  sich  in  der  ihren  klimatischen  Ver¬ 
hältnissen  entsprechenden  Weise  betätigt. 

Das  tropische  Klima  des  Frühtertiärs  z.  B.  bewirkte 
durch  Insolation  usw.  einen  mechanischen  Zerfall  des  Ge¬ 
steins,  der  sich  natürlich  in  der  Richtung  der  Lose  als 
bereits  beanspruchten  Zonen  ganz  besonders  intensiv  er¬ 
weisen  mußte. 


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Im  Oligozän  erfolgte  bei  einer  tiefen  Verwitterung 
während  der  heißen  und  trockenen  Sommer  und  Fortr 
scnarfung  aes  tianaes  wanrenö  der  regenreichen  Winter 
die  Herausbildung  einer  Rumpffläche.  Erst  im  Pliozän 
setzte  die  neue  Modellierung  mit  größerer  Stärke  ein. 

So  fand  die  beginnende  diluviale  Eiszeit  ein  bereits  vor¬ 
präpariertes  Feld  für  ihre  weitere  modellierende  Tätigkeit 

Wenn  auch  allem  Anscheine  nach  das  Gebiet  der 
Sächsischen  Schweiz  selbst  eisfrei  gewesen  ist,  so  steht 
die  Einwirkung  der  klimatischen  Faktoren  dieser  Periode 
doch  bei  der  unmittelbaren  Nachbarschaft  außer  Frage. 
Wir  befinden  uns  hier  im  Gebiete  der  „periglazialen  Fa¬ 
zies“  Loszinskis.  Wegen  seiner  völligen  Vegetationslosig- 
keit  war  das  Gestein  schutzlos  und  daher  intensiver  Be¬ 
arbeitung  leicht  zugänglich.  Bedeutende  Insolation  am  Tage 
in  Verbindung  mit  enormen  nächtlichen  Temperaturstürzen 
wirkten  mechanisch  zertrümmernd;  bei  der  feuchten  Luft 
und  dem  tiefen  Temperaturstand  während  der  Nacht  konnte 
9ich  auch  der  Spaltenfrost  in  ausgiebiger  Weise  betätigen. 
Dann  «führten  die  gewaltigen  Steppenstürme  der  post¬ 
glazialen  Zeit  das  aufbereitete  Material  ohne  weiteres  als 
Sandstrahlgebläse  gegen  die  bereits  früher  herausmodellier¬ 
ten  Klüfte. 

Eine  erodierende  Tätigkeit  diluvialer  Schmelz wässer 
dagegen  kommt  wohl  nicht  in  Frage,  sicher  wenigstens  haben 
diese  keine  entscheidende  Rolle  gespielt.  Denn  einmal  sind 
die  Schmelzwässer  am  Rande  des  Eises  als  Stauwässer 
zu  denken,  also  ohne  besondere  Erosionskraft;  dann  aber 
fehlen  im  Bereiche  der  Kreide  diluviale  Aufschüttungs¬ 
massen,  wie  auch  die  Feuersteingrenze  zum  größten  Teil 
um  deren  Gebiet  herum  verläuft. 

Vergl.  Staff:  „Mithin  werden  wir  annehmen  dürfen, 
daß  unmittelbar  am  vorgeschobensten  Eisrande  weder  die 
verfügbare  Zeit,  noch  die  Mächtigkeit  des  Eises  ausreichte, 
hier  nennenswerte  Reliefveränderungen  herbeizuführen. 
Hatte  doch  das  Eis  hier  ein  Gegengefälie  zu  überwinden 
und  wurde  demzufolge  von  seinen  eigenen  Schmelzwässern 
fortgesetzt  seines  wirksamsten  Hobels,  der  Grundmöräne, 
durch  subglaziale  Unterwaschung  beraubt.“ 

IV.  Die  Kluftsysteme. 

Für  die  Messung  und  Beurteilung  der  Klüfte  eignet  sich 
der  rechts  der  Elbe  gelegene  Teil  der  Sächsischen  Schweiz 
in  hervorragendem  Maße,  der  linkselbische  Flügel  da- 


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gegen  nur  bis  etwa  zu  der  Linie  Langenhennersdorf — Reich¬ 
stein— Niedergrund,  während  die  äußerste  Südspitze 
(Rosenthaler,  Cunnersdorfer,  Christianburger,  Schneeberger 
.Revier)  kaum  in  Betracht  kommt.  Diese  Reviere  liegen 
bereits  auf  dem  gehobenen  Erzgebirgsflügel  und  sind  bei 
dessen  Empor  Wölbung  wohl  mit  gehoben,  sonst  aber  tek¬ 
tonisch  wenig  beansprucht  worden;  dagegen  ist  der  mittlere 
und  nördliche  Teil  der  Sächsischen  Schweiz  bei  der  Heraus¬ 
hebung  der  Erzgebirgsscholle  in  erheblichem  Grade  tek¬ 
tonisch  beeinflußt  worden. 

Schon  rein  orographisch  tritt  diese  Verschiedenheit  in 
die  Erscheinung.  Die  im  Elbgebiet  herrschenden  zahllosen 
Klüfte  bieten  der  Verwitterung  leichte  Angriffspunkte,  wes¬ 
halb  dieser  Teil  des  Quadergebirges  aus  vielen  engen 
Schluchten,  steilen  Wänden,  isolierten  „Steinen“  usw.  be¬ 
steht.  Ein  ganz  anderes  Bild  bietet  der  Südflügel.  Infolge 
der  geringen  tektonischen  Inanspruchnahme  sind  die  Kluft¬ 
systeme  nur  sehr  mäßig  ausgebildet,  weshalb  auch  die 
scharfkantigen  Reliefformen  zurücktreten. 

So  zeigt  dieser  Teil  des  Sandsteingebirges  einen  ähn¬ 
lichen  Charakter  wie  das  benachbarte  Gneisgebiet:  an 
Stelle  schroffer  Wände  und  steiler  Abfälle  eine  milde, 
sanft  geböschte  Hügellandschaft.  Die  Verwitterung  äußerte 
sich  hier  in  einer  mehr  gleichmäßigen  Denudation  des 
ganzen  Komplexes,  nicht  in  der  Herausbildung  eines  so 
vielgestalteten  Reliefs  wie  im  nördlichen  Teile. 

Eine  Ausnahme  macht  das  Gebiet  der  Tyssaer  Wände, 
das  außerordentlich  reich  geklüftet  ist.  Hier  stößt  die  Erz 
gebirgsflexur  auf  die  über  Weesenstein— Burkhards  w  aide  — 
Berggießhübel — Gottleuba  streichenden  Falten  des  Elbtal¬ 
schiefergebirges.  Das  Aufeinanderstoßen  zweier  konträrer 
Tendenzen  bewirkte  eine  gewaltige  Kraftäußerung,  in 
deren  Verlauf  es  nicht  nur  zu  einer  bloßen  Anlage  von 
Diaklasen  kam,  sondern  zu  einer  relativen  Zertrümmerung 
des  zwischen  beiden  Kraftrichtungen  eingeklemmten  Kreide¬ 
komplexes.  Die  in  der  nächsten  Umgebung  von  Tyssa 
so  zahlreichen  Basaltdurchschlägc  können  wohl  auch  als 
ein  Beweis  lebhafterer  tektonischer  Tätigkeit  gerade  in 
diesem  Gebiete  gelten.  Wohl  sind  die  Täler  und  lang- 
gezogenen  Kessel  der  Tyssaer  Wände  in  elbtalgebirgiscliem 
und  erzgebirgischem  Sinne  orientiert;  jedoch  hat  weitgehende 
Erosion  die  Klüfte  derart  erweitert,  abgerundet,  die  Wände 
zum  Einstürzen  gebracht,  daß  sich  dieses  Gebiet  für  Messun¬ 
gen  nicht  eignet. 


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Die  Klüfte  der  Sächsischen  Schweiz  lassen  sich  in 
zwei  Systeme  zusammenfassen: 

das  Lausitzer  System, 
parallel  der  Lausitzer  Granitüberschiebung,  imd 
das  Erzgebirgißche  System, 
der  Fortsetzung  der  Erzgebirgsflexur  entsprechend.  Die 
zahlreichen  Messungen  im  Arbeitsgebiete  während  der  Jahre 
1919,  1920  und  1921  haben  nun  zu  dem  Ergebnis  geführt, 
daß  beide  Systeme  wieder  in  Unterabteilungen  gegliedert 
werden  können,  je  nachdem,  ob  eine  der  beiden  Haupt¬ 
richtungen  herrscht  oder  ob  durch  Interferenz  beider  Systeme 
abgelenkte  Richtungen  auf  treten. 

A.  Lausitzer  System. 

a)  Elbtalgebirgische  Hauptrichtung; 

b)  abgelenkte  Richtungen: 

1.  Wildsteiner  Richtung, 

2.  Sternberger  Richtung, 

3.  Wolfsberger  Richtung. 

B.  F.  r  z  g  e  b  i  r  g  i  s  c  h  e  s  System. 

a)  Frauenstein — Dippoldiswaldaer  Hauptrichtung; 

b)  abgelenkte  Kamnitzer  Richtung. 

A.  Lausitzer  System. 

Die  Klüfte  dieses  Systems  streichen  parallel  der  Lau¬ 
sitzer  Überschiebungslinie.  Dieser  Parallelismus  ist  um  so 
augenfälliger,  als  die  Klüfte  dem  Verlauf  des  Granitrandes 
nicht  nur  im  allgemeinen  folgen,  sondern  jede  Abbiegung 
desselben  beharrlich  mitmachen,  so  daß  eine  äußerst  voll¬ 
kommene  Übereinstimmung  entsteht. 

a)  Elbtalgebirgische  Hauptrichtung. 

Die  zu  dieser  Einheit  zusammengefaßten  Klüfte  sind 
parallel  den  paläozoischen  Falten  des  Elbtalschiefergebirges 
und  den  alten  Quetschzonen  des  Lausitzer  Granitmassivs. 

Da  das  paläozoische4  Faltensystem  nicht  eine  einfache 
Linie  darstellt,  sondern  aus  einem  Bündel  bald  konver¬ 
gierender,  bald  divergierender  Faltenzüge  bestellt,  so  ist 
das  von  diesem  abhängige  Kluftsystem  in  seiner  Streich¬ 
richtung  gewissen  Schwankungen  unterworfen. 

Als  Mittel  des  Streichens  wurde  der  Quarzgang  Falken¬ 
hain  —  Weesenstein  —  Seidewitz  —  Fricdrichswalde  ange¬ 
nommen  =  N  50°  W. 

Verlauf  der  Lausitzer  Störungslinie: 

N  55°  W. 


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Verlauf  der  Klüfte: 

I.  Rechts  der  Elbe. 

1.  Gebiet  zwischen  Uttewalder  Grund — Straße  Lohmen- 
Hohnstein— Amselgrund — Elbe. 

Wände  des  Uttewalder  Grundes,  des  Basteigebietes  und 
der  Gansfelsen. 

Die  Klüfte  variieren  zwischen 
N  55°  W  und  N  62°  W. 

Die  Mehrzahl  der  Klüfte  hält  sich  in  den  engen  Grenzen 
N  59°  W  bis  N  61°  W,  und  zwar  machen  die  N  59°  YV  und 
N  60°  W  streichenden  Klüfte  genau  die  Hälfte  aller  ge¬ 
messenen  zwischen  N  55°  W  und  N  62°  W  aus. 

2.  Gebiet  zwischen  Amselgrund — Hohnstein — Waitz¬ 
dorf— Kohlmühle — Schandau — Elbe. 

a)  Hohnstein,  Kaltes  Loch,  Schindergraben. 

Der  untere  Grenzwert  der  Klüfte  ist 

N  52°  W,  der  obere  N  67°  W.  In  der  Mehrzahl  streichen 
die  Klüfte  zwischen  N  60°  W  und  N  64°  W. 

b)  Waitzdorf  er  Wände. 

Da3  Streichen  verteilt  sich  ziemlich  gleichmäßig  auf 
N  65°  W  bis  N  74°  W, 

und  zwar  so,  daß  die  Klüfte  mit  dem  niedrigeren  Werte 
im  westlichen,  mit  dem  höheren  Werte  im  östlichen  Teile 
liegen. 

c)  Schulzengrund. 

Die  Kluftrichtung  liegt  zwischen 

N  62°  W  und  N  66°  W. 

d)  Lilienstein. 

Die  Kluftrichtungen  bewegen  sich  zwischen 
N  (58°  W  und  N  74°  W, 

am  meisten  vertreten  sind  die  Richtungen  N  69°  W, 
N  70c  W,  N  71°  W. 

3.  Gebiet  der  Schrammsteine,  Affensteine,  Thorwalder 
Wände. 

a)  Längs  dem  über  die  Schrammsteine  führenden  Grat¬ 
wege  sind  Klüfte  recht  häufig,  welche  zwischen 

N  34°  W  und  N  39°  W 

streichen. 


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Ferner:  Zahnsgrund:  N  40  bis  45°  W, 

Schrammtor:  N  42  bis  46°  W, 

Zurückeweg:  N  40°  W. 

Auf  den  gegen  die  Elbe  abfallenden  Wänden  in  der 
Nähe  des  Schrammtores  liegt  das  Streichen  der  Klüfte 


zwischen 


N  42°  W  und  N  46°  W. 


b)  Auf  den  gegen  den  Zschand  hin  abfallenden,  mit 
verschiedenen  Namen  belegten  Wänden  des  weiteren  Affen¬ 
steingebietes  variieren  die  Kluftrichtungen  zwischen 

N  35°  W  und  N  45°  W. 

Heringstein:  N  39  bis  43°  W, 

Langes  Horn:  N  36  bis  42°  W, 
Bloßstockgebiet:  N  36  bis  45°  W, 

Spegenhorn:  N  40  bis  45°  W, 

Bärfangwände  N  30  bis  35°  W, 

Raubschloß  N  30  bis  35°  W. 


c)  In  den  vorderen  Thorwalder  Wänden  sind  Klüfte  von 
N  45°  W  bis  N  50°  W 

herrschend. 

Thorwalder  Wände:  N  40  bis  50°  W, 
Kiefernhöhe:  N  35  bis  40°  W, 

Flügelwände  N  35  bis  40°  W, 

Partschenhörner :  N  40  bis  45°  W. 


II.  Links  der  Elbe. 

1.  Gebiet  zwischen  Elbe — Straße  Pötzscha  -  Naundorf  - 
Langenhennersdorf — Bielatal. 

a)  Breite  Heide. 

Die  Klüfte  streichen  zwischen 

N  63°  W  und  N  66°  W. 

b)  Labyrinth — Nikolsdorfer  Wände— Bemhardstein. 

Unterer  Grenzwert  der  Klüfte  ist 

N  57°  W,  oberer  N  67°  W. 

Besonders  charakteristisch  sind  die  Klüfte  von  N  61°  W 
bis  66°  W. 

c)  Bärenstein. 

Auf  dem  Bärenstein,  dessen  Klüfte  ziemlich  unregel¬ 
mäßig  verlaufen,  herrschen  solche  vor  mit  einem  mittleren 
Streichen  von  vr  w 


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2.  Gebiet  zwischen  Bielatal— Elbe — Landesgrenze. 

a)  Pfaffenstein,  Papststein. 

Die  Klüfte  variieren  zwischen 

N  58°  W  und  N  66°  W. 

Am  deutlichsten  ausgeprägt  und  zugleich  in  der  Mehr¬ 
zahl  vorhanden  sind  die  Klüfte  von  N  63  bis  65°  W. 

b)  Gohrisch. 

Die  meisten  Klüfte  des  hier  sehr  unruhigen  Kluft¬ 
systems  streichen  zwischen 

N  43°  W  und  N  50°  W. 

c)  Großer  Zschirnstein. 

Das  Streichen  der  Klüfte  am  Abhang  des  Großen 
Zschirnsteines  bewegt  sich  zwischen 

N  40°  W  und  N  52°  W. 

Einen  hervorragenden  Platz  im  System  nehmen  die  im 
Zuge  Bärenstein — Gohrisch— Zschirnstein  liegenden  Klüfte 
ein.  Dieser  Zug  läuft  aus  in  die  bekannte  Aufsattelung 
des  paläozoischen  Schieforgcbirges  bei  Mittelgrund,  so  daß 
hier  also  der  Zusammenhang  des  Kluftsystems  mit  dem 
paläozoischen  Faltenzuge  tatsächlich  gegeben  ist. 

Auffallen  muß,  daß  in  fast  allen  Gebieten  neben  den 
normalen  Klüften  um  X  50°  W  auch  solche  auftreten,  welche 
die  Grenze  nach  oben  wrie  nach  unten  bedeutend  über¬ 
schreiten,  ja  in  einzelnen  Gegenden  sogar  herrschend 
werden.  Die  Ablenkung  der  Klüfte  vom  normalen  elbtal- 
gebirgisehen  Streichen  beruht  auf  zwei  Ursachen. 

1.  Lokal  w  erden  Störungen  im  Streichen  durch  Basaltauf* 
brüche  hervorgerufen,  besonders  im  Gebiete  der  sogenaimten 
Hinteren  Sächsischen  Schweiz,  also  im  Winterberg-Affen¬ 
steingebiet,  wo  auf  engem  Raume  eine  verhältnismäßig  große 
Anzahl  von  Basaltdurehbrüchen  stattgefunden  hat.  Die 
größten  Abweichungen  vom  normalen  Streichen  herrschen 
stets  in  der  Nähe  des  Basaltganges  selbst,  in  einiger  Ent¬ 
fernung  von  demselben  wird  dagegen  das  Streichen  allmäh¬ 
lich  wieder  normal. 

2.  Eine  größere  Bedeutung  als  den  Basalten  kommt  der 
Eizgebirgsflexur  zu  und  den  zahlreichen  sie  begleitenden 
Porphyrgängen,  welche  die  unter  die  Kreide  untertauchende 
Gneiskuppel  in  erzgebirgischer  Richtung  durchsetzen.  Unter 
dem  Einfluß  derselben  werden  die  elbtalgebirgischen  Klüfte 
an  verschiedenen  Stellen  in  eine  westnordwestliche  Richtung 


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abge lenkt,  ohne  daß  aber  dadurch  das  elbtalgebirgische 
Streichen  in  seiner  Gesamtheit  beeinträchtigt  würde. 

b)  AbgeienkteRichtungen. 

1.  Wiidsteiner  Richtung. 

Nördlich  Schandau  trifft  auf  die  in  sudetischer  Rieh* 
tung  verlaufende  Lausitzer  Hauptstönmg,  die  nach  NO 
gerichtete  erzgebirgische  Tendenz.  Die  beiden  einander 
etwa  rechtwinklig  schneidenden  Kraftrichtungen  beeinflussen 
sich  nun  gegenseitig  so,  daß  als  Komponente  zwischen 
beiden  eine  neue,  abgelenkte  Richtung  entsteht: 

Die  Wildsteiner  Richtung  =  N  70  bis  75°  0. 

Im  Gebiete  östlich  Schandau  haben  wir  also  zwei 
Kluftrichtungen:  die  alte  elbtaJgebirgische  Hauptrichtung 
und  die  abgelenkte  Wildsteiner;  beide  schneiden  sich  unter 
einem  spitzen  Winkel.  Wie  ein  großer  Teil  der  Klüfte  die 
neue  Richtung  annimmt,  so  wird  auch  die  Lausitzer  Störungsl- 
linie  unter  dem  Einfluß  der  erzgebirgischen  Tendenz  nach 
N  70°  O  abgelenkt. 

Verlauf  der  Klüfte: 

Gebiet  zwischen  Schandau — Altendorf — Kirnitzschtal- 
straße — Großer  Zschand — Landesgrenze — Elbe. 

a)  Schrammsteine. 

Die  Kluftrichtungen  in  diesem  Gebiete  bewegen  sich 
innerhalb  der  Grenzen  von 

N  60°  O  bis  N  80°  0. 

Besonders  typisch  sind  folgende  Klüfte: 

Schrammtor:  N  68°  O  bis  N  79°  0, 

Gratweg:  N  67°  O  bis  N  74°  0, 

Rotkehlchenstiege:  N  66°  O  bis  N  68°  O. 

b)  Dom,  Carolafelsen,  Heringsgrund. 

Die  weitaus  größte  Zahl  der  Klüfte  hält  ein  Streichen 
inne  von  N  73<,  Q  bis  N  76«  0 

Es  treten  jedoch  auch  seltene  Klüfte  bis  hinunter  zu 
X  61 c  0  auf. 

c)  Winterberggebiet: 

Lehne,  Breites  Horn:  Das  Streichen  der  Klüfte  erfolgt 
vornehmlich  zwischen 

N  65°  O  und  N  69°  O. 


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94 


Kleiner  Winterberg:  Die  untere  Grenze  für  die  Streid 
richtung  der  Klüfte  liegt  bei 

N  61°  0,  obere  bei  N  72°  0. 


Als  besonders  charakteristisch  müssen  die  in  übci 
wiegender  Mehrheit  auftretenden  Klüfte  zwischen  N  67°  ( 
und  N  72°  0  angesprochen  worden.  Außerdem  aber  sin 
auch  folgende  anomale  Klüfte  gemessen  worden:  N  50°  C 
N  80°  O. 


Heringstein : 
zwischen 


Die  Streichrichtung  der  Klüfte 
N  63°  0  und  N  70°  0, 


lieg 


hauptsächlich  aber  bei  N  67°  0,  N  68°  0,  N  69°  0. 
Gleitmanns  Horn:  Untere  Grenze  ist  hier 


N  62°  0,  oberste  N  68°  0. 
d)  Zeughaus  und  Thorwalder  Gebiet. 
Barfangwände:  Das  Streichen  der  Klüfte  verteilt  sid 
regelmäßig  auf  die  Werte 

N  65°  0  bis  N  70°  O. 


Raubschloß:  Neben  den  herrschenden  Klüften  von 


N  70°  0  bis  N  73°  O 

treten  auch  seltener  solche  von  N  68°  0  und  N  77°  0  auf 
Kuhstall:  Besonders  charakteristische  Klüfte  streichen 
zwischen  N  67»  q  und  N  76°  0. 


Böses  Horn,  Spitzes  Horn:  Das  Streichen  der  Klüfte 
verteilt  sich  durchaus  regelmäßig  auf  die  Werte: 


Thorwalder 

Klüfte 


N  74°  0  bis  N  77°  0. 

Wände:  Bei  .weitem  vorherrschend  sind 
N  76°  0, 


doch  treten  auch  öfter  solche  bis  N  70°  0  auf. 

Grenzwände  bei  Schmilka  .  N  75°  O  bis  N  82°  O, 

Silberwand  . N  75°  O  bis  N  80°  O, 

Auerhahnwand . N  78°  0  bis  N  85°  0, 

Weberschlüchte . N  70°  O  bis  N  80°  0, 

Sandschlüchte . N  76°  O  bis  N  85°  0. 

Zwischen  Saupsdorf  und  Hinterhermsdorf  erfolgt  wieder 
eine  Annäherung  an  die  elbtalgebirgische  Richtung  =  N  7 5: 
bis  80°  W. 

Paß-  und  Lindigtgrund  .  .  N  78°  W  bis  N  83°  W, 

Quasengrund  undllollstraße  N  73°  W  bis  N  78°  W, 

Hühnerkropf . N  73°  W  bis  N  78°  W, 


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Rabenstein  .  . 
Schweinelöcher  . 
Schwarzes  Tor  . 


95 


N  75°  W  bis  N  70°  W, 

N  70°  W  bis  N  75°  W, 

N  75°  W  bis  N  78°  W. 

2.  Sternberger  Richtung. 

Während  die  Wildsteiner  Richtung  eine  mittlere  Kompo¬ 
nente  darstellt  zwischen  der  elbtalgebirgischen  und  der 
erzgebirgischen  Richtung,  gelangt  im  Raume  Hinterherms¬ 
dorf — Zeidler — Khaa  die  erzgebirgische  Tendenz  entschieden 
zur  Vorherrschaft,  so  daß  eine  Ablenkung  der  bei  Saups- 
dorf  N  75 — 80°  W  streichenden  elbtalgebirgischen  Klüfte 


nach  N  55 — 60°  O  erfolgt  =  Sternberger  Richtung. 
Paß-  und  Hantzschengrund  .  .  .  .  N  58—62°  O, 

Paß-  und  Lindigtgrund . N  58 — 62°  O, 

südlich  Hoher  Stein . N  55 — 60°  O, 

östlich  Benediktstein . N  56 — 62°  O, 

Böhmisches  Raubschloß . N  57—65°  C), 

südlich  Taufstein . N  58—62°  (), 

Käs  und  Brot . N  62°  O, 

Rotes  Floß . N  60—63°  O, 

Hengstgrund . N  60 — 63°  O, 

südlich  Neuhaus . N  60 — 65°  O, 

Wüstes  Schloß . N  58-62°  O. 


3.  Wolfsberger  Richtung. 

Die  Klüfte  der  Wolfsberger  Richtung  sind  aus  der  elb¬ 
talgebirgischen  Richtung  unter  dem  Einfluß  des  ostsude- 
tischcn  Streichens  abgelenkt  nach 

N  20°  W. 

Sie  treten  ebenfalls  im  Raume  Hinterhermsdorf,  Zeidler, 
Khaa  auf  und  schneiden  sich  beinahe  rechtwinklig  mit 
den  Klüften  Sternberger  Richtung. 


Böhmisches  Raubschloß . N  25°  W, 

Taufstein . N  16—22°  W, 

Bittier . N  22°  W, 

Käs  und  Brot . N  15—20°  W, 

Rotes  Floß . N  20°  W, 

Hengstgrund . N  18 — 23°  W, 

Teufelstein  . N  18°  W, 

Schatzkammer . N  18—20°  VV. 


Der  Kluftverlauf  in  der  Sächsischen  Schweiz  ist  wichtig 
für  die  Beurteilung  der  Frage,  ob  der  unregelmäßige  Ver 


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lauf  der  Lausitzer  Störung"  als  Erosionskontur  einer  Über¬ 
schiebung  aufzufassen  ist  oder  ob  er  tatsächlich  auf  einer 
gewundenen  Anordnung  der  Hauptstörung  beruht. 

Von  Eschdorf  verläuft  die  Störung  über  Hohnstein 
bis  Schandau  parallel  der  elbtalgebir gischen  Kluftrichtung; 
mit  dem  Umbrechen  der  letzteren  an  der  Hohen  Liebe  in 
die  Wildsteiner  Richtung  biegt  auch  die  Störungslinie  in 
die  neue  Richtung  um.  Bei  Saupsdorf  nähert  sich  die  Wild¬ 
steiner  Richtung  wieder  mehr  der  elbtalgebirgischen,  worauf 
auch  die  Störungslinie  sofort  diese  Richtung  einschlägt.  Der 
Sternberger  Kluftrichtung  folgt  die  Granitgrenze  in  einem 
flachen  Bogen  von  Hinterhermsdorf — Zeidler;  hier  nimmt 
sie  mit  dem  Übergang  der  Klüfte  in  das  sudetische  Streichen 
in  einem  scharfen  Knick  ebenfalls  sudetische  Richtung  ein. 

Den  gesamten  Verlauf  der  Störungslinie  von  Eschdorf 
bis  Khaa  begleitet  eine  Quetsch-  und  Zerrüttungszone,  vor¬ 
nehmlich  des  Granits,  teilweise  auch  des  Sandsteins.  Von 
besonderer  Wichtigkeit  aber  sind  die  Jurafetzen,  welche 
sich  neben  Hohnstein  hauptsächlich  im  Bogen  von  Hinter¬ 
hermsdorf — Zeidler— Khaa  eingeklemmt  zwischen  Granit  und 
Kreide  erhalten  haben.  Bei.  Wolfsberg  ist  ebenfalls  im 
Schutze  der  Überschiebung  eine  Rotliegendscholle  erhalten. 
Verscliiedentlich  ist  auch  Cenoman  längs  der  Störungslinie 
auf  Turon  überschoben. 

Alle  diese  Tatsachen,  insbesondere  aber  die  völlige 
Übereinstimmung  der  Störungslinie  in  allen  ihren  Phasen 
mit  dem  Verlauf  der  Kluftsysteme  sprechen  dafür,  daß  der 
Verlauf  der  Granitgrenze  keine  Erosionskontur  ist.  son¬ 
dern  tatsächlich  auf  gewundener  Anordnung 
der  Hauptstörung  beruht. 

Die  Schwenkungen  aus  dem  variskisehen  in  das  sude¬ 
tische  Streichen  und  umgekehrt  erfolgen  nicht  allmählich 
lx>genförmig,  sondern  plötzlich  mit  einem  scharfen  Knick, 
ähnlich  einem  gebrochenen  Stab.  An  den  Umbiegestellen 
schneiden  sich  dann  die  Klüfte  der  alten  und  der  neuen 
Richtung  gitter förmig,  da  die  ersteren  noch  ein  Stück 
weiter  streichen,  wenn  die  letzteren  bereits  in  Erscheinung 
treten.  Diese  Verhältnisse  lassen  sich  gut  verfolgen  am 
Sporn  von  Schandau,  in  der  Nähe  der  Kimitzschschänke 
und  im  Raume  Hinterhermsdorf — Zeidler — Khaa. 

Südlich  des  Sporns  von  Schandau,  an  der  Hohen  Liebe, 
im  Falkenstein-  und  Schrammsteingebiet  schneiden  sich  die 
Kluftrichtungen  N  50°  W  und  N  75°  O,  also  elbtalgebirgische 
und  Wilds teiner  Richtung. 


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97 


Tn  der  Nähe  der  Kirnitzschschänke  treffen  wir  im 
Paß*.  Hantzschen-,  Lindigt-  und  Quasengrund,  an  der  Holl¬ 
straße.  am  Hühnerkropf  und  Habenstein  Klüfte,  welche 
X  75°  W  und  N  60°  O  streiclien;  erstere  entsprechen  der 
elbtalgebirgischen,  letztere  der  Sternl)erger  Richtung. 

Besonders  aber  im  engen  Raume  des  Rogens  von  Hinter  - 
hermsdorf—  Zeidler — Khaa  bilden  die  Klüfte  mit  variski- 
schem  und  sudetischem  Streichen  ein  förmliches  Gitterwerk. 
Die  Art  der  Wendung  aus  dem  variskischen  in  das  sude- 
tische  Streichen  ist  aus  der  schematischen  Zeichnung  in  der 
Anlage  zu  ersehen  (Abb.  1). 

Das  Fallen  der  Klüfte  Lausitzer  Richtung. 

In  ihrer  erdrückenden  Mehrheit  stehen  die  Klüfte  Lau¬ 
sitzer  Richtung  seiger,  von  den  gemessenen  Klüften  etwa 


Abb.  1.  Die  Wendung  aus  dem  variskischen  in  das 
sudetische  Streichen. 

TuS.  Das  Fallen  der  nichtseigeren  Klüfte  zeigen  sehr 
instruktiv  zwei  durch  das  Arbeitsgebiet  gelegte  Profile. 

a)  Waitzdorfer  Wände — Wendischfähre — Pfaffenstein. 
Waitzdorfer  Wände  75 — 82°  nach  SW  bis  8SW  einfallend. 
Wendischfähre  .  .  8ü— 88°  nach  SW  einfallend, 

—  Elbe  — 

Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Oes.  1924.  7 


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98 


Pfaffenstein  .  .  .  82 — 87°  nach  N  bis  NW  einfallend 

(Nordabhang), 

80—82°  nach  N,  NW,  NO  einfallend 
(Südabhang). 

b)  Granitgrenze  zwischen  Diedrichsgrund  und  Kl.  Zschand — 
Dom — Elbe. 


Kühnberg  .  .  .  40 — 45°  nach  S  bis  8SW  einfallend, 

Großstein  ....  desgl. 

Dom .  75—80°  nach  S  bis  SO  einfallend, 

Breite  Kluft  .  .  .  85—88°  nach  S  bis  SSW  einfallend, 
Elbe . seiger. 


Scheu 


atische  Darstellung  siche  Abb.  2. 


s 


N 


Xd>en  den  in  der  Mehrzahl  vorhandenen  seigeren 
Klüften  treten  also  auch  schräge  Klüfte  auf,  welche  nach 
einem  bestimmten  Prinzip  fallen.  Rechts  der  Elbe  fallen 
diese  Klüfte  im  allgemeinen  nach  S,  SSW,  SW,  seltener 
auch  nach  SO,  auf  jeden  Fall  aber  in  südlicher  Richtung, 
also  vom  Granit  weg.  Umgekehrt  ist  es  auf  dem  linken  Elb- 
ufer,  wo  die  nichtseigeren  Klüfte  gegen  Norden  hin  fallen. 

Weiterhin  ist  bemerkenswert,  daß  die  Klüfte  am  Granit¬ 
rand  schräger  einfallen,  gegen  die  Elbe  hin  aber  allmählich 
steiler  werden  und  am  Elblauf  selbst  seiger  stehen.  Ent¬ 
sprechend  sind  auf  dem  linken  Elbufer  auch  die  der  Eibe 
am  nächstliegenden  Klüfte  die  steileren,  die  entfernteren 
dagegen  die  schrägeren. 

Wir  haben  also  den  Fall,  daß  die  Klüfte  an  den 
Rändern  der  Mulde  schräger  einfallen  und  allmählich  gegen 
die  Achse  derselben  immer  steiler  werden,  um  in  der 
Richtung  der  Achse  selbst  seiger  zu  stehen. 

Beachtlich  ist  ferner,  daß  die  Klüfte  auf  der  rechten 
Elbseite,  also  auf  dem  nördlichen,  schmäleren  Flügel  der 


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99 


Mulde,  beträchtlich  schräger  einf allen  als  auf  dem  südlichen, 
breiteren  Flügel. 

Störungen  in  dem  sonst  regelmäßigen  Fallen  der  Klüfte 
können  verschiedene  Ursache  haben.  Am  auffälligsten  sind 
Beeinflussungen  durch  aufquellende  Basalt magmen,  wie  wir 
solche  am  Winterberg,  Spitzen  Horn,  Gleitmanns  Horn, 
Goldstein,  Pohlshorn  lind  anderen  feststeilen  können.  Ebenso 
findet  das  anormale  Fallen  der  Klüfte  auf  dem  Gohrisch 
md  auf  dem  großen  Zschimstein  seine  Erklärung  in 
Störungen  durch  den  dort  aufsetzenden  Basalt,  wie  derselbe 
ja  auch  das  Streichen  beeinflußt. 

Ein  Abweichen  von  der  normalen  Fällrichtung  kann 
■'tber  auch  schon  hervorgerufen  worden  sein  durch  Um¬ 
stände,  welche  bei  der  Sedimentation  eintraten,  z.  B.  Nach¬ 
sacken  usw.  Auch  an  eine  lokale  Beeinflussung  der  Fall¬ 
richtung  durch  den  Verlauf  der  Sättel-  und  Muldenünien 
des  paläozoisch  gefalteten  Grundgebirges  ist  zu  denken. 

Die  Klüfte  im  Bogen  von  Zeidler — lvhaa,  also  der  Stern- 
beiger  und  Wolfsberger  Richtung,  stehen  fast  sämtlich 
^eiger;  wo  schräges  Einfallen  zu  beobachten  ist,  ist  dieses 
völlig  regellos  und  meist  von  den  hier  zahlreichen  Basalt- 
durchschlägen  abhängig. 

B.  Erzgcbirgisches  Sy  s  t  e  in. 

Die  Klüfte  dieses  Systems  folgen  der  Erzgebirgsflexur. 
Dieselbe  tritt  im  Arbeitsgebiet  selbst  nicht  mehr  auf, 
andern  endet  bei  Bodenbach,  in  zahlreiche  parallele,  west- 
östlich  streichende  Verwerfungen  sich  auflösend. 

a )  Frauenstein  —  D  i  p  p  o  1  d  i  s  w  a  1  d  a  e  r 
Hauptrichtung. 

Als  Mittel  des  Streichens  wurde  der  Frauenstein — 
Dippoldiswaldaer  Porphyrgang  angenommen  =  N  30°  O. 

Zur  bequemeren  Übersicht  sind  die  Messungen  in  drei 
einander  parallelen  Profilen  geordnet,  von  SW  nach  NO 
verlaufend. 

1.  Breite  Heide— Wände  des  Uttewalder  Grundes 
I  Brosche) — Hohnstein. 

Breite  Heide:  Die  Klüfte  streichen  zwischen 
N  22°  0  und  32’  O. 

Uttewalder  Wände:  Die  Streichrichtung  der  ver¬ 
schiedenen,  sehr  zahlreichen  Klüfte  dieses  Gebietes  verteilt 
sich  ziemlich  regelmäßig  auf  die  Werte  zwischen 
X  21°  O  und  X  30°  O. 

7* 


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Holmstein:  Die  Klüfte  variieren  zwischen 
N  28°  O  und  N  37°  O. 

Die  Mehrzahl  derselben  hat  ein  Streichen  von  N  32  O 
und  N  33°  O. 

2.  Bernhardstein — Quirl — Lilienstein — Sehulzengrund. 
Dieses  Pix)fil  zeichnet  sich  durch  eine  große  Konstanz 

im  Streichen  seiner  Klüfte  aus.  Im  einzelnen  verteilen 
sich  die  Streichrichtungen  sehr  gleichmäßig  auf  folgende 
Werte . 

Beinhardstein  .  N  2b°  Ö  bis  32°  O. 

Quirl  ....  N  26°  O  bis  30°  0. 

Lilienstein  .  .  N  22°  O  bis  27°  O, 

Schulzengrund  .  X  26°  O  bis  30°  O. 

3.  Pfaffenstein — Wendischfähre — Waitzdorfer  Wände. 
Der  Pfaffensteinkomplex  wird  in  typischer  Weise  von 

Klüften  durchschnitten,  welche  sich  zwischen 

N  28°  O  und  N  34°  O 

bewegen. 

Innerhalb  sehr  geringer  Grenzen  halten  sich  die  Klüfte 
der  Gegend  von  Wendischfähre  und  der  Waitzdorfer  Wände. 
Besonders  auf  letzteren  treten  sie  dadurch  in  einen  gewissen 
Gegensatz  zu  dem  hier  etwas  unruhigen  Lausitzer  Kluft - 
System. 

Die  Streichrichtung  dieser  Klüfte  ist  folgende: 
Wendischfähre  .  .  .  X  23°  O  bis  27°  O. 
Waitzdorfer  Wände  .  N  27°  O  bis  N  31°  O. 

Die  Profile  sind  so  gewählt,  daß  1.  der  nördliche  Punkt 
jedesmal  in  der  Nähe  der  Cberseliiebung  liegt.  2.  der 
mittlere  im  Verlaufe  des  Elbtalgrabens  (Muidenaetise). 
3.  der  südliche  etwa  den  gleichen  Abstand  vom  mittleren 
hat  wie  dieser  vom  nördlichen. 

Das  Fallen  der  Klüfte  ist  fast  ohne  Ausnahme»  seiger, 
ein  schräges  Einfallen  kommt  kaum  vor. 

Als  eine  besondere  Eigentümlichkeit  dieses  Systems 
ist  zu  erwähnen:  Im  ganzen  Verbreitungsgebiet  ist  jeder 
westwärts  gelegene  Flügel  einer  Kluftfläche  gegenüber  dem 
östlicheren  etwas  abgesenkt.  Der  Absenkungsbetrag  ist 
jedoch  bei  enge  aneinander  gelegenen  Klüften  meist  unme߬ 
bar  klein;  nur  an  besonders  geeigneten  Stellen  läßt  sieh 
die  Absenkung  nacliw eisen,  nämlich  da,  wo  infolge  der  Denu¬ 
dation  mehrere  benachbarte»  Kluftwände  hintereinander 


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101 


Zft stört  sind;  dort  erscheinen  gleicht»  Schichtflächen  je  nach 
der  Breite  der  Schlucht  um  einen  gewissen  geringen  Betrag 
.Togesenkt. 

Da  sich  diese  Verhältnisse  im  ganzen  Gebiet  des  Elb- 
talgrahcns  westlich  der  Linie  Hoher  Schneeberg — Hohe  Liebe 
unausgesetzt  wiederholen,  so  summiert  sich  diese  ständige 
Wiederholung  zu  einer  allmählichen  Abbiegung  des  Elb  tal - 
grabcns.  deren  Effekt  wir  schließlich  darin  sehen,  daß  der 
Pläner,  welcher  lx?i  Königstein  noch  etwa  250  m  hoch  liegt, 
in  Dresden  in  einer  durchschnittlichen  T.efc  von  10  bis 
30  m  crbohrt  worden  ist. 

b)  Die  Kam nitzer  Richtung. 

Das  Verbreitungsgebiet  der  Klüfte  dieser  Richtung  ist 
nach  Wostell  begrenzt  durch  die  von  Rodenbach  nordöstlich 
^reichende  Wölbungsachse. 

Die  Klüfte  der  Kanmitzer  Richtung  streichen 
N  80°  O  bis  w  e  s  t  ö  s  1 1  i  c  h, 

also  parallel  den  von  der  erzgebirgisehen  Richtung  nach 
Osten  abgelonkten  Kanmitzer  Verwerfungen. 

Sie  sind  besonders  häufig  im  Gebiete  des  Kamnitzbaches 
und  des  Roten  Floßes  zwischen  Kirnitzsch  und  Khaa.  Das 
systen«  selbst  ist  ein  Abkömmling  des  erzgebirgisehen. 

Etwa  am  Hohen  Schnee1>erg  stößt  die  Erzgebirgsflexur 
auf  die  präexistenten  Falten  des  Elbtalschiefergebirges.  Die 
Voigt.*  davon  ist  ein  unvermitteltes  Ablenken  der  ersteren 
aus  der  NO-Riehtung  in  die  O-Richtung.  Südlich  Hoher 
>chneebcrg  —  Tctschcn — Böhmisch  Kamnitz  entstanden  im 
Lauft»  dieser  Bewegung  die  bekannten  Verwerfungen, 
während  es  im  nördlichen,  also  der  Lausitz  zu  gelegenen 
Teile  nur  zur  Herausbildung  von  Klüften  kam.  In  engem 
Zusammenhang:  mit  dieser  Tatsache  steht  der  l  instand,  daß 
(lii*  südlichsten,  den  Verwerfungen  am  nächsten  liegenden 
Klüfte  zugleich  die  charakteristischsten  sind,  während  mit 
zunehmender  Entfernung  nach  Norden  hin  ein  allmähliches 
Abklingen  und  eine  Interferenz  durch  die  Lausitzer  Rich¬ 
tung  zu  beobachten  ist. 

V.  I>Ie  Tektonik  der  sächsischen  Kreide. 

Dag  Oebiet  der  sächsischen  Kreideablagerung  nennt 
Lkpsiis  eine  „tektonische  Graben  Versenkung“.  Diese  Be¬ 
zeichnung  ist  insofern  irreführend,  als  es  sich  nicht  um 
•*inen  Graben  in  dem  Sinne  handelt,  als  ob  rundliche 


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102 


Brüche  oder  steile  Flexuren  i  vorhanden  wären,  sondern  um 
einen  Graben  in  dem  Sinne  einer  muldenförmigen  Ein¬ 
senkung.  Der  Bau  der ; Mulde  ist  unsymmetrisch,  denn  der 
Südflügel  übertrifft  den  Nordflügel  um  ein  Bedeutendes  an 
Breite;  auf  der  Linie  Altendorf — Scliandau — Gottleuba  ist 
der  erzgebirgische  Flügel  fast  achtmal  breiter  als  der 
Lausitzer.  Die  Achse  der  Mulde  wird  auf  sächsischer  Seite 
etwa  durch  den  Lauf  der  Elbe  gekennzeichnet. 

Wir  befinden  uns  hier  in  einem  bereits  seit  dem  Paläo¬ 
zoikum  tektonisch  beanspruchten  Gebiet;  es  ist  gewisser¬ 
maßen  eine  labile  Krustenzone,  die  im  Norden  und  Süden 
zwischen  feste  Backen  eingeklemmt  ist.  Ein  solches  Binden¬ 
stück  ist  nicht  gekennzeichnet  durch  kurze,  katastrophale 
Ereignisse,  sondern  es  hat  vielmehr  die  Tendenz  zu  lang¬ 
fristigen,  sich  stetig  wiederholenden,  in  auf-  und  abwärts 
steigenden  Kurven  sich  erschöpfenden  Bewegungen.  Auf 
jeden  Fall  ist  Kontinuität  und  Langsamkeit  der  Bewegungen 
ein  auffallendes  Charakteristikum  derartiger  Zonen. 

Auf  vorcenomane  Bewegungen  weisen  die  an  der 
Lausitzer  Störungslinie  erhalten  gebliebenen  Jurareste  und 
die  Kotliegendscholle  von  Wolfsberg  hin. 

a)  Hebung  des  Erzgebirges,  Absinken  der 
Kreidemulde,  Entstehung  des  Lausitzer 
Kluftsystems. 

Zur  Zeit  der  Kreideablagerung  befand  sich  der  bereits 
präcenoman  vorhandene  Graben  in  langsamer,  aber  steter 
Senkung;  nur  so  ist  die  Ablagerung  dieser  mächtigen 
Sedimente  denkbar.  Nach  Abschluß  der  Sedimentation  ist 
dann  die  Bewegung  zum  Stillstand  gekommen.  Im  Früh¬ 
tertiär  aber  erwachte  die*  alte  Senkungstendenz  von  neuem. 
Der  Grund  für  das  Wiederauftreten  der  Absenkungserschei¬ 
nungen  und  letzten  Endes  der  Grund  für  die  gesamte 
Tektonik  der  Sächsischen  Schweiz  überhaupt  ist  zu  suchen 
in  der  Heraushebung  des  Erzgebirgskammes. 

Die  Emporpressung  de«?  Erzgebirgskammes  erfolgte  be¬ 
kanntlich  dergestalt,  daß  der  südliche  Rand  in  Brüchen 
und  steilen  Flexuren  beträchtlich  nach  Böhmen  hin  absank, 
während  im  Norden  eine  schildförmige  Emporwölbung 
stattfand. 

Diese  Aufwölbung  des  nördlichen  Gneisvorlandes  des 
Erzgebirges  hatte  eine  Hebung  des  Süd f lüge ls  des  Lepsius- 
scheri  Grabens  zur  Folge,  wodurch  der  Südrand  der  Kreide¬ 
platte  in  ein  wesentlich  höheres  Niveau  kam  als  der 


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103 


Nordrand.  Für  das  Gebiet  Tharandt— Grillenburg  macht 
nach  Staff  die  Hebung  etwa  den  gleichen  Betrag  aus 
wie  die  gesamte  cenomane  Absenkung. 

Eine  genaue  Schätzung  gestatten  die  Verhältnisse  im 
Süden  des  Arbeitsgebietes.  Am  Südabhange  des  Hohen 
Schneeberges  streicht  che  Plänerschicht  in  einer  Höhe 
zwischen  500  m  und  550  m  aus,  während  im  Biclagrunde 
nahe  Königstein  dieselbe  Schicht  in  etwa  250  m  Höhe  aus¬ 
streicht,  so  daß  auf  eine  Entfernung  von  12  km  die  Hebung 
etwa  300  m  beträgt. 

Diese  einseitige  Hebung  konnte  nun  nicht  ohne  Einfluß 
auf  die  starre  Kreidetafel  bleiben.  Durch  die  Vermehrung 
der  Massen  bei  der  Heraushebung  des  Erzgebirges  mußte 
eine  Verminderung  des  Raumes  eintreten;  diese  nun  wieder 
konnte  sich  dergestalt  äußern,  daß  das  dazwischen  liegende 
Gebiet  entweder  gefaltet  oder  gehoben  oder  abgesenkt  wurde. 
Da  wir  uns  in  einer  seit  dem  Paläozoikum  labilen  Zone 
mit  ausgesprochener  Senkungstendenz  befinden  und  die 
Kreidemulde  ohnedies  unter  dem  Drucke  der  Sediment- 
belastung  stand,  so  erfolgte  Absenkung. 

Jedoch  geschah  diese  Absenkung  nicht  auf  beiden 
Flügeln  der  Mulde  gleichmäßig.  Der  erzgebirgische  Flügel 
ist  bis  um  das  Achtfache  breiter  als  der  Lausitzer,  und 
schon  aus  diesem  Grunde*  mußte  der  Effekt  auf  beiden 
Flügeln  ein  verschiedener  sein.  Hierzu  kommt  dann  noch, 
daß  der  Südflügel  auf  bereits  paläozoisch  gefaltetem  Unter¬ 
gründe  liegt,  der  infolgedessen  starr  und  widerstandsfähig 
war,  während  der  Nordflügel  auf  der  sehr  schmalen  und 
darum  relativ  steilen  Granitl>ösehung  lag. 

Durch  die  Emporhebung  des  Südrandes  der  Kreidetafel 
und  die  damit  zusammenhängende  sekundäre  Absenkung 
der  Mulde  wurden  die  ursprünglich  horizontal  abgelagerten 
Schichten  aus  der  schwebenden  Lage  in  eine  nördlich 
geneigte  überführt.  Die  Schichtenneigung  beträgt  zwischen 
der  Erzgebirgsflexur  und  der  Elbe  etwa  2 — 3°  nach  N. 
Jenseits  der  Elbe  fallen  die  Schichten  nur  selten  und 
ganz  leicht  nach  N ;  meist  liegen  sie  horizontal  oder  fallen 
sogar  leicht  nach  S  ein. 

Nimmt  man  eine  durchschnittliche  Neigung  von  2°  an, 
so  würde  die  Heraushebung  des  südlichsten  Randes  der 
Kreideplatte  etwa  525  m  betragen,  bei  einer  Breite  von 
15  km;  einer  durchschnittlichen  Schichtenneigung  von  2,5° 
würde  eine  Hebung  von  650  m  entsprechen. 


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104 


Die  Elbe  bezeichnet  die  Linie,  wo  die  Neigung  aus 
über  2°  in  die  horizontale  Lage  übergeht.  Es  entsteht  also 
auf  diese  Weise  ein  Knick  in  der  Tafel,  der  vom  Lauf  der 
Elbe  benutzt  worden  ist.  Wir  dürfen  diesen  Knick  wohl 
deuten  als  die*  Projektion  der  Muldenachse  auf  die  darüber 
liegende  Kreidetafel,  längs  welcher  die  tiefste  Absenkung 
erfolgte.  Diese  Achse  liegt  also  dem  nördlichen  Graben - 
rarnl  bedeutend  näher  als  dem  südlichen. 

Auf  dem  Nordflügel  erfolgte  nun  nicht  wie  auf  dem 
Südflügel  eine  bloße  Neigung  der  Schichten;  denn  hier 
machte  sich  dasselbe  Maß  der  Absenkung  auf  einem  sechs- 
bis  achtmal  schmäleren  Streifen  mit  darum  um  so  größerem 
Effekt  geltend.  Das  Einsacken  der  Mulde  äußerte  sich 
hier  in  Zerrungserscheinungen.  Es  erfolgte  in  der  Mulden¬ 
achse  von  unten  her  ein  Zug  auf  die  darüberliegendejn 
Partien  der  Kre  datte. 

ln  der  Ae!  und  deren  nächster  Umgebung 

äußerte  sich  dieset  -ug  senkrecht  nach  oben;  mit  zu¬ 
nehmender  Entfernung  von  der  Achse  wurde  er  jedoch 
immer  schräger  und  schräger,  bis  er  am  Rande  der  Mulde 
parallel  der  Böschung  verlief.  Ihren  tektonischen  Ausdruck 
fand  diese  Zerrung  in  der  Ausbildung  eines  Kluftsystems, 
welches  parallel  der  Achse  und  parallel  der  dies*  ’eich- 
gerichteten  Muldenkante  verläuft. 

ln  der  Achse  selbst  und  deren  Nähe  müssen  diese  Klüfte 
entsprechend  der  Zugrichtung  seiger  stehen:  je  weiter  man 
aber  nach  N  gegen  den  Rand  der  Mulde  hingeht,  um  so 
schräger  müssen  sie  einfallen,  bis  an  der  Muldenkante 
selbst  die  Komponente,  die  ein  Gleiten  parallel  der  Unter¬ 
lag«*  herbei  zuführen  trachtete,  ihr  größtes  Maß  erreichte. 

Dies  führte  schließlich  zur  Herausbildung  der  wohl- 
bekannten  Harnische,  welche  längs  der  Lausitzer  Störungs¬ 
linie  in  instruktiver  Weise  das  tektonische  Bild  vervoll¬ 
ständigen. 

Damit  ist  auch  vollkommen  die  eigentümliche  Tatsache 
erklärt,  daß  das  Lausitzer  Kluftsystem  nur  auf  dem 
schmalen  Streifen  von  der  Überschiebung  bis  wenig  jenseits 
der  Elbe  auftritt,  nicht  aber  auf  dem  breiten  Südflügel  der 
Mulde;  denn  sowie  die  Achse  der  Synklinale  um  ein  wesent¬ 
liches  überschritten  ist,  sind  die  Prämissen  für  dieses  System 
nicht  mehr  gegeljen. 

So  folgt  denn  aus  den  vorstehenden  Erörterungen, 
d  a  ß  die  i  m  L  a  u  s  i  t  z  e  r  S  y  s  t  e  m  z  u  s  a  m  m  e  n  - 
gefaßten  Klüfte  nicht  Dru  c  k  e  r s  e  h e  i  n  u  n  g e n 


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?« i  n (1 ,  sondern  im  Gegenteil  ihre  Ursache  in 
Zerrungen  haben,  die  von  der  Achse  der  abäinkenden 
Kreidemulde  ausgehen.  Es  sind  gewissermaßen  Serien  von 
Disjunktivbrüchen,  deren  Sprunghöhe  unmeßbar  klein  ist. 
(Abb.  3.) 

b)  Entstehung  des  e  r  z  g  e  b  i  r  g  i  s  c  h  e  n  Systems. 

In  der  Gegend  von  Bodenbach  stößt  die  Erzgebirgsflexur 
mit  den  bei  Gottleuba — Berggießhübel  unter  die  Kreide 
einfallenden  paläozoischen  Falten  zusammen.  Die  unmittel- 


Abb.  3  Entstehung  der  Klüfte  durch  Zerrung  in  der  Muldenachse. 

bare  Folge  dieses  Zusammentreffens  zweier  gegeneinander 
gerichteten  Bewegungstendenzen  ist  ein  Abbiegen  a)  der 
t-lbtalgebirgischen  in  die  Wildsteiner  Richtung,  b)  der  erz- 
gebir  ien  in  die  Kamnitzer  Richtung. 

nach  NO  gerichtete  erzgebirgische  Tendenz  ist 
jedoch  noch  immer  kräftig  genug,  um  in  der  alten  Rich¬ 
tung  weiter  von  Eulau  bis  zur  Granitgrenze,  wenn  auch 
keinen  Bruch  oder  Flexur,  so  doch  wenigstens  eine  Zer¬ 
rüttungszone  zu  schaffen.  Die  Wirkung  dieser  Kraftäuße¬ 
rung  der  erzgebirgischen  Tendenz  sehen  wir  einmal  in 
der  Aufsattelung  der  paläozoischen  Schichten,  wie  sic1  uns 
zwischen  Nieder-  und  Obergrund  im  Elbtale  entgegentreten, 
andererseits  in  den  nähen  förmig  geordneten  basaltigen  Auf¬ 
brüchen,  welche  dieser  Zerrüttungszone  folgen  und  fächer¬ 
artig  auseinandergehen,  um  sich  der  Kamnitzer  Streich- 
richtung  anzupassen. 

Die  wichtigsten  Basaltlinien  sind: 

a)  Großer  Zschirnstein — Eisenhübel — Sauhübel — G roßer 
Winterberg — Goldstein — Zeughaus — Pohlshorn  =  N  öO 
bis  60°  O; 

b)  Großer  Winterberg  —  Spitzes  Horn  —  Hochhübel  — 
Wettineiche— Mühlhübel — Wolfsberg  =  N  60 — 70°  O; 

c)  Raumberg  —  Hohwiese  —  Bittier —  Neuhaus — Zeidler- 
Husche  =  N  80°  O. 


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Die  Emporwölbung  des  Paläozoikumsattels  bei  Nieder  - 
grunrl  bildete  ein  Scharnier,  von  dem  aus  die  unter  dem 
Druck  der  Erzgebirgsheraushebung  stehende  Abbiegung  des 
präzenomanen  Grabens  in  westlicher  Richtung  geschah.  Die¬ 
selbe  erfolgte  nicht  nickweise  in  Brüchen  oder  Floxuren. 
sondern  langsam  und  kontinuierlich.  Auf  die  darüberliegende 
starre  Sandsteinplatte  äußerte  sich  -das  schrittweise  Ab¬ 
biegen  der  Unterlage  in  Zerrungen,  als  deren  Effekt  dir* 
parallel  zu  der  Erzgebirgsflexur  und  dem  Frauenste  in — 
Dippoldiswaldaer  Po  rphvrst  reichen  verlaufenden  Klüfte  von 
N  25 — 30°  O  ,in  die  Erscheinung  traten.  Die  seigere  Stellung 
derselben  deutet  auf  einen  gleichmäßigen  Zug  von  unten. 

Da  infolge  dieser  progressiven  Abbiegung  der  Mulde 
jede  westlicher  gelegene  Kluft  fläche  gegenüber  der  öst¬ 
licheren  eine  wenn  auch  nur  geringe  Absenkung  erfahren 
hat,  ist  im  Elbtale  sehr  oft  eine  leichte  westliche  Schichten¬ 
neigung  festzustellen.  Bei  einem  zwischen  zwei  entfernteren 
Klüften  infolge  von  Denudation  entstandenen  Hiatus  ist 
an  der  Verschiebung  ein  und  derselben  Schichtfläche  der 
Betrag  der  Absenkung  leicht  zu  ersehen. 

Wir  kommen  demnach  zu  dem  Resultat,  daß  d  i  e 
Klüfte  des  erzge bi rgi sehen  Systems,  ähnlich 
wie  die  des  Lausitzer,  ihre  Entstehung  nicht  Druckwirkungen 
verdanken,  sondern  es  sind  ohne  Z  w  e  i  f  e  1  Zer¬ 
rungsphänomene.  Die  erzgebirgischen  Klüfte  sind 
ihrer  Entsetzung  nach  als  Verwerfungen  anzusprechen. 

Im  tektonischen  Bilde  der  sächsischen  Kreidemulde 
findet  demnach  eine  doppelte  Senkungserscheinung  ihren 
Ausdruck.  Unter  dem  Drucke  der  nördlich  fortschreitenden 
erzgebirgischen  Tendenz  kommt  es  einesteils  zu  einem  Ein¬ 
sinken  der  Kreidemulde  und  zur  Ausbildung  der  elbtal- 
gebirgischen  Klüfte,  anderenteils  erfolgt  ein  allmähliches 
Abbiegen  des  Elbtalgrabens  in  westlicher  Richtung  und 
Anlage  des  erzgebirgischen  Kluftsystems. 

Der  östlich  von  der  Aufsattelung  des  Paläozoikums  bei 
Mittelgrund  liegende  Flügel  der  Sächsischen  Schweiz  erfuhr 
in  der  jungen  Phase  keine  progressive  Abbiegung,  sondern 
erscheint  vielmehr  in  seiner  Gesamtheit  oder  auch  überhaupt 
nicht  abgesenkt;  denn  die  Kreideschichten  fallen  nicht  nach 
Süden  ein,  sondern  bewahren  durchweg  ihre  horizontale 
Lagerung. 

Die  westöstlich  streichenden  Klüfte  des  Kamnitzer 
Systems  entsprechen  genetisch  durchaus  den 


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südlichen  Verwerfungen  und  sind  demnach  auch 
als  solche  anzusprechen. 

Ein  schematisches  Bild  der  jungen  Bewegungen  gibt 
die  in  der  Anlage  beigefügte  Zeichnung:  Die  im  sudetischen 
Streichen  verlaufende  Kreidemulde  wird  durch  die  nach 
NO  gerichtete  erzgebir gische  Tendenz  von  Bodenbach  bis 
zur  Lausitzer  Störungslinie  quer  aufgesattelt.  Westlich  dieser 
Emporwölbung  biegt  der  Elbtalgrabon  allmählich  gegen 
Dresden  hin  ab;  südlich  der  Linie  Bodenbach — Kamnitz 
erfolgt  durch  zahlreiche  Verwerfungen  ein  Absinken  der 
Kreide;  östlich  liegt  der  postpliocäne  Einbruch  des  Zittauer 
Beckens  (vgl.  Staff).  (Abb.  4.) 

Die  tektonischen  Verhältnisse  geben  zugleich  eine  Er¬ 
klärung  für  die  Entstehung'  des  Elbedurchbruchs  bei  Boden- 


Abb.  4.  Junge  Phase  der  Bewegung. 


bach.  Augenscheinlich  erfolgte  der  Lauf  der  Elbe  zunächst 
längs  der  Böschung  des  aufsteigenden  Sattels  bis  ziemlich 
an  die  Granitgrenze.  Hier  geschah  nun  die  Aufsattelung 
infolge  des  Ausklingens  der  Bewegung  sehr  langsam,  so  daß 
die  Ausnagung  des  Flußbettes  mit  ihr  Schritt  halten  konnte. 
Nachdem  aber  der  Sattel  einmal  quer  durchsägt  war, 
benutzte  die  Elbe  die  absinkende  Mulde  als  Bett,  so  daß 
der  Verlauf  des  Flusses  mit  dem  Streichen  der  Mulden¬ 
achse  zusammenfiel. 

VI.  Der  Granit  und  die  Rückfaltuug. 

Durch  das  Einsacken  der  Mulde  imd  die  damit  in 
Zusammenhang  stehende  Raumverkürzung  zwischen  Erz- 


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10b 


gehirge  und  Lausitzer  Massiv  wurde  die  nach  N  gerichtete 
Bewcgungstondenz  in  ihrer  Intensität  wohl  auf  einigt;  Zeit 
gemindert,  konnte  aber  nach  vorläufiger  Stabilisierung  der 
tektonischen  Verhältnisse  wieder  verstärkt  in  die;  Er¬ 
scheinung  treten.  Der  von  SW  kommende  Druck  auf  das 
Lausitzer  Massiv  wurde  von  diesem  weiter  nach  NO  geleitet, 
bis  die  sudetischen  Massen  und  die  hinter  diesen  liegende 
starre  Russische  Tafel  der  Bewegung  endgültig  ein  Ziel 


Abb.  5.  Schematische  Übersicht  über  die  Kluftsysteme  im  sächsischen 
i^uadergebirge.  1  :  100000. 


setzten.  Wie  sich  die  elektrische  Spannung  an  einem  Wider¬ 
stande  steigert,  so  mußten  sich  auch  hier  die  tektonischen 
Kräfte  potenzieivn,  bis  sie  fähig  waren,  einen  Ausweg  zu 
schaffen.  Als  solcher  kam  nur  der  Rückstau  in  Frage. 
So  sehen  wir  den  ursprünglich  nach  NO  gerichteten  Schub 
unter  dem  liegendnick  der  Russischen  Tafel  umgewandelt 
in  eine  nunmehr  nach  SW  zielende,  rückläufige  Bewegungs- 
tcmlenz.  Dort,  wo  dieselbe  auf  die  Grenze  zwischen  Granit 


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109 

und  Sandstein  traf,  fand  sie  im  Gegensatz  zur  Russischen 
Tafel  eine  seit  dem  Paläozoikum  labile  Zone  vor,  so  daß  es 
ihr  ein  leichtes  war,  den  Granit  zu  heben  und  über  die 
Kreide  hinwegzusehieben.  Die  Lausitzer  Storung  erscheint 
also  nach  einem  ursprünglichen  Abgleiten  der  Kreide  in 
einer  zweiten  Phase  als  eine  „erzwungene  Rückfaltung“ 
im  Sinne  von  Sums. 

Beweise  für  eine  spätere  Aufschiebung  des  Granits 
auf  die  Kreide  sind  längs  der  Störungslinie  reichlich  vor¬ 
handen 

1.  Seit  Cotta  schon  sind  zahlreiche  Schürfe  bekannt, 
wo  sieh  der  Granit  unter  einem  Winkel  von  15 — (55°  schräg 
über  den  Sandstein  schiebt.  Eine  Folge  dieser  Aufpressung 
des  Granits  auf  den  Quader  ist  die  Überschiebung  des  Ceno¬ 
man«  auf  den  Brongniarti  bei  Hohnstein  und  am  Mühlhübel 
bei  Neudorf. 

2.  Für  die  postkretazische  Tektonik  wichtig  sind  di  * 
zahlreichen  Deformationszonen,  welche  die  Granitgrenze  in 
ihrer  ganzen  Erstreckung  begleiten.  Diese  Zertrümme¬ 
rungserscheinungen  sind  schon  öfter  genauer  beschrieben 
worden,  so  daß  sich  eine  eingehende  Darstellung  erübrigt. 
Bemerkt  sei  nur,  daß  die  Zermalmungen,  Klüfte  und  Har¬ 
nische  nicht  nur  den  Granit  und  dessen  Diabas-,  Diorit- 
und  Porphyritgänge,  sondern  auch  »den  Sandstein  selbst 
betreffen. 

Die  Zcrtrümmerungszonen  begleiten  in  einem  300  bis 
1000  m  breiten  Bande  die  Störungslinie  auf  ihrer  ganzen 
Erstreckung.  Auf  seiten  des  Sandsteins  stellen  sich  an 
der  Überschiebung  nicht  selten  Klüfte  ein,  welche  nach  X 
fallen  und  den  unter  den  Granit  einschießenden  Grenz¬ 
flächen  parallel  gehen.  Auf  seiten  des  Granits  dagegen 
findet  sich  neben  den  sonstigen  Zertrümmerungserschmnun- 
gen  ein  dessen  Grenze  parallel  gehendes  System  feiner 
Spalten  und  schmaler  Risse,  welche  meist  durch  Quarz 
verkittet  sind. 

Die  Deformationszonen  l>eweisen.  daß  auf  die  passive 
Phase  de^  Abrutschens  der  Kreideschichten  eine  Zeit  leb¬ 
hafter  Aktivität  folgte,  als  infolge  der  Rückbeweg  mg  die 
Überschiebung  des  Granits  auf  die  Kreide  statt  fand. 

Von  besonderem  Interesse  sind  größere  Quarzgä  ige, 
welche  ül>erall  ein  typisches  Lausitzer  Streichen  innehalten. 
Sie  finden  sich  nicht  nur  in  der  nächsten  Umgebung  der 
Störungslinie,  sondern  auch  in  den  entfernteren  Bezirken 


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des  gesamten  Granitareals.  Sie  durchsetzen  den  normalen 
Granit  wie  auch  dessen  Zermalmungszonen;  auch  ältere 
Gänge  —  wie  der  Diabasgang  des  Keilholzes  nordöstlich 
Lichtenhain  —  werden  von  ihnen  durchschnitten.  Zweifellos 
verdanken  diese  Quarzgänge  ihre  Entstehung  der  Hebung 
des  Granitmassivs,  bei  dessen  Emponvölbung  sie  aufrissen, 
während  späterhin  eine  Ausheilung  dieser  Spalten  mit  Gang¬ 
quarz  stattfand. 

Nachdem  das  Spiel  der  tektonischen  Kräfte  sich  aus¬ 
geglichen  hatte,  erfolgte  auf  die  Heraushebung  der  Lausitzer 
Scholle  und  deren  Überschiebung  über  den  Sandstein  als 
Schlußphase  im  Zittauer  Becken  ein  Absinken  des  Granits. 
Es  ist  dies  die  „postbasal tische  Dislokationsphase“  Staffs. 
welche  gegen  Ende  des  Oberoligocäns  als  eine  nordwärts 
gerichtete  Senkungscrscheinung  sich  äußerte  und  in  Ver¬ 
bindung  mit  dem  Durchbruch  der  nord westböhmischen  Ab¬ 
senkung  steht.  Der  Granit  muß  also  früher  bedeutend 
höher  gewesen  sein  als  jetzt.  Staff  setzt  den  von  der 
Überschiebung  „wieder  rückgängig  gemachten  Betrag“  auf 
wenigstens  250  m. 

Ergebnis:  Für  die  Tektonik  der  sächsischen  Kreide 
sind  folgende  Phasen  von  Bedeutung: 

1.  Die  Heraushebung  des  Erzgebirges  bewirkte  ein 
Einsacken  der  Kreidemulde  und  ein  Abgleiten  des  nörd¬ 
lichen  Flügels  der  Kreide,  wodurch  infolge  von  Zerrungen 
die  Anlage  der  Lausitzer  Klüfte  erfolgte. 

2.  Die  Aufsattolung  des  Paläozoikums  bei  Bodenbach 
schuf  eine  Wölbungsachse,  von  welcher  sich  westlich  der 
Elbtalgraben  abbog  unter  Herausbildung  der  orzgebirgi- 
sclien  Klüfte.  Dieselben  sind  ebenfalls  Zerrungsphänomene. 

3.  Der  Verlauf  der  Lausitzer  Störungslinie  ist  keine 
Erosionskontur,  sondern  beruht  auf  tatsächlich  gewundener 
Anlage. 

4.  Der  Verlauf  der  Kluftsysteme  steht,  in  Zusammen¬ 
hang  mit  der  Art  der  Wendung  aus  dem  variskisclien  in 
das  sude tische  Streichen. 


VII.  Das  Grundgebirge. 

In  engstem  Zusammenhang  mit  der  Tektonik  der  säch¬ 
sischen  Kreide  steht  die  Frage  nach  der  Beschaffenheit 
des  Grundgebirges.  Hier  stehen  zwei  Ansichten  einander 
gegenüber. 


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Lepsius  verlegt  die  Ablagerungsgrenze  der  sächsischen 
Kreide  einerseits  in  die  Linie  „Tharandt — Dippoldiswalde — 
Markersbach' — Kollendorf“,  andererseits  „nicht  weit  nörd¬ 
lich  vom  jetzigen  Granitrande“.  Nach  seiner  Meinung 
„überflutete  das  cenomane  Kreidemeer  plötzlich  diese  Gegen¬ 
den,  weil  eine  tektonische  Graben  Versenkung  geschah“. 

Nach  anderer  Ansicht  ist  das  Grundgebirge  die  Ab¬ 
rasionsfläche  der  mit  breiter  Stirn  vordringenden  Meeres- 
transgression  und  die  Sächsische  Schweiz  in  ihrer  heutigen 
Gestalt  nur  das  Relikt  einer  weitdimensionalen  Sediment¬ 
decke.  die  die  Lausitz  vollkommen  überdeckte  und  auch 
•inen  großen  Teil  des  Erzgebirges  einbezog. 

Hettner  faßt  das  Grundgebirge  als  Abrasionsfläche 
im  Sinne  von  Richthofen  auf.  Nach  ihm  müßte  der 
Sandstein  auch  die  Lausitzer  Platte  bedeckt  haben,  „denn 
*•$  läßt  sich  kein  Grund  denken,  warum  die  Verwerfung 
gerade  mit  der  Bildungsgrenzc  des  Sandsteins  Zusammen¬ 
fällen  sollte“.  Demgegenüber  verlegt  Beck  „jene  Küsten¬ 
linie  nicht  weit  jenseits  der  Lausitzer  Hauptverwerfung“, 
•ia,  er  hält  sogar  „dieses  räumliche  Zusammentreffen“  für 
„kein  zufälliges“,  sondern  begründet  es  damit,  daß  „tekto¬ 
nische  Störungslinien  häufig  nahe  bei  und  parallel  mit 
Küsten  verlaufen  oder  geradezu  mit  solchen  zusammen¬ 
fallen“.  Die  längs  der  Lausitzer  Störungslinie  von  Hohn- 
>r»  in  bis  Zeidler  erhaltenen  Jurareste  weisen  auf  eine  vor- 
•  enomane  Absenkung  hin,  weil  der  Jura  sonst  überall  auch 
unter  der  Kreide  abgetragen  ist.  Piktzsch  schreibt  in 
bezug  auf  mesozoische  Krustenbewegungen:  „Kunde  davon 
tfebeu  u.  a.  die  an  der  Lausitzer  Überschiebung  bei  Ilohn- 
>tein  eingeklemmt  erhaltenen  Reste  von  Juraschichten, 
•leren  Hauptgebiet  schon  vor  der  oberen  Kreide  so  weit 
abgetragen  sein  muß,  daß  sie  eben  nur  an  dieser  Linie 
erhalten  sind  —  was  auf  eine  ältere,  vielleicht  kimmerische 
Anlage  der  letzteren  deutet.“ 

Eine  Küstenführung  nahe  der  Lausitzer  Störungslinie 
würde  auch  die  Tatsache  des  Auftretens  grober  Konglo¬ 
merate  mit  Gerollen  bis  Eigröße  nahe  Zittau  hinreichend 
erklären.  Nach  Scupin  sollen  •allerdings  diese  Gerolle  vom 
Iser-  und  Riesengebirge  stammen.  Zwei  Tatsachen  jedoch 
sprechen  dafür,  daß  diese  Gerolle  aus  der  Nähe  gekommen 
>ind: 

1.  Es  enthalten  die  Konglomeratbänke  zahlreiche  Ge¬ 
rolle  von  Brauneisenstein,  die  nach  Beck  „gewissen  jetzt 


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zerstörten  Schichten  der  Juraformation  auf  der  Lausitzer 
Hochfläche  entstammen“. 

So  finden  sich  diese  grobkonglomeratischen,  an  Gerollen 
von  Brauneisenstein  reichen  Bänke  in  typischer  Ausbildung 
auch  bedeutend  weiter  westlich,  nämlich  im  Brongniarti 
des  Benediktsteines  bei  Hinterhennsdorf. 

2.  Sodann  aber  gehen  die  konglomeratischen  Bänke 
durch  die  gesamte  Labia  tus-  und  Brongniartistufe  hindurch, 
was  doch  wohl  auf  Konstanz  der  Küste  und  nicht  auf 
eine  nur  zufällige  lokale  Strömung  deutet.  Gerade  dieser 
Umstand  spricht  ganz  besonders  für  eine  Fortdauer  der 
Bewegung  während  der  Ablagerung  der  oberen  Kreide. 

Sei7 pin  weist  darauf  hin.  daß  an  der  Lausitzer  Störung*- 
linie  nahe  Hintcrdaubitz  „Cenoman  in  mergeliger  Fazies¬ 
auftritt,  weshalb  er  auf  eine  entfernte  Küste  diagnostiziert. 
Jedoch  ist  dieses  mergelige  Cenoman  nur  von  geringer  Be¬ 
deutung,  und  jedenfalls  ist  eine  derartige  Einlagerung  inner 
halb  normaler  Schichten  viel  eher  durch  lokale  Vorgänge, 
wie  Strömung  usvv.  zu  erklären,  als  das  Herboibringen  so 
gewaltiger  Konglomera.tmas5.en  aus  weiter  Entfernung. 
Zudem  tritt  bei  Daubitz  die  Brongniartistufe  bereits  wieder 
in  konglomeratischer  Ausbildung  auf  mit  den  typischer 
Braunsteingeröllen. 

Cenoman  in  mergeliger  Fazies  findet  sich  übrigens  auch 
an  anderen  Stellen,  z.  B.  auf  dem  Kahlebusch  bei  Dohna, 
dem  Gamighügel  bei  Kreischa,  dem  Hohen  Stein  bei  Dresden. 
Diese  Hügel  haben  die  Auflagerungsfläche  des  Cenoman* 
inselförmig  überragt,  am  Kahlbusch  beispielsweise  um  etwa 
50  m;  während  das  tieferliegende  Cenoman  von  normaler 
Beschaffenheit  ist,  entstand  auf  den  Kuppen  selbst  die 
mergelige  Klippenfazies.  Piktzsch  sagt  hierüber:  „Infolge 
dieser  ursprünglichen  Niveauversehiedenheiten  liegt  die 
Auflagerungsfläche  des  Cenomans  auf  dem  Kahlbuschgipfel 
in  einer  solchen  Höhe,  daß  sie  bereits  in  die  Labiutus- 
schichten  lagen  würde,  wenn  diese  sieh  hier  auf  dem 
Cenoman  erhalten  hätten.“ 

Staff  faßt  sein  Urteil  dahin  zusammen:  „Die  Senkung 
erfolgte  hier  also  rascher  aft  die  brandenden  Wogen  eine 
eben«'  Abrasionsfläche  zu  schaffen  vermochten.  Der  Boden 
dieses  Meeresarmes  sank  w  ährend  der  Oberkreidezeit  dauern  ! 
ab,  so  daß  eine  mächtige  Serie  faziell  gleichbleibender 
Seichtwasserschichten  in  ihm  abgelagert  werden  konnte, 
deren  foinsandiges  und  toniges  Material  auf  fluviatilem 


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Wege  von  dem  benachbarten,  tiefgründig  verwitterten,  mit 
Crednericn  bestandenen  Peneplainküsten  herbeigeschafft 
wurde.“ 

Von  Interesse  ist  ferner  die  von  Gutbier  bereits  fest¬ 
gestellte  Kreuzschichtung  in  der  Labiatusstufe  von  König¬ 
stein  elbaufwärts  bis  Tetschen.  Die  söhligen  Hauptschichten 
werden  unter  spitzem  Winkel  von  nach  W  oder  NW 
geneigten  Nebenschichten  geschnitten.  Beck  erklärt  im 
Anschluß  an  Frantzen  dieses  Phänomen  als  durch  die 
Strömung  der  an  der  ganz  nahen  Küste  einmündenden  Flüsse 
oder  durch  die  von  der  Küste  zurückflutenden  Brandungs¬ 
wellen  hervorgebracht. 

Nach  den  Untersuchungen  Kossmats  über  Schwere - 
anomalicn  stellt  das  Gebiet  der  sächsischen  Kreide  ein 
Massendefizitgebiet  dar,  das  sich  deutlich  vom  Lausitzer 
Überschußgebiet  abhebt,  das  aber  ins  Erzgebirge  hinein 
verläuft.  Wir  würden  dann  das  Bild  eines  unsymmetrischen 
Grabens  haben,  der  zwischen  Lausitzer  und  Erzgebirgsscholle 
eingeklemmt  ist,  eines  Ausläufers  „der  durch  Kreidesedi¬ 
mente  erfüllten  Senke  am  sudetischen  Innenrande“. 

Die  sächsische  Kreide  ist  somit  nicht  auf  einer 
unbewegten  Abrasionsfläche  abgelagert  worden,  sondern  es 
sind  im  fraglichen  Gebiet  zwei  Flügel  zu  unterscheiden,  ein 
südlicher,  der  während  der  Sedimentation  langsam  nieder¬ 
ging,  und  ein  nördlicher,  der  entweder  stehen  blieb,  oder 
—  was  wahrscheinlicher  ist  —  langsam  gehoben  wurde 
und  von  der  Sedimentation  freiblieb. 

Auch  der  paläontologische  Inhalt  der  sächsischen  Kreide 
verweist  auf  eine  nahe  Küstenführung;  denn  allenthalten 
begegnet  man  Formen  einer  litoralen  Fazies.  Wir  müssen 
uns  also  in  einem  Gebiet  befinden,  bei  dem  die  Über¬ 
flutung  den  Wert  der  Absenkung  nur  um  ein 
Geringes  über  troffen  hat;  das  kann  aber  bei  der 
großen  Mächtigkeit  der  Kreidesedimente  nur  in  einer  lang¬ 
sam  absinkenden  Mulde  der  Fall  sein.  Auch  die  Klippen¬ 
fazies  weist  darauf  hin,  daß  an  eine  Abrasionsfläche  nicht 
zu  denken  ist. 


VIH.  Ergebnis. 

Tektonische,  petrographische  und  paläontologische 
Gründe  sprechen  dafür,  daß  die  Auflagerungsfläche  der 
sächsischen  Kreide  eine  einheitliche  Abrasionsfläche  im 
Sinne  Richthofens  nicht  gewesen  sein  kann,  sondern  daß 

Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  8 


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tatsächlich  —  um  nochmals  mit  Lepsius  zu  sprechen  — . 
„eine  tektonische  Grabenversenkung  ge¬ 
schah“,  die  das  Gebiet  südlich  der  Lausitz 
unter  den  Meeresspiegel  brachte  und  lange 
Zeit  hindurch  in  dieser  Bewegung  an  hielt. 

Leipzig,  Geolog.  Institut,  März  1923. 

[Manuskript  eingegangen  am  23.  April  1923.] 


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4.  Die  Kräftegruppen  des  Vulkanismus  und  der 
Tektonik  und  ihre  gegenseitigen  Beziehungen. 

Gin  Rückblick  und  Ausblick« 

Von  Herrn  Hans  Reck  in  Berlin. 

Meines  verehrten  Lehrers,  W.  v.  Branca,  am  9.  Sep¬ 
tember  dieses  Jahres  vergangener  80.  Geburtstag  wurde  mir 
der  Anlaß  zu  den  folgenden  Zeilen. 

Solche  seltene  Tage  sind  kurze  Ruhepunkte  im  hasten¬ 
den  Zeitlauf.  Sie  bergen  die  Stunden  der  Rückschau, 
des  Überblickes  über  die  Ernte  eines  Lebens,  v.  Branca 
ist  aus  dem  Kreise  der  Schaffenden  getreten.  In  stiller 
Zurückgezogenheit  durchwandert  er  des  Lebens  Abend.  So 
muß  ein  Jüngerer  für  ihn  sprechen,  das  Bild  zu  geben 
versuchen,  das  weit  vollkommener  er  selbst  hätte  zeichnen 
können.  In  kurzen  Strichen  soll  es  jenes  Wirken  des 
Meisters  herausheben,  das  seinem  Herzen,  seinem  Sinnen 
am  nächsten  lag,  das  ihn  am  meisten  bewegte  gerade  in 
den  rührigsten  Jahren  seines  Schaffens.  Kein  anderes  Feld 
seiner  Tätigkeit  war  so  heiß  umstritten,  auf  keinem  tobte 
der  Kampf  der  Meinungen  so  heftig  als  auf  diesem.  Dieses 
Kampffeld  ist  der  Vulkanismus  —  und  zwar  die  Lehre 
vom  Vulkanismus  in  seinen  Beziehungen  zur  Tektonik. 

Allein  die  Zeit  ist  zu  ernst  zu  beschaulichem  Rück¬ 
blick  allein.  Rückblick  ist  fruchtlos,  wenn  sich  an  ihn 
nicht  ein  Ausblick  knüpft.  In  der  Frühzeit  v.  Brancas 
Tätigkeit,  vor  einigen  40  Jahren,  lag  der  Fragenkomplex 
seines  Arbeitsgebietes  noch  ganz  anders  als  jetzt.  Das 
Maß  seiner  heutigen  Umgestaltung  zeigt  und  ist  zu  einem 
gut  Teil  Brancas  Lebenswerk  und  Lebenserfolg.  Er  sah 
selbst  noch  von  dem  Endpunkt  seines  Arbeitspfades  die 
Weite  der  Probleme  vor  ihm.  Manchen  Blick  seiner  Schüler 
lenkte  er  auf  diese  Fragen,  manches  nie  veröffentlichte 
Wort  half  ihnen  dabei,  solche  Fingerzeige  als  Wegweiser 
zu  erfassen  für  künftige  Forschung. 

Schon  Brancas  Dissertation1),  seine  nicht  nur  in 
deutscher  Sprache,  sondern  auch  in  der  italienischen  Aka- 


*)  W.  Baanco,  Die  Vulkane  des  Hernikerlandes.  N.  Jahrb. 
f.  Min.  1877.  Ders.,  I  vulcani  degli  Ernici.  Reale  Accad.  dei 
Lincei,  Roma  1877. 

8* 


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demie  zu  Rom  erschienenen  Studien  über  die  Vulkane 
des  Hernikerlandes  führte  ihn  in  die  Problematik  des  Vul¬ 
kanismus  ein.  Es  begann  damals  die  Zeit  einer  ersten 
Reaktion  gegen  den  gerade  auf  dem  Gebiet  des  Vulkanis¬ 
mus  sicher  zu  weit  gegangenen  ScnoPE-DANA-LYELUscheii 
Aktualismus  in  der  Geologie  zu  dämmern,  welche  wohl 
mit  den  aufsehenerregenden  amerikanischen  Arbeiten  über 
die  Entstehung  der  Lakkolithe2)  einsetzte.  Bald  darauf 
erkannte  auch  Geikie3)  in  seinem  Heimatlande  die  spon¬ 
tane,  autochthone  Kraft  vulkanischer  Befreiungsakte  und 
legte  seine  Ansichten  in  einem  Werke  nieder,  das  fast  einzig 
in  seiner  Art  bis  heute  geblieben  ist. 

Auch  in  Österreich  erwachte  die  Erkenntnis  von  der 
selbständigen  Kraft  des  Vulkanismus,  wo  sie  der  junge, 
allzufrüh  verstorbene  Löwl4)  verfocht,  in  Deutschland  aber 
wurde  B  ras  ca  der  Vorkämpfer  dieser  Idee,  und  an  seinen 
Namen  knüpft  sich  weiterhin  in  erster  Linie  der  „Kampf 
um  die  vulkanische  Spalte“. 

Nachdem  Brancas  Lebens-  und  Arbeitsfeld  in  das  Gebiet 
der  Alb  gerückt  war,  regten  ihn  bald  die  dort  regellos 
zerstreuten  Tuff-  und  Basalteruptionspunkte  zur  Erfassung 
des  großen  Werkes5)  an,  mit  dem  er  seinen  Namen  in 
die  Reihe  der  ersten  Vulkanologen  seiner  Zeit  für  immer 
einschaltete. 

Es  ist  bezeichnend  und  ein  Verdienst  Brancas,  daß 
durch  ihn  erstmals  wieder  seit  des  weitgereisten  L.  v.  Buchs 
Tagen  eine  grundlegende  vulkanologische  Frage  von  deut¬ 
schem  Geiste  auf  heimischem  Boden  zur  Erkenntnis  reifte. 
Das  vulkanarme  deutsche  Land,  der  deutschem  Forschen 
so  behinderte  Zutritt  zum  Studium  rezenter  vulkanischer 
Phänomene  in  der  Natur  prädestiniert  dies  Land  nicht  zu 
leichten,  grundlegenden  Ergebnissen  auf  diesem  Felde  der 
Forschung. 


2)  Bes.  Gilbert,  Geologv  of  tlie  Henry  Mountains.  Washing¬ 
ton  1877. 

3)  A.  Geikie,  Ancient  Volcanoes  of  Great  Britain.  London 
1879. 

Ders.,  On  the  earboniferous  volcanic  rocks  of  the  Basin 
of  the  Firth  of  Forth,  Transact.  Roy.  Geol.  Soc.,  Edinb.  1879,  Vol.  II. 

4)  Löwl.  Spalten  und  Vulkane.  Jahrb.  d.  K.  u.  K.  geol. 
Reichsanstalt  Bd.  36,  Wien  1886. 

Ders.,  Eine  Hebung  durch  intrusive  Granitkerne.  Verhdlg. 
d.  K.  u.  K.  geol.  Reichsanstalt,  Wien  1884. 

5)  W.  Branca,  Schwabens  125  Vulkanembrvonen.  Jahresli. 
d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturk.  i.  W.,  Teil  I,  1894.  Teil  II,  1895. 


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117 


Bbancas  schwäbischem  Werke  folgten  zwei  Jahrzehnte 
des  Kampfes  um  die  Anerkennung  seines  Inhaltes.  In  etwa 
einem  Dutzend  weiterer  Schriften  verteidigte  er  seine  An¬ 
sichten  und  baute  sie  aus.  Eine  ganze  Literatur  entstand 
für  und  wider  seine  Lehre. 

Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  auf  Einzelheiten  dieses 
Streites  einzugehen.  Er  hatte  —  wie  meist  —  neben 
mancher  persönlichen  Dissonanz  das  glückliche  Ergebnis, 
zur  sachlichen  Klärung  und  Vertiefung  der  umstrittenen 
Probleme  seinen  Beitrag  zu  leisten.  Indes  ein  nicht  seltener, 
in  der  Literatur  aber  noch  wenig  aufgezeigter  Punkt  mehr 
psychologischer  Art  soll  hier  doch  kurz  beleuchtet  werden, 
da  er  gern  zur  Quelle  unnötiger  Mißverständnisse  wird  und 
mehr  als  einmal  falsches  Licht  auf  die  Problemstellung 
selbst  zu  werfen  drohte. 

Zweck  des  Krieges  ist,  mit  allen  Mitteln  den  Gegner 
niederzukämpfen,  um  den  Sieg  zu  erringen.  Zweck  wissen¬ 
schaftlicher  Polemik  sollte  ein  ganz  anderer  sein,  und 
deshalb  dürfen  ihr  auch  nicht  alle  Mittel  dienen.  Der 
Zweck  wissenschaftlichen  Streites  ist,  ohne  Rücksicht  auf 
die  Person  der  Wahrheit  zum  Siege  zu  verhelfen.  Deshalb 
muß  wissenschaftlicher  Kampf  vor  allem  dem  Gegner  volle 
Gerechtigkeit  widerfahren  lassen.  Diese  aber  liegt  in  erster 
Linie  darin,  die  gegnerische  Ansicht  voll  und  ganz,  klar 
und  unzweideutig  selbst  zu  erkennen  und  sie  so  auch  anderen 
darzustellen,  ehe  man  und  soweit  man  sie  zu  bekämpfen 
sucht.  Sonst  verschiebt  sich  der  Angriff  oft  auf  ein  Feld, 
auf  welchem  dem  Angreifenden  nur  allzuleichter  Sieg  winkt 
—  weil  hier  kein  Gegner  steht.  Aber  es  ist  ein  Sieg  ohne 
Frucht.  Falsche  oder  doch  unvollständige  Erfassung  des 
gegnerischen  Standpunktes  täuscht  oft  nicht  nur  den  Ferner¬ 
stehenden,  dem  die  Einzelheiten  der  Problematik  nicht 
gewärtig  sind,  sie  täuscht  unbewußt  auch  oft  den  An¬ 
greifenden  selbst,  der  dann  gegen  Windmühlen  Sturm  läuft. 

Dieses  Moment  tritt  nun  gerade  im  Kampf  um  die 
vulkanische  Spalte  dem  mit  überraschender  Häufigkeit  und 
Deutlichkeit  entgegen,  der  in  der  Literatur  als  Tertius 
gaudens  dieser  Frage  gefolgt  ist. 

In  Deutschland  griffen  wohl  Kbanz  und  Deecke  am 
lautesten  die  BßANCAschen  Lehren  an.  Kbanz  früher  schon, 
meist  mit  besonderem  Bezug  auf  das  Ries.  Das  führt 
mehr  zu  speziellen  Fragen,  die  hier  unerörtert  bleiben 
müssen.  Bbanca  hat  diesen  Angriffen  gegenüber  auch 
noch  selbst  seine  Steilung  verteidigt.  Meine  eigene  Ansicht 


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118 

hoffe  ich  in  einer  geplanten  größeren  Studie  über  das 
Ries  in  nicht  allzuferner  Zeit  darlegen  zu  können.  DeeckeO 
dagegen  hat  noch  1917  heftige  Angriffe  gegen  Bbaijcas 
Lehren  im  allgemeinen  und  gegen  seine  grundlegende  Alb* 
arbeit.  im  besonderen  unternommen,  als  dieser  bereits  nickt 
mehr  antwortete.  Ich  selbst  habe  deshalb  a.  a.  O.7)  auf 
einige  der  Irrtümer  hingewiesen,  welche  Deeckes  Arbeit 
enthielt.  An  dieser  Stelle  brauche  ich  nicht  hierauf,  nicht 
auf  den  Kampf  (der  Ansichten  einzugehen,  sondern  be¬ 
schränke  mich  darauf,  zu  dem  eben  erörterten  psycho¬ 
logischen  Moment  ein  Beispiel  zu  geben. 

Beeck e  bestreitet  in  der  genannten  Publikation  Bbancas 
Satz  von  der  Unabhängigkeit  der  schwäbischen  Vulkan- 
embryonen  von  der  Tektonik  und  bezeichnet  diese  Un¬ 
abhängigkeit  —  hierin  folgt  er  Bergeat  —  als  eine  „schein¬ 
bare“. 

Aber  hat  Branca  jemals  che  Unabhängigkeit  der 
Vulkanembryonen  der  Alb  von  der  Tektonik  schlechthin 
behauptet?  Niemals.  Gegen  nie  Behauptetes  richtet  sich 
liier  ein  Angriff.  Denn  in  seinem  Buche8)  ist  deutlich  eine 
Zweiphasigkeit  des  vulkanischen  Geschehens  aufgestellt,  die 
sich  darin  zusammenfassen  läßt,  daß 

1.  Auf  dringen  eines  breiten  Schmelzkuchens  aus  der 
Tiefe  und  Sfceckenbleiben  desselben  in  der  Tiefe  erfolgte, 
für  dessen  Aufstiegsbahn  Spalten  als  möglich  zugegeben 
werden.  An  Deeckes  Standpunkt  ist  daher  nur  die  Be¬ 
stimmtheit,  mit  der  diese  Spalten  vorausgesetzt  werden, 
neu,  ferner  ihre  als  maßgebend  für  den  Vulkanismus  des 
Gebietes  dargestellte,  aber  nicht  erwiesene  Bedeutung. 

2.  Spaltenloser  Durchschuß  der  Vulkanembryonen  aus 
dem  Dach  dieser  Injektion  statthatte,  eine  Kraftäuße¬ 
rung,  die  Dekcke  als  Nebenerscheinung  bezeichnet,  trotz¬ 
dem  sie  zweifellos  mindestens  die  oberen  800  m  der 
Kruste,  soweit  also  die  Beobachtungen  in  die  Tiefe  reichen, 
beherrscht. 

Solch  zweigeteiltes  Geschehen,  wie  Bbanca  es  schon 
annimmt,  enthält  indes  bei  voller  Würdigung  der  Bedeutung 


6)  Deecke,  Tektonik  und  Vulkanismus  in  Südwest- Deutsch¬ 
land.  Diese  Zeitschr.  1917. 

7)  H.  Reck,  Bibliographie  in  Zeitschr.  f.  Vulkanologie,  19-3. 
Bd.  VII,  S.  58  bis  77. 

Ders.,  Die  Basalt-Vulkane  des  Hegaues.  Diese  Zeitschr. 
1922. 

8)  a.  a.  O.,  II.  Teil,  S.  143  ff. 


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des  Sinnes  niemals  die  Behauptung  der  Unabhängigkeit  des 
Vulkanismus  von  der  Tektonik  schlechthin,  auch  nicht  für 
das  Albgebiet,  sondern  behauptet  nur  für  eine  vulkanische 
Phase  die  Unabhängigkeit  von  einer  Komponente  der  Tek¬ 
tonik,  wie  im  folgenden  noch  näher  erläutert  werden  soll. 

Waren  aber,  wie  schon  Bbanca  als  möglich  darlegte, 
für  die  erste  Phase  in  der  Tiefe  tatsächlich  Spalten  vor¬ 
handen,  für  die  zweite  in  der  obersten  Kruste  jedoch 
nicht  oder  doch  nur  in  unwirksamer  Weise,  so  ist  das  in 
allem  wesentlichen  das  Bild,  das  Bergeat  bei  seiner  Kritik 
Br anc  Ascher  Befunde  gegeben  hat  und  dem  sich  nun  auch 
Drecke  —  nach  seinem  Angriff  auf  die  unvollständig  expo¬ 
nierte  BRANCAsche  Ansicht  —  anschließt. 

Man  sieht,  daß  diese  Ansichten  letzten  Endes  wider¬ 
spruchslos  auf  Bbancas  tatsächliche  Ausgangsstellung 
zurückführen.  Nur  ein  Wort  wäre  bei  ihrer  neueren  Fassung 
wohl  unrichtig:  daß  nämlich  die  Unabhängigkeit  der  Embry¬ 
onen  von  der  Tektonik  eine  „scheinbare“  sei.  Liegen  die 
Verhältnisse  in  der  Tat  so,  wie  alle  drei  genannten  Autoren 
in  sachlicher  Übereinstimmung  annehmen,  dann  ist  nichts 
„Scheinbares“  an  dem  Bilde,  sondern  eine  scharfe  Zwei¬ 
teilung  des  Befundes:  Abhängigkeit  des  Vulkanismus  von 
Tiefenspalten  einerseits,  Unabhängigkeit  des  vulkanischen 
Befreiungsaktes  von  Dachspalten  bis  zu  mindestens  800  m 
Tiefe  andererseits. 

Dies  eine  Beispiel  möge  genügen,  um  die  Bedeutung 
des  genannten  psychologischen  Momentes  der  wissenschaft¬ 
lichen  Kriegführung  zu  beleuchten.  Es  möge  gleichzeitig 
genügen,  um  aufzuzeigen,  daß  der  BRANCAsche  Satz  „von 
der  möglichen  Unabhängigkeit  vulkanischer  Vorkommen  von 
tektonischen  Spalten“  trotz  aller  Angriffe  auch  heute  nicht 
nur  noch  seinen  Platz  behauptet  hat,  sondern  darüber 
hinaus  zum  gesicherten  Besitzteil  vulkanologischen  Wissens 
herangereift  ist. 

An  diesen  Rückblick  schließt  sich  von  selbst  die  Frage 
an:  Was  bedeutet  die  im  Einzelfalle  meist  nur  von  lokalem 
Interesse  beherrschte  Feststellung,  ob  ein  Vulkan  auf  einer 
Spalte  sitzt  oder  nicht,  für  Fragen  der  allgemeinen  Geo¬ 
logie?  Welche  Grundlagen  für  weitere  Arbeit  bietet  die 
Erkenntnis  der  Möglichkeit  spaltenlosen  Auftretens  eines 
Vulkans  an  der  Oberfläche? 

Der  erwiesene  Einzelfall  solcher  Möglichkeit  hat  als 
notwendige  unmittelbare  Folge  die  Erkemitnis  eines  Gesetzes. 


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Denn  was  einmal  möglich  ist,  muß  bei  ähnlichen  physika¬ 
lischen  Voraussetzungen  auch  wiederholt  —  zeitlich  und 
räumlich  —  möglich  sein.  Ein  solches  Gesetz  aber  spricht 
dem  Vulkanismus  selbständig  wirkende  Kraft  zu  und  stellt 
ihn  damit  wieder  gleichberechtigt  an  die  Seite  der  Tektonik, 
als  deren  willenloses  Gefolge  er  bis  dahin  gerne  betrachtet 
wurde.  Vulkanischem  Wirken  wird  wieder  ein  eigenes 
Wirkungsfeld  eröffnet.  Bis  zu  den  letzten  Fragen  der  inneren 
Dynamik  unserer  Erde  führt  also  die  Lehre  Braxcas 
zurück. 

Indes  dank  der  jetzt  fast  allgemein  anerkannten 
Richtigkeit  ihrer  Grundsätze  hat  sich  der  Schwerpunkt  der 
Fragestellung  gegen  früher  wesentlich  verschoben.  Nicht 
mehr,  ob  es  einen  Punkt  und  welchen  Punkt  es  gibt,  an 
dem  vulkanische  Kraft  sich  selbständig  befreien  kann,  gilt 
es  heute  zu  entscheiden,  sondern  die  erste  Untersuchung  in 
jedem  vulkanischen  Arbeitsgebiet  hat  die  Frage  zu  prüfen, 
in  welchem  Verhältnis  die  untersuchten  vulkanischen  Einzel¬ 
gestalten  zur  Tektonik  ihrer  Unterlage  und  Umgebung 
stehen.  Die  Spaltenfrage  der  Vulkane  hat  sich  weiter 
entwickelt  zur  tieferen  Frage  der  wechselseitigen 
Beziehungen  zwischen  Vulkanismus  und  Tektonik  und  der 
diese  Relationen  beherrschenden  Gesetze. 

Eine  der  bedeutsamsten  dieser  weitverzweigten  Wechsel¬ 
wirkungen  bleibt  dabei  die  folgenschwere  Reihe  der  Be¬ 
ziehungen,  die  zwischen  Vulkan  und  Spalte  bestellen. 

Um  ihre  Bedeutung  zu  erfassen,  wird  es  vorteilhaft  sein, 
die  wirksamen  Kräftegruppen  von  vornherein  scharf  zu 
scheiden.  Die  eine  dieser  Gruppen  umfaßt  die  Gesamtheit 
der  vulkanischen,  die  andere  die  der  tektonischen  Kräfte 
und  ihrer  Gebilde.  Jede  dieser  Gruppen  zeigt  zwei  total 
verschiedene  Ansichten:  ein  Bewegungsbild  und  ein  Stand¬ 
bild.  Man  kann  letzteres  wohl  besser  das  Strukturbild  nennen. 
Es  ist  Ergebnis  und  Folge  des  Bewegungsbildes,  also  jünger 
und  in  der  Zeiteinheit  dem  anderen  nicht  ebenbürtig  neben¬ 
geordnet.  In  dem  Maße,  wie  die  Bewegung  sich  veraus¬ 
gabt,  reichert  es  ihre  Spuren  in  seinem  Formenschatz  an. 
Beide  Bilder  sind  ihrem  Wesen  nach  Phasenbilder  einer 
genetischen  Reihe.  Das  jüngere  Strukturbild  der  es  ge¬ 
schaffen  habenden  Bewegungsphase  wird  zur  genetischen 
Grundlage  des  nächstjüngeren  Bewegungsbildes,  das  unter 
dem  Einfluß  der  älteren  Leitlinien  nunmehr  sein  neues 
Strukturbild  schafft.  Aufgabe  des  Geologen  ist  es,  die 
älteren  Züge  von  den  jüngeren  zu  scheiden.  Die  erste 


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121 


Komplikation  schon  in  der  Beurteilung  des  großen  Rahmens 
des  Problems  kommt  hierin  zum  Ausdruck. 

Ein  Beispiel:  Seitlicher  Druck  legt  ein  ungestörtes 
Kruste nstück  in  Falten.  Der  tektonischen  Phase  folgt  die 
vulkanische.  An  druckentlasteten  Steilen  steigt  Schmelz¬ 
fluß  empor,  sei  es  als  Injektion  oder  als  Ejektion.  Der 
vulkanische  Zyklus  läuft  ab.  Der  Vulkan  erlischt;  die  Tiefen¬ 
injektion  erstarrt.  Eine  neue  tektonische  Phase  setzt  ein. 
Sie  findet  einen  vorbestimmten  Rahmen,  andere  Grundlagen. 
Der  neue  Druck  sei  gleichsinnig  dem  ersten.  Trotzdem 
wird  er  sich  nicht  gleichartig  auswirken  können.  Gleich¬ 
artig  vielmehr  nur  da,  wo  das  reine  Faltungsbild  erhalten, 
wo  seit  jener  ersten  tektonischen  Periode  die  Faltung 
nur  gleichsam  unterbrochen  war.  Hier  wird  er  die  Falten 
weiter  zusammenpressen  und  entwickeln  können.  Im  vulka¬ 
nischen  Gebiet  aber  findet  er  neue  Widerstände  einge¬ 
schaltet.  Er  stößt  auf  starre  Laven  und  Tiefengesteine. 
Massengesteine  sind  in  der  oberen  Erdkruste  faltungsfeind¬ 
lich.  Das  vulkanische  Zentrum,  in  analoger  Weise  der 
lakkolithische  Kern,  schält  sich  als  bruchumrissener  Block 
heraus.  Meist  nicht  nur  als  Block,  sondern  auch  als  Horst 
da,  wo  vertikale  Bewegung  eine  Rolle  spielt,  weil  auch 
hierin  Vulkan  und  Stock  sich  abweichend  verhalten  von  der 
freischwebenden  Sedimentdecke.  Sie  sind  fester  verankert 
in  der  Tiefe,  Hebung  und  Senkung  gegenüber  daher  ebenso 
feindlich  wie  Faltung  aus  der  Horizontalen.  Für  die  hier 
vorangestellte  Spaltenfrage  entsteht  ein  bedeutungsvolles 
Bild:  im  Faltenbereich,  analog  auch  in  weniger  bewegtem 
Rahmen,  ein  vulkanisches  Bruch-  und  Horstgebirge.  Indessen 
sind  die  Brüche,  die  es  durchziehen  und  umreißen,  ganz 
oder  teiweise  jünger  als  der  Vulkanismus,  sind  Folge  und 
Wirkung  vulkanischen  Geschehens. 

Die  Variabilität  der  Wirksamkeit  der  Kräfte  im  selben 
Tätigkeitsfelde  ist  offenkundig.  Das  Beispiel  nahm  gleich¬ 
bleibende  Art  der  tektonischen  Kraft  an.  Der  Vulkanismus 
dagegen  zeigte  in  den  beiden  Druckphasen  völlig  ver¬ 
schiedenes  Verhalten.  In  anderem  Falle  kann  naturgemäß 
auch  verschiedene  Art  der  tektonischen  Wirksamkeit  vor¬ 
liegen.  Und  wiederum  zweifacher  Art  kann  auch  die 
Reaktion  des  Vulkanismus  in  der  Phasenzeit  sein.  Die 
Summe  möglicher  Komplikationen  zeigt  vielseitige  Zunahme. 

Ich  beschränke  mich,  um  klare  Übersicht  zu  wahren, 
im  folgenden  auf  die  Gliederung  des  Bewegungs- 
b  i  1  d  e  s ,  was  um  so  mehr  möglich  ist,  als  das  Struktur- 


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bild  an  sich  etwas  Totes,  Fertiges  ist,  das  nur  unter  dem 
Einfluß  erneuter  Bewegung  eine  eigene  Wirkung  ausüben 
kann,  die  sich  daher  als  Teil  des  neuen  Bewegungsbikles 
da rs teilen  und  abieiten  lassen  muß. 

Das  Bewegungsbild  des  Vulkanismus. 

Es  ist  Ausdruck  und  Folge  aktiver  oder  passiver  Be¬ 
wegung  des  Magmas. 

1.  Die  passive  Komponente  des  Vulkanismus 
zeigt  diesen  in  seiner  ausgesprochensten  Abhängigkeit  von 
der  Tektonik.  Tektonischer  Druck  von  den  Seiten  oder 
Dachdruck  kann  den  beweglichen  Stoff  eines  Magma  - 
reservoirs  beispielsweise  auf  dem  Wege  isostatischen 
Schollen-  und  Schwereausgleiches  in  Aktion  setzen.  Im 
tektonischen  Struktur-  oder  Bewegungsbild  vorhandene 
Schwächestellen,  die  durch  Spalten  dargestellt  sein  können, 
aber  nicht  müssen,  bestimmen  die  Bahnen  eines  solchen 
Ausgleiches,  soweit  nicht  ein  Überhandnehmen  der  aktiven 
Kraftkomponente  des  vulkanischen  Stoffes  diesen  auf  selbst¬ 
geschaffene  Wege  verweist,  die  indes  auch  stets  da  liegen 
müssen,  wo  sich  der  magmatischen  Befreiung  die  geringsten 
Widerstände  entgegenstellen. 

Es  liegen  heute  noch  wenige  Anhaltspunkte  vor,  welche 
gestatten  würden  nachzu weisen,  daß  es  gerade  die  Erfüllung 
dieser  physikalischen  Voraussetzungen  war,  welche  die  Ge¬ 
staltung  im  Einzelfall  in  der  Natur  bestimmt  hat.  Sichere 
allgemeine  Merkmale,  welche  eine  Entscheidung  ermöglichen, 
ob  im  Einzelfallc  aktive  oder  passive  vulkanische  Bewegung 
das  Zustandekommen  des  vulkanischen  Bildes  bedingt  hat, 
kennen  wir  heute  noch  nicht.  Sie  können  auch  in  Zukunft 
nur  aus  einem  Vergleich  und  der  Erkenntnis  gesetzmäßiger 
Wechselbeziehungen  zwischen  dem  vulkanischen  und  dem 
tektonischen  Bewegungsbild  erwartet  werden.  Einer  der 
wahrscheinlichsten  Fälle  des  beherrschenden  Vortretens  der 
Wirksamkeit  der  passiven  Komponente  des  vulkanischen 
Bewegungsbildes,  der  mir  näher  bekannt  ist,  dürfte  im 
Epigonengebiet  der  beiden  ost afrikanischen  Vulkane  Hanang 
und  Ufiome  vorliegen.  Zur  näheren  Begründung  muß  ich 
auf  die  diesbezüglichen  Studien9)  verweisen. 

9)  H.  Reck,  Über  vulkanische  Horstgebirge.  Zeitsehr.  f. 
Vulkanologie,  1922,  Bd.  VI,  H.  3,  S.  155  bis  183. 

(Eine  Monographie  dieser  beiden  Vulkane  und  ihres  epige¬ 
netischen  Gürtels  ist  in  Arbeit  und  wird  vermutlich  im  Laufe 
des  nächsten  Jahres  erscheinen.) 


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2.  Die  aktive  Komponente  des  Vulkanismus 
dagegen  ist  es,  der  man  mit  Branca  meist  —  und  wohl  mit 
Recht  —  die  bedeutendere  Rolle  für  das  Zustandekommen 
des  vulkanischen  Bewegungsbildes  zuschreibt.  Sicher  ist  sie 
in  den  meisten  Fällen  nicht  allein  maßgebend.  So  gut  wie 
beim  Vorherrschen  der  passiven  Komponente  auch  die 
aktive  Kraft  des  Magmas  mitwirken  kann  und  wird,  so  gut 
kann  auch  die  passive,  also  die  mit  von  außen  herantreten¬ 
den  Kräften  arbeitende  Komponente  der  Bewegung  sich  mit 
einer  vorherrschenden  aktiven  autocht honen  Kraftquelle  des 
Magmas  vereinen,  insbesondere  sie  aus  lösen  und  in  Wirk¬ 
samkeit  setzen. 

Die  letzte  Ursache  der  Bewegung  im  Magma  ist  eine 
so  wenig  gelöste  Frage  wie  die  Raumfrage  des  Vulkanismus. 
Trotz  eifriger  Bemühungen  und  wertvoller  Fortschritte 
unseres  Wissens  in  dieser  Richtung,  an  die  sich  besonders 
die  Namen  von  Cloos,  Daly  u.  a.  knüpfen,  sind  wir  heute 
noch  weit  davon  entfernt,  ein  befriedigendes  Gesamtbild 
des  Vorganges  und  der  wirksamen  Kräfte  zu  haben,  die 
zur  Schaffung  und  Füllung  des  von  den  empordrängenden 
Tiefenmassen  in  der  äußeren  Erdkruste  beanspruchten 
Raumes  führen.  Keine  der  bisher  aufgestellten  Theorien 
der  Explosion,  des  Wegbrechens,  des  Aufschmelzens  oder 
des  Platztausches  kann  die  vielgestaltige  Gesamtheit  aller 
beobachteten  Einzelheiten  decken  und  erklären;  wohl  wesent¬ 
lich  deshalb  nicht,  weil  auch  hier  eine  noch  unerfaßt 
vielgestaltige  Kräftesynthese  sich  zu  einem  einfach 
erscheinenden  Resultat  entwickelt.  Genau  so  wenig  wissen 
wir  über  die  letzten  Ursachen  der  jeder  Beobachtung  und 
selbst  dem  naturgetreuen  Experiment  entzogenen  Be¬ 
wegungsimpulse  der  Tiefenschmelze.  Die  Erklärung  jedes 
geologischen  Bewegungsbildes  muß  heute  von  dem  schon 
bewegten,  strömenden  Magma  ausgehen.  Daß  Wechsel  und 
Unausgeglichenheit  im  Druck-  und  Temperaturgefälle 
sowie  die  Schwere  die  Bewegung  in  erster  Linie  bedingen 
und  beherrschen,  glauben  wir  zu  wissen.  Das  „Wieu  steht 
meist  noch  im  Bereiche  der  Hypothese.  Nur  die  Tatsache 
des  allgemein  möglichen  Vorhandenseins  von  Bewegung  ist 
z.  B.  durch  die  Beobachtung  regional  auftretender  fluidaler 
Strukturen  in  Massengesteinen  u.  a.  m.  eine  gesicherte  Er¬ 
kenntnis.  Daß  solche  Strömungen  auch  der  tiefsten,  nur  nach¬ 
träglicher  Beobachtung  zugänglichen  Stufe  der  Erdrinde  eigen 
sind,  der  batholithischen  Tiefe nzone,  das  zeigen  zahlreiche 
Profile  in  allen  Urgebirgsgebieten  der  Erde,  so  etwa  die  Auf- 


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Schlüsse  der  skandinavischen  Batholithenränder  mit  ihren 
Aufblätterungsstrukturen.  In  solchem  Tiefenniveau  aber 
nähern  wir  uns  der  Grenze  der  Verschiedenheit  tektonischer 
und  vulkanischer  Kraft.  Der  Vulkanismus  wird,  wie  Cloos 
einmal  in  anderem  Zusammenhänge  sagte,  zur  Tektonik 
mit  hochplastischem  Material.  Wenn  und  soweit  dieser 
Satz  richtig  ist,  muß  er  auch  umkehrbar  sein.  Das 
plastische  Tiefenmaterial  läßt  bei  der  Umformung  im 
»Streben  nach  neuer  Gleichgewichtseinstellung  in  verschie¬ 
denen  T;' fei  'rrm  verschiedene  Charaktereigenschaften 
erkennen,  so  etwa  in  der  Art  der  Mineralneu-  und  -Umbildun¬ 
gen.  der  „gerichteten  Kennzeichen“  usw.  Die  individuali¬ 
sierten  starren  Massen  und  Schollen  einer  äußeren  Erdhaut 
und  die  an  sie  geknüpften  Störungsbilder  fehlen  der  plasti¬ 
schen  Tiefe.  Das  Bewegungsbild,  das  räumlich 
dem  ungeheuren  Kraftfelde  des  Erdkerns 
näher  3teht  als  den  Einflüssen  der  fernen., 
dünnen  Erdhaut,  dürfte  auch  von  dort  aus 
in  erster  Linie  seine  Prägung  erhalten. 

Die  Differenzierung  des  Strukturbildes,  die  schon  die 
Batholithen  in  ihrer  Randzone  gegen  eine  weniger  nach¬ 
giebige  Umrahmung  erkennen  lassen,  wird  augenscheinlicher 
im  lakkolithischen  Niveau,  in  dem  die  Kuppelstrukturen 
der  Mantelschichten  um  die  intrusiven  Kerne  keinen  Zweifel 
mehr  aufkommen  lassen  an  ihrer  Entstehung  durch  den 
intrusiven  Akt. 

Selbst  solche  prägnanten  vulkanischen  Strukturen  sind 
auch  denkbar  als  Folge  einer  passiven  Komponente  des 
Vulkanismus.  Da  nämlich,  wo  etwa  sinkende  Schollen  des 
Umlandes  in  Nachbarschollen  Magma  isostatisch  aufpressen. 
Solche  Zweiheit  der  Kräfte  könnte  beispielsweise  in  einer 
tektonisch  orientierten  Lakkolithenzonc  mit  durch  das  Magma 
geschaffenen  Einzelräumen  zum  Ausdruck  kommen.  Aber 
das  Auftreten  der  Lakkolithe  scheint  nicht  an  Gebiete  und 
Zeiten  solcher  Wechselbewegung  gebunden. 

Der  Beobachtung  am  häufigsten  und  leichtesten  zugäng¬ 
lich  ist  die  letzte  und  klarste  Äußerung  vulkanischer  Kraft, 
welche  zur  Befreiung  des  Schmelzflusses  an  der  Oberfläche 
führt.  Die  Diatrcmen  und  Explosionskrater  sind  ihr  Aus¬ 
druck,  auf  deren  Bahnen  dann  der  Schmelzfluß  zum  Aus¬ 
tritt  kommt. 

In  diesem  vulkanischen  Niveau  wird  die  Bedeutung 
der  magmatischen  Gase  als  Hauptträger  der  vulkanischen 
Kraft  besonders  augenscheinlich.  Hobe  Temperatur,  Leichtig- 


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keit  und  Beweglichkeit  sichern  ihnen  bessere  Kraftnachfulir 
aus  der  Tiefe  als  dem  Schmelzfluß  selbst.  Wieweit  sie 
aufschmelaend  wirken,  ist  noch  unerkannt.  Die  Schmelz¬ 
wirkung  des  Magmas  auf  Bach  und  Wand  seines  Raumes 
scheint  auf  alle  Fälle  nur  in  großen  Tiefen  eine  bedeutsame 
Rolle  zu  spielen.  Bei  den  Gasen  mag  sie  auch  in  höherem 
Niveau  von  größerer  Bedeutung  sein.  Den  Endeffekt  liefert 
jedoch  in  allen  bekannten  Fällen  der  explosive  Akt. 

Er  setzt  ein  mit  Erreichung  des  Explosionspunktes,  also 
desjenigen  Punktes,  in  dem  durch  Auf st-^ofdevi.  Gase  ihr 
Dachdruck  soweit  reduziert  ist,  daß  die  -  Gasiddung  zu 
stürmischer  Expansion  übergehen  kann.  Es  ist  offenbar, 
daß  Hohlräume,  Spalten,  Haarrisse  das  Eintreten  der  Explo¬ 
sion  beschleunigen  und  erleichtern. 

Man  ist  im  allgemeinen  stillschweigend  der  Meinung, 
daß  der  Explosionspunkt  eines  Durchschußkanals  da  gelegen 
habe,  wo  der  Sprengkanal  in  der  Tiefe  beginnt.  In  der 
Tat  kennt  man  solchen  Ausgangspunkt  nur  in  ganz  wenigen 
Fällen.  Und  in  diesen  entspricht  der  Befund  durchaus  nicht 
ohne 'weiteres  solcher  Annahme.  So  ist  von  einem  der  durch 
Bergbau  erschlossenen  Blueground-Rohre  Südafrikas  seine 
umgekehrt-trichterförmige  Erweiterung  nach  unten  nach¬ 
gewiesen,  durch  die  er  in  einen  unterlagemden  Gang  über¬ 
geht.  Eine  Durchmesserverengerung  nach  oben  in  der 
Richtung  der  Explosion  entspricht  nicht  dem  Bilde  eines 
solchen  elementaren  Aktes,  dessen  Kräfteausmaß  bei  Rohr¬ 
längen  von  600—1000  m,  wie  sie  von  verschiedenen  Vulkan¬ 
gebieten  —  auch  von  der  Alb  —  bekannt  sind,  allerdings 
ein  unvorstellbar  großes  sein  müßte.  Auch  Bergeat10)  hat 
noch  neuestens  betont,  daß  der  Durchschuß  aus  so  ge¬ 
waltigen  Tiefen  ein  mechanisches  Rätsel  sei. 

Ich  möchte  hierzu  bemerken,  daß  in  der  Tat  die  mir 
bekannten  Nachrichten  über  die  wenigen  beobachteten 
Durchschüsse  und  Vulkanneubildungen  auf  der  Erde  nichts 
von  derart  elementarem  Wirken  erkennen  lassen.  Kräfte, 
welche  Sträucher  und  Steine  30 — 50  in  hoch  schleudern, 
scheinen  ein  mehrfach  vorkommendes  Maß  der  Kraft¬ 
entfaltung  zu  kennzeiclmen.  Das  bekannte  katastrophale 
Erdbeben  von  Ischia,  das  selbst  an  der  benachbarten 
neapolitanischen  Küste  schon  kaum  mehr  gespürt  wurde, 
wird  sogar  allgemein  als  mißglückte,  oberflächennah  stecken- 

10)  Bebgeat,  Plutonismus  und  Vulkanismus.  In  „Grund¬ 
züge  der  Geologie“.  Herausgegeben  von  W.  Salomon.  Stutt¬ 
gart  1922,  S.  77. 


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gebliebene  Explosion  aufsteigenden  Magmas  gedeutet.  Auch 
pflogen  solche  Ereignisse  nicht  spontan  einzusetzen.  Tage- 
und  wochenlang  vorher  stoßweise  einsetzende  Erschütte¬ 
rungen  und  Geräusche  gehen  dem  Durchbruch  in  der  Regel 
voran.  Darin  aber  verrät  sich  m.  E.  deutlich  das 
allmähliche,  ruckweise  Aufdringen  des  Schmelzflusses 
und  seiner  Gase,  deren  endlicher  Explosionspunkt 
danach  sehr  seicht  zu  liegen  scheint.  Die  end¬ 
gültige  Ausblasung  des  Durchbruchkanals  und  seine 
normale  Ausrundung  und  Erweiterung  zum  Rohr  des  fertigen 
Vulkans  kann  aber  dann  sehr  wohl  erst  Folge  und  nicht 
Begleiterscheinung  des  Befreiungsaktes  selbst  sein.  So  wurde 
beispielsweise  bei  der  Nadel  der  Montagne  Pel6e  der  ur¬ 
sprünglich  kantige,  mehr  der  Austrittsspalte  angepaßte 
Querschnitt  erst  später  zur  Kreisform  ausgerundet.  Solche 
Auffassung  des  Vorganges  der  Diatremenbildung  rückt  sie 
jedenfalls  in  begreiflichere  Form  und  setzt  nicht  Kräfte 
voraus,  welche  aus  dem  Rahmen  normalen,  heutigen  vulka¬ 
nischen  Geschehens  weit  herausfallen. 

Rückblickend  ergibt  sich  9omit  für  das  Bewegungsbild 
des  Vulkanismus,  daß  seine  aktive  endogene  Kraftkompo¬ 
nente  sowohl  im  plutonischen  Bereich  der  Batholithe  und 
Lakkolithe  wie  im  vulkanischen  Raum  der  äußeren  Kruste 
wirksam  sein  kann  olrne  jegliche  erkennbare  Beziehung 
zur  Tektonik,  daß  aber  durch  die  Verknüpfung  der  aktiven 
mit  einer  passiven  Komponente  exogen  an  den  Schmelz¬ 
fluß  herantretender  Kräfte  die  Übergänge  einsetzen,  welche 
zu  den  in  der  Regel  so  innigen  Wechselbeziehungen  mit 
der  Tektonik  hinüberführen. 

Das  Bewegungsbild  der  Tektonik. 

Einer  Unterscheidung  von  aktiver  und  passiver  Kompo¬ 
nente  im  Kräftehaushalt  der  Tektonik  kommt  eine  ganz 
andere  Bedeutung  zu.  Denn  der  Tektonik  ^wohnen  in  der 
Regel  keine  eigenen  wirksamen  Bewegungskräfte  inne, 
sondern  Tektonik  im  allgemeinen  Sinne  ist  Bewegung  von 
Krustenteilen  durch  von  außen  an  diese  herantretende 
Kräfte,  ist  nur  passive  Bewegung.  Im  tektonischen  Akt 
schieben  und  heben  sich  die  Massen  nicht  aus  eigener 
Kraft,  sondern  sie  werden  gehoben  und  verschoben. 

Nur  zwei  Fälle  führen  die  aktive  Komjx)nente  auch 
in  die  Tektonik  ein.  Der  eine  repräsentiert  die  Tektonik 
des  Salzes,  des  Gipses  und  ähnlicher  Gesteine,  bei  der  dann 
auch,  genau  wie  beim  Vulkanismus,  die  Bedeutung  und 


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das  Maß  der  aktiven,  „autoblastischen“  Kraftkomponente 
des  „Salzexzems“  im  Vergleich  zur  passiven  Komponente 
des  Einflusses  des  tektonischen  Rahmens  der  Salzlager¬ 
stätten  ein  viel  umstrittenes  Problem  ist.  Der  zweite  Teil 
aktiver  Tektonik  betrifft  die  batholithische  Tiefe,  in  der 
die  Begriffe  einer  mit  starren  bis  plastischen  Massen 
operierenden  Tektonik  verschwimmen  mit  dem  Begriff  des 
mit  plastischen  bis  flüssigen  Massen  operierenden  Pluto¬ 
nismus.  Für  die  Tektonik  —  besonders  die  der  Tiefe  — 
ist  die  letzte  bewegende  Ursache  der  Massen  so  wenig 
bekannt  wie  für  den  Plutonismus. 

Von  speziellen  Fällen  abgesehen,  kann  also  bei  einer 
allgemeinen  Betrachtung  vulkano-tektonischer  Relationen  die 
aktive  Kraftkomponente  der  Tektonik  vernachlässigt  werden. 

Um  so  wichtiger  ist  die  das  Bewegungsbild  besonders 
der  äußeren  Erdhaut  beherrschende  passive  Komponente. 
Sie  ist  es,  deren  Wirkung  sich  auf  zweierlei  total 
verschiedene  Art  und  Weise  äußert.  Die  eine  Bewegungs¬ 
art  verkürzt  den  Bogen  des  von  den  bewegten  Massen 
umspannten  Krustensektors  durch  wesentlich  horizontales 
Zusammenpressen  oder  -schieben,  wobei  die  tangentiale  Kraft 
naturgemäß  vertikale  Komponent  n  n  ich  oben  wie  nach  unten 
absplittern  kann.  Ihre  charakteristische  Wirkung  ist  Kom¬ 
pression,  ihr  Charakterbild  das  Faltengebirge,  das  Deeken- 
Gebirge.  Die  andere  Bewegungsart  ändert  —  meist  in  verkür¬ 
zendem  Sinne  —  den  Erdradius,  sie  löst  Spannungen  wesent¬ 
lich  durch  Bruch,  äußert  sich  in  erster  Linie  in  Hebung  und 
Senkung  von  Schollen,  wobei  bei  der  Erstrebung  neuen 
Gleichgewichtszustandes  die  charakteristische  Zerrungs¬ 
wirkung  und  das  Charakterbild  des  Bruchgebirges  schlie߬ 
lich  wiederum  Züge  des  tangentialen  Faltungsgebirgee 
«:»rwTerben  kann,  aber  nicht  muß.  Für  letzteren  Fall  ist 
heute  das  ganz  Afrika  und  Syrien  bis  an  den  Fuß  der 
taurischen  Ketten  durchziehende  Bruchgebirge  das  bedeut¬ 
samste  Beispiel. 

Kompression  und  Zerrung  sind  also  das  tektonische 
Kräftepaar,  das  mit  den  Kräften  eines  ausbruchbereiten 
Magmas  interferiert. 

Beide  können  gleichsinnig  das  Bewegungsbild  beein¬ 
flussen.  Auffaltung  schafft  in  der  Regel  unter  Gebirgen  ein 
Dichtedefizit,  das  dem  Schmelzfluß  zu  Anreiz  und  Aus¬ 
lösung  einer  Aufstiegsbewegung  werden  kann.  Die  zentralen 
kristallinen  Züge  vieler  Faltengebirge,  die  Tiefengesteine  in 
oft  überraschenden  Höhenlagen  zeigen,  deuten  hier  Wechsel- 


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beziehungen  an,  deren  Sinn  und  Ausmaß  heute  noch  wem? 
erkannt  ist.  Auch  im  kleineren  Bilde  des  einzelnen  Falten¬ 
zuges  zeigt  sich  der  Vulkanismus  nicht  selten  in  zonarer 
Abhängigkeit  von  Sattelachsen.  Also  kann  auch  tektonische 
Faltung  zur  Befreiung  des  Magmas  führen.  Die  zonare 
Abhängigkeit  kann  sich  dabei  selbst  zur  linearen  Spalten¬ 
abhängigkeit  steigern.  Denn  auch  im  Faltengebirge  heben 
sich  Zerrungszüge  als  Schwächelinien  heraus.  Die  Kom¬ 
pression  zur  Falte  zeitigt  theoretisch  wie  auch  in  manchem 
nachgewiesenen  Falle  nach  oben  sich  weitende  Spalten  in 
den  Sattelachsen,  die  also  dem  Vulkanismus  vorbezeichnete 
Wege  weisen,  wo  sie  auf  ihn  treffen.  Analoge,  aber  weniger 
wirksame  Verhältnisse  gelten  für  die  Muldenachsen  der 
Falten,  da  deren  Spalten  nach  unten  sich  öffnen,  während 
sie  sich  gegen  die  Oberfläche  hin  schließen  und  daher  dem 
vulkanischen  Ausbruch  den  Weg  sperren. 

Bei  voller  Berücksichtigung  dieser  Einzelheiten  und 
Möglichkeiten  bleibt  doch  das  generelle  Bild  bestehen,  daß 
das  Faltengebirge  meist  vulkanfeindlich  ist.  Alpen  und 
Dinariden,  Apennin  und  Atlas,  Taurus  und  Himalaya  sind 
hierfür  genügende  Beispiele.  Die  Begründung  dieser  Er¬ 
scheinung  der  Vulkanarmut  der  meisten  unserer  Falten¬ 
gebirge  darf  wohl  darin  gesucht  werden,  daß,  wenn  auch 
ein  Massendefizit  in  der  Tiefe  durch  plutonische  Injektion 
ausgeglichen  zu  werden  strebt,  doch  gerade  in  der  äußeren 
Kruste  die  Kompression  den  Mechanismus  des  Gebirges 
beherrscht  —  wie  das  ähnlich  auch  Heim11)  annimmt  — , 
der  gegenüber  die  Wirkung  zerrender,  oberflächennaher 
Schwächelinien  in  den  Hintergrund  tritt.  Es  liegt  hierin 
ein  nicht  unbedeutsamer  Hinweis  auf  das  relative  Maß 
der  bei  der  Gebirgsbildung  tätigen  beiderseitigen  Kräfte 
der  Tektonik  und  des  Vulkanismus. 

Ganz  anders  ist  das  Bild  des  Zerrungsgebirges.  Schollen- 
und  Blockbildung  kennzeichnet  es,  deren  Bewegung  diktiert 
wird  von  dem  Weichen  oder  Pressen  ihrer  Widerlager  oder 
ihrer  Unterlage.  Gegen  Zugbeanspruchung  erfolgt  leicht  Re¬ 
aktion  durch  Bruch.  Hier  ist  das  Gebiet  tiefreichender,  oft 
weithin  aushaltender  Spalten  und  Vei würfe.  Daß  sie  im 
wesentlichen  Zerrungslinien  der  Kruste  —  wenigstens  für  die 
Dauer  der  Bewegung  —  waren,  zeigt  schon  das  häufige  Fehlen 
von  Faltimgsstauchung  oder  Mylonitisierung  ihrer  Ränder, 
wie  sie  umgekehrt  beispielsweise  für  Überschiebungsflächen 


n)  A.  Heim,  Geologie  der  Schweiz,  Bd.  n,  S.  965. 


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so  charakteristisch  ist.  Daß  sie  auch  auf  lange  Zeiträume 
Schwächelinien,  zum  CDeil  geradezu  klaffende  Risse  bleiben 
konnten,  geht  ebenso  klar  aus  der  häufigen  Einstellung  des 
unterirdischen  Wassernetzes  auf  dieselben  und  auf  ihre 
Füllung  mit  Mineral*  und  Erzgängen  aus  kaltwässriger  wie 
aus  thermaler  Lösung  hervor.  Aber  nicht  nur  die  hier  ein¬ 
setzende  Verheilung  wirkt  spaltenschließend:  weit  durch¬ 
greifender  und  intensiver  wird  sie  bewirkt  durch  die  Ein¬ 
stellung  der  gestörten  Schollen  auf  ein  neues  Gleichgewichts¬ 
niveau.  Das  Sinken  der  Schollen  findet  sein  natürliches 
Ende  da,  wo  die  Nachgiebigkeit  der  Unterlage  aufhört. 
Entsprechend  der  Annäherung  an  diese  Lage  nimmt  die 
Bewegung  der  Scholien  ab,  ihre  gegenseitige  Verkeilung  zu. 
Daß  diese  Verkeilung  eine  große  Rolle  spielt  und  keineswegs 
eine  einfache  ist,  darauf  haben  in  bedeutsamen  Ausführungen 
früher  schon  Cloos12),  neuerdings  beispielsweise  auch 
v.  Bubnoff13)  und  Krenkel14),  letzterer  gerade  am  Beispiel 
des  typischen  Zerrungsgebietes  der  zentralafrikanischen 
Gräben,  hingewiesen. 

Daß  solche  tiefgreifenden  Schwächezonen  und  Linien, 
Zemingsränder  und  Spalten  also,  einem  in  der  Tiefe  schlum¬ 
mernden,  aktionsbereiten  Vulkanismus  nicht  nur  die  Wege 
weisen,  sondern  ihn  geradezu  zum  Aufstieg  veranlassen 
können,  ist  eine  Forderung  von  physikalischer  Notwendig¬ 
keit.  Die  Mechanik  des  Vorganges  legt  ferner  den  Gedanken 
nahe,  daß  die  Gunst  der  Verhältnisse  für  den  vulkanischen 
Aufbruch  im  Anschluß  an  den  Anfang  des  Bewegungsaus¬ 
gleiches  am  größten  ist,  daß  sie  sich  mit  Annäherung  an 
den  Gleichgewichtszustand  verringert  und  daß  sie  sich 
letzten  Endes  —  da  eine  einmal  eingeleitete  Bewegung 
entsprechend  dem  Trägheitsgesetz  über  das  Ziel  hinaus¬ 
schießt  —  in  ihr  Gegenteil  verwandelt  und  daher  einer 
verspäteten  Reaktion  vulkanischer  Kraft  sogar  behindernd 
im  Wege  stehen  muß.  Aus  der  nach  dem  Bewegungsbeginn 
einsetzenden  Verkeilung  und  Randzerstückelung  der  Bruch¬ 
schollen  erklärt  sich  aber  andererseits  auch  wohl  teilweise 
die  sehr  überraschende  Erscheinung,  daß  gerade  die  größten 
Bruchlinien  oder  die  Haupt-  und  Randbrüche  großer  Bruch - 


12)  H.  Cloos,  Zur  Entstehung  schmaler  Störungszonen,  Geol. 
Rundschau,  1917,  S.  41—63. 

1S)  0.  v.  Bubnoff,  Über  Keilgräben  im  Tafeljura.  Jahresber. 
u.  Mitteilg.  d.  oberrhein.  geol.  Ver.,  N.  F.  IX,  1920. 

14)  E.  Krenkel,  Die  Bruchzonen  Ostafrikas,  Berlin  1922. 
Zeltschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924  9 


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130 


Systeme  vielfach  vulkanfrei  oder  vulkanarm  sind.  Der 
zentrale  Bruchgürtel  Islands16),  der  Rheintalgraben,  weite 
Strecken  des  ostafrikanischen  Grabens  sind  hierfür 
sprechende  Belege. 

Aber  auch  da,  wo  im  Bruchgebirge  Vulkanismus  auf 
Spalten  zutage  tritt,  ist  er  meist  nicht  auf  Spalten  aus¬ 
schließlich  beschränkt,  sondern  zonar  verteilt,  was  allein 
schon  auf  eine  Mehrheit  der  Kräfte  hinweist,  die  an  seinem 
Aufbruch  beteiligt  sind. 

Von  der  dargelegten  Art  sind  die  zwei  einfachen  Grund¬ 
typen  der  tektonischen  Strukturbilder,  gegen  welche  auf¬ 
dringender  Vulkanismus  sich  durchzusetzen  hat.  Es  ist 
klar,  daß  sie  in  der  Natur  vielfach  kompliziert  werden 
durch  die  Einführung  der  Phase,  also  der  zeitlichen, 
schrittweisen  Entwicklung.  Wie  tektonische  Einheiten  — 
nämlich  bei  Torsion  —  zugleich  Pressungs-  und  Zerrungs¬ 
objekt  der  Tektonik  sein  können,  so  können  auch  im  Wechsel 
der  Zeit  die  beiden  Zustände  einander  ablösen  und  nach¬ 
einander  selbst  ganze  Gebirge  betreffen.  Solcher  Wechsel 
scheint  sogar  die  Regel  zu  sein.  So  treffen  auf  das  normale 
Faltengebirge  in  nicht  wenig  Fällen  im  Laufe  der  Zeit  auch 
Phasen  der  Zerrung.  Ein  Beispiel  wäre  die  Horstzerstücke¬ 
lung,  die  heute  im  Bilde  der  mitteldeutschen  Gebirgskerne 
vor  uns  liegt.  Es  ist  klar,  daß  die  Phasenkomplikation 
der  Tektonik  auch  ihre  Wirkung  auf  den  Vulkanismus  aus¬ 
üben  muß  und  so  im  gleichen  Raume  zu  verschiedener 
Zeit  in  ganz  verschiedener  Weise  auf  ihn  einwirkt.  Es  sei 
hierzu  nur  an  das  bezüglich  des  Bewegungs-  und  des 
Standbildes  der  Tektonik  bereits  auf  Seite  120  Ausgeführte 
erinnert. 


Die  Wechselbeziehungen  der  Kräfte 
des  Bewegungsbildes  von  Vulkanismus  und  Tektonik. 

Nach  der  Einzelcharakteristik  der  vulkano-tektonischen 
Bewegungsbilder  bleibt  noch  die  Betrachtung  der  Wechsel¬ 
beziehungen  zwischen  beiden  Kräftegruppen  übrig.  Auf  der 
tektonischen  Seite  spielt  dabei  anerkanntermaßen  die  Spalte 
als  Repräsentant  der  Schwächclinie  die  führende  Rolle. 
Aber  nicht  bedingungslos.  Und  deshalb  sei  besonders  das 
Verhalten  der  tektonischen  Spalte  in  ihrer  Beziehung  zum 
Vulkanismus  noch  etwas  eingehender  geprüft 


lß)  Vgl.  H.  Reck,  Isländische  Masseneruptionen.  Kokeks 
geol.  u.  paläontolog.  Abhdlg.  1910. 


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Es  muß  dabei  die  allgemeine  Betrachtung  von  Voraus¬ 
setzungen  ausgehen,  deren  Berechtigung  sich  in  der  Natur 
aus  der  Beobachtung,  bei  theoretischer  Behandlung  aus 
dem  früher  Gesagten  ergibt.  Die  Voraussetzungen  sind 
hierbei  vertauschbar,  entsprechend  der  Vielheit  der  mög¬ 
lichen  Bilder  in  der  Natur.  Doch  genügt  die  Durchführung 
eines  theoretischen  Einzelbeispieles,  da  die  Art  der  Modi¬ 
fikationen  und  ihre  Auswirkung  ebenfalls  bereits  generell 
berücksichtigt  sind.  Wichtig  ist  jedoch  in  allen  Fällen 
eine  klare  Heraushebung  der  Voraussetzungen. 

Es  soll  ausgegangen  werden  vom  Bewegungsbilde  der 
vulkanischen  Kraft,  von  der  Voraussetzung  einer  vor¬ 
handenen  Bewegung  des  Magmas,  also  ohne  Rücksicht 
darauf,  ob  sie  wesentlich  von  der  aktiven  oder  der  passiven 
Komponente  des  Vulkanismus  getragen  ist,  da  dies  für 
die  Auswirkung  auf  die  Spaltenfrage  gleichgültig  ist. 

Das  tektonische  Bild  kann  dabei  an  sich  mit  gleicher 
Wirkung  ein  Bewegungs-  oder  ein  Standbild  sein.  Für  die 
Betrachtung  werden  Zerrspalten  als  vorhanden  voraus¬ 
gesetzt,  zunächst  ohne  Rücksicht  auf  Art  und  Zeit  ihrer 
Entstehung. 

Aufsteigendes  Magma  wird  unter  solchen 
Voraussetzungen  von  diesen  Spalten  dann 
unter  allen  Umständen  in  seiner  Bahn  ab¬ 
hängig  werden,  wenn  diese  Spalten  ihm  auf 
leichtere  Weise  oder  auf  kürzerem  Wege 
den  Austritt  zur  Oberfläche  ermöglichen 
als  das  umgebende  Gestein.  Dieser  Satz  gilt 
nicht  nur  für  Spalten  und  Verwürfe,  sondern  für 
Schwächelinien  aller  Art,  wie  sie  im  Einzelfalle  durch 
Dehnung,  Klüftung,  Schieferung  selbst  Schichtfugen 
gegeben  sein  können.  Zweifellos  spielt  unter  den  möglichen 
Aufstiegsmitteln  und  -Wegen  des  Magmas  wie  Platz¬ 
tausch,  Durchschuß,  Durchschmelzung  und  Emporpressung 
auch  die  Spalte  eine  hervorragende  Rolle. 

Gerade  diese  augenfällige  Bedeutung  der  Spalte  hat  zu 
ihrer  Überschätzung  geführt  soweit,  daß  man  die  vulkanische 
Kraft  für  zu  bedeutungslos  hielt,  um  ohne  Spalte  zur 
Oberfläche  durchdringen  zu  können. 

Gegen  solche  Überschätzung  der  Bedeutung  der  Spalten 
sprechen  nicht  nur  theoretische  Bedenken,  sondern  auch 
Beobachtungen  in  der  Natur.  Die  Spaltenlosigkeit  der 
meisten  Albembryonen  im  Beobachtungsbereich  ist  heute  noch 
unwiderlegt  und  meist  auch  imbestritten  anerkannt.  Die 

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Gegenbeobachtung  liegt  in  der  schon  erwähnten  Vulkan¬ 
armut  großer  Hauptspalten  selbst  mitten  in  vulkanischen 
Senkungsfeldern,  und  ein  glücklicher  Zufall  ermöglichte 
es  dem  Verfasser16)  vor  Jahren  auch  an  einem  auf  allen 
vier  Seiten  abgeschnittenen  Schildvulkan  Islands  dessen 
spaltenlose  Entstehung  bis  mehrere  hundert  Meter  unter 
seine  ursprüngliche  Eruptionsoberfläche  aus  direkter  Be¬ 
obachtung  zu  erweisen. 

Aber  abgesehen  von  derartigen  Beobachtungen,  die 
immerhin  selten  zwingend  eindeutig  sind,  hat  man  häufig 
auch  theoretische  Überlegungen  allzu  sehr  vernachlässigt. 

Nicht  alle  Spalten  können  dem  Vulkanismus  als  Bahn 
dienen.  Im  Gegenteil  -würde  es  Gegenstand  einer  sehr 
interessanten  Untersuchung  werden  können,  aus  welchen 
Gründen  und  in  weichen  Fällen  einzelne  Spalten  und 
Spaltenzüge  ganz  offenbar  direkt  vulkanfeindlich  sind. 
Gbupe17)  und  Bücking18)  haben  vor  Jahren  einen  schönen 
Beitrag  zu  dieser  Frage  geliefert. 

Wenn  Spalten  nicht  Schwäch  elinien  s  i  n  d  f 
können  sie  auch  nicht  den  Vulkanismus  in 
ihre  Bahn  zwingen.  Hiermit  tritt  die  Frage 
nach  der  Wirksamkeit  der  Spalte  in  das 
Untersuchungsfeld. 

Spalten  mehrfacher  Art  gibt  es  nicht.  Auch  „Druck  - 
spalten“  führen  auf  ein  Ausweichen  mittels  Zerrung  zurück. 
Alle  Spalten  sind  a  priori  Zerrungsprodukte  und  damit 
Schwächelinien.  Sind  sie  letzteres  nicht  mehr,  so  haben 
sie  ihre  Wirksamkeit  verloren.  Dies  ist  offenbar  nur  mög¬ 
lich  im  Phasenwechsel.  Solcher  Wechsel  kann  rein  örtlich 
in  der  Phaseneinheit  sein,  er  kann  auch  im  selben  Raum  an 
zwei  zeitlich  getrennte  Phasen  geknüpft  sein.  Die  Zerr- 
spalten  einer  früheren  tektonischen  Phase  können  beispiels¬ 
weise  Magma  zum  Aufstieg  gedient  haben,  haben  aber  dann 
den  Bewegungen  eines  späteren  Zyklus  gegenüber  ihre 
Wirksamkeit,  also  ihren  Charakter,  völlig  geändert,  wie  dies 
etwa  im  Gebiete  der  Hegau- Vulkane19)  sehr  klar  hervortritt. 

16)  H.  Keck,  Ein  Beitrag  zur  Spaltenfrage  der  Vulkane. 
Zentralbl.  f.  Min.,  1910,  S.  166—170. 

17)  O.  Grupe,  Studien  über  Scholleneinbrüche  und  Vulkan¬ 
ausbrüche  in  der  Rhön.  Jhrb.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst.,  1913, 
S.  407—477. 

18)  H.  Bückino,  Über  vor-  und  nachbasaltische  Dislokationen 
und  die  vorbasaltische  Landoberfläche  in  der  Rhön.  Diese 
Zeitschr.,  Monatsber.,  S.  109  ff. 

19)  H.  Reck,  Die  Hegau- Vulkane,  Berlin  1923,  bes.  Kap.  ni. 


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Solchermaßen  können  selbst  gleichge¬ 
richtete,  vor  allem  aber  verschieden  orien¬ 
tierte  Spaltensysteme  in  ein  und  demselben 
Gebiete  von  verschiedenem  Einfluß  auf  den 
Vulkanismus  sein.  Die  verschiedene  Wirksamkeit 
wurzelt  in  der  Zugehörigkeit  zu  verschiedenen  tektonischen 
Phasen. 

Von  bestimmendem  Einfluß  auf  den  Grad  der  Ab¬ 
hängigkeit  des  Vulkanismus  von  einer  wirksamen  ^Spalte 
ist  ferner  die  Tiefe  derselben.  Der  Grund  hierfür  liegt 
darin,  daß  eine  tiefe  Spalte  eher  als  ein  seichter  Bruch 
in  «den  Bereich  magmatischer  Tätigkeit  gelangt,  sei  es 
durch  eigenes  Tieferreißen,  sei  es  durch  das  Entgegen¬ 
drängen  ausbruchbereiten  Magmas.  Früher  vulkanisch 
beanspruchte  und  un verheilte  Spalten  aber  werden  die 
eruptive  Entwicklung  der  vulkanischen  Phase  weitergellend 
beeinflussen  können,  als  später  in  den  Bereich  eines  sich 
bereits  auf  anderem  Wege  entlastenden  oder  weitgehend 
selbständig  aufdringenden  Herdes  eintretende  Risse. 

Auch  die  Richtung  der  Spalte  ist  von  einer  noch  wenig 
studierten  Bedeutung  für  derartige  Beziehungen.  Steile  und 
saigere  Spalten  müssen  die  wirksamsten  sein,  sehr  schräge 
Spalten  können  ihre  Bedeutung  als  Leiter  des  Schmelz¬ 
flusses  verlieren,  wenn  dieser  leichter  das  Dach  des  hangen¬ 
den  Verwerfungsflügels  senkrecht  durchschlägt,  als  dem 
weiteren  Weg  des  schrägen  Risses  folgt.  Der  Grad  der 
Wirksamkeit  der  Spalte  muß  hierbei  von  maßgebender 
Bedeutung  sein.  Grenzwerte  sind  hier  noch  so  wenig  bekannt 
wie  die  Sammelwirkung  konvergierender  bzw.  divergierender 
Spaltengruppen  etwa  unter  Gräben  und  Horsten. 

Abgesehen  von  diesen  Verschiedenheiten  des  Einflusses 
der  Spalte  auf  den  Vulkanismus,  kann  ihre  Wirksam¬ 
keit  verschieden  sein  in  verschiedenen 
Tiefenstufen.  Ich  sehe  dabei  ganz  ab  davon,  daß  die 
Spalten  verschiedener  Tiefenstufen  auch  verschiedenes  Alter 
haben  können,  denn  das  sind  dann  keine  einheitlichen 
Spaltenzüge  mehr,  sondern  es  sind  Bildungen  ganz  verschie¬ 
dener  Phasen,  die  sich  nur  lokal  überdecken. 

Im  Effekt  kann  sich  dies  freilich  decken  mit  dem  Bilde 
einer  einheitlich  entstandenen,  tiefen  Spalte.  Komplizierter 
wird  das  Bild,  wenn  sie  in  der  Zeiteinheit  derselben  tekto¬ 
nischen  Phase  in  verschiedener  Tiefe  verschieden  be¬ 
ansprucht  wird.  Dadurch  können  Teile  der  Spalte,  sei  es 
nun  im  oberen  oder  im  unteren  Abschnitt,  geschlossen  und 


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134 


unwirksam  werden.  Derartiger  Komplikation  schrieb  Bbanca 
möglicherweise,  Bergeat  bestimmter  und  selbst  Deecke 
zum  Teil  das  Entstehungsbild  der  Albvulkane  zu.  Wirksame 
Tiefenspalten,  die  die  Oberfläche  nicht  erreichten,  könnten 
hier  dem  Schmelzfluß  den  Weg  bis  unter  die  Decke  der 
dann  selbständig  ohne  oder  doch  ohne  wirksame  Spalten 
durchschlagenen  Albtafeln  gebahnt  haben.  Erwiesen  sind 
solche  wirksamen  Tiefenteile  von  Spalten  nicht.  Es  bleibt 
daher  eine  offene  Frage,  wieweit  tatsächlich  Spalten  oder 
Bewegungskräfte  des  Magmas  selbst  den  Aufstieg  desselben 
unter  und  durch  die  Alb  bewirkt  oder  gefördert  haben. 

Solches  Bild  zeigt  die  Möglichkeit  einer  weiteren 
Variante: 

Es  können  durch  verschiedene  Beanspruchung  wie  durch 
verschiedenes  mechanisches  Verhalten  der  betroffenen  Ge- 
birgsteile  ebensowohl  die  oberen  Krustenschalen  wie  die 
tieferen  Teile  jede  für  sich  gleichalterige  Spalten  bergen, 
welche  nur  zu  ihrem  Teile  Wegweiser  des  Vulkanismus 
werden  können  und  bei  Erfüllung  der  nötigen  Voraussetzun¬ 
gen  werden  müssen.  —  Auch  hierin  kommt  die  nicht 
unbedingte  und  verschiedengradige  Abhängigkeit  des  Vul¬ 
kanismus  von  der  tektonischen  Spalte  wieder  klar  zum 
Ausdruck. 

Der  Effekt  der  Beziehungen  des  Vul¬ 
kanismus  zur  präexistierenden  Spalte  be¬ 
ruht  also  auf  dem  Grade  der  Wirksamkeit 
der  Spalte  als  Schwächelinie.  Diese  Wirksam¬ 
keit  kann  zwischen  O  und  I  schwanken.  Das  heißt  mit 
anderen  Worten,  daß  drei  Stufen  von  Beziehungen  mög¬ 
lich  sind: 

a)  Die  vulkanische  Kraft  kann  so  gering  sein,  daß  nur 
das  Hinabreichen  einer  offenen  Spalte  bis  an  das 
Dach  ihres  Sitzes  den  Ausbruch  des  Magmas  veranlaßt. 

b)  Spalte  und  vulkanische  Kraft  können  gemeinsam  den 
Endeffekt  hervorgebracht  haben. 

c)  Die  Wirksamkeit  der  Spalte  kann  eine  so  geringe 
sein,  daß  es  wesentlich  die  vulkanische  Kraft  war, 
welche  die  Befreiung  des  Magmas  auf  der  Spalte 
bedingte.  Dieser  Fall  grenzt  an  die  von  Spalten 
unabhängigen  Eruptionen. 

Es  ist  hier  der  Ort,  auf  einen  Irrtum  hinzuweisen,  der 
in  der  Literatur  bezüglich  der  Beweisführung  der  Spalten - 
abhängigkeit  oder  Unabhängigkeit  eines  Eruptionspuuktes 


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wiederholt  Platz  gefunden  hat.  Er  betrifft  die  Behauptung, 
daß  ein  von  einer  Spalte  unabhängiger  Eruptionspunkt  in 
der  Regel  rundlich,  ein  von  einer  Spalte  abhängiger  dagegen 
gestreckt  bis  schlitzförmig  sein  werde.  Es  läßt  sich  aus 
zahlreichen  Beobachtungen  in  der  Natur  erweisen,  daß 
dieser  Gedanke  in  manchen  Fällen  das  Richtige  trifft.  Seine 
extremste  Bestätigung  findet  er  im  Explosionsgraben,  wie 
etwa  die  Eldgjä  in  Südisland  einer  ist.  In  der  Regel  jedoch 
trifft  er  nicht  zu.  Es  sind  allein  aus  Island  Hunderte  von 
Kratern  bekannt,  welche,  reinen  Eruptionsspaltcn  auf¬ 
sitzend,  formvollendet  rund  sind.  Allein  die  Lakispalte  zeigt 
beispielsweise  Dutzende  solcher  runder  Krater.  Spalten¬ 
parallel  gestreckte  Kraterformen  treten  sogar  zurück.  Die 
Erscheinung  findet  darin  ihre  Erklärung,  daß  die  Eruptions¬ 
spalte  meist  nicht  in  ganzer  Länge  klafft,  daß  somit  das 
„Schlitzförmige“  des  eruptiven  Erstarrungsbildes,  der  Gang 
also,  erst  in  einiger  Tiefe  eintritt,  während  das  letzte 
Stück  des  Weges  auf  röhrenartigen  Kanälen  über  der  Spalte 
ausgeschossen  wird,  wie  ich  dies  früher  schon  einmal  im 
Bilde20)  schematisch  dargestellt  habe. 

Indes  hat,  abgesehen  von  diesen  Beziehungen,  noch 
ein  ganz  anderes  Moment  Verwirrung  und  Irrtum  in  die 
Spaltenfrage  der  Vulkane  hineingetragen.  Das  ist  die  Frage 
nach  dem  Alter  der  Spalten. 

Wo  Vulkane  auf  eine  Spalte  gereiht  sind  und  das  klare 
Bild  einer  Spalteneruption  vorliegt,  ist  im  Prinzip  die  Lösung 
der  Abhängigkeitsfrage  leicht.  Die  Spalte  kann  dann  nur 
älter  oder  höchstens  gleich  alt  sein  wie  die  Eruption.  Die 
wirksamen  Kräfte  beruhen  offenkundig  auf  Beziehungen 
zwischen  Tektonik  und  Vulkanismus.  Das  Maß  der  Be¬ 
teiligung  der  Kraftkomponenten  freilich  kann  wiederum 
zwischen  I  und  O  schwanken.  Erfahrungsgemäß  ist  dabei  — 
besonders  in  nicht  rein  vulkanischem  Gebiet  —  der  Einfluß 
der  tektonischen  Komponente  in  der  äußeren  Erdhaut  meist 
der  überwiegende. 

Solchermaßen  an  die  Bedeutung  der  präexistierenden 
Spalte  gewöhnt,  hat  man  häufig  die  exakte  Untersuchung 
der  Altersfrage  der  Spalten  im  Einzelfalle  vernachlässigt. 
Diese  Untersuchung  wird  in  sehr  vielen  Fällen  eine  sehr 
schwierige,  keinesfalls  aber  eine  überflüssige  sein.  Denn 
erste  Arbeiten  in  dieser  Richtung  haben  schon  in  einer 
ganzen  Reihe  von  Fällen  zu  dem  Ergebnis  oder  doch 


20)  v.  Knebel — Reck,  Island.  Stuttgart  1912,  S.  154. 


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einstweilen  der  begründeten  Vermutung  geführt,  daß  von 
vornherein  als  älter  betrachtete  Spalten  tatsächlich  jünger 
sind  als  ihre  Begleitvulkane.  Das  Problem  der  vulkanischen 
Horstgebirge-1),  das  ich  eingangs  bereits  berührt  habe, 
tritt  hier  in  den  Vordergrund.  Es  ist  einleuchtend, 
daß  Spalten,  die  jünger  sind  als  die  Vulkane  ihrer  Um¬ 
gebung,  mit  deren  Entstehung  nichts  gemein  haben  können. 
Mechanische  und  Phasenbedeutung  der  Spalten  ist  eine 
vollkommen  andere.  Hier  zeigt  umgekehrt  deut¬ 
lich  der  Vulkanismus  seinen  Einfluß  auf  das 
tektonische  Bild. 

Ich  komme  zum  Schluß. 

Obenstehende  Ausführungen  haben  die  jetzt  fast  all¬ 
gemein  als  richtig  anerkannten  Grundlagen  der  Beaxca- 
schen  Gedanken  vom  Standpunkte  der  heutigen  Forschung 
und  ihrer  Fragestellung  gegenüber  den  Problemen  der 
wechselseitigen  Beziehungen  zwischen  Vulkanismus  und 
Tektonik  beleuchten  sollen. 

Die  Entwicklung  der  Arbeiten  auf  diesem  Gebiete  hat 
zur  Erkenntnis  geführt,  daß  im  Einzelfalle  Abhängigkeit  des 
Vulkanismus  von  der  Tektonik  ebensowohl  bestehen  kann 
wie  Unabhängigkeit.  Beide  Kräftegruppen  sind  in  ihrem 
Auftreten  an  der  Oberfläche  jedoch  nicht  unbedingt  an¬ 
einander  gefesselt.  Das  wechselseitige  Abhängigkeits¬ 
verhältnis  ist,  wo  immer  es  besteht,  ein  bedingtes  und 
gestuftes  und  kamt  für  beide  Kräftegruppen  positiven  wie 
negativen  Charakter  annehmen.  Die  Entscheidung  über 
den  Grad  und  die  Art  der  gegenseitigen  Abhängigkeit  muß 
vorläufig  in  jedem  Falle  der  Einzeluntersuchung  Vorbe¬ 
halten  bleiben.  Erst  aus  der  exakten  Kenntnis  einer  großen 
Anzahl  von  Einzelfällen  wird  man  hoffen  dürfen,  allgemeine 
Erfahrungssätze  aufstellen  zu  können.  Das  gegenseitige 
Abhängigkeitsverhältnis,  in  Zahlen  ausgedrückt,  zeigt 
zunächst  noch  oft  ohne  ursächlich  erkennbare  Ordnung 
alle  Werte  zwischen  0  und  I,  welche  sich  aus  dem  Maße 
der  Wirksamkeit  und  aus  dem  Alter  der  wegweisenden 
tektonischen  Schwächelinien  einerseits,  aus  dem  Energie¬ 
vorrat  der  wirksamen  vulkanischen  Massen  andererseits 
ergeben. 


21)  H.  Keck,  Das  vulkanische  Horstgebirge  Dyngjufjöll  usw. 
in  Zentralisland.  Abhdlg.  d.  Kgl.  preuß.  Akad.  d.  Wiss.,  1910. 


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Unzulänglich  ist  es  daher  in  jedem  Falle,  ohne  weiteres 
Vulkan  und  Spalte  in  genetische  Beziehung  zu  bringen. 
Der  gegenseitigen  Beziehungen  sind  es  viele  und  ihre 
Wirkungen  sind  verschiedenartig.  Deshalb  ist  das  Bild  der 
gegenseitigen  Abhängigkeitsbeziehungen  ein  weit  kompli¬ 
zierteres  und  vielseitigeres,  auch  nach  Ursache  und  Wirkung 
tiefergreifendes,  als  man  bisher  meist  glaubte  annehmen 
zu  können.  Diese  Erkenntnis  aber  knüpft  sich  zum  größten 
Teil  an  den  Kampf  um  die  vulkanische  Spalte,  den  Branca 
als  sein  größtes  Lebenswerk  gefochten  hat  und  dessen 
Problematik  jetziger  und  künftiger  Forschung  weitverzweigte 
Wege  gewiesen  hat  zu  tieferem  Eindringen  in  die  Er¬ 
kenntnis  des  Wesens  vulkano-tektonischer  Erscheinungen. 


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5.  Über  pflanzenfahrende  Diluvialtone 
in  Nordwestsachsen. 

Von  Herrn  R.  Gbahmann  in  Leipzig. 

(Mit  2  Textabbildungen.) 

Bei  der  Aufwältigung  des  staatlichen  Braunkohlentage¬ 
baues  Böhlen  bei  Leipzig  wurde  im  Sommer  1922 
durch  den  Baggerbetrieb  in  diluvialen  Kiesen  eine  Ton- 
bank  freigelegt,  die  sich  als  pflanzenführend  erwies.  Von 
diesem  Tone  wurden  eine  Anzahl  Proben  entnommen, 
die  von  Herrn  R.  Kraus  el  in  Frankfurt  am 
Main  und  von  Herrn  W.  Mönkemeyer,  Inspektor  des 
botanischen  Gartens  in  Leipzig,  auf  ihre  Pflanzenführung 
untersucht  wurden.  Herr  Mönkemeyeb  übernahm  die 
Bestimmung  der  Moose,  Herr  Krausel  die  aller  anderen 
Reste.  Wenn  auch  die  Ergebnisse  der  beiden  Herren, 
denen  ich  für  ihre  Mitarbeit  zu  Dank  verpflichtet  bin, 
nicht  in  allen  Teilen  den  Erwartungen  entsprechen,  da 
die  Flora  sich  zwar  als  individuenreich,  aber  artenarm 
erwies,  außerdem  der  Erhaltungszustand  der  Reste  mangel¬ 
haft  war,  so  sollen  sie  doch  bekannt  gegeben  werden,  da 
das  geologische  Alter  des  Vorkommens  sehr  sicher  be¬ 
stimmbar  ist,  und  sich  der  Ton  danach  als  älteste  bisher 
bekannt  gewordene  pflanzenführende  Ablagerung  unseres 
Diluviums  erweist. 

Die  Fundstelle  liegt  etwa  15  km  südlich  von  Leipzig, 
2  km  östlich  von  dem  Orte  P  u  1  g  a  r.  An  der  Westwand 
der  Grube  zeigte  sich  vom  Sommer  1922  bis  zum  Frühjahr 
1923  das  folgende  am  28.  Juni  1922  und  am  28.  September 
1922  aufgenommene  Profil: 

Zu  unterst  ist  aufgeschlossen  etwa  1,2  m  dunkler  glau¬ 
konitführender  Meeressand  des  Mitteloligocän  (Stufe  mit 
Leda  Deshayesiana )  (1).  Dieser  wird  diskordant  überlagert 
durch  etwa  s/4  m  grauen,  groben,  feuersteinführenden  Kies 
(2),  der  infolge  Aufarbeitung  von  Meeressand  starke  Bei¬ 
mischung  von  feinem  Sande  hat.  An  der  Basis  dieses 
Kieses  findet  sich  eine  Steinsohle,  die  aus  etwa  kopfgroßen 
Gerollen  gebildet  wird.  Der  größere  Teil  davon  besteht 


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139 


aus  Braunkohlenquarziten,  neben  denen  nordische  Gesteine, 
besonders  Granite  auftreten,  die  meist  völlig  morsch  sind; 
Feuerstein  ist  seltener.  Der  Kies  wird  nach  oben  rasch 
feiner,  indem  die  groben  Gerolle  stark  zurücktreten,  und 
geht  schließlich  in  einen  hellen  oder  gelbbraunen  Feinsand 
(3)  über,  der  40 — 50  cm  mächtig  ist  und  seinerseits  mit 


raschem  Obergang  durch  eine  %  in  starke  Tonbank  (4), 
die  Fundschicht,  überlagert  wird. 

Diese  besteht  aus  einer  unteren  schwarzen,  feinsandigen 
Zone  mit  wenig  Schichtung  (15  cm).  Darauf  liegt  eine 
weniger  sandige,  dunkle  Tonbank,  die  durch  reichliche 
Einlagerung  pflanzlicher  Reste  ausgeprägte  Schichtung  zeigt 
(20  cm).  Sie  wird  überlagert  durch  einen  helleren  grauen 
Ton  (15  cm),  der  nur  noch  wenige  Pflanzenreste  führt, 
dagegen  durch  dünne  sandige  Striemen  bereits  zur  Schicht  5 
überleitet.  Diese  entspricht  der  Schicht  2,  jedoch  treten 
die  sandigen  Bestandteile  stark  zurück,  faustgroße  Gerolle 
aus  südlichen  und  nordischen  Gesteinen  herrschen  vor.  Die 
Mächtigkeit  dieses  Grobkieses  beträgt  2  m.  Auf  ihn  folgen 
etwa  34  m  hellbrauner  Kies  mit  etwa  nußgroßen  Gerollen 
gleicher  Herkunft  (7).  Zwischen  den  Schichten  5  und  7 
treten  feinsandig-lehmige  Schichten  (6)  auf,  die  nach  Süden 
zu  sich  schließlich  zu  einer  etwa  i/2  m  mächtigen,  graugrünen, 
stark  getauchten  Geschiebelehmbank  verdichten.  Der  Mittel¬ 
kies  (7)  wird  durch  eine  reichlich  1  m  starke  Bank  von 
braunem  Geschiebelehm  (8)  überlagert.  Diese  Grund¬ 
moränenbank  ist  stark  gestaucht  und  hat  dadurch  z.  T. 


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140 


reichliche  Mengen  des  überlagernden  Kieses  aufgenommen . 
Über  ihr  folgt  eine  etwa  4  dm  starke  Schicht  eines  sehr 
feinen,  eben  geschichteten,  hellbraunen  Sandes  (Schlepp), 
der  nach  oben  lagenweise  Ton  aufnimmt  und  in  Bänderton 
übergeht  (10).  Bisweilen  klemmen  sich  zwischen  die  Schich¬ 
ten  8  und  10  Fetzen  von  Kies  (9)  ein,  die  nach  oben  in 
den  Schlepp  übergehen.  Der  Bänderton  wird  überlagert 
durch  eine  weitere  Bank  von  braunem  Geschiebelehm  (11). 
der,  2 — 3  m  mächtig,  viel  weniger  Geschiebe  führt  als 
der  untere,  auch  nicht  dessen  Stauchungen  aufweist.  Etwa 
5  dm  Lößlelim  (12),  vom  oberen  Geschiebelehm  durch  eine 
mehr  oder  minder  deutliche  Steinsohle  getrennt,  beschließen 
das  Profil.  Dieses  war  in  den  Jahren  1922  und  1923 
auf  etwa  300  m  Länge  bloßgelegt.  Die  pflanzenführende 
Tonbank  konnte  etwa  100  m  breit  festgestellt  werden.  Sie 
verschwächte  sich  auf  beiden  Seiten,  wurde  sandig  und 
ging  schließlich  in  Kies  über.  Bei  den  im  Sommer  1923 
fortgesetzten  Baggerarbeiten  wurde  die  Westwand  nocli  etwa 
oO  m  weiter  zurückgeschoben.  Auch  in  dem  neuen  An¬ 
schnitt  ist  die  Tonbank,  wenn  auch  in  etwas  geringerer 
Längenerstreckung,  noch  zu  beachten. 

Aus  dem -Profil  geht  zunächst  hervor,  daß  die  jeweils 
durch  Übergänge  miteinander  verbundenen  Schichten  2 — 5 
einer  einheitlichen  Ablagerung  angehören.  Mit  einer 
schwachen  Diskordanz  werden  sie  überlagert  durch  die 
Serie  der  Schichten  6 — 10,  die  sich  durch  die  Verknüpfung 
mit  Geschiebelehmbänken  ohne  weiteres  als  rein  giäziale 
Bildungen  erweisen.  Die  Deckschicht  des  Löß  stellt  die 
letzte  selbständige  Ablagerung  dar.  Diesen  Perioden  der 
Sedimentation  stehen  zwei  Perioden  der  Abtragung  gegen¬ 
über,  welche  durch  die  an  der  Basis  des  Löß  (12)  uud  der 
Kiesserie  (2)  befindlichen  Steinsohlen  gekennzeichnet  sind. 

Nach  dieser  Betrachtung  bietet  die  Deutung  des  Profils 
und  die  stratigraphische  Eingliederung  der  einzelnen  Schich¬ 
ten  unter  Berücksichtigung  der  diluvialen  Schichtenfolge 
in  der  Umgebung  keine  Schwierigkeiten.  Sie  wird  noch 
erleichtert  und  erhärtet  durch  den  großen  Aufschluß  des 
Tagebaues  und  durch  eine  sehr  große  Anzahl  von  Bohrun¬ 
gen,  die  in  der  Umgebung  auf  Braunkohle  niedergebracht 
worden  sind.  Danach  verläuft  westlich  von  der  Pleißenaue 
und  ihr  parallel  unter  einer  5 — 6  m  mächtigen  Decke  von 
Geschiebelehm  ein  etwa  2  km  breiter  Streifen  von  groben 
Pleißeschottern,  die  neben  südlichem  Material  reichlich 
solches  nordischer  Herkunft  führen.  Diese  Schotter  kommen 


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141 


am  Talrande  teilweise  zum  Ausstrich,  sie  sind  auch  in  einer 
Anzahl  Kiesgruben  aufgeschlossen  und  werden  auf  dem 
Blatt  Borna-Lobstädt.  der  Geologischen  Karte  von  Sachsen 
mit  d  1  e  =  altdiluviale  Fluvioglazialschotter  bezeichnet.  In 
dem  oben  mitgeteilten  Profil  entsprechen  ihnen  die  Schich¬ 
ten  2 — 7.  Aus  der  Tatsache,  daß  dieser  Schotter  reich¬ 
lich  nordisches  Material  führt,  geht  hervor,  daß  er  bereits 
eine  ältere  Moräne  aufgearbeitet  hat.  Die  an  der  Basis- 
der  Schotter  vorhandene  Steinsohle  stellt  deren  Beste  dar. 
Unter  Benutzung  der  zahlreichen  Bohrungen  ist  es  möglich, 
die  ältere  Grundmoräne  in  nur  geringer  Entfernung  vom 
Fundpunkt  des  pflanzenführenden  Tones  selbst  nachzu¬ 
weisen.  Dies  zeigt  das  beigedruckte  Profil  (Abb.  2),  das  in 
etwa  südwestlicher  Richtung  durch  die  Tonbank  gelegt  wor¬ 
den  ist.  Man  sieht  im  nördlichen  Teil  des  Profiles  die 
gleichen  Verhältnisse  wie  an  der  Wand  des  Tagesbaues 
(die  Schichten  2—7  und  8—11  sind  dem  kleineren  Ma߬ 
stab  entsprechend  einheitlich  durch  die  Schichten  d  und  e 
dargestellt).  Der  von  der  Grundmoräne  e  bedeckte  feuer¬ 
steinführende  Pleißeschotter  d  legt  sich  südwärts  an  einen 
wahrscheinlich  wohl  interglazialen  Kies  c,  welcher  die 
Grundmoräne  b  überlagert,  <  Diese  selbst  Lieg  völlig  eben, 
zum  Teil  mit  einer  Basis  von  Bänderton,  auf  feuerstein¬ 
freiem,  präglazialem  Elsterschotter  a.  Die  Grundmoräne  b 
gehört  somit  der  ältesten  Eiszeit  an,  die  unser  Ge¬ 
biet  betroffen  hat.  Nach  der  heute  herrschenden  Auffassung 
entspii  ?ht  sie  der  ersten  norddeutschen  Vereisung  oder  dem 
Mindelglazial  der  Alpen.  Ablagerungen  dieser  Eiszeit  sind 
übrigens  neuerdings  in  Nordwestsachsen  in  weiter  Ver¬ 
breitung  festgestellt  worden.  So  gehören  ihr  z.  B.  die 
nordischen  Kiese  an,  die  auf  dem  oben  erwähnten  Blatt 
Borna-Lobstädt  nördlich  vom  Bahnhof  Kieritzsch 
zum  Ausstrich  kommen.  Ich  verweise  ferner  auf  die  Neu¬ 
bearbeitungen  der  Blätter  Pegau  und  Zwenkau. 

Nachdem  während  des  vorletzten  Interglazials  die 
Moränen  der  ersten  Eiszeit  zum  großen  Teile  zerstört  worden 
waren  (Steinsohle),  erfoLgte  mit  dem  Anbruche  einer  neuen 
Eiszeit  eine  Aufschotterung.  Dieser  entsprechen  die  Schichten 
2  bis  7  (Abb.  1)  oder  d  (Abb.  2).  Sie  sind  demnach  als 
ältere  interglaziale1)  Pleißeschotter  der  Hochterrasse  zu 
bezeichnen. 


*)  Der  Begriff  „interglazial“  wird  hier  im  erweiterten  Sinne 
Siecebts  für  „intermoränal“  gebraucht.  Er  hat  also  nur  stratigra¬ 
phische  und  nicht  klimatische  Bedeutung. 


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142 


Mit  der  Schicht  6  beginnen  die  rein  glazialen  Ab¬ 
lagerungen  der  zweiten  Eiszeit.  Diese  zeigt  mehrfache 
Oszillationen.  Der  erste  Vorstoß,  durch  den  dünnen  Ge¬ 
schiebemergel  6  bzw.  eine  Diskordanz  zwischen  Schicht  5 
und  7  vertreten,  ist  von  ganz  untergeordneter  Bedeutung 


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A00.  2. 


und  nur  selten  zu  beobachten.  Von  weiterer  Verbreitung  ist 
jedoch  der  Geschiebe lehm  8.  Er  konnte  in  vielen  Auf¬ 
schlüssen  in  den  Schottern  der  Pleiße  und  Elster  auf  den 
Blättern  Borna  - Lobstädt,  Zwenkau  und  Lieb  er  t- 
w  o  1  k  w  i  t  z  beobachtet  werden  und  mag  als  Basaigrund- 
moräne  bezeichnet  werden. 

Sobald  das  zurückgehende  Eis  die  Flußtaler  wieder 
frei  gab,  strömten  die  von  Süden  herabkommenden  Wässer 
nach  und  breiteten  erneut  Schotter  aus,  die  als  Basalschotter 
bezeichnet  werden.  Ihre  Idächtigkeit  ist  entsprechend  der 
kurzen  Dauer  des  Rückzuges  nur  gering,  und  da  wir  uns 
am  Fundpunkte  des  pflanzen  führenden  Tones  nahe  dem 
Ufer  des  interglazialen  Pleißcbettes  befinden,  sind  hier 
die  Basalschotter  nur  durch  Schmitzen  groben  Kieses  (9) 
vertreten,  die  sich  zwischen  der  Basalgrundmoräne  (8)  und 
dem  überlagernden  Schlepp  (10)  einschalten. 

Mit  letzterem  beginnen  die  Ablagerungen  des  Haupt¬ 
vorstoßes  der  zweiten  Eiszeit.  Es  hat  sich  überall  im 
sächsischen  Randdiluvium  gezeigt,  daß  bei  jedem  Vorstoß 
des  Eises  sich  in  den  Talwannen  Stauseen  bildeten,  in 
denen  sehr  feiner  geschichteter  Sand  (Schlepp)  und  Bänder¬ 
ton  zum  Absätze  gelangten.  Häufig  wurde  diese  gering¬ 
mächtige  Ablagerung  beim  weiteren  Vorrücken  des  Eises 
wieder  zerstört;  deswegen  findet  man  liier  unter  der  Basal¬ 
grundmoräne  keinen  Bänderton  mehr,  wlährend  er  anderen¬ 
orts  nachgewiesen  werden  konnte.  Man  kann  wohl  an- 


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143 


nehmen,  daß  der  Schlepp  das  Sediment  der  dem  Stau¬ 
becken  zufließenden  Gewässer,  der  Bänderton  jenes  der 
Schmelzwässer  ist.  Im  Profil  beobachtet  man  daher,  ent¬ 
sprechend  dem  Herannahen  des  Eises,  einen  gleichmäßigen 
Übergang  von  den  groben  Basalschottern  zum  Schlepp  und 
dann  zum  eisnahen  Bänderton. 

Der  Geschiebe lehm  (11)  als  Hauptgrundmoräne  der 
zweiten  Eiszeit  beschließt  in  unserem  Profile  die  rein 
glazialen  Ablagerungen. 

Die  Steinsohle  an  der  Basis  des  Löß  (12)  ist  ein 
Erosionsrelikt  von  bereits  abgetragenen  Geschiebelehm¬ 
massen  und  verkörpert  somit  die  Erosion  im  letzten  Inter¬ 
glazial,  während  der  Löß  als  Vertreter  der  letzten  Eiszeit 
aufzufassen  ist. 

Das  Ergebnis  dieser  Betrachtungen  ist  kurz  folgendes: 
Es  zeigen  sich  im  Böhlener  Profile  über  dem  Tertiär 
fluviatile  und  glaziale  Sedimente,  die  durch  ihre  Ver¬ 
knüpfung  beweisen,  daß  sie  unmittelbar  nacheinander  ab¬ 
gelagert  worden  sind.  Sie  werden  im  Hangenden  und  im 
Liegenden  von  je  einer  als  Steinsohle  ausgeprägten  Dis¬ 
kordanz  begrenzt,  deren  jede  einer  Erosionsperiode  ent¬ 
spricht,  und  zwar  die  obere  dem  letzten,  die  untere  dem 
vorletzten  Interglazial.  Die  glazialen  Sedimente  gehören 
somit  zur  vorletzten  Eiszeit  (Rißglazial  der  Alpen),  und 
die  bei  ihrem  Anbrechen  abgelagerten  Kiese  mit  der 
pflanzenführenden  Tonbank  sind  als  Hochterrassen¬ 
schotter  der  Pleiße  anzusprechen. 

Die  palaebotanische  Untersuchung  der  Reste  aus  der 
Tonschicht  4  lieferte  folgende  Ergebnisse. 

Herr  Mönkfmeyer,  der  die  Bestimmung  der  Moose  über¬ 
nahm,  berichtet: 

Laubmoose. 

Bestimmt  von  W.  Mönkemeyer,  Leipzig,  Botan.  Garten. 

Meesea  triquetra  (L.)  Aongstr.  var.  timmioides  Sanio. 
Die  Varietät  dieser  in  West-,  Mittel-,  und  Nordeuropa, 
Sibirien,  Spitzbergen  und  Nordamerika  vorkommenden 
Art  ist  bisher  nur  aus  Ost-  und  Westpreußen  bekannt 
geworden. 

Foniinalis  hypnoides  Habtm. 

Diese  in  Europa,  Sibirien,  Japan  und  Nordamerika 
nicht  seltene  Art  fand  sich  nur  in  einem  Aststücke  mit 
acht  gut  erhaltenen  Blättern. 


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144 


Thuidium  BlandouHi  (Web.  u.  Mohr  als  Hypnum )  Br.  cur. 
Diese  in  Europa,  Nordasien  und  Nordamerika  auf  Torf¬ 
wiesen  nicht  seltene  Art  fand  sich  ebenfalls  nur  in 
einem  gut  erhaltenen  Stammstück  mit  Seitenästchen. 
Campylium  (vel  Chrysohypnum)  stellatum  (Schreb.  als 
Hypnum)  Bryhn. 

Europa,  Kaukasus,  Sibirien,  Himalaya,  Nordamerika. 
Cratoncurum  commutatum  (Hedw.  als  Hypnum)  Roth. 
Diese  in  Europa,  Asien,  Japan  und  Nordamerika  häufige 
Art  fand  sich  in  wrenigen,  nicht  gut  erhaltenen,  aber 
gut  erkennbaren  Stammstücken. 

Cratoncurum  jilicinum  (L.  als  Hypjium)  Roth. 

Häufige  Art  Europas,  Asiens,  Nordamerikas  und  Neu¬ 
seelands. 

Drepanocladus  revolvens  (Sw.  als  Hypnum)  Warnst. 

Fand  sich  reichlich  und  gut  erhalten  vor. 
Verbreitung:  Europa,  Asien  und  Nordamerika. 
Drepanocladus  Scndtneri  (Schtr.  als  Hypnum)  Warnst,  in 
einer  der  fo.  grazilescens  Sanio  nahestehenden  Form 
und  in  der  forma  capillifolia  (Warnst,  p.  p.)  Moenkem. 
Europa,  Sibirien  und  Nordamerika. 

Drepanocladus  cxannulatus  (Gümb.  als  Hypnum)  Warnst. 
Fand  sich  in  großen,  reinen,  piattenartig  zusammen  - 
gepreßten  Rasen  vorzüglich  erhalten  vor,  und  zwar  in  der 
var.  brachydietya  (Ren.)  Moenkem. 

Diese  Varietät  zeigte  ferner  Übergänge  zu 
jo.  Rotae  (De  Not.)  Moenkem.  nebst  typisch  ausgebildeter 
Rotae.  Ferner  die  fo.  tundrae  (Arn.)  Moenkem.  mit 
stumpf  abgerundeter,  oft  kappenförmig  eingekrümmter 
Blattspitze. 

Die  var.  brachydietya  kommt  im  Norden  Europas  und 
in  höheren  Gebirgslagen  vor,  in  Sibirien  bildet  sie 
vielfach  Massenvegetation  in  der  fo.  tundrae.  Die  jo. 
Rotae  ist  in  guter  Ausbildung  in  den  höheren  Gebirgs¬ 
lagen  und  im  Norden  Europas  heimisch. 

Scorpidium  scorpioides  (L.  als  Hypnum)  Limpr.  fo.  jutocca 
Sanio  als  Var. 

Diese  Form  besitze  ich  aus  der  Schweiz,  Schottland 
und  Nordeuropa,  sie  ist  ferner  in  Ostpreußen  aufgefimdon 
und  kann  im  allgemeinen  als  alpin-boreal  betrachtet 
werden. 

Calliergon  giganteum  (Schr.  als  Hypnum)  Kindb. 
war  reichlich  und  gut  erhalten  vorhanden. 
Verbreitung:  Europa,  Sibirien  und  Nordamerika. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


Zeitschr.  d.  Deutsch.  Geol.  Gesellsch.  1924. 


Tafel  III. 


Abb.  1.  Blick  von  Kefr  Seluan  auf  das  von  Start'elbrüchen 
durchsetzte  Süd  westende  des  Kneysseh. 


Abb.  2.  Faltungen  in  der  obersten  Kreide  auf  der  NW- Seite  des 
Ammänbaches,  gesehen  von  Km  222,4  der  Hedschasbahn. 


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Zeitschr.  d.  Deutsch.  Geol.  Gesellsch.  1924. 


Tafel  IV. 


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•  JUN  i  1925 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte.) 


A.  Abhandlungen. 
3.  u.  4.  Heft.  76.  Band. 

(Hierzu  Tafel  V  und  VI.) 


1924, 


Berlin  1925. 

Verlag  von  Ferdinand  Enke  in  Stuttgart. 


INHALT. 

Aufsätze:  Seite 

6.  Grahmann,  R.:  Über  pflanzenführende  Diluvialtone 
in  Nord westsachsen.  (Mit  2  Textabbildungen) 

(Fortsetzung) . 139 

6.  Wegnf.r,  Th.:  Die  Rudisten  des  norddeutschen  Turons. 

(Hierzu  Tafel  V  und  2  Textabbildungen)  ....  159 

7.  Woldstedt,  Paul:  Zur  Tektonik  des  subherzynen 

Beckens.  (Hierzu  Tafel  VI  und  3  Textabbildungen)  183 
Verzeichnis  der  seit  1920  bei  der  Bücherei  eingehenden 

Zeitschriften  und  Karten . 202 

Mitgliederverzeichnis . 214 


Deutsche  Geologische  Gesellschaft. 


Vorstand  für  das  Jahr  1925 

Vorsitzender:  Herr  Krusch  Schriftführer:  Herr  Bäbtlino 

Stellvertretende  I  „  Pompkckj  „  Solger 

Vorsitzende:  \  „  BROiu-München  Mestwerdt 

Schatzmeister:  „  Picabd  ..  RiMANN-Dresden 

Archivar:  „  Dienst 

Beirat  für  das  Jahr  1925 

Die  Herren:  ANDREB-Königsberg  i.Pr.,  BuxTORF-Basel,  CLOOS-Breslau,  Erdmanns- 
DÖRFFER-Hannover,  Faura  i  Sans- Barcelona,  FuEGEL-Berlin,  ^ETRASCHECK-Leoben, 
ScHUMANN-Grube  Jlse,  N.-L.,  WEGNER-Miinster. 

■ — * — ü 


Mitteilungen  der  Schriftleitung. 

Im  Interesse  des  regelmäßigen  Erscheinens  der  Abhandlungen  und 
Monatsberichte  wird  um  umgehende  Erledigung  aller  Korrekturen  gebeten. 

Die  Manuskripte  sind  druckfertig  und  möglichst  in  Maschinenschrift  ein¬ 
zuliefern.  Der  Autor  erhält  in  allen  Fällen  eine  Fahnenkorrektur  und  nach 
Umbrechendes  betreffenden  Bogens  eine  Revisionskorrektur.  Eine  dritte 
Korrektur  kann  nur  in  ganz  besonderen  Ausnahmefällen  geliefert  werden.  Für 
eine  solche  hat  der  Autor  die  Kosten  stets  zu  übernehmen. 

Im  Manuskript  sind  zu  bezeichnen: 

Oberschriften  (halbfett)  doppelt  unterstrichen, 

Lateinische  Fossilnamen  (kursiv  I)  durch  Schlangenlinie, 

Autornamen  (Majuskeln)  rot  unterstrichen, 

Wichtige  Dinge  (gesperrt)  schwarz  unterstrichen. 

— ; - □ - 


Bei  Zusendungen  an  die  Gesellschaft  wollen  die  Mitglieder  folgende 
Adressen  benutzen: 

1.  Manuskripte  zum  Abdruck  in  der  Zeitschrift,  Korrekturen  usw.  an 
Herrn  Bergrat  Prof.  Dr.  Härtling,  Berlin-Friedenau,  Kaiserallee  128. 

2.  Einsendungen  an  die  Bücherei,  Reklamationen  nicht  eingegangener  < 
Hefte,  Anmeldung  neuer  Mitglieder  und  Adressenänderungen  an 
Herrn  Prof.  Dr.  Dienst,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

3.  Anmeldung  von  Vorträgen  für  die  Sitzungen  an  Herrn  Kergrat 
Prof.  Dr.  Mestwerdt,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

4.  Sonstiger  Briefwechsel  an  den  Vorstand  der  Deutschen  Geo¬ 
logischen  Gesellschaft,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

5.  Die  Beiträge^  sind  gebührenfrei  auf  das  Postscheckkonto  von 
Prof.  Dr.  E.  Picard,  Schatzmeister  der  Deutschen  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft  in  Berlin  N  4  beim  Postscheckamt  Berlin  NW 7  Nr.  38581  zu 
überweisen. 

Aus  dem  Ausland  sind  die  Beiträge  an  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Picard, 
Berlin  N4,  Invalidenstr.  44,  einzusenden. 


Go  jgie 


rAl 


145 


CaUiergon  cuspidatum  (L.  als  Hypnum)  Kindb. 

Häufige  Art  Europas,  Asiens,  Nordamerikas  und  Neu¬ 
seelands. 

Diese  Arten  und  Formen  bilden  eine  natürliche 
Pflanze ngemein8chaft  einer  ausgesprochenen  Sumpf flora, 
von  denen  die  Drepanocladus  exannulatus- Formen  und 
Scorpidium  alpin-borealen  Charakter  tragen. 

Außer  dieser  fand  ich  noch  zwei  Moose  in  guter 
Erhaltung,  welche  an  Stämmen  und  Zweigen,  Baum  wurzeln 
und  an  Felsen  bei  uns  häufig  sind,  und  zwar 

Neckera  complanata  (L.)  Hübn.  und  Isothecium  myurum 
Beid. 

Im  hohen  Norden,  z.  B.  auf  Island,  kommen  beide 
Arten  ebenfalls  vor,  wo  sie  in  Ermangelung  der  Baum¬ 
vegetation  an  steinigen  Stellen  wachsen. 

Von  Gattungen,  welche  sich  erwarten  ließen,  wie  Philo- 
notis ,  Bryum  und  Mnium  habe  ich  nichts  angetroffen, 
ebensowenig  Sphagnum.  Im  allgemeinen  konnte  ich  fest¬ 
stellen,  daß  die  Böhlener  Diluvialmoose  in  bezug  auf 
Ausbildung  der  vegetativen  Organe,  verglichen  mit  re¬ 
zenten  Pflanzen,  weit  schwächer  entwickelt  waren, 
daß  sich  demnach  letztere  zu  ihrem  Vorteile  weiter¬ 
entwickelt  haben.  Obwohl  ich  sehr  viel  Material  durch¬ 
gearbeitet  habe,  gelang  es  mir  nicht,  eine  Kapsel  auf¬ 
zufinden.  Das  entspricht  den  heutigen  Verhältnissen. 
Auch  heute  kann  man  oft  ganze  Hypnumwiesen  nach 
fruchtenden  Pflanzen  vergeblich  durchsuchen. 
Belegexemplare  der  angeführten  Böhlener  Diluvial¬ 
moose  sind  dem  Geologischen  Landesamt  in 
Leipzig  überwiesen  worden. 

Herr  KbXüsel  untersuchte  alle  übrigen  Pflanzenformen 
und  schreibt: 

„Außer  Moosen  fanden  sich  in  dem  Ton  von  Böhlen 
an  Pflanzenresten  Holz-  und  Wurzelbruchstücke,  Samen 
und  sehr  wenige  Pollenkörner.  Laubblätter  waren  nicht 
vorhanden.  Die  zuerst  untersuchten,  schichtweise  gesammel¬ 
ten  Proben  gaben  keinen  Hinweis  auf  eine  vertikale  Floren¬ 
folge2).  Auch  im  Verlauf  der  weiteren  Untersuchung  — 
des  nun  unsortierten  Materiales  —  ergaben  sich  keine  An- 

*)  Die  schichtweise  Aufsammlung  wurde  aufgegeben,  nachdem 
eine  durchgehend  gleichmäßige  Verteilung  der  Moose  festgestellt 
worden  war.  Grahmann. 

Zeilschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  10 


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146 


haltspunkte  für  eine  derartige  Gliederung,  höchstens  fiel 
auf,  daß  eine  besonders  holz-  und  moosreiche  Schicht  fast 
gar  keine  Samen  enthielt.  Diese  sind  auch  sonst  nicht 
allzu  häufig  mit  Ausnahme  der  Carices  und  fast  immer 
stark  zusammengedrückt  und  schlecht  erhalten,  so  daß 
eine  sichere  Bestimmung  oft  unmöglich  ist. 

Außer  den  Moosen  konnten  folgende  Pflanzen  nach¬ 
gewiesen  werden: 

Ccnococcum  geophilum  Fk. 

Eine  Anzahl  Fruchtkörper.  Die  Art  ist  im  humösen 
Boden  der  Heiden  und  Wälder  häufig.  C.  A.  Weber 
fand  sie  in  der  Mammutschicht  von  Borna  und  im 
Glazial  von  Lüneburg;  Habtz  in  spätglazialen  dänischen 
Schichten3). 

Potamogeton  pusillus  L. 

Wenige  Steinkerne.  Rezent  in  der  gemäßigten  Zone 
Europas,  in  Grönland  bis  68,75°  n.  B.  (Weitere  An¬ 
gaben  bei  C.  A.  Weber4).  Glaziale  Ablagerungen  in 
Schweden  und  Dänemark,  Nüsse  (Range),  Krystynopol 
(Szafer),  Borna  (C.  A.  Weber). 

Potamogeton  sp. 

Wenige  Steinkerne,  schlecht  erhalten,  aber  kaum  zur 
vorigen  Art  gehörend. 

Gramineen. 

Fast  alle  im  ganzen  spärlich  vorhandenen  Pollenkörner 
gehören  hierher. 

Eriophorum  cf.  Schcuchzeri  Hoppe. 

Schlecht  erhaltene  Früchte,  wie  sie  Nathorst  auch  bei 
Deuben  fand.  Nach  C.  A.  Weber  heute  arktisch- 
circumpolar,  in  Grönland  und  Spitzbergen  ein  Haupt¬ 
bestandteil  der  Sumpfwiesen,  häufig  auch  in  den  alpinen 
Lagen  der  Gebirge  der  gemäßigten  Zone.  Mammutflora 
von  Borna  (C.  A.  Weber). 

Car  ex  cf.  rostrata  Stokes. 

Zwei  schlechterhaltene  Bälge  (einige  Nüßchen??).  Von 
Südeuropa  (Gebirgslagen)  bis  in  die  arktische  Tundren¬ 
zone  verbreitet,  glazial  aus  Dänemark  (Hartz)  und 
Borna  (C.  A.  Weber)  bekannt. 

3)  Hier  wie  im  folgenden  sind  diese  Angaben  keineswegs  er¬ 
schöpfend,  sondern  nennen  nur  einige  der  wichtigeren  Fundorte. 

4)  C.  A.  Weber,  die  Mammutflora  von  Borna.  Abh.  d.  Naturw. 
Ver  Bremen  1914,  Bd.  XXII I.  H.  1. 


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Car  ex  sp. 

Die  hierher  gehörenden  Nüßchen  sind  am  häufigsten; 
sie  machen  etwa  80  v.  H.  aller  Samen  aus  und  gehören 
wahrscheinlich  mehreren  Arten  an.  Doch  ist,  zumal 
die  Epidermis  fast  stets  zerstört  ist,  eine  nähere  Be¬ 
stimmung  nicht  möglich. 

Salix  sp. 

Wenige  Pollenkörner  sowie  äußerst  zahlreiche  Zweig¬ 
bruchstücke  in  der  Moosschicht.  Stets  ist  der  Durch¬ 
messer  der  Zweige  gering.  Größere  Stammstücke 
kommen  nicht  vor.  Es  handelt  sich  um  strauchartige, 
kriechende  Weiden. 

Caryophyllaceen. 

Zwei  schlecht  erhaltene,  nicht  näher  bestimmbare  ( Si - 
lene  ?)  Samen. 

Polygonum  viviparum  L. 

Ein  einziger  Samen.  Die  Art  findet  sich  in  den  Alpen 
und  der  Tatra,  in  Skandinavien  und  den  Polarländern, 
glazial  bei  Deuben. 

Batrachium  sp. 

Einige  Früchte.  B.  confervoides  Fr.  heute  arktisch- 
alpin,  ist  glazial  mehrfach  nachgewiesen  (auch  in 
■  Borna). 

Comaram  palustre  L. 

Eine  beschädigte  Frucht.  Glazial  bei  Borna,  in  Eng¬ 
land,  Dänemark  und  Schweden,  heute  in  der  gemäßigten 
Zone  häufig  bis  ins  arktische  Gebiet  vordringend. 

Potentilla  aurea  L. 

Einige  Früchte.  In  subalpinen  und  alpinen  Regionen 
häufig;  in  Nordeuropa  und  in  der  Arktis  fehlend, 
fossil  von  Borna  und  Lüneburg  bekannt  (C.  A.  Werer). 

Potentilla  cf.  alpestris. 

Hierher  gehören  wahrscheinlich  zwei  Früchtchen,  von 
der  vorigen  Art  durch  die  stärker  ausgebildeten  Schräg- 
leisten  unterschieden.  Von  arktisch  alpiner  Verbreitung, 
fossil  von  Lüneburg  angegeben  (C.  A.  Weher). 

Viola  palustris  L. 

Einige  nicht  näher  bestimmbare  Samen.  Gemäßigtes 
bis  arktisches  Gebiet. 

10* 


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148 


Hippuris  vulgaris  L. 

Die  Samen  dieser  Art  sind  ziemlich  häufig.  Heute 
im  gemäßigten  und  arktischen  Gebiet  häufig,  wird  die 
Art  auch  von  mehreren  glazialen  Fundorten  angegeben. 
?  Menyanthes  trijoliata  L. 

Zwei  Samenbruchstücke. 

?  Lycopus  curopacus  L. 

Ein  schlecht  erhaltener  Samen. 

Carduus  (Cirsium  ?)  sp. 

Eine  schlecht  erhaltene  Achäne. 

Die  Zahl  der  hier  nachgewiesenen  Pflanzen  ist  gewiß 
nicht  sehr  groß,  im  Verein  mit  den  schon  erwähnten 
Moosen  gestatten  sie  aber  doch  einen  Schluß  auf  die 
Zusammensetzung  der  damals  in  der  Nähe  von  Böhlen 
lebenden  Pflanzengesellschaft  und  ihre  Lebensbedingungen. 
Nun  sind  ja  allerdings  die  Beste  wenigstens  zum  Teil 
vielleicht  zusammengeschwemmt.  Aber  von  weither,  etwa 
aus  höheren  Gebirgslagen,  können  sie  kaum  stammen.  Die 
Ablagerung  ist  also  in  bezug  auf  die  Flora  des  Gebietes 
sicher  autochthon.  Dafür  spricht  nicht  nur  die  Erhaltung 
auch  der  zarteren  Moose,  sondern  auch  die  einheitliche 
Zusammensetzung  der  Flora.  Sic  wird  in  der  Hauptsache 
von  Moosen  und  Carices  im  Verein  mit  Wasser-  und 
Sumpfpflanzen  gebildet.  Zieht  man  ihre  heutige  Verbreitung 
in  Betracht,  so  weist  diese,  unbeschadet  des  Umstandes, 
daß  eine  Anzahl  der  bei  Böhlen  angetroffenen  Pflanzen 
noch  heute  im  Gebiete  von  Mitteleuropa  Vorkommen,  für 
den  Vergleich  auf  die  arktischen  Tundren  und  die  alpine 
Vegetation.  Eine  solche  Flora  ist  bereits  durch  Nathorst 
von  Deuben  und  durch  C.  A.  Weber  von  Borna  nach¬ 
gewiesen  worden.  In  allen  drei  Fällen  haben  wir  eine 
typische  Glazialflora  vor  uns,  eine  Tundren Vegetation,  die 
durch  den  Mangel  von  Bäumen  ausgezeichnet  ist.  Nirgends 
enthält  die  Ablagerung  Holzreste  oder  Pollen  von  solchen, 
und  bei  der  leichten  Verbreitung  der  letzteren  ist  der 
Schluß  gerechtfertigt,  daß  Bäume,  wie  Kiefer  oder  Birke, 
auch  in  der  weiteren  Umgebung  der  Fundschicht  nicht 
vorhanden  gewesen  sein  können.  Die  liachgcwiesenen  Holz¬ 
reste  gehören  ja  durchweg  kleinwüchsigen  Weiden  an. 
Diese  Flora  steht  in  einein  schroffen  Gegensatz  zur  heutigen 
Pflanzenwelt  des  Gebietes  und  setzt  ein  kälteres  Klima 
voraus.  Es  ist,  kurz  gesagt,  eine  typische  Glazialflora. 
Welcher  Eiszeit  sie  —  unter  Voraussetzung,  daß  das  übliche 


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J49 

Schema  der  diluvialen  Gliederung  richtig  ist  —  angehört 
hat,  ist  aus  ihrer  Zusammensetzung  allein  nicht  zu  ent¬ 
nehmen.  Und  ebenso  ist  eine  bestimmte  Deutung,  ob  es  sich 
um  Hoch-,  Früh-  oder  Spätglazial  handelt,  kaum  möglich. 
Das  Auftreten  mancher  Formen  scheint  aber  gegen  die  erste 
Annahme  zu  sprechen.  Andererseits  darf  man  die  heutigen 
Verhältnisse  der  Arktis  nicht  schematisch  auf  das  glaziale 
Mitteleuropa  übertragen.  Dies  ist  schon  mehrfach,  am 
klarsten  wohl  bei  C.  A.  Weber  (a.  a.  O.  S.  62)  zum  Aus¬ 
druck  gebracht  worden.  Nach  ihm  war  das  glaziale  Klima 
hinsichtlich  seiner  physiologischen  Wirkungen  weder  mit 
der  heutigen  Arktis  noch  dem  der  Hochalpen  völlig  iden¬ 
tisch,  ebensowenig  mit  dem  der  heutigen  Steppen  der  ge¬ 
mäßigten  Zone.  Da  ee  aber  Züge  jedes  dieser  gegenwärtigen 
Klimat©  in  sich  vereinte,  so  war  die  Folge  davon,  daß 
Vertreter  der  Organismenwelt  der  heutigen  Arktis,  der 
Hoch  alpen,  der  Steppe  wie  der  Tundra  wenigstens  während 
des  Übergangs  von  der  hochglazialen  zu  der  spätglazialen 
Phase  (das  gleiche  gilt  natürlich  für  den  Übergang  vom 
Früh-  zum  Hochglazial)  in  Mitteleuropa  nebeneinander,  wenn 
auch  vielleicht  standörtlich  getrennt,  zu  leben  vermochten, 
indem  während  der  erstgenannten  Phase  mehr  der  arktisch- 
alpine  oder  tundrenartige  Charakter  der  aus  Pflanzen  und 
Tieren  gebildeten  Lebensgemeinschaften,  während  der 
zweiten  aber  mehr  und  mehr  der  steppenartige  hervortrat, 
der  dann  allmählich  in  iden  der  temperierten  Grasflur- 
Lebensgemeinschaften  und  endlich  des  Waldes  eines  Inter - 
glazials  oder  des  Postglazials  hinüberglitt.“ 

Es  seien  noch  einige  Worte  über  die  Pflanzen - 
Gemeinschaft  angefügt.  Von  den  elf  bestimmten  Moosen 
sind  zehn  unmittelbare  Bewohner  von  Wasser  und  Sümpfen. 
Chrysohypnum  stellatum  kann,  an  Zweigen  lebend,  mittel¬ 
barer  Sumpfbewohner  sein.  Von  den  übrigen  18  be¬ 
stimmten  Pflanzenformen  sind  zwölf  Bewohner  des  Wassers, 
der  Sümpfe  oder  Ufer.  Carduus  bzw.  Cirsium  kann  ebenfalls 
in  Sümpfen  auftreten,  desgleichen  gewisse  Gramineen. 
Letztere  scheiden  jedoch  in  diesem  Falle  für  die  Erschließung 
des  Standortes  der  Flora  aus,  da  sie  nur  durch  Pollen 
vertreten  sind,  die  ja  durch  den  Wind  weithin  getragen 
werden.  Nur  Polygonum  vivi parum  und  die  beiden  Poten- 
/ ///fl arten  fallen  als  reine  Landpflanzen  aus  der  im  übrigen 
einheitlichen  Pflanzengesellschaft  heraus.  Es  liegt  also  eine 
typische  Tundrensumpfflora  vor,  der  einige  Wasserpflanzen 


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150 


sowie  die  Samen  einiger  Landpflanzen  zugesehwemint  sind. 
Sind  die  Pflanzen  wohl  auch  nicht  an  ihrem  Fundorte  ge¬ 
wachsen,  so  sind  sie  jedoch  zweifellos  nur  eine  kurze  Strecke 
transportiert  worden.  Es  ist  ja  selbstverständlich,  daß  bei 
der  Auf  Schotterung,  welche  mit  dem  Herannahen  des 
Inlandeises  erfolgte,  immer  weitere  Gebiete  zunächst  unter 
Wasser,  dann  unter  Schotter  gesetzt  wurden.  Eine  Sumpf¬ 
wiese  wurde  überschwemmt  und  die  abgetriebenen  Pflanzen 
wurden  in  einer  ruhigen  Flußschlinge  zur  Ablagerung  gebracht. 

Herr  Mönkemeyer  hat  schon  darauf  hingewiesen,  daß 
gewisse  Moose  borealen  Einfluß  beweisen.  Auch  die  von  ihm 
erwähnte  kräftigere  Entwicklung  der  heute  noch  lebenden 
Spezies  scheint  mir  auf  die  heute  günstigeren  Lebensbedin¬ 
gungen  hinzudeuten.  Von  den  übrigen  fcstgestellten  Pflanzen 
sind  die  Wasser-  bzw.  Sumpfbewohner  außer  dem  alpinen 
Eriophorum  Scheuchzcri  alle  noch  heute  im  gemäßigten 
Mitteleuropa  vorhanden,  wenn  auch  ein  großer  Teil  von 
ihnen,  wie  ja  auch  von  den  Moosen,  gleichzeitig  auch  in 
der  arktischen  Zone  auftritt.  Es  findet  sich  aber,  und 
darauf  sei  noch  besonders  hingewdesen,  unter  ihnen  keine 
Art,  die  auf  gemäßigtes  Klima  beschränkt  ist,  so  daß 
immerhin  schon  auf  Grund  der  Sumpf-  und  Wasser¬ 
pflanzen  ein  kaltes  Klima  wahrscheinlich  ist.  Zieht  man 
jedoch  zur  Beurteilung  noch  die  wenigen  festgestellten 
Landpflanzen  heran,  so  zeigt  sich  die  auffällige  Tatsache, 
daß  sowohl  dio  Potent illaavten  als  auch  Polygonum  vivi- 
parurn,  schließlich  auch  die  kriechenden  Weiden  heute  auf 
alpine  oder  arktische  Standorte  beschränkt  sind  und  somit, 
ein  kaltes  Klima  erweisen.  Auch  der  völllige  Mangel  an 
Bäumen  ist  in  diesem  Sinne  zu  deuten. 

Die  Tatsache,  daß  eine  der  jetzigen  ähnliche  Wasser¬ 
flora  gleichzeitig  neben  einer  Landflora  von  alpin-arktischem 
Charakter  lebte,  hat  sich  auch  bei  anderen  pflanzen  führen¬ 
den  Glazialablagerungen  gezeigt.  Besonders  wird  die  von 
Szafek')  für  die  Ablagerungen  von  Krysty  nopol  in 
Galizien  hervorgehoben,  deren  Pflanzengemeinschaft  mit 
der  von  Böhlen  große  Ähnlichkeit  zeigt.  A.  G.  Nathorst*) 

5)  Szafer,  Wl.  1912.  Eine  Dr.vasflora  bei  Krystynopel  in 
Galizien.  Bull.  acad.  d.  Scienc.  de  Cracovie.  Classe  d.  sc.  math. 
et  nat.  Ser.  B. 

6)  Natiiorst,  A.  G.  1910.  Spätglaziale  Süßwasserablagerungen 
mit  arktischen  Pflanzenresten  in  Schonen.  Geol.  Foren.  Förhand- 
lingar  32.  Stockholm. 

Derselbe.  Neuere  Erfahrungen  von  dem  Vorkommen  fossiler 
GlazÄal  pflanzen.  Dieselben  Abh.  36,  S.  287  ff. 


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1ÖJL 

hat  für  diese  Vergesellschaftung  eine  Erklärung  gegeben, 
die  allerdings  nicht  durchaus  zutrifft,  wenn  man  das  Eis¬ 
zeitphänomen  auf  Polwanderungen  zurückführt. 

In  welchem  Altersverhältnis  steht  nun  die  Böhlener 
Glazialflora  zu  den  anderen  im  sächsischen  Randdiluvium 
bekannt  gewordenen  Glazialfloren  von  De  üben,  Luga 
und  Borna?  Die  Deubener,  sowie  die  Lugaer  Fundschicht 
wurden  von  Pietzsch7)  auf  Grund  der  neuesten  Aufnahmen 
der  letzten  norddeutschen  Eiszeit  zugerechnet.  Eine  Klar¬ 
stellung  erfordert  jedoch  die  Altersbestimmung  der  Bornaer 
Mammutschicht.  C.  A.  Weber8)  hat  sich  darüber  ein¬ 
gehend  verbreitet,  kommt  aber  zu  einem  Ergebnis,  dem 
man  sich  nicht  in  allen  Punkten  anschließen  kann.  Die 
pflanzenführende  Mammutschicht  liegt  westlich  der  Wyhra- 
aue  unter  einer  mehrere  Meter  dicken  Schicht  feinsandigen 
Lehmes  einer  „altalluvialen“  Terrasse  (a.  a.  O.  Fig.  1)  des 
Wyhratales,  welches  in  feuersteinführende,  mit  Geschiebe- 
tehm  und  Löß  bedeckte,  ältere  Diluvialschotter  eingeschnitten 
ist.  C.  A.  Weber  stellt  diese  Schotter,  den  Geschiebelehm 
und  den  an  seiner  Basis  bisweilen  auftretenden  Bänderton  in 
das  vorletzte  norddeutsche  Glazial  (Rißeiszeit).  Darin 
stimme  ich  ihm  zu:  sie  entsprechen  zeitlich  den  Schottern, 
in  welche  die  Böhlener  Fundschicht  eingebettet  ist.  Die 
Schotter  unter  der  „altdiluvialen“  Terrasse  von  Borna 
dagegen  werden  von  C.  A.  Weber  dem  Ausgang  des 
gleichen  Glazials  zugerechnet.  Beim  Abschmelzen  des 
Landeises  soll  sich  an  der  Stelle  des  Wyhrataies  eine  tiefe 
Rinne  gebildet  haben,  in  der  diese  Flußschotter  zur  Ab¬ 
lagerung  gelangten. 

Es  liegt  jedoch  meines  Erachtens  ein  gewisser  Wider¬ 
spruch  in  der  Annahme,  daß  Erosion  und  Aufschotterung 
hier  gleichzeitig  erfolgt  sind.  Die  Ursachen,  welche  zur 
Erosion  führen,  können  nicht  gleichzeitig  auch  Ablagerung 
von  Terrasse nschottern  bewirken.  Und  nimmt  man  beide 
Vorgänge  nacheinander,  so  dehnt  man  einmal  das  „Spät¬ 
glazial  II“  über  Gebühr  aus  und  müßte  es  dann  noch  in 
eine  frühere  Stufe,  in  der  Erosion  herrscht,  und  in  eine 
spätere,  wo  Auf  Schotterung  erfolgt,  teilen.  Es  müßten  sich 
die  Vorgänge,  die  wir  vor  Ablagerung  des  Löß  beobachten. 


7)  K.  Pietzsch,  Der  pflanzenführende  Glazialton  von  Luga 
b.  Dresden  und  die  Gliederung  des  Elbtaldiluviums.  Ber.  Nut.  Ges. 
Leipzig.  42.  Jg.  1915. 

8)  C.  A.  Weber  Die  Mammutflora  von  Borna.  Abh  Xat.  Vor. 
Bremen  1914,  Bri.  XXIII.  H.  1,  S.  51. 


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152 


auf  einen  sehr  kurzen  Zeitraum  beschränken.  Wir  beobach¬ 
ten  jedoch  überall  in  Sachsen,  daß  die  Abtragung  älterer 
Diluvialsedimente  vor  der  Bildung  des  Löß  sehr  stark  war, 
daß  sie  sich  also  über  einen  längeren  Zeitraum  erstreckt 
haben  muß.  Pietzsch9)  hat  besonders  für  das  Gebiet  des 
Elbtales  auf  diese  Tatsache  hingewiesen.  Es  ist  also  die 
Stellung  der  Flußschotter  der  „altdiluvialen  Terrasse"  so¬ 
wie  auch  die  des  Löß  in  das  Spätglazial  II  unwahrschein¬ 
lich10).  Gewiß  gibt  es  in  Nordwestsachsen  Kiese,  die  dem 
Rückzuge  des  Landeises  entsprechen,  aber  das  sind  sandr- 
artige  Bildungen  oder  Kiesmoränen,  sie  liegen  fast  überall 
dem  Geschiebelehm  der  gleichen  Eiszeit  auf,  und  eine 
nennenswerte  Erosion  hat  vor  ihrer  Ablagerung  nicht  statt¬ 
gefunden. 

Versucht  man,  die  Ablagerungen  der  „alluvialen  Ter¬ 
rasse"  von  Borna  dem  glazialen  Schema  einzugliedern, 
so  wird  man  grundsätzlich  gleichen  Ursachen  gleiche 
Wirkungen  zuschreiben  und  dementsprechend  umge¬ 
kehrt  für  entsprechende  Erscheinungen  analoge  Gründe 
suchen  müssen.  In  dem  Profil  von  Böhlen  findet  sich 
an  der  Basis  der  Pleißeschotter  eine  Steinsohle  als  Erosions- 
rest  einer  älteren  Grundmoräne.  Die  Erosion  wurde  ins 
vorletzte  Interglazial  verlegt,  die  Auf  Schotterung  ergab  sich 
einwandfrei  sowohl  durch  die  gegen  ihr  Ende  einsetzende 
Verknüpfung  mit  Grundmoräne  als  auch  durch  die  Flora, 
als  Frühglazial  II.  Analog  ist  nun  anzunehmen,  daß  die 
starke  Erosion,  die  wir  überall  im  sächsischen  Diluvium 
nach  der  2.  Eiszeit  beobachten,  im  letzten  Interglazial 
statthatte.  Erst  bei  Beginn  einer  neuen  Eiszeit  erfolgt 
wie  bei  den  früheren  Eiszeiten,  in  den  neuausgetieften 
Flußtälern  eine  erneute  Aufschotterung.  Als  deren  Er¬ 
gebnis  finden  wir  in  unseren  Tälern  eine  Terrasse,  die 
südlich  der  nördlichen  Verbreitungsgrenze  des  Löß  von 
solchem  bedeckt  ist.  Diese  Terrasse  ist  auf  den  sächsischen 
geologischen  Karten  mit  dem  Symbol  ,,d3"  (=■-  jungdiluviale 
Flußschotter)  zur  Darstellung  gebracht  worden,  soweit  sie 
sich  deutlich  ausscheiden  ließ,  d.  h.  besonders  in  den  Tälern 
der  Neiße,  Elbe  und  Mulde.  Es  wurde  allerdings 
nicht  zum  Ausdruck  gebracht,  daß  sie  der  letzten  Eiszeit 
angehört.  Erst  K.  Pietzsch  führte  in  der  erwähnten 

9)  K.  Pietzscii  a.  a.  O. 

10)  Vergl.  auch  E.  Wekth:  Die  äußersten.  Junge ndinorünen 
in  Norddeutschland  und  ihre  Beziehungen  zur  Nordgrenze  und 
zum  Alter  des  Löß.  Zeitschr.  f.  Gletscherkunde  VI.  1912. 


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153 

Arbeit  für  das  Eibtalgebiet  die  Eingliederung  der  diluvialen 
Ablagerungen  in  das  heute  übliche  Schema  durch  und 
stellte  die  jungdiluviale  Terrasse  (d3  —  Schotter)  ins  letzte 
Glazial.  Auch  im  benachbarten  Saaletale  ist  die  gleiche 
Terrasse,  mit  Lößlehm  bedeckt,  nachgewiesen  und  von 
Siegert  als  Saaleterrasse  des  2.  Interglazials  bezeichnet 
worden  (interglazial  =  intermoränal). 

Im  Gebiete  der  Elster  und  Pleiße  dagegen,  wo  die 
Höhenunterschiede  sehr  gering  sind,  hebt  sich  die  Terrasse 
weniger  deutlich  ab.  Sie  ist  daher  auf  den  älteren  Karten 
nicht  einheitlich  dargestellt  worden.  Zum  Teil  erscheint 
sie  als  ..da“  —  ,.Altalluvium“,  zum  Teil  sie  als  „a8“  --  „ge¬ 
neigtes  Alluvium“  bezeichnet,  im  Elstertale  ist  sie  meist 
gar  nicht  abgogrenzt  worden.  Einer  späteren  Neuauf¬ 
nahme  der  in  Frage  kommenden  Blätter  bleibt  es  Vorbe¬ 
halten,  diese  Terrasse  einheitlich  auszuscheiden. 

Diese  Terrasse  liegt  nun  zweifellos  auch  in  dem  „Alt¬ 
alluvium"  von  Borna  vor,  und  die  pflanzenführende  Mam¬ 
mutschicht  von  dort  ist  demnach  dem  letzten  Glazial 
zuzurechnen,  sie  ist  gleichaltrig  mit  den  Ablagerungen 
von  Luga  und  De  üben.  Diese  Angabe  hatte  C.  A. 
Weber  für  möglich  gehalten,  es  stand  ihm  aber  noch 
keinerlei  Vorarbeit  über  die  Gliederung  des  sächsischen 
Diluviums  zur  Verfügung.  Jedoch  kam  schon  E.  Werth 
zur  gleichen  Altersbestimmung  wie  ich11).  Gewisse  Schwie¬ 
rigkeiten  bietet  nur  der  „Terrassenlehm“,  welcher  in 
Borna  die  Mammutschicht  überlagert.  Da  gleichzeitig 
der  sonst  auf  dieser  Terrasse  (z.  B.  zwischen  Böhlen 
und  S  t  ö  h  n  a  im  Pleißetale  etwa  10  km  nördlich)  vor¬ 
handene  Löß  fehlt,  bin  ich  der  Meinung,  daß  dieser  in 
Borna  durch  den  feinsandigen  horizontal  geschichteten  Ter¬ 
rassenlehm  vertreten  wird.  Man  kann  annehmen,  daß  der 
Löß  über  die  trockenen  vegetationsarmen  Höhen  gefegt 
und  in  nur  geringer  Mächtigkeit  abgelagert  wurde,  im 
Tale  jedoch  in  langsam  fließendes  oder  stehendes  Wasser 
getrieben  wurde  und  gemischt  mit  fluviatilen  Sedimenten 
zur  Ablagerung  kam.  Wir  dürfen  auch  nicht  vergessen, 
daß  nicht  der  gesamte  alte  Talboden  eine  gleichmäßige 
Lößdecke  tragen  kann:  auf  diesem  befanden  sich  Flu߬ 
betten  sowie  sumpfige  Stellen,  in  die  der  Staub  geweht 
und  mit  Schlick  oder  Sand  gemischt  wurde. 


u)  E.  Werth:  Die  Mammutfloni  von  Borna.  Naturw. 
Wochenschrift,  Neue  Folge,  Bd.  13,  1914. 


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154 


Nach  Ablagerung  der  Bornaer  Wyhratalterrasse  er¬ 
folgte  neuerdings  Erosion,  hierauf  abermals  Aufschüttung 
eines  Flußschotters,  Bildung  von  Torf-  und  Muddelagern 
und  schließlich  von  Aulehm.  C.  A.  Weber  stellt  diese 
Schotter-  und  Torfbildungen  ins  letzte  Glazial  (Würmeis¬ 
zeit).  Nachdem  wir  nun  aber  oben  für  die  Bildung  des 
Mainmuttones  und  der  „altalluvialen“  Terrasse  ein  letzt- 
glaziales  Alter  nachgewiesen  haben,  sind  die  jüngsten  Schot¬ 
ter  der  Wyhraaue  anders  einzugliedern.  Hellmuth  Weber12) 
hat  die  Flora  der  diesen  Schotter  überlagernden  Torf¬ 
und  Muddebildungen  eingehend  untersucht  und  eine  Ab¬ 
folge  von  einer  baumlosen  Vegetation  über  eine  Weißbirken-, 
Föhren-  und  Eichenstufe  bis  zur  heutigen  Flora  festgestellt. 
Die  älteste  in  diesen  Torfmudden  festgestellte  Flora  hat 
jedoch  keineswegs  den  Charakter  der  echt  glazialen  von 
Borna  und  Deuben  oder  der  älteren  von  Böhlen. 
Vielmehr  ist  sie  wohl  charakteristisch  durch  das  völlige 
Fehlen  von  Bäumen  (auch  Zwergbirken  treten  erst  etwas 
höher  auf),  jedoch  sind  die  den  Hauptteil  stellenden  Sumpf- 
und  Wasserpflanzen  auch  heute  noch  in  Mittel-  und  Nord¬ 
europa  verbreitet.  Nur  Carex  aquatilis  ist  heute  auf  das 
Gebiet  nördlich  von  Reval  und  von  Mittelschweden  be¬ 
schränkt.  Der  in  den  gleichen  Schichten  festgestellte  Kon- 
chy lienbestand  kommt  nach  Wüst13)  dem  der  Birken-  und 
Espenzcit  in  Dänemark  und  in  Norddeutschland  am 
nächsten.  Dieser  palaeonto logische  Befund  läßt  schon  darauf 
schließen,  daß  das  Klima  zur  Ablagerung  der  Torf-  und 
Muddebildungen  nicht  so  ausgesprochen  arktisch  war  wie 
zur  Zeit  der  oben  genannten  echtglazialen  Ablagerungen, 
und  es  geht  schon  daraus  hervor,  daß  man  die  unter  dem 
Aulehm  auftretenden  Muddeschichten  nicht  für  gleichaltrig 
mit  den  Deubener  und  Lugaer  Pflanzentonen  erklären  kann. 
Sie  können  auch,  nachdem  das  Alter  der  Bornaer  Mammut* 
Schicht  als  Glazial  III  feststeht,  nicht  einfach  als  Spät¬ 
glazial  III  aufgefaßt  werden,  da  ja  zwischen  beiden  Ab¬ 
lagerungen  eine  Erosion  und  die  Bildung  von  Flußschottern 
erfolgt  ist.  Die  Bornaer  Muddeschichten  sind  daher  meiner 
Ansicht  nach  in  die  Zeit  des  baltischen  Vorstoßes  zu  stel¬ 
len.  In  dem  Interstadial  zwischen  dem  Hauptvorstoß  der 
letzten  Eiszeit  und  diesem  baltischen  Vorstoß  erfolgte,  wie 

12)  Hellmuth  Weber:  Über  spät-  und  postglazialc  lakustrine 
und  fluviatile  Ablagerungen  in  der  Wyhraniederung  bei  Lobstädt 
und  Borna.  Abh.  Nat.  Ver.  Bremen  1918.  Bd.  XXIX. 

13)  Hellmuth  Weber  a.  a.  O.  S.  201. 


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155 


in  den  Interglazialzeiten,  Erosion,  und  es  wurde  das  end¬ 
gültige  Wyhratal  ausgegraben.  Mit  dem  baltischen  Vorstoß 
begann  die  Aufschüttung  der  jüngsten  „alluvialen“  Flu߬ 
kiese,  und  wahrscheinlich  während  der  langen  Zeit,  in  der 
das  Eis  die  baltischen  Endmoränen  aufhäufte,  bildeten 
sich  die  untersten  Torf-  und  Muddeschichten. 

Es  ist  darauf  hinzuweisen,  daß  C.  Ä.  Weber  unter 
dem  Glazial  1IT  (Würmeiszeit)  den  baltischen  Vorstoß  ver¬ 
steht  (a.  a.  O.  S.  58),  während  ich  diesen  als  gleichaltrig 
mit  dem  Bühlvorstoß  ansehe  und  im  Endmoränenzug  Burg, 
Jüterbog,  So  rau,  bzw.  Magdeburg,  Calbe- 
Gräfenhainichen  den  Hauptstoß  der  dritten  oder  letz¬ 
ten  norddeutschen  Eiszeit  erblicke.  Wir  stimmen  also 
insofern  ül>erein,  als  wir  beide  die  Ablagerung  der  Schotter 
in  der  Wvhraaue  und  die  Bildung  der  norddeutsch-bal¬ 
tischen  Endmoräne  für  gleichzeitig  halten.  Diesem  Vor¬ 
stoß  entspricht  im  Elbtale  eine  ausgeprägte,  von  (Au)-Lehm 
bedeckte  Terrasse,  auch  im  Muldegebiet  ist  sie  bei 
Wurzen  auszuscheiden.  In  den  kleineren  Tälern  der 
Elster  und  Pleiße  ist  ihr  Nachweis  schwer,  sie  ver¬ 
schwimmt  hier  völlig  in  der  alluvialen  Talaue,  da  sie  noch 
heute  von  den  Frühjahrsüberschwemmungen  meist  erreicht 
wird  und  infolgedessen  auch  von  Aulehm  bedeckt  ist. 

Die  Gliederung  der  Bornaer  und  Böhlener  Ablagerun¬ 
gen  geht  klar  aus  der  umstehenden  Tabelle  hervor. 

Die  Aufschlüsse  von  Borna  und  von  Böhlen  geben 
uns  ein  lückenloses  Profil  durch  die  beiden  letzten  nord¬ 
deutschen  Eiszeiten.  Sie  erweisen  einwandfrei  eine  tundren¬ 
artige  Vegetation  während  beider  Eiszeiten,  eine  baumlose 
Flora  mit  nordischem  Einschläge  zur  Zeit  des  baltischen 
Vorstoßes.  Daß  die  Fundpunkte  nur  12  km  voneinander 
entfernt  sind,  macht  die  Ergebnisse  um  so  bemerkenswerter. 

Von  den  Schlüssen,  die  sich  aus  unseren  Untersuchungen 
ziehen  lassen,  seien  nur  die  folgenden  erwähnt.  Aus  der 
genauen  Altersbestimmung  der  Floren  von  Luga,  Deuben 
und  Borna  ist  die  Mindestbreite  des  vor  dem  Landeise  sich 
ausbreitenden  Tundrastreifens  zu  ersehen.  Luga  und 
Deuben  liegen  mindestens  75  km  von  den  äußersten 
Jungendmoränen  nördlich  Senftenberg  entfernt.  Von 
Borna  sind  es  60  km  bis  zu  den  in  ihrem  Alter  um¬ 
strittenen  Endmoränen  der  Dübener  Heide,  95  km 
bis  zu  den  Endmoränen  bei  Jüterbog.  60 — 100  km  breit 
muß  also  der  Tundrengürtel  zur  Zeit  des  größten  Vorstoßes 


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Art  der  Ablagerung 
Borna-Lobstädt  j  Böhlen 

Geologischer 

Vorgang 

Stufe 

Aulebm 

Jüngere 

Mudde 

Erosion  u.  Sedi¬ 
mentation  durch 
Inundation 
Moorbildung 

Alluvium 

Postglazial 

Ältere  Mudde 
Flußschotter 

Moorbildung 

Aufschotterung 

Baltischer 

Vorstoß 

Einschneiden 
der  jüngsten  Tal¬ 
stufe 

Interstadial 

Terrassenlehm 

Löß 

Lößbildung 

Hochglazial  111 

Mammut- 

.Schicht 

Flußschotter 

Moorbildung 

Aufschotterung 

Frühglazial  III 

Steinsohle 

j 

Erosion 
Einschneiden 
des  Wyhratales 

Interglazial  II  u. 
Spätglazial  II 

Geschiebelehm 
und  Bänderton 

Geschiebelehm 
und  Bänderton 

Inlandeis 

Hochglazial  11 
mitOszillationen 

Ältere  Schotter 
der  Hochflächen 

Hochterrassen¬ 
schotter  mit 
Pflanzenton 

Aufschotterung, 
z.T.  Moorbildung 

Frühglazial  11 

Diskordanz 

Diskordanz 

Erosion 

Interglazial  I 

Steinsohle, 

Rest  älterer 
Moräne 

Inlandeis 

Glazial  I 

Unter-Oligocän 
oder  Eocän 

Mittel- Oligocän 

der  letzten  Eiszeit  mindestens  gewesen  sein.  Weitergehende 
Schlüsse  erlaubt  ferner  die  Eingliederung  der  Bornaer 
unteren  Mudden  in  die  Zeit  des  baltischen  Vorstoßes.  Die 
hier  angetroffene  Pflanzengemeinschaft  entspricht  nicht  der 
einer  arktischen  Tundra,  jedoch  ist  das  völlige  Fehlen  aller 
Bäume  um  so  bemerkenswerter,  wenn  man  berücksichtigt, 
daß  Pollen  vom  Winde  sehr  weit  verfrachtet  werden. 


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167 


Kiefernpollen  ja  bekanntlich,  wie  ihr  Vorkommen  in  rezen¬ 
ten  Mooren  auf  Nowaja  Semlja  beweist,  6—700  km 
weit.  Man  wird  danach  für  die  Zeit  des  baltischen  Vor¬ 
stoßes  ein  charakteristisches  Steppenklima  in  Sachsen  an¬ 
nehmen  müssen,  wenn  auch  Vertreter  einer  Steppenvege¬ 
tation  in  den  Ablagerungen  eines  stehenden  Gewässers 
nicht  leicht  zu  erwarten  sind.  Borna  liegt  etwa  225  km 
von  den  baltischen  Endmoränen  entfernt,  mindestens  so 
breit  ist  hier  der  baumfreie  Gürtel  anzunehmen. 

Noch  in  75—100  km  Entfernung14)  vom  baltischen 
Landeis  wird  demnach  eine  arktische  Tundrenvegetation 
gelebt  haben,  so  daß  deren  Reste  also  etwa  in  der  Gegend 
von  Berlin  oder  Frankfurt  a.  0.  aufgefunden  werden 
könnten.  Andererseits  ist  zu  sagen,  daß  die  Baumgrenze 
in  mindestens  200—250  km  Entfernung  vom  Landeise  ge¬ 
legen  hat.  Sie  wäre  also  im  letzten  Glazial  südlich  von  Hof 
und  erheblich  südlich  von  Prag  zu  suchen,  und  noch  weiter 
im  Süden  wäre  sie  in  der  vorletzten  und  in  der  ersten  nord¬ 
deutschen  Eiszeit  gewesen.  Die  Zone,  in  welcher  zwischen 
dem  alpinen  und  dem  norddeutschen  Landeise  eine  ge¬ 
schlossene  Waldvegetation  auf  treten  konnte,  schwindet  daher 
sehr  zusammen.  Der  Temperaturrückgang  in  Mitteleuropa 
war  während  der  Eiszeiten,  wie  C.  Gagel15)  neuerdings 
betont,  nicht  nur  bedeutend  größer,  als  man  bisher  ange¬ 
nommen  hatte,  er  ist  auch  ganz  allgemein  und  erstreckt 
sich  gleichmäßig  über  das  ganze  Gebiet.  Schon  daraus 
geht  hervor,  daß  die  Temperaturerniedrigung  nicht  die 
Folge  des  eindringenden  Landeises  ist,  wie  von  Mono- 
glazialisten  bisweilen  behauptet  wird,  sondern  daß  sie  der 
gleichen  Ursache  entspringt,  die  die  Bildung  des  Land¬ 
eises  bewirkte.  Interglaziale  Ablagerungen  sind  aus  Nord¬ 
westsachsen  noch  nicht  mit  Sicherheit  festgestellt  worden, 
jedoch  bei  Rabutz  und  im  Saalegebiete  nachgewiesen.  Sie 
zeigen  deutlich  den  völligen  Klimawechsel,  der  stattgefunden 
hat.  Ob  das  Interstadial  zwischen  dem  Hauptvorstoß  und  dem 


n)  Die  folgenden  Angalien  beziehen  sich  natürlich  nur  auf  den 
Sektor,  der  sich  zwischen  der  baltischen  Endmoräne  und  Sachsen 
bzw.  dem  südlich  angrenzenden  Gebiete  erstreckt.  Es  ist  klar, 
daß  die  einzelnen  Klima-  und  Vegetationsgürtel  durch  morpho¬ 
logische  Bedingungen  stark  modifiziert  wurden,  auch  die  einzelnen 
Zonen  im  Westen  infolge  ozeanischer  Einflüsse  wohl  weniger 
breit  waren  als  im  Osten. 

15)  C.  Gagel:  Das  Klima  der  Diluvialzeit.  Zeitschrift  der 
Deutschen  Geol.  Ges.  Bd.  75.  1923. 


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158 


baltischen  Vorstoß  der  letzten  Eiszeit  von  einer  erheblichen 
Klimaänderung  oder  dem  Nachdringen  des  Waides  begleitet 
war,  ist  nicht  bekannt;  jedenfalls  aber  ist  es  sicher,  daß  eine 
Eingliederung  der  postgiazialen  Vegetationsperioden  nicht 
vom  letzten  Haupt  vorstoß  (äußerste  Jungendmoräne),  son¬ 
dern  vom  baltischen  Vorstoß  aus  zu  erfolgen  hat. 

Leipzig,  9.  November  1923. 

[Manuskript  eingegangen  am  7.  Dezember  1923.] 


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6.  Die  Rudisten  des  norddeutschen  Turons. 

Von  Herrn  Th.  Wrgner  in  Münster  i.  Westf. 

(Hierzu  Tafel  V  und  2  Textabbildungen.) 

Gegenüber  der  Formenfülle  und  dem  Individuenreich¬ 
tum  des  mediterranen  Meeres  an  Rudisten,  der  bis  zur 
ausgedehnten  Gesteinsbildung  führt,  treten  die  Rudis tenfunde 
in  den  nördlichen  Bezirken  sehr  zurück.  Rudisten  sind 
hier  bisher  aus  Nordfrankreich,  England,  Schweden,  Nord- 
deutschland  und  Böhmen  bekannt  geworden.  Sie  wurden  in 
Norddeutschland  vor  allem  aus  dem  Senon  beschrieben  und 
sind  hier  durchaus  nicht  so  selten,  wie  gemeinhin  ange¬ 
nommen  wird.  Müller1)  fand  bei  Ilsenburg  a.  H.  unge¬ 
fähr  700  Exemplare,  während  mir  aus  dem  westfälischen 
Senon  bisher  40  Stück  vorliegen.  Dazu  kommen  noch 
ältere  Funde  von  Roemer  und  Ewald  aus  dem  Harz¬ 
vorland  und  neuere  Funde  im  westfälischen  Untersenon,  die 
mir  der  Zahl  nach  nicht  bekannt  sind.  Von  Interesse  ist, 
daß  die  senonen  Stücke  bisher  nur  an  einigen  wenigen 
Punkten  gefunden  wurden. 

Auch  die  Artenfülle  ist  recht  beträchtlich.  Durch 
Ewald,  Roemer  und  insbesondere  durch  Müller  sind  aus 
der  oberen  Quadratenkreide  Norddeutschlands  Radiolites 
hcrcynicus  Ewald,  R.  pusillus  Lundc.ren,  R.  sublactngalufi 
Luxor. kex,  R.  Gosae  Roemer  bekannt  geworden.  Dazu 
kommt  aus  der  westfälischen  Granulatenkreide  R.  Miillvri 
Wegxer2). 

Weniger  als  aus  dem  Senon  sind  Rudisten  aus  dem 
Turon  bekannt  geworden.  Drescher  erwähnt  das  Vor¬ 
kommen  von  Biradiolitcs  cornupastoris  bereits  18633)  aus 
dem  Turon  von  Löwenberg  in  Schlesien.  Der  erste  west- 


*)  Die  Rudisten  der  oberen  Kreide  am  nördlichen  Harzrande. 
Jahrb.  d.  Pr.  Geol.  Landesanst.  f.  1839,  Berlin  1892,  S.  137. 

*)  Zeitschr.  d.  I).  Geol.  Ges.  1905,  IM.  57,  S.  193,  Taf.  VIII, 
Fig.  5  a  bis  e. 

3)  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  Bd.  XV,  B  ;rlin,  1863,  S.  358. 


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160 


fälische  turone  Rudist  wurde  1905  im  Kalksteinbruch  Böker 
zwischen  Stadtlohn  und  Südlohn  im  westlichen  Münster¬ 
land  von  mir4)  gefunden.  Das  Exemplar  konnte  damals 
ebenso  wie  zwrei  später  von  Löscher6)  gefundene  Stücke 
nicht  näher  bestimmt  werden.  Inzwischen  sind  von  Lehrer 
Laurent  bei  Hörde  und  von  Rcchnungsrat  Mack  bei  Essen 
weitere  Funde  gemacht  worden,  die  Franke6)  sämtlich 
als  Raäiolites  Mortoni  in  seiner  dankenswerten  „Zu¬ 
sammenstellung  der  in  Nordeuropa  bekannten  Rudisten“ 
bestimmte.  Diese  und  die  inzwischen  von  Toucas7),  Dor- 
ville8)  und  Pruvost»)  über  französische  Rudisten  erfolgten 
Veröffentlichungen  gaben  mir  Veranlassung  zu  einer  Be¬ 
arbeitung  der  turonen  Funde  des  nördlichen  Gebietes. 

Diese  gehören  folgenden  Arten  an: 

Sauvagesia  Westfalica  sp.  n. 

Durania  Mortoni  Mantell 

Durania  Arnaudi  var.  expansa  Chofvat. 

Hiervon  treten  die  beiden  an  erster  Stelle  genannten 
Arten  in  Westfalen,  die  zweite  in  Schlesien,  Nordfrankreich 
und  England  auf,  während  die  letztere  nur  in  Nord¬ 
frankreich  gefunden  wurde. 

Beschreibung  der  Arten. 

Sauvagesia  Westfalica  n.  sp. 

(Taf.  V,  Abb.  3  und  Textabb.  1.) 

Von  Frohnhausen  bei  Essen-Ruhr  liegt  eine  aus  vier 
Individuen  bestehende  Kolonie  vor.  Ein  Einzelindividuum 
von  Hörde  sowie  zwei  Bruchstücke  solcher  von  Billmerich 
sind  ebenfalls  hierhin  zu  stellen.  Sämtliche  Exemplare 
sind  stark  abgerollt,  und  zudem  sind  zwei,  Individuen  der 
Kolonie  nachträglich  verletzt.  Die  Deckel  fehlen. 

Die  Schale  ist  kräftig  kegelförmig.  An  sämtlichen 
Exemplaren  ist  die  Spitze  abgebrochen. 


*)  Sitzungsberichte  d.  niederrhein.  Geol.  Ges.  Bonn  1906,  S.  2. 
ö)  Die  westfälischen  Galeritenschichten.  Diss.  Münster  und 
Neues  Jahrb.  f.  Min.  1910,  S.  307. 

6)  Monatsb.  d.  D.  Geol.  Ges.  1911  Bd.  63,  S.  356. 

7)  Etudes  sur  la  Classification  et  Involution  des  Radiolitides. 
Mcmoires  de  la  soc.  geol.  de  France.  Paleontologie,  Nr.  36. 
Paris  1907. 

8)  Etudes  sur  les  Rudis tes.  Mcmoires  de  la  soc.  geol.  de  France. 
Paleontologie,  Memoire  Nr.  41.  Paris  1910. 

9)  Annales  de  la  soc.  geol.  du  Nord,  Bd.  XLII,  Lille  1913,  S.  83. 


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161 


Masse: 


Länge: 
(Spitze  ab¬ 
gebrochen) 

Unterer 

Durch¬ 

messer 

Oberer 

Durch¬ 

messer 

l.  Exemplar  der  Kolonie  .  .  . 

c.  7,5 

c.  3,3 

c.  7,1 

2.  Exemplar  der  Kolonie  .  .  . 

c.  7,4 

c.  3,2 

c.  6,4 

Einzelindividuum . 

c.  6,7 

c.  2 

c.  5,6 

An  dem  besterhaltenen  Exemplar  der  Kolonie  sind 
l**ide  Bänder  eben,  das  vordere  ist  breiter  (11  mm  am 
oberen  Rande  gemessen)  als  das  hintere  (8  nun).  ül>er 
das  vordere  Band  setzen  vielfach  blattartig  absetzende, 
weit  vorstehende  Anwachslamellen  hinweg.  Boi  dem 
hinteren,  allerdings  nur  auf  ein  sein*  kurzes  Stück  sicht¬ 
baren  Band  sind  die  Lamellen  hingegen  sehr  schwach 
ausgeprägt.  Das  Zwischenband  springt  wenig  vor.  Es 
besteht  aus  drei  fast  gleich  starkem  Rippen,  die  denen  der 
übrigen  Schale  an  Größe  wenig  nachstehen.  Die  Skulp¬ 
tur  der  übrigen  Teile  der  Schale  besteht  aus  kräftigen, 
scharf  abgesetzten,  von  den  Anwaehslamellen  stark  be- 


Abb.  1.  Querschnitt  von  Sauvagesia  westfalica  Wkonkh. 
Original:  Geol.  Landesanstalt,  Berlin.  Umriß  durch 
Verwachsungen  an  den  gestrichelten  Stellen  beeinflußt. 

I  vorderes,  II  hinteres  Band,  a  Ligament. 

‘•influßten,  unregelmäßigen  Rippen.  Sie  werden  durch 
tfleichbreite  oder  bis  doppelt  so  breite,  glatte  Intervalle  von 
einander  getrennt,  die  wenig  konkav  bis  eben  sind  und 
durch  die  sich  hin  und  wieder  eine  sehr  schwache  Längs¬ 
rippt»  zieht. 

ZeUschr.  d.  D.  Geol.  Oes.  1924.  11 


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162 


Das  Ligament  ist  deutlich  bei  drei  Exemplaren  zu 
beobachten,  bei  den  anderen  Individuen  fehlt  der  betreffende 
Teil  der  Schale.  Das  Ligament  bildet  eine  kräftige,  scharfe 
Leiste,  die  vertikal  und  nahezu  geradlinig  verläuft.  An  dem 
vollständigen  Exemplar  sind  auf  dem  oberen  Rand  zwei 
unter  spitzem  Winkel  divergierende,  schwache  Furchen  zu 
beobachten,  die  ein  langdreiseitiges,  in  der  Skulptur  von 
dem  übrigen  Rand  nicht  abweichendes  Feld  einschließen. 

An  den  übrigen  Exemplaren  ist  der  hintere  Teil  der 
Schalen  mit  den  Bändern  infolge  Verwachsung  oder  Ver¬ 
letzung  nicht  oder  nicht  mit  Sicherheit  zu  beobachten. 

Durch  die  sehr  dünne  Innenschicht  schimmern  die 
Prismen  der  äußeren  Schicht  hindurch.  Die  Prismenschicht 
ist  überall  kräftig  und  gleichmäßig  entwickelt  und  zeigt 
nach  den  Rändern  zu  keine  Abnahme  der  Prismengröße. 
Die  Spitze  ist  bei  allen  Exemplaren  abgebrochen. 

Bei  der  völligen  Übereinstimmung  der  weiteren  als 
Durania  Morto?ii  Mantell  von  Westfalen  und  Nordfrank¬ 
reich  beschriebenen  Stücke  liegt  es  am  nächsten,  diese 
Form  mit  der  zweiten  von  Pruvost  aus  Nordfrankreich 
beschriebenen  Durania  Arnaudi  var.  cxpansa  Choffat10) 
zu  vergleichen.  Es  ergibt  sich  hierbei  eine  überaus  auf¬ 
fallende  Übereinstimmung  in  der  Ausbildung  der  Schale 
mit  Ausnahme  des  Auftretens  eines  Ligamentes,  so  daß  sich 
die  Frage  aufdrängt,  ob  das  Ligament  wirklich  die  ihm 
zugemessene  Bedeutung  zur  Unterscheidung  von  Unter¬ 
ordnungen  besitzt.  Eine  weitere  Abweichung  sehe  ich  nur 
in  dem  geringen  Vorspringen  des  Zwischenbänderfeldes 
bei  dem  westfälischen  Stück  und  der  scharfen  Ausprägung 
von  drei  fast  gleich  großen  Rippen  auf  demselben. 

Infolge  des  Ligamentes  können  aber  die  vorliegenden 
Stücke  nicht  mit  Durania  vereinigt  werden,  sondern  sind 
bei  der  guten  Ausbildung  der  Bänder  und  des  Zwischen¬ 
bänderfeldes  zu  Sauvagesia  Bayle11)  zu  stellen.  Die  bis¬ 
her  beschriebenen  Arten  dieser  Gattung  haben  sämtlich 
eine  feine  Berippung  der  Bänder  gemeinsam,  so  daß  deshalb 
und  auch  infolge  der  Ausbildung  des  Zwischenbänderfeldes 
eine  Vereinigung  mit  den  beschriel>encn  Arten  nicht  mög¬ 
lich  ist.  Das  vorliegende  Stück  zeigt  zum  erstenmal,  daß 
bei  der  mit  Ligament  versehenen  Sauvagesia  in  derselben 

10)  Pruvost:  Annalos  de  la  soi*.  gcol.  du  Nord.  1013.  Taf.  ET. 
S.  90. 

n)  Ich  folge  der  Classification  von  Doivn.i.ß,  Classification 
des  Radiolites,  Bull.  soc.  geol.  de  France.  15.  Dez.  1902,  S.  476. 


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163 


Art  wie  l>ei  Durania  neben  Formen  mit  lxtrippten  Bän¬ 
dern  solche  mit  glatten  Bändern  auftreten.  Da  Sauvagesia 
bereits  im  Albien  mit  S.  texana  Roemer  auftritt  und  im 
mittleren  Turon  erlöscht,  könnte  dieselbe  Erscheinung,  wie 
bei  Durania  vorliegen,  bei  der  die  älteren  Formen  l>e- 
rippte,  die  jüngeren  hingegen  glatte  Bänder  besitzen. 

Trotzdem  nur  ein  gutes  Individuum  vor  liegt,  stelle  ich 
infolge  der  sehr  bezeichnenden  Unterschiede  gegenüber  den 
Funden  des  mediterranen  Gebietes  eine  neue  Art  auf,  die 
ich  nach  dem  Fundort  als  Sauvagesia  westjalica  bezeichne. 
Die  Diagnose  dieser  Art  ist  folgende: 

Sau vagesia ,  mit  kräftig  konischer  Unter¬ 
schale,  die  beiden  Bänder  eben,  ungerippt, 
aber  mehr  oder  weniger  von  kräftigen  A  n  - 
wachslarneilen  bedeckt  und  gegen  das 
Zwischenbänderfeld  und  die  übrige  Schale 
scharf  abgesetzt.  Das  Zwischenbänderfeld 
aus  etwa  drei  unter  sich  fast  gleichgroßen 
und  gleichmäßig  stark  hervortretenden  Rip¬ 
pen  gebildet.  Die  übrige  Schale  mit  kräftig 
vorspringenden  Rippen  bedeckt,  die  durch 
größere  Zwischenräume  getrennt  sind. 

Vorkommen:  Grenze  Cenoman-Turon,  bis¬ 
her  nur  Essen-Ruhr,  Hörde  und  Billmerich 
bei  Unna.  Das  Hörder  Exemplar  wurde  von  Lehrer 
LAiRENT-Hörde  in  der  untersten  Turonbank,  dem  Cenoman¬ 
knollenkalk  aufgewachsen,  bei  Dortmund  (Westfalen)  ge¬ 
funden. 

Original  in  der  Geologischen  Landes¬ 
anstalt-Berlin. 

Der  Horizont  des  Essener  Exemplares  ist  nicht  sicher 
bekannt,  vermutlich  aber  derselbe,  während  die  Bruch¬ 
stücke  von  Billmerich  sich  im  untersten  Lahiatuspläner 
fanden. 

Durania  Mortoni  Mantell 
(Taf.  V,  Abb.  1,  2.) 

1833  liadioUtes  Mortoni  Mantell,  Geology  of  the  South- 
East  of  England.  S.  130,  1833. 

1850  Hudson,  Geology  and  fossils  of  the  tertiary  and  ere- 
taceous  formations  of  Sussex.  London  1850.  S.  354, 
Taf.  26.  Abb.  1—6. 

1863  Conia  Lyell  bei  Hudson,  Magazin  of  natural  history 
etc.  London  1863.  S.  103,  Abb.  Nr.  19. 

11* 


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164 

1863  Biradiolitcs  cornupastoris  d'Orh.  bei  Drescher,  Zeit¬ 
schrift  d.  D.  geol.  Ges.  Bd.  XV.  1863.  S.  358. 

1911  Rad.  Mortoni  Ma stell  z.  T.  b.  Franke,  Zeitschrift 
d.  D.  geol.  Ges.  Bd.  63.  Berlin  1911,  S.  357. 

1913  Durarfia  Amaudi  Choffat  b.  Pruvost,  Annales  de 
la  soc.  geol.  du  Nord,  Bd.  42,  Taf.  XL1I.  S.  83. 

1913  Biradiolites  jasciger  Scupin,  Löwenl>erger  Kreide.  Pa- 
läontographiea,  Suppl.  VI,  Lfg.  3,  Stuttgart  1913,  S.  172. 
Taf.  8,  Abb.  7. 

Exemplare  aus  den  Ga  1  e  r  i  t  e  n  s  c  h  i  e  h  t  e  n  von 
S  t  a  d  1 1  o  h  n  und  W  e  s  s  u  m. 

(Vgl.  Taf.  V,  Abb.  la-c.) 

a)  Bei  dem  von  mir  im  Steinbruch  Böker  zwischen 
Stadtlohn  und  Südlohn  gefundenen  Exemplar  ist  ein  großes, 
vorzüglich  erhaltenes  Stück  der  rechten  Klappe  erhalten. 
Die  linke  Klappe  fehlt.  Das  erhaltene  Stück  der  rechten 
Klappe  hat  eine  Länge  von  15.5  cm  und  einen  Durch¬ 
messer  von  unten  6,  bzw.  oben  8,3  cm  von  vorn  nach 
hinten  und  7,  bzw.  9,2  cm  quer  gemessen,  so  daß  eine 
geringe  Depression  von  vorn  nach  hinten  vorliegt.  Die 
Schale  zeigt  eine  schwache  Biegung  nach  hinten.  Die 
Außenseite  des  Stückes  ist  mit  mehreren  Schalen  von 
Ostrven,  Dimyotlon  und  einer  Terebratula  besetzt. 

Die  untere  Schale  ist  langkonisch.  Der  Vergleich  mit 
dem  unten  beschriel>enen,  von  Löscher  gefundenen  Stück 
ergibt,  daß  die  Schale  eine  Länge  von  mindestens  50  cm 
gehabt  haben  muß.  Das  allmähliche  Anwachsen  aller 
Durchmesser  ist  bis  zum  kaum  verletzten  oberen  Rand 
hin  stetig  vorhanden.  Die  Prismenschicht  ist  sehr  kräftig, 
sie  steigt  am  oberen  Rande  auf  2,3  cm.  Die  Größe  der 
Prismen  schwankt,  im  allgemeinen  sind  sie  klein,  doch 
beobachtet  man  stellenweise  Prismen,  die  doppelt  so  groß 
wie  die  normalen  sind.  Die  Porzellanschieht  ist  meistens 
papierdünn,  steigt  aber  hin  und  wieder  plötzlich  bis  zu 
etwas  über  1  mm  Stärke  an. 

Beide  Längsbänder  sind  kräftig  vertieft  und  durch  ab¬ 
weichende  Skulptur  gegenüber  der  weiteren  Schale  aus¬ 
gezeichnet.  Diese  Skulptur  besteht  bei  beiden  Bändern 
in  feinen  Rippen,  deren  Zahl  mit  dem  Alter  steigt  und 
im  unteren  Teile.*  e.  10,  im  oberen  Teil  12  beträgt.  Beide 
Bänder  sind  beiderseits  durch  tiefe  und  zumeist  scharfe 
Furchen  begrenzt.  Das  vordere  Band  ist  breiter,  aber 
tiefer  und  schärfer  eingelassen  als  das  hintere.  .Jenes 


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läuft  im  unteren  Teile  der  Schale  scharf  gerundet  und  im 
mittleren  Teile  spitz  zu  und  ist  hier  schluchtartig  vertieft, 
während  sich  im  oberen  Teile  eine  zunehmende  Verflachung 
und  Rundung  bemerkbar  macht.  Die  enge  Zusammen¬ 
ziehung  der  seitlichen  Wände  im  mittleren  Teil  ist  allem 
Anschein  nach  aber  anormal,  wie  eine  hier  aufgewachsene 
Prismenschicht  zu  beiden  Seiten  der  Einschnürung,  die 
nicht  von  einem  anderen  Individuum  herrühren  kann,  zeigt. 
Die  anormale  Schalenbildung  in  diesem  Falle  zeigt  sich 
auch  in  dem  unten  erwähnten  scharfen  Absturz  des  zwei¬ 
ten  Randes  in  gleicher  Höhe.  Demgegenüber  ist  das  hintere 
Band  im  unteren  Teile  breit  gerundet  und  weniger  cinge- 
senkt,  setzt  dann  aber  im  mittleren  Teile  des  erhaltenen 
Stückes  plötzlich  mit  über  5  mm  hoher  Kante  zu  einer 
kräftigen,  breiten  Einsenkung  ab.  Unter  beiden  Bändern 
sinkt  die  Dicke  der  Schale  bedeutend.  Vor  allein  ist  unter 
dem  vorderen  Band  die  Schale  sehr  dünn  und  beträgt 
nur  0.3  cm  gegenüber  durchweg  2  cm  Dicke  in  den 
übrigen  Teilen  und  0,7  cm  unter  dem  hinteren  Band. 
Unter  dem  vorderen  Band  bildet  die  Trismenschicht  zudem 
eine  breite  Ausbuchtung12)  nach  innen,  die  unter  dom 
vorderen  Teile  des  Zwischenbänderfeldes  plötzlich  mit  einer 
Furche  gegen  den  weiteren  normalen  Teil  absetzt.  Die 
innere  Schiebt  folgt  diesen  Umrissen,  so  daß  sic  einen 
kräftigen  überkippten  Sattel  mit  in  der  Furche  ansetzender 
Mulde  bildet.  Die*  Furche  erweckt  den  auch  von  Pjhtvost 
liei  Durania  Arnaudi  Ohofkat  hervorgehobenen  Eindruck, 
daß  die  Schale  an  dieser  schwächsten  Stelle  ein  Riß  durch¬ 
setzt.  Ein  solcher  ist  «aber  nicht  vorhanden. 

Das  kräftig  gewölbte  Zwischenbänderfold  ist  durch  die 
bereits  erwähnte,  zumeist  scharf  ausgebildete  Furche  beider¬ 
seits  abgesetzt.  Zwei  kräftige,  scharfe  Längsfurchen  zer¬ 
legen  das  Zwischenbänderfold  in  drei  kräftige  Rippen.  Die 
vordere  derselben  ist  einheitlich,  die  mittlere,  bei  weitem 
kräftigste*  Rippe  ist  durch  ein  bis  zwei  schwache  Furchen 
mit  zwei  bis  zumeist  drei  feineren  Rippen  versehen.  Eine 
schwache  Zwei-  bis  Dreigliederung  ist  ebenfalls  bei  der 
dritten,  im  allgemeinen  mehr  einheitlichen  Rippe  zu  be¬ 
obachten. 


12)  Diese  Ausbuchtung  ist  an  zahlreichen  Arten,  vielfach  sogar 
unter  beiden  Bändern  zu  beobachten.  Vergl.  dieselbe  Erscheinung 
z.  B.  bei  Durania  Flickt  Toucas,  Durania  Bertholoni  Pkrvin- 
Oiiemk  und  Durania  gaensis  Dacqck.  Sie  ist  aber  nach  den 
vorliegenden  Stücken  individuell. 


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Die  Skulptur  der  übrigen  Schale  beiderseits  der  Bänder 
besteht  aus  ziemlich  gleichmäßigen  Rippen.  Zunächst  liegen 
beiderseits  von  den  Bändern  etwa  fünf  kräftige  Rippen 
fast  von  gleicher  Ausbildung  wie  die  kräftigen  Rippen 
auf  dem  Zwischenbänderfeld  vor.  Sie  sind  im  unteren 
Teile  zunächst  durch  zwei  bis  vier,  dann  in  plötzlichem 
Wechsel  im  oberen  Teile  des  Stückes  durch  ein  bis  zwei 
Längsfurchen  in  kleinere,  gleichmäßigere  Rippen  zerlegt. 
Dadurch,  daß  die  kräftigen  Furchen  weiter  nach  vorn 
kleiner  und  kleiner  werden,  verschwindet  allmählich  die 
Bündelung  der  an  die  Bandfelder  anschließenden  ersten 
Rippen,  so  daß  auf  dem  größten  Teil  der  vorderen  Schale 
mittelgroße,  kräftige,  recht  gleichmäßige  Rippen  vorliegen. 

Die  Innenschicht  ist  dünn.  Vielfach  sieht  man  die 
Prismen  der  äußeren  Schicht  durchschimmern.  Abgesehen 
von  dem  oben  erwähnten,  gleichmäßig  unter  dem  vorderen 
Band  her  verlaufenden  Absatz  der  Innenschieht  sind  auT 
dieser  mehrfach  nicht  aushaltende,  rißartige  Abstürze  in 
der  Längsrichtung,  seltener  quer  dazu  vorhanden.  Auf 
der  Mitte  der  linken  Seite  bildet  die  Innenschicht  eine 
scharfe  Leiste,  die  sich  bis  zum  mittleren  Teil  hinzieht 
und  vielfach  2  bis  3  mm  Höhe  erreicht,  weiter  nach 
oben  zu  sich  aber  mehr  und  mehr  verliert  und  in  einen 
der  plötzlichen  Absätze  der  Schale  übergeht,  der  vor  dem 
oberen  Rande  der  Schale  ganz  verschwunden  ist.  Ein 
2  cm  langes  Stück  einer  derartigen  Leiste  liegt  auch  im 
oberen  vorderen  Teil  der  linken  Schalenhälfte  vor.  Diese 
Leisten  erinnern  an  ein  Ligament.  Eine  solche  Deutung 
kommt  aber  für  sie,  abgesehen  von  der  abweichenden  Aus¬ 
bildung,  wegen  ihrer  wechselnden  Lage  nicht  in  Frage. 

b)  Die  von  Löscher  am  gleichen  Fundort  gesammelte 
Kolonie  besteht  aus  Resten  von  zwei  sehr  großen  und 
einem  kleinen  Individuum.  Der  Durchmesser  des  größten 
Exemplares  beträgt  am  oberen  Rande  etwa  IH/2  cm.  Bei 
dem  größten  Exemplar  ist  die  breite  Vertiefung  des  hin¬ 
teren  Bandes  und  etwa  die  Hälfte  des  hieran  ansetzenden 
Zwischenbänderfeldes  im  Querschnitt  erkennbar.  Danach 
stelle  ich  das  Stück  zu  derselben  Art,  obwohl  weitere  Skulp¬ 
tur  infolge  von  Verwachsungen  nicht  zu  erkennen  ist. 

c)  Ein  drittes,  sehr  dürftiges  Bruchstück  einer  aus 
zwei  Individuen  bestehenden  Kolonie  wurde  1914  von 
Löscher  im  Labiatuspläner  von  Wessum  bei  Ahaus  ge¬ 
sammelt.  Zwei  junge  Individuen  sind  miteinander  ver¬ 
wachsen,  von  deren  Schale  ein  je  9  etn  langes  Stück  er- 


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halten  ist.  Bemerkenswert  ist  auch  bei  diesen  jungen 
Individuen  das  geringe  Anwachsen  des  Durchmessers.  Ob¬ 
wohl  sicher  noch  ein  beträchtliches  Stück  des  unteren 
Endes  fehlt,  beträgt  der  Durchmesser  am  oberen  Rande 
erst  4,5  cm.  Nur  an  einem  Stück  ist  der  Anfang  des 
vorderen  Bandes  zu  erkennen.  Auf  der  Innenschicht  sind 
auch  hier  die  beim  ersten  Stadtlohner  Exemplar  näher 
beschriebenen  scharfen  Absätze  in  der  Längs-  und  Quer¬ 
richtung  vorhanden. 

Die  Frage,  ob  die  Stücke  als  Bruchstücke  eingebettet 
wurden,  läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit  entscheiden.  Zwar 
ist  das  untere  Ende  des  ersten  Stückes  von  einem  alten 
Bruch  begrenzt.  Da  das  Exemplar  aber  von  mir  in  einem 
Haufen  losgebrochenen  Gesteines  gefunden  wurde,  so  ist 
es  durchaus  möglich,  daß  die  Fortsetzung  sich  in  einem 
anderen  Stück  des  sehr  klüftigen  Gesteines  befand.  Das¬ 
selbe  gilt  für  die  beiden  anderen  Stücke. 

Sämtliche  Stücke  stammen  aus  dem  unteren  Turon, 
und  zwar  die  beiden  in  dem  Bökerschen  Steinbruch  ge¬ 
fundenen  Exemplare  aus  den  Grenzschichten  von  Labiatus- 
und  Brongniartipläner,  während  das  Stück  von  Wessum 
wahrscheinlich  in  echten  Labiatusschichten  gefunden  wurde. 

Die  beiden  an  erster  Stelle  genannten  Stücke  finden 
sich  in  der  Sammlung  des  geologischen  Institutes  in 
Münster,  das  letztere  in  der  Sammlung  des  Gymnasial¬ 
direktors  Dr.  Löscher,  Essen-Ruhr. 

Exemplare  von  Hörde  bei  Dortmund  und  von 

Essen. 

(Taf.  V,  Abb.  2  a  und  b.) 

a)  Nach  von  mir  vorgenommener  Präparation  einer 
aus  vier  angebrochenen  Individuen  bestehenden  Kolonie, 
die  im  naturhistorischen  Museum  der  Stadt  Dortmund  auf¬ 
bewahrt  wird,  sind  an  dem  am  besten  erhaltenen  In¬ 
dividuum  beide  Bandfelder,  an  einem  zweiten  das  hintere, 
einem  dritten  das  vordere,  sowie  an  mehreren  Stellen 
Skulpturteile  der  übrigen  Schale  sichtbar  geworden. 

An  dem  besterhaltenen  Individuum  ist  das  vordere 
Band  breiter,  aber  weniger  scharf  als  bei  dem  Stadtlohner 
Exemplar  eingefaltet,  aber  auch  hier  ist  sehr  deutlich 
die  tiefere  Einsenkung  des  vorderen  Bandes  gegenüber  dem 
hinteren  ausgesprochen.  12—13  feine  Längsrippen  ziehen 
über  das  Band,  das  mit  kräftigem  Furchenabsatz  gegen 
die  Vorderseite  und  mit  kräftiger  Rippe  gegen  das  Zwischen- 


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bänderfeld  begrenzt  ist.  Das  mit  einem  anderen  Indi¬ 
viduum  völlig  verwachsene  Zwischenbänderfeld  ist  auffallend 
schmal  und  um  2 — 3  mm  schmaler  als  das  vordere  Band¬ 
feld.  Das  hintere  Band  hat  die  gleiche  Zahl  deutlicher 
Längsrippen.  Die  beim  Stadtlohner  Exemplar  seitlich  der 
Bandregion  auf  der  Außenseite  zu  beobachtende  Bündelung 
der  Rippen  ist  nur  vereinzelt  angedeutet,  meist  sind  die 
Rippen  völlig  isoliert,  und  von  derselben  Ausbildung  wie 


Abb.  2.  Querschnitt  durch  die  Unterschale  des  besten  Individuums 
der  Hörder  Kolonie  von  Durania  Mortoni  Mantkix. 

I  vorderes,  II  hinteres  Band. 

sie  die  weitere  Außenseite  des  Stadtlohner  Stückes  zeigt. 
Die  Rippen  sind  durch  stärkeres  Hervortreten  der  Lamellen 
schwach  gezähnt. 

An  dem  zweiten  Individuum,  an  dem  das  vordere 
Band  zum  Teil  erhalten  ist,  sind  die  vor  demselben  ge¬ 
legenen  Rippen  ebenfalls  nicht  vereinigt.  Die  Rippen  des 
vorderen  Bandes  sind  schwach  und  nicht  durch  eine  schärfer 
ausgebildete  Furche  gegen  die  Außenseite  abgegrenzt.  Die 
Anwachslamellen  ziehen  sich  deutlich  sichtbar  in  Abständen 
von  i/2  bis  1  cm  über  das  Bandfeld,  während  beim  Stadt¬ 
lohner  Exemplar  die  in  gleichen  Abständen  auf  tretenden 
Lamellen  auf  den  Bändern  nahezu  immer  aussetzen. 

Bei  dem  dritten  Individuum  ist  das  hintere  Längsband 
breit  und  flach  und  von  dem  Zwischenbände rfeid  und  der 
Außenseite  durch  je  eine  breite,  flache  Furche  getrennt, 
auf  Kosten  derer  die  Rippen  der  Bänder  in  ihrer  Zahl  auf 
acht  reduziert  sind.  Der  erhaltene  Ansatz  zu  dem  Zwischen- 
bänderfekl  zeigt  die  kräftige  Entwicklung  eines  breiten 
Zwischenbändorfeldes.  Eine  Bündelung  der  schwachen  Be¬ 
rippung  der  Außenseite  tritt  wenig  hervor. 

Die  Reste  des  vierten,  sehr  dürftig  erhaltenen  Indi¬ 
viduums  bieten  nichts  Besonderes. 


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Allen  Individuen  der  vorstehend  beschriebenen  Kolonie 
fehlen  der  konvexe  Vorsprung  unter  dem  vorderen  Band 
nach  innen  und  die  beim  Stadtloliner  Exemplar  vorhandenen 
vorspringenden  Leisten  der  Innenschicht. 

Sämtliche  Schalen  der  Kolonie  werden  nach  unten  von 
einem  glatten,  durch  Verletzung  bei  der  Gesteinsgewinnung 
entstandenen  frischen  Bruch  durchsetzt,  auf  dem  Zellen- 
reihen  in  Form  schwacher  geknoteter  Rippen  deutlich 
hervortreten,  die  am  Innen randc  beginnen  und  sich  nach 
außen  ein-  bis  mehrfach  gabeln.  Sie  entsprechen  den 
Furchen,  die  bei  anderen  Radioliten  auf  dem  Mündungs¬ 
rande  der  unteren  Schale  wiederholt13)  beobachtet  sind.  Zu 
beachten  ist,  daß  die  auf  dem  Mündungsrand  in  Furchen 
auftretenden  Zellenreihen  hier  auf  der  Unterseite  der  Bruch- 
Fläche  aus  der  übrigen  Fläche  herausspringen.  Die  Knoten 
sind  bald  spitz,  bald  länglich  und  liegen  über  der  Zwischen¬ 
wand  zweier  aneinanderstoßender  Zellen.  Die  Zellen  der 
beknoteten  Reihen  sind  durchweg  etwas  kleiner  und  regel¬ 
mäßiger  als  die  benachbarten.  Diese  sich  gabelnden  Reihen 
regelmäßiger,  geknoteter  Zellen  sind  nahezu  auf  allen  Bruch¬ 
flächen  zu  beobachten,  sie  durchsetzen  also  das  Gehäuse 
in  allen  Teilen.  Auf  dem  Mündungsrand  selbst  sind  Furchen 
aber  nur  bei  dem  an  erster  Stelle  beschriebenen  Stadt- 
lohner  und  dem  Exemplar  von  Frohnhausen  schwach  und 
sehr  vereinzelt  sichtbar. 

Daß  diese  abweichenden  Zellenreihen  statische  Bedeu¬ 
tung  hatten,  wie  Römer  meint,  halte  ich  für  sehr  unwahr¬ 
scheinlich. 

Das  Stück  wurde  von  Herrn  Lehrer  LAURENT-Hörde 
in  der  liegendsten  Bank  des  Labiatusmergels,  der  Ober¬ 
kante  der  Cenomanknollenkalkbank  aufgewachsen,  gefunden. 

b)  Eine  weitere  Kolonie  von  Hörde,  die  in  der 
Sammlung  der  Geologischen  Landesanstalt,  Berlin,  sich 
findet,  liegt  mir  ebenfalls  zum  Vergleich  vor.  Drei  Indi¬ 
viduen  der  aus  fünf  Individuen  bestehenden  Kolonie  sind 
bedeutend  massiger  als  die  beschriebenen.  Bei  einem  Durch¬ 
messer  der  Schale  von  8,2  cm  ist  das  Lumen  des  größten 
Stückes  nur  3,8  ein,  während  dieses  beim  Stadtlohner 
Exemplar  bei  9,2  cm  Durchmesser  5  cm  beträgt.  Die  Außen¬ 
berippung  ist  gleichmäßig,  die  Rippen  stehen  auch  weiter 
voneinander  als  bei  den  übrigen  Stücken.  Rippen  und 
zwischen  liegende  Furchen  sind  gerundet.  Leider  sind  bei 


J3)  Vergl.  Koemek.  Kreide  von  Texas.  S.  77. 


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allen  Exemplaren  die  wichtigsten  Teile  abgebrochen.  Das 
vollständigste,  dessen  Maße  oben  angegeben  wurden,  läßt 
das  hintere  Band  erkennen,  das  kurz  und  flach  eingesenkt 
und  mit  feinen  Längsrippen  besetzt  ist,  deren  Zahl  sich 
nicht  erkennen  läßt.  Das  Zwischenband  sprengt  kräftig 
gewölbt  vor.  Auch  bei  einem  weiteren  Exemplar  entspricht 
die  flache,  unbedeutende  Einsenkung  des  hinteren  Bandes 
der  Ausbildung  bei  den  übrigen  Funden. 

Das  Stück  wurde  bei  Hörde,  dem  hängendsten  Cenoman¬ 
kalk  aufgewachsenen,  in  der  liegendsten  Bank  des  Labiatus- 
pläners  von  Herrn  Laurent  gefunden. 

c)  Eine  aus  drei  sehr  stark  verbrochenen  Röhren  be¬ 
stehende  Kolonie  wurde  von  Herrn  Laurent  in  der  Knollen¬ 
kalkbank  des  oberen  Cenomans  bei  Hörde  gefunden. 

d)  Dürftige  Bruchstücke  eines  weiteren  in  Essen  beim 
Theaterbau  gefundenen  Exemplares  befinden  sich  ira 
städtischen  Museum  in  Essen. 

Exemplare  von  Löwenberg  in  Schlesien. 

Die  beiden  bei  Löwenberg  gefundenen,  bereits  von 
Drescher  und  Scupin  beschriebenen  Stücke  lagen  mir  zum 
Vergleich  vor.  Beide  sind  nachträglich  verletzte  Bruch¬ 
stücke  großer  und  sehr  kräftig  entwickelter  Individuen 
von  etwa  1.0.2  cm  größtem  Durchmesser  und  3,2  cm  größter 
Wandungsdicke,  sind  mithin  von  einer  Massigkeit,  die  etwa 
den  Exemplaren  der  wenig  gut  erlial Urnen  Kolonie  von 
Hörde  entspricht.  Die  stärkere  Vertiefung  des  vorderen 
Bandes  gegenüber  dem  hinteren  ist  bei  beiden  Exemplaren, 
vor  allem  bei  dem  im  Löwenberger  Realgymnasium  befind¬ 
lichen  Original,  gut  ausgesprochen.  Die  hin  und  wieder, 
z.  B.  auch  bei  dem  Stadtlohner  Exemplar,  vorhandene 
scharfe  Furche,  die  die  Bänder  begrenzt,  ist  bei  beiden 
Stücken  breit  und  sehr  scharf.  Unter  dem  vorderen  Band 
sinkt  die  Schale  bei  dem  Exemplar  des  Löwenberger  Gym¬ 
nasiums  auf  3  mm,  während  ihre  Dicke  von  diesem  Band 
—  1  cm  von  der  Mitte  des  Bundes  entfernt  —  bereits 
2,5  cm  beträgt.  Kräftige,  gebündelte  Rippen  sind  auch 
hier  in  der  Nachbarschaft  beider  Bänder  vorhanden,  während 
der  übrige  Teil  der  Schale  im  Gegensatz  zum  Stadtlohner 
Exemplar  mit  scharfen  Rippen  besetzt  ist,  die  doppelt  so 
breite  Zwischenräume  zwischen  sich  lassen. 

Bei  dem  von  Scupin  beschriebenen  Original  ist  die 
Bündelung  der  Rippen  seitlich  der  Bandfelder  und  ebenso 
des  Zwischenbänderfeldes  nur  schwach  angedeutet. 


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Scupin  hat  für  die  Löwenberger  Funde  eine  neue  Art 
aufgestellt,  indem  er  die  erwähnte  Bündelung  der  Rippen 
als  charakteristisches  Unterscheidungsmerkmal  gegenüber 
Rad.  cornupastoris  ansieht.  Sämtliche  Stücke  unterscheiden 
sich  aber  von  den  typischen  R.  cornupastoris  durch  die 
charakteristische  Ausbildung  der  Bänder.  Die  Bünde¬ 
lung  der  Rippen  ist  aber,  wie  aus  den  vorstehenden  Be¬ 
schreibungen  hervorgeht,  nur  eine  individuelle  Ausbildung. 
Die  Art  Scupins  läßt  sich  mithin  nicht  halten,  die  schlesi¬ 
schen  Stücke  sind  vielmehr  mit  der  englischen  Art  ident. 

Die  von  Scupin  vermutete  nahe  Beziehung  zu  Rad.  da 
Rio  Catullo  sp.  (nicht  Rad.  da  Rio  Catullo  Füttereb, 
wie  Scupin  schreibt)  kann  ich  ebenfalls  nicht  bestätigen. 
Der  mit  Ligament  versehene  Radiolites  da  Rio  ist  vielmehr 
mit  Toucas14)  zu  Sauvagcsia  zu  stellen. 

Die  Stücke  stammen  aus  dem  Löwenberger  Mergel¬ 
sandstein,  der  im  Alter  der  Zone  des  Inoc.  labiatus  und 
Inoe.  Brongniarti  gleichzusetzen  ist. 

Exemplare  von  Lewes  (Sussex,  England). 

Dem  Direktor  der  geologisch-paiäontologischen  Ab¬ 
teilung  des  Britischen  Museums  in  London,  Wood  ward,  ver¬ 
danke  ich  einen  Gipsabguß  eines  vorzüglich  erhaltenen 
Bruchstückes,  das  von  Hudson15)  bereits  1835  abgebildet  ist. 
Es  kommt  in  allen  wesentlichen  Erscheinungen  dem  an 
erster  Stelle  beschriebenen  Exemplar  von  Stadtlohn  gleich; 
nur  ist  die  Bündelung  der  Rippen  hinter  dem  hinteren 
Handfeld  noch  intensiver,  wie  das  bereits  auf  dem  Stadt- 
lohner  Stück  für  den  unteren  Teil  gegenüber  dem  oberen 
erwähnt  wurde.  Hier  treten  auf  den  Rippen  fünf,  dann 
vier  feine  und  scharfe  Rippen  auf.  Weiterhin  ist  die  Schale 
im  Gegensatz  zum  St-adtlohner  Exemplar  nach  vorn  gebogen. 

Nach  der  dem  Abguß  beigegebenen  Etikette  fand  sich 
dies  Stück  im  Turon,  nach  Brown16)  findet  sich  D.  Mortoni 
aber  in  den  oberen  Schichten  des  Lower  Chalk  =  oberen 
Cenoman. 

Exemplar  von  Vimy  (N o  r  d  f  r  a n k r ei c h). 

Babrois  stellte  mir  in  liebenswürdiger  Weise  die  im 
Gosseletmuseum  in  Lille  befindlichen  Rudisten  zu  einem 


14)  a.  a.  0.  S.  89. 

15)  a.  a.  0.  S.  103. 

16)  The  creta-ceous  Roks  of  Britain,  Vol.  II.  S.  29,  London  1903. 


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Vergleich  zur  Verfügung.  Die  von  Pbuvost17)  als  Durania 
Arnaudi  Choffat  beschriebenen  Individuen  stimmen,  al>- 
gesehen  von  der  bedeutenderen  Größe  der  Liller  Stücke, 
mit  den  oben  beschriebenen  Exemplaren,  vor  allein  mit 
den  Hörder  Individuen,  überein. 

Das  von  Pbuvost  ausführlich  beschriebene  Stück  wurde 
an  der  Basis  der  Brongniartischichten  gefunden. 

S  y  s  t  e  m  a  t  i  s  c  h  e  Stellung  der  Funde. 

Die  vorstehend  angeführten  deutschen,  englischen  und 
nordfranzösischen  Funde  gehören  zweifellos  in  die  Gruppe 
des  Radiolites  (Durania)  cornupastoris ,  in  der  Toucas 
die  Arten  Blayaci  Toucas,  apulus  Pabona,  Arnaudi 
Choffat,  austinensis  Roemeb,  cornupastoris  des  Mouuins. 
Mortoni  Mantell  vereinigt. 

Durania  Blayaci  Toucas18)  scheidet  für  einen  Vergleich 
durch  die  zylindrische  Form  und  das  vertiefte  Zwischen¬ 
bänderfeld  ebenso  aus  wie  Durania  apulus  Pabona,  für  die 
die  geringe  Breite  der  Bänder  charakteristisch  ist. 

Da  Pbuvost  die  nordfranzösische  Kolonie  mit  Durania 
Arnaudi  Choffat  identifiziert  und  in  der  Tat  zahlreiche 
Beziehungen  der  Funde  zu  dieser  Art  vorhanden  sind,  so 
bedarf  es  eines  näheren  Eingehens  auf  dieselbe.  Choffat 
gab  die  ersten  Abbildungen  seiner  1891  aufgestellten  Art 
Biradiolites  Arnaudi  im  Jahre  190219).  Ich  gebe  hier  zu¬ 
nächst  seine  Gattungsdiagnose:  Schale  in  der  Form  wenig, 
dagegen  sehr  in  der  Skulptur  schwankend.  Schnell 
ansteigend,  verlängert  sich  die  Schale  bis  zu  15  cm  im 
Maximum  (?),  ohne  weiterhin  an  Durchmesser  zu  gewinnen. 
Die  Anwachsstreifen  sind  mehr  oder  weniger  lang,  an 
die  Schale  angeschmiegt  und  nur  bei  abnorm  entwickelten 
Individuen  losgelöst.  Die  Bänder  sind  gleichmäßig  oder 
fast  gleichmäßig  konkav.  Das  vordere  Band  ist  breiter 
und  mit  sehr  feinen  Falten  bedeckt,  abgesehen  von  den 
beiden  äußeren  Rippen  eines  jeden  Bandes,  die  stärker 
sind  und  eine  gut  ausgesprochene  Trennung  zwischen 
den  Bändern  und  dem  übrigen  Teil  der  Schale  bilden.  Bei 
jungen  Exemplaren  sind  die  Bänder  fast  glatt.  Die  Rippen 
verstärken  sich  mit  dem  Alter.  Das  Zwischenbänderstück 
ist  stets  schmaler  als  die  Bänder  und  mit  Rippen  bedeckt, 


!*)  a.  a.  O.  Tar.  111.  Abb.  2  bis  ö. 
ls)  a.  a.  0.  S.  91,  Taf.  13,  Abb.  1  bis  2. 

iy)  Faune  crotacique  du  Portugal.  Vol.  I.  Lissabon  1901/2.  S.  138, 
Taf.  VI  und  VII. 


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wie  sie  sieh  auf  dem  übrigen  Teil  der  Schale  finden.  Hin 
und  wieder  sind  sie  auch  starker. 

Von  dem  von  Choffat  gegebenen  Typ  und  den  Varie¬ 
täten  intermedia ,  runaensis  und  expansa  kommt  zum  Ver¬ 
gleich  nur  die  var.  intermedia  in  Frage.  Choffat  charakte¬ 
risiert  sie  (a.  a.  0.  S.  139)'  folgendermaßen:  Rippen  stumpf, 
von  mittlerer  Größe  oder  selbst  sehr  fein,  das  Zwischen¬ 
bänderfeld  breit,  stark  hervortretend,  von  Rippen  derselben 
Art,  wie  diejenigen  der  Hauptseite,  bedeckt. 

Pebvinquikbk20)  hat  von  Tunis  einen  Radioliten  be¬ 
schrieben,  den  er  zu  D.  Arnaudi  var.  intermedia  stellt. 
Beschreibung  und  Abbildung  bringen  aber  nichts  Neues 
über  diese  Art. 

H.  Docvillä*1)  hat  sodann  ein  sehr  gut  erhaltenes, 
dem  nordfranzösischen  und  westfälischen  Stück  in  den 
Massen  fast  gleichkommendes  Exemplar  abgebildet.  Er  ist 
geneigt,  D.  Arnaudi  als  eine  einfache  Varietät  oder  Rasse 
von  D.  cornupastoris  zu  betrachten. 

Nach  der  Darstellung  Choffats  ist  D.  Arnaudi  eine 
außerordentlich  variierende  Form.  Zweifellos  besteht  eine 
große  Ähnlichkeit  der  westfälischen  und  nordfranzösischen 
Stücke  mit  dem  von  Choffat  (Taf.  VI,  Abb.  8,  und  Taf.  VII, 
Abb.  14  und  Abb.  17)  abgebildeten  Stücken.  Aber  abgesehen 
davon,  daß  ich  aus  den  Abbildungen  Choffats  den  Zu¬ 
sammenhang  der  als  var.  intermedia  bezeichneten  Stücke 
mit  D.  Arnaudi  typ .  nicht  ersehen  kann,  liegt  ein  sehr 
markanter  Unterschied  zwischen  D.  Arnaudi  und  den  von 
Pki'vost  a.  a.  O.  bzw.  oben  von  mir  beschriebenen  Stücken 
in  der  Form  der  Schale.  In  den  nordeuropäischen  Stücken 
liegen  große  Rudisten  vor,  deren  Schale  langkonisch  ist. 
D.  Arnaudi  ist  hingegen  eine  Form,  die  schnell  konisch 
auf  höchstens  5  cm  Durchmesser  anwächst  und  dann  gleichen 
Querschnitt  behält.  Der  Habitus  wird  am  besten  durch 
die  Bemerkung  Choffats  charakterisiert,  daß  ein  Exem¬ 
plar  von  Coz-Juncal  bei  einer  Länge  von  20  cm  im  Durch¬ 
messer  5  cm  nicht  übersteigt  und  ein  Stück  von  Runa  bei 
lti  ern  Länge  nur  45  mm  Durchmesser  im  oberen  Teile  hat. 
Bei  D.  Arnaudi  ist  mithin  die  Form  nur  in  der  Jugend 
konisch,  bei  den  nordeuropäischen  Stücken  handelt  es  sich 


20)  fitudes  de  palcontologie  tunisienne.  II.  Gastropodes  et 
Lamellibrauches  des  Terrains  cnHacös.  Paris  1912,  S.  321,  Taf.  XII. 
Abb.  9. 

21)  fitudes  sur  les  Rudistes.  Mem.  de  la  sociötö  gtfologique  de 
France.  Paleont.  Nr.  11.  S.  f>\  Taf.  XVIII.  Abb.  1.  Paris  1910. 


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hingegen  um  eine  gleichmäßig  ansteigende,  lang  konische 
Form,  die  zudem  ganz  andere  Größen  erreicht.  Das  ist 
der  Hauptunterschied,  der  meines  Ermessens  eine  Ver¬ 
einigung  der  nordeuropäischen  Stücke  mit  der  portugiesischen 
Art  trotz  der  starken  Schwankungen  nicht  gestattet,  denen 
diese  Art  nach  Choffat  unterliegt.  Weiterhin  ist  das 
vordere  Bapd  weit  tiefer  eingesenkt  und  schmaler,  als  die 
Abbildungen  Choffats  das  für  D .  Arnaudi  ergeben. 

Eine  Identität  der  beschriebenen  Stücke  mit  D.  Arnaudi 
halte  ich  aus  den  angeführten  Gründen  für  ausgeschlossen. 
Aus  den  von  Pruvost  beschriebenen  Stücken  ließ  sich 
infolge  der  geringen  Höhe  der  erhaltenen  Teile  die  konische 
Form  nicht  erkennen,  so  daß  hier  die  Vereinigung  nahe  lag. 

Der  Art  D.  austinensis  Roemer22)  liegt  ein  etwa  den 
dritten  Teil  des  Umfanges  betragendes,  kleines  Bruchstück 
zugrunde,  das  über  die  Bänder  keinen  Aufschluß  gibt,  dessen 
auffälligste  Eigenart  nach  Roemer  in  auf  der  Mündung  auf- 
tretenden  Furchen  liegt,  die  sich  ein-  bis  mehrfach  gabeln. 
Die  Beschreibung  Roemkrs  und  seine  Abbildungen  beziehen 
sich  nur  auf  die  Darstellung  dieser  Furchen.  Eine  auf 
diese  dürftigen  Reste  begründete  Art  ist  nicht  haltbar,  da 
alle  wesentlichen  Erscheinungen  an  den  Stücken  nicht  vor¬ 
handen  sind.  Roemer  hat  selbst  bereits  darauf  hingewiesen, 
daß  sich  derartige  Furchen  auch  bei  R.  craterif ormis  d’Orb.. 
R.  agaricif ormis  d’Orb.,  R.  Hoeninghausii  d’Oub.  und 
R.  Mortoni  Mantell  finden.  Sie  finden  sich  weiterhin  bei 
R.  Pousiana  d’Orb.,  auf  den  Bruchflächen  mehrerer  Indi¬ 
viduen  von  Hörde,  an  den  Exemplaren  von  Stadtlohn  sowie 
dem  Hunsoxschen  Exemplar  von  Lewes. 

Bei  der  typischen  Durania  cornupastoris  des  Mou eins21) 
liegen  ebene  Bänder  in  der  Außenfläche  oder  springen 
sogar  wenig  aus  derselben  nach  außen  vor.  Das  vor¬ 
springende  Zwischenbänderfeld  ist  ebenso  wie  der  übrige 
Teil  der  Schale  mit  Rippen  bedeckt,  die  manchmal  ziemlich 
fein,  immer  aber  kräftiger  als  die  Rippen  der  Bänder  sind. 
Neben  dieser  typischen  Form  beschreibt  Tuücak21)  eine 
große  Varietät  aus  dem  unteren  Angoumien,  bei  der  die 
Bänder  in  breiten,  schwach  eingesenkten,  gerundeten 
Furchen  liegen  und  unmerklich  in  das  Zwischenbänderfeld 
übergehen,  das  mit  zahlreichen  feinen  Rippen  ebenso  wie 

*s)  Die  Kreidebildungen  von  Texas,  Bonn,  18o2,  S.  77,  Taf.  VI, 
Fig.  1  a  bis  d. 

23)  Essai  sur  les  Spherulites.  1826 

2l)  a.  a.  O.  Abb.  68,  S.  96 


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die  ganze  übrige  Außenseite  der  Schale  bedeckt  ist.  In 
allem  liegen  mithin  so  viele  Gegensätze  vor,  daß  eine 
Vereinigung  der  vorliegenden  Stücke  mit  dieser  Art  nicht 
angeht. 

Durania  Mortoni  Mantell  ist  von  Mantell25)  sehr 
dürftig  charakterisiert  worden.  Auch  die  späteren  Dar¬ 
stellungen  bei  Di xon26)  und  Hudson27)  sind  durchaus  nicht 
zur  Charakterisierung  der  Art  hinreichend.  Trotzdem 
erscheint  es  mir  zweckmäßig,  den  vor  allem  in  der  eng¬ 
lischen  Literatur  für  die  bei  Lewes  gefundenen  Stücke 
gebräuchlichen  Namen  beizubehalten.  Da  nun  das  durch 
Hudson  abgebildete  Exemplar  von  Lewes  durchaus  den 
westfälischen  Formen  von  Stadtlohn  entspricht  und  die  sich 
bei  den  Exemplaren  von  Hörde,  Essen  und  Vimy  ergeben¬ 
den  Unterschiede  ganz  unerheblich  erscheinen,  stelle  ich 
die  oben  beschriebenen  Funde  zu  Durania  Mortoni 
Mantell  sp.  Sicher  nicht  zu  dieser  Art  gehört  nach  der 
Abbildung  Sauvagesia  cf.  Mortoni  Mantell  bei  Toucas28). 
die  ich  mit  Douvillü  zu  Durania  cornupastoris  des 
Moruxs  stelle.  Zweifelhaft  ist  auch  die  Stellung  des  von 
Mittel29)  aus  der  Gosau  angeführten  Radiolites  Mortoni. 

Zusammenfassend  gebe  ich  nachstehend  die  Kennzeichen 
der  Art: 

Große,  lang  kegelf ör mige,  schwach  ge¬ 
krümmte  Unterschale.  Wandungsstärke  der¬ 
selben  und  damit  das  Lumen  stark  variierend. 
Beide  Bänder  konkav,  das  vordere  bald 
scharf,  bald  flacher  einfallende  Band  stets 
tiefer  eingesenkt  und  ett/as  breiter  als  das 
hintere.  Schale  unter  dem  vorderen  Band 
daher  sehr  verdünnt.  Beide  Bänder  mit  acht 


25)  Geologie  of  the  South-East  of  England.  1833. 

2<r)  Geologie  and  fossils  of  the  tertiary  and  cretaceous  for- 
mations  of  Sussex.  London,  1850,  S.  354,  Taf.  26,  Fig.  1  bis  6. 

27)  Die  Funde  von  Lewes  werden  von  diesem  Autor  nach 
Lyeli.s  Bestimmung  als  Conia  beschrieben  (Magazine  of  natural 
history  etc. :  London,  1836,  S.  103,  Abb.  Nr.  19). 

2S)  a.  a.  O.  S.  92,  Abb.  59.  Auf  diese  Abbildung  wird  die  Be¬ 
merkung  von  Piiuvost  (a.  a.  O.  S.  8.8)  zurückzuführen  sein,  daß 
Üurania  Mortoni  Mantell  sehr  wenig  konkave  Bänder  und  ein 
breites  gerundetes  Zwischenband  besitzt,  das  wenig  vorsprrigt 
und  wenigstens  sechs  bis  zehn  Rippen  besitzt. 

M)  Die  Bivalven  der  Gosaugebilde  in  den  nordöstlichen  Alpen. 
Denkschrift  der  Wiener  Akademie  der  Wissensch.,  Math.-nat. 
Kl.  Bl.  25.  1866.  S.  148.  Taf.  XXV,  Abb  103. 


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bis  zwölf  feinen  L  ä  n  g  s  r  i  p  p  e  n ,  zuweilen  ilurch 
kräftige  Furchen,  stets  aber  durch  Wechsel 
in  der  Berippung  gegen  das  Zwischenbänder¬ 
feld  die  übrige  Außenseite  scharf  abge¬ 
grenzt.  Das  Zwischenbänd  erfeld  fast  so 
breit  oder  etwas  breiter  als  die  Bänder, 
kräftig  gewölbt  und  vorspringen cl  mit  drei, 
mehr  oder  weniger  regelmäßigen,  gebündel¬ 
ten,  scharf  abgegrenzten  Rippen  besetzt.  Bo- 
rippungder  Außenseite  schwankend,  zumeist 
aus  dichtgedrängtenRippenmittlerer  Größe 
bestehend,  die  bei  manchenStücken  zunächst 
seitlich  der  Bandfelder  durch  kräftigere 
F u  r  c h  e n  b  i  1  d  u  n g  zu  zwei  bis  vier  Rippen  g  e  - 
bündelt  sind. 

Fundorte:  Oberes  Cenoman  (Knollenkalk 
bank)  bis  Unteres  Turon  einschließlich. 
Untere  Brongniartischichten  von  Schlesien, 
Westfalen,  Nordfrankreich,  Südengland. 

Allgemeine  Ergebnisse. 

1.  Das  Auftreten  der  Rudistcn  im  nördlichen 
Ereidemeer. 

Im  nördlichen  Bezirk  sind  Rudisten  in  der  Unteren 
Kreide  bisher  nicht  gefunden.  Ihr  Auftreten  im  unteren 
und  mittleren  Cenoman  ist  fraglich.  Sie  treten  hier  erst 
an  der  Grenze  von  Cenoman  und  Turon  auf,  sind  hier  bis 
in  die  Brongniartischichten  hinauf  und  weiterhin  erst  wieder 
im  Scnon  bekannt.  Aus  dem  Turon  sind  bisher  Sauva - 
gesia  westfalica  aus  Westfalen,  Durania  Mortoni  Mantel  l 
von  England,  Nordfrankreich,  Westfalen  und  Schlesien  bo 
kannt  geworden,  während  Durania  Arnaudi  var.  expansa 
Choffat  im  nördlichen  Gebiet  bisher  auf  Nord  frank  re  ich 
beschränkt  ist. 

Insgesamt  liegen  aus  dem  norddeutschen  Turon  Rest»* 
von  23  Individuen  (2t  aus  Westfalen,  zwei  aus  Schlesien) 
in  fünf  Kolonien  und  fünf  Einzelindividuen  vor.  Dazu 
kommen  drei  Individuen  in  zwei  Kolonien  aus  Nordfrank¬ 
reich  und  eine  größere,  nicht  näher  bekannte  Zahl  von 
England.  Die  unvollkommene  Kenntnis  diesir  Formen  liegt 
wohl  daran,  daß  die  Rudisten  im  Unteren  Turon  zwar 
lokal  häufiger  auftreten,  Aufschlüsse  aber  in  diesen  Schichten 
spärlich  sind.  Herr  Lehrer  Lau« ent- Hörde  teilt  mir  mit: 


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Jdi  schätze,  daß  auf  ungefähr  2—3  qm  freigelegter  Ober¬ 
fläche  der  Knollenbank  ein  Radio iitenfund  kommt" 

Die  Ausbildung  der  beschriebenen  turonen  Form  zeigt, 
daß  es  sich  bei  allen  Stücken  um  vollwertige  Bürger  des 
Turonmeeres  handelt,  die  westfälischen  Funde  aber  ebenso 
wenig  wie  die  von  Schlesien,  Nordfrankreich  oder  England 
„kleine  verkrüppelte  Formen"  oder  „krüppel¬ 
hafte  Zwergformen“  genannt  werden  können,  als 
welche  die  Rudisten  des  nördlichen  Bezirkes  von  ÜACQuä85) 
und  Abel31)  bezeichnet  worden  sind. 

Von  großem  Interesse  ist,  daß  Durania  Mortoni  sich 
bisher  nur  im  nördlichen  Bezirk  gefunden  hat,  allerdings 
sehr  nahe  Beziehungen  zu  zwei  Arten  des  mediterranen 
Gebietes  besitzt,  und  daß  Sauvagesia  westfalica  nicht  nur 
nicht  auf  das  nördliche  Gebiet  beschränkt  ist.  sondern  auch 
keine  näheren  Beziehungen  zu  Formen  des  mediterranen 
Gebietes  nach  unserer  bisherigen  Kenntnis  aufweist 
Durania  Arnaudr  var.  expansa  tritt  hingegen  häufig  im 
mediterranen  Gebiet  auf  und  ist  in  nordeuropäischer  Kreide 
bisher  nur  einmal  in  Nordfrankreich  gefunden  worden.  Mit 
vorstehenden  Feststellungen  ist  für  S.  West¬ 
falica  und  D.  Mortoni  der  Einwurf  beantwortet, 
daß  es  sich  in  den  im  nördlichen  Gebiet  ge¬ 
fundenen  großen  Stücken  um  Exemplare  han¬ 
deln  könne,  die  aus  dem  mediterranen  Ge¬ 
biet  in  das  nördliche  Meer  verschleppt  wurden. 

Es  ergibt  sich  weiterhin  die  interessante  Tatsache,  daß 
die  Gattung  Durania  Mortoni  im  nördlichen  Gebiet  bereits 
im  Cenoman  und  ältesten  Turon  auftritt,  die  nahestehenden 
Formen  des  mediterranen  Gebietes  mit  Durania  Arnaudi 
im  Labiatuspiäner  noch  spärlich  sind  und  sich  erst  im 
Mittleren  Turon  entfalten32).  Damit  scheint  man  die 
Frage,  ob  es  sich  um  eingewanderte  und  im 
Nordmeer  veränderte  Arten  handelt,  ver¬ 
neinen  zu  müssen.  Die  bisherigen  Funde 
sprechen  eher  dafür,  daß  Durania  im  Nordmeer 
sich  zuerst  einstellt  und  zum  mediterranen 
Gebiet  auswandernde  Formen  dort  ihre  große 
Entwicklung  finden. 


*°)  Grundlagen  und  Methoden  der  Paläogeographie.  Jena,  1916, 
S.  423;  ferner  Geographie  der  Vorwelt.  Aus  Natur  und  Geistes¬ 
welt.  Nr.  619. 

31)  Abel,  Lehrbuch  der  Paläozoologie.  Jena.  1920,  S.  152. 

32)  Toucas,  a.  a.  0.  S.  132.  Tableau.  Nr.  4. 

Zeitschr.  d.  D.  öeoi.  Oes.  1924.  12 


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Bei  den  senonen  Formen  handelt  es  sich  hingegen 
um  kleine  Individuen,  aber  auch  hier  besteht  die  Be¬ 
zeichnung  „Krüppel-  oder  Zwergform“  zu  Unrecht  Es 
handelt  sich  um  Vertreter  der  Gattung  Biradiolites ,  der 
auch  im  mediterranen  Gebiet  Arten  angehören,  die  an 
Größe  durchaus  nicht  die  norddeutschen  Formen  übertreffen. 
Die  Funde  des  nördlichen  Gebietes  sind  bisher  in  der 
französischen  Literatur  nicht  berücksichtigt,  und  leider  ist 
ein  Vergleich  der  zahlreichen  nördlichen  und  mediterranen 
Formen  des  Senons  ohne  die  Pariser  Originale  nicht  mög¬ 
lich,  so  daß  sich  zurzeit  noch  nicht  die  interessante  Frage 
lösen  läßt,  ob  die  aus  dem  nördlichen  Bezirk  beschriebenen 
senonen  Formen  besonderen  Arten  angehören,  als  welche 
sie  beschrieben  sind,  oder  mit  mediterranen  Formen  über¬ 
einstimmen. 

Der  Unterschied  in  dem  Auftreten  von 
Üudi8ten  zwischen  nördlichem  und  medi¬ 
terranem  Gebiet  liegt  also  wenigstens  für 
das  Turon,  für  das  die  Frage  allein  bisher 
durch  die  vorliegenden  Ausführungen  an¬ 
geschnitten  ist,  nicht  darin,  daß  in  ersterem 
„krüppelhafte  Zwergformen“  des  letzteren 
auftreten,  sondern  darin,  daß  dem  Reichtum 
der  Gattungen  und  Arten  des  mediterranen 
Gebietes  bisher  im  nördlichen  Gebiet  nur 
drei  Arten  in  zwei  Gattungen  gegenüber¬ 
stehen.  Die  im  nördlichen  Gebiet  auftretenden  Arten 
gehören  sämtlich  unter  Zugrundelegung  der  Systematik  von 
DouviLLk  zu  dessen  Ordnung  der  Biradiolitinen  mit  den 
Gattungen  Sauvagesia  und  Durania ,  während  dagegen  die 
Vertreter  der  Ordnung  der  Radiolitinen,  wie  Praeradiolites, 
Radiolites,  Sphaerulitcs ,  Bournonia ,  Lapeirousia ,  sowie  die 
Hippuriten  völlig  fehlen. 

Und  zu  diesem  Auftreten  einiger  weniger  Gattungen 
kommt  weiter  der  wichtige  Unterschied  zwischen  nördlichem 
und  südlichem  Gebiet,  daß  die  Rudisten  im  nördlichen 
Gebiet  viel  seltener  sind,  und  es  hier  nirgendwo  zu  einer 
Gesteinsbildung  durch  sie  kommt. 

2.  Paläogeographisehe  Verhältnisse. 

Das  Auftreten  der  in  Nordfrankreich,  England,  West¬ 
falen  und  Schlesien  auftretenden  Durania  Mortoni  Mantel l 
erhärtet  weiterhin  die  bekannte  Tatsache  der  engen  B«*- 


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Ziehungen  zwischen  den  genannten  Gebieten  zur  Zeit  der 
Oberen  Kreide,  beleuchtet  damit  eine  paläogeographische 
Präge,  ohne  daß  dieses  Vorkommen  allerdings  dieselbe  allein 
zur  Entscheidung  bringen  kann. 

Krusch  hat  190933)  die  Ansicht  geäußert,  daß  sämtliche 
Stufen  der  Kreide,  die  sich  im  Westen  des  Münster landee 
in  einer  bogenförmig  über  die  Orte  Öding,  Südlohn  und 
Stadtlohn  verlaufenden  Linie  heraushebt,  nach  W  bzw.  SW 
auskeilen,  daß  es  sich  hier  also  nicht  um  eine  tektonisch 
bedingte  Grenze,  „sondern  um  die  alte,  durch  spätere 
Abrasion  und  tektonische  Einflüsse  allerdings  modifizierte 
Kontinentalgrenze  handelt“.  Neuerdings  hat  Kanzler84) 
ähnliches  von  den  im  Teutoburger  Wald,  Osning  und  in 
der  Egge  ausgehenden  Kreideschichten  gesagt.  Würden 
beide  Angaben  zu  Recht  bestehen,  dann  müßten  die  Ab¬ 
lagerungen  der  westfälischen  Kreide  in  einem  geschlossenen 
Becken35)  des  Festlandes  gebildet  sein.  Das  ergibt  bereits 
die  Haltlosigkeit  wenigstens  einer  derselben. 

Weder  im  Teutoburger  Wald,  Osning,  in  der  Egge 
noch  in  den  Kreidehöhen  des  westlichen  Münster  landes 
handelt  es  sich  aber  um  eine  natürliche  Begrenzung  des 
Cenoman -Turons.  Kanzler  wird  mit  seiner  Behauptung 
sicher  allein  stehen,  da  im  O  und  N  der  Nachweis  der  durch 
Tektonik  und  Erosion  bedingten  Begrenzung  sehr  leicht 
ist.  Es  ist  nach  den  Darlegungen  von  Keusch  aber  not¬ 
wendig,  auf  die  Ursache  der  heutigen  Begrenzung  der 
Kreide  im  W  näher  einzugehen. 

Gegen  die  Auffassung  von  Keusch  hat  Löscher36) 
bereits  die  Fossilführung  der  Schichten  auf  Grund  seiner 
Bearbeitung  der  Fauna  der  Galeritenschichten  ins  Feld 
geführt  und  ferner  betont,  daß  die  Galeritenschichten  keine 
Küstenbildung,  sondern  die  Bildung  eines  seichten,  offenen 


33)  Beitrag  zur  Geologie  des  Beckens  von  Münster  usw. 
Zeitsehr.  d.  D.  Geol.  Ges.  Bd.  61.  Jahrg.  1909.  S.  251. 

34)  Geologie  des  Teutoburger  Waldes  und  des  Osnings.  Bad 
Rothenfelde,  S.  19. 

35)  Es  wäre  sehr  zu  wünschen,  wenn  die  irreführenden  und 
unrichtigen  Ausdrücke  „Münstersches  Kreidebecken“,  „Münster- 
sches  Becken“,  sowie  „Münsterscher  Kreidebusen“  bald  aus  der 
Literatur  verschwinden  würden. 

36)  Die  westfälischen  Galeritenschichten  als  Seichtwasser- 
bildung.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  Bd.  64.  Jahrg.  1912,  Mo. 
S.  341 ;  ferner  „Die  westfäl.  Galeritenschichten  mit  besonderer 
Berücksichtigung  ihrer  Seeigelfauna“.  N.  Jahrb.  f.  Min.  B.  B 
XXX.  Stuttgart  1910,  S.  269  und  Diss.  Münster  1910. 

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Meeres  sind.  Diese  innigen  faunistischen  Beziehungen 
werden  durch  den  Fund  von  Durania  Mortoni  erneut 
bestätigt.  Sie  und  die  stratigraphischen  Befunde  lassen 
einen  vom  Niederrhein  aus  sich  über  holländisches  Gebiet 
nach  N  erstreckenden  Kontinent  ganz  unwahrscheinlich 
erscheinen. 

Die  Angabe  von  Keusch  ist  nicht  zutreffend,  daß  die 
Kreideschichten  nach  W  und  NW  auskeilen.  Eine  Mächtig¬ 
keitsabnahme  der  Kreide  nach  W  liegt  zwar  vor,  aber  sie 
beweist  durchaus  nicht  ein  Auskeilen  der  Ablagerungen. 
Diese  selbst  setzen  an  ihrer  westlichen  Grenze  vielmehr 
plötzlich  mit  einer  beträchtlichen  Mächtigkeit  ab  und  an 
diese  aus  Oberer  Kreide  bestehenden  Schichten  schließt 
sich  alsdann  westwärts  ein  mehr  oder  weniger  gestörtes 
Gebiet  an,  das  aus  Unterer  Kreide,  Jura,  Trias  bald  in 
ausgedehnten  Komplexen,  bald  in  kleinen  Schollen  gebildet 
wird.  Wir  haben  hier  also  dasselbe  Bild  wie  im  Teuto¬ 
burger  Wald  und  weiter  ostwärts,  an  den  sich  die  hier 
in  Frage  stehenden  Kreideschichten  des  westlichen  Münster¬ 
landes,  hin  und  wieder  auf  kurze  Erstreckung  unterbrochen, 
über  Rheine,  Wettringen,  Graes,  Wessum  anschließen.  Die 
Verhältnisse  sind  aber  dadurch  kompliziert,  daß  nordisches 
und  südliches  Diluvium  sowie  Tertiär  eine  meist  weithin 
geschlossene  Decke  über  diesen  älteren  Schichten  bilden. 
Der  Schluß  liegt  nahe,  daß  die  Tektonik  des  Teutoburger 
Waldes  auch  hier  das  Auftreten  der  Kreidehöhen  und  den 
Aufbau  ihres  westlichen  Vorlandes  bedingt37).  Für  einzelne 
Gebiete  läßt  sich  ein  ähnlicher  Bau  jetzt  naehweisen.  Nach¬ 
dem  das  Gebiet  von  Rheine33),  Wettlingen39)  und  Ochtrup4") 
naher  untersucht  ist,  hoffe  ich,  die  vorhandenen  Unterlagen 
über  die  geologischen  Verhältnisse  des  westlichen  Münster¬ 
landes  bald  bearbeiten  zu  können,  um  dieser  Frage  näher 
nachzugehen. 

Es  ist  möglich,  daß  die  Schreibkreidefazies  des  nord¬ 
französischen  Gebietes  mit  den  kreideartigen  Kalken  von 


87)  Vergl.  meine  Geologie  von  Westfalen,  Paderborn  1913.  S. 
234  ff. 

S8)  Randebrock,  Die  Geologie  der  Umgebung  von  Rheine. 
Diss.  Münster  1920. 

39)  Busz,  Die  Geologie  der  Umgebung  von  Wettlingen.  Diss. 
Münster. 

40)  Leising,  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von 
Ochtrup.  Diss.  Münster  1919. 

Die  vorgenannten  Dissertationen  sind  infolge  der  Druck¬ 
schwierigkeiten  nicht  veröffentlicht. 


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Graes,  Wessum,  Stadtlohn,  öding  noch  nicht  beginnt,  sondern 
die  schreibkreideartigcn  Bildungen  des  westlichen  Münster¬ 
landes  nur  ein  großes  inselartiges  Vorkommen  in  der  im 
Münsterland  weiter  vorherrschenden  Plänerfazies  sind.  Im 
Bachbett  der  Kleinen  Beek  in  der  holländischen  Bauer¬ 
schaft  Kotten  östlich  von  Winterswijk  stehen  wiederum 
feste,  dichte,  graue  Kalke  in  Plänerfazies  an.  Da  Ver¬ 
steinerungen  bisher  nicht  gefunden  sind,  sind  nähere  Fest¬ 
stellungen  noch  nicht  möglich. 

Die  faunistischen  und  stratigraphischen  Verhältnisse,  vor 
allem  aber  der  geologische  Aufbau  des  westlichen  Münster¬ 
landes,  lassen  es,  wenn  dieser  letztere  auch  noch  der 
näheren  Bearbeitung  harrt,  bereits  heute  als  sicher  erkennen, 
daß  sich  während  der  Oberen  Kreide  kein  Kontinent  auf 
holländischen  Gebiet  befand.  Es  berechtigen  die  Verhältnisse 
vielmehr  zu  dem  Schluß,  daß  hier  in  derselben  Art,  in  der 
die  Kreideablagerungen  zwischen  ihrer  heutigen  Ostgrenze 
in  der  Egge  und  den  weiter  im  0  bekannten  Vorkommen 
bis  auf  winzige  Posten  entfernt  worden  sind,  auch  nach  W 
hin  infolge  einer  durch  tektonische  Verhältnisse  bedingten 
Hochlage  völliger  Abrasion  zum  Opfer  fielen,  die  die  un¬ 
mittelbare  Verbindung  mit  der  westeuropäischen  Kreide 
beseitigte. 

Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  darauf  hinweisen, 
daß  wir  auch  über  die  Südgrenze  des  oberkretazischen 
Meeres  im  rechtsrheinischen  Schiefergebirge  keine  befriedi¬ 
genden  Anhaltspunkte  besitzen. 

Es  wird  immer  stillschweigend41)  vorausgesetzt,  daß  die 
ursprünglich  südliche  Begrenzung  der  westfälischen  Kreide 
wenigstens  im  allgemeinen  der  heutigen  Kreidegrenze  im 
Haarstrang  entspricht.  Die  altbekannten  Vorkommen  an 
Erosionsfetzen  und  Erosionsblöcken  von  Cenoman  im  War- 
steiner  und  Briloner  Gebiet  zeigen,  daß  hier  die  Kreideablage¬ 
rungen  sich  beträchtlich,  und  zwar  etwa  8  km  weiter  nach  S 
erstreckten  als  heute.  Der  petrographische  Vergleich  dieser 
isolierten  Vorkommen  mit  der  Ausbildung  des  Cenoman 
am  Fuße  des  Haarstranges  bei  Rüthen  läßt  es  durchaus 
möglich  erscheinen,  daß  der  Kreiderand  sich  noch  ganz 
beträchtlich  weiter  nach  S  erstreckte.  Die  Ablagerungen 
des  Cenomans  und  Turons  im  Haarstrang  sind  Flachseeablage- 


tt)  Vergl.  die  nach  Fertigstellung  dieser  Arbeit  erschienene 
wertvolle  Abhandlung  von  Bärtling,  Transgressionen,  Regressio¬ 
nen  in  der  mittleren  und  oberen  Kreide  des  Beckens  von  Münster. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.,  Bd.  72,  1920,  Taf.  V. 


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rungen  und  berechtigen  nicht  zu  dem  Schluß,  daß  hier 
Küstenbildungen  vertreten  sind.  Glaukonit  tritt  in  gleich¬ 
altrigen  Schichten  sogar  noch  72  km  von  dem  heutigen 
Südrand  der  Kreide  auf,  hat  sich  demnach  nicht  nur  im 
Küstengebiet,  sondern  auch  weit  meereinwarts  gebildet. 


Erlänterangen  der  Tafel  V. 

Abb.  1.  Dnrania  Mortoni  Mantelu  Galeritenschichten. 
Stadtlohn  (West f.).  Original :  Geologisches  Institut  der 
Universität  Münster. 

1  a)  Ansicht  der  Hinterseite  mit  dem  vorderen  (I)  und  hin¬ 
teren  (II)  Band  und  dem  zwischenliegenden  Zwischen  - 
bänderfeld. 

.  1  b)  Dasselbe  Exemplar.  Aufsicht  von  oben. 

1  c)  Abwicklung  der  Außenseite.  Erl.  wie  1  a.  Die  kräftigen 

Linien  geben  die  starken,  die  dünnen  die  schwachen 
Furchen  an. 

Abb.  2.  Durania  Mortoni  Mantell.  Liegendste  Bank 
des  Labiatuspläners,  Hörde  (Westf).  Original: 
Städtisches  Museum  für  Naturkunde,  Dortmund. 

2  a)  Ansicht  der  durch  Verwachsungen  zum  großen  Teil 

verdeckten  Hinterseite.  Erl.  wie  bei  1  a.  Rippen  nicht 
gebündelt. 

2  b)  Bruehfläche  der  Prismenschicht  eines  zweiten  Indivi¬ 
duums  der  Kolonie,  auf  der  von  der  Spitze  der  Schale 
aus  gesehen  gerundet  vorspringende,  reihenförmig  an- 
geordnete,  geknotete  Prismen  hervortreten,  denen  von 
oben  aus  gesehen  entsprechende  Furchen  entsprechen. 

Abb.  3.  Sauvagesia  Westfalica  W  egner.  Liegendste  Bank 
des  Turons,  dem  Cenoman  aufgewachsen 
Hörde  (W e  s  t  f.).  Original :  Geologische  Landesanstalt 
Berlin.  Kolonie  aus  vier  Individuen. 

Ansicht  der  Hinterseite  der  Schale.  Beide  Bandfelder  I  und  II 
abgesehen  von  Anwachslamellen  und  -streifen,  glatt.  Zwischen¬ 
bänderfeld  c  aus  drei  gleichgroßen  Rippen  bestehend,  die  kleiner 
sind  als  die  Rippen  der  übrigen  Schale. 


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7.  Zur  Tektonik  des  subherzynen  Beckens. 

Von  Herrn  Paul  Woldstbdt  in  Berlin. 

(Hierzu  Tafel  VI  und  3  Textabbildungen.) 

Der  hervorstechendste  Zug  des  zwischen  Harz  und 
Plechtinger  Höhenzug  gelegenen  subherzynen 
Beckens  ist  das  Auftreten  langgestreckter  herzynisch 
streichender  Sättel  und  Mulden  (vgl.  Abb.  1).  Was  lag 
näher,  als  hier  ein  normales  Faltengebiet  zu  sehen  und  die 
einzelnen  Achsen  als  Faltenzuge  aufzufassen?  So  glaubte 
Stille1)  in  diesem  Gebiet  ein  typisches  Beispiel  seiner 
Rahmenfaltung  vor  sich  zu  haben:  Harz  und  Fleeh- 
tinger  Höhenzug  waren  die  Rahmen,  die  Backen  des  Schraub¬ 
stockes,  zwischen  denen  das  subherzyne  Becken  zusammen¬ 
gepreßt  wurde. 

An  Widersprüchen  gegen  diese  Auffassung  hat  es  nicht 
gefehlt.  So  wollte  R.  Lachmann2)  die  Formen  des  Ge¬ 
bietes  lediglich  durch  differentielle  Senkungen  und  durch 
Salzauftrieb  erklären.  Zahlreiche  andere  Forscher,  so 
Beyschlag,  Harbobt,  Seidl,  Schmierer  u.  a.,  haben  zu 
den  Problemen  des  subherzynen  Beckens  Stellung  genom¬ 
men,  ohne  daß  hier  im  einzelnen  auf  ihre  Arbeiten  ein- 
gegangen  werden  könnte. 

Mit  den  allgemeinen  Grundlagen  der  Tektonik  des 
Gebietes  befaßt  sich  J.  Weigelt  in  seiner  Arbeit:  „Die 
mitteldeutschen  Steinkohlenablagerungen“3).  Er  entwickelt 
hier  die  im  großen  und  ganzen  richtige  Vorstellung  einer 
„Kippschollenkreuzung“.  Der  Harz  und  seine  südöstliche 
i\)rtsetzung  einerseits,  das  subherzyne  Becken  und  seine 
südöstliche  Fortsetzung  andererseits  sind  gegeneinander 
gekippt,  derart,  daß  die  südwestliche  Scholle  (Harz)  nach 
NW  gehoben,  nach  SO  abgesenkt  sei,  während  die  andere 


x)  H.  Stille,  Die  mitteldeutsche  Rahmenfaltung.  3.  Jahresber. 
des  Niedersächs.  Geol.  Vereins  1910,  S.  141  bis  170. 

*)  R.  Lachmann,  Der  Salzauftrieb.  Geophysikalische  Studien 
über  den  Bau  der  Salzmassen  Norddeutschlands.  Zeitechr.  „Kali*' 
1910  und  1912. 

3)  Jahrb.  des  Halleschen  Verbandes,  H.  Heft,  Halle  1920. 


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Scholle,  das  subherzyne  Becken,  nach  NW  abgesenkt  und 
nach  SO  gehoben  worden  sei.  Beide  Schollen  hängen  durch 
die  neutrale  Rotenburger  Gebirgsbrücke  zusammen. 

Ausgehend  von  einer  Betrachtung  der  Salzstocke,  unter¬ 
sucht  F.  Schuh4)  die  gesamte  Frage  der  saxonischen  Ge¬ 
birgsbildung  von  neuem.  Er  kommt  hierbei  zu  einer  Ab¬ 
lehnung  der  STiLLESchen  Rahmenfaltung  und  nimmt  für 
die  ältere  „kimmerische"  Phase  der  saxonischen  Gebirgs¬ 
bildung  einer  Zerrung,  für  die  jüngere,  senone,  einen  Zu¬ 
sammenschub  an.  Dieser  Zusammenschub  ist  nach  ihm  im 
subherzynen  Becken  besonders  stark  gewesen;  denn  —  und 
hier  kommt  er  doch  wieder  auf  eine  Art  Rahmenfaltung 
hinaus  —  hier  soll  sich  der  Zusammenschub,  der  eigentlich 
auch  die  beiden  begrenzenden  starren  Massen,  Harz  und 
Flechtinger  Höhenzug,  betroffen  haben  müßte,  auf  das  da¬ 
zwischen  gelegene,  weniger  starre  Becken  konzentriert 
haben.  Im  einzelnen  wird  auf  diese  Ansichten  noch  zurück¬ 
zukommen  sein. 

Im  folgenden  soll  an  der  Hand  einiger  Profile  eine 
Klärung  der  tektonischen  Verhältnisse  des  subherzynen 
Beckens  versucht  werden. 

Was  zunächst  die  Schichten  anbelangt,  die  unser 
Gebiet  zusammensetzen,  so  ist  —  von  oben  angefangen  und 
abgesehen  von  Alluvium  und  Diluvium  sowie  dem  insel¬ 
förmig  verbreiteten  Tertiär  —  zunächst  die  Schichten¬ 
folge  des  Mesozoikums  zu  nennen,  im  Westen  die  ganze, 
im  Osten  nur  der  ältere  Teil.  Darunter  liegt  die  ursprüng¬ 
lich  vielleicht  500  bis  600  m  mächtige  Schicht  der  Zech¬ 
steinsalze,  die  auf  dem  geringmächtigen  Mittleren  und 
Unteren  Zechstein  lagert.  In  welcher  Verbreitung  und 
Mächtigkeit  das  Rotliegende  im  subherzynen  Becken  vor¬ 
handen  ist,  ist  gänzlich  unbekannt.  Jedenfalls  wird  der 
weitere  Untergrund  überall  durch  die  gefalteten  Schichten 
des  Paläozoikums  gebildet. 

Für  die  tektonische  Betrachtung  können  wir  im  großen 
und  ganzen  drei  Schichtgruppen  unterscheiden :  das 
im  wesentlichen  mesozoische  Deckgebirge,  das  Salz, 
das  gefaltete  paläozoische  Grundgebirge  (wobei  die 
über  dem  eigentlichen  gefalteten  Paläozoikum  mehr  oder 
weniger  flach  lagernde  Decke  von  Zechstein  und  Ober¬ 
rotliegendem  vernachlässigt  werden  kann).  Es  ist  von 
vornherein  anzunehmen,  daß  diese  drei  außerordentlich  ver- 


4)  Zeitschr.  „Kali“,  16.  Jahrg.  1922. 


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schieden  gearteten  Schichtgruppen  auch  auf  tektonische 
Einflüsse  ganz  verschieden  reagieren  werden:  das  durch 
Faltung  verfestigte  Grundgebirge  anders  als  das  aus  zahl¬ 
losen  dünnen  Schichten  bestehende  Paket  des  Deckgebirges, 
und  ganz  anders  wieder  das  zwischengelagerte  Salz,  das 
insbesondere  noch  spezifisch  leichter  ist  und  bei  Zunahme 
von  Druck  und  Temperatur  eher  plastisch  wird  als  das 
umgebende  Gebirge. 

Die  älteren  Profile,  so  z.  B.  die  EvEBDiNGschen  in 
„Deutschlands  Kalibergbau“,  nehmen  eine  im  wesentlichen 
harmonische  Faltung  der  drei  Schichtenkomplexe  an.  Neuere 
Darstellungen,  so  insbesondere  von  Seidl6),  entfernen  sich 
mehr  von  dieser  Darstellung  und  bringen  ein  disharmonisches 
Verhalten  der  drei  Schichtgruppen  zum  Ausdruck.  Von 
größter  Wichtigkeit  ist  es  nun,  an  Stellen,  wo  die  Lage¬ 
rungsverhältnisse  genügend  bekannt  sind,  das  Verhalten 
der  drei  Komplexe  zu  verfolgen.  Das  ist  leider  nur  an 
sehr  wenigen  Stellen  und  nur  recht  imvollkommen  der  Fall. 
In  geringem  Maße  ist  dies  möglich  im  Gebiet  des  oberen 
Allertals,  und  die  diesbezüglichen  Verhältnisse  werden 
an  anderer  Stelle  von  mir  besprochen6). 

Versuchen  wir  weiter,  im  innersten  Winkel  des  sub- 
herzynen  Beckens,  wo  das  Mesozoikum  sich  über  das  ein¬ 
sinkende  paläozoische  Grundgebirge  darüberlegt,  das  Ver¬ 
halten  von  Deckgebirge,  Salz  und  Grundgebirge  zu  ver¬ 
gleichen,  so  gelingt  auch  das  nur  in  sehr  geringem  Grade. 
Es  liegt  das  daran,  daß  nur  die  wenigsten  Bohrungen  bis 
in  das  subsalinare  Gebirge  hineingehen.  Sie  waren  ja  fast 
alle  auf  Kalisalze  angesetzt,  und  so  lag  kein  Interesse  vor, 
nach  Erreichen  des  Kalilagers  noch  tiefer  zu  gehen. 

Die  ausgeprägteste  Form  im  inneren  Winkel  des  sub- 
herzynen  Beckens  ist  der  Paschleber  Grauwacken¬ 
vorsprung  (vgl.  Abb.  1),  bei  dem  das  Paläozoikum  ober¬ 
flächlich  bis  in  die  Gegend  von  Borgesdorf  zu  verfolgen 
ist  Der  Bau  ist  der  gleiche  einseitige  wie  bei  Harz  und 
Flechtinger  Höhenzug:  nach  SW  normale  Auflagerung  der 
jüngeren  Schichten,  die  flach  nach  SW  einfallen,  nach 
NO  ein  Sprung,  die  „Cöthener  Spalte“,  die  dem  nördlichen 


5)  E.  Seidl,  Schürfen,  Belegen  und  Schachtabteufen  auf 
deutschen  Zechstein-Salzhorsten.  Archiv  für  Lagerstättenforsch. 
Heft  26,  1921. 

6)  P.  Woldstedt,  Die  Störungszone  des  Oberen  Allertals, 
Jahrb.  d.  Preuß.  Geolog.  Landesanst.  für  1924. 


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Harzrande  parallel  läuft  und  an  der  das  Mesozoikum  zur 
„Akener  Bucht“  abgesunken  ist. 

Der  Paschleber  Grauwacken vorsprung  setzt  sich  nach 
der  allgemeinen  Annahme  im  Caiber  Buntsandstein¬ 
sattel  fort.  Dabei  ist  aber  die  Art  der  Fortsetzung  im 
einzelnen  durchaus  problematisch;  der  Caiber  Sattel  erscheint 
nach  NO  verschoben,  und  es  ist  nicht  klar,  wie  sich  die 
Cöthener  Spalte  nach  NW  hin  verhält.  Keilhack7)  nimmt 


Abb.  1.  Tektonische  Skizze  des  subherzynen  Beckens  (unter  teil¬ 
weiser  Benutzung  des  Kärtchens  von  Biunkmrier). 


an,  daß  der  Caiber  Sattel  auf  Salzauftrieb  zurückzuführen 
sei.  Es  ist  aber  nach  den  wenigen  vorliegenden  Bohrungen 
nicht  ausgeschlossen,  daß  hier  auch  der  subsalinare  Unter¬ 
grund  leicht  aufgewölbt  ist.  Er  wurde  in  der  etwa  im 
Kern  de®  Sattels  stehenden  Bohrung  Tippeiskirchen  bei 
etwa  465  m  unter  N.  N.  angetroffen,  während  das  auf  dem 

7)  K.  Keilhack,  Beiträge  zur  Stratigraphie  und  zu  dcu 
Lagerungsverhältnissen  der  Trias  und  des  Tertiärs  des  nordöst¬ 
lichen  Harzvorlandes.  Jahrb.  d.  Preuß.  Geolog.  Landesanst.  für 
1920,  XLT,  Teil  II,  S.  302. 


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Südwestflügel  stehende  Bohrloch  Bruraby  II  den  Mittleren 
Zechstein  über  200  m  tiefer  (bei  677  m  —  N.  N.)  antraf. 
Ein  entsprechendes  Vergleichsbohrloch  auf  dem  Nordost- 
fiügel  fehlt;  das  Bohrloch  Pöinmelte  (Saline  IV)  steht  schon 
reichlich  weit  nördlich;  es  hat  den  Mittleren  Zechstein 
in  etwa  465  m  —  N.  N.,  d.  h.  in  derselben  Tiefe  wie  die 
Bohrung  Tippeiskirchen,  angetroffen. 

Der  Calber  Sattel  scheint  sich  weiter  nach  NW  nicht 
fortzusetzen;  jedenfalls  ist  die  Zone  des  oberen  Allertales 
nicht  als  Fortsetzung  des  Calber  Sattels  anzusehen. 

Im  Untergrund  des  Calber  Sattels  mag  also  eine  leichte 
Aufwölbung  auch  des  subsalinaren  Untergrundes  vorhanden 
sein;  wie  wenig  es  aber  möglich  ist,  aus  dem  zu  oberst 
liegenden  Mesozoikum  irgendwelche  Schlüsse  auf  die  Höhen¬ 
lage  des  subsalinaren  Untergrundes  zu  ziehen,  das  mag 
ein  Vergleich  der  drei  Bohrungen  Pömmelte,  Felge- 
leben  und  Tippeiskirchen  zeigen8).  Sehen  wir  von 
Diluvium  und  Tertiär  ab,  so  zeigt  als  Oberstes: 

Bohrung  Pömmelte:  Mittleren  Buntsandstein;  Mittlerer  Zechstein 


wurde  angetroffen  in .  466  m  —  NN 

Bohrung  Felgeleben:  Unteren  Muschelkalk;  Mittlerer 

Zecbstein  wurde  angetroffen  in .  325  m  —  NN 


Bohrung  Tippeiskirchen:  Unteren  Buntsandstein; 

Mittlerer  Zechstein  wurde  angetroffen  in  .  .  .  465  m — NN 

Bei  der  Bohrung  Felgeleben  würde  man,  da  Unterer 
Muschelkalk  unter  dem  Tertiär  liegt,  eine  viel  tiefere 
Lage  des  Zechsteins  vermuten  als  etwa  bei  Tippeiskirchen, 
wo  gleich  unter  dem  Tertiär  Unterer  Buntsandstein  liegt. 

Dasselbe  Resultat,  daß  wir  nämlich  nicht  von 
der  oberflächlichen  Verteilung  der  Schich¬ 
ten  auf  den  vorsalinaren  Untergrund 
schließen  dürfen,  ergibt  sich  aus  einigen  Bohrungen, 
die  auf  Bl.  Bernburg  den  subsalinaren  Untergrund 
erreicht  haben.  Es  sind  das  die  Bohrungen  Dröbel  bei  Bern- 
burg  (Nr.  7  der  Spezialkarte)  und  die  Bohrung  Nr.  9  des 
preußischen  Fiskus  bei  Custrena.  Durch  diese  zwei  Boh¬ 
rungen  und  das  weiter  südwestlich  liegende  Bohrloch  16 
ist  das  nebenstehende  Profil  gelegt  worden  (Abb.  2). 

Die  Deckschichten  des  Salzes  bilden  einen  flachen 
Sattel.  Würde  man  ganz  schematisch  nach  dem  oberfläch¬ 
lichen  Bau  der  Schichten  den  Untergrund  konstruieren,  so 
müßte  man  die  höchste  Lage  des  Mittleren  Zeclisteins  in 
der  Mitte  annehmen.  Es  ergibt  sich  aber  das  überraschende 


8)  Vgl.  Erläuterungen  zu  Bl.  C  a  1  b  e  der  Geol.  Spezialkarte. 


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Resultat,  daß  der  Mittlere  Zechstein  bei  Custrena,  wo 
man  ihn  am  höchsten  vermuten  sollte,  tatsächlich  eine  um 
über  100  m  tiefere  Lage  einnimmt  (660  m  —  N.  N.)  als  in 
der  Bohrung  Dröbel,  wo  Mittlerer  Buntsandstein  die  Ober¬ 
fläche  bildet  und  die  Deckschichten  doppelt  so  mächtig 
sind  1 

Der  Sattel,  den  das  Profil  darstellt  und  in  dessen  Achse 
die  Bohrung  Nr.  9  steht,  ist  aber  nichts  anderes  als  die 
südöstliche  Dortsetzung  des  Staßfurter  Sattels,  und 
so  ist  es  auch  bei  diesem  Sattel,  auf  dem  hier  sonst  keine 
der  zahlreichen  Bohrungen  den  SalzuntergTund  erreicht  hat, 
gänzlich  unsicher,  welche  Gestaltung  die  Unterlage  hat. 
Keilhack  hat  auf  dem  der  Spezialkarte  Bl.  Staßfurt  bei- 


Buntsandstein  Oberer  Vorsei t  na  rer 

Zechstein  Untergrund 

Abb.  2.  Profil  durch  die  Bohrungen  7  (Dröbel),  9  und  16  auf 
Blatt  Bernburg.  1:100000. 

gegebenen  Profil  den  subsalinaren  Untergrund  in  etwa 
1050  bis  1100  m  —  N.  N.  angenommen;  und  in  der  Tat 
sprechen  eine  ganze  Reihe  von  Argumenten  dafür,  ihn 
hier  ungefähr  anzusetzen,  —  aber  nicht  nur  unter  dem 
Sattel  selber,  sondern  auch  sonst  im  Bereich  des  Blattes. 
Keilhack  faßt  deshalb  den  Sattel  als  Auftriebserscheinung 
des  Salzes,  nicht  als  tektonische  Form  auf9). 

Einmal  wird  im  weiteren  Verlauf  des  Staßfurt — Egelner 
Sattels  der  Untergrund  von  einer  Bohrung  erreicht:  der 
Bohrung  Eu  bei  Unseburg  (BI.  Atzendorf),  die  nach 
Durchteufung  von  etwa  1200  m  älterem  Steinsalz 
den  Mittleren  Zechstein  bei  etwa  1250  m,  d.  h.  bei  etwa 
1180  m  —  N.  N.,  antraf.  Wir  haben  keine  Veranlassung, 
anzunehmen,  daß  er  etwa  unter  den  seitlich  den  Staßfurter 
Sattel  begleitenden  Mulden  in  großen.* r  Tiefe  zu  suchen  sei. 

Vergleichen  wir  nun  das  eben  Gesagte  mit  dem,  was 
aus  anderen  Gebieten  bekannt  geworden  ist.  so  sind  hier 
besonders  wichtig  die  Untcrsuchimirsergebnisse  in  der  be- 


*)  K.  Kkiliiack.  Beiträge  zur  Stratigraphie  usw.  S.  301. 


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189 


nachbarten  Mansfelder  Mulde,  die  durch  Kali-  und 
Kupferschieferbergbau  gut  bekannt  ist.  Nach  den  Unter¬ 
suchungen  Fuldas10)  ist  die  Tektonik  des  Deck¬ 
gebirges  völlig  verschieden  von  der  des  sub- 
salinaren  Untergrundes.  Dieser  letztere  zeigt  im 
ganzen  Bereich  der  Mulde  eine  fast  horizontale  Oberfläche; 
während  darüber  das  Salz  zum  Teutschentaler  Sattei 
angestaut  ist,  der  sich  auch  in  der  Konfiguration  des  Deck¬ 
gebirges  aufs  deutlichste  ausprägt.  Das  ältere  Stein¬ 
salz  erreicht  hier  Mächtigkeiten  von  über 
1000  m,  während  es  im  inneren  Teil  der  Mans- 
felder  Mulde  fast  völlig  fehlt.  Die  Deckschichten 
zeigen  herzynisches  Streichen,  vollkommen  abweichend  vom 
subsalinaren  Grundgebirge,  dessen  Tektonik  eine  ost-west¬ 
liche  ist.  „Das  Ältere  Steinsalz,  das  unter  dem  Muschelkalk 
im  Inneren  der  Mulde  fast  völlig  fehlt,  nimmt  nach  NO 
etwas  und  nach  SW  beträchtlich  an  Mächtigkeit  zu.  Es 
baut  also  auf  den  horizontalen  Untergrund  eine  Hohlform 
auf,  in  der  die  herzynisch  streichenden  Triasschichten  ein¬ 
gebettet  liegen.  So  ergibt  sich  die  eigenartige  Tatsache, 
daß  eine  im  Unteren  Buntsandstein  bei  Zörnitz  angesetzte 
Bohrung  den  Kupferschiefer  ungefähr  in  derselben  Tiefe 
fand,  wie  andere  im  Muschelkalk  angesetzte  Bohrungen. 
Die  Mächtigkeitsdifferenz  der  Triassehichten  wird  durch 
das  verschieden  stark  verteilte  Ältere  Steinsalz  aus¬ 
geglichen.“  (Fulda,  a.  a.  O.) 

Fassen  wir  alles  dies  zusammen,  die  oben  betrachteten 
Verhältnisse  im  inneren  Winkel  des  subherzynen  Beckens, 
die  Verhältnisse  im  Bereich  des  oberen  Allertales  und 
die  der  Mansfelder  Mulde,  so  kommen  wir  zu  dem  Ergebnis, 
daß  in  diesen  Gebieten  die  Tektonik  des  Deck¬ 
gebirges  kein  Abbild  von  der  des  Untergrun¬ 
des  darstellt,  sondern  daß  beide  stark  verschieden 
sind;  weiter  daß  die  dazwischen  liegende  Salz¬ 
schicht  —  und  von  dieier  anscheinend  hauptsächlich 
das  Ältere  Steinsalz  —  den  großen  Aus¬ 
gleichskörper  darstellt,  der  die  Sättel  und 
Mulden  des  Deckgebirges  kompensiert  über 
einem  wesentlich  ruhiger  gelagerten  sub- 
salinaren  Grundgebirge.  Dieser  Gesichtspunkt  war 
maßsiebend  für  die  Konstruktion  des  Untergrundes  in  den 


,0)  E.  Fulda,  Bericht  über  Aufnahmen  auf  Bl.  Eisleben.  Jahrb. 
d.  Preuß.  Geolog.  Landesanst.  für  1921,  XLII,  S.  XXX  ff. 


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nun  zu  betrachtenden  zwei  Profilen  quer  durch 
das  subherzyne  Becken  (siehe  Tafel  6). 

Die  Profile  sind  im  Maßstab  1 : 100  000  für  Längen 
und  Höhen  gezeichnet  worden,  d.  h.  nicht  ü  b  e  r  h  ö  h  t. 
Eine  Überhöhung  ist  bei  derartigen  Profilen  unbedingt  zu 
vermeiden,  da  sie  naturgemäß  leicht  zu  falschen  tektonischen 
Vorstellungen  führt.  Weiter  ist  in  den  Profilen  der  tiefere 
Untergrund  auch  dort  mit  zur  Darstellung  gebracht  worden, 
wo  wir  nichts  über  ihn  wissen,  in  der  Überlegung,  daß  unsere 
gewöhnlichen  Profile  auch  deswegen  leicht  falsche  Vor¬ 
stellungen  hervorrufen,  weil  sie  nicht  tief  genug  herunter- 
gehen.  Die  Darstellung  des  Untergrundes  ist  gewiß  oft 
recht  hypothetisch;  aber  zu  einer  logischen,  geschlossenen 
Vorstellung  der  tektonischen  Gesamtverhältnisse  kommen 
wir  nur,  wenn  wir  auch  versuchen,  uns  über  das  Verhalten 
des  Untergrundes  klar  zu  werden  und,  ihn,  wenn  auch 
zunächst  hypothetisch,  zur  Dars+elhüi.?  .zu  bringen. 

Hier  sei  noch  *>r\\  ahnt,  daß  auf  den  Profilen  im  sub- 
salinaren  Untergrund  vermutete  Verwerfungen  nur  an 
wenigen  Stellen  eingezeichnet  sind.  Das  soll  selbstverständ¬ 
lich  nicht  heißen,  daß  im  übrigen  Gebiet  keine  vermutet 
werden.  Da  wir  aber  über  Auftreten  und  Art  der  Störungen 
im  Untergrund  gar  nichts  wissen,  so  ist  von  einer  hypo¬ 
thetischen  Einzeichnung  weiterer  Störungen  Abstand  ge¬ 
nommen  worden. 

Das  erste  Profil  zeugt,  wenn  wir  im  NO  beginnen,  zu¬ 
nächst  die  auf  den  Flechtinger  Höhenzug  sich  flach  nach 
SW  auflegende  Weferlingen  —  Schönebecker 
Triasplatte.  Sie  wird  durch  eine  nach  SW  einfallende 
Verwerfung  begrenzt,  jenseits  welcher  sich  der  bekannte 
„ A 1 1  e  r  t  a  l  g  r  a  b  e  n“  anschließt.  Dieser  ist,  wie  an  anderer 
Stelle  ausführlicher  dargelegt  wird11),  aufzufassen  als  nach 
SW  einfallondo  Spalte  im  Deckgebirge,  die 
sich  über  einer  Abbiegung  des  Untergrundes  bildete  und  die 
der  Anlaß  wurde  zum  Einströmen  der  Salzmassen  von 
unten  her  und  die;  andererseits  oben  durch  das  Nach¬ 
stürzen  von  langgestreckten  Schollen  an  Böschungssprüngen 
das  Aussehen  eines  Grabenbruches  bekam.  Daß  wir  es  hier 
mit  einer  Zerrung,  nicht  mit  einer  Pressung  zu  tun 


u)  r.  Woldstedt,  Die  Störungszone  des  Oberen  Allertals. 
JaJirb.  d.  Preuß.  Geolog.  Landesanst.  für  1924,  XLV. 

Vergl.  ferner  hierzu:  G.  Bkixckmeikr,  Geologische  Unter¬ 
suchungen  ain  Allertalgrahen.  Ahhandl.  d.  Preuß.  Geolog.  Landes- 
anstalt,  N.  F.,  Heft  9G.  Berlin  1924. 


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liabeii,  geht  vor  allem  aus  dem  völligen  Fehlen  von 
mit  omporgepreßten  Schichten  der  Älteren 
Trias  hervor,  wie  sie  sonst  vielfach  für  die  Salzstöcke 
charakteristisch  sind.  Offenbar  fand  das  Salz  Platz  genug 
zum  Aufsteigen,  und  so  lag  gar  kein  Anlaß  vor,  Schollen 
des  Nebengebirges  mit  emporzupressen. 

Nach  W  hin  folgt  die  Lappwaldmulde,  unter  der 
das  Salz  erheblich  reduziert  zu  sein  scheint  —  in  der 
Bohrung  Nr.  9  auf  Bl.  Groß-Twülpstedt  wurde  es  in  100  m 
Mächtigkeit  angetroffen  — ,  und  dann,  südwestlich  von  Rot- 
torf  a./Kley,  eine  flache  Keuperaufwölbung,  die  Fortsetzung 
von  Stilles  „Hasenwinkelachse“12),  unter  der  bei 
Heiligendorf  das  Zechsteinsalz  in  einer  Mächtigkeit  von 
mindestens  300  in  nachgewiesen  worden  ist. 

Nach  einer  geringen,  oberflächlich  zum  Teil  durch 
Tertiär  ausgefüllten  Einmuldung  steigen  die  Schichten  wieder 
auf,  und  zwar  zum  >L or  m  -  Sa tteh,  der  Fortsetzung  des 
Staßfurt — Egelner  Sattels.  Die  Bohrungen  Gr.  Steinum  1 
und  II  haben  beide  das  Zechsteinsalz  nur  aiigebohrt,  so 
daß  hier  der  weitere  Untergrund  hypothetisch  bleiben 
muß.  Das  Profil  schneidet  den  Dorm  dort,  wo  die  Achse 
der  Salzaufpressung  offenbar  gerade  eine  gewisse  Ein¬ 
rauldung  erfährt.  Sowohl  nach  SO  hin  scheint  wieder  ein 
Aufsteigen  der  Achse  stattzufinden  —  hier  tritt  wieder 
Unterer  Buntsandstein  zutage  — ,  als  ganz  besonders  nach 
NW  hin,  wro  die  mesozoische  Decke  bald  auseinander  tritt, 
um  dem  breiten  Salzstoek  von  Beienrode  Platz  zu 
machen,  der  sich  unter  der  Senke  von  Ochsendorf  verbirgt. 
Nach  einer  weiteren,  oberflächlich  wieder  mit  Tertiär  aus¬ 
gefüllten  Mulde  —  die  wir  mit  einer  Salzabwanderungszone 
in  Zusammenhang  bringen  dürfen  —  beginnen  die  mesozo¬ 
ischen  Schichten  nun  langsam  und  gleichmäßig  wieder 
anzusteigen  zum  Elm,  jener  vom  Dorm  so  völlig  verschie¬ 
denen,  flachen,  schildförmigen  Erhebung,  deren  Längs¬ 
erstreckung  nur  etwa  doppelt  so  groß  ist  wie  seine  Breite, 
und  die  von  Lachmann  als  „Rundhorst“  bezeichnet  wurde. 
Die  Aufwölbung  der  Schichten  ist  im  nördlichen  Teil  des 
Elms  am  weitesten  gegangen;  hier  treten  noch  Schichten 
des  Rot  zutage,  während  es  sonst  größtenteils  der  Obere 
Muschelkalk  ist,  der  die  Oberfläche  bildet.  Die  durchschnitt¬ 
liche  Neigung  der  Schichten  beträgt  nur  5°. 

Es  entsteht  nun  die  außerordentlich  wichtige  Frage:  In 
welcher  Form  ist  die  Salzlagerstätte  unter  dem  Elm  zu 

1?)  H.  Stille,  Karte  der  Saxonischen  Gebirgsbildung.  1922. 


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erw arten  und  welche  Höhenlage  und  Gestaltung  zeigt  der 
subsalinare  Untergrund?  Die  Bohrungen  Reitling  I  und  H 
haben  beide  die  Zech  Steinsalze  von  etwa  570  m  Tiefe  an  an¬ 
getroffen.  Von  besonderer  Wichtigkeit  ist  dabei  folgendes: 
An  den  Kernproben  der  Bohrung  Reitling  II 
war  im  Salz  ein  nach  unten  zunehmendes  Ein¬ 
fallen  zu  beobachten,  das  im  Jüngeren  Steinsalz 
20—26°,  in  der  Kaliregion  25—35°  und  schließlich  im 
Älteren  Steinsalz  35-  40°  betrug!  Dabei  beträgt,  wie  oben 
schon  erwähnt  wurde,  das  Einfallen  der  Muschelkalk¬ 
schichten  an  der  Oberfläche  durchschnittlich  nur  5°.  Vom 
Älteren  Steinsalz  hat  die  Bohrung  etwa  100  m  durchteuft. 
Nimmt  man  als  Gesamtmächtigkeit  des  Älteren  Steinsalzes 
etwa  300  m  an.  so  wird  man  bei  einem  Fallwinkel  von 
35 — 40°  auf  mindestens  noch  3 — 400  m  Salz  rechnen  können, 
ehe  der  subsalinare  Untergrund  zu  erwarten  wäre,  der 
danach  frühestens  in  einer  Höhenlage  von  etwa  1050 — 1100  m 
—  N.  N.  anzunehmen  wäre.  Das  aber  würde  bedeuten,  daß 
eine  nennenswerte  Aufwölbung  des  Unter¬ 
grundes  nicht  anzunehmen  ist,  sondern  daß  die 
Aufwölbung  des  Elms  zum  größten  Teil  einer  Anstauung 
im  Älteren  Steinsalz  entspricht,  in  dem  ja  nach  Ausweis 
der  beträchtlichen  Fallwinkel  erheblich  stärkere  Bewegun¬ 
gen  stattgefunden  haben  müssen  als  in  den  Deckschichten. 

In  unserem  Profil  folgt  nach  SW  hin  die  Schöppen  - 
stedter  Mulde,  in  der  keinerlei  Bohrungen  in  den 
tieferen  Untergrund  Vordringen.  Das  Profil  nimmt  im 
Untergrund  wieder  eine  Salzabwanderungszonc 
an,  die  die  Anstauung  unter  der  Asse  und  dem  Elm  kom¬ 
pensiert. 

Die  Asse  selbst  wird  vom  Profil  im  Schacht  UI  der 
Gewerkschaft  „Asse“  geschnitten,  der  bis  etwa  400  m  Tiefe 
ein  mächtiges  Trümmergebirge,  darunter  gleich  das  Ältere 
Steinsalz  bis  800  m  Tiefe  antraf.  Der  Bau  der  mesozoischen 
Schichten  ist  ein  wesentlich  anderer  als  beim  Elm;  sie 
erscheinen  hier  mehr  nur  randlich  aufgebogen  und  geschleppt 
durch  das  empordringendo  Salz.  Im  Untergrund  ist  ver¬ 
mutungsweise,  wie  beim  Dorm,  eine  Verwerfung  ein¬ 
gezeichnet,  um  anzudeuten,  daß  dem  Salzauftrieb  an  dieser 
Stelle  vielleicht  ein  Sprung  zugrunde  liegt. 

Südlich  der  Asse  folgt  die  Remlingen  —  P  a  b  s  t  o  r  - 
f  e  r  Mulde,  die  in  der  Höhe  unseres  Profils  bereits  die 
obere  Kreide  als  jüngste  Schicht  zeigt  und  unter  der  eben¬ 
falls  eine  Salzabwanderungszone  anzunehmen  ist 


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Dem  Elm  vergleichbar  ist  die  breite,  flache  Auf¬ 
wölbung  des  Großen  Fallsteins.  Seine  Oberfläche 
wird  ganz  nur  vom  Oberen  Muschelkalk  gebildet  Leider 
fehlt  es  hier  gänzlich  an  tieferen  Bohrungen,  so  daß  unsere 
Vorstellungen  über  den  Untergrund  hypothetisch  bleiben 
müssen.  Wir  dürfen  aber  entsprechend  den  Bohrungen  am 
Elm  unter  einem  imgestörten  Deckgebirge  eine  gewisse 
Salzanstauung  und  darunter  einen  relativ  ungestörten 
Untergrund  an  nehmen. 

Am  Südwesthang  des  Großen  Fallsteins  biegen  sich 
die  Schichten  etwas  starker  herab,  und  in  der  nun  folgenden 
Mulde  erscheint  nun  auch  die  Oberste  Kreide.  Das  Profil 
mußte  hier  um  einige  Kilometer  nach  W  verschoben  werden, 
um  den  Harli  mit  hinein  zu  bekommen. 

Der  Harli  zeigt  einen  ausgeprägt  ungleichseitigen 
Bau.  Der  Nordflügel  erscheint  „hochgeklappt",  so  daß  hier 
das  Salz  bis  nahe  an  die  Oberfläche  kommt  und  mit  einer 
Verwerfung  an  sämtliche  Schichten  vom  Unteren  Bunt¬ 
sandstein  bis  zur  Unteren  Kreide  grenzt. 

Auch  hier  ist  nicht  anzunehmen,  daß  der  Untergrund 
eine  nennenswerte  Aufwölbung  zeigt;  vielmehr  wird  auch 
hier  das  Salz  den  Ausgleichskörper  bilden.  Denn  berechnet 
man  nach  den  wahrscheinlichen  Mächtigkeiten  etwa  die 
Unterkante  des  Buntsandsteins,  so  findet  man,  daß 
sie  trotz  des  gänzlich  verschiedenen  Baues  von  Nord-  und 
Südflügel  in  geringer  Entfernung  sowohl  nach  N  als  auch 
nach  S  hin  fast  dieselbe  Höhenlage  einnehmen  muß;  und 
entsprechendes  kann  man  für  die  Unterkante  des  Salzes 
annehmen. 

Eine  Berechnung  der  Höhenlage  des  subsalinaren  Unter¬ 
grundes  in  dem  Gebiet  zwischen  Harli  und  Harz,  wo  der 
Untergrund  am  tiefsten  abgesunken  ist,  ist  natürlich  nur 
angenähert  möglich,  vor  allem,  weil  die  Mächtigkeit  des 
etwa  noch  vorhandenen  Salzes  und  der  Kreide  unbekannt 
ist.  Die  Mächtigkeit  der  Deckschichten  kann  zu  etwa 
2400  m  angenommen  werden  (Kreide  700  bis  900  m,  Jura 
200  bis  600  m,  Trias  1100  bis  1300  m).  Nimmt  man  darunter 
noch  100  bis  200  m  Salz  an,  so  käme  man  auf  eine  Lage 
des  subsalinaren  Untergrundes  in  rund  2500  m  unter  der 
Oberfläche.  Berücksichtigt  man  weiter,  daß  darunter  noch 
die  Schichten  des  Mittleren  und  Unteren  Zechsteins,  viel¬ 
leicht  des  Botliegenden,  ferner  noch  weiteres  Paläozoikum 
liegt,  ehe  man  in  entsprechende  Horizonte  kommt,  wie  sie 
hier  auf  der  Höhe  des  Harzes  auftreten,  so  kann  man 
Zeitscbr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1924.  13 


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194 


danach  die  Höhe  des  Verwurfes  zu  mindestens  3000  m 
ansetzen. 

Wir  kommen  schließlich  in  unserem  Profil  ins  unmittel¬ 
bare  Harzrandgebiet,  wo  die  Schichten  des  Mesozoikums 
in  schmaler  Zone  steil  aufgerichtet  und  auf  längere  Er¬ 
streckung  hin  überkippt  sind,  so  daß  sie  bis  60°  nach  S 
hin  einfallen.  Mit  ähnlichem  Winkel  fällt  die  Grenzfläche 
gegen  das  Harzpaläozoikum  ein  —  es  handelt  sich  also 
um  eine  regelrechte  Überschiebungsfiäche.  Art  und 
Alter  des  tektonischen  Vorgangs  sind  ja  von  Schröder  im 
einzelnen  genau  nachgewiesen  worden13);  es  handelt  sich 
um  eine  Bewegung  der  Harzscholle  nach  oben  und  nach 
NO  oder,  was  auf  dasselbe  hinauskommt,  um  eine  Be¬ 
wegung  des  Harzvorlandes  nach  unten  und  nach  SW. 

Im  Gegensatz  dazu  stehen  die  Verhältnisse  an  der 
nordöstlichen  Umrandung  des  subherzynen  Beckens:  au 
der  Südwestflanke  des  Flechtin  ge  r  Höhenzugs  ist 
eine  Aufrichtung  der  mesozoischen  Sedimente  nicht  vor¬ 
handen,  sondern  diese  lagern  sich  normal  auf  das  allmählich 
nach  SW  untertauchende  Paläozoikum  auf.  Zwar  fehlt  es 
nicht  an  Sprüngen;  aber  hier  handelt  es  sich  anscheinend 
fast  überall  um  echte  Verwerfungen,  an  denen  das  Hangende 
abgesunken  ist,  soweit  es  nicht  überhaupt  Verwerfungen 
sind,  die  lediglich  mit  der  Auslaugung  der  Zechsteinsalze 
Zusammenhängen.  An  der  Nordostflanke  des  Flechtinger 
Höhenzuges14)  dagegen  zeigt  sich  eine  ähnliche  Aufrich- 
tungs-  und  Überkippungszon©  wie  am  Nordrande  des  Harzes, 
während  andererseits  der  Südrand  des  Harzes  dieselbe 
flache  Auflagerung  der  Schichten  zeigt  wie  die  Südwest¬ 
flanke  des  Flechtinger  Höhenzuges.  Beide  paläozoischen 
Rahmen  zeigen  sonach  denselben  einseitigen  Bau, 
der  für  die  tektonische  Gesamtauffassung  des  subherzynen 
Beckens  von  Bedeutung  ist. 

Das  zweite  Profil  erstreckt  sich  von  der  Gegend 
südöstlich  Magdeburg  (Salpke)  zum  Harz  westlich  von 
Ballenstedt.  Es  hat  nur  eine  Länge  von  55  km,  weil  Harz 
und  Flechtinger  Höhenzüg  hier  noch  nicht  so  weit  diver- 


1S)  H.  Schröder,  „Übergreifende  Lagerung  des  oberen  Emscher 
zwischen  Oker  und  Harzhurg  usw.“  Abhandl.  d.  Preuß.  Goolog. 
Landesanst.,  N.  F.,  Heft  56,  1909,  und  „Exkursion  in  das  nörd¬ 
liche  Harzrandgebiet“.  Führer  z.  d.  Exkurs,  d.  D.  Geol.  Ges.  1920. 

14)  Vergl.  den  östlichen,  angehängten  Teil  des  Profiles  I,  der 
gegenüber  dem  Hauptprofil  um  einige  Kilometer  nach  SO  ver¬ 
schoben  ist. 


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gieren  wie  beim  Profil  I.  Es  wurde  konstruiert  unter  Zu¬ 
hilfenahme  der  im  Erscheinen  begriffenen  Blätter  Schöne¬ 
heck,  Gr.  Ottersleben,  Atzendorf,  Egeln,  Köchstedt,  Wege¬ 
leben  und  Ballenstedt  der  Geologischen  Spezialkarte  1 :  25  000. 

Wie  im  ersten  Profil,  so  legen  sich  auch  hier  über  Kulm 
und  Rotliegendes  des  Flechtinger  Höhenzuges  die  Schichten 
des  Zechsteins  und  des  Buntsandsteins  mit  flachem,  nach  SW 
gerichtetem  Einfallen.  Bei  Sü lldorf  wird  die  Decke 
der  mesozoischen  Sedimente,  die  sich  hier  flexurartig  herab¬ 
biegt,  mächtiger.  Wir  haben  hier  das  Verbindungs¬ 
glied  vor  uns  von  der  Groß-Salzer  Disloka¬ 
tionszone  im  SO  zur  Störungszone  des  oberen 
Allertals,  wie  dies  ja  bereits  früher  von  Seidl  hervor¬ 
gehoben  werden  ist15).  Es  folgt  die  außerordentlich  flache 
Altenweddinger  Mulde,  die  der  Lappwaldmulde 
entspricht  und  in  der  Hauptsache  Mittleren  Keuper,  außer¬ 
dem  etwas  Tertiär  enthält.  Die  Schichten  biegen  sich  weiter¬ 
hin  zu  einem  flachen  Sattel  auf  —  bei  Bisdorf,  etwas  süd¬ 
lich  unseres  Profils,  kommt  Unterer  Muschelkalk  an  die 
Oberfläche  — ,  um  sich  nach  einer  erneuten  flachen  Ein- 
muldung  zum  Staßfurter  Sattel  zu  öffnen,  in  dem 
die  Zechsteinsalze  nur  durch  lockere  Bildungen  von  der 
Oberfläche  getrennt  sind. 

Der  Staßfurter  Sattel,  dessen  Verhältnisse  ja 
genügend  bekannt  sind,  zeigt  einen  einseitigen  Bau;  die 
Ostflanke  ist  fast  überall  wesentlich  steiler,  stellenweise 
sogar  überkippt.  Unser  Profil  schneidet  den  Sattel  an 
einer  Stelle,  wo  er  breiter  ist  als  gewöhnlich.  Die  Breite 
der  offenen  Saizf lache  beträgt  hier  fast  1,5  km.  Wenig 
südöstlich  von  unserem  Profilschnitt  steht  das  schon 
erwähnte  Bohrloch  Eu  bei  Unseburg,  das  den  Mittleren 
Zechstein  in  ungefähr  1180  m  —  N.  N.  antraf.  Auf  beiden 
Flanken  des  Staßfurter  Sattels  sind  Tertiärmulden  vorhanden, 
deren  Lagerung  diskordant  zu  der  des  Mesozoikums  ist, 
was  besonders  deutlich  bei  der  nordöstlichen  Mulde  her¬ 
vortritt. 

Nach  SW  hin  steigen  die  Schichten  weiter  zur 
flachen  Aufwölbung  des  Hackeis  an,  in  dem 
im  allgemeinen  der  Untere  Muschelkalk,  in  einer  schmalen 
Zone  auch  der  Röt,  die  Oberfläche  bildet.  Wie  vorher 
beim  Elm  und  beim  Großen  Pallstein,  welch’  letzterem  ja 


15)  E.  Seidl,  Die  Permische  Salzlagerstätte  im  Graf-Moltke- 
Schacht.  Archiv  für  Lagerstättenforschung,  Heft  10,  S.  10. 

18* 


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der  Hackel  entspricht,  so  erhebt  sich  auch  hier  wieder  die 
Frage:  In  welcher  Tiefe  etwa  ist  der  subsalinare  Unter¬ 
grund  anzunelimen?  Die  Bohrung  Hausneindorf,  nördlich 
unseres  Profils,  hat  die  Oberkante  des  Älteren  Steinsalzes 
bei  etwa  720  m,  eine  Bohrung  bei  Friedrichsaue,  südlich 
unseres  Profils,  dieselbe  bei  etwa  1080  m  angetroffen.  Wir 
haben  keinen  Anlaß,  hier  eine  wesentlich  höhere  Lage 
des  subsalinaren  Untergrundes  anzunehmen  als  etwa  unter 
dem  Staßfurter  Sattel.  Die  Südegelnsche  und  die  Halber- 
städter  Mulde  sind  als  Salzabwanderungszonen  aufzufasson, 
die  durch  ein  Anstauungsgebiet  unter  dem  Hackel  kom¬ 
pensiert  werden. 

Die  flache  Halberstädter  Mulde  zeigt  als  Jüng¬ 
stes  bereits  Schichten  des  Cenomans  und  Turons,  während 
die  südliche  Blankenburger  Mulde  über  der  Trias 
Teile  des  Jura,  der  Unteren  Kreide,  ferner  fast  die  gesamte 
Obere  Kreide  zeigt. 

Dazwischen  liegt  der  scharf  gestaute Quedlinburger 
Sattel,  den  unser  Profil  in  den  Sewecken-Bergen  schneidet 
und  der  dem  Harli-Sattel  unseres  ersten  Profils  entspricht. 
Leider  scheint  im  Bereich  dieses  Sattels  nach  Kalisalzen 
niemals  gebohrt  worden  zu  sein.  Es  ist  nicht  ausgeschlossen, 
daß  der  Bau  des  Sattels  ein  wesentlich  anderer  ist,  als  er 
sich  an  der  Oberfläche  zu  erkennen  gibt. 

Die  Verhältnisse  im  unmittelbaren  Harzrandgebiet  ent¬ 
sprechen  völlig  den  oben  beim  ersten  Profil  besprochenen 
und  brauchen  deshalb  hier  nicht  nochmals  erörtert  zu 
werden. 

Betrachten  wir  nun  die  Profile  nochmals  als  Ganzes, 
so  springt  folgendes  besonders  ins  Auge: 

1.  Der  subsalinare  Untergrund  sinkt  lang¬ 
sam  nach  SW  hin  ein.  Wie  dies  im  einzelnen  vor 
sich  geht,  wissen  wir  nicht.  Er  wird  vielleicht  nicht  so 
gleichmäßig  einsinken,  wie  unser  Profil  dies  annimmt.  Aber 
jedenfalls  ist  der  Gesamteffekt  eine  be¬ 
trächtliche  Absenkung  nach  SW  hin,  so  daß 
hier  der  subsalinare  Untergrund  um  2000  bis 
3000  m  tiefer  liegt  als  im  KO  einerseits, 
im  Harz  andererseits.  Die  Dicke  der  aufgelagerten 
Sedimente  nimmt  nach  SW  hin  entsprechend  zu. 

2.  Der  subsalinare  Untergrund  zeigt  nicht 
denselben  Faltenbau  wie  das  Deckgebirge, 
sondern  erscheint  wesentlich  ruhiger.  Das  ist  für  große 


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197 

Teile  der  Profile  Hypothese,  hat  aber  unter  Berücksichti¬ 
gung  der  Verhältnisse  in  anderen  Gebieten  hohe  Wahr¬ 
scheinlichkeit  für  sich. 

3.  Das  Deckgebirge  zeigt  einen  wellen¬ 
förmigen  Bau;  es  ist  „gefaltet".  Und  zwar  ist 
ein  gewisser  Rythmus,  ein  Abwechseln  von  steilen 
Sätteln  und  flachen  Aufwölbungen  vorhanden. 
Dorm,  Asse  und  Harli  treten  in  Gegensatz  zu  Elm  und 
Fallstein;  beim  zweiten  Profil  liegt  die  flache  Aufwölbung 
des  Hackeis  zwischen  dem  steileren  Staßfurt— Egeiner  und 
dem  Quedlinburger  Sattel. 

4.  Als  ganz  anders  geartete  Form  er¬ 
scheint  das  Obere  Allertal.  Denn  während  bei 
den  anderen  Aufwölbungen  an  beiden  oder  wenigstens  an 
einer  Seite  der  stratigraphische  Zusammenhang  des  Salzes 
mit  dem  angrenzenden  Unteren  Buntsandstein  (bzw.  den 
Zechsteinletten)  gewahrt  erscheint,  ist  beim  Oberen  Allertal 
das  Salz  völlig  aus  dem  stratigraphischen  Verband  heraus¬ 
getreten  und  in  ein  höheres  Niveau  emporgequollen,  eine 
Lücke  im  Deckgebirge  von  fast  2  km  Breite 
ausfüllend,  —  Erscheinungen,  die  wir  nur  durch  eine 
Zerrung  dieses  Gebietes  erklären  können. 

5.  Die  Deckgebirgsschichten  erscheinen 
im  NO  an  der  Allertalspal te  abgerissen  und 
nach  SW  zu  Falten  zusam menge dr ängt.  Es  ist 
dabei  zu  einer  Abscherung  der  Deckschichten  über  dem 
Untergrund  gekommen,  wobei  das  Salz  als  Vermittler 
erscheint. 

6.  Eine  Zunahme  der  Intensität  der  Faltungserschei¬ 
nungen  nach  SW  hin  —  entsprechend  der  zunehmenden 
Tiefe  des  subherzynen  Beckens  —  ist  nicht  zu  verkennen. 

Zweifellos  ist  hier  im  SW  ein  Längenüberschuß  der 
Sedimentdecke  vorhanden,  wenn  man  sich  etwa  die  hoch¬ 
geklappten  Flügel  —  z.  B.  beim  Harli  oder  beim  Quedlin* 
burger  Sattel  —  wieder  heruntergeklappt  denkt. 

Es  entsteht  nun  die  Frage,  welche  tektonische  Auf¬ 
fassung  diesen  Verhältnissen  am  meisten  gerecht  wird. 

Von  ganz  besonderer  Wichtigkeit  ist  da  das  Neben¬ 
einandervorkommen  von  Erscheinungen,  die 
zweifellos  auf  Zerrung  hin  weisen  (Oberes  Aller- 
tal)  neben  solchen,  die  Pressungserschei¬ 
nungen  sind  (im weiteren Harzvorlande).  Nach  allem, 
was  wir  über  das  Alter  der  Vorgänge  wissen, 
können  wir  die  Erscheinungen  nicht  zeitlich 


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198 


trennen,  sondern  sie  sind  als  gleichzeitig 
anzusehen.  Zum  mindesten  gilt  dies  für  die  letzte 
tektonische  Hauptphase,  die  wir  noch  deutlich  verfolgen 
können :  die  Oberkreidephase. 

Es  ist  ohne  weiteres  klar,  daß  das  gleichzeitige  Vor¬ 
kommen  von  Zerrungs-  und  Pressungserscheinungen  mit 
der  Vorstellung  einer  „Rahmenfaltun g“  schwer  zu 
vereinigen  ist.  Diese  Vorstellung  ist  deshalb  für 
das  subherzyne  Becken  nicht  aufrecht  zu 
erhalten.  Wie  aber  ist  dann  der  zweifellos  vorhandene 
Zusammenschub  der  Schichten  zu  erklären?  Hier  ist  m.  E. 
ein  Zusammenwirken  mehrerer  Faktoren  vor¬ 
handen  gewesen.  Im  tieferen  Untergrund  fanden  Schollen¬ 
verschiebungen  statt,  die  sich  in  einem  Einkippen  der 
subherzynen  Scholle  gegenüber  der  Harz¬ 
scholle  äußerten16).  Diesen  Bewegungen  folgte  die  meso¬ 
zoische  Decke  nur  passiv:  am  Harzrand  wurde  sie  mehr 
oder  weniger  stark  „geschleppt“,  auf  der  Südwestflanke  des 
Flechtinger  Höhenzuges  wurde  sie  auseinandergezerrt.  Es 
entstand  ein  flacher,  ungleichseitiger  Trog17),  dessen  kom- 
}>ensierendes  Zerrgebiet  einerseits  im  NO  (Südwestfianko 
des  Flechtinger  Höhenzuges,  Oberes  Allertal),  andererseits 
über  dem  Harz  vorhanden  ist.  Im  Innern  de3  so  gebildeten 
subherzynen  Troges  aber  entstand  infolge  der  Schiefstellung 
des  Untergrundes  ein  gewisser  seitlicher  Druck  im  Deck¬ 
gebirge,  da  dieses  unter  dem  Einfluß  der  Schwere  nach 
der  tiefsten  Stelle  des  Troges  drängte.  Im  unmittelbaren 
Harzvorland  wirkte  der  direkte  Druck  der  Harzschoilo. 
In  diesem  Sinne  bestand  also  im  subherzynen 
Becken  ein  tangentialer  Druck. 

Ein  weiterer  sehr  wichtiger  Faktor  kommt  hinzu:  die 
vertikal  wirkende  Kraft  des  Saizauftriebs. 

Daß  für  den  Salzauftrieb  kein  tangentialer  Druck  not¬ 
wendig  ist,  wie  Stille  dies  annimmt,  scheint  mir  mit 
Sicherheit  daraus  hervorzugehen,  daß  das  Salz  auch 
in  Zerr  ge  bieten,  wie  im  Oberen  Allertal,  aufge- 

16)  Die  vorliegende  Arbeit  war  fertig  abgeschlossen  und 
Anfang  Februar  1924  in  einer  Sitzung  der  Pr.  Geol.  Landes-Anstalt 
vorgetragen,  als  der  QuiRiNGsche  Vortrag  „Ober  Wesen  und 
Ursprung  der  postvaristischen  Tektonik  Norddeutschlands“,  in 
dem  die  Theorie  der  Schrägschollen  im  Untergründe  Nordwest¬ 
deutschlands  ausführlich  behandelt  wird,  in  der  D.  Geol.  Gesellschaft 
gehalten  wurde 

17)  Vcrgl.  die  bekannten  Arbeiten  von  K.  Lehmann.  Glückauf 
1919  und  1920. 


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stiegen  ist.  Tangentialer  Druck  mag  den  Salzauftrieb 
oft  genug  befördern,  Bedingung  ist  er  m.  E.  nicht  dafür, 
sondern  die  Grundursache  ist  das  völlig  verschiedene  physi¬ 
kalische  Verhalten  von  Salz  und  Deckgebirge,  insbesondere 
der  Unterschied  der  spezifischen  Gewichte, 
der  unter  bestimmten  Umständen  zu  einer  Umlagerung 
der  spezifisch  verschieden  schweren  Massen  führen  kann. 

Im  Zusammenhang  mit  der  Ausbildung  des  subherzynen 
Troges  wurde  unser  Gebiet  durch  her  zynisch  gerichtete, 
langgestreckte  Sprünge  in  schmale  Streifen  zerlegt.  Wie  weit 
diese  Sprünge  den  Untergrund  mit  betrafen,  wie  weit  nur 
das  Deckgebirge,  das  ist  für  (den  Salzauftrieb  einerlei. 
Überall  dort,  wo  das  Deckgebirge  geschwächt  war,  drängte 
das  Salz  empor.  Es  ist  nun  klar,  daß  eine  nur  auf  einzelnen, 
ganz  bestimmten  Linien  angreifende  vertikale  oder, 
besser  gesagt,  zentrifugale  Kraft,  wie  es  der  Salz¬ 
auftrieb  darstellt,  zur  Ausbildung  eines  Faltensystem 3  führen 
mußte,  wenn  im  Deckgebirge  eine  tangentiale  Spannung 
vorhanden  war. 

Wir  können  uns  dies  durch  das  nebenstehende  Schema 
(Abb.  3)  verdeutlichen:  Eine  Platte  steht  unter  seitlichem 
Druck;  sie  ist  senkrecht  zum  Druck  durch  Fugen  ge- 


H- ■■-f— :-r  - ■) 

"4  —  ^ — K 

Abb.  3.  Erklärung  siehe  Text. 


schwächt.  Greift  an  diesen  eine  vertikal  nach  oben 
wirkende  Kraft  an,  so  wird  die  Platte  wellenförmig  ver¬ 
bogen  werden. 

Daß  das  entstehende  Faltenbild  den 
eigentümlichen,  oben  erwähnten  Rythmus 
zwischen  breiten  und  flachen  Sätteln  zeigt, 
das  hängt  weiterhin  mit  der  Art  des  Salzauf¬ 
triebes  zusammen.  Dort,  wo  langgestreckte  Sprünge 
das  Deckgebirge  geschwächt  hatten,  drang  zunächst  das 
Salz  empor,  die  schmalen  Sättel  vom  Typus  des  Dorms, 
der  Asse,  des  Harli  usw.  bildend.  Das  Hineinfließen  des 
Salzes  in  die  Auf pressungszonen  führte  zur  Ausbildung  lang¬ 
gestreckter  Mulden,  die  die  Sättel  zu  beiden  Seiten  be¬ 
gleiten.  Sind  dazwischen  breitere  Gebiete  mit  relativ 
ungestörtem  Deckgebirge  vorhanden,  so  kommt  es  zur  Aus- 


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200 


bildung  von  „MittelsätteLn“  im  Sinne  von  Schuh18),  in 
denen  jedoch  nicht  ein  völliges  Fehlen  der  Salzwanderungs 
bewegungen  anzunehmen  ist,  sondern  in  denen  eine 
Wanderung  des  Salzes  zur  Mitte  hin  stattfindet, 
die  im  Laufe  der  Zeit  zu  einer  Verstärkung  des  Mittel¬ 
satteis  führen  muß.  Elm,  Hackel  und  Großer  Fall¬ 
stein  sind  als  solche  weiter  entwickelten 
„Mittelsättel“  auf  zu  fassen. 

Die  geschilderten  Verhältnisse  haben  sich  in  unserem 
Gebiet  seit  der  Jurazeit  herausgebildet.  Wenn  auch  die 
kimmerische  und  die  senone  Phase  besonders  wichtig  waren, 
so  hat  es  doch  in  den  anderen  Zeiten  wohl  nicht  an  Be¬ 
wegungen  gefehlt.  Ein  prinzipieller  tektonischer  Unter¬ 
schied  zwischen  einer  Zerrphase  im  Oberen  Jura  und  einer 
Schubphase  im  Senon,  wie  Schuh  annimmt,  scheint  in 
unserem  Gebiet  nicht  vorhanden  gewesen  zu  sein,  sondern 
beide  Phasen  dürften  hier  im  wesentlichen  gleichartig  ver¬ 
laufen  sein,  jedenfalls  insofern,  als  beide  Male  Zerrung 
und  Zusammenschub  gleichzeitig  nebeneinander  vorkamen. 


Zusammenfassung. 

Beobachtungen  in  den  Randgebieten  sowie  die  aller¬ 
dings  an  Zahl  geringen,  sehr  tiefen  Bohrungen  innerhalb 
des  subherzynen  Beckens,  ferner  Beobachtungen  aus  anderen 
Gebieten  (Mansfelder  Mulde)  lassen  mit  großer  Wahrschein¬ 
lichkeit  unter  der  Faltendecke  des  Mesozoi¬ 
kums  eine  relativ  ruhig  gelagerte,  von  NO 
nach  SW  einsinkende  Oberfläche  des  sub- 
salinaren  Untergrundes  annehmen.  Sättel  und 
Mulden  der  Oberfläche  wrerden  anscheinend  zum  größten 
Teil  kompensiert  durch  die  verschiedene  Ver¬ 
teilung  des  Salzes,  das  unter  den  Sätteln  angestaut, 
unter  den  Mulden  abgewandert  ist19). 

Für  das  subherzyne  Becken  ist  die  Vor¬ 
stellung  der  ^ahmenfaltung"  abzulehnen. 
Denn  es  sind  nicht  nur  Pressungsgebiete,  sondern  auch  Zerr¬ 
gebiete  vorhanden.  Ebenso  ist  für  unser  Gebiet 
die  Vorstellung  der  „In jekti vfaltung“,  soweit 
sie  die  Salzaufpressungen  lediglich  durch  tangentialen  Druck 


18)  F.  Schuh,  Beitrag  zur  Tektonik  unserer  Salzstöcke. 
Zeitschr.  .,Kali“,  16.  Jahrg.  1922,  Heft  1. 

*9)  In  den  Mulden  mag  es  (Vielfach  sogar  zu  einer  völligen 
Ausquetschung  des  Salzes  gekommen  sein. 


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201 


erklären  will,  abzulehnen.  Denn  das  Salz  ist  auch  in 
den  Zerrgebieten  aufgestiegen,  was  nicht  möglich  wäre, 
wenn  für  den  Salzaufstieg  tangentialer  Druck  notwendig 
wäre.  Dieser  letztere  mag  häufig  hinzukommen;  in  der 
Hauptsache  dürfte  es  aber  der  Druck  der  Sedimente  sein, 
der  das  Salz  isostatisch  zum  Aufsteigen  zwingt 

Das  subherzyne  Becken  ist  weder  rein 
tektonisch  durch  tangentialen  Druck,  wie 
Stille  annimmt,  noch  durch  reine  Vertikal¬ 
bewegungen  mit  Salzaufstieg,  wie  etwa  Lach¬ 
mann  es  sich  vorstellte,  zu  erklären,  sondern 
es  entstand  durch  ein  kompliziertes  Zu¬ 
sammenwirken  von  Schollenbewegungen  im 
Untergrund  (Einkippen  der  subherzynen 
Scholle  nach  SW  hin),  von  Zusammenschub- 
bewegungen  nach  dem  Innern  des  Troges  hin 
und  von  isostatischen  Auftriebsbewegungen 
des  Salzes. 

[Manuskript  eingegangen  am  28.  Mai  1924.] 


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202 


Verzeichnis 

der  der  Bücherei  seit  1918  einverleibten 
periodischen  Veröffentlichungen. 

Die  letzte  Bekanntgabe  der  bei  der  Gesellschaft  ein¬ 
gegangenen  periodischen  Veröffentlichungen  erfolgte  im  69. 
Bande  dieser  Zeitschrift  im  Jahre  1917. 

Nachdem  nunmehr  der  durch  den  Weltkrieg  unter¬ 
brochene  Austauschverkehr  in  weiterem  Umfang  wieder 
aufgenommen  ist,  erscheint  es  an  der  Zeit,  insbesondere 
denjenigen  Mitgliedern  die  Neueingänge  bekannt  zu  geben, 
die  nicht  Gelegenheit  haben,  diese  in  den  Monatssitzungen 
einzusehen. 

Die  nachfolgende  Liste  enthält  die  Titel  aller  Periodica* 
die  seit  1918  der  Bücherei  zugingen,  unbekümmert  darum, 
ob  die  Reihen  unvollständig  sind,  sei  es  weil  der  Austausch¬ 
verkehr  erst,  nach  1918  aufgenommen,  sei  es  weil  er 
inzwischen  abgebrochen  wurde. 

Ein  ausführlicheres  Verzeichnis  zu  bringen,  verbietet 
der  Raum;  es  soll  in  dem  Bibliothekskatalog  veröffentlicht 
werden,  dessen  Druck  von  der  Hauptversammlung  grund¬ 
sätzlich  beschlossen  wurde.  ^  .  ... 

Dienst,  Archivar. 

Deutschland. 

Preußen. 

Berlin  Zeitschrift  der  Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 

--  Preußische  Geologische  Landesanstalt. 

Jahrbuch.  —  Abhandlungen.  —  Archiv  für  Lagerstätten¬ 
forschung.  —  Beiträge  zur  geologischen  Erforschung  der 
deutschen  Schutzgebiete.  —  Mitteilungen  aus  den  Labo¬ 
ratorien.  —  Geologische  Literatur  Deutschlands, 
a)  Jährlicher  Literaturbericht,  b)  Literatur  über  ein¬ 
zelne  Gebiete.  —  Zur  W'ünschelrutenfrage. 

—  Sitzungsberichte  der  Preußischen  Akademie  der  Wissen¬ 
schaften. 

—  Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinen  wesen 
im  Preußischen  Staate. 

--  Jahresbericht  der  Gesellschaft  für  Höhlenforschung  und 
Höhlenkunde  in  Berlin. 


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203 

Bielefeld  Berichte  des  Naturwissenschaftlichen  Vereins  für 
Bielefeld  und  Umgegend. 

Bonn  Naturhistorischer  Verein  der  preußischen  Rheinlande 
und  Westfalens.  Verhandlungen.  —  Sitzungsberichte. 

Breslau  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Kultur. 
Jahresberichte.  —  Beihefte  zu  den  Jahresberichten,  fort¬ 
gesetzt  als:  Schlesische  Jahrbücher  für  Geistes-  und 
Naturwissenschaften. 

Frankfurt  a.  M.  Senckenbergische  Naturforschende  Gesell¬ 
schaft.  Abhandlungen.  —  Berichte,  fortgesetzt  als:  Aus 
Natur  und  Museum. 

Görlitz  Abhandlungen  der  Naturfo rächenden  Gesellschaft  zu 
Görlitz. 

Greifswald  Mitteilungen  aus  dem  naturwissenschaftlichen 
Verein  für  Neuvorpommern  und  Rügen  in  Greifswald. 

Halle  a.  S.  Abhandlungen  der  Leopoklinisch-Carolinischen 
Deutschen  Akademie  der  Naturforscher. 

Kiel  Schriften  des  Naturwissenschaftlichen  Vereins  für 
Schles  wig-Ho  Istein . 

Königsberg  i.  Pr.  Schriften  der  Physikalisch-ökonomischen 
Gesellschaft  zu  Königsberg  i.  Pr. 

—  Geologisches.  Archiv,  Zeitschrift  für  das  Gesamtgebiet 
der  Geologie. 

Lüneburg  Jahreshefte  des  naturwissenschaftlichen  Vereins 
für  das  Fürstentum  Lüneburg. 

Magdeburg  Abhandlungen  und  Berichte  aus  dem  Museum 
für  Natur-  und  Heimatkunde  und  dem  Naturwissen¬ 
schaftlichen  Verein  in  Magdeburg. 

Offenbach  Bericht  über  die  Tätigkeit  des  Offenbacher  Ver¬ 
eines  für  Naturkunde. 

Wiesbaden  Jahrbücher  des  Nassauischen  Vereins  für  Natur¬ 
kunde. 

Bayern. 

Augsburg  Berichte  des  Naturwissenschaftlichen  Vereins  für 
Schwaben  und  Neuburg,  früher  Natur  historischen  Ver¬ 
eins  in  Augsburg. 

München  Bayerische  Akademie  der  Wissenschaften;  Ma¬ 
thematisch-physikalische  Klasse. 

—  Sitzungsberichte.  —  Abhandlungen.  —  Festreden,  ge¬ 
halten  in  den  öffentlichen  Sitzungen  zur  Feier  des 
Stiftungstages. 

—  Geognostische  Jahreshefte. 

—  Deutscher  und  österreichischer  Alpenverein. 
Mitteilungen.  —  Zeitschrift. 


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204 


Nürnberg  Naturhistorische  Gesellschaft  zu  Nürnberg. 
Jahresberichte.  —  Abhandlungen. 

Regensburg  Naturwissenschaftlicher  (früher  zoologisch- 
mineralogischer)  Verein  zu  Regensburg. 

Berichte.  —  Abhandlungen  (erscheinen  in  München). 

Sachsen. 

Dresden  Sitzungsberichte  und  Abhandlungen  der  Natur¬ 
wissenschaftlichen  Gesellschaft  Isis  in  Dresden. 

Freiberg  i.  Sa.  Berichte  der  Freiberger  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft. 

Leipzig  Gesellschaft  für  Erdkunde  zu  Leipzig. 

Mitteilungen.  —  Wissenschaftliche  Veröffentlichungen. 

-  -  Aus  der  Natur.  Zeitschrift  für  den  naturwissenschaft¬ 
lichen  und  erdkundlichen  Unterricht. 

Thüringen. 

Gotha  Dr.  A.  Petermanns  Mitteilungen  aus  Justus  Perthes4 
Geographischer  Anstalt. 

Württemberg. 

Stuttgart  Jahreshefte  des  Vereins  für  Vaterländische  Na¬ 
turkunde  in  Württemberg. 

Baden. 

Freiburg  i.  Br.  Berichte  der  Naturforschenden  Gesell¬ 
schaft  zu  Freiburg  i.  Br. 

Heidelberg  Verhandlungen  des  Naturhistorisch-medizini¬ 
schen  Vereins  zu  Heidelberg. 

Karlsruhe  Verhandlungen  des  Naturwissenschaftlichen  Ver¬ 
eins  in  Karlsruhe. 


Hessen. 

Darmstadt  Notizblatt  des  Vereins  für  Erdkunde  und  der 
Hessischen  Geologischen  Landesanstalt  zu  Darmstadt. 

—  Abhandlungen  der  Hessischen  Geologischen  Landes¬ 
anstalt  zu  Darmstadt. 

Gießen  Bericht  der  Oberhessischen  Gesellschaft  für  Natur- 
und  Heilkunde  zu  Gießen.  Naturwissenschaftliche  Ab¬ 
teilung.  —  Medizinische  Abteilung. 

Mecklenburg. 

Güstrow  Archiv  des  Vereins  der  Freunde  der  Naturge¬ 
schichte  in  Mecklenburg.  Fortgesetzt  als: 

Rostock  Archiv  Mecklenburgischer  Naturforscher. 


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205 

Hansastädte. 

Bremen  Abhandlungen,  herausgegeben  vom  Naturwissen¬ 
schaftlichen  Verein  zu  Bremen. 

Hamburg  Naturwissenschaftlicher  Verein  in  Hamburg.  Ab¬ 
handlungen  aus  dem  Gebiete  der  Naturwissenschaften. 
—  Verhandlungen. 

Danzig. 

Danzig  Naturfor sehende  Gesellschaft  in  Danzig.  Schriften. 
—  Abhandlungen. 

Deatsch-Österreich. 

Wien  Mitteilungen  der  Geologischen  Gesellschaft  in  Wien. 

—  Annalen  des  Natur  historischen  Museums  in  Wien. 

7-,  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien.  Mathematisch¬ 
naturwissenschaftlichen  Klasse.  Sitzungsberichte.  —  Mit¬ 
teilungen  der  Erdbeben-Kommission. 

—  Geologische  Bundesanstalt,  seit  1921  Staatsanstalt.  Jahr¬ 
buch.  —  Verhandlungen. 

Klagenfurt  Carinthia,  U.,  Mitteilungen  des  Vereines  „Natur¬ 
historisches  Landesmuseum  für  Kärnten". 

—  Jahrbuch  des  Naturhisfcorischen  Landesmuseums  von 
Kärnten. 

Tschechoslowakei. 

Brünn  Verhandlungen  des  naturforschenden  Vereins  in 
Brünn. 

Prag  Societe  Royale  des  Sciences  de  Bohöme.  Classe  des 
Sciences.  Mömoires.  —  Resume  du  compte-rendu  annuel. 

—  Naturwissenschaftliche  Zeitschrift  Lotos. 

Ungarn. 

Budapest  Königliche  Ungarische  Geologische  Reichsanstalt. 
Jahresbericht.  —  Mitteilungen  aus  dem  Jahrbuch.  — 
Publikationen. 

—  Földtani  Közlöny  (Geologische  Mitteilungen.  Zeitschrift 
der  Ungarischen  Geologischen  Gesellschaft,  zugleich  amt¬ 
liches  Organ  der  Kgl.  Ungarischen  Geologischen  An¬ 
stalt.  Mit  Beilage:  Hydrologische  Mitteilungen). 

Jugoslawien. 

Belgrad  Annales  göologiques  de  la  Peninsule  Balkanique. 

Rumänien. 

Bukarest  Bulletin  de  la  section  scicntifique  de  l'academie 
Roumaine. 


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206 


Hermannstadt  Verhandlungen  und  Mitteilungen  des  Sieben- 
bürgischen  Vereins  für  Naturwissenschaften  zu  Her¬ 
mannstadt. 

Schweiz« 

Aarau  Verhandlungen  der  Schweizerischen  Natur  forschen¬ 
den  Gesellschaft. 

Basel  Verhandlungen  der  Naturforschenden  Gesellschaft  in 
Basel. 

Bern  Mitteilungen  der  Naturforschenden  Gesellschaft  in 
Bern. 

—  Beiträge  zur  geologischen  Karte  der  Schweiz,  heraus¬ 
gegeben  von  der  geologischen  Kommission  der 
Schweizerischen  Naturforschenden  Gesellschaft. 

—  Beiträge  zur  Geologie  der  Schweiz.  Geotechnische  Serie, 
herausgegeben  von  der  geotechnischen  Kommission  der 
Schweizerischen  Naturforschenden  Gesellschaft. 

Ohur  Jahresbericht  der  naturforschenden  Gesellschaft  Grau- 
bündens. 

Freiburg  (Schweiz)  Mitteilungen  der  Naturforschenden  Ge 
Seilschaft  in  Freiburg  (Schweiz).  (Geologie  et  geo- 
graphie.) 

—  Bulletin  de  la  societe  fribourgeoise  des  Sciences  natu¬ 
relles  (Oompte-rendu). 

Genf  Sociötc  de  phvsique  et  d’histoire  naturelle  de  Genfcve. 
Memoires.  —  Oompte-rendu  des  seances. 

—  Mat6riaux  pour  1‘etude  des  calamites,  pubiibs  par  les 
soins  de  la  societe  de  geographie  de  Gen&ve. 

Lausanne  Bulletin  de  la  Societö  Vaudoise  des  Sciences 
naturelles. 

Neuchätel  Bulletin  de  la  Societe  Neuchäteloise  des  Sciences 
naturelles. 

St.  Gallen  Jahrbuch  der  St.  Gallischen  Naturwissenschaft¬ 
lichen  Gesellschaft. 

Zürich  Vierteljahrsschrift  der  Naturforschenden  Gesell¬ 
schaft  in  Zürich. 

—  Denkschriften  der  Schweizerischen  Naturforschenden 
Gesellschaft  (vormals  allgemeine  Schweizerische  Ge¬ 
sellschaft  für  die  gesamten  Naturwissenschaften). 

Italien. 

Florenz  Biblioteca  Nazionale  Centrale  di  Firenze. 

—  Bolletino  delle  pubblicazioni  italiani  ricevute  per  diritto 
di  stampe. 


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207 


Mailand  Ätti  della  Societä  italiana  di  scienze  naturali 
e  del  Museo  civico  di  Storia  naturale  in  Milano. 

Parma  Rivista  italiana  di  Paleontologia. 

Pisa,  Pavia  und  Bologna  Giornale  di  geologia  pratica. 

Rom  Bolletino  della  Societä  geologica  italiana. 

—  Bolletino  del  R.  Comitato  geologico  d’Italia. 

—  Atti  della  Reale  accademia  nazionale  dei  Lincei. 

—  Bulletin  mensuel,  fortgesetzt  als  Revue  internationale 
de  renseignements  agriooles. 

Venedig  Reale  Istituto  Veneto  di  Scienze,  lettere  ed  arti. 
Memorie.  —  Atti. 

Spanien. 

Barcelona  Institucio  Catalana  d’Historia  natural.  Butlleti. 
—  Treballs. 

—  Junta  de  Cifencies  naturals  de  Barcelona.  Memöria 
anual.  —  Anuari. 

—  Museu  de  Ciencies  naturals  de  Barcelona.  Treballs. 

—  Real  Academia  de  ciencias  y  artes  de  Barcelona. 
Boletin.  —  Memorias. 

Portugal. 

Lissabon  Servipo  Geolögico  de  Portugal. 

Comunicapöes.  —  P.  L.  Pereira  de  Sousa:  O  Terremobo 
do  le  de  Novembrode  1735  em  Portugal  e  um  Estudo 
demogräfioo.  I  u.  II. 

Frankreich. 

Bordeaux  Actes  de  la  societe  Linndenne  de  Bordeaux. 

Colmar  Bulletin  de  la  societe  d’historie  naturelle  de  Colmar. 

Lille  Annales  de  la  societe  gdologique  du  Nord. 

Paris  Soctötd  geologique  de  France. 

Bulletin.  —  Compte  rendu  sommaire  des  seanees.  — 
Bibliographie  des  Sciences  geologiques. 

—  La  gdographie. 

Niederlande. 

Amsterdam  Jaarversiag  der  Rijksopsporing  van  Delf- 
stoffen. 

s’Gravenhagen  Mededeelingen  van  de  Rijksopsporing  van 
Delfstoffen. 

—  Geologisch-mijnbouwkundig  Genootschap  voor  Nederiand 
en  Kolonien.  Jaarboek.  —  Verhandelingen,  geologische 
Serie. 

—  Geologisch-mijnbouwkundige  Bibliographie  van  Neder- 
landsch-Indie. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


208 


Haarlem  Arehives  du  Musee  Teyler. 

La  Haye  Arehives  nSerlandaises  des  Sciences  exactes  et 
naturelles,  publiees  par  la  sociötö  holiandaise  des  Scien¬ 
ces  k  Hartem. 

Leiden  Mededeelingen  van  ’s  Rijks  Geologischen  Dienst. 
Serie  A.  und  B. 


Luxemburg. 

Luxemburg  Institut  Grand-Ducal  de  Luxembourg.  Section 
des  Sciences  naturelles,  physiques  et  math&natiques. 
Arehives.  —  Faune  du  Grand-Duch6  de  Luxembourg. 

Großbritannien  und  Irland. 

Dublin  Royal  Dublin  Society. 

The  scientific  proceedings.  —  The  economic  proceedings. 

—  Royal  Irish  Academy. 

Proceedings.  —  Transactions. 

Edinburgh  Royal  Society  of  Edinburgh. 

Proceedings.  —  Transactions. 

—  und  London  Memoirs  of  the  Geological  Survey  of  Scot¬ 
land. 

Glasgow  Glasgow  University.  Papers  from  the  geological 
department. 

London  Geological  Survey  of  Great  Britain. 

Memoirs:  Palaeontology.  —  Summary  of  progress  of 
the  Geological  Survey  of  Great  Britain  and  the  Museum 
of  practical  geology.  —  Special  reports  on  the  Mineral 
Resources  of  Great  Britain. 

--  Geological  Survey  of  England  and  Wales.  Memoirs. 

—  British  Museum  (Natural  History). 

Catalogues.  —  Guides.  —  British  Antarctic  („Terrra 
Nova“)  Expedition,  1910.  Natural  History  Report- 
Geology. 

—  The  Geological  Magazine,  an  monthly  Journal  of 
Geology. 

—  The  Quarter  ly  Journal  of  the  Geological  Society. 

—  Geological  Literature  (List  of  Authers  and  Titles)  added 
to  the  Geological  Society ’s  Library. 

—  Proceedings  of  the  Geologist’s  Association. 

Dänemark. 

Kopenhagen  Meddelelser  fra  Dansk  geologisk  forening. 

—  Danmarks  geologiske  Undersgolse.  I..  II.,  III.,  IV. 
und  V.  Raekke. 

—  Meddelelser  om  Grönland. 


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209 


Norwegen. 

Christian ia  (Kristiania,  Oslo)  Videnskapsselskapet  i  Kristia¬ 
nia.  I.  Matematisk-naturvidenskabelig  Klasse.  For- 
handl  ingar.  —  Skrifter. 

—  Archiv  for  Mathematik  og  Naturvidenskab. 

—  Norges  Geologiskc  Undersökelse. 

Abhandlungen.  —  Arbok.  —  Statens  Raastofkomite 
Publikationen. 

Schweden. 

Lund  Acta  universitatis  Lundensis. 

Stockholm  Geologiska  Föreningens  i  Stockholm  förhand- 
lingar. 

—  Kungl.  Svenska  Vetenskapsakademien.  Handl ingar.  — 
Arkiv  för  Botanik.  —  Arkiv  för  Matematik,  Astro- 
nomi  och  Fysik.  —  Arkiv  för  Kemi,  Mineralogi  och 
Geologi.  —  Arkiv  för  Zoologi.  —  Arsbok.  — 
Medde  landen  frän  Nobeiinstitut. 

—  Levnadsteckningar  över  Kungl.  Svenska  Vetenskaps 
Akademien»  Ledainöter. 

—  Sveriges  offentliga  bibliotek  Access ions- Katalog. 

—  Sveriges  geologiska  Undersökning. 

Arsbok.  —  Afhandlingar  och  uppsatser,  Ser.  C.,  Ca.,  D. 

—  Yetenskapliga  och  praktiska  undersökningair  i  Lappland. 
Flora  och  Fauna.  —  Meteorologi.  —  Lappiandsgruvor- 
nas  mineralogi. 

Uppsala  Bulletin  of  the  Geological  Institution  of  the  Uni- 
versity  of  Upsala. 

Finnland. 

Abo  Acta  academiae  aboensis  mathematica.  et  physica. 
Helsingfors  Geologiska  Kommissionenen  i  Finland. 

Bulletin.  —  Geotckniska  Meddelanden.  —  Agrogeolo- 
giska  Meddelanden. 

—  Societas  geographica  Fenniae.  Fennia. 

Estland. 

Dorpat  Naturforscher-Gesellschaft  bei  der  Universität  Dor¬ 
pat.  Sitzungsberichte.  —  Schriften.  — -  Archiv  für  die 
Naturkunde  des  Ostbaltikums  (vormals  Liv-,  Esth-  und 
Kurlands). 

Polen. 

Warschau  Service  geologique  de  Pologne. 

Bulletin.  —  Travaux.  —  La  Bibliographie  geologique 
de  Pologne. 

Zeit  sehr.  d.  D.  Geol.  Oes.  1924.  1 4 


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210 

Rußland. 

Moskau  Der  Berggeist. 

—  Publications  of  the  Petrographical  Institute  Lithogaea. 

—  Transactions  of  the  Institute  of  Economic  Mincralogy 
and  Petrography  („Lithogaea*’). 

—  Arlieiten  der  besonderen  Kommission  zur  Untersuchung 
der  Kursker  magnetischen  Anomalien. 

Petrograd-Leningrad  Kommission  zur  Erforschung  der 
Naturkräfte  Rußlands. 

Monographien.  —  Die  Reichtüiner  Rußlands.  —  Die 
nutzbaren  I Lagerstätten. 

—  Rußland;  Astrachaner  Gebiet;  nutzbare  Lagerstätten. 

—  Materialien  zur  Erforschung  der  nutzbarem  Lagerstätten 
Rußlands. 

—  •  Comite  geologiquc. 

Bulletin.  —  Memoires.  —  Materiaux  jwiir  la  geologie 
generale  et  appliquee.  —  Bibliotheque  geologiquc  de 
Russie.  —  Loewinson- Lessing:  Les  progres  de  la  petro- 
graphie  en  Russie.  —  Literatur-Übersicht  der  Oberpenn- 
Ablagerungen  des  Europäischen  Rußlands  aus  den 
Jahron  1910—1919. 

—  Annales  de  l’lnstitut  de1  Platine  et  des  aut  res  metaux 
precieux. 

—  Academie  des  seien ccs  de  Russie. 

Bulletin.  —  Kurzer  Führer  durch  das  Geologische  und 
Mineralogische  Museum  der  Russischen  Akademie  der 
Wissenschaften.  II.  Geologische  Abteilung.  —  Tra- 
vaux  du  Musee  Geologiquc  et  Mineralogique  Pierre- 
le-Grand  pres  rAoadeinie  des  Sciences  de  Russie.  — 
Tätigkeitsbericht  über  die  Arbeiten  der  Russischen  Aka 
demie  der  Wissenschaften  auf  dem  Gebiet  der  Xatur- 
kräfte  Rußlands. 

—  Societe  paleontologique  de  Russie. 

Memoires.  —  Annuaire. 

Vladivostok  Geologieal  Committee  of  the  Russian  far  East. 
Records. 

Asien. 

Jap  a  n. 

Sendai  The  Science  reports  of  the  Töhoku  Imperial  Uni- 
versity.  Second  series  (Geologv).  —  Third  series 
(Petrologv,  Mineraloge*,  Mineral  deposits  —  später 
Economic  Geologv). 


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211 


Tokyo  National  Research  Council  of  Japan. 

Japanese  Journal  of  Geology  and  Geography.  Trans¬ 
actions  and  abstracts. 

Japanese  Journal  of  Astronomy  aiul  Geophysics.  Trans¬ 
actions  and  abstracts. 

—  Imperial  Earthquake  investigation  Committee. 
Seismological  notes.  —  Bulletin. 

—  Imperial  University  of  Tokyo. 

The  Journal  of  the  College  of  Science.  —  Calendar. 

—  Imperial  Geological  Survey  of  Japan. 

Bulletin.  —  Industrial  Mineral  Survey  report.  — 
Report. 

Indien. 

Calcutta  Geological  Survey  of  India. 

Records.  —  Memoirs.  —  Palaoontologia  Indien. 

N  i  e  d  e  r  l  ä  n  d  i  s  c  h  - 1  n  d  i  e  n. 

Weltevreden  und  ’sGravenhagen  Jaarhoek  van  hot  mijn 
wezen  in  Nederlandsch-Oost-Indie. 

Afrika. 

S  ü  d  -  A  f  r  i  k  a. 

Johannesburg  Annals  of  the  South  African  Museum. 
Pietoria  Union  of  South  Africa  geological  Survey. 

Memoirs. 

Anstralien. 

Melbourne  Proceedings  of  the  Royal  Society  of  Victoria. 
Sydney  Geological  Survey  of  New  South  Wales. 

Records.  —  Memoirs.  —  Bulletin.  —  Mineral  resources. 

Amerika. 

Canad  a. 

Halifax  The  proceedings  and  transactions  of  the  Nova 
Scotian  Institute  of  Science,  Halifax,  Nova  Scotia. 
Ottawa  Prooeedings  and  transactions  of  the  Royal  Society 
of  Canada. 


Vereinigte  Staaten  von  Norda m e  r  i  k a. 
Baltimore  Maryland  Geological-Survev. 

General  Reports.  —  Reports  on  the  physikal  features 
of  the  Counties.  —  Reports  dealing  with  the  systematie 
geology  and  paleontology  of  Maryland. 

14* 


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212 


Boston  Boston  Society  of  Natural  History. 

Proeeedings.  —  Memoirs.  —  Occasional  papers. 

Chicago  Field  Museum  of  Natural  History.  Publications. 

—  The  John  Crerar  Library.  Annual  reports. 

Harrisburg  Pennsylvania  Geological  Survey.  Bulletin,  fourtli 

seriös. 

Houghton  Year  book  of  thc  Michigan  College  of  mines. 
Lawrence  Science  Bulletin  of  the  Univcrsity  of  Kansas. 
Madison  Transactions  of  the  Wisconsin  Academy  of  Scien¬ 
ces,  arts  and  letters. 

—  Bulletin  of  the  Wisconsin  geological  and  natural 
history  Survey. 

New  Haven  The  American  Journal  of  Science. 

New  York  Papers  of  the  Michigan  academv  of  Science, 
arts  and  letters. 

—  The  American  Museum  of  Natural  History.  Bulletin.  — 
Memoirs. 

—  Annals  of  the  Ne*  Y  »H'  Academy  of  Sciences. 

—  Bulletin  of  the  Geological  Society  of  America. 
Philadelphia  The  Academy  of  Natural  Sciences  of  Phila¬ 
delphia.  Proeeedings.  —  Annual  reports,  fortgesetzt 
als  Year  Book.  —  Special  publications. 

San  Francisco  California  Academy  of  Sciences.  Proeeedings, 
fourtli  series.  —  Occasional  papers. 

Springfickl  Geological  Survey  of  Ohio.  Bulletin. 
Washington  Annual  reports  of  the  board  of  regen ts  of 
the  Smithsonian  Institution. 

—  Report  on  the  progross  and  condition  of  the  United 
States  National  Museum. 

—  Smithsonian  miscellaneous  eollections. 

—  United  States  Geological  Survey. 

Annual  roport.  of  the  Director  to  the  Secretary  of  the 
Inferior.  —  Mineral  Resources  of  the  United  States.  — 
Bulletin.  —  Professional  papers.  —  Water  supply  papers. 

M  exic  o. 

Mexico  Instituto  geologico  de  Mexico. 

Bolctin.  —  Anales. 

A  r  g  e  n  t  i  n  i  e  n. 

Buenos  Aires  Anales  del  Museo  nacional  de  Historia 
natural  de  Buenos  Aires. 

Cordoba  Academia  nacional  de  Ciencias  en  Cordoba  (Repü- 
blica  Argentina). 

Boletin.  —  Miscelanea. 


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213 

La  Plato  Boletin  de  la  Direcciön  general  de  Estadistica 
de  la  pnovincia  de  Buenos  Aires. 

—  Kevista  del  Museo  de  La  Plata. 

Brasilien. 

Rio  de  Janeiro  Boletin  do  Museu  nacional  do  Rio  de 
Janeiro. 

—  Monographias  do  Servigo  Geologico  e  Mineralogico  do 
Brasil. 

Säo  Paulo  Revisto  do  Museu  Paulista. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


Deutsche  Geologische  Gesellschaft 

März  1925. 


Vorstand 


Vorsitzender: 
Stell vertr.  Vorsitzende  j 

Schriftführer  « 

Schatzmeister 

Archivar 


Herr  Kruse  h, 

,,  Pomp  ec  kj. 

„  B  r  o  i  1  i. 

,,  B  ä  r  1 1  i  n  g. 

„  S  o  1  g  e  r. 

„  M  e  s  t  w  e  r  d  t. 
„  Rimann. 

„  Picar  d. 

,,  Dienst. 


Beirat 

Die  Herren:  A nd ree -Königsberg  i.  Pr.,  Bux tor [-Basel. 
CI oos -Breslau,  Erdmannsdörf fer-Hannover,  Faura  i 
Sa  ns- Barcelona,  Fliegei- Berlin,  Petrascheck-Lcoben, 
Schumann-Grube  Jlse  (N.-L.),  Wegner- Münster. 


Verzeichnis  der  Mitglieder*). 

Die  beigedruckten  Zahlen  geben  das  Jahr  der  Aufnahme  an. 

A.  Ehrenmitglieder. 

Boy  schlag,  F.,  Di.,  Prof.,  Geh.  OBR.,  Präs.  d.  Preuß. 
Geol.  L.-A.  a.  D.,  1883.  Berlin  SW  29,  Belle- Alliance- 
Straß(‘  38. 

Br  an  ca,  W.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1876.  München, 

Kurfürstenplatz  8 III. 

*)  Abkürzungen  der  Amtsbezeichnungen  und  Titel:  Ass. 
Assistent,  Bergass.  Bergassessor,  Bergw.  Dir.  Bergwerksdirektor. 
Bez.  Geol.  Bezirksgeologe,  BR.  Bergrat,  Geh.  BR.  Geheimer 
Bergrat,  Geh.  OBR.  Geheimer  Oberbergrat,  Geol.  Geologe,  L.  Geol. 

Landesgeologe,  Marksch.  konzessionierter  Markscheider,  OBR. 
Oberbergrat,  Pd.  Privatdozent,  Prof.  Professor,  Reg.  Geol. 

Regierungsgeologe,  Reg.  R.  Regierungsrat,  Sekt.  Geol.  -  Sektions¬ 
geologe,  StR.  Studienrat. 


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215 


Bücking“,  H.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1873.  Heidelberg, 
Ziegelhäuser  Landstr.  39. 

Heim,  A.,  Dr.,  Prof.,  1870.  Hottingen-Zürich  7,  Hofstr.  100. 

Jentzsch,  A.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR..,  L.  Geol.  a.  D.,  1872. 
Gießen,  Frankfurter  Str.  34. 

Ivavser,  Ernanuel,  Dr.,  Prof.,  Geh.  RR.,  1867.  München, 
Giselastr.  29. 

Tietze,  E.,  Dr.,  OBR.,  Hofrat,  Dir.  d.  Geol.  Reichsanstalt 
i.  R..  1868.  Wien  III  2,  Rasumoffskygasse  23. 

B.  Ordentliche  Mitglieder. 

Aachen,  Aktien- G c soll  schaf t  für  Bergbau ,  Blei-  und  Zink - 
jabrikation  zu  Stolbcrg  und  in  Westfalen ,  1914. 

Aachen,  Geol.  Sammlung  d.  Terhn.  Hochschule,  1907. 

Aarnio,  B.,  Dr.,  Dozent,  1922.  Helsingfors,  Boulcvard- 
gatan  30. 

Abels,  J..  Dr.,  1919.  Freiburg  i.  Br.,  Maria-Theresia-Str.  0. 

A  c  h  e  nbach.  L.,  Bergw.  Dir.,  1922.  Wellinghofen  bei 
Hörde  (Westf.). 

Ähre  ns,  H.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin  W10,  Genthiner  Str.  5. 

Ähre  ns,  W..  Dr.,  Geol.,  1922.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

A 1 1  i  s  a  t ,  W.,  Markseh.,  1920.  Mülheim  (Ruhr),  Uh  landstr.  58. 

Altenessen ,  Köln- Neue  s  sen  er  Bergwerk  sver  ein,  1920. 

Althoff.  W.,  Fabrikant,  1920.  Bielefeld,  Weither  Str.  30. 

And  ree,  J.,  Dr.,  Pd..  1922.  Münster  i.  W„  Kampstr.  2 III. 

A  n  d  r  e  e  ,  K.,  Dr.,  Prof.,  1902.  Königsberg  i.  Pr.,  Brahms¬ 
straße  19  Ir. 

An  ge  n  ent,  I\,  Dipl. -Berging.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Neu¬ 
staßfurt. 

Anholt  (Westf  )y  Fürstlich  Salm-Salm’ sehe  Qeneralverwal - 
tungy  1914. 

Arano  wski ,  K.,  Lehrer,  1923.  Berlin  W  30,  Frankenstr.  2. 

Arlt,  H.,  Dr.,  BR.,  1911.  Bonn,  Joachimstr.  4. 

Arndt,  II.,  Dr.,  Reg.  Geol.,  1909.  München  NO  II,  Prome- 
nadestr.  15. 

Ascherslehen,  Kaliwerke  Asrherslchim  A.-G .,  1920. 

Aßmann,  P.,  Dr.,  BR.,  Bcz.  Geol.,  1907.  Berlin  X  1,  In¬ 
validenstr.  44. 

Athen,  Geologisches  Amt  von  Griechenland ,  1922.  Mi¬ 

nisterium  der  nationalen  Ökonomie. 

Au  lieh,  Dr.,  Prof.,  1907.  Duisburg,  Prinz-  Albrccht-Str.  33. 

Aus  dem  Bruch,  W.,  Markseh.,  1920.  Buer-Erle  (Westf.), 
Auguststr.  33. 


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216 

E  a  e  c  h  t  i  g  e  r ,  A.,  Bergw.  Dir.,  1 920.  Wittmar  (Kreis 
Wolfenbüttel). 

Bähr,  M.,  Bergw. Dir.,  1920.  Grube  Jlse  (N.-L.). 

Baldermann,  W.,  Marksch,  1919.  Essen- Altenessen, 
Heßlerstr.  51. 

B  a  1  d  u  s ,  P.,  BR.,  1920.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Balken  hol,  J.,  StR.,  1914.  Witten  (Ruhr),  Ruhrstr.  51. 

B  ae  1  z ,  W.,  OBR.  a.  D,  1914.  Herne  (Westf.),  Grenzweg  106. 

Bamberg,  P.,  Fabrikbesitzer,  1902.  Berlin- Wannsee, 
Kleine  Seestr.  12. 

B  a  r  k  i  n  g ,  H.,  Dipl.-Ing.,  1920.  Hamborn  (Rhld.),  Hufstr.  16. 

Barrois,  Ch.,  Dr.,  Prof.,  1877.  Lille,  41  rue  Pascal. 

Barsch,  O.,  Dr.,  BR.,  Bez.  Geol.,  1908.  Berlin  N  4,  In- 
validenstr.  44. 

Bartling,  R.,  Dr.,  Prof.,  BR.,  Bez.  Geol.,  1904.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Baum,  F.,  Bergass.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Duisburg,  Wilhelms¬ 
hohe  6. 

Baumgärtel,  B.,  Dr.,  Prof.,  1910.  Clausthal  (Harz)  135. 

Baum  haue  r,  H.,  Dr.,  Prof.,  1879.  Freiburg  (Schweiz). 

Beck,  G.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Hannover,  Königstr.  49. 

Becker,  A.,  Oberschullehrer,  1912.  Staßfurt,  Heck- 
linger  Str.  21. 

Becker,  H.,  1922.  Leipzig,  Emilienstr.  16. 

Becker,  H.  C.,  Dr.,  1922.  Frankfurt  a.  M.,  Myliusstr.  49. 

Beckerling,  W.,  Marksch.,  1920.  Massen,  Bez.  Dort¬ 
mund,  Hellweg  40. 

Bederke,  E.,  Dr.,  Pd.,  1920.  Breslau,  Schuhbrücke 38/39. 

Behlen,  H.,  Forstmeister,  1908.  Weilburg  (Lahn). 

Behr,  J.,  Dr.,  Pn>f„  L.  Geol.,  1901.  Berlin  N  4,  In¬ 
validenstr.  44. 

B  ehrend,  F.,  Dr.,  Geol.,  1913.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Behrendt,  P.,  Bergass.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Hannover, 
Landschaftsstr.  6. 

Beil,  A.,  Frau,  1924.  Königsberg  i.  Pr.,  Augustastr.  131. 

Beil,  C.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Cassel,  Landaustr.  2. 

Belowsky,  M.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1896.  Berlin N 4,  In¬ 
validenstr.  43. 

B  e  n  t  z  ,  A.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Berg,  A.,  Dr.,  StR.,  1922.  Sondershausen,  Güntherstr.  31. 

Berg,  G.,  Dr.,  Prof.,  BR,  Bez.  Geol,  1903.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Bergmann,  W,  Dr.-Ing.  h.  c,  Hüttendirektor,  1904. 
Groll-Ilsede  bei  Peine. 


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217 


Bergt,  W.,  Dr.,  Prof.,  1894.  Leipzig-Eutritzsch,  Delitzscher 
Straße  121. 

Berlin ,  A.-G.  f.  Anilinfabrikation,  1922.  SW 36. 

Berlin-Charlottenburg ,  Akademischer  Verein  „ Schlägel  und 
Eisen ,  1925.  Technische  Hochschule,  Abt.  f.  Bergbau. 

Berlin-Charlottenburg,  Berg -  und  Hüttenmännischer  Ver¬ 
ein,  1925.  Englische  Str.  16. 

Berlin,  Julius  Brr y er,  Tiefbau- Aktiengesellschaft.  1922.  W  35, 
Potsdamer  Str.  121  b. 

Berlin ,  Bibliothek  der  Technischen  Hochschule ,  1909. 

Berlin ,  Verlagsbuchhandlung  Gebrüder  Born  träger,  1923. 
W  35,  Schöneberger  Ufer  12  a. 

Berlin ,  Deutsche  Erdöl- Akt. -Ges..  1922.  B.-Sehönebcrg,  Mar¬ 
tin  Lulherstr.  61-66. 

Berlin ,  Generaldireklion  der  Braunkohlen-  und  Brikett- 
Industrie  A.-G.,  1920.  W8,  Mohrenstr.  10. 

Berlin ,  Geologisch-mineralogisches  Institut  der  Landwirt- 
schaftl.  Hochschule ,  1913.  N4,  Invalidenstr.  42. 

Berlin ,  Geolog. -Paläontologisclies  Institut  u.  Museum  der 
Universität,  1911.  N  4,  Invalidenstr.  43. 

Berlin ,  Handbibliothek  des  Geologischen  Landesmnseums , 
1912.  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Berlin ,  Hauptverwaltung  der  Niederlausitzer  Kohlenwerke , 
1922.  W  9,  Potsdamer  Str.  127/128. 

Berlin,  Ilohmaterialicn-V erwertungsgescllschaft  Wcndt  d 
Co.,  1921.  NW  7,  Unter  den  Linden  50/51. 

Berlin,  Stickstoff  Syndikat,  1921.  NW  7,  Neustädtische  Kirch- 
straße  9. 

Berlin ,  Technische  Hochschule,  Abt.  f.  Bergbau,  Geolo¬ 
gisches  Institut,  1913. 

Berlin ,  Verein  der  deutschen  Kaliin  tcrcsscnlen,  1914. 
SW  11,  Anhaltstr.  7. 

Bernau  er,  F.,  Dr.,  Pd.,  1921.  Charlottenburg,  Teehn. 
Hochschule. 

Bertram,  H.,  Oberbaurat,  1924.  Danzig,  Fahrenheidstr. 4. 

Beschoren ,  B.,  cand.geol.,1921.  Berlin  N 4, Invalidenstr. 43. 

Beurlen,  K.,  Dr.,  1922.  Tübingen,  Steinlachstr. 5. 

Beuthen  (O.S.),  Schlesag  (Neue  Viktoria-Grube),  1922. 

Beuthen  (O.  S.),  Stephan,  Fröhlich  d  Klüpfel,  Abt.  Bergbau, 
1920. 

Bielefeld,  Städtisches  Museum,  1920. 

B  i  e  r  e  y  e  ,  Prof.,  1907.  Erfurt,  Schillerstr.  31. 

Biese,  W.,  stud.  geol.,  1922.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  43. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


218 


Bilharz,  A.,  Baurat,  1922.  Baden-Baden-Lichtental, 
Maximilianstr.  110. 

Birnbaum,  H.,  Marksch.  u.  Landmesser,  1920.  Ratibor, 
Niederwallstr.  24. 

v.  Bismarck,  Landrat,  1898.  Külz  (Kreis  Naugard). 

Bit t er/ eitler  Louisengrube,  1922.  Zscherndorf,  Post  Sanders- 
dorf,  Kr.  Bitterfeld. 

B 1  a  n  c  k  e  n  h  o  r  n ,  M.,  Dr.,  Prof.,  1881.  Marburg  (Hessen). 
Barfüßertor  25. 

Blau,  M.,  Bergw.  Dir.,  1921.  Waldalgesheim  b.  Bingerbrück. 
Blocker,  H.,  1922.  Hamburg  33,  Preehtsweg  23. 

B 1  ü  m  e  l ,  E.,  Prof.,  1920.  Aachen,  Technische  Hochschule. 
Bochum ,  Deutscher  Markscheider ‘Verein,  1912.  Kanalstr.  21. 
Bochum ,  Steinkohlenbergwerke  Becker,  A.-G. ,  1924. 

Bock,  O.,  cand.  rer.  nat.,  1924.  Danzig,  Petershagen  1-2. 
Bode,  A.,  Dr.,  Prof.,  1902.  Clausthal  (Harz),  Bergakademie. 
Boden,  K.,  Dr.,  Prof.,  1907.  München,  Neuhauser  Str.  51. 
Bohde,  G.,  Direktor,  1920.  Essen-Bredeney,  Bredeneyer 
Straße  19. 

Böhm,  A.,  Dr.,  Prof.,  1921 .  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 
Böhm,  J.,  Dr.,  Prof.,  1881.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 
Bonn ,  Geologisch  -  Paläontolo  gische  s  Institut  und  Museum 
der  Universität,  1907.  Nullallee  2. 

Bonn ,  Preußisches  Oberbergamt,  1920.  Konviktstr.  2. 
Bonnema,  I.  H..  Dr.,  Prof..  1920.  Groningen  (Holland), 
Hermann  Collen  iusstraat  12. 

Borgstätte,  ().,  Dr.,  Vermessungsrat,  1920.  Dessau. 
Goothestr.  16. 

Born,  A.,  Dr.,  Prof.,  1911.  Frankfurt  a.  M..  ßeuterweg  70. 
Bor  n  h  a  r  d  t ,  Dr.-Ing.  h.  c.,  Berg  hauptmann,  1894. 

Clausthal  (Harz). 

Borlh  ( Post  Büderich),  Kreis  Mors ,  Deutsche  Solragiverke 
Aldien-Ge Seilschaft t  Abteilung  Borth,  1910. 

Botho,  \V.,  StR.,  1924.  Bad  Salzuflen,  Sehiellhofstraße. 
B  o  t  z  o  n  g  ,  C.,  Dr.,  1907.  Heidelberg-Handschuhsheim, 
Bergstr.  107. 

B  r  a  d  l  e  r  ,  E.,  Lyzeallehrer,  1920.  Erfurt,  Blumenstr.  5. 
Brand,  W.,  Bergass.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Lintfort  (Kreis 
Mors),  Friedrich-Heinrich- Allee  70. 

Brauch,  W.,  Dr.,  1924.  Basel,  Holbeinstr.  71. 

Bräu  hause  r,  M.,  I)r.,  Prot'.,  Vorstand  der  Württemberg. 
Geol.  Landesaufnahme,  1920.  Stuttgart,  Landhaus¬ 
straße  88 III. 

v.  Braunmühl,  H.,  Dipl.-Ing.,  1924.  Neuroöe  (Scliles.). 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


219 

Braun  schwcU),  Braunschweigisches  Lande  sh  erg  amt,  1914. 

B  r  e  d  cl  i  n  ,  H.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Berlin  X  4,  Invalidcnstr.  44. 
Bredenbruch,  M.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Hannover, 
Scharnhorststr.  15. 

Breslau ,  Gewerkschaft  Erelinensglüek ,  1922.  Gartenstr.  47. 
Breslau ,  Geologisches  Institut  der  Universität ,  1910. 
Breslau ,  Preußisches  Oberbergamt .  1921.  Breslau  IS. 
Breslau ,  J.  Schlutiussehe  HauptbergvcrwaUung .  1914. 

Kaiser-Wilhelm-Str.  194  a. 

Bretz,  0.,  Dr.,  Bergass.,  1920.  Dortmund,  Kuhstr.  36  H. 
B  r  i  1 1 ,  R.,  Dr.,  1922.  Freiburg  i.  Br.,  Eisen  bah  ns  tr.,  Badische 
Geol.  Landesanstalt. 


Brink  m  an  n. 

H., 

Marksch., 

1920. 

Essen-Dellwig, 

Paus- 

mühlenstr.  6. 

Brinkm  a  n  n  , 

R., 

Dr.,  Pd., 

1920. 

Göttingen,  ( 

U'Olog. 

Institut  der  Universität. 

Brinkmeier,  G.,  Dr.,  1921.  Göttingen,  Herzberger 
Landstr.  108. 

Brockmeiev,  II.,  Dr.,  Prof.,  Museumsleiter,  1920. 
München-Gladbach,  Vitusstr.  50. 

Broili,  F.,  Dr.,  Prof.,  1899.  München.  Neuhauser  Str. 51. 

Brouwer,  H.  A.,  Dr.,  Prof.,  1921.  Rijswijk  (Z.  H.), 
Oranje Laan  87. 

Brück,  Berg-  u.  Vermessungsi  at,  1917.  Dortmund, Leipziger 
Straße  16. 

B  r  u  li  n  s  ,  W.,  Dr.,  Prof.,  1888.  Clausthal  (Harz),  Berg¬ 
akademie. 

Brune,  A.,  Marksch.,  1921.  Lünen  (Wostf.),  Gahmer 
Straße  177  d. 

Brünn,  Mineralog.-Geolog.  Institut  der  Tschechischen  Techn . 
Hochschule. ,  1916. 

v.  Bubnoff,  S.,  Dr.,  Pd.,  1909.  Breslau,  Schuhbrücke  38. 

Budapest ,  Ungarisches  Nationalmuseum .  Mineralogische 
Abteilung,  1912.  Budapest  XVIII,  Magyar  Nemzeti 
Museum. 

v.  B  ü  1  o  w  -  T  r  u  m  m  e  r  ,  E.  U.,  Dr.,  Pd.,  1916.  Berlin- 
Charlottenburg,  Harden! >ergstr.  43. 

v.  B  ii  1  o  w ,  K.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin  N  4,  Invalidcnstr.  44. 

Buri,  Th.,  Dr.,  Prof.,  1917.  Heidelberg,  Erwin-Rhode-Str. 22. 

Bur  re,  O.,  Dr.,  Geol.,  1910.  Berlin  N  4,  Invalidcnstr.  44. 

Buschendorf,  F.,  cand.  ing.,  1921.  Clausthal  (Harz), 
Sägemül  lerstr.  519. 

Busz,  C.  E.,  Dr..  1920.  Bonn  a.  Rh.,  Königstr.  21. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


220 


B  u  s  z ,  K.,  I)r.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1904.  Münster  i.  W., 
Heerdestr.  16. 

Buxtorf,  A.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Basel.  Grenzacher  Str. 94. 

Cab  ölet,  P.,  Bergass.,  1920.  Bochum  5,  Herner  Str.  295. 

Cassel,  Bergbaulicher  Verein  Cassel ,  1922.  Wilhelmallee  7. 

Chemnitz ,  Naturwissenschaftliche  Sammlung .  Städtisches 
Museum,  1922. 

Chowings,  Ch.,  Dr.,  1896.  Alverstoke,  Gien  Osmond 
(South  Australia). 

Christa,  E.,  Dr.,  1921.  Würzburg,  Hindenburgstr.  33. 

Chu,  Chia-hua,  Dr.,  1920. 

Cissarz,  A.,  Dr.,  1920.  Aachen,  Min.  Inst.  d.  Teehn. 
Hoehsch.,  Maltheserstraße. 

Claus,  Markscheidereivorsteher,  1922.  Grube  Jlse  (N.-L.). 

Clausthal,  Preußisches  Oberbergamt ,  1869. 

Cloos,  H.,  Dr.,  Prof.,  1909.  Breslau,  Schuhbrücke  38. 

C  1  u  t  e  -  S  i  m  o  n  ,  E.,  Marksch.,  1920.  Vacha  (Rhön). 

Correns,  C.,  Dr.,  Geol.,  Pd.,  1919.  Berlin  N  4.  Invaliden¬ 
straße  44. 

Cöthen  ( Arth.),  Grube  Leopold,  Akt. -des..  1914.  Heinrichstr.  1. 

Cöthen  (Anh.),  Verein  Anhaitischer  Braunkohlemcerke, 
1922.  Heinrichstr.  11. 

Cr  am  er,  R..  Dr.,  BR.,  Bez.  Geol.,  1906.  Berlin  X  4,  In- 
validenstr.  44. 

Credner,  R.  W.,  Dr.,  1920.  Kiel,  Caprivistr.  13. 

Cronacher,  R.,  Dr.,  Dipl.-Ing.,  1908.  Berlin- Borsigwalde, 
Wittestr.  32. 

Cronjaeger,  H.,  Marksch.,  1922.  Halle  a.  S.,  Beyschlag- 
straße  28. 

C  u  s  t  o  d  i  s  ,  F.,  Prokurist,  1922.  Saalfeld,  Saale,  Hannostr.  75. 

C  zygan,  K.,  StR.,  1920.  Leipzig-R.,  Möbiusstr.  13. 

D  a  h  1  g  r  ü  n ,  F.,  Dr.,  Geol.,  1921.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Daine  lli,  G.,  Dr..  Prof.,  1925.  Florenz,  Geol.  Inst.  d. 
Univ..  Via  Lanuirmora  4. 

Dämmer,  B.,  Dr.,  Prof.,  LGeol.,  1902.  Berlin  N  4,  Inva- 
lidenstr.  44. 

Dannenberg,  A.,  Dr.,  Prof.,  1894.  Aachen,  Teehn. 
Hochschule. 

Dant  z,  C.,  Dr..  Bergw.  Dir.  a.  D.,  1892.  Berlin-Grune- 
•  wähl,  Höhmannstr.  17. 

Danzig-Lang  fuhr,  Mineralogisch  Geologisches  Institut  der 
Technischen  Hochschule,  1924. 

Darm stadt,  Hessische  Obere  Bergbehörde,  1920. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


221 


Dax,  C.,  Bergw.  Repräsentant,  1920.  Siegen  (Westf.),  Feld- 
straße  14. 

Decker,  F.,  Marksch.,  1920.  Dortmund,  Märkische  Str. 92. 

De  ecke.  W„  Dr.,  Prof;,  Geh.  Hof  rat,  1885.  Freiburg  i.  Br., 
Envinsti*.  31. 

Deitert,  A.,  Marksch.,  1920.  Gelsenkirchcn  III,  Holland¬ 
straße  53. 

Delkeskamp,  R.,  Dr.,  1905.  Berlin- Wannsee,  König¬ 
straße  68  c. 

Denner,  J.,  Dr.,  Geol.,  1923.  Herdorf  (Rhld.),  Friedrich- 
Straße  31. 

Dette.  K.,  cand.  phil.,  1923.  Göthen  (Anh.),  Baasdorfer 
Straße  37. 

de  V  r  i  e  s  ,  J.,  Bergw.  Dir.,  1922.  Grube  Jlse  (N.-L.). 

D  e  w  e  r  s ,  F.,  Dr.,  StR.,  1922.  Bremen,  Bismarckstr.  28. 

Diene  mann,  Dr.,  Geol.,  1913.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Dienst,  P.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1904.  Berlin  N  4,  Invaliden¬ 
straße  44. 

Dietrich,  W.,  Dr.,  Ass.,  1911.  Berlin  N  4,  InvalidensK  43. 

Dietz,  C.,  Generaldirektor,  1908.  Hannover,  Landschafts¬ 
straße  8 1. 

Dietz,  C.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin  N  4‘,  Invalidenstr.  44. 

Dittmann,  K.  E.,  Dr.,  Dipl.-Ing.,  1911.  Berlin-Wilmers 
dorf,  Augustastr.  65 1. 

Dobbelstein,  K.,  Erster  BR.,  1920.  Bochum,  Graf- 
Engelbert-Str.  37. 

D  ö  h  1 ,  H.,  Bergbaubefl.,  1922.  Berlin  W  66,  Leipziger  Str.  4. 

Dorn,  C.,  Dr.,  Bezirkstierarzt,  1916.  Kulmbach. 

Dorn,  P.,  Dr.,  Ass.,  1923.  Erlangen,  GeoL  Inst.  d.  Univ. 

Dorpat ,  Geologisches  Institut  der  Universität ,  1922.  Aia 
tän  38  a. 

Dortmund ,  Deutsch-Luxemburgische  Bergwerks-  und  Hütten- 
Aktiengesellschajtf  Dortmunder  Union ,  1922. 

Dortmund ,  Eisen -  und  Stahlwerk  Uoesch ,  Akt.-Ges.,  1922. 

Dortmund ,  Naturwissenschaf  tl.  Verein ,  1913.  Viktoria 

Straße  25. 

Dortmund ,  Preußisches  Oberber gamt,  1920. 

Dortmund ,  Stadtbibliothek ,  1920. 

Dreher,  O.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Haag,  Carel  van  Bylandt- 
laan  30. 

Dresden ,  Bergwitzer  Braunkohlenwerke ,  Akt.-Ges.,  1914. 
Johann-Georgen- Allee  251. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


222 


Dresden- A.,  Direktion  des  Mineraloy. -Geolog.  Museums 
nebst  der  Vrähistor.  Sammlung ,  1921.  Zwinger. 

Dresden- A„  Direktion  der  staatL  Braunkohlemoerke ,  1920. 
Ostraa Lleu  lob. 

Dufour,  J..  eand.  geol.,  1924.  Gießen,  Stephanstr.  6. 

Düsseldorf ,  Verein  deutscher  Kiscnhüttenleutc ,  190G.  Luden- 
dorffstr.  27. 

Dultz,  A.,  Verlag  und  Antiquariat,  1923.  München,  Land- 
wehrstr.  G. 

1)  y  h  r  e  n  f  u  r  t  h  .  G.,  Di*.,  Prof.,  1908.  Salzburg  2.  An  der 
Plainbrücke. 

E  b  e  1  i  n  g ,  BR.,  1894.  Hannover,  Hindenburgstr.  42. 

Ebcrt,  A.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Edelmann.  F.,  I)ipl. -Ing.,  1923.  Freiberg  i.  Sn. 

Edelmann,  J.,  Dipl.-Berging.  u.  Marksch.,  Berginspektor, 
1920.  Smarzowitz,  Kr.  Pleß,  Heinrichsfreudegrube. 

Eder,  W.,  Dr.,  Ass.,  1923.  München,  Neuhauser  Str.  51. 

Eggert,  H.,  Markseh.,  1920.  Duisburg-Meiderich,  Enge 
Straße  2. 

E  i  c  k  e  1  b  e  r  g  ,  C\,  Bergw.  Dir.,  1920.  Haus  Rünthe,  Kr. 
Hamm. 

E  i  e  k  e  1  b  erg,  R.,  Markseh.,  1920.  Oberhausen  (Rhld.), 
Am  Grafenbusch  8. 

Eisenach,  H.,  Dr.,  1923.  Giessen.  Liebigstr.  37  I. 

Eisenreich,  Dr.,  Prof.,  StR.,  1922.  Kattowitz  (O.-S.). 
Koehanowskiego  4. 

Eiserfcld-Sieq,  Gewerkschaft  Alte  Dreisbach .  1914. 

Eisfelder,  G.,  Erster  BR.,  1920.  Kottbus,  Kaiser- 
Friedrich-Str.  27. 

Eisieh  cn ,  Mansfeld ,  Akt. -Ges.  für  Bergbau  und  Hütten  - 
betrieb ,  1914. 

Eitel,  IV.,  Dr.,  Prof.,  1922.  Königsberg  i.  Pr.,  Steindamm  6. 

Elberfeld ,  H.  L.  Dienst  <f  Sohn,  A.-G.}  1922. 

Emerson,  B.,  Prof.,  1868.  Amhurst  (Muss.),  N-A., 
Amherst  and  Smith  Colleges. 

E  n  k  e  ,  A.,  Dr.,  Kommerzienrat,  1913.  Stuttgart,  Hasen¬ 
bergsteige  3. 

Erb,  L.,  Dr.,  1921.  Freiburg  i.  Br.,  Eisenbahnstr.  62a. 

Erdmannsdörf fer,  O.  H.,  Dr.,  Prof.,  1900.  Han¬ 
nover,  Techn.  Hochschule. 

Er  dm  enger.  J.,  Dipl.-Berging.,  Lehrer  an*  der  Berg¬ 
schule,  1921.  Hamborn,  Moltkestr.  36. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


223 


Erlangen ,  Bayerische  Universitätsbibliothek,  1920. 

Ermisch,  K.,  Dipl.-Ing.,  Bergw.  Dir.,  1908.  Wansleben 
(Bez.  Halle  a.  S.). 

Ernst,  Gertrud,  Lehrerin,  1923.  Liegnitz,  Neue  Gold¬ 
berger  Str.  54. 

Ernst,  W.,  Dr.,  wissensch.  Hilfsarbeiter,  1920.  Hamburg 5, 
Lübecker  Tor  22. 

Errulat,  F.  W.,  Dr.,  Ass.,  1922.  Königsberg  i.  Pr., 
Hintertragheim  59  a. 

Essen,  Bergschul  verein ,  1914.  Gutenbergstr.  47. 

Essen ,  Bibliothek  des  Vereins  für  die  bergbaulichen  In¬ 
teressen ,  1907. 

Essen ,  Friedrich  A \rupp,  Akt. -Ges.,  1920.  Gußstahlfabrik/ 
Werksbüeherei,  Postfach  278. 

Essen,  Geologische  Gesellschaft  für  den  Rheinisch-West¬ 
fälischen  Industriebezirk,  Ortsgruppe  Essen,  1920.  Kur- 
fürstenstr.  41. 

Euling,  K.,  Dr.,  Bergass.  a.  I).,  Generaldirektor,  1920. 
Borsigwerk  (O.-S.). 

Fabian,  B..  Rektor,  1922.  Heil igenha feil  (Holstein). 

Falke.  W.,  Bergass.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Oberhausen 
(Rhld.),  Bismarckstr.  31. 

Faura  i  Sans,  M.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Barcelona,  ealle 
Valencia  234  pral.  1  a. 

Fedorowsky,  N.  M.,  Prof.,  1922.  Berlin  W  15,  Lictzen- 
burger  Str.  11. 

Feld,  G.,  Dr.,  1920.  Obermarsberg,  Stadtberger  Hütte. 

Fick,  A.,  Marksch.  und  Landmesser,  1920.  Weidenau 
(Sieg),  Wiesenstr.  3. 

Fiegler,  L.,  Marksch.  und  Landmesser,  1921.  Zalenze 
(O.-S.),  Moltkestr.  98. 

Finckh,  L.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1900.  Berlin  N  4,  Inva 
lidenstr.  44. 

Finze,  W.,  BR.,  1920.  Kassel,  Auguste- Viktoria-Str.  7 II. 

Fischer,  A.E.,  cand.  geol.,  1923.  München,  Türkenstr.  11. 

Fischer,  B.,  Berg-  und  Vermessungsrat,  1920.  Halle 
a.  S.,  Kronprinzenstr.  45. 

Fischer,  Fr.,  Bergw.  Dir.,  1922.  Grube  Jlse  (N.-L.). 

Fischer,  G.,  Dr.,  Ass.,  1923.  München,  Bothmerstr.  12. 

Fischer,  J.,  Dr.,  Pater,  1920.  Winterthur  (Schweiz), 
kath.  Pfarrhaus. 

F  len  der,  E.,  Marksch.,  1920.  Hervest-Dorsten,  Halterner 
Straße. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


224 


Fliegei,  G.,  Di\,  Prof.,  Abteilungsdirektor,  1898.  Berlin- 
Lankwitz,  Brucliwitzstr.  8 1. 

Foehr,  K.,  Dr.,  Prof.,  Direktor,  1920.  Göthen  (Anhalt), 
Leopoldstr.  68. 

Förster,  H.,  Dr.,  StR.,  1920.  Groß-Strehlitz  (O.-S.), 
Lublinitzer  Straße. 

Förster,  H.,  Dr.,  1921.  Kamenz  i.  Sa.,  Friedrichstr.  6 1. 

Franke,  A.,  StR.  a.  D.,  1910.  Dortmund,  Junggeselien- 
straße  18. 

Franke,  G.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1894,  Berlin-Halensee, 
Auguste -Viktoria-Str.  7. 

Frankfurt  a.  M.,  Chcm.  Fabrik  Griesheim -Elektron,  1922. 

Frankfurt  a.  M.,  Geol.-paläontol.  Institut  der  Universität , 
1918. 

Frebold,  G.,  Dr.,  Pd.,  Ass.,  1919.  Hannover,  Mineral.  In¬ 
stitut  d.  Technischen  Hochschule. 

Freitag,  H.,  Bergverwalter,  1923.  Gießen,  Leihgeetem- 
weg  42. 

Fremdling,  (\,  Berg-  und  Vermessungsrat,  1910.  Dort¬ 
mund.  Knappenberger  Str.  108. 

Fr entzel,  A.,  Dr.-Ing.,  Dipl.-Ing.,  1906.  Berlin  NW  87, 
Jagowstr.  43. 

Freudenberg,  W.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1907.  Heidelberg, 
Bergstr.  117. 

Freudenreich,  Reg.-Baumeister,  1924.  Danzig- Lang¬ 
fuhr,  Brunshof  weg  1. 

v.  Freyberg,  B.,  Dr.,  Pd.,  1919.  Halle  a.  S.,  Domstr.ö. 

Freystedt,  Landesbaurat,  1908.  Liegnitz,  Haagstr.  10. 

F  r  i  c  k  e  ,  G.,  Marksch.,  1920.  Gerthe  (Kr.  Bochum), 
Zechenstr.  2. 

Fr  icke,  K.,  Marksch.,  1920.  Waldenburg  (Schl.),  Fürsten¬ 
steiner  Str.  19. 

F  r  i  c  k  e ,  M.,  Oberlehrer,  Kustos,  1923.  Zwickau  i.  Sa., 
Stiftstr.  3. 

Fromme,  E.,  Bergass.,  1920.  Kamen,  Kreis  Hamm. 

Früh,  G.,  Reg.-Baumeister,  1922.  Goslar,  Kotherstr.il. 

Fuchs,  A.,  Dr.,  Prof.,  BR.,  Bez. Geol.,  1902.  Berlin N 4, 
Invalidenstr.  44. 

Fulda,  E.,  Dr.,  BR.,  1911.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Funke,  H.,  Dr.,  Bergwerksl>esitzer,  1920.  Berlin-Grune- 
wald,  Siemensstr.  30. 

Gäbert,  C.,  Dr.,  Geol.,  1907.  Naumburg  a.  S.,  Kösener 
Str.  18  e. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


225 

Gagel.  <\.  Dr.,  Prof..  Geh.  BR.,  Abteilungsdirektor,  1890. 
Berlin  X  4,  Jnvalidenstr.  44. 

Gams,  H.,  Dr.,  1923.  Biologische  Station  Mooslachen, 
Wasserburg  a.  Bodensee  (Bayern). 

Gansscn,  K.,  Dr.,  Prof.,  Abt.-Dir.,  1920.  Berlin  N  4. 
In\  alidenstr.  44. 

Gärtner,  Dr.,  Bergdir.,  1904.  Mölke  bei  Ludwigsdorf 
(Kreis  Neurode). 

Gassen  h  u  ber,  J.,  Gruben  Vermessungsingenieur,  Dipl.- 
Ing.,  1920.  Zweibrücken  (Rhpflz.),  Blüeherstr.  24. 

Gebhardt,  W.,  Bergdir..  1920.  Borna  (Bez.  Leipzig), 
Lobstädter  Str.  31. 

Gelires,  O.,  Generaldirektor,  1920.  Hannover,  Beme- 
roder  Str.  39  a. 

G  e  i  p  e  1 .  B.,  Marksch.,  1920.  Altenbochum,  Gustavstr.  14. 

Gelsenkirchen,  Bergwerks- Akt. ‘Ges.  ConsoUdation,  1914. 

Gerke,  Berginspekfcor,  Dipl.-Ing.,  1921.  Juliusschacht, 
Post  Waldenburg  (Schles.). 

Gerl  ach,  F.,  Dr.-Ing.,  Prof.,  Geh.  Baurat,  1922.  Berlin- 
Schöneberg,  Hauptstr.  163. 

Gerth,  H.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Leiden  (Niederlande),  Botter- 
maht  14. 

Geyer,  D.,  Dr.  h.  c.,  Mittelschullehrer,  1920.  Stuttgart, 
Silbe  rburgstr.  165 II. 

Giebel  er,  W.,  1914.  Siegen  (Westf.),  Heeserstr.  2-4. 

Giers,  R..  Dr.,  StR.,  1921.  Hamm  (Westf.),  Hohestr. 80b. 

Gießen ,  Geol.  Institut  der  Universität,  1923. 

Ginsburg,  I.,  Geol.,  1923.  Berlin -Wilmersdorf,  Kaiser¬ 
allee  172 II. 

Glaeßner,  R.,  Dr.,  1920.  Halle  a.  S.,  Ladenbergstr.  5111. 

Gleiu'itz ,  Gräflich  von  Balle  st  rem  sehe  Güterdirektion ,  1914. 
Markgrafenstr.  17. 

Gleiwitz ,  Ober  schlesische  Eisenindustrie ,  Akt.-Ges.  für 
Bergbau  und  Hüttenbetrieb,  1914. 

Goebel,  F.,  Dr.,  1920.  Witten  (Ruhr),  Ruhrstr.il. 

Gocbeler,  F.,  Marksch.,  1920.  Saarbrücken I,  Colerstr.  2. 

Göhr,  F.,  Prof.,  StR.,  1924.  Glatz,  Cartenstr.  25. 

G  ö  1  d  n  e  r ,  Konrektor,  1923.  Liegnitz,  Wörthstr.  1. 

G  ö  p  f  e  r  t ,  G.,  Dipl.-Berging.,  Marksch.,  1921.  Kostuchna, 
Boerschächte. 

G  ö  r  g  e  s  ,  J.,  Bankprokurist,  1920.  Kassel,  Parkstr.  26. 

Görlitz,  Magistrat ,  1914. 

Z^tRchr.  d.  D.  Geol.  Ge».  1924.  15 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


226 


Gor  nick,  H.,  Dipl. -Ing.,  1922.  Charlottenburg,  Luisen- 
platz  5  a. 

Gothan,  W.,  Dr.,  Prof.,  Dozent,  Kustos,  1907.  Berlin N 4, 
Invalidenstr.  44. 

Göttingen ,  Erda.  Akt.- Ges.  für  angewandte  Geophysik,  1923. 
Göttingen ,  Geol.-paläontol.  Institut  der  Universität ,  1905 
Gottschick,  F.,  Forstmeister,  1923.  Tübingen. 

Götz,  K.,  Dr.,  Bergass.,  1921.  Berlin  W  62,  Maaßenstr.  7. 
Graf,  E.,  Schriftsteller,  1911.  Rutcsheim  b.  Leonberg, 
Württbg. 

Gräfe,  H.,  Dipl. -Berging.,  Bcrgw.  Dir.,  1920.  Diekholzen 
bei  Hildesheim. 

Gr  äff,  L.,  Bergass.  a.  D.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Husen  (Ldkr. 
Dortmund),  Zeche  Kurl. 

Gr  ah  mann.  R.,  l)r.,  1917.  Leipzig,  Talstr.  35. 
Gräßner.  P.  A.,  Geh.  OReg.  R.,  1889.  Berlin-Sehlaehten- 
see,  Adalbertstr.  15. 

Graz,  Geologisches  Institut  der  Universität ,  1913. 

Graz ,  Institut  für  Geologie  und  Mineralogie  a.  d.  Tech¬ 
nischen  Hochschule,  1924. 

Greif,  0..  I)r.,  1907.  Stuttgart,  Rotenbergstr.  5 II. 

G  ripp  ,  K.,  Dr.,  Pd.,  1919.  Hamburg,  Lübecker  Tor 22. 
Grübler,  Dr.-Ing.  h.  c.,  BR.,  1894.  Gießen,  Alicestr.  4. 
Grube  Ilse  (N.-L.),  Ilse  Bergbau- Alct. -Ges.,  1920. 
Grübler,  E.,  Dipl. -Ing.,  1920.  Halle  a.  S.,  Schillerstr.  49  1. 
G  rumbreclit,  A.,  Bergass..  1920.  Plötz  bei  Löbejün. 

G  r  unde  y,  M.,  Oberlandmesser  und  Museumsleiter,  1921. 

Gleiwitz,  Freundstraße.  Oberschlesisches  Museum. 
Gruncwald,  H.,  StR.,  1920.  Bad  Salzuflen,  Kirchstr.  1. 
Grupe,  O.,  Dr.,  Prof.,  BR.,  Bez.Geol.,  1899.  Berlin N 4. 
Invalidenstr.  44. 

G  und  lach,  K.,  Wissensch.  Mitarbeiter  am  Zeißwerk, 
1923.  Jena,  Magdelstieg  20. 

Güntzel,  R.,  Berging.,  1924.  Wurzbach  (Rouß). 

G  ü  r  i  c  h ,  G.,  Dr.,  Prof.,  1891.  Hamburg  ft,  Lübecker  Tor  22. 
Haack,  W.,  Dr.,  BR.,  Bez.Geol.,  1908.  Berlin N  4.  In¬ 
validenstr. 44. 

Haarmann,  E.,  Dr.,  Prof.,  1904.  Berlin-Halensee. 
Küstrincr  Str.  11. 

Haböck,  J.,  1922.  München  2,  NW,  Zieblandstr.  12. 
Haddi  ng,  A.,  Dozent.  1921.  Lund  (Schweden),  Universität. 
Hahn,  Alex.,  1886.  Idar  a.  d.  Nahe,  Brunnengassel. 
Hahne,  A.,  Stadtschulrat,  1913.  Neutorney,  Dunkerstr.  19.  : 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


227 


K 

i 


Hähnel,  O.,  Dr.,  Poetrat,  1909.  Berlin-Lichterfelde,  Jäger¬ 
straße  18  a. 

Haiek,  A.,  Ingenieur,  Direktor,  1920.  Wien  I,  Kärtner- 
ring  15. 

Halle  a.  S..  Deutscher  Braunkohlen- Industrie-Verein,  1920. 
Riebeckplatz  4. 

Halle  a.  S.,  Anhaltische  Kohlenwerke ,  1920.  Prinzenstr.  16. 

Halle  a.  S.,  Landwirt schaf tl.  Institut  der  Universität,  1910. 
Ludwig-Wucherer-Str.  2. 

Halle  a.  S.,  Preußisches  Oberber^amt ,  1910.  Friedriehstr.  13. 

Hallee  a.  S Hugo  Stinnes-Riebeck  Mott  tan-  und  Ölwerke, 
Akt. -Ges.,  1920.  Riebeckplatz  1. 

Halle  a.  S .,  Werschen-W eißenfelser  Braunkohlen- Akt. -Ges., 
1920. 

Haltern,  W.,  Marksch.,  1920.  Wanne,  Bismarckstr.  23. 

Hamacher,  K.,  StR.,  1924.  Barmen,  Seydlitzstr.  9. 

Hambloch,  A.,  Dr.-Ing.,  Grubendirektor,  1906.  Ander¬ 
nach  a.  Rh. 

Hamborn  a.  Rh.,  Gewerkschaft  Friedrich  Thyssen,  1915. 

H  a  in  l  e  t ,  Beata,  1923.  Hamburg  39,  Baumkamp  14. 

Hamm  (Westf.),  Bergwerksgesellschaft  Trier  m.  b.  H.,  1914. 

Hampel,  W.,  Marksch.,  1920.  Klein -Gorschütz  (Kreis 
Ratibor),  Friedrichsschächte. 

Hannover ,  Alkaliwerke  Ronnenberg,  Akt. -Ges.,  1914.  Land¬ 
schaf  tsstr.  6. 

Hannover,  Bibliothek  der  Technischen  Hochschule,  1922. 
Welfengarten  1. 

Hannover ,  Heldburg,  Akt.-Ges.  für  Bergbau,  bergbauliche 
und  andere  industrielle  Erzeugnisse,  1920.  Schillerstr.  23. 

Harbort,  E.,  Dr.,  Prof.,  1905.  Zehlendorf-Mitte,  Dall- 
witzstr.  47. 

H  a  r  r  a  s  s  o  w  i  t  z ,  H.  L.  F.,  Dr.,  Prof.,  1905.  Gießen, 
Geologisches  Institut. 

Hart  e  1 ,  F.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Leipzig,  Talstr.  35. 

Hart  mann,  E.,  Dr.,  1923.  Peißenberg  (Oberbay.), 
Bergamt. 

II  a  s  e  b  r  i  n  k  ,  A.,  Bergass.,  1920.  Duisburg,  Manteuffel- 
straße  2 1. 

Haupt,  O.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1907.  Darmstadt,  Heerd- 
weg  71  H. 

Hecker,  P.,  Dr.,  Bergass.,  1920.  Berlin- Wilmersdorf, 
Rüdesheimer  Str.  4. 

15* 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


226 


Heidelberg ,  Mineral. -Petrograph.  Institut  der  Universität , 
1912. 

Heiland,  K.,  Dr.,  1923.  Berlin-Lichterfelde* West,  Man- 
teuffelstr.  11. 

II  e  i  m  ,  F.,  Dr.,  Geol.,  1910.  München,  Gcorgenstr.  24 1. 

Heinersdorff,  C.,  1921.  Düsseldorf,  Schadowstr. 52. 

II  e  i  ß  1)  a  u  e  r ,  E.,  OBR.,  1920.  Weiherhammer  bei  Weiden 
(Oberpfalz). 

Hei  t  m  ann,  H.,  Fabrikant,  1920.  Köln,  Stoliwerckhaus. 

Hellmers,  J.,  Dr.,  1922.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  42. 

Dellwig,  F.,  Marksch.,  1920.  Dndweiler  (Saar),  St.- 
Ingbert*Str.  16.  \ 

II  emmer,  A.,  Dr.,  1917.  Berlin  W  8,  Mauerstr.  35-37. 

Henckel-Donnersmarck,  Fürst  Guidotto,  1922. 
Berlin  W  8,  Unter  den  Linden  1. 

Henckel-Donnersmarck,  Graf  Kraft,  1920.  Schloß 
Repten,  Kr.  Tarnowitz  (O.-S.). 

Henke,  W.,  Dr.,  Geol.,  1908.  Siegen  (Westf.),  Burgstr.  7. 

Henh,  Th.,  Generalagent,  1920.  Köln,  Salierring  57. 

H  c  n  n  i  g ,  E.,  Dr.,  Prof.,  1908.  Tübingen,  Schloßberg  15. 

H  e  n  t  r  i  c  h ,  W.,  Bergbaubefl.,  1923.  Crefeld- Böckum. 

Hepke,  K.,  Bergw. Dir.,  1920.  Dorndorf  (Rhön). 

Tierdorf,  Bergbau -  u.  Hütten- Akt. -Ges.  Friednchshiitte .  1920. 

Hermann,  P.,  Dr.,  Geol.,  1904.  Mannheim,  Stephanicn- 
ufer  17. 

Herr  mann,  E.,  stud.  phil.,  1922.  Berlin,  Seestr.  115. 

Herz,  W.,  Dr.,  Berging.,  1920.  Bochum  5,  Hei  ner  Str.  72. 

llcrzberg,  F.,  Dr.-Ing.,  Dipl. -Ing.,  1909.  WienI,  Opern¬ 
gasse  6. 

Herzog,  F.,  Dr.,  1920.  Nieder-Peilau-Schlössel,  Kreis 
Reichenbach,  Schlesien. 

Hcsemann,  F.,  Dr.,  Ing.,  1922.  Hannover,  Simsonstr.  12. 

Heß  von  Wichdorff,  H„  Dr.,  Prof.,  Bez.  Geol.,  1904. 
Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Hey  er,  O.,  BR.,  1920.  Winsen  (Luhe). 

H  e  v  k  e  s  ,  Dr.,  Chemiker,  1921.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

H  ibsch,  J.  E„  Dr.,  Prof.  i.  R.,  1883.  Wien  XVIII,  Erndt 
gasse  26 II. 

H  i  1  de  1)  r  a  n  d  ,  E.,  Dr..  1923.  Braunschweig,  Lützowstr.  3. 

Hildesheim ,  Börner-Museum.  1924.  Am  Stein  1. 

H  i  m  in  e  I  baue  r  ,  F.,  1923.  München,  Adellieidstr.  36. 

Hirni  enburg ,  Donnersmarekhütte,  Ober  seht  esi  sehe  Eisen-  und 
Kohlenwerke,  Akt. -Ges.,  1914. 

II  lause  tick.  H..  I)r.,  Geologe.  1923.  Xadwörna  (Polen). 
Vacimm  Oil  Co. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


/ 


► 


229 


H  1  a  w  a  t  s  c  h  ,  C.,  Dr.,  1907.  Wien  XIII/ö,  Linzer  Str.  456. 

Ho  ff  mann,  B.,  Dr.,  StR.,  1924.  Königsberg*  i.  Pr.,  Trag- 
heimer  Kirchenstr.  54. 

Hoffmann,  O.  R.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Hagenau  (Unter¬ 
elsaß),  Brunnenstubstr.  14. 

Hoffmann,  E.,  Dipl.-Berging.,  1925.  Halle  a.  S..  Riel Eck¬ 
platz  1. 

Hoffmann,  G.,  Dr.,  Geol.,  1916.  Binz  (Rügen). 

Hoffmann,  Werner,  Dr.,  Bergref.,  1920.  Halle  a.  S., 
Ernestusstr.  10. 

Hoffmann,  WTilh.,  Dipl.-Berging.,  1922.  Roitzsch,  Kr. 
Bitterfeld,  Delitzscher  Str.  6. 

Hohenheim ,  Geol.-Mineral.  Sammlung  der  Landwirt  sch. 
Hochschule ,  1922. 

Hohenstein,  V.,  Dr.,  1921.  Berlin  NW  7,  Neustädtische 
Kirchstr.  9. 

Hohraann,  E.,  Marksch.,  1920.  Bernburg,  Moltkestr.  2. 

Holling,  K.,  Marksch.,  1920.  Gladbeck  (Westf.),  Hermann¬ 
straße  23. 

Ho  1 1  s  tei  n ,  W.,  Dr.,  Ass.,  1924.  Danzig-Langfuhr,  Teehn. 
Hochschule. 

Holzapfel,  H.,  Marksch.,  1920.  Wellesweiler  bei  Neun¬ 
kirchen  (Saar). 

Homberg  (Niederrhein),  Steinkohlenbergwerk  „Rhein¬ 
preußen",  1913. 

Hoppe,  W.,  Dr.,  Ass.,  1922.  Darmstadt,  Geol.  Institut  der 
Technischen  Hochschule. 

Hotz,  W.,  Dr.,  1912.  Basel  (Schweiz),  Schantzenstr.  27. 

Hubach,  H.,  Dr.,  1921.  Bogota  (Kolumbien),  Apartado 305. 

Hucke,  R.,  Dr.,  StR.,  1917.  Templin  (Uckermark). 

H  u  g  i ,  E.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Bern,  Kornhausstr.  14. 

Hülsomann,  P.,  Bergass.,  1925.  Berlin  N  4,  Invaliden 
Straße  44. 

Hülsenbeck,  Thekla,  Dr.,  1913.  Göttingen,  Schiller¬ 
straße  66  n. 

Hummel,  K.,  Dr.,  Pd.,  1911.  Gießen,  Bahnhofstr.  65  B. 

Freiherr  v.  H  u  e  n  e  (v.  Hoyningen-Huene),  F.,  Dr.,  Prof., 
1899.  Tübingen,  Zeppelinstr.  10. 

Huth,  W.,  Dr.,  1912.  Berlin-Grunewald,  Umenauer Str. 9 B. 

Jaffe,  R.,  Dr.-Ing.,  Dipl.-Berging.  und  Marksch.,  1911. 
Charlottenburg  2,  Hardenbergstr.  3. 

J  a  e  g  e  r ,  W.,  1922.  Adorf  (Vogtland),  Elsterstr.  36. 

Jaekel,  O.,  Dr.,  Prof.,  GelnRegR.,  1884.  Greifswald. 
Bahnhofstr.  46  47. 


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230 


yJ 


Jan  cke-Bu  ebner,  Luise,  Dr.,  1919.  Hannover,  Im 
Moore  24  H. 

J  a  n  e  n  s  c  h ,  W.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1901.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  43. 

Ja  nicke,  J.,  Dr.,  1924.  Berlin-Dahlem.  Finnl aywer  8. 

Janus,  F.,  Markseh.,  1920.  Homberg  (Niederrhein),  König¬ 
straße  35. 

Jaworski,  E.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Bonn,  Nußallee  2. 

Ilgen,  Maria,  StR.,  1924.  Essen,  Richard- Wagner-Str.  36. 

Imeyer,  F.,  stud.  geol.,  1923.  Osnabrück,  Rolandstr.  10. 

John,  W.,  Dipl.-Ing.,  BR.,  1920.  Unna.  Iserlohner Str.  14. 

Johnsen,  A.,  Dr.,  Prof.,  1921.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  43. 

Johow,  P.,  BR.,  1914.  Buer  i.  W. 

J  u  n  g ,  E.,  Hüttenbesitzer,  1920.  Burgerhütte,  Burg  (Dill¬ 
kreis). 

Jung,  G.,  Kommerzienrat,  Direktor,  1901.  Neuhütte  bei 
Straßebersbach  (Dillkreis). 

Jüngst,  H.,  cand.  geol.,  1919.  Berlin  W 10,  Friedrich- 
Wilhelm-Str.  5. 

J  ü  n  g  s  t ,  O.,  BR.,  1920.  Siegen,  Friedrichstr.  1. 

Kahrs,  E.,  Dr.,  Museumsdirektor,  1923.  Essen,  Burgplatz  1. 

Kaiser,  E.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Rcg.-R.,  1897.  München, 
Neuhauser  Str.  51. 

Kaiser,  O.,  Markseh.,  1920.  Kray,  Essener  Str.  15. 

Kalb,  G.,  Dr.,  Ass.,  1923.  Köln,  Rhld.,  Severinsw  ill  38. 

Kalkowsky,  E.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Hofrat,  1874.  Dresden- A. 
24,  Nürnberger  Str.  48. 

Kalle,  F.,  01>erlehrer,  1922.  Göthen  (Anh.),  Dessauer 
Straße  19  a. 

Kam  mrad,  G.,  Dr.,  StR.,  1914.  Berlin N 20,  Uferstr.  10. 

Kappe,  G.,  Dr.,  StR.,  1923.  Bremen,  Bürgermeister 
Smidtstr.  3. 

Karlsruhe,  Geol.- Mineraloy.  Institut  der  Technischen  Hoch¬ 
schule,  1915. 

Kattowitz ,  Fürstlich  Plessischc  Bergwerksdirektion,  1914. 

Kaltowitz,  Kattowitzer  Akt.-Gcs.  für  Bergbau  und  Eisen¬ 
hüttenbetrieb,  1905. 

Kaltowitz ,  Ober  schlesischer  Berg -  und  Hüttenmännischer 
Verein,  1919. 

Kauen  ho  wen,  W.  P.,  Dr.,  Ass.,  1920.  Glausthal. 
Harz,  Bergakademie. 

K  a  u  n  h  o  w  e  n  ,  F.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1897.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Kautsky,  F.,  Dr.,  1919.  Wien. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


231 


Kegel,  \V.,  Dr.,  Geol.,  1913.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Keil,  G.,  Dipl.-Berging.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Gr.  Kayna  bei 
Merseburg. 

Keilhack,  K.,  Dr.,  Prof.,  Geh. BR.,  Abteilungsdirektor 
a.  D.,  1880.  Berlin- Wilmersdorf,  Bingerstr.  59. 

Ke  in  hör  st,  H.,  Marksch.,  1920.  Essen,  Kronprinzen¬ 
straße  24. 

K  e  m  p  i  n  ,  F.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Celle,  Hannoversche 
Allee  3. 

Kemp  ne  r,  M.,  Dr.,  Geh.  Justizrat,  1914.  Berlin  W 8, 
Taubenstr.  46. 

Keßler,  Paul,  Dr.,  Prof.,  1907.  Tübingen,  Geol.  Inst, 
d.  Univ. 

Keyßer,  C.,  Dr.,  Dipl.-Berging.,  Bergw.  Dir.,  1909.  Kali¬ 
werk  Steinförde,  Post  Wietze,  Kr.  Celle. 

Kiel ,  Universitäts-Bibliothek ,  1915. 

Kippenberger,  Bergass..  1921.  Gießern,  Bergstr.  5. 

Kipper,  H.,  Bergass.  a.  D.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Oberhausen 
(Rhld.),  Hermannstr.  14. 

Kirchen  (Sieg),  Storch  c£  Schöneberg^  Akt  -Ges.  f.  Berg¬ 
bau  und  Hüttenbetrieb ,  1920. 

Kirste,  E.,  Rektor,  1910.  Altenburg  (S.-A.),  Roonstr.  1. 

Klähn,  H.,  Dr.,  Pd.,  1910.  Rostock,  Geol.  Institut  der  Uni¬ 
versität. 

v.  Klebeisberg,  R.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Innsbruck,  Franz- 
Joseph-Str.  5. 

Kleemann,  A.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Bork  (Kreis  Lüding¬ 
hausen),  Zeche  Hermann. 

Klein,  G.,  Bergass.,  1920.  Halle  a.  S.,  Merseburger  Str. 59. 

Kleine,  E.,  BR.,  1920.  Dortmund,  Ostwall  60. 

Klemm,  G.,  Dr.,  Prof.,  OBR.,  1888.  Darmstadt,  Wittmann¬ 
straße  15. 

Klett,  B.,  Mittelschullehrer,  1920.  Mühlhausen  (Thür.), 
Bahnhof  str.  17. 

Klev  nm ans,  A.  J.,  Dr.,  Bergass.,  Bergw.  Dir.,  1920. 
Recklinghausen -Süd,  König  Ludwig,  Schulstr.  84. 

Klinghardt,  F.,  Dr.,  1910.  Greifswald,  Karlsplatz 3 1. 

Klingner,  W.,  Stadtingenieur,  1923.  Dortmund,  Wenker- 
straße  17. 

Kliver,  K.,  Marksch.,  1919.  Bochum,  Schillerstr.  37. 

Klock  mann,  F.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  RegR.,  1879.  Aachen, 
Technische  Hochschule. 

Klötzer,  M.,  BR.,  1920.  Dresden-A.,  Mosczinskystr.  19 1. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


232 


Kluge,  R.,  Betriebsführer,  1920.  Oelsburg,  Post  Groß- 
Ilsede. 

Klüpfel,  W.,  Dr.,  Pd.,  1921.  Gießen,  Riegelpfad 72. 

Knauer,  J.,  Dr.,  Reg.  Geol.,  Pd.  1907.  München  öS. 
Notburgastr.  6. 

Knepper,  G.,  Bergw.  Dir.,  1914.  Bochum  7,  Steinstr.  49. 

Kno bloch,  F.,  Marksch.,  1920.  Goslar  a.  H.,  Am  Oster¬ 
feld  2. 

Knod,  R.,  Dr.,  1907.  Traben -Trarbach  (Mosel). 

Iv  n  u  t  h  ,  H.,  Dr.,  1922.  Bonn,  Nußaliee  2. 

Kober,  L.,  Dr.,  Prof.,  1923.  WienI,  Universität,  Franzens - 
ring. 

Koch,  E.,  Dr.,  Stand.  Mitarb.  am  Min.-Geol.  Staatsinst.. 
1921.  Hamburg  5,  Lübecker  Tor  22. 

Koch,  M.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.  a.  D.,  1884.  Gohlis  bei 
Niederau  (Bez.  Dresden). 

K  o  c  k  e  1 ,  K.  W.,  Dr.,  1920.  Leipzig,  Albertstr.  36. 

Kofoed,  E.,  Bankassistent,  1921.  Tönder,  Dänemark, 
Handelsbanken. 

Kohl,  E.,  Dr.,  BR.,  1925.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  14. 

Köhler,  W.,  BR.,  1914.  Recklinghausen,  Friedhof  str.  1. 

Koehne,  Walter,  BR.,  1920.  Essen  (Ruhr),  Gutenberg¬ 
straße  79. 

Koehne,  Werner,  Dr.,  Prof.,  1902.  Berlin  W 9,  König- 
grätzer  Str.  123. 

Kolbeck,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1901.  F’eilx'rg  i.  Sa.. 
Marienstr. 

Kölbl,  L„  Dr.,  Ass.,  1924.  Wien  XVIII  1,  Feistiiiantel- 
straße  4. 

Köln ,  Geol.  Institut  der  Universität ,  1923.  Severinswall  38. 

König,  E.,  Studienass.,  1924.  Staßfurt,  Fürstenstr.  14. 

Koenig,  H.,  Betriebsdir.,  1920.  Essen- Bredenev,  Waldstr.  23. 

Königsberg ,  Geol.-Paläontol.  Institut  und  Bernstein  Samm¬ 
lung  der  Universität,  1922. 

Koenigsbcrger,  J.,  Dr.,  Prof.,  1911.  Freiburg  i.  Br.. 
Günterstalstr.  47. 

v.  Ko  e  n  i  g.s  w  al  d  ,  R.,  stud.  geol.,  1923.  Berlin  W  15, 
Bayerische  Str.  9. 

Ivöplitz,  W.,  Dr.,  Marksch.,  1920.  Börnig  bei  Herne. 
Kanalstr.  73. 

Korn,  J.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1896.  Berlin  N  4,  Invaliden¬ 
straße  44. 

Koert,  W.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1899.  Berlin  N  4,  Inva 
lidenstr.  44. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


WWW 


233 

Ko  ss  in  at,  Fr.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  Direktor  der  Sachs. 
Geol.  Landesanst..  1913.  Leipzig,  Talstr.  35. 
ost,  G.,  BR.,  1920.  Hannover,  Erwinstr.  4. 
oster,  F.,  StR.,  1924.  Brunmern  (Ruhr),  Heinrichstr.  1. 
rahmann,  M.,  Prof.,  Berging.,  Dozent,  1889.  Berlin 
W  15,  Meinekestr.  8. 

Kraisz,  A.,  Dr.,  Geol.,  1909.  Berlin- Wilmersdorf,  Sieg¬ 
burger  Str.  15. 

Krantz,  F.,  Dr.,  1888.  Bonn,  Herwarthstr.  36. 

Kranz,  W.,  Dr.,  Major  a.  D.,  L.  Geol.,  1909.  Stuttgart, 
Urbanstr.  41  a. 

Kratzert,  J.,  Dr.,  1921.  Frankfurt  a.  M.,  Eschenheimer 
Anlage  28. 

Kraus,  E.,  Dr.,  Pix>f.,  1917.  Königsberg  i.  Pr.,  Hinter¬ 
tragheim  21. 

Krause,  P.  G.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1889.  Eberswalde, 
Bi8marckstr.  26. 

Krau  sei,  R.,  Dr.,  Pd.,  1921.  Frankfurt  a.  M.,  Platz 
der  Republik  24. 

Krejci,  K.,  Dr.,  1923.  (’ampina,  Prah.,  Stirbei  Voda  20* 
Rumänien. 

K  r  e  n  k  e  1 ,  E.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Leipzig,  Ferdinand-Rhode- 
Straße  7  JI  r. 

Kretzschmar,  L.,  Seminarlehrer,  1920.  Köslin,  Wilhelm  - 
Straße  21. 

Kriegist  einer,  F.,  Lehrer,  1923.  München,  Plinganser 
Straße  57  d/3. 

Krollpfeiffer,  G.,  Dr.,  1910.  Berlin  SW  11,  Groß- 
beerenstr.  86 III. 

Kruft,  J.,  Marksch.,  1920.  Bergheim,  Post  Oestrum  (Kreis 
Mörs),  Mörser  Str.  4. 

Krumbeck,  L.,  Dr.,  Prof.,  1912.  Erlangen. 

Krümmer,  Dr.,  Bergass.,  1914.  Charlottenburg  9, 
Leistikowstr.  3. 

Krusch,  P.,  Dr.,  Prof.,  Geh. BR.,  Präsident  der  Geol. 
Landesanstalt,  1894.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Kühn,  B.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  L.  Geol.,  1884.  Berlin  N  4. 
Invalidenstr.  44. 

Kühne,  F.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Kühneweg,  E.,  cand.  geol.,  1923,  Berlin  N4,  Invalidenstr.  43. 

Kühnei,  A.,  Baurat,  1925.  Troppau  (C.  S.  R.),  Bicrnvinn- 
gasse  1 1 . 

Kuhse,  F.,  cand.  geol.,  1919.  Danzig,  Geol.  Institut  der 
Tochn.  Hochschule. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


234 


Kukuk,  P.,  Dr.,  Bergass.,  Pd.,  1907.  Bochum,  Bergstr.  135. 

Kumm,  A.,  Dr.,  Ass.,  1911.  Braunschweig,  Technische 
Hochschule. 

Kummerow,  E.,  Mitfeelschullehrer,  1912.  Brandenburg“ 
(Havel),  Vionvillestr.  19. 

Labryga,  II.,  Marksch,  1920.  Gleiwitz,  Schroeterstr.  15. 

Laibach,  Mineralogi sch-Petrographisches  Institut  der  Uni 
versität,  1923. 

Land  mann,  Lehrer,  1920.  Stolberg  (Harz). 

Lang,  R,  Dr.,  Prof.,  1909.  Halle  (Saale),  Wilhelmstr.  7. 

Lange,  W.,  Dr.,  Chemiker,  1920.  Berlin- Friedenau, 

Feurigstr.  10. 

Langewiesche,  F.,  Prof.,  1920.  Bünde  (West!.),  Her¬ 
forder  Str.  17. 

Laubinger,  M.,  1922.  Hamburg 20,  Lenhartzstr.  1. 

L  a  u  f  hü  1 1  e  ,  II.,  Marksch.,  1920.  Recklinghausen,  Reitzen- 
steinstr.  21. 

Laurahütte,  (O.-S.),  Berg  Verwaltung  der  V er.  Königs -  und 
Lanrahütte,  1920. 

Laurent,  A.,  Lehrer,  1920.  Hörde,  Viktoriastr.  8. 

Lebküchner,  R.,  cand.  geol.,  1923.  München,  Kobeli¬ 
st  raßc  15 III  1. 

L  e  b  1  i  n  g  ,  C.,  Dr.,  Pd.,  1923.  München,  Promenadestr.  15. 

Lehmann,  E.,  Dr.,  Prof,  1908.  Halle  (Saale),  Domstr.  5. 

L chma n  n  ,  K.,  Dr.,  Direktor,  1920.  Duisburg- Ruhrort, 

Hafenstr.  90. 

L  e  h  m  ann,  V.,  Marksch.,  1920.  Homberg  (Ndrrh.), 
Schützenstr.  107. 

Lehmann.  W.  M,  Dr.,  1921.  Hamburg,  Lübecker  Tor  24. 

Lehner,  A.,  Dr.,  StR.,  1917.  Neumarkt  (Oberpfalz), 
St.  Anna  8. 

Leichter -Sc  henk,  Dipl. -Berging.,  1914.  Borna  (Bez. 
Leipzig),  Altenburger  Str.  G-8. 

Leidhold,  C,  Dr,  1912.  Wietze  (Kr.  Celle). 

Leipzig ,  Geolog. -Patäontolog.  Institut  der  Universität ,  191 H. 
Talstr.  35. 

Leipzig,  Institut  jür  Mineralogie  und  Petrographie  der  Uni - 
versität ,  1921.  Talstr.  38. 

L  e  n  n  o  rn  a  n  n  ,  W,  Marksch,  1921.  Essen- Altenessen, 
Dammstr.  34. 

Leopoldshall-Staßfurt,  Anhaitische  Salzwerke,  G.m.b.H , 
1912. 

Leschnik,  P,  Marksch,  1920.  Gleiwitz  (O.-S.),  Mark- 
grafenstr.  17. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


235 


Leuchs,  K.,  Dr.,  Prof.,  1907.  München,  Neuhauser  Str.  51. 

L  i  a  t  s  i  k  a  s  ,  N.,  Geol.,  1922.  München,  Griechisches  Gene¬ 
ralkonsulat,  Maria-Theresia-Str.  22. 

Liebe  trau,  E.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Essen,  Retnatastr.  2. 

Liebrecht,  F.,  Dr.,  1909.  Lippstadt  (Westf.). 

Linde,  M.,  Dr.,  Generalsekretär,  1923.  Berlin-Schlachten¬ 
see,  Heinrichstr.  9. 

L  i  n  d  1  e  y  ,  H.  W.,  cand.  rer.  nat.,  1921.  Gießen,  Ludwig¬ 
straße  37. 

Lindner,  W.,  Marksch.,  1920.  Beuthen  (O.-S.),  Ring 21. 

von  L  i  n  s  to  w  ,  O.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1897.  Berlin N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Liste,  R.,  Berging..  Bergw.  Dir.,  1923.  Gießen,  Schlie߬ 
fach  14. 

Lohof f,  K.,  Dr.,  Fabrikant,  1923.  Benneckenstein  i.  Harz. 

Lohr ,  W.,  Marksch.  u.  ordentl.  Lehrer  a.  d.  Bergschule, 
1920.  Bochum,  Kanalstr.  24. 

Lorenz,  A.,  Marksch.,  1920.  Dillenburg.  • 

Lorenz,  O.,  Marksch.,  1920.  Dittersbach  bei  Walden¬ 
burg  (Schles.). 

Löscher,  W.,  Dr.,  Oberstudiendirektor,  1909.  Essen, 
Heinickestr.  6. 

Lossen,  A.,  BR.,  1920.  Köln,  Eifelstr.  19  HI. 

Lotz,  H.,  Dr.,  BR.,  1898.  Berlin-Dahlem,  Ehrenbergstr.  1 7. 

Löwe,  F.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Göttingen,  Brauweg  2. 

L  o  e  w  e  ,  L.,  Dr.,  BR.,  Bergw.  Dir.,  1910.  Lübtheen  (Meck¬ 
lenburg). 

Lö wengart,  St.,  stud.  rer.  nat.,  1923 

Lüdemann,  K.,  1919.  Freiberg  i.  Sa.,  Albertstr. 26. 

Macco,  A.,  Bergass.  a.  D.,  1897.  Köln-Marienburg, 

Leyboldstr.  29. 

Madsen,  V.,  Dr.,  Direktor  von  Danmarks  geologiske 
Undersögelse,  1892.  Kopenhagen  V.,  Kastanie  vej  10. 

Frhr.  von  Maltzahn,  R.,  1922.  München,  Widenmaver- 
straße  37. 

Marburg  (Bez.  Kassel ),  Geol.  Institut  der  Universität ,  1918. 

Matern,  Hans,  1925.  Frankfurt  a.  M.,  Sophienstr.  107. 

Mattes,  Studiendirektor,  1924.  Berlin- Adlershof,  Arndt¬ 
straße  7  b. 

Graf  von  Matuschka,  F.,  Dr.,  1882.  Berlin-Schöneberg, 
Innsbrucker  Str.  44 1. 

Maurer,  R.,  Erster  BR.,  1920.  Hannover,  Brahmsstr.  3. 

Meggen  /.  Westf.,  Gewerkschaft  Sachtleben,  1914. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


236 


Mehner  t,  W.,  Fregattenkapitän  a.  D.,  1920.  Naumburg 
a.  S.,  Lützowstr.  4. 

Mcigen,  W.}  Dr.,  Prof.,  1913.  Gießen,  Bleichstr.  20. 

Meisner,  M.,  BR.,  1920.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Meister,  E.,  Dr.,  Geol.,  1912.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Mendel,  .T.,  Schriftsteller  und  Redakteur,  1921.  Berlin* 
Wilmersdorf,  Berliner  Str.  15. 

Menzel,  P.,  Dr.,  Sanitätsrat,  1920.  Dresden- A..  Mathilden* 
Straße  46. 

Mertens,  A.,  Dr.,  Prof.,  Museumsdirektor,  1920.  Magde 
hur«:,  Domplatz  5. 

Mortin,  H.,  1922.  Quedlinburg,  Bismarekstr.  7. 

Merzbacher,  G.,  I)r.,  Prof.,  1906.  München,  Möhlstr.  25. 

Mestwerdt,  A.,  Dr.,  Prof.,  Bez.  Geol.,  1902.  Berlin 
N  4,  Invalidenstr.  44. 

Metzger,  A.  A.  Th.,  mag.  phil.,  1921.  Helsingfors  (Finn¬ 
land),  Nikolaigataö. 

Meyer,  41.,  Gasinspoktor,  1920.  Saatfeld  (Saale),  Gas- 
und  Wasserwerk. 

Meyer,  J.,  Marksch.,  1921.  Kassel,  Kaiserstr. 3. 

Meyer  hoff,  K.,  Bergass.,  1920.  Schoenebeck  a.  d.  Elbe, 
Preuß.  Bohrverwaltung. 

Meyerstein,  S.,  I)r.,  Bankier,  1920.  Hannover,  Land- 
schaftsstr.  6. 

Michael,  R.,  Dr..  Prof.,  Geh.  BR.,  Abteilungsdirektor, 
1894.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Michel,  H.,  Dr.,  1921.  Wien  I,  Burgring  7. 

Michels,  F  ,  Dr.,  Geol.,  1921.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Middeldorf,  II.,  BR..  Bergw.  Dir.,  1920.  Leopoldshall- 
Staßfurt,  Gartenstr.  5. 

M  i  d  d  e  n  d  o  r  f  f ,  E.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Berlin-Steglitz, 
Rothenburgstr.  12. 

Mielecke,  W.,  Katastordirektor,  1924.  Finsterwalde 
(N.  L.),  Parkst  r.  2. 

Milch,  L.,  Dr.,  Prof.,  1887.  Breslau,  Landsbergstr.  12. 

Mintrop,  L.,  Dr.,  Direktor,  1920.  Hannover.  Geliert¬ 
straße  25  A. 

Mitzopuios,  M.,  Dr.,  1922.  München,  Blütenstr.  8. 
bei  Zeis. 

Mohr,  H.,  Dr.,  Prof.,  1921.  Graz  (Steiermark),  Ruckerl¬ 
berggürtel  18. 

M  ö  h  r  i  n  g  ,  W.,  Dr.,  Geol.,  1909.  Buenos  Aires  (Argentinien), 
Calle  25  de  Mayo  182. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


237 


Mo  Ido  uh  aiier,  E.,  I)r.,  1924.  Gleiwitz  (0.-8.),  Roß- 
marktstr.  1. 

Molengraaff,  G.  A.  F.,  Dr.,  Prof.,  1888.  Delft,  Kanaal- 

wog  8. 

Möller,  J.,  Markseh.,  1920.  Essen,  Brunhiklestr.il. 

Mommertz,  \V.,  Bergbaubefl.,  1920.  Haintorn  (5,  War* 
bruckstr.  35. 

Monke,  H.,  Dr.,  1882.  Berlin-Wilmersdorf,  Jenaer 8tr.  7. 

Mo o  s  ,  A.,  Dr., Geol.,  1922.  Durlach  (Baden),  Alte  Karlsruher 
Straße  5. 

Mühlberg,  J.,  Konsul,  1905.  Dresden-A.,  Wallstr.  15. 

Mühlberg,  M.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Aarau,  Schweiz. 

von  zur  Mühlen,  L.,  Dr.,  Geol.,  1917.  Berlin  N  4,  Inva- 
lidenstr.  44. 

Müldncr,  A.,  Stadtoberinspektor,  1922.  Berlin N 113, 
Wichertstr.  63. 

Müller,  C.  G.,  Dr.,  1923.  Berlin  C  2,  Kl.  Poststr.  6. 

Müller,  CK,  stud.  geol.,  1920.  Aisleben  a.  S. 

Müller.  Jul.,  Markseh.,  1920.  Gladbeck  (Westf.),  Grüner 
Weg  5. 

Müller,  Walther,  Dr.,  Bergw.  Dir.,  1922.  Grube  Jlse 
(N,L.). 

Müller,  W.,  Marksch.,  1920.  Ibbenbüren  (Westf.),  Nord¬ 
feldmark  42. 

Müller -  Herrings,  P.,  Bergass.,  1909.  Charlottenburg  5, 
Herbartstr.  16. 

München ,  Bäuerische  Staat ssammlung  für  Paläontologie  und 
historische  Geologie ,  1905.  Neuhauser  Str.  51. 

München ,  Generaldirektion  der  staatl.  Berg-,  Hütten-  und 
Salzwerke ,  1920.  Ludwigstr.  161. 

Münker,  A.,  Berging.,  1923.  Gießen,  Frankfurter  Str.  45. 

Murin  an  n,  A.,  Marksch.,  1920.  Hamborn  (Rhld.),  Duis¬ 
burger  Str.  301. 

Musper,  F.,  Dr.,  Geol.,  1921.  Indragiri,  Taloek,  Sumatra. 

Nägele,  E.,  Verlagsbuchhandlung,  1905.  Stuttgart,  Jo- 
hanni8Str.  3  a. 

Naumann,  INI.,  Dr.,  1898.  Frankfurt  a.  M.,  Kletii*nl>erg- 
straße  1 3. 

Naumann.  Ernst,  I)r.,  Prof.,  E.  Geol.,  1K98.  Berlin  NI, 
Invalidenstr.  44. 

Naumann,  F.,  BR.,  1920.  Recklinghausen,  Martinistr.il. 

Neu  borg,  A.,  D.,  Superintendent,  1925.  Meißen  (Sa.), 
Freiheit.  9. 


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238 


N  e  u  in  a  n  n  -  v  an  Pa  d  an#,  Dr.,  1 1)22.  Borliu  W  l'>.  Pfalz 
bugerrstr.  13. 

Neurode  bei  Breslau ,  Gewerkschaft  Neuroder  Kohlen-  und 
Tonwerke ,  1914. 

Neuwelzow  (Nieder- Lausitz),  Eintracht ,  Braunkohleniverkc 
und  Brikettf abriken,  1914. 

Neu-Weiß  stein,  Post  Altwasser  (Schlesien),  Verwaltung  d. 
Steinkohlenbergwerke  Gons.  Fuchsgrube  u.  Davidgrube., 
1914. 

N  i  e  ho  f  f  ,  E.,  Dipl. -Ing.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Frankfurt  a.  O., 
Gubener  Str.  1. 

Nicmczyk,  0.,  Marksch.  u.  Landmesser,  1920.  Beuthen 
(O.S.),  Hindenburgstr.  16  b. 

N  i  e  ts  c  h  ,  H.,  Dr.,  1921.  Berlin  W  30,  Martin-Luther- 
Straße  97. 

Nimptsch,  W.,  BR.,  1920.  Berlin  W  30,  Luitpoldstr.  12. 

Nippert,  O.,  Studienrätin,  1922.  Liegnitz,  Scheibestr.  26. 

Baron  Nopcsa,  F.,  Dr.,  1903.  WienI,  Singerstr.  12. 

N  ö  t  h ,  L.,  cand.  geol.,  1920.  München,  Adalbertstr.  35. 

Noetling,  F.,  Dr.,  Hofrat,  1903.  Baden-Baden,  Bismarck¬ 
straße  23. 

Nowack,  E.,  Dr.,  1919.  WienI,  Burgring7. 

N  u  s  s  ,  W.,  StR.,  1920.  Senftenberg  (N.-L),  Dresdener  Str.  7. 

Oebbeke,  K.,  Dr.,  Prof.,  Geh. Hofrat,  1882.  München. 
Arzisstr.  21. 

Oberste  Brink,  K.,  Dr.,  Abt.-Dir.,  19 1 2.  Gelsenkirchen. 
Rhein- Elbe-Str.  62. 

O  b  p  a  c  h  e  r  ,  H.,  Dr.,  1923.  München,  Franz-Joseph-Str.14  H. 

Oldau ,  Post  Winsen  ( Aller),  Kaliwerke  Prinz  Adalbert,  .17»*/.- 
Ges.  in  Liqu.,  1922. 

Olzhauscn,  K.,  Lehrer  am  Lyzeum,  1920.  Salzwedel, 
Schäferstegel  35. 

Oppenheim,  P.,  Dr.,  Prof.,  1889.  Berlin-Lichterfeldc, 
Sternstr.  19. 

Oppenheimer.  J.,  Dr.,  Pd.,  1920.  Brünn  (Tschecho¬ 
slowakei),  Schillergasse  10. 

Ortmann,  P.,  Dr.,  Sanitätsrat,  1924.  Danzig,  Jopen- 


gasse  68. 

Oe  st  re  ich,  Iv.,  Dr., 

Prof., 

1908. 

Utrecht,  Catharijne 

singel  61. 

Pacckelmann,  W., 

Dr., 

Geol., 

1914.  Berlin  N  4,  In 

validenstr.  44. 

Pachr,  W.,  BR.,  Generaldirektor,  1920.  Mengede  (Kr. 
Dortmund),  Zeche  A.  v.  Hansemann. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


239 


Panzer,  W.,  Dr.,  Ass.,  1922.  Gießen,  Geograph.  Inst, 
d.  Univ.,  Brandplatz. 

Partsch,  K.,  Bergass.,  1920.  Herne  (Westf.),  Zeche 
Shamrock. 

Paessler,  H.,  1920.  Dresden-A.,  Bernhardstr.  17. 

Paulcke,  W.,  Dr.,  Prof.,  1901.  Karlsruhe,  Technische 
Hochschule. 

Veiskr  et  schäm  (O.S.),  Deutsch- Obei' schlesische  Bergschul¬ 
kurse ,  1905. 

Peltz,  W.,  Markseh.  u.  Landmesser,  1920.  Köln  (Rh.), 
Neußer  Platz  8. 

Penck,  A.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Reg.  R.,  1878.  Berlin  NW  7, 
Georgenstr.  34-36. 

Person,  P.,  Kaufmann,  1901.  Hannover,  Georgstr.  13. 

Petrascheck,  W.,  Dr.,  Prof.,  1901.  Leoben  (Steier¬ 
mark),  Montanistische  Hochschule. 

Petri,  Th.,  Bergass.  a.  D.,  1923.  Gießen,  Ludwigstr.  I. 

P  f  a  f  f ,  F.  W.,  Dr.,  L.  Geol.,  1887.  München,  Königinstr.  8 III. 

Pfaffenberg,  Lehrer,  1923.  Vorwohlde  bei  Sulingen, 
Hannover. 

Pfalz,  R.,  Dr.,  Geol.,  1924.  Berlin-! ’harlottenburg,  Osna- 
brücker  Str.  1. 

Pfeiffer,  H.,  Dr.,  Prof.,  Chemiker,  1920.  Charlottenburg, 
Rönnestr.  3. 

Pfeiffer,  W.,  Dr.,  StR.,  1922.  Stuttgart-Ostheim,  Teck¬ 
straße  79. 

Pfister,  E.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Rossleben  a.  U. 

Philipp,  H.,  Dr.,  Prof.,  1903.  Köln  (Rh.),  Severinswall  38. 

Philipp  i,  H.,  Dr.,  Major,  1923.  Scheveningen  (Holland), 
Badhuisweg  94. 

Philippson,  A.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Reg.  R.,  1892.  Bonn, 
Königstr.  1. 

v.  Philipsborn,  H.,  Dr.,  1925.  Leipzig,  Talstr.  38. 

Pia,  J.,  Dr.,  Kustos,  Pd.,  1921.  WienI,  Burgring  7. 

Picard,  E.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1904.  Berlin  N  4,  Inva- 
lidenstr.  44. 

Picard,  L Dr.,  1921.  Konstanz  (Baden),  Bahnhofstr.  12. 

Pietzke,  H.,  Lehrer,  1920.  Guben,  Hohlweg  5. 

P  i  e  t  z  s  c  h ,  K.,  Dr.,  L.  Geol.  1908.  Leipzig,  Talstr.  35 II. 

Pilz,  R.,  Dr.,  Dipl.-Ing.,  1913.  Valparaiso  (Chile),  Casilla276. 

Pittsburgh  (Penn.,  U.S.A,).  Carnegie  Museum ,  1911. 

Plieninger,  F.,  Dr.,  Prof.,  1891.  Hohenheim  bei  Stutt¬ 
gart,  Landwirtsch.  Hochschule. 


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Original  from 

UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


240 


P 1  o  n  a  i  t ,  C.,  Chemiker,  1924.  Königsberg  i.  Pr.,  Tuch* 
macherstr.  1. 

Pohl,  M.,  Bergass.  a.  D.,  Bankdirektor,  1920.  Berlin- 
Schöneberg,  Freiherr- v.-Stein-Str.  5. 

Pollack,  V.,  Prof.,  1914.  Wien III,  Barmherzigengasse  18. 

Pompeckj,  J.  F.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1898.  Berlin 
N  4,  Invalidenstr.  43. 

Pontoppidan,H.,  Dr.,  1907.  Hamburg  5,  An  der  Alster  47. 

Popoff,  B.,  Dr.,  Prof.,  1922.  Riga,  Popoffstr. 8. 

Porro,  C.,  Dr.,  1895.  Mailand,  4  Via  Gernuschi. 

Porsche,  J.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Aussig  (Böhmen),  Anzen- 
gruberstr.  2. 

Portis,  A.,  l)r.,  Prof.,  1876.  Rom,  Istituto  geologico 
universitär  io. 

P  o  t  o  n  i  e  ,  R.,  Dr.,  Ass.,  Pd.,  1920.  Berlin  N  4, Invalidenstr. 44. 

P  o  e  t  s  c  h  e  1 ,  E.,  StR.,  1922.  Strehlen  (Schles.). 

Prag ,  Geologisches  Institut  der  Deutschen  Universität ,  1911. 
II,  Weinberggasse  3. 

Pratje,  O.,  Dr.,  Pd.,  1919.  Königsberg  i.  Pr.,  Lange 
Reihe  4. 

Presse  l,  K.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Baurat.,  1907.  München,  Hei 
zogstr.  64 III. 

Priehüusser,  M.,  Dr.,  Prof.,  1923.  Regensburg,  Hoppe¬ 
straße  1. 

Prinz,  E.,  Zivilingenieur,  1916.  Berlin-Zehlendorf-Mitte, 
Schweitzerstr.  24. 

Putsch,  A.,  Dr.-Ing.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Kupferdreh. 

Putsch,  H.,  Berging.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Brücherhof  bei 
Hörde  (Westf.),  Südstr.  6. 

Quantz,  H.,  Prof.,  StR.,  1921.  Gronau  i.  Westf.,  Moltkestr. f>. 

Quelle,  O.,  Dr.,  Pd.,  1903.  Bonn,  Kurfürstenstr. 66. 

Quenstedt,  W.,  Dr.,  Ass.,  1922.  Berlin N 4,  Invaliden¬ 
straße  43. 

Quentin,  E.,  Betriebsdirektor,  1920.  Weidenau  (Sieg), 
Burgstr.  22. 

Quiring,  II.,  Dr.,  BR.,  Bez. Geol.,  1912.  Berlin N 4,  In- 
validenstr.  44. 

R  a  d  o  s  1  a  w  o  w  ,  B.  M.,  Dipl. -Berging.,  Berghauptmann, 
1914.  Sofia,  Boulevard  Ferdinand  54. 

Rae  f ler,  F.,  Dr.,  Bergass.,  1908.  Berlin -Wilmersdorf, 
Jenaer  Str.  7. 

Ramann,  E.,  Dr.,  Prof..  1898.  München,  Amalienstr. 52. 

Ramdohr,  P.,  Dr.,  Pd.,  1921.  Clausthal,  Kronenplatz. 


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Original  from 

UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


Berlin-Lichter- 


241 

Range,  P.,  Dr.,  Geh.  BR.,  Pd.,  1905. 
felde,  Flotowstr.  1 1. 

Rassmuss,  H.,  Dr.,  St. Geol.,  1910.  Buenos  Aires 
(Argentinien),  B.  Mitre  531. 

Ra thgen,  A.,  Oberlehrerin,  1924.  Hamburg  21,  Hof¬ 
weg  85. 

R  a  t  h  k  e  ,  M.,  Generaldirektor,  1920.  Kassel,  Hohenzollern- 
straße  82. 

Rau,  K.,  Dr.,  Forstmeister,  1905.  Heidenheim  a.  Brenz. 

Rauff,  H.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1877.  Charlottenburg, 
Leibnizstr.  91. 

Rebholz,  E.,  Oberlehrer,  1923.  Tuttlingen,  Neuhauser 
Straße  1. 

Reck,  H.,  Dr.,  Ass.,  1908.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  43. 

Recklinghausen ,  Staatl.  Bergwerksdirektion ,  1914. 

Reeh,  R.,  Marksch.,  Bergbauinspektor,  1920.  Koblenz- 
Neuendorf,  Neuendorfer  Str.  155. 

Reich,  H.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin N 4,  Invalidenstr. 44. 

Reinheimer,  S.,  Dr.,  1921.  Pforzheim,  Luisenstr. 62. 

Reis,  O.  M.,  Dr.,  Oberbergdirektor,  1920.  München, 
Arzisstr.  4711. 

Reiss,  P.,  Marksch.,  1920.  Rockershausen  (Saar),  Pro- 
vinzialstr.  52. 

R  e  n  i  s  c  h  ,  A.,  StR.,  1920.  Remscheid,  Körnerstr.  12. 

R  e  n  z ,  C.,  Dr.,  Prof.,  1903.  München,  Theresienstr.  1 III. 

Repatzki,  K.,  Dr.,  Bergref.,  Dipl.-Ing.,  1923.  Breslau  9. 
Stemstr.  66. 

Rettschlag,  W.,  Studienass.,  1920.  Bernau  (Mark),  Bör- 
nieker  Str.  16. 

Reuning,  E.,  Dr.,  Pd.,  1910.  Gießen,  Ludwigplatz 2. 

Reu  ss,  M.,  Prof.,  Wirkl.  Geh.  OBR.,  1920.  Berlin-Grune- 
wald,  Egerstr.  1. 

Reuter,  F.,  Bergass.,  1920.  Berlin  W  62,  Wittenberg¬ 
platz  3  a. 

Richarz,  St.,  Dr.,  1919.  Techny  (JIl.,  II.  S.  A.). 

Richter,  H.,  Dr.,  Ass.,  1923.  Gießen,  Min. -Geol.  Inst, 
d.  Univ. 

Richter,  M.,  Dr.,  Pd.,  1922.  Bonn,  Nußallee  2. 

Richter,  R.,  Dr.,  StR.,  Pd.,  1907.  Frankfurt  a.  M., 
Feldbergstr.  30. 

Richter,  W.,  Dr.,  Direktor,  1922.  Neukirch  a.  d.  Katzbach. 

Riedel,  H.,  Dr.,  Studienrätin,  1922.  Spremberg  (Lausitz), 
Bautzener  Str.  7. 

Zeitschr.  d  D.  Geot.  Gos.  1924.  16 


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Original  from 

UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


240 


P 1  o  n  a  i  t ,  C.,  Chemiker,  1924. 
macherstr.  1. 

Pohl,  M.,  Bergass.  a.  D., 
Schöneberg,  Freiherr- v.-S 
Po llack,  V.,  Prof.,  1914. 


Pompeckj,  J.  F.,  D 
N  4,  Invalidenstr.  43 
P  o  n  to  p  p  i  (1  a  n  ,  H.,  T 
P  o  p  o  f  f ,  B.,  Dr.,  P 
Porro,  C.,  Dr.,  1  f 
Porsche ,  J.,  Di 
gruberstr.  2. 

Portis,  A.,  T 
universitär 
Po  to  n  i  e  ,  B 
Poetsche 
Prag,  Geol 
II,  V 
P  r  a  t  j  < 


■rsr 


idirektor, 

..  1921.  London  S  23 

1910.  Mannheim,  S.  $  30. 
pl.  Berging.,  Bergw.  Dir^  Marksch.. 
Rhld.),  IIufstr.20. 

Sanitätsrat,  1922.  Liegnitz,  j>ovestr.  2. 
baubefl.,  1923.  Charlottenburg-  9,  Ahorn* 


Rr 

Pr  e 


r,  J.,  BR..  1920.  Siegen,  Sandstr.  69. 
irunk,  E.,  Dr.,  StR.,  1921.  Nordhausen,  Sanger- 


4ser  Str.  15. 

p  er,  L.,  Dr.,  Pd.,  1920.  Heidelberg,  Hauptstr. 52 II. 
uscwald,  Dr.,  StR.,  1921.  Wanne,  Kaiser- Wilhelm- 
Straße  9. 

3  u  1 1  e  n  ,  L.,  Dr.,  1907.  Utrecht.  C.  Evertsenstr.  7. 

Salomon-Calvi,  W.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Hofrat,  1891. 
Heidelberg,  Hauptstr.  52 II. 

Salfeld,  H.,  Dr.,  Prof.,  1905.  Göttingen,  Geolog.  Inst 
d.  Univ. 

Salz  mann,  Dipl. -Berging.,  1920.  Derichsweiler  bei  Duveu 
(Rhld.). 

Samojloff,  J.,  Dr.,  Prof.,  1922.  Moskau  (Rußld.)^  Po- 
trowsko-Rasumovskoje,  Landwirtschaftliche  AkadeiDie- 

Sandberg,  C.  G.  S.,  Ihr.  Dr.,  1923.  Haarlem  (Holl.), 
Spruitenboschstr.  18. 

Sauer  ,  A.,  Dr.,  Prof.,  1876.  Stuttgart,  Sees tr.  124. 

Sauer,  K.,  Dr.,  StR.,  1922.  Glogau,  Friedrichstr.  2. 

Sauerbrey,  E.,  Marksch.,  1920.  Karnap,  Ldkr.  Essen. 

Saul,  II.,  Marksch.,  1920.  Recklingshausen-Süd  (Köa^ 
Ludwig),  König-Ludwig-Str.  158. 

Schal la,  E.,  Landmesser  u.  Marksch.,  1920.  Hamta/0 
(Rhld.),  Maxstr.  5. 


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Cf\(>  Original  from 

W  'gl-HJNIVERSITYOF  MICHIGAN 


Frankfurt  a.  M.,  Born- 


Vogtl.,  Blücherstr.  9. 
'emnitz,  Hohe  Str.  3. 
^rgartenstr.  4. 
ies  AUenberg c s 


lidenstr.  44. 
sumoffsky 


ergass 


v.  H.,  Dr.,  Oberass., 
Gerhardt-Str.  9. 


Bergw.  Dir.,  1920.  Sorau  (N.-L.),  Lo-  > 

"’olf,  O.  H.,  Dr.,  Pd.,  1920.  Marburg 
Geoi.  Institut. 

iwy,  Marksch.,  1920.  Beuthen  (O.-S.),  Rokok,. 
grübe. 

^  1  a  f  k  c ,  0.,  Bergass.,  Reg.  R.  a.  D.,  1913.  Hannover 
.  "oltkeplatz  711. 

^•agintweit,  0.,  Dr.,  Pd.,  1907.  Berlin-Charlotten- 
.  ourg,  Hardenbergstr.  43. 

^ a  r  b ,  Bergass.  a.  D.,  1920.  Kirchderne,  Kr. 
Dortmund. 

Schleier,  0.,  Marksch.,  1923.  Mülheim  (Ruhr)-Heissen, 
Kruppstr.  68. 

8chlei fenbaum,  F.,  Bergass.,  1920.  Siegen  (Westf.), 
Wellerbergstr.  7. 

Schien  zig,  J.,  Dipl.-Ing.,  Bergw.  Dir.,  1898.  Berlin 
NW  52,  Kirchstr.  1. 

schlitzberger,  K.,  BR.,  1920.  Goslar  (Harz),  von 
Gamenstr.  1. 

schl0ßmacher,  K.,  Dr.,  Geol.,  Pd.,  1912.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Schm  a  len  b  ach,  W.,  Marksch.,  1920.  Waldenburg 
(Schles.),  Fürstensteiner  Str.  16. 

Schm  idle,  W.,  Dr.,  Oberrealschuldirektor,  1909.  Kon¬ 
stanz  (Baden),  Mainaustr.  19. 

Schmidt,  Adele,  StR.,  1924.  Liegnitz,  Doktorgang  22. 
Schmidt,  A.,  Dr.,  L. Geol.,  1905.  Stuttgart,  Falkertstr.  63. 
Schmidt,  C.,  Dr.,  1922.  Houston  (Texas,  U.  S.  A.),  109, 
Hawthorne  Ave. 


16* 


Original  from 

Digitized  by  gl^JNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


242 


Riedel,  L.,  stud.  geol.,  1924.  Clausthal,  Zellbach  63. 

Riedl,  E.,  Lehrer,  1911.  Elbersberg,  Post  Pottenstein 
(Oberfr.). 

Rimann,  E.,  Dr.,  Prof.,  1908.  Dresden- A.  24.  Kaitzer 
Straße  17. 

Rinne,  F.,  Dr.,  Piof.,  Geh.  Reg.  R.,  1887.  Leipzig,  Tal 
Straße  38. 

Rode,  K.,  cand.  geol.,  1921.  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  311 

Rödel,  H.,  Dr.,  OberStR.,  1919.  Frankfurt  a.  0.,  Sophien¬ 
straße  12. 

Roedel,  S.,  Prof.,  Oberstudiendirektor,  1919.  Fürth 
(Bayern),  Kaiserstr.  94. 

R  o  h  1  e  d  e  r  ,  H.,  cand.  geol..  1921.  London  S  E  23.  Forest 
Hill,  15  Cranston  Hill. 

Röhr  er,  F.,  Dr.,  Prof.,  1910.  Mannheim,  S.  6,  30. 

Roelen,  W.,  Dr.,  Dipl.  Berging.,  Berg w.  Dir.,  Marksch.. 
1920.  Hamborn  (Rhld.),  Hufstr.20. 

R  o  s  e  n  o  w  ,  Dr.,  Sanitätsrat,  1922.  Liegnitz,  Dovestr.  *2. 

Roethe,  0.,  Bergbaubefl.,  1923.  Charlottenburg  9,  Ahorn- 
ailee  39. 

Rothmaler,  J.,  BR.,  1920.  Siegen,  Sandstr.  69. 

Rübenstrunk,  E.,  Dr.,  StR.,  1921.  Nordhausen,  Sanger- 
häuser  Str.  15. 

Rüger,  L.,  Dr.,  Pd.,  1920.  Heidelberg,  Hauptstr. 52 II. 

Rusewald,  Dr.,  StR.,  1921.  Wanne,  Kaiser- Wilhelm- 
Straße  9. 

Ru t ten.  L.,  Dr.,  1907.  Utrecht,  C.  Evertsenstr.  7. 

Salomo  n-Calvi,  W.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Hofrat,  1891. 
Heidelberg,  Hauptstr.  52 II. 

Salfeld.  H.,  Dr.,  Prof.,  1905.  Göttingen,  Geolog.  Inst, 
d.  Univ. 

Salz  mann,  Dipl. -Berging.,  1920.  Derichsweiler  bei  Düren 
(Rhld.). 

Samojloff,  J.,  Dr.,  Prof.,  1922.  Moskau  (Rußld.),  Pe- 
tnowsko-Rasumovskoje,  Landwirtschaftliche  Akademie. 

Sandberg,  C.  G.  S.,  Ihr.  Dr.,  1923.  Haarlem  (Holl.), 
Spruitenboschstr.  18. 

Sauer  ,  A.,  Dr.,  Prof.,  1876.  Stuttgart,  Sees tr.  124. 

Sauer,  K.,  Dr.,  StR.,  1922.  Glogau,  Friedrichstr.  2. 

Sauerbrey,  E.,  Marksch.,  1920.  Karnap,  Ldkr.  Essen. 

Saul,  II.,  Marksch.,  1920.  Reeklingshausen-Süd  (König 
Ludwig),  König-Ludwig-Str.  158. 

S  c  h  a  1 1  a ,  E.,  Landmesser  u.  Marksch.,  1920.  Hamborn 
(Rhld.),  Maxstr.  5. 


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Original  from 

UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


c/j  csi 


243 


Schänder,  H.,  Di\,  1922.  Braunschweig,  Moltkestr.  10 1. 

Scharf,  W.,  Betriebsdirektor,  1920.  Benzelrath  bei  Köln, 
Post  Frechen. 

Scheffer,  L.  R.,  Dr.-Ing.,  Bergass.,  1912.  Frankfurt  a. 
M.,  Wolfsgangstr.  107. 

Schehrer,  L.,  Dr.,  1923.  München,  Reichenbachstr.  16 1. 

Scheibe,  F.  A.,  Dr.,  Dipl.-Berging.,  1923.  Bogotä  (Ko¬ 
lumbien),  Apartado  305. 

Scherber,  P.,  Dr.,  Geh. Rat,  1925.  München  9,  Hart- 
hausener  Str.  117. 

Scherkamp,  H.,  Bergass.  a.  D.,  1920.  Berlin W  15,  Wie¬ 
land  str.  25/26. 

Scheu  mann,  K.  H.,  Dr.,  Oberass.,  Pd.,  1923.  Grimma 
(Sa.),  Paul- Gerhard t-Str.  9. 

ch  i  e  d  t ,  F.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Sorau  (N.L.),  Logenstr.  2. 
chindewolf,  O.  H.,  Dr.,  Pd.,  1920.  Marburg  (Bez. 
Kassel),  Geol.  Institut. 

Schiwy,  Marksch.,  1920.  Beuthen  (O.-S.),  Rokoko¬ 
grube. 

Schlaf  ko,  O.,  Bergass.,  Reg.  R.  a.  D.,  1913.  Hannover, 
Moltkeplatz  7 1 1. 

Sch  lagi  ntwei  t,  O.,  Dr.,  Pd.,  1907.  Berlind  harlotten- 
burg,  Hardenbergstr.  43. 

Schlarb,  O.,  Bergass.  a.  D.,  1920.  Kirchderne,  Kr. 
Dortmund. 

Schleier,  0.,  Marksch.,  1923.  Mülheim  (Ruhr)-Heissen, 
Kruppstr.  68. 

Schleifenbaum,  F.,  Bergass.,  1920.  Siegen  (WestlV), 
Wellerbergstr.  7. 

S  c  h  1  e  n  z  i  g  ,  J.,  Dipl. -Ing.,  Bergw.  Dir.,  1898.  Berlin 
NW  52,  Kirchstr.  1. 

Schlitzberger,  K.,  BR.,  1920.  Goslar  (Harz),  von 
Gamenstr.  1. 

Schloßmacher,  K.,  Dr.,  Geol.,  Pd.,  1912.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Schmalenbach,  W.,  Markseh.,  1920.  Waldenburg 
(Schles.),  Fürstensteiner  Str.  16. 

S  c  h  m  i  d  1  e  ,  W.,  Dr.,  Oberrealschuldirektor,  1909.  Kon¬ 
stanz  (Baden),  Mainaustr.  19. 

Schmidt,  Adele,  StR.,  1924.  Liegnitz,  Doktorgang  22. 

Schmidt,  A.,  Dr.,  L.  Geol.,  1905.  Stuttgart,  Falkertstr.  63. 

Schmidt,  C„  Dr.,  1922.  Houston  (Texas,  U.S.A.),  109, 
Hawthorne  Ave. 

16* 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


244 

Schmidt,  H.,  Dr.,  Kustos,  Pd.,  1920.  Güttingen,  Plank- 
straße  6. 

Schmidt,  H.,  Marksch.,  1920.  Witten  (Ruhr),  Schulstr. 42. 

Schmidt,  W.,  Marksch.,  1920.  Beuthen  (O.S.),  Eichen¬ 
dorffstraße  9. 

Schmidt,  W.  E.}  Dr.,  BR.,  Bez.  Geol.,  1904.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Schmidtgen,  O.,  Dr.,  Prof.,  Museumsdirektor,  1921. 
Mainz,  Naturhistorisches  Museum. 

Schmierer,  Th.,  Dr.,  Prof.,  BR.,  Bez.  Geol.,  1902. 
Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Schmitz,  W.,  Marksch.,  1920.  Rotthausen  (Kreis  Essen), 
Wiehagenstr.  5. 

Schnarrenberger,  K.,  Dr.,  L. Geol.,  1904.  Freiburg 
i.  Br.,  Burgunder  Str.  26. 

Schneid,  Th.,  Dr.,  Hauptkonservator,  1921.  Bamberg, 
Xaturalienkabinett. 

Schneider,  0.,  Dr.,  Prof.,  Kustos,  1900.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Schneiderhöhn,  H.,  Dr.,  Prof.,  1911.  Aachen,  Tech¬ 
nische  Hochschule. 

Schnepff,  H.,  BR.,  1920.  Amberg  (Obpf.),  Sulzbacher 
Straße  E.  3/5  1/10. 

Schnitt  mann,  F.  X.,  Dr.,  Referendar,  1921.  Neustadt 
(Donau),  m.  Br.  Joseph  Schnittmann. 

Scholl,  0.,  Fabrikant,  1922.  Siegen  (Westf.),  Brüokonstr.  2. 

Schöndorf,  F.,  Dr.,  Prof.,  1911.  Hannover,  Theodor¬ 
straße  3  a. 

Schönfeld,  G.,  Lehrer,  1920.  Dresden 28,  Stollestr.  64. 

Schöppe,  W.,  Dr.-Ing.,  Bergwerksbesitzer,  1907.  Wien 
VI,  Gumpendorfer  Str.  8. 

Sc  horcht,  W.,  Dr.,  Kustos,  1920.  Gotha,  In  d.  Klinge  2. 

Schornstein,  W.,  Dipl. -Ing.,  1919.  Ligurno  pr.  Gantello 
(Como,  Italien),  Villa  Mathilde. 

Schott ler,  W.,  Dr.,  BR.,  L. Geol.,  1899.  Darmstadt, 
Martinsstr.  79. 

Schreiter,  R.,  Dr.,  Pd.,  1912.  Freiberg  (Sachsen),  Post¬ 
straße  4. 

Schriel,  W.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  14. 

Schroeder,  Eckart,  Dr.,  Geol.,  1922.  Freiburg  i.  Br., 
Geol.  Inst.  d.  Univ. 

Schroeder,  Ernst,  BR.,  1920.  Goslar  (Harz),  Gartenstr.  9. 

S  chröder,  H.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  Abteilungsdirektor 
a,  D.,  1882.  Berlin  N  4,  (’hausseestr.  105. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


ryj  ry:  c/j 


245 


Schroo der,  J.,  Dr.,  Ass.,  1921.  München,  Neuhauser 
Straße  51. 

S  c  h  u  c  h  t ,  F.,  Dr.,  Prof.,  1901.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  42. 

Schuck  mann,  W.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Frankfurt  a.  M., 
Geol.  Inst.  d.  Univ. 

Schuh,  F.,  Dr.,  Prof.,  1911.  Rostock,  Geol.  Inst,  der  Uni¬ 
versität. 

Schulte,  G.,  Marksch.  und  Lehrer  an  der  Bergschule, 
1921.  Bochum,  Schillerstr.  37. 

Schulte,  L.,  Dr.,  Prof.,  L. Geol.,  1893.  Berlin N 4,  In¬ 
validenstr.  44. 

Schultz,  W.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Kassel- W.,  Nordhäuser 
Straße  151. 

Schulz,  F.,  Marksch.  u.  Landmesser,  1920.  Essen,  Bis- 
marckstr.  117. 

Schulz,  J.,  Hauptm.  a.  D.,  cand.  geol.,  1921.  Halle  a.  S., 
Viktor-Scheffel-Str.  13. 

Schulz,  P.,  Rektor,  1924.  Danzig,  Schichaugasse  20. 

Schulze,  G.  A.,  Dr.,  1907.  Mexiko  D.  F.,  1  a  Calle  de 
Merida  Nr.  6. 

Schulze,  R.,  Erster  BR.,  1920.  Weimar,  Südstr.  20. 

Schumacher,  F.,  Dr.-Ing.,  Prof.,  1920.  Freiberg  (Sa.), 
Bergakademie. 

Schumann,  G.,  Dr.-Ing.  h.  c.,  Kommerzienrat,  Gene¬ 
raldirektor,  1920.  Grube  Jlse  (Nieder lausitz). 

S  c  h  ü  n  e  in  a  n  n ,  F.,  OBR.,  1905.  Zellerfeld  (Harz). 

Schuster,  M.,  Dr.,  L.  Geol.,  Pd.,  1922.  München,  Diet- 
lindenstr.  7. 

Schwanecke,  Dr.,  1924.  Wernigerode  a.  H.,  Eisen¬ 
handlung. 

Schwartmann,  Marksch.,  1918.  Watten  scheid,  Nord¬ 
straße  90. 

Schwartz,  F.,  Bergdirektor,  Bergass.,  1920,  Zwickau 
(Sa.),  Heinrichstr.  6. 

Schwarzmann,  M.,  Dr.,  Prof.,  Direktor,  1920.  Karls¬ 
ruhe  (Baden),  Gartenstr.  19. 

c  h  w  i  n  n  e  r  ,  R.,  Dr.,  Prof.,  1923.  Graz,  Harrachgasse  26 II. 
cupin,  H.,  Dr.,  Prof.,  1893.  Halle  a.  S.,  Mühlweg 48. 
e  i  d  1 ,  E.,  Dr.,  Bergass.  a.  D.,  Ministerialrat,  1910. 
Berlin  W  10,  Hildebrandstr.  21. 

Seidl,  K.,  BR.,  1922.  Beuthen  (O.  S.),  Rokokogrube,  Post¬ 
schließfach. 

von  S e  i  d  1  i  t z ,  W.,  Dr.,  Prof.,  1906.  Jena,  Reichardstieg  4. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


CC  73  X 


246 


Seifert,  C.,  Betriebsführer,  1922..  Reichenstein. 

Seifert,  H.,  Dr.,  Ass.,  1923.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  43. 

Seitz,  0.,  Dr.,  Ass.,  1919.  Berlin  N  4,  .Invalidenstr.  44. 

Semmel,  J„  BR.,  1910.  Gera(Reuß),  Moritz-Semmel-Str.  11. 

Sethe,  E.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Deutsche  Kaliwerke,  Zweig¬ 
niederlassung  Bern  bürg. 

Sieb  e  r ,  H.,  Dr.,  StR.,  1908.  Bischofswerda  (Sa.),  Bautzener 
Straße  70. 

Siegen,  Deutsch’ Luxemburgische  Bergwerks-  und  Hütten 
Akt. -Ges.:  Berg  Verwaltung  Siegerland  %  1923.  Häute¬ 

bachweg. 

Siegen,  Sieg  euer  Berg  schulverein,  1910. 

Sieverts,  Hertha,  1923.  Berlin- Lankwitz,  Lessingstr.  6  a. 

Silberg  (PostWelschenenncst),  Gewerkschaft  Grube  Glanzen¬ 
berg,  1914. 

Sil  v  erb  erg,  P.,  Dr.,  Generaldirektor,  1920.  Köln  (Rh.), 
Kaiser- Friedrich-Ufer  55. 

Simon,  A.,  Dipl. -Ing.,  Direktor,  1919.  Beuthen  (O.-S.), 
Eichendorffstr.  7. 

Simon,  W.,  stud.  geol.,  1923.  Hamburg  23,  Wartenau?. 

Simons,  H.,  Dr.,  Dipl. -Ing.,  1910.  Düsseldorf,  Königstr. 6. 

Sobotha,  E.,  Dr.,  1924.  Minden  (Westf.),  6.  Pr.  Pionicr- 
Batl. 

S  o  1  g  e  r ,  F.,  Dr.,  Prof.,  1900.  Berlin  W  50,  Schaperstr.  10. 

Sommer,  M.,  Dr.,  Studienass.,  1920.  Marienberg  i.  Sa., 
Am  Bahnhof  4. 

Sommer,  Ö.  W.,  Marksch.,  1923.  Berlin-Spandau,  Hasen¬ 
mark  20. 

S  o  m  inermeier,  L.,  Dr.,  1908.  Berlin-Charlottenburg, 
Hardenbergstr.  43. 

Sondershausen,  Gewerkschaft  Glückauf ,  1920. 
o  n  n  e  n  s  c  h  e  i  n ,  E.,  Bergw.  Dir.,  1922.  Herbede  (Ruhr), 
oergel,  W.,  Dr.,  Prof.,  1909.  Tübingen,  Geolog.  Institut, 
p  engl  er,  E.,  Dr.,  Prof.,  Sekt.  Geol.,  1923.  Wien  HI  b 
Rasumoffskygasse  23. 

Spiegel,  A.,  Dr.,  1921.  Darmstadt,  Dieburger  Str.  150. 

Spitz,  W..  Dr.,  L.  Geol.,  1907.  Freiburg  i.  Br.,  Eisenbahn- 
Straße  62  a. 

Stach,  E.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin N 4.  Invalidenstr. 44. 

Stadler,  J.,  Dr.,  Geistlicher  Rat,  Archivar,  1923.  Passau. 

Stahl,  A.,  Dr.,  Bergass.,  1920.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Stähler,  H.,  Generaldirektor,  1920.  Hindenburg  (O.-S.), 
Donnersmarckhütte. 

Stamm,  A.,  Dr.,  Prof.,  1920.  Uersfeld,  Neumarkt  35. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


247 


Stappenbeck,  R.,  Dr.,  Ingenieurgeolog,  1904.  Werder 
a.  d.  H.,  Kemnitzer  Str.  50. 

Staesche,  K.,  Dr.,  1923.  Tübingen,  Waldhäuserstr.  10. 

Steeger,  A.,  Dr.,  1914.  Kempen  (Rhld),  Vorsterstr.  10. 

Stein,  K.,  Marksch.,  1920.  Gelsenkirehen  II,  Grillostr.  69. 

Steiner,  Herta,  StR.,  1924.  Königsberg  i.  Pr.,  Joachim- 
straße  6. 

Stein  mann,  G.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  1876.  Bonn  a.  Rh., 
Colmantstr.  20. 

S te  1  z  n  c  r ,  Gertrud,  Dr.,  1923.  Berlin-Halensee,  Georg  - 
Wilhelm-Str.  2. 

Stemmer,  J.,  cand.  geol.,  1925.  Tübingen,  Geol.  Inst.  d. 
Univ. 

Steuer,  A.,  Dr.,  Prof.,  OBR.,  1892.  Darmstadt,  Herdweg  110. 

Stic  ler,  K.,  Dr.,  1919.  Berlin- Wilmersdorf,  Lauenburger 
Straße  8. 

Stier,  J.,  Dr.,  Dipl.- Berging.,  1922.  München,  Franz- Josef- 
Straße  14. 

Stille,  H.,  Dr.,  Prof.,  1898.  Göttingen,  Herzberger  Land¬ 
straße  55. 

Stiny,  J.,  Dr.,  Prof.,  1921.  Bruck  a.  d.  M.  (Österreich), 
Höhere  Forstiehranstalt. 

Stockfisch,  Dr.,  Chemiker,  1920.  Berlin  N  4,  Invaliden¬ 
straße  44. 

S  toi  ler.  J.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1903.  Berlin  N  4,  In¬ 
valide  nstr.  44. 

Stolley,  E.,  Dr.,  Prof.,  1890.  Braunschweig,  Technische 
Hochschule. 

Storz,  M.,  Dr.,  Ass.,  1922.  München,  Neuhauser  Str.  51. 

St  rat  mann,  H.,  Markseh.,  1920.  Hamborn  (Rhld.),  Huf¬ 
straße  20. 

Strem  me,  H.,  Dr.,  Prof.,  1904.  Danzig-Langfuhr,  Techn. 
Hochschule. 

Strobel,  E.,  cand.  geol.,  1925.  Tübingen,  Geol.  Inst.  d.  Univ. 

Stromer  v.  Reichenbaeh,  E.,  Dr.,  Prof.,  1899. 
München,  Neuhauser  Str.  51. 

Struck,  R.,  Dr.,  Prof.,  1904.  Lübeck,  Ratzeburger  Allee  14. 

S  t  ü  r  t  z  ,  B.,  Dr.  h.  c.,  1876.  Bonn,  Riesstr.  2. 

Stuttgart ,  Wür  Herüber  gische  Geologische  Lande  sau!  nahm  e, 
1903. 

Stuttgart ,  W ürttember gische  Landesanstalt  für  Erziehung 
und  Unterricht ,  1925.  Seidenst  r.  47. 

Stutzer,  O.,  Dr.,  Prof.,  1904.  Freiberg  i  Sa.,  Berg¬ 
akademie,  z.  Z.  Bogota  (Kolumbien),  Apartaio  437. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


248 


S  ü  c  h  t  i  n  g ,  H.,  Dr.,  Prof.,  1921.  Hann.-Münden,  Forst¬ 
liche  Hochschule. 

Sundhausen,  H.,  Oberingenieur,  1920.  Essen-Bredeney. 
Bredeneyer  Str.  23. 

S  u  e  ß ,  F.  E.,  Dr.,  Prof.,  1905.  Wien  I,  Landesgerichtsstr.  12. 

Tengelmann,  E.,  Generaldirektor,  1920.  Essen,  Hau¬ 
mannplatz  7. 

Teumer,  Th.,  Oberingenieur,  1922.  Grube  Jlse  (N.-L.). 

The  es,  W.,  Marksch.,  1920.  Bottrop,  Velsenstr.  21. 

Thom,  H.,  verw.  Moelier,  1920.  Berlin  W  9,  Königin- 
Augusta-Str.  6. 

Thomas,  E..  Dr.,  Dipl. -Berging..  1922.  Cannawurf  bei  Hel¬ 
drungen  (Thür.). 

Thometzek,  W.,  Bergw.  Dir.,  1922.  Berlin-Lichterfeide, 
Karlstr.  89. 

Thost,  R.,  Dr.,  Verlagsbuchhändler,  1891.  Berlin-Licli- 
terfcldc-Ost,  Wilhelmstr.  27. 

Thür  ach,  H.,  Dr.,  BR.,  L.Geol.,  1885.  Freiburg  i.  Br., 
Günterstal,  Schauinslandstr.  8. 

Tiltnann,  N.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Bonn,  Nußallee 2. 

Tod  tm  an  n.  Emmy,  Dr.,  1921.  Hamburg  39,  Blumen  - 
Straße  41. 

Torley,  K.,  Dr.,  Sanitätsrat,  1920.  Iserlohn. 

Tornow,  M.,  Dr.,  Bergass.,  1913.  Berlin-Wilmersdorf. 
Nestorstr.  54. 

Tornquist,  A.,  Dr.,  Prof.,  Hofrat,  1891.  Graz  (österr.). 
Gabriel-Seidi-Gas8e  10. 

Trainer,  M.,  Erster  BR.,  1920.  Wattenscheid,  Wilhelm- 
straßeö. 

Trefzger,  E.,  cand.  geol.,  1923.  Freiburg  i.  Br.,  Gcol. 
Inst.  d.  Univ. 

Troll,  K.,  Dr.,  Ass.,  1923.  München,  Wilhelmstr.  12 II  l. 

Trösken,  W.,  Marksch.,  1920.  Disteln,  Post  Herten 
(Westf.),  Hertener  Str.  350. 

Trümpelmann,  Dr.,  Bergass.,  1923.  Mariadorf  bei 
Aachen. 

Tübingen,  Geologisch-Paläontologischcs  Institut  der  Uni¬ 
versität,  1322. 

Tuch,  Oberpostrat,  1922.  Berlin-Lichterfelde-Ost,  Lange 
Straße  1. 

T  u  c  h  e  1 ,  G.,  Dipl.-Berging.,  1924.  Berlin  N  65,  Seestr.  98 

Tyroff,  F.,  Steinbruchbesitzer,  1920.  Ileiligenhaus 
(Niederrhein). 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


249 


üdluft,  H.,  Dr.,  Geol.,  1922.  Frankfurt  a.  M.,  Born¬ 
wiesenweg  43. 

Uhl e mann,  A.,  StR.,  1910.  Plauen  i.  Vogtl.,  Blücherstr.  9. 

U  h  1  i  g ,  A.,  Lehrer,  1922.  Dresden- Kemnitz,  Hohe  Str.  3. 

Ulrich,  A.,  Dr.,  1886.  Dresden,  Wintergartenstr.  4. 

Ünter-Esckbach,  Bez.  Köln,  Akt. -Ges.  des  Altcnbergcs 
(Vieille  Montagne,  Abt .  Bensberg),  1914. 

U  t  e  s  c  h  e  r ,  K.,  Dr.,  1924.  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

Vacek,  M.,  Dr.,  Chefgeol.,  1882.  Wien  HE,  Rasumoffsky- 
gasse  23. 

Vater,  H.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  Forstrat,  1886.  Tharandt, 
Forst-  Akademie. 

Vogelbeck  bei  Salzderhelden,  Gewerkschaft  Siegfried  7, 
1922. 

Vogt,  J.  H.  L.,  Dr.,  Prof.,  1891.  Trondjem,  Norwegen, 
Technische  Hochschule. 

Vollhardt,  A.,  Bergdirektor  u.  BR.,  1920.  Lehesten 
(Thür.),  Staatsschieferbrüche. 

Vorbrodt,  W.,  Marksch.,  1920.  Wanne-Röhlinghausen, 
Roonstr.  2. 

Wagener,  R.,  Oberlehrer,  1923.  Bergedorf  bei  Hamburg, 
Wentorfer  Str.  30. 

Wagner,  G.,  Dr.,  Prof.,  1923.  Nagold,  Lehrerseminar. 

Wagner,  R.,  Dr.,  Oberlehrer,  1886.  Zwätzen  bei  Jena, 

A  ckerbauschule. 

Wagner,  W.,  Dr.,  1911.  Darmstadt,  Ecke  Grafen-  und 
Wiesenstr. 

Wahl,  E.,  StR.,  1921.  Hamborn  (Rhld.),  Realgymnasium, 
Meidericher  Straße. 

Freiherr  W a i  t  z  von  Eschen,  F.,  Dr.,  1902.  Kassel, 
Opernplatz. 

Waldenburg  i.  Schl.,  Nieder  schlesische  Steinkohlen-Bergbau- 
Hilfskasse,  1864. 

Walger,  Dr.,  StR.,  Pd.,  1923.  Darmstadt,  Am  Krlen- 
berg  14. 

Walter,  W.,  Berg-  u.  Verm.-Rat,  1920.  Bonn,  Bismarck¬ 
straße  8. 

Walther,  J.,  Dr.,  Prof.,  Geh. Reg.-R.,  1883.  Halle  a.  S., 
Domstr.  5. 

Walther,  K.,  Dr.,  1902.  Montevideo  (Uruguay),  Camino 
Millan  376. 

Wann  er,  J.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Bonn,  Nußallec  2. 

Wasmuth,  J.,  Marksch.,  1920.  Gelsenkirchen  4,  Christinen¬ 
straße  4. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


260 


1 Wattenscheid ,  Rheinische  Stahlwerke,  1914. 

Weber,  Hans,  Di\,  StR.,  1923.  Eisenach,  Barfüßer Str.  15 

Weber,  Heinrich.  ORR.,  1920.  Breslau  18,  OBAmt. 

Weber,  K.  A.,  Dr.,  Bergass.,  1920.  Halle  (Saale),  Rie- 
beckplatz  1. 

Weber,  M.,  Dr.,  Prof.,  1899,  München,  Neuhauser  Str.  51. 

Wedding,  F.  W.,  Bergass.,  1907.  Essen,  Ruhrallee  16. 

Wedekind,  R.,  Dr.,  Prof.,  1907.  Marburg  (Laim), 
Friedrichplatz  3. 

v.  Wedelstaedt,  L.,  Bergass.,  1923.  Berlin  NW  40, 
Reichsarbeitsministerium. 

Weg,  M.,  Buchhandlung  u.  Antiquariat,  1914.  Leipzig, 
Königstr.  3. 

Wo  g  ,  O.,  1923.  Leipzig,  Königstr.  3. 

Wegner,  Th.,  Dr.,  Prof.,  1904.  Münster  i.  W.,  Pferde- 
gassc-  3 

Wehberg,  W.,  Marksch.,  1920.  Marten  (Kreis  Dortmund), 
Bahnhof  str.  48. 

Wcickhardt,  R.,  Obersteiger  u.  Bureauvorsteher,  1920. 
Halle  a.  S.,  Wegscheider  Str.  7. 

Weidmann,  C.,  stud.  geol.,  1923.  Frankfurt  a.  M.. 
Bockenheimer  Anlage  48. 

W  eigelt,  J.,  Dr.,  Prof..  1919.  Halle  a.  S.,  Bernburger 
Straße  28. 

W  e  i  1  e  r ,  W.,  Dr.,  1923.  Worms,  Libenauer  Str.  48. 

Wein,  K.,  Mittelschullehrer,  1922.  Nordhausen,  Körner¬ 
straße  13. 

Weiner t,  E.,  StR.,  Prof.,  Museumsdirektor,  1920.  Dort¬ 
mund,  Märkische  Str.  60. 

Weingardt,  W.,  Marksch.,  1920.  Luisenthal  (Saar), 
Park  str.  74. 

Weingärtner,  P.  Reginald,  M.  O.  P.,  1912.  Vechta 
(Oldenburg),  Missionsschule  der  Dominikaner. 

Weinreich,  W.,  Dr.,  Bibliothekar,  1923.  Frankfurt  a. 
M.-Eschersheim,  Linden-Ring  10. 

Weise,  E.,  Prof.,  1874.  Plauen  i.  Vogtl. 

Weiser,  F.  M.,  StR.,  1910.  Leipzig- Eutritzsch,  Delitz- 
scher  Str.  71. 

Weissermel,  W.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1891.  Berlin  N  4, 
Invalidenstr.  44. 

Weiß,  A.,  Dr.,  1895.  Hildburghausen,  Schloßgasse  9. 

Weithofer,  Iv.  A.,  Dr.,  Generaldirektor,  1923.  München, 
Maxi  m  ilia.nspla.tz  1 2. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


251 


Weiter,  O.,  Di\,  Prof.,  1907.  Bonn,  Beringst r.  4. 

Wenner,  P.,  Studienass.,  1923.  Witten,  Parkweg. 

Wentzel,  J.,  Dr.,  Realschul-Prof.,  1889.  Warnsdorf 
(Böhmen).  1.  Bezirk,  Zollstr.  10. 

W  e  n  z  ,  W.,  Dr.,  StR.,  1920.  Frankfurt  a.  M..  Gwinnerstr.  19. 

Wepfer,  E.,  Dr.,  Prof.,  1908.  Stuttgart,  Ulrichstr.  7. 

W  e  r  n  e  r  ,  H.,  Ersttu’  BR.,  1920.  Celle,  Bahnhofstr.  30 II. 

Werth,  E.,  Di'.,  Prof.,  Reg.  R.,  1908.  Berlin-Wilmersdorf, 
Binger  Str.  17. 

van  Werveke,  I,..  Dr.,  Geh.  BR.,  1879.  Magdeburg, 
Kleine  Dicsdorfer  Str.  10. 

Wessi  i  n  g,  W.,  Markseh.,  1920.  Bork  (Kreis  Lüding¬ 
hausen),  Selmerstr.  128. 

II  esteregeln  (Be. r.  Magdeburg),  Consolidierte  Alkaliwerke , 
Akt. -Ges.  /.  Bergbau  u.  chemische  Industrie ,  1914. 

W  e  ster  m  a  n  n  ,  H.,  Dr.,  Bergass.  a.  D.,  Generaldirektor, 
1920.  Kohlscheidt  (Kr.  Aachen). 

Wetzel,  W.,  Dr.,  Prof.,  StR.,  1910.  Kiel,  Düppelstr.  71. 

Wetzlar ,  Buderussche  Eisenwerke ,  1914. 

Weyer,  G.,  Dipl. -Berging.,  Berg  w.  Dir.,  1922.  Bitterfeld, 
Lindenstr.  2  a. 

W ichmann,  A.,  Dr.,  Prof.,  1874.  Hamburg 5,  Schmi- 
linskystr.  19  III. 

Wich  mann,  R.,  Dr.,  Geol.,  1909.  Hamburg  23,  Richard¬ 
straße  88. 

Wickum,  H.,  Markseh.,  1920.  Hamborn  (Rhld.),  Sophien¬ 
straße  49. 

Widenmcyer,  O.,  Dipl. -Ing.,  1906.  Buenos  Aires,  Calle 
25  de  Mayo  195. 

Wiechel  t,  W.,  Dipl. -Berging.,  1920.  Baicoi  (Rumänien), 
in.  B.  Societate  „Forajul“. 

W  i  c  g  c  r  s  ,  F.,  Dr.,  Prof.,  L.  Geol.,  1896.  Berlin  N  4,  In- 
validcnstr.  44. 

Wien,  TJnircrsifäfs-Bibliothek.  1881. 

Wienke,  H.,  Bergass.,  1920.  Hervest-Dorsten  (Westf.), 
Halterner  Str.  20. 

Wilckens,  O.,  Dr.,  Prof.,  1901.  Bonn,  Scharnhorststr.  4. 

Wi  Icke  ns,  R.,  Dr.,  StR..  1909.  Hannover.  Sallstr.  31. 

Wilke,  W.,  Bergass.,  1920.  Derne  (Kreis  Dortmund), 
Gneisonaustr.  6. 

Willert,  J.,  BR.,  1920.  Hannover,  Ferdinandstr.  46. 

G  illing,  II.,  l)r.,  Borgass.,  1920.  Eisern  (Kreis  Siegen). 

Willruth.  K.,  Dr..  Ass.,  1919. 


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252 


Wilser,  J.,  Dr.,  Piof.,  1914.  Freiburg  i.  Br.,  Landsknecht- 
straßc  5. 

Winkler-Hermaden,  A.,  Dr.,  Pd.,  Sekt.  Geol.,  1923. 
W ien  III,  Rasumoffskygasse  23 . 

Winnacker,  E.,  Bergass.,  Bergw. Dir.,  1920.  Marienbad, 
Villa  Opitz. 

Winter,  O.,  Dipl.-Berging.,  Bergw.  Dir.,  1920.  Brauns¬ 
dorf,  Kr.  Querfurt. 

Wischniakow,  N.,  Staatsrat,  1876.  Heidelberg,  Neuen- 
heimer  Landstr.  36. 

Wischnowski,  E.,  Marksch.,  vereid.  Landmesser,  1920. 
Beuthen  (O.-S.),  Hohcnzollerngrube. 

Witt  mann,  H.,  Lehrer,  1912.  Dortmund-Köme,  Libori- 
straße  33. 

Woldstedt,  P.,  Dr.,  Geol.,  1920.  Berlin  N  4,  Invaliden¬ 
straße  44. 

Wolf,  B.,  Dr.,  Landgerichtsrat.  1923.  Charlottenburg  5, 
Kuno-Fischer- Platz  1. 

von  Wolf,  H.,  Dr.,  Ass.,  1924.  Innsbruck,  Geol.  Inst.  d. 
Univ. 

von  Wolff,  F.,  Dr.,  Prof.,  1895.  Halle  a.  S.,  Reichhardt¬ 
straße  3. 

Wolff,  W.,  Dr.,  Prof.,  Abteilungsdirektor,  1893.  Berlin 
N  4,  Invalidenstr.  44. 

Wolfram,  H.,  Ingenieur,  1921 .  Düsseldorf,  Kapellstr.  9  B. 

Woermann,  Stadtschulrat,  1914.  Dortmund,  Heiliger 
Weg  11. 

Woeste,  A.,  Bergass.,  1920.  Phillippstal  (Werra). 

Wulff,  R.,  Dr.,  1921.  Aachen,  Technische  Hochschule. 

Wunderlich,  E.,  Dr.,  Prof.,  1917.  Stuttgart,  Herdweg 5. 

Wünschmann,  Dr.,  StR.,  1914.  Halberstadt,  Moltke- 
straße  57  H. 

Wunstorf,  W\,  Dr.,  Prof.,  L. Geol.,  1898.  Berlin N 4, 
Invalidenstr.  44. 

Würfel,  A.  G.,  Dr.,  Schriftleiter,  1920.  Köln,  Kölnische 
Zeitung. 

Wurm,  A.,  Dr.,  Reg. Geol.,  Pd.,  1910.  München,  Fürsten¬ 
straße  15  n. 

Wurm,  C.,  Marksch.,  1920.  Heessen  bei  Hamm  (Westf.). 

Würzburg ,  Mineral.-GeoL  Institut  der  Vniversit&iy  1899. 

Wüst,  E.,  Dr.,  Prof.,  1901.  Kiel,  Universität. 

Wüstenhagen,  K.,  Di.,  StR.,  1922.  Berlin -Pankow, 
Brennerstr.  36. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


253 


Wy  so  gor  ski,  J.,  Di\,  Prof.,  1898.  Volksdorf  bei  Ham¬ 
burg,  Diekkamp  35. 

W  y  s  s ,  Th.,  Dr.,  Pd.,  1924.  Danzig-Langfuhr,  Technische 
Hochschule. 

Yakowlew,  X.,  Prof.,  1922.  Leningrad,  Berginstitut. 

Zell,  M.,  Generaldirektor,  1920.  Halle  a.  S.,  Kurallee  18. 

Zelter,  W.,  Stadtbaumeister,  1920.  Unterbarmen,  Hessein- 
bergstr.  46. 

Zier  vogel,  W.,  OBR.,  1920.  Wernigerode,  Böllhasen- 
tai  6. 

Zimmer,  Berginspektor,  1922.  Grube  Ilse,  (N.L.). 

Zimmer,  W.,  Bankier,  1920.  Lowenberg  (Schles.), 

Markt  211/212. 

Zimmer  mann  (I),  E.,  Dr.,  Prof.,  Geh.  BR.,  L. Geol., 
1882.  Berlin  N  4,  Invaiidenstr.  44. 

Zimmermann  (II),  E.,  Dr.,  BR.,  Bez.  Geol.,  1909. 
Berlin  N  4,  Invaiidenstr.  44. 

Zobel,  Rektor,  1910.  Berlin-Lichterfelde,  Sophienstr.  7. 

Zoller,  BR.,  1915.  Berlin  N  4,  Invaiidenstr.  44. 

Zückert,  R.,  Berging.,  1923.  Leitmeritz  (Böhmen), 
Marktplatz. 

Zunker,  F.,  Dr.,  Prof.,  1924.  Breslau  16,  Hansastr.  25. 

Zwierzycki,  J.,  Dr.,  Dipl.-Berging.,  1914.  Bandoeng 
(Java),  Lambangweg  57. 


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er  des  Oberen  Zechstems 

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■ 


SEP  2  5  1924 


NC£  LlBRAWf 


Zeitschrift 


der 


Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte.) 


B.  Monatsberichte. 


Nr.  1-4. 


1924. 


76.  Band. 

(Mit  2  Tafeln.) 

Berlin  1925. 

Verlag  von  Ferdinand  Enke  in  Stuttgart 


INHALT.  Seite 

Protokoll  der  Sitzung  am  9.  Januar  1924  .  1 

„  „  '  „  „  6.  Februar  1924  .  2 

„  „  „  „  b.  März  1924  .  .  .  .  • .  2 

„  2.  April  1924  .  3 

Vorträge: 

GAGEL,  C.:  Über  den  wolhynischen  Löß . /,  4 

STAPPENBECK,  R.:  Über  Typen  andiner  Kupferlager¬ 
stätten  (Titel) .  1 

KEGEL,  W.:  Über  oolithische  Eisenerze  im  Produktiven 

Karbon  (Titel) .  2 

FULDA,  E. :  Über  die  Entmischung  der  Mutterlaugen  vor 
Bildung  der  Kalisalzlagerstätten  in  der  Zechsteinzeit  2,  7 
GAGEL,  C.:  Über  den  sogen,  unteren  tonigen  Geschiebe¬ 
mergel  von  Frankfurt  a.  0 . 3,  31 

HAACK,H.:  Über  die  nordwestfälisch-lippische  Schwelle  3,  33 
'  BARTLING,  R.:  Über  den  Gebirgsbau  im  westfälisch¬ 
holländischen  Grenzgebiet.  (Hierzu  Tafel  I)  .  .  .  .  3,  52 
QULRING,  H.:  Über  Wesen  und  Ursprung  der  post- 
varistischen  Tektonik  Nordwestdeutschlauds.  (Hierzu 

Tafel  II  und  3  Textfiguren) . 3,  62 

SEIDL,  E.:  Die  Höttinger  Brekzie,  die  Exotika  und  andere 
Merkwürdigkeiten  der  nördlichen  Kalkalpen  (Titel)  .  3 

JAEKEL,  O. :  Über  die  Liparischen  Inseln  (Titel)  ...  4 

GRUPE,  O. :  Bemerkungen  zum  Vortrage  von  Herrn  Qüirinp  87 
Briefliche  Mitteilungen: 

NAUMANN,  E.:  Zur  Kenntnis  der  alluvialen  und  jung- 
diluvialen  Schotter  im  mittleren  Weser-  und  Saaletal  89 
Neueingänge  der  Bibliothek . . 96 


Go  gle 


Deutsche  Geologische  Gesellschaft 


Vorstand  für  das  Jahr  1924 


Vorsitzender: 
Stellvertretende  } 
Vorsitzende:  \ 
Schatzmeister: 
Archivar: 


Herr  Krusch  Schriftführer:  Herr  Bäbtlino 

„  Pompeckj  „  LfiüCHS-München 

„  Deecke- Freiburg  i.  Br.  „  Solger 

„  PlCABD  „  MESTWERDT 

„  Dienst 


Beirat  für  das  Jahr  1924 

Die  Herren:  Broili- München,  Buxtorp- Basel,  Cloos- Breslau,  Erdmanns- 
dörffer- Hannover,  Fliegel- Berlin,  Schumann  -  Grube  Jlse,  N.-L.,  Stremme- 
Danzig,  SuESS-Wien,  Wegner- Münster. 


Mitteilungen  der  Schriftleitung. 

Im  Interesse  des  regelmäßigen  Erscheinens  der  Abhandlungen  und 
Monatsberichte  wird  um  umgehende  'Erledigung  aller  Korrekturen  gebeten. 

Die  Manuskripte  sind  druckfertig  und  möglichst  in  Maschinenschrift  ein¬ 
zuliefern.  Der  Autor  erhält  in  allen  Fällen  eine  Fahnenkorrektur  und  nach 
Umbrechen  des  betreffenden  Bogens  eine  Revisionskorrektur.  Eine  dritte 
Korrektur  kann  nur  in  ganz  besonderen  Ausnahmefällen  geliefert  werden.  Für 
eine  solche  hat  der  Autor  die  Kosten  stets  zu  übernehmen. 

Im  Manuskript  sind  zu  bezeichnen: 

Überschriften  (halbfett)  doppelt  unterstrichen, 

Lateinische  Fossilnamen  (kursiv!)  durch  Schlangenlinie, 

Autornamen  (Majuskeln)  rot  unterstrichen, 

Wichtige  Dinge  (gesperrt)  schwarz  unterstrichen. 

- □ - 


Bei  Zusendungen  an  die  Gesellschaft  wollen  die  Mitglieder  folgende 

Adressen  benutzen: 

1.  Manuskripte  zum  Abdruck  in  der  Zeitschrift,  Korrekturen  usw.  an 
Herrn  Bergrat  Prof.  Dr.  Bartling,  Berlin-Friedenau,  Kaiserallee  128. 

2.  Einsendungen  an  die  Bücherei,  Reklamationen  nicht  eingegangener 
Hefte,  Anmeldung  neuer  Mitglieder  und  Adressenänderungen  an 
Herrn  Prof.  Dr.  Dienst,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

3.  Anmeldung  von  Vorträgen  für  die  Sitzungen  an  Herrn  Bergrat 
Prof.  Dr.  IVlestwerdt,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

4.  Sonstiger  Briefwechsel  an  den  Vorstand  der  Deutschen  Geo¬ 
logischen  Gesellschaft,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

5.  Die  Beiträge  sind  gebührenfrei  auf  das  Postscheckkonto  von 
Prof.  Dr.  E.  Picard,  Schatzmeister  der  Deutschen  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft  in  Berlin  N  4  beim  Postscheckamt  Berlin  NW  7  Nr.  38581  zu 
überweisen. 

Aus  dem  Ausland  sind  die  Beiträge  an  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Picard, 
Berlin  N4,  Invalidenstr.  44,  einzusenden. 


Go  gle 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 


B.  Monatsberichte. 

Nr.  1-4 


1924. 


Protokoll  der  Sitzuftg  am  9.  Januar  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Krusch. 

Der  Vorsitzende  begrüßt  die  Gesellschaft  zum  neuen 
Jahr  und  erwähnt  die  besondere  Lage  des  Vorstands,  dessen 
Wahl  wegen  finanzieller  Schwierigkeiten  nicht  satzungs- 
gemäß  vollzogen,,  worden  ist  und  daher  der  nachträglichen 
Zustimmung  der  diesjährigen  Hauptversammlung  bedürfen 
wird. 

Die  Gesellschaft  hatte  am  1.  Januar  1924  eine  Mit¬ 
gliederzahl  von  1116  und  7  Ehrenmitgliedern. 

Neu  aufgenommen  werden  die  Herren: 

Herr  Dipl.  Bergingenieur  Tuchel  in  Charlottenburg; 

Herr  Studienrat  Willi  Bothe  in  Bad  Salzuflen; 

Herr  Dr.  Jämcke,  Berlin-Dahlem,  Kaiser- Wilhelm-In¬ 
stitut  für  phys.  Chemie. 

Nach  Vorlage  der  Eingänge  für  die  Bücherei  erteilt 
der  Vorsitzende  das  Wort  Herrn  GAGEL  zu  dem  Vortrag: 
«Über  den  wolhynischen  Löß“1). 

An  der  Besprechung  beteiligen  sich  die  Herren  St appen - 
beck,  Ginsburg,  Wunstorf,  Grupe,  Krusch,  Keilhack 
und  der  Vortragende. 

Hierauf  spricht  Herr  STAPPENBECK:  „Über  Typen 
andiner  Knpferlagerstätten“2).  An  der  Aussprache  nehmen 
teil  die  Herren  Berg,  Krusch  und  der  Vortragende. 

Hierauf  wird  die  Sitzung  geschlossen. 


v.  w.  0. 

Solger.  Krusch.  Dienst. 


*)  Siehe  S.  4. 

*)  Der  Vortrag  erscheint  in  den  Abhandlungen. 


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2 


Protokoll  der  Sitzung  am  6.  Februar  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Keusch. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  mit  der  Mitteilung, 
daß  als  Mitglied  der  Gesellschaft  vorgeschlagen  ist: 

Herr  Dr.  Kurt  Utescher,  Chemiker  an  der  Geologischen 
Landesanstalt  in  Berlin. 

.  Der  Vorgeschlagene  wird  aufgenommen. 

Die  als  Geschenk  eingegangenen  Druckscliriften  werden 
vorgelegt  und  vom  Vorsitzenden  besprochen. 

Darauf  hält  Herr  W.  KEGEL  seinen  Vortrag  (mit  Licht  - 
bildern)  „Über  oolithische  Eisenerze  im  Produktiven 
Karbon“. 

An  der  Erörterung  beteiligen  sich  die  Herren 
Pompbckj,  W.  E.  Schmidt,  E.  Seidl,  Hauff,  der  Vorsitzende 
und  der  Vortragende. 

Herr  E.  FULDA  spricht  sodann  „Über  die  Entmischung: 
der  Mutterlaugen  vor  Bildung  der  Kalisalzlagerstfttten 
in  der  Zechsteinzeit“1). 

An  der  Besprechung  des  Vortrags  nehmen  die  Herren 
Beyschlag,  E.  Seidl,  Range,  Heykes,  Pompeckj,  Zimmer¬ 
mann  i  und  der  Vortragende  teil. 


V.  W.  0. 

Dienst.  Keusch.  Bartling. 


Protokoll  der  Sitzung  am  5.  März  1924. 
Vorsitzender:  Herr  Pompeckj. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  und  macht  Mit¬ 
teilung  von  dem  Ableben  der  Herren  Crecelius,  Dohm, 
Höfer,  Lori£  und  Poöta*  Die  Anwesenden  erheben  sich 
zu  Ehren  der  Verstorbenen. 

Als  neue  Mitglieder  werden  aufgenommen: 

Herr  Dr.  Wilhelm  Grauch  in  Basel,  Holbeinstr.  71; 
Herr  Oberingenieur  Beil  in  Königsberg  i.  Pr.,  Augusta- 
straße  131; 


i)  Siehe  S  7. 


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3 


Herr  Chemiker  C.  Plowact  in  Königsberg  i.  Pr.,  Tuch- 
mache  rstr.  1. 

Sodann  werden  die  Neueingänge  für  die  Bibliothek  vor¬ 
gelegt. 

Hierauf  hält  Herr  GAGEL  einen  Vortrag  „Über  den 
sogen,  tonigen  unteren  Geschiebemergel  von  Frankfurt 
a.  O.“1). 

An  der  Besprechung  beteiligen  sich  die  Herren  Keil¬ 
hack  und  der  Vortragende. 

In  einer  Vortragsgruppe  über  das  Münsterland  und 
seine  Umrahmung  sprechen: 

Herr  HAACK:  „Über  die  nordwestfälisch-lippische 
Schwelle“2), 

Herr  BARTLING:  „Über  den  Gebirgsbau  Im  west¬ 
fälisch-holländischen  Grenzgebiet“8)  und 

Herr  QUIRING:  „Über  Wesen  und  Ursprung  der 
postvaris  tischen  Tektonik  Nord  Westdeutschlands“1). 

An  der  Besprechung  beteiligen  sich  die  Herren  Grupe, 

WüESTOBF,  WOLDSTFDT,  PABCKELMANN,  ME8TWERDT,  FLIE- 

gel,  W EIS8ERM e l,  die  Vortragenden  und  der  Vorsitzende, 
v.  w.  o. 

POMPECKJ  MESTWERDT.  BARTLING. 


Protokoll  der  Sitzung  am  2.  April  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Krusch. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  mit  Besprechung 
der  als  Geschenk  für  die  Bücherei  eingegangenen  Druck¬ 
schriften. 

Er  erteilt  dann  das  Wort  Herrn  E.  SEIDL  zu  dem 
Vortrag:  „Die  Höttiqger  Brekzie,  die  Exotika  und 

andere  Merkwürdigkeiten  der  nördlichen  Kalkalpen“. 

An  der  Erörterung  beteiligen  sich  die  Herren  Michael,  P. 
G.  Krause,  Bäbtling,  Jaekel  und  der  Vortragende. 

l)  Siehe  S.  31 

*)  Siehe  S.  33. 

8)  Siehe  3.  52. 

*)  Siehe  S.  62. 

1* 


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4 


Sodann  trägt  Herr  O.  JAEKEL  unter  Vorlage  selbst¬ 
gemalter  Bilder  vor  „Über  die  Liparischen  Inseln“. 

Mit  dem  Dank  der  Gesellschaft  an  die  Vortragenden 
schließt  der  Vorsitzende  die  Sitzung. 


v.  w.  o. 

Dienst.  Krusch.  Bartling. 


Vorträge. 


Der  Löfl  in  Wolhynien. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  9. »Januar  1924.) 

Von  Herrn  C.  Gagel. 

Im  Kriege  hatte  ich  Gelegenheit,  als  Kriegsgeologe 
reichlich  100  km  frische  Schützengrabenprofile  im  Löß 
Wolhyniens  zu  sehen  und  genauer  zu  studieren.  Die  ein¬ 
gesammelten  Bodenprofile  sind  dann  im  Laboratorium  der 
Pr.  Geol.  Landesanstalt  genau  untersucht  und  ergaben  das 
Resultat,  daß  der  Löß  Wolhyniens  mit  seiner  Schwarz¬ 
erdrinde  nach  seiner  physikalischen  (52  bis  72o/0  „Lößstaub“ 
von  0,05  bis  0,01  mm  Korngröße!)  und  chemischen  Be¬ 
schaffenheit  genau  übereinstimmt  mit  dem  mittel-  und 
westdeutschen'  Löß,  daß  er  aber  wesentliche  Unterschiede 
zeigt  von  (lern  Löß  der  süd-  und  ostrussischen  Tschor- 
nosiomgebiete.  Nach  den  in  der  russischen  Literatur  ver¬ 
öffentlichten  Analysen  des  ost-  und  südrussischen  Tscher- 
nosiom  ist  dieser  wesentlich  tonreicher  (Überwiegen  der 
feinsten  Tonbestandteile  über  die  typischen  Lößkorngrößen 
von  0,05  bis  0,01  mm  Korngröße).  Dieser  typische  Löß 
mit  der  üblichen  Lößschneckehtauna,  liegt  nun  in  dem 
ganzen  Gebiet  südlich  einer  etwa  von  Wladimir  Wolynsk 
nach  Osten  verlaufenden  Linie  auf  einer  Erosionslamdschaft 
der.  senonen  Kreide,  teils  direkt  auf  dieser,  teils  mit 
Zwischenlagerung  anders  ausgebildeter  lößai*tiger  Sedimente. 
Sehr  oft  liegt  unter  dem  typischen,  porösen,  ungeschichteten 


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Löß  ein  wesentlich  ton-  und  kreidestaubreicherer,  geschich¬ 
teter,  Tester,  nicht  poröser  „Löß"  mit  Süß  wasserfossilien : 
Tutkowskis  „Seelöß“.  Dieser  tonige,  geschichtete  „See¬ 
löß“  zeigt  nach  der  mechanischen  Analyse,  daß  hier  die 
feinsten,  „tonigen“  Bestandteile  unter  0,01  mm  (39,6  bis 
63° o)  den  typischen  Lößkorngrößen  von  0,05  bis  0,01  mm 
mindestens  gleichkommen  oder  sie  gar  noch  wesentlich 
übertreffen  (28,8  bis  44<>/o),  er  gleicht  anscheinend  in  seiner 
physikalischen  Zusammensetzung  sehr  genau  dem  süd- 
und  ostrussischen  Töchernosiom,  und  enthält  22  bis  51% 
Kalkgehalt. 

Zum  Teil  liegt  unter  dem  (bzw.  unten  im)  typischen 
gelben  Löß  ein  sehr  kalkreicher,  brauner  Löß  von  etwas 
anderer  physikalischer  Beschaffenheit,  mit  ganz  unregel¬ 
mäßigen,  scharfen  Grenzen; 

An  nicht  wenigen  Stellen  liegt  unter  dem  hellgelben, 
typischen  Löß  ein  ganz  verwitterter,  kalkfreier, 
brauner,  z.  T.  tiefbrauner  bis  schwarzbrauner  Löß, 
eine  alte  Schwär  z  er  debil  düng,  die  größtenteils 
recht  genau  mit  der  jungen,  oberflächenbildenden  Schwarz¬ 
erderinde  übereinstimmt  und  stellenweise  noch  auf  ver¬ 
witterten,  eisenschüssigen  Diluvialsanden  draufliegt,  z.  T. 
in  Verbindung  mit  faunaführenden  Tonen  —  es  ist  ein© 
typische  Interglazialbildung1)!  Bei  Wladi¬ 
mir  Wolynsk  liegt  oben  auf  dem  Windmüh¬ 
lenberg  auf  typischem  Löß  noch  eine  bis 
0,5m  mächtige  Schicht  von  diluvialem  Ge¬ 
schiebesand  darauf,  mit  faustgroßen,  nor¬ 
dischen,  kristallinen  Geschieben!  Nach 
Norden  zu  schließt  sich  ah  das  typische  Lößgebiet  ein 
Sandergebiet,  das  stellenweise  noch  von  lößähnlichen,  kalk¬ 
freien  Feinsanden  bedeckt  wird,  di©  in  ihrer  physikalischen 
und  chemischen  Beschaffenheit  gut  mit  den  Feinsandm 
des  Fläming  und  den  nordhannoverschen  „Flottlehmen“  über¬ 
einstimmen. 


t)  Vgl  Erläuterungen  zu  Blatt  Langensalza,  Lieferung  128  der 
Geolog.  Karte  von  Preußen,  S.  64  und  diese  Zeitschr.  Bd.  L,  1898, 
8. 179 — 186.  Herr  E.  Naumann  war  so  liebenswürdig,  mich  darauf 
aufmerksam  zu  machen,  daß  das  im  Centralbl.  f.  Mineral.  1910, 8. 189, 
kurz  angeführte  Profil  am  Bahnhof  Ossmanstadt  (östlich  Weimar) 
anscheinend  genau  den  Wolhynischen  Profilen  entspricht.  Dort  liegt 
frischer  Löß,  z.  T.  mit  einer  Lößlehmdecke,  auf  einem  älteren 
humosen  Lößlehm,  der  von  gelbem  Lößlehm  und  von  kalk¬ 
haltigem  Löß  unterlagert  wird. 


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Ebenfalls  nördlich  von  der  Grenze  des  geschlossenen, 
typischen  Löß,  liegen  bei  Kisielin  in  der  Gegend!  der  süd¬ 
lichsten  nordischen  Grundmoränen  unter  diesen  in  5  bis 
6m  Tiefe  grünlich-weiße  und  leuchtend-  gelbe,  kalk¬ 
freie  Feinsande  von  der  typischen  Lößstruktur, 
die  auch  in  der  Körnung  sehr  genau  mit  dem  echten  Löß 
übereinstimmen,  aber  völlig  kalkfrei  sind.  -Es  scheinen 
ursprüngliche,  unveränderte  Bildungen  zu  sein,  da 
sie  mit  dem  verwitterten  Lößlehm  gar  keine  Ähnlich¬ 
keit  zeigen,  mit  dem  typischen  jungen  Löß  aber  sonst  genau 
übereinstimmen ! 

Die  senone  .Kreide, .  auf  der  der  Löß  direkt  oder  mit 
Zwischenlagerung  unbedeutender  diluvialer  Sand-  und  Ton- 
schichten  draufliegt,  zeigt  größtenteils  eine  sehr  auffallende 
„Brockenstruktur“,  sie  besteht  aus  lauter  kleineren  und 
größeren  Brocken  mit  ganz  feinem,  kreidigem  Bindemittel 
und  zwar  weit  südlich  von  den  äußersten  südlichsten  Grund¬ 
moränenresten  I 

Wie  diese  Brockenstruktur  zu  erklären  ist,  ist  mir 
mangels  jeglicher  positiver  Beweise  für  die  Anwesenheit 
und  Mitwirkung  des  nordischen  Eises  bei  der  Ausbildung! 
dieser  Struktur,  ganz  unerklärlich  —  es  fehlen  alle  nor¬ 
dischen  Geschiebe  darin —  ich’  habe  eine  ähnliche  Struktur 
nur  einmal  in  den  Kreideschollen  gesehen,  die  im’  Diluvium 
von  Sophiental  bei  Waren  zutage  treten. 

Auch  die  Grenze  vom  Löß  oder  „tonigen  LÖß“  zur  Kreide 
ist  ganz  unregelmäßig  und  sieht  oft  wie  verquetscht  und 
verknetet  aus,  ebenfalls  weit  südlich  von  allen  Moränen¬ 
resten  und  ohne  daß  irgendwelche  nordischen  Geschiebe 
zu  beobachten  wären. 

Die  genauere  Beschreibung  und  die  Analysen  des  wo!-’ 
hynischen  Löß  sind  in  einer  demnächst  im  Jahrbuch  der 
Pr.  Geol.  Landesanstalt  für  1922  Bd.  XLI3I,  S.  273  bis 
322,  erscheinenden  Arbeit,  enthalten!  Dort  sind  auch  eine 
größere  Anzahl  chemischer  Analysen,  sowohl  mit  Salzsäure 
als  auch  mit  konzentrierter  Schwefelsäure  mitgeteilt,  die 
den  Anteil  der  tonigen  und  zeolithischen  Bestandteile  des 
Löß  darstellen. 


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7 


Studie  über  die  Entstehung  der  Kalilager- 
st&tten  des  deutschen  Zechsteins. 

(V  ortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  6.  Februar  1924.) 

Von  Herrn  Ebnst  Fulda. 

(Mit  4  Textfiguren.) 

In  zwei  Veröffentlichungen  habe  ich  bereits  meine 
Ansichten  über  die  Entstehung  der  Zechsteinsalze  zum  Aus¬ 
druck  gebracht1).  Dabei  habe  ich  mich  teils  auf  die  An¬ 
schauungen  älterer  Autoren  gestützt,  teils  neue  Gesichts¬ 
punkte  hervorgehoben,  die  sich  aus  einer  vergleichenden 
stratigraphischen  Betrachtung  der  vorhandenen  Aufschlüsse 
ergeben. 

In  der  vorliegenden  Arbeit,  zu  der  ich  mannigfache 
Anregungen  durch  eine  im  Sommer  1923  ausgeführte  Stu¬ 
dienreise  im  Südharzkaligebiet  erhalten  habe,  beabsichtige 
ich,  meine  bisherigen  Veröffentlichungen  durch  speziellere 
Betrachtungen  über  die  Entstehung  der  Kalisalzlagerstätten 
selbst  zu  ergänzen.  Besonders  kommt  es  mir  darauf  an; 
zur  Klärung  der  immer  wieder  erörterten  Frage  der  Be¬ 
ziehungen  zwischen  Carnallitgestein  und  Hartsalz  beizu¬ 
tragen.  Meine  Betrachtungen  darüber  betreffen  besonders 
das  Ältere  Kalilager  des  Hauptbeckens. 

Bisher  hat  man  fast  allgemein  das  Hartsalz  als  ein 
metamorphes  Gestein  aufgefaßt,  während  das  Car¬ 
nallitgestein  wenigstens,  soweit  es  regelmäßig  geschichtet 
auftritt,  von  den  meisten  Forschern  als  eine  primäre  Salz¬ 
bildung  gedeutet  wird.  Ueber  die  Um wandlungs Vorgänge 
selbst,  denen  das  Hartsalz  seine  Entstehung  verdanken  soll, 
sind  die  verschiedenartigstell  Ansichten  geäußert  und  zwar 
teils  vorwiegend  auf  geologische,  teils  mehr  auf  chemische 
Untersuchungen  aufgebaut  worden. 


*)  Vgl.  Fulda:  Entstehung  und  Einteilung  der  deutschen  Kali¬ 
salzlagerstätten.  Z.  f.  Pr.  Geol.,  29.  Jahrg.  1921,  S.  161—166. 

—  Zur  Entstehung  der  Zechsteinsalze.  Z.  d.  D.  G.  G.,  1923, 
Abhandl.  S.  1—13. 


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Everding2)  vertritt  die  Auffassung,  daß  zunächst  all¬ 
gemein  als  Endglied  der  Eindampfung  ein  geschichtetes 
Carnaliitgestein  entstanden  sei,  das  bald  nach  seiner  Ent¬ 
stehung  vor  der  Bedeckung  mit  jüngeren  Bildungen  durch 
Auflösung  teilweise  wieder  zerstört  worden  sei.  Aus  den  dabei 
entstandenen  Laugen  habe  sich  dann  an  anderer  Stelle  Hartsalz 
durch  erneute  Eindampfung  gebildet  (Deszendentes  Hartsalz). 

Diese  Theorie  ist  neuerdings  allgemein  aufgegeben  wor¬ 
den,  besonders  seitdem  durch  Schünemann3),  Rözsa4)  und 
Lück5)  nachgewiesen  wurde,  daß  das  Hartsalz  von  Sta߬ 
furt  (Berlepschschacht)  Steinsalzbänke  enthält,  die  strati¬ 
graphisch  mit  -gleichen  Bänken  im  benachbarten  Carnallit- 
gestern  übe  reinstimmen.  Diese  Beobachtung  beweist,  daß 
beide  Gesteine  gleichzeitig  und  nicht  wie  Everding 
annahm,  nacheinander  entstanden  sind. 

Schünemann  und  Rözsa  sind  jedoch  beide  der  Ansicht, . 
daß  das  Hartsaiz  kein  ursprüngliches,  in  der  Zechsteinzeit 
gebildetes  Salzgestein  sei.  Schünemann  spricht  von  einer 
sekundären  metasomatischen  Entziehung  von  Chlormagne- 
siumlaugen  bei  beginnender  Erhebung  des  ganzen  Salzge¬ 
birges.  Bözsa  nimmt  thermometamorphe  Vorgänge  an,  von 
denen  weiter  unten  noch  die  Rede  sein  soll. 

Van  t’Hoff  hat  nachgewiesen,  daß  die  Paragenese  von 
Kieserit  und  Sylvin  erst  bei  Temperaturen  von  mindestens 
72°  Celsius  möglich  ist.  Nach  seiner  Ansicht  ist  aller¬ 
dings  eine  sekundäre  Entstehung  von  Hartsaiz  auch  bei 
tieferen  Temperaturen  nicty:  ausgeschlossen.  Wenn  z.  B. 
Wasser  von  25°  auf  ein  Gemenge  von  Carnallit.  und  Kieserit 
einwirke,  so  werde  aus  dem  ersteren  Chlormagnesium  leicht 
herausgewaschen,  der  Kieserit  aber  werde,  namentlich 
solange  noch  Chlormagnesium  zugegen  ist,  sehr  langsam 
angegriffen.  Fließe  die  entstandene  Chlormagnesiumiösung 
bald  wieder  ab,  so  bleibe  ein  Gemenge  von  Kieserit  und 
Sylvin  zurück6). 


*)  Vgl.  Beyschlag,  Everding:  Zur  Geologie  der  deutschen 
Zechsteinsalze.  1907. 

*)  Vgl.  F.  Schünemann:  Untersuchungen  auf  den  Kaliwerken 
des  Staßfurter  Sattels.  Z.  f.  Pr.  Geologie,  1913,  Bd.  21,  S.  205. 

4)  Vgl.  Rösza:  Über  den  organischen  Aufbau  der  Staßfurter 
Salzablagerungen.  Staßfurt  1912. 

6)  Vgl.  H.  Lück:  Über  den  Parallelismus  der  Hartsalz-  und 
Carnallitablagerungen  im  Berlepschbergwerk  bei  Staßfurt.  Kali 
1913.  H.  3,  S.  50. 

*)  van  t’Hoff  und  Meyerhoffeh:  Sitzungsbericht  der  Aka¬ 
demie,  Berlin  1902,  S.  1107. 


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9 


Im  Sinne  van  t’Hoffs  hat  Pbecht7)  eine  Entstehung 
des  Hartsalzes  aus  Carnallitgestein  angenommen.  Er  ver¬ 
mutet,  daß  unmittelbar  nach  der  Entstehung  des  Kalilagers 
in  seiner  ursprünglichen  Form  als  Carnallitgestein  infolge 
Überflutung  mit  verdünnten  Lösungen  stellenweise  das  Chlor¬ 
magnesium  herausgelöst  worden  sei.  Von  dem  Mineral  Car- 
nallit  sei  dabei  Sylvin  übrig  geblieben.  Precht  bezeichnet 
daher  das  Hartsalz  als  eine  sekundäre  Salzbildung  am  ur¬ 
sprünglichen  Orte.  Dieselbe  Auffassung  habe  ich  in  meinem 
bisherigen  Veröffentlichungen  vertreten.  Ich  halte  jedoch 
jetzt  nicht  mehr  daran  fest,  wie  ich  weiter  unten  noch  aus¬ 
einandersetzen  werde. 

Im  Gegensatz  zu  Precht  nimmt  Naumann8)  eine  Durch¬ 
tränkung  des  Kalilagers  unter  Hartsalzbildung  durch  Ent¬ 
ziehung  von  Chlormagnesium  erst  zur  Zeit  tektonischer  Be¬ 
wegungen  nach  Ablagerung  der  Triasschichten  an. 

Erdmann9)  neigt  dazu,  die  Hartsalze  des  Südharz-  und 
des  Werragebiets  als  ursprüngliche  Bildungen  aufzufassen, 
und  scheut  sich  nicht,  für  sie  eine  Bildungstemperatur 
über  72°  in  der  Zechsteinzeit  selbst  anzunehmen. 

In  neuester  Zeit  hat  die  Theorie  der  thermometa- 
morphen  Entstehung  der  Kalisalze  viel  Anklang  gefunden. 
Mit  dieser  Anschauung  beschäftigen  sich  Arbeiten  von  Ar- 
rhbnius,  Lachmann,  Rinne,  Jänecke,  Rözsa  u.  a.  Be¬ 
sonders  eingehend  hat  Jänecke10)  sich  mit  dieser  Ent¬ 
stehungsweise  befaßt.  Er  nimmt  an,  die  Salzausscheidung 
zur  Zechsteinzeit  sei  bei  einer  Temperatur  von  etwa  15 
bis  35°  erfolgt.  Unter  dieser  Voraussetzung  muß  sich 
aus  einer  Lösung,  die  prozentual  dem  heutigen  Meerwrasser 
entspricht,  folgende  Schichtenfolge  auskristallisieren11). 


7)  Pbecht-Ehrhabdt  :  Die  norddeutsche  Kaliindustrie.  Sta߬ 
furt  1907. 

*)  Naumann  :  Die  Entstehung  des  konglomeratischen  Carnallit* 
gesteins  und  des  Hartsalzes  sowie  die  einheitliche  Bildung  der 
deutschen  Zechsteinsalzlager  ohne  Deszendenzperioden.  Kali  1913. 
H.  4,  S.  87. 

®)  Erdmann:  Die  Chemie  u.  Industrie  der  Kalisalze.  Fest¬ 
schrift  1907. 

,ö)  Jänecke:  Die  Entstehung  der  deutschen  Kalisalzlager. 
Braunschweig  1915. 

u)  Nach  F.  Rinne:  Die  geothermischen  Metamorphosen  und 
die  Dislokationen  der  deutschen  Kalisalzlagerstätten.  Fortschr. 
d.  Min.  Krist  u.  Petr.  6.  Bd.,  1920,  S.  113. 


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10 


Kieserit,  Carnallit,  Bischofit  =  Biscbofttzone  (Schicht  E  nach 
van  t  Hoff) 

Kieserit,  Carnallit  =  Carnallitzone  (Schicht  D  nach  van  tHoff) 
Kieserit,  Kainit  | 

Hexahydrat,  Kainit  >  =  Kainitzone  (Schicht  C  „  „  „  ) 

Reichardtit,  Kainit  | 

Reichardtit,  Leonit  =  Kalimagnesia¬ 
sulfatzone 

Reichardtit  l  =  Kalifreie  Magnesia- 
Astrakanit  f  sulfaltzone 
Polyhalit  —  Polyhalitzone  '  .  1 
Anhydrit  =  Anhydritzone  J  .  (Schiebt  A  „  „  „  ) 

Gips  1  =GiPszone 


(Schicht  B  „ 


Diese  Schichtenfolge  soll  nach  Ansicht  der  eben  ge¬ 
nannten  Forscher  später  thermometamorph  umgewandelt 
worden  sein,  bis  sie  schließlich  den  Zustand  erreicht  habe, 
in  dem  wir  die  Kalisalzlager  heute  in  unseren  Bergwerken 
vorfinden.  Durch  Anhäufung  jüngerer  Sedimente  über  der 
Zechsteinfonnation  sei  die  Salzlagerstätte  in  eine  geother¬ 
mische  Tiefenstufe  geraten,  in  der  wesentlich  höhere  Tem¬ 
peraturen  auf  traten,  als  zur  Bildungszeit  der  Salze.  Die 
Folge  davon  seien  Umkristallisationen  gewesen,  die  zumeist 
mit  Abspaltung  von  Kristallwasser  und  Entstehen  von 
Laugen  verknüpft  gewesen  seien.  Nur  bei  einer  Umwand¬ 
lung  des  Kainits  in  der  Schicht  C  in  Carnallit  sei  Laugen¬ 
zufuhr  erforderlich  gewesen,  die  durch  Schmelzlaugen  der 
Schichten  D  und  E  erklärt  werden  könne,  welche  bei  117° 
entstehen  müßten; 

Die  besonders  durch  das  Schmelzen  der  Schicht  E 
in  großer  Menge  freiwerdenden  Laugen  seien  im  allge¬ 
meinen  durch  Klüfte  und  Sprünge  im  Gebirge  nach  oben 
weggedrückt  worden.  Ein  Teil  dieser  Laugen  habe  jedoch 
die  Schichten  D  und  C  durchtränkt. .  Aus  diesen  Schichten 
müsse  nun  bei  späterer  Abkühlung  Hartsalz  entstehen 
bei  teilweiser  Durchtränkung,  und  Carnallitgestein  bei  voll¬ 
ständiger  Druchtränkung  mit  Clilormagnesium  enthaltender 
Lauge.  Mit  der  im  Einzelfall  verschieden  intensiv  wirkenden 
Durch tränkung  lasse  sich  jede  in  der  Natur  vorkommende 
Kombination  von  Hartsalz  und  Carnallitgestein  erklären. 

Da  zu  diesen  Umwandlungen  zunächst  eine  Tempera¬ 
tur  von  117°  erforderlich  ist  (Schmelztemperatur  der  Schicht 
E),  wird  vermutet,  daß  die  thermometamorphen  Vorgänge 
in  mindestens  3500  m  Tiefe  eingeleitet  worden  seien.  Das 
spätere  Wiederauf  steigen  des  Salzgebirges  infolge  tekto¬ 
nischer  Ursachen  habe  trotz  der  eintretenden  Abkühlung 


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// 


im  allgemeinen  keine  vollständige  Rückbildung  in  die  ur¬ 
sprünglichen  Salzgesteine  zur  Folge  gehabt,  weil  nach  Ab¬ 
pressung  der  Hauptmasse  der  Laugen  die  Salze  sich  bei 
der  Abkühlung  je  nach  dem  Grade  der  Durchtränkung 
nur  noch  in  Hartsalz  oder  Garnallitgestein  haben  verwan¬ 
deln  können. 

Diese  Theorie  ist,  soweit  sie  auf  chemischer  Grund¬ 
lage  beruht,  von  Jänecke  bis  in  alle  Einzelheiten  hinein 
durchdacht  und,  soweit  ich  das  beurteilen  kann,  einwand¬ 
frei  gestützt  worden.  Jänecke  muß  jedoch  zu  ihrer  Be¬ 
gründung  notwendig  eine  Reihe  von  geologischen  Annah¬ 
men  heranziehen,  die  meines  Erachtens  unhaltbar  sind. 
Wenn  dadurch  der  Theorie  eine  wesentliche  Stütze  ent¬ 
zogen  wird,  bleibt  nichts  anderes  übrig,  als  sie  vollständig 
aufzugeben. 

Gegen  Jäneckes  geologische  Annahmen  habe  ich  fol¬ 
gende  Einwendungen  zu  machen : 

1.  Eine  Sedim'entbildung  von  mindestens 

3500  m  Mächtigkeit  oberhalb  der  Zechsteinformation 
hat  zwar  in  Norddeutschland  zweifellos  stattgefunden. 
Anders  liegen  dagegen  die  Verhältnisse  im  Bereich 
des  Südharz-  und  des  Werragebiets.  In  dieser  mittel¬ 
deutschen  Gegend  sind  die  Schichten  der  Trias 

in  etwa  1000  m  Mächtigkeit  und  ein  .  Teil  der 
Juraformation  (Lias  bei  Eisenach  und  Gotha)  zweifel¬ 
los  zur  Ablagerung  gekommen.  Im  übrigen  ist  dieses 
Gebiet  während  des  Mesozoikums  wahrscheinlich  meistens 
Festland  gewesen.  Die  spärlichen  Cenomanbildungen  des 
Ohmgebirges,  die  auf  Keuper  transgredieren,  stehen  dazu 
nicht  im  Widerspruch.  Sie  deuten  vielmehr  daraufhin,  daß 
dort  zur  Jura-  und  Unteren  Kreidezeit  keine  und  zur 
Oberen  Kreidezeit  nur  spärliche  Ablagerungen  von 
Sedimenten  erfolgt  sind.  Es  erscheint  daher  sehr 

unwahrscheinlich,  daß  in  Mitteldeutschland  jemals  eine 
3500  m  mächtige  Sedimentdecke  vorhanden  gewiesen  sein 
könnte.  Nach  Jänecke  müßte  man  daher  hier  die  Schich¬ 
ten  C,  D  und  E  in  ursprünglicher  Ausbildung  erwarten. 
Tatsächlich  sind  aber  Hartsalze  und  Carnallitgesteine  weit 
verbreitet. 

2.  Das  Calciumsulfat,  weiches  vor  der  Abscheidung 
des  Steinsalzes  zur  Ablagerung  gelangte,  soll  nach  Jänecke 
in  Form  von  Gips  auskristallisiert  sein  und  sich  dann  erst 
später  thermometamorph  in  Anhydrit  umgewandeit  haben, 
und  zwar  bei  einer  Temperatur  von  wenig  über  100°.  Da- 


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72 


bei  hal»e  sich  das  Kristallwasser  des  Gipses  als  fast  reines 
Wasser  abgeschieden.  Dieses  Wasser  müßte  natürlich,  wie 
auch  Jäskckk  hervorhebt,  benachbarte  feste  Salze  lösen. 
Über  den  Verbleib  dieser  Lösungen  macht  JAxecke  keine 
näheren  Angaben.  Offenbar  denkt  er  wieder  an  Weg¬ 
pressung  ins  Hangende. 

Nach  meinen  Untersuchungen  besteht  die  Unterlage 
des  Älteren  Steinsalzes  im  Hauptbecken  aus  folgenden 
Schichten: 


Basalanhydrit  .  .  . 

2 

m 

Oberer  Zechstein 

Stinkschiefer . 

6 

m  ] 

Oberer  Anhydrit .  .  . 
Ältestes  Steinsalz  .  .  . 

25 

6 

m  1 
m  | 

‘  Mittlerer  Zechstein 

Unterer  Anhydrit  .  . 

30 

m 

Zechsteinkalk  .... 

4 

m 

Kupferschiefer 

0,4  m 

•  Unterer  Zechstein 

Zechsteinkonglomerat .  . 

2 

m  I 

■ 

Es  kommen  demnach  im  ganzen  57  m  Anhydrit  in 
Frage,  die  aus  etwa  71  m  Gips  entstanden  sein  müßten. 
Etwa  14  m  Wassersäule  müßten  nach  Auflösung  von  hangen¬ 
den  Salzen  weggepreßt  worden  sein. 

Es  ist  nicht  denkbar,  daß  ein  derartiger  geologischer 
Vorgang  sich  ohne  sichtbare  Spuren  vollziehen  könnte. 
Im  hangenden  Salz  müßten  Auslaugungserscheinungen  in 
irgendeiner  Form  erkennbar  sein,  die  auch  von  späteren 
tektonischen  Vorgängen  niemals  hätten  vollständig  ver¬ 
wischt  werden  können.  Derartige  Erscheinungen  sind  aber 
weder  beim  Kali-  noch  beim  Kupferschieferbergbau  außer¬ 
halb  der  posthumen  Auslaugungsränder  jemals  gefunden 
worden. 

Offenbar  herrschte  schon  nach  Ablagerung  des  Zech- 
steinkalkes  im  Zechsteinmeer  eine  so  hohe  Temperatur  und 
so  hohe  Konzentration  an  Chlornatrium,  daß  nur  Anhy¬ 
drit  und  kein  Gips  entstehen  konnte.  In  den  Schichtenver¬ 
zeichnissen  mancher  Bohrungen  ist  zwar  auch  im  ^littleren 
Zechstein  an  Stellen,  wo  posthume  Umwandlung  nicht  in 
Frage  kommt,  zuweilen  Gips  verzeichnet  worden.  Nach 
den  Aufschlüssen  des  Mansfelder  Bergbaus  kommen  im 
Mittleren  Zechstein  schneeweiße  alabasterartige  Anhydrite 
häufig  vor.  Diese  sind  offenbar  manchmal  von  den  Bohr¬ 
meistern  irrtümlich  als  Gips  bezeichnet  worden.  In  den 
tieferen  Grubenbauen  des  Mansfelder  Bergbaus  ist  Gips 
im  Mittleren  Zechstein  unbekannt. 

Wohl  aber  kommt  primärer  Gips  im  Kupfer- 
schiefe  r  vor.  In  der  Mitte  dieses  Flözes  befindet  sich 


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13 


eine  Sebieferlage,  die  vom  Bergmann  als  Kammschale  be¬ 
zeichnet  wird  und  sich  durch  mehrere  bis  etwa  1  mm  starke 
Gipsstreifen  auszeichnet.  Auch  in  den  tiefsten  Grubenbauen, 
in  deren  Bereich  posthume  Umwandlungen  ausgeschlossen 
sind,  bestehen  diese  dünnen  Streifen  aus  Gips  und  nicht 
aus  Anhydrit12).  Zur  Kupferschieferzeit  waren  Temperatur 
und  Konzentration  der  Lösung  offenbar  noch  nicht  zur  An¬ 
hydritbildung  ausreichend.  Nach  der  Theorie  von  Jänecke 
wäre  das  Vorkommen  von  Gips  im  Kupferschiefer  unmög¬ 
lich,  denn  gerade  in  diesem  tiefsten  Horizont  müßte  die 
Thermometamorphose  am  energischsten  gewirkt  haben.  Man 
müßte  denn  die  recht  willkürliche  Annahme  machen,  daß 
im  Kupferschiefer  im  Gegensatz  zum  Mittleren  Zechstein 
eine  Wegpressung  des  Kristallwassers  bei  der  Anhydrib- 
bildung  nicht  stattgefunden  und  deshalb  bei  späterer  Tem¬ 
peraturabnahme  eine  Rückbildung  in  Gips  stattgefunden 
habe.  .  . 

3.  Die  Kalisalzgesteine  sind  in  der  Regel  deutlich 
geschichtet.  Carnallit  oder  Sylyinit,  Kieserit  und  Stein¬ 
salz  sind  in  der  Hauptsache  als  gesonderte,  miteinander 
Wechsel  lagernde  Bänke  abgeschieden.  In  Carnallitgesteinen 
wird  die  Schichtung  oft  undeutlich,  weil  der  Carnallit  unter 
Einwirkung  starken  tektonischen  Druckes  zergrust  und 
Breccien  bildet.  Hartsalze  und  Sylvinite  sind  dagegen  fast 
ausnahmslos  deutlich  geschichtet. 

Die  Durchtränkungen,  die  Jänecke  annimmt,  müßten 
nach  menschlicher  Voraussicht  allgemein  eine  Ver¬ 
wischung  der  Schichtfugen  zur  Folge  gehabt  ha¬ 
ben,  wie  man  dies  bei  der  posthumen  Kainitbildung  auch 
allgemein  beobachten  kann.  Insbesondere  kann  bei  dem 
Zerfall  von  Kainit  in  Kieserit  und  Sylvin  naturgemäß  nur 
ein  inniges  Gemenge  beider  Mineralien,  aber  keine  Ab¬ 
sonderung  in.  getrennte  Bänkchen  eintreten.  Jänecke  gibt 
auch  selbst  zu,  daß  Hartsalz,  soweit  es  aus  Kainit  ent¬ 
standen  sei,  kaum  geschichtet,  sondern  nur  konglomeratartig 
Vorkommen  könne. 

Die  meisten  Hartsalzvorkommen  umfassen  den  gesamten 
Horizont  der  theoretischen  Schichten  C  und  D  nach  van 
t’Hoff,  von  denen  die  kainitische  Schicht  C  die  Haupt¬ 
masse  des  Kaliums  enthält.  Für  die  meisten  Hartsalzvor- 


12)  Herr  Schloszmacher  hat  zahlreiche  Proben  von  Kamin  - 
schale  auch  aus  den  tiefsten  Mansfelder  Schächten  untersucht 
und  stets  Gips  gefunden,  der  stellenweise  durch  Kupfererz  ver¬ 
drängt  worden  ist. 


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14 


kommen  müßte  demnach  eine  Entstehung  aus  Kainitgestein 
und  infolgedessen  eine  konglomeratartige  Struktur  angenom¬ 
men  werden.  Dieses  Ergebnis  widerspricht  den  Erscheinun¬ 
gen  der  Natur,  denn  die  Hartsalze  sind  immer  deutlich  ge¬ 
schichtet  und  können  daher  keine  thermometamorpii  ver¬ 
änderten  Kainite  sein. 

4.  Nach  Ansicht  von  Jänecke  soll  vor  Ablagerung 
des  Grauen  Salztons  eine  Schicht  E,  bestehend  aus  Bi- 
schofit,  Carnallit  und  Kieserit  entstanden  sein,  deren  Mäch¬ 
tigkeit  etwa  das  Doppelte  des  aus  den  Schichten  C  und  D 
bestehenden  Kalilagers  l>etragen  habe.  In  3500  m  Tiefe 
(bei  117°)  sei  die  Schicht  E  vollständig  im  eigenen  Kristall¬ 
wasser  geschmolzen,  und  die  entstehende  Losung  sei,  so¬ 
weit  sie  nicht  in  der  Abkühlperiode  nach  dem  Aufsteigen 
des  Salzgebirges  zur  Umbildung  der  Schichten  C  und  D 
verbraucht  wurde,  ins  Hangende  weggepreßt  worden. 

Man  bedenke,  daß  über  dem  Älteren  Kalilager  etwa 
60  m  Hauptanhydrit  (einschließlich  des  Grauen  Salztones) 
und  etwa  100  m  Jüngeres  Steinsalz  zur  Ablagerung  ge¬ 
kommen  sind!  Darüber  folgen  320  m  Unterer  Buntsand¬ 
stein,  der  meist  tonig  ausgebildet  ist.  Erst  im  Mittleren 
Buntsandstein  begegnen  uns  grobkörnige  Schichten,  deren 
Porenräume  zur  Aufnahme  von  größeren  Flüssigkeitsmen¬ 
gen  fähig  sind. 

Durch  dieses  Deckgebirge  soll  außer  den  14  m  Wasser¬ 
säule  aus  dem  Mittleren  Zechstein  noch  annähernd  60  m 
Laugensäule  aus  der  Schicht  E  weggepreßt  sein.  Man  sollte 
annehmen,  daß  man  die  Klüfte  im  Jüngeren  Steinsalz, 
die  den  Weg  für  diese  Laugen  gebildet  haben  sollen,  min¬ 
destens  als  verheilte  Salzspalten  noch  auffinden  müßte.  Der¬ 
artige  Spalten  im  Steinsalz  sind  jedoch  nirgends  aufgefunden 
worden,  obgleich  das  Jüngere  Steinsalz  durch  zahlreiche 
Grubenbaue  durchörtert  worden  ist.  Auch  sind  in  den 
hangenden  Gebirgsschichten  (Buntsandstein,  Muschelkalk) 
niemals  Laugenansammlungen  angetroffen  worden.  Die  ge¬ 
ringen,  wahrscheinlich  posthumen  Laugenmengen,  die  zu¬ 
weilen  im  Hauptanhydrit  Vorkommen,  stehen  in  keinem 
Verhältnis  zu  dem  der  Schicht  E  entsprechenden  Laugen¬ 
quantum. 

Man  wende  nicht  ein,  die  weggepreßten  Laugen  könn¬ 
ten  ausnahmslos  innerhalb  der  Salzhorste  in  die  Gipshüte 
gelangt  und  von  dort  durch  Solquellen  in  die  oberfläch¬ 
lichen  Wasserläufe  geraten  sein.  Im  Südharzgebiet  gibt 
es  weit  verbreitete  Kalilagerstätten  ohne  Salzhorstbildung, 


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15 


über  denen  auf  viele  Quadratkilometer  Ausdehnung  die 
hangenden  Schichten  (Hauptanhydrit,  Jüngeres  Steinsalz) 
weder  tektonisch  durchspießt  noch  ausgelaugt  sind.  Hier 
hätten  die  weggepreßten  Laugen  unter  allen  Umständen 
durch  das  hangende  Salzgebirge  hindurchwandern  müssen. 

Schließlich  sei  darauf  hingewiesen,  daß  das  Verschwin¬ 
den  der  Schicht  E  zu  umfassenden  Einsturzbildungen,  be¬ 
sonders  im  benachbarten  Grauen  Salztoii  und  im  Haupt¬ 
anhydrit  hätte  führen  müssen.  Derartige  Erscheinungen 
sind  jedoch  nirgends  bekannt  geworden. 

5.  Jänecke  nimmt  an.  die  Zechsteinsalze  seien  bei  einer 
Temperatur  von  15  bis  35°  Celsius  entstanden. 
Es  muß  darauf  hingewiesen  werden,  daß  der  Dampfdruck 
konzentrierter  Lösungen  sehr  gering  ist  und  erst  bei  höherer 
Temperatur  einigermaßen  ansteigt.  Es  erscheint  daher  sehr 
zweifelhaft,  ob  bei  einer  Temperatur  von  35°  eine  Ein- 
dunstung  von  Mutterlaugen  möglich  ist.  Die  Atmosphäre 
über  den  Laugen  wird  schon  bei  ganz  geringer  Feuchtig¬ 
keitsaufnahme  den  gleichen  Dampfdruck  wie  die  Mutter¬ 
laugen  erreichen,  so  daß  eine  weitere  Verdunstung  und  ein 
Festwerden  der  Salze  unmöglich  wird.  Vor  allen  Dingen 
erscheint  eine  Abscheidung  von  Bischofit  aus  einer  äußerst 
konzentrierten  Lösung,  die  nur  noch  einen  sehr  geringen 
Dampfdruck  haben  kann,  bei  so  niedriger  Temperatur 
außerordentlich  unwahrscheinlich. 

Die  Bildung  von  Muttefcaugensalzem  setzt  ein  ausge¬ 
sprochenes  Wüstenklima  voraus,  also  eine  sehr  trockene 
Luft  bei  außerordentlich  hoher  Temperatur.  Lufttempera¬ 
turen  von  50°  und  mehr  sind  in  den  heutigen  Wüsten 
keine  Seltenheit.  Die  Mutterlaugen  können  daher  infolge 
ihrer  Fähigkeit,  die  Wärmestrahlen  zu  absorbieren  und  die 
Wärme  selbst  aufzusammeln,  sehr  wohl  Temperaturen  über 
83°  erreicht  haben.  Trotzdem  bleibt  es  zweifelhaft,  ob 
auch  derartig  hohe  Temperaturen  ausreichen  würden,  um 
den  Bischofit  zur  Erstarrung  zu  bringen.  Viel  wahrschein¬ 
licher  ist  es,  daß  der  Rest  der  Mutterlaugen  in  flüssiger 
Form  über  den  Kalisalzen  noch  vorhanden  war,  als  die 
neue  Überflutung  zur  Zeit  des  Grauen  Salztons  kam  und 
sich  mit  diesen  Laugen  allmählich  vermischte. 

Tatsächlich  sind  Bildungen,  die  der  Schicht  E  ent¬ 
sprächen,  nirgends  bekannt  geworden.  Wenn  die  Schicht 
E  überhaupt  niemals  existiert  hat,  wie  ich  annehmen 
möchte,  werden  natürlich  die  thermometamorphen  Um¬ 
wandlungen  der  Schichten  C  und  D  unmöglich,  soweit 


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sie  nur  mit  Hilfe  von  Schmelzlaugen  erklärt  werden 
können,  die  aus  der  Schicht  E  sich  bei  117°  abgespaltet 
haben  sollen. 

Auf  Grund  der  fünf  Einwände,  die  ich  soeben  vom 
geologischen  Standpunkt  aus  erhoben  habe,  möchte  ich  die 
gesamte  Theorie  der  thermometamorphen 
Entstehung  der  deutschen  Kalisalzlager¬ 
stätten  ablehnen.  Ich  will  versuchen,  eine  neue 
Theorie  aufzustellen,  die  den  Erscheinungen  in  der  Natur 
überall  Rechnung  trägt  und  mit  der  chemischen  Forschung 
nicht  in  Widerspruch  steht.  Die  chemischen  Grund¬ 
lagen,  die  uns  die  Arbeiten  von  Jänecke  gewähren,  sollen 
mir  dabei  maßgebend  bleiben. 

Meine  Anschauungen  über  die  Eindunstung  des  deut¬ 
schen  Zechsteinmeeres  habe  ich  in  großen  Zügen  bereits 
in  den  beiden  oben  genannten’  Veröffentlichungen  aus¬ 
einandergesetzt.  Im  Gegensatz  zu  Ochsenius  nehme  ich 
an,  daß  die  Verbindung  mit  dem  offenen  Ozean  bereits  zu 
Beginn  der  Mittleren  Zechsteinzeit  verloren  gegangen  ist 
und  daß  sich  schon  zu  dieser  Zeit  die  eindunstenden 
Lösungen  auf  die  tiefsten  Stellen  des  zur  Unteren  Zech¬ 
steinzeit  bestehenden  Meeres  zurückzogen,  um  dort  Salz¬ 
seen  zu  bilden,  deren  Spiegel  wahrscheinlich  ähnlich  wie 
heute  beim  Toten  Meere  weit  unter  dem  damaligen  Meeres¬ 
spiegel  lag.  Diese  Ansicht  stütze  ich  auf  die  Beobachtung, 
daß  das  Salzprofil  im  Werrajjfcbiet  bereits  vom  Mittleren 
Zechstein  ab  grundsätzlich  von  dem  des  Hauptbeckens  ver¬ 
schieden  ist13).  Die  Salze  des  Werragebietes  müssen  wegen 
ihrer  individuellen  Entwicklung  in  einem  vom  Hauptbecken 
abgetrennfcen  Salzsee  entstanden  sein.  Die  übereinstimmende 
Entwicklung  des  Unteren  Zechsteins  beweist  jedoch  die 
Gleichzeitigkeit  beider  Salzbildungen. 

Für  die  Trennung  beider  Salzseen  muß  ein  bestimmter 
geologischer  Vorgang  verantwortlich  sein.  Man  könnte  an 
tektonische  Ursachen  denken.  Näherliegend  ist  jedoch  die 
Annahme,  daß  die  Abschnürung  des  Salzsees  im  Werragebiet 
durch  den  Rückgang  der  Lösungen  nach  den  tiefsten  Stel¬ 
len  des  ehemaligen  Zechsteinmeeres  erfolgt  ist.  Untiefen 
des  ehemal 'ven  Meeresbodens  sind  dabei  an  die  Oberfläche 


13)  Auf  diesen  Gesichtspunkt  ist  Seidl  nicht  eingegangen, 
der  einen  entgegengesetzten  Standpunkt  vertritt  in:  Die  geo 
logischen  Gesetzmäßigkeiten,  welche  im  Hessisch-Thüringischen 
(Werra-Fulda)  Gebiet  für  den  Zechstein-Kalisalzbergbau  maßgebend 
sein  müssen.  Z.  Kali  1923. 


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getreten  und  haben  isolierte  Tiefgebiete  vom  Hauptbecken 
abgetrennt. 

Diese  Ansicht  läßt  sich  noch  dadurch  stützen,  daß 
die  Salzlagerstätte  des  Niederrheins  gleichfalls  eine  indi¬ 
viduelle  Entwicklung  zeigt,  die  sowohl  von  der  des  Haupt¬ 
beckens,  als  auch  von  der  des  Werragebiets  grundsätzlich 
abweicht.  Irn  Niederrheingebiet  sind  ein  oder  sogar  zwei 
getrennte  Salzseen  anzunehmen,  die  auch  dem  Oberen  Zech¬ 
stein  angehören. 

Eine  Trennung  der  Lösungen  in  einzelnen  Salzseen 
zur  Zeit  des  Mittleren  und  Oberen  Zechsteins  wäre  un¬ 
denkbar,  wenn  eine  Verbindung  mit  dem  offenen  Meere 
erhalten  geblieben  wäre.  Dann  müßte  vielmehr  in  dem 
ganzen  einheitlichen  Verbreitungsgebiet  des  Unteren  Zech¬ 
steins  auch  ein  annähernd  einheitlich  aufgebauter  Mittlerer 
und  Oberer  Zechstein  entstanden  sein. 

Auf  Grund  dieser  Beobachtungen  und  Überlegungen 
erscheinen  mir  die  Anschauungen  von  Ochsenius  zum 
großen  Teil  nicht  mehr  haltbar.  Besonders  die  Annahme, 
der  Barreuschluß  sei  erst  kurz  vor  der  Entstehung  des 
Älteren  Kalilagers  erfolgt,  nachdem  bereits  ein  Teil  der 
Mutterlaugen  im  Unterstrom  zum  Ozean  zurückgeflossen 
sei.  muß  ich  ablehneu. 

Abgesehen  von  der  ersten  allgemeinen  Überflutung  zur 
Zeit  des  Kupferschiefers  hat  das  Hauptbecken  noch  zwei 
weitere  Überflutungen  erlebt,  die  vermutlich  als  Einbrüche 
von  Meer wasser  über  die  in  der  Zwischenzeit  landfeste 
Niederung  (Barre)  zwischen  Salzsee  und  Ozean  aufzufassen 
sind.  Die  erste  dieser  beiden  Überflutungen  bildet  den  Ab¬ 
schluß  des  Mittleren  Zechsteins.  Sie  fand  zu  einer  Zeit 
statt,  in  der  die  Anhydritabscheidung  in  der  Hauptsache 
beendet  war  und  die  Bildung  des  Älteren  Steinsalzes  nahe 
bevorstand. 

Die  Überflutung,  welche  die  wahrscheinlich  ziemlich 
hoch  gelegenen  randlichen  Salzseen  des  Werragebiets  und 
des  Niederrheins  nicht  erreicht  zu  haben  scheint,  bewirkte 
im  Bereich  des  Hauptbeckens  die  Ablagerung  des  Stink¬ 
schiefers,  der  im  flachen  Meer  durch  Hauptdolomit 
vertreten  wird.  Beide  bestehen  aus  einem  Gemenge  von 
einem  ein  wenig  dolomitischen  Kalk  mit  klastischem  Ma¬ 
terial.  Das  Meerwasser  strömte  vielleicht  flußartig  in  das 
tief  unter  dem  Meeresspiegel  gelegene  Zeehsteinbecken 
hinein  und  hatte  dabei  Gelegenheit,  unterwegs  klastisches 
Material  aufzunehmen. 

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Die  Stinkschieferüberflutung  scheint  demnach  dem  ein¬ 
dunstenden  Hauptbecken  große  Mengen  von  C03- Jonen  zuge- 
führt  zu  haben,  die  bei  der  weiteren  Eindunstung  als  CaC03 
abgeschieden  wurden.  Nach  dieser  vorübergehenden  Unter¬ 
brechung  nahm  die  Abscheidung  der  sogenannten  Älteren 
Salzfolge  ihren  ungehinderten  Fortgang  bis  zur  Bildung  des 
Älteren  Kalilagers. 

Alsdann  erfolgte  offenbar  der  zweite  Meerwasserein¬ 
bruch,  der  mit  der  Bildung  des  wiederum  zum  Teil  klasti¬ 
schen  Grauen  S  alz  ton  s  die  Jüngere  Salzfolge  ein¬ 
leitete. 

Ungefähr  neun  Zehntel  der  Wassermenge  des  Haupt¬ 
beckens  mußten  verdunsten,  ehe  die  Abscheidung  des  Äl¬ 
teren  Steinsalzes  begann.  Während  dieser  Zeit  bildete 
sich  die  An  h  y  d  r  i  t  u  n  t  e  r  l  a  g  e.  Offenbar  mußte  der 
Wasserspiegel  des  Salzsees  in  der  Anhydritperiode  erheb¬ 
lich  sinken  und  gleichzeitig  die  horizontale  Ausdehnung 
des  Sees  überall  dort,  wo  flach  geböschte  Uferstrecken 
Vorlagen,  beträchtlich  abnehmen.  Es  entstanden  ausge¬ 
dehnte  randliche  Anhydritgebiete,  die  später  vom  Älteren 
Steinsalz  nicht  liedeckt  werden  konnten.  Ein  derartiges 
Gebiet  scheint  z.  B!  östlich  der  Linie  Halle — Eckartsberga 
vorhanden  zu  sein. 

Erst  als  die  Wassermenge  bis  auf  annähernd  ein  Hun¬ 
dertstel  eingedunstet,  war,  begann  das  Festwerden  der  M  u  t  - 
terla ugen salze,  nachdem  sich  vorher  die  Hauptmasse 
des  Chlornatriums  als  Älteres  Steinsalz  abgelagert  hatte. 

Die  Eindunstung  setzt  eine  intensive  Sonnenbestrahlung 
voraus,  wie  wir  sic  in  Wüstengegenden  auch  heute  noch 
kennen.  Ferner  muß  über  dem  Salzsee  eine  ziemlich 
trockene  Luft  vorhanden  sein,  die  das  verdunstende  Wasser 
begierig  auf  saugt.  Unter  dem  Einfluß  eines  kontinentalen 
tropischen  Klimas  mit  einem  dauernden  barometrischen 
Hochdruckgebiet  strömt  diese  mit  Wasser  des  Salzsees 
beladene  Luft  Tiefdruckgebieten  zu,  in  denen  sie  ihre 
Feuchtigkeit  als  Regen  abgibt. 

Die  Sonnenstrahlen  dringen  ziemlich  ungehindert  durch 
die  Lufthülle  der  Erde  hindurch.  Sie  vermögen  jedoch 
nicht  sehr  tief  in  das  Wasser  eines  Seebeckens  einzudringen. 
Bereits  im  obersten  Meter  des  Wassers  wird  die  Haupt¬ 
menge  der  Strahlungsenergie  als  Wärme  absorbiert  und 
bewirkt  eine  Erhöhung  der  Temperatur. 

Die  Temperatursteigerung  wird  jedoch  wesentlich  auf- 
gehalten  durch  den  Wärmeverbrauch  beim  Verdunsten  des 


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Wassers.  Je  konzentrierter  eine  Lösung  ist,  um  so  ge¬ 
ringer  ist  der  Dampfdruck  und  demnach  auch  ihre  Wasser¬ 
abgabe  durch  Verdunstung.  Umso  mehr  Wärme  steht  dann 
zur  Temperatursteigerung  zur  Verfügung. 

ln  einem  Salzsee,  der  keine  nennenswerten  Süßwasser- 
zuflüsse  hat,  tritt  infolge  der  Verdunstung  in  der  obersten 
Wasserschicht  eine  Konzentration  der  Lösung  ein.  Da  da¬ 
bei  gleichzeitig  die  Dichte  der  Lösung  zunimmt,  so  muß 
sie  zu  Boden  sinken.  Es  entstehen  demnach  Vertikal¬ 
st  r  ö  m  u  n  g  e  n  ,  die  verursachen,  daß  die  Dichte  der 
Lösung  nach  unten  hin  allmählich  zunimmt. 

Ist  für.  eine  Komponente  der  Lösung  völlige  Sättigung 
erreicht,  dann  bilden  sich  Kristalle,  die  zunächst  langsam 
mit  dem  Wachsen  zu  größeren  Individuen  allmählich  schnel¬ 
ler  zu  Boden  sinken  und  sich  dort  ablagern. 

Neben  diesen  Vertikal  Strömungen  müssen  jedoch  auch 
Horizontalström  ungen  entstehen,  wie  folgende 
Überlegung  zeigt  (vgl.  Figur  1). 


Zie/es  SeegeÖA et 

langsame  (///U  Xontenfrvfion 

Fig.  1. 


Wärmezufuhr  durch  Sonnenbestrahlung  proportionai  der  Cberf Zäche 

N.  /  eugenspieget  zu  Beginn  der  Oöeren  Zechsfeinzejt 

_  **—  BucAstrofl}  tocMer  loiungen 

t  Zaches  Seegebiet  ''NN, 

ScX’feBe  fr^ar/nvng  und /<w/«/vAw  Abf'u/3  scb*t."er  lösiujgtr»^^ 


Die  Wärmezufuhr  durch  die  Sonnenbestrahlung  ist  im 
allgemeinen  proportional  der  Oberfläche  des  Sees.  Die 
Lösung  über  einem  flachen  Teil  des  Sees  erhält  demnach 
ebenso  viele  Wärmeeinheiten  in  der  Zeiteinheit  wie  die 
Lösung  im  Bereich  eines  tiefen  Teiles.  Die  Lösungsmenge 
ist  aber  im  flachen  Seegebiet  wesentlich  geringer.  Die 
Temperatursteigerung  und  die  Zunahme  der  Konzentration, 
die  sich  durch  die  eben  erwähnten  Vertikalströmungen  bis 
zum  Seeboden  hin  annähernd  ausgleichen,  müssen  im  flachen 
Seegebiet  wesentlich  schneller  erfolgen,  da  dieselbe  Wärme¬ 
menge  auf  eine  geringere  Lösungsmenge  einwirkt,  als  im 
tiefen  Seegebiet.  Solange  eine  vollständige  Sättigung  noch 
nicht  erreicht  ist,  müssen  die  dichteren  Lösungen  des  Flach¬ 
gebietes  am  Seegrunde  in  das  Tiefgebiet  abfließen  und 
einen  umgekehrten  Rückstrom  leichterer  Lösungen  an  der 
Oberfläche  verursachen. 

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Die  Slröinungsvorgängc  wirken  auf  eine  Homogenität 
der  Lösung  im  ganzen  Seebecken  hin.  Diese  Homogenität 
wird  aber  dauernd  gestört  durch  die  von  der  See  tiefe 
abhängige  ungleiche  Wärmezufuhr,  auf  die  Raumein¬ 
heit  der  Lösung  bezogen.  Die  Strömung  selbst  kann 
daher  nicht  zur  Ruhe  kommen.  Sie  dauerte  also  auch 
während  der  Abscheidung  des  Älteren  Steinsalzes  an. 

Offenbar  fand  innerhalb  des  Hauptbeckens  insofern 
bis  zu  einem  gewissen  G-rade  ein  Ausgleich  statt,  als  die 
Oberfläche  des  Älteren  Steinsalzes  ohne  Rücksicht  auf  die 
ehemalige  Seetiefe  eine  annähernd  horizontale  Fläche  bildete 
zur  Zeit,  als  die  Mutterlaugen  allein  noch  flüssig  waren. 
Die  Mächtigkeit  des  Älteren  Steinsalzes  läßt  daher  bis  zu 
einem  gewissen  Grade  einen  Schluß  auf  die  ursprüngliche 
Tiefe  des  Hauptbeckens  an  jeder  einzelnen  Stelle  zu.  Ins¬ 
besondere  kann  man  behaupten,  daß  das  Gebiet  westlich 
der  Linie  Nordhausen — Heringen— Hachelbich  (Südharzkali¬ 
gebiet)  ein  flacher  Teil  des  Hauptbeckens  gewesen  ist, 
da  hier  die  Mächtigkeit  des  Älteren  Steinsalzes  50  m  iin 
allgemeinen  nicht  übersteigt. 

Eine  Störung  der  Homogenität  der  Lösungen  infolge  der 
geschilderten  Strömungsvorgänge  machte  sich  wahrschein¬ 
lich  in  erster  Linie  innerhalb  der  zuletzt  übrig  gebliebenen 
’  Mutterlaugen  bemerkbar. 

Die  innere  Reibung  einer  Lösung  wächst  mit  der  An¬ 
zahl  der  gelösten  Moleküle,  sie  nimmt  meist  ab  bei  Er¬ 
höhung  der  Temperatur.  Die  Mutterlaugen  hatten  wegen 
der  großen. Menge  an  gelösten  Bestandteilen  offenbar  eine 
beträchtliche  innere  Reibung  im  Vergleich  zum  reinen 
Wasser.  Sie  waren  also  bis  zu  einem  gewissen 
Grade  dickflüssig. 

Die  Mutterlaugen  enthielten  in  der  Hauptsache  folgende 
Bestandteile : 

Anionen:  Kationen: 

Na  CI 

K  SOt 

Mg 
Ca 

Die  Salze,  welche  diese  Ionen  in  der  gemeinsamen 
Lösung  bilden,  haben  voneinander  abweichende  innere 
Reibungen,  da  sie  sich  in  verschiedener  Menge  im  gleichen 
Quantum  Wasser  lösen.  Das  verhältnismäßig  schwer  lös¬ 
liche  Chlornatrium  ist  in  gesättigter  Lösung  dünnflüssiger 


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als  das  leichter  lösliche  Chlormagnesium.  Es  bestehen 
Unterschiede  in  der  Viskosität,  die  leider  noch  nicht  zah¬ 
lenmäßig  ermittelt  worden  sind. 

Solche  Unterschiede  in  der  Viskosität  bewirken  unter 
dem  Einfluß  der  oben  geschilderten  Strömungsvorgänge  bis 
zu  einem  gewissen  Grade  eine  Entmischung  der 
Mutterlaugen.  Dickflüssige  Lösungen  bewegen  sich 
unter  dem  Einfluß  derselben  Kräfte  langsamer  vorwärts  als 
dünnflüssige.  Die  Homogenität  der  Lösungen  muß  daher 
in  der  Strömungsrichtung  eine  Störung  erleiden.  An¬ 
reicherungen  und  Verarmungen  an  einem  Lösungsgenossen 
müssen  entstehen,  den  Schlierenbildungen  im  Eruptivge¬ 
stein  vergleichbar. 

Infolge  dieser  Erscheinungen  lassen  sich  sowohl  re¬ 
gionale  als  auch  lokale  Entmischungen  fest¬ 
stellen.  Es  gibt  ganze  Kalisalzbezirke  mit  abweichendem 
chemischen  Inhalt  und  innerhalb  der  Bezirke  wieder  Zonen 
von  verschiedenem  Aufbau. 

Ein  regionaler  Gegensatz  besteht  zwischen  der  Kali¬ 
salzlagerstätte  des  Südharzbezirks  und  derjenigen  von  Sta߬ 
furt  (Magdeburg — Halberstädter  Mulde).  Im  Südharzge¬ 
biet  finden  wir  einen  ausgesprochenen  Mangel  an  Mag¬ 
nesium  und  dafür  einen  Reichtum  an  Kalzium  und 
S04.  Das  vorwiegende  Gestein  ist  anhydritisches  Hartsalz. 
Soweit  Magnesium  vorhanden  ist,  befindet  es  sich  in  an- 
hydritischem  Carnallitgestein.  Ivieserit  kommt  nur  sehr 
spärlich  vor,  da  zur  Bindung  von  S04  genügend  Kalzium 
zur  Verfügung  stand. 

Im  Staßfurter  Bezirk  ist  dagegen  alles  Kalzium  bereits 
zur  Zeit  des  Älteren  Steinsalzes  verbraucht  worden.  Mag¬ 
nesium  war  reichlich  vorhanden.  Das  Hauptgestein  ist 
daher  kieseritisches  (ärnallitgestein.  An  wenigen  Stellen 
ist  aus  besonders  kaliumreicher  Lösung  statt  dessen  kiese¬ 
ritisches  Hartsalz  entstanden.  Diese  räumlich  begrenzten 
Vorkommen  sind  offenbar  als  kaliumreiche  Schlieren  im 
normalen  Carnallitgestein  aufzufassen  (lokale  Entmischung). 

Die  große  Mächtigkeit  des  Älteren  Steinsalzes  im  Sta߬ 
furter  Bezirk  läßt  vermuten,  daß  dort  ein  tiefer  Teil  des 
Haupt.beckens  gelegen  hat  im  Gegensatz  zu  dem  flachen 
Randgebiet  am  Südharz. 

Es  ist  vielleicht  zu  vermuten,  daß  die  Steinsalzunter¬ 
lage  vor  Beginn  der  Mutterlaugenverfestigung  nicht  ganz 
horizontal  war,  sondern  nach  den  stärker  durchwärmten 
Rändern  des  Beckens  zu  etwas  anstieg.  (Vgl.  Figur  2.) 


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22 


Unter  dem  Einfluß  der  Schwerkraft  haben  sich  dann  beson¬ 
ders  die  schweren,  Magnesium  enthaltenden  Lösungen  in 
der  Mitte  des  Beckens  an  seiner  tiefsten  Stelle  angesammelt. 
Durch  den  oberflächlichen  Rückstrom  wurden  dünnflüssige 
Bestandteile  (CaCL,  S04)  nach  den  Randgebieten  ver¬ 
frachtet.  Bis  in  die  äußersten  Winkel  des  Beckens  konnten 
auch  die  kaliumreichen  Lösungen  nicht  Vordringen.  Wir 
finden  deshalb  dort  im  Horizonte  der  Kalilagerstätte  nur 
Steinsalz  (sogenannte  Vertaubungen  im  Gebiet  des  Ohm- 
gebirges). 

Offenbar  waren  vor  Beginn  der  Abscheidung  der  Kali¬ 
salzlagerstätte  inhomogene  Lösungen  vorhanden,  die  an 


jeder  einzelnen  Stelle  des  Hauptbeckens  verschiedene  Zu¬ 
sammensetzung  haben  konnten.  Man  darf  daher  nicht, 
wie  Jäneckk  es  tut,  eine  Lösung  zugrunde  legen,  die  dem 
prozentualen  Verhältnis  des  heutigen  Meerwassers  ent¬ 
spricht.  Auch  wenn  die  ursprüngliche  Füllung  des  Zech¬ 
steinbeckens  in  seiner  Gesamtheit  die  gleiche  chemische 
Beschaffenheit  wie  das  heutige  Weltmeer  gehabt  haben 
sollte,  würden  durch  die  Entmischung  doch  überall  Lösun¬ 
gen  verschiedener  Zusammensetzung  entstanden  sein. 

Jänecke  hat  eine  Kristallisationsbahn  a— Z  konstruiert, 
die  für  Meerwasserlösung  gilt  (vgl.  Figur  3).  In  dem 
Dreisalzpunkt  Z  (Bischofit,  Carnallit,  Kieserit)  erstarrt  die 
Lösung  vollständig  unter  Bildung  der  Schicht  E  nach  van 
t’Hoff. 

Im  Staßfurter  Gebiet  haben  vermutlich  die  Ausgangs¬ 
lösungen  bei  Beginn  der  Mutterlaugeneindampfung  in  der 
Nähe  der  Grenzlinie  zwischen  Kieserit  und  Carnallit  ge¬ 
legen.  Man  könnte  z.  B.  an  eine  Ausgangslösung  y  mit  der 
Kristallisationsbahn  y — w  denken,  wobei  w  nicht  wie  Z  ein 
Erstarrungspunkt  ist,  sondern  einen  Zustand  bezeichnet, 
in  dem  die  noch  vorhandene  flüssige  Lösung  den  gleichen 
Dampfdruck  wie  die  Feuchtigkeit  in  der  darüber  lagern¬ 
den  Atmosphäre  hat  (meteorologischer  Gleichgewichts¬ 
punkt).  w  ist  ein  Endpunkt  der  Kristallisation,  der  von 


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den  jeweiligen  meteorologischen  Verhältnissen  wesentlich 
abhängig  ist.  Der  Kristall  isationsbahn  y — w  entspricht 
ein  kieseritisches  Carnallitgestein  auf  kieseritischer  Unter- 
läge.  m 

Eine  etwas  kaliuWreichere  Lösung  würde  vielleicht 
nach  der  Kristallisationsbalm  ß — x  Kalisalze  bilden, ,  näm¬ 
lich  Hartsalz  auf  kieseritischer  Unterlage.  Der  Punkt  ß 
entspricht  einer  Lösung,  die  etwa  siebenmal  so  viel  Mg 


Fig.  3. 

als  K2  enthält.  Trotzdem  unterbleibt  eine  Abscheidung 
von  Magnesium  als  Chlorit,  solange  die  Kristallisations¬ 
bahn  das  Carnallitfeld  nicht  erreicht.  Die  Lösungen,  aus 
denen  Hartsalz  entsteht,  sind  also  gar  nicht  sehr  ver¬ 
schieden  von  denen,  die  nur  Carnallitgestein  bilden.  Sie 
unterscheiden  sich  nur  durch  einen  etwas  höheren  Kalium- 
gehalt,  stimmen  aber  beide  überein  in  einem  überwiegen¬ 
den  Magnesiumgehalt. 

Eine  Kristallisationsbahn  ß— y  scheint  zuweilen  im 
Werragebiet  vorzuliegen.  Dort  findet  man  sowohl  im  Oberen 


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als  auch  im  Unteren  Lager  häufiger  ein  Carnallitgestein 
auf  Hartsalzunterlage. 

Für  die  Darstellung  der  Salze  des  Südharzkaligobietes 
ist  das  JÄXECKEsehe  Dreieck  in  ^er  vorliegenden  Aus¬ 
führung  nicht  recht  geeignet.  Am*üdharz  spielt  das  Kal¬ 
zium  als  vierte  Komponente  neben  K,  Mg  und  SO*  eine 
wichtige  Rolle.  Da  dort  SO*  anscheinend  bei  Gegenwart 
von  CaCL  im  Überschuß  fast  ausschließlich  von  Ca  ge¬ 
bunden  worden  ist,  tritt  es  in  dem  Dreieck  der  Figur  3. 
das  nur  an  Mg  und  K2  gebundenes  SO*  berücksichtigt, 
nicht  in  Erscheinung.  Die  Kristallisationsbahnen  würden 
daher  auf  der  Dreieckseite  K2 — Mg  liegen  und  je  nach 
dem  Kaliumgehalt  entweder  anhydritisches  Hartsalz  oder 
Carnallitgestein  ergeben.  Wenn  im  Laufe  der  Salzbildung 
ein  kaliumreicher  Zustrom  in  die  eindunstende  Lauge  ein- 
tritt,  dann  kann  die  Kriätallisationsbahn  auch  aus  dem 
Carnallitgebiet  in  das  Sylvingebiet  zurückfallen.  Die 
häufige  Aufeinanderfolge  Hartsalz  —  Carnallitgestein  — 
Hartsalz  im  Südharzgebiet  kann  also  zwanglos  durch  nach¬ 
träglichen  Zustrom  von  nur  wenig  kaliumreicheren  Lösungen 
erklärt  werden. 

Solche  Strömungen  setzen  natürlich  voraus,  daß  über 
dem  sich  bildenden  festen  Salz  noch  eine  ziemlich  hohe 
Lösungssäule  vorhanden  ist.  Tatsächlich  müssen  wir  ja 
auch  eine  Bedeckung  mit  einer  großen  liaupt- 
s  ä  c  h  l  i  c  h  C  h  1  o  r  m  a  g  n  e  s  i  u  m  enthaltenden  Lau- 
genmenge  rechnen,  die  nach  Erreichung  des  meteoro¬ 
logischen  Gleichgewichtspunktes  in  flüssigem  Zustande 
bleibt.  Neben  Chlormagnesium  enthielt  diese  Lösung, 
wenigstens  in  den  Randgebieten,  vielleicht  auch  beträcht¬ 
liche  Mengen  von  Chlorkalzium. 

Die  Kristallbildung  erfolgte  vermutlich  in  der  von  den 
Sonnenstrahlen  unmittelbar  erreichbaren  Oberflächenschieht 
der  Mutterlaugen.  Beim  Absinken  der  Kristalle  in  die 
Tiefe  könnten  sie  mit  Laugen  anderer  Konzentration  in 
Berührung  kommen,  wenn  die  übereinander  lagernden  Lau¬ 
genschichten  nicht  ganz  homogen  waren.  Dadurch  können 
Korrossionen  und  metasomatische  Umbildungen 
der  Kristalle  während  ihrer  Ablagerung  verursacht  worden 
sein.  Insbesondere  können  bei  vertikal  schwankendem  Chlor¬ 
magnesiumgehalt  Sylvinkristalle  in  Carnallit  oder  umge¬ 
kehrt  umgewandelt  worden  sein. 

Solange  die  eben  abgelagerten  Salze  noch  locker  auf 
dem  Seeboden  liegen,  sind  auch  metamorphe  Einwirkungen 


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von  Lösungen  denkbar,  die  infolge  von  Tiefenströmung  die 
Lei  der  ersten  Bildung  selbst  gegenwärtigen  Mutterlaugen 
ersetzt  haben.  Offenbar  konnte  die  Mineralbildung  durch 
gewisse  Inhomogenitäten  der  Mutterlaugen  in  vertikaler 
und  horizontaler  Richtung  in  manigfaltigster  Weise  1h> 
einflußt  werden.  Diese  Einflüsse  dauerten  aber  nur  so 
lange  an,  als  die  flüssige  Mutterlauge  mit  den  Kalisalzen 
in  Berührung  blieb. 

Infolge  der  Feuchtigkeit,  die  von  der  Atmosphäre  über 
«lein  Hauptbecken  aufgenommen  wurde,  war  der  Dampf¬ 
druck  der  nach  den  Rändern  zu  abströmenden  Winde  viel¬ 
leicht  in  den  Randgebieten  verhältnismäßig  hoch.  Auch  die¬ 
ser  Umstand  mag  dazu  beigetragen  haben,  daß  dort  zu¬ 
nächst  das  Chlormagnesium  und  schließlich  am  äußersten 
Rande  auch  das  Chlorkalium  immer  spärlicher  zur  Ab¬ 
scheidung  gelangte,  um  einer  reinen  Steinsalzbildung  als 
äußerster  Randfazies  Platz  zu  machen. 

Das  nach  Bildung  des  Älteren  Kalilagers  noch  mit 
Mutterlaugen  angefüllte  Hauptbecken  wurde  vermutlich  von 
einem  neuen  Meereswassereinbruch  überflutet,  der  infolge 
eines  geologischen  Vorgangs  über  die  alte  Niederung  zwi¬ 
schen  Zechsteinbecken  und  Ozean  seinen  Weg  nehmen 
konnte.  Der  Laugeninhalt  des  Hauptbeckens  wurde  zu¬ 
nächst  so  weit  verdünnt,  daß  sich  nunmehr  wieder  Stein¬ 
salz  bei  der  sogleich  einsetzenden  neuen  Eindunstung  ab¬ 
scheiden  mußte.  Es  bildete  sich  das  bisher  wenig  beachtete, 
aber  fast  überall  vorhandene  lrn  bis  2  m  starke  Deckstein¬ 
salzlager.  Durch  Zufuhr  weiterer  Wassermassen  trat  eine 
weitere  Verdünnung  der  Lösungen  ein,  so  daß  sich  ge¬ 
wissermaßen  als  ein  weiteres  Glied  einer  rückläufigen 
Salzfolge  der  anhydritische  Teil  des.  Grauen  Salztons 
abschied,  dem  bei  noch  stärkerer  Verdünnung  klastische 
und  dolomitische  Bildungen  (mittlerer  und  oberer  Teil  des 
Grauen  Salztons)  mit  einer  spärlichen  Fauna  folgten.  Mit 
dem  Hauptanhydrit  beginnt  dann  eine  neue  Konzentrations¬ 
periode. 

Die  Mutterlaugen  selbst  und  der  schnelle  Absatz  des 
Becksteinsalzes  verhinderten  offenbar  eine  Wiederauflösung 
des  kurz  vorher  gebildeten  Älteren  Kalilagers. 

Es  fragt  sich  nun,  bei  welchen  Temperaturen  die  Kali- 
magnesiasalze  entstanden  sind.  Es  'ist  zu  vermuten,  daß 
die  Temperatur  sich  steigerte  mit  der  Abnahme  des  Dampf¬ 
druckes  der  Lösungen  infolge  der  zunehmenden  Konzentra¬ 
tion,  denn  der  Wärmeverbrauch  für  Verdunstung  mußte  in 


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gleichem  Maße  abnehmen,  so  daß  also  entsprechend  mehr 
Wärme  für  Temperatursteigerung  übrig  blieb.  Man  muß 
also  eine  Salzbildung  bei  zunehmender  Temperatur  an- 
nehmen. 

In  der  gewöhnlich  als  Kieseritregion  bezeichneten 
Unterlage  des  Älteren  Kalilagers  kommen  nach  den  Unter¬ 
suchungen  von  Rühle14),  Beuger15)  und  Riedel16)  zwar 
Vanthoffit  und  Löweit,  nicht  aber  Astrakanit  vor.  Bei 
Temperaturen  unter  60°  liegt  zwischen  dem  Vanthoffit- 
und  dem  Löweitfeld  nach  Jänecke  ein  Astrakanitfeld.  Erst 
oberhalb  60ü  unterbleibt  die  Entstehung  von  Astrakanit. 
Das  Felilen  des  Astrakanits  in  den  petrographisch  ein¬ 
gehend  untersuchten  Profilen  beweist  demnach,  daß  zur 
Zeit  der  Bildung  der  Kieseritregion  eine  Temperatur  von 
mehr  als  60°  geherrscht  hat. 

Rühle  hat  gleichfalls  im  Sockel  des  Älteren  Kalilagers 
geringe  Spuren  von  K  a  i  n  i  t  gefunden,  die  an  dieser  Stelle 
nicht  als  posthume  Salze  aufgefaßt  werden  können.  Dieses 
Vorkommen  beweist,  daß  kurz  vor  Bildung  der  Kalilager- 
stättc  noch  Temperaturen  unter  83°  stellenweise  geherrscht 
haben,  "weil  bei  höheren  Temperaturen  Bildung  von  Kainit 
nicht  möglich  ist. 

Die  Paragenese  von  Sylvin  mit  Kieserit,  die  im  Hart¬ 
salz  weit  verbreitet  ist,  kann  nur  bei  Temperaturen  über 
72°  Grad  entstehen.  Eine  Paragenese  von  Carnallit  mit 
Kieserit  ist  auch  bei  tieferen  Temperaturen  möglich,  bei 
denen  jedoch  daneben  im  allgemeinen  auch  Paragenesen  von 
Carnallit  und  Kainit  auftreten  müßten.  Da  kainitische  Car- 
nallitgesteine  ganz  unbekannt  sind,  muß  man  annehmen, 
daß  auch  bei  der  Bildung  der  kieseritischen  Carnallitgesteine 
aus  der  Mutterlauge  vorwiegend  Temperaturen  über  83°  ge¬ 
herrscht  haben. 

Wenn  man  Pol  Wanderungen  oder  Kontinentalver¬ 
schiebung  im  Sinne  von  Wegen  er  zur  Erklärung  heran¬ 
ziehen  darf,  dann  könnte  man  wohl  annehmen,  daß  Mit¬ 
teldeutschland  zur  Zechsteinzeit  in  einem  Wüstengürtel  der 
heißen  Zone  gelegen  habe.  Unter  dieser  Voraussetzung 


14)  Rühle,  Der  Aufbau  der  Kalisalzlagerstätte  des  Bern 
burger  Sattels,  insbesondere  des  „älteren  Lagers“  von  „Solvay  in 
Preußen“.  Hannöver  1913. 

15)  Berger,  Beitrag  zur  Kenntnis  des  Salzgebirges  der  Ge¬ 
werkschaft  „Einigkeit“  bei  Fallersleben.  Hannover  1914. 

16)  Riedel,  Chemisch-mineralogisches  Profil  durch  das  ältere 
Salzgebirge  des  Berlepschbergwerkes  bei  Staßfurt.  Leipzig  1912- 


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sind  Temperaturen  über  83°  in  einer  Wärme  sammelnden 
Lösung  nichts  Unnatürliches. 

Ich  trage  daher  keine  Bedenken,  von  den  posthumen 
Hutbildungen  abgesehen  alle  Kalisaiziagerstätten 
des  deutschen  Zechsteins  als  ursprüngliche, 
bei  über  83°  entstandene  Bildungen  anzu¬ 
sehen. 

Für  die  Wechsellagerung  leichter  und  schwerer  lös¬ 
licher  Salze  hat  man  Klimaschwankungen  (Sommer  und 
Winter)  verantwortlich  machen  wollen.  Besonders 
Rözsa17)  neigt  dazu,  aus  der  Stratigraphie  der  Salzschich¬ 
ten  eine  vollständige  Klimatologie  abzuleiten. 

In  der  heißen  Zone  sind  große  klimatische  Schwankun¬ 
gen  nicht  sehr  wahrscheinlich.  Vorübergehende  Abkühlun¬ 
gen  der  Lufttemperatur  dürften  bei  der  geringen  spezifi¬ 
schen  Wärme  der  Luft  im  Vergleich  zu  der  großen  spezi¬ 
fischen  Wärme  der  Salzlösungen  keinerlei  nennenswerten 
Einfluß  auf  die  Temperatur  des  Salzsees  gehabt  haben. 

Die  Ausfällung  gleichzeitig  gelöster  Salze  in  gesonderten 
Schichten  übereinander  ist  wahrscheinlich  als  rhythmische 
Fällung  infolge  periodischer  Übersättigung  aufzufassen  und 
1  jedarf  zu  seiner  Erklärung  weder  einer  Temperatur¬ 
schwankung  noch  einer  periodischen  Stbffzufuhr18). 

Zum  Schluß  sei  noch  auf  einige  Erscheinungen  hinge¬ 
wiesen,  die  wahrscheinlich  auf  lokale  Lauge  nent- 
mischungen  zurückzuführen  sind.  Im  Südharzgebiet 
liegt  zumeist  ein  deutlich  geschichtetes  Salzgebirge  vor, 
dessen  Mineralbestand  innerhalb  der  gleichen  Schichten 
wechselt.  Besonders  unregelmäßig  setzt  die  Sylvinbei¬ 
mengung  ein,  die  ziemlich  regellos  bald  in  einer  tieferen, 
bald  in  einer  höheren  Bank  beginnt  (partielle  Vertaubung) 
oder  stellenweise  ganz  fehlt  (vollständige  Vertaubung). 

Die  dickflüssigere  Chlorkaliumlösung  war  vor  der  Salz¬ 
bildung  offenbar  unregelmäßig  #  in  der  Gesamtlösung  ver¬ 
teilt.  Während  die  dünnflüssigeren  Lösungsgenossen  NaCl 
und  CaSO^  sich  in  gleichmäßigen  durchgehenden  Schich¬ 
ten  abgelagert  haben,  erscheint  der  Sylvingehalt  als  Bei¬ 
mengung  einzelner  Steinsalzbänke  lokal  differenziert.  Die 
Gesamtlösung  war  also  an  nebeneinander  liegenden  Stellen 
verschieden  weit  eingedunstet,  so  daß  sie  an  einer  Stelle 

17)  Rözsa,  Petrogenesis  und  petroklimatologische  Beziehungen 
der  Salzablagerungen  im  Tertiär  des  Oberelsaß.  Kali  1920,  Heft  4. 

18)  Fulda  und  Köhler,  Rhythmische  Fällungen  im  Zech¬ 
steinmeer.  Z.  Kali  1921,  Heft  7. 


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rhu*  Chlorkalium  noch  gelöst  enthalten  konnte,  während  es 
in  der  Nachbarschaft  bereits  als  festes  Salz  abgeschieden 
wurde.  Die  Auflagerung  des  Ilartsalzes  auf  dem  Älteren 
Steinsalz  erfolgte  daher  nicht  in  einer  einheitlichen  Schicht- 
fuge,  sondern  in  unregelmäßig  treppenartiger  Form.  Das 
Gemisch  von  Sylvin  und  Steinsalz  wird  in  der  streichen¬ 
den  Fortsetzung  einer  Schicht  oft  durch  Steinsalz  allein 
vertreten. 

Ebenso  wie  »sich  Sylvin  zu  Steinsalz  verhält,  ver¬ 
hält  sich  auch  Carnallit  zu  Sylvin.  In  der  gleichen 
Hank  kann  in  streichender  Fortsetzung  das  eine  Mineral 
durch  das  andere  vertreten  werden.  Offenbar  haben  also 
auch  Mutterlaugen  mit  einem  etwas  höheren  Chlormagne¬ 
siumgehalt  dicht  neben  solchen  mit  weniger  Chlormagnesium 
vor  der  Salzbildung  existiert. 

Zu  beachten  ist  aber,  daß  niemals  Carnallitgestein 
unmittelbar  in  Steinsalz  vertaubt.  Stets  liegt  eine  Hart¬ 
salzzone  dazwischen.  Es  fand  also  eine  allmähliche  Ab¬ 
stufung  von  den  dickflüssigsten  zu  den  dünnflüssigsten 


_  AnhydnSscTies 


-  —  -Peacstems&fe 
Zäfjtydr/fls cfi es  r#ar'rsäLL 

-  '  '  —V. 

.  . ." Ansuzonfixcfies^^ 


Sfe/nss/z 


Fig.  4. 


Laugen  statt.  Der  Übergang  von  Carnallitgestein  in  Hart¬ 
salz  ist  häufig  durch  tektonische  Vorgänge  verwischt,  auf 
die  das  Carnallitgestein  besonders  leicht  reagiert.  Gut  zu 
beobachten  ist  der  Übergang  in  der  ungestörten  Lagerstätte 
des  Kaliwerks  Volkenroda. 

Bemerkenswert  ist  übrigens,  daß  an  der  Grenze  zwi¬ 
schen  Hartsalz  und  sogenanntem  vertaubten  Steinsalz  nicht 
etwa  eine  a  1 1  m  ä  h  1  i  c  h  e  Abnahme  des  Sylvingehalts 
zu  beobachten  ist.  Im  Gegenteil  ist  meist  an  der  Grenz¬ 
stelle  selbst  eine  Anreicherung  von  Sylvin  im  Hartsalz 
und  von  Anhydrit  im  Steinsalz  zu  beobachten.  Eine  Er¬ 
klärung  für  diese  auffällige  Erscheinung  ist  schwer  zu 
finden. 

Partielle  Vertaubungen  derselben  Art,  wie  sie  im  Siid- 
harzgebiet  Vorkommen,  hat  SchCnemann19)  in  der  Staß- 


1<J)  Schün kmanx,  a.  a.  <>.  (Anm.  3). 


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furter  Gegend  festgestellt.  Sie  treten  besonders  in  Wester¬ 
egeln  auf  Schacht  III  dort  auf,  wo  das  Carnallitgestem 
durch  Hartsalz  vertreten  wird. 

Schün  emann  hat  außerdem  festgestellt,  daß  auch  im 
Hangenden  das  Kalisalzlager  nicht  überall  mit  derselben 
Schicht  endigt.  In  der  Gegend  von  Westeregeln  liegt 
vielmehr  noch  ein  5  m  mächtiges  Schichtenpaket  über  der 
obersten  bei  Staßfurt  selbst  entwickelten  Schicht.  Diese 
Erscheinung  läßt  sich  zwanglos  erklären,  wenn  man,  wie 
es  oben  geschehen  ist,  eine  noch  flüssige  Laugeuschicht 
über  dem  eben  gebildeten  Kalisalzlager  annimmt.  Die  Aus¬ 
kristallisation  hat  je  nach  der  Zusammensetzung  der  Lau¬ 
gen  lokal  zu  verschiedener  Zeit  den  meteorologischen 
Gleichgewichtspunkt  erreicht.  Auf  diese  Weise  ist  auch 
die  Beendigung  ebenso  wie  der  Beginn  der  Kalisalzbildung 
unabhängig  von  der  Schichtung. 

Ob  die  gleiche  Erscheinung  in  anderen  Gegenden  (z. 
B.  Südharzgebiet)  vorkommt,  ist  noch  nicht  festgestellt 
worden. 

Nach  den  Beobachtungen  von  Schünemanx  scheint 
sich  das  Decksteinsalz  gewissermaßen  mit  einer  ganz 
schwachen  Diskordanz  in  gleicher  Weise  über  die 
Staßfurter  und  die  noch  darüber  entwickelten  Westeregeiner 
Schichten  des  Carnallitgesteins  zu  legen.  Diese  Beobach¬ 
tung  stimmt  mit  meiner  Auffassung  überein,  nach  der  das 
Decksteinsalz  aus  einer  Mischung  der  noch  flüssigen  Mut¬ 
terlauge  der  Älteren  Salzfolge  mit  dem  neuen  hereinge¬ 
brochenen  Meerwasser  der  Jüngeren  Salzfolge  entstanden 
ist.  Decksteinsalz  und  Grauer  Salzton  bilden  zusammen 
eine  rückläufige  Salzfolge  zur  Zeit  der  zunehmenden  Ver¬ 
dünnung  des  Beckeninhalts,  auf  die  dann  mit  dem  Haupt- 
anhydiit  nach  erneutem  Barrenschluß  die  Bildung  der 
Jüngeren  Salzfolge  beginnt. 

Zusammenfassung. 

1.  Die  besonders  von  J Anecke  entwickelte  Theorie 
der  geothermalen  Metamorphose  wird  auf  Grund 
von  fünf  Ein  wänden  geologischer  Natur  für  die  Kalisalz¬ 
lagerstätten  des  deutschen  Zechsteins  abgelehnt. 

2.  Im  Gegensatz  zu  Ochsenius  ist  anzynehmen,  daß  das 
Zechsteinbecken  bereits  zu  Beginn  der  Mittleren  Zech¬ 
steinzeit  seine  Verbindung  mit  dem  offenen  Ozean  verloren 
hat  und  daß  die  Salzlösungen  dann  infolge  der  Ein- 
dunstung  in  verschiedenen  Tiefgebieten  Salzseen  gebildet 


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haben,  die  der  fortschreitenden  Eindunstung  entsprechend 
auf  immer  kleineres  Gebiet  zusammenschrumpften.  Aas- 
gedehnte  Anhydritgebiete  traten  dabei  an  die  Erdober¬ 
fläche. 

3.  Bei  der  Eindunstung  entstanden  im  Salzsee  neben 
Vertikal-  auch  Horizontalström  ungen  .  die 
durch  die  wechselnde  Eindunstungsgesohwindigkeit  erklär: 
werden,  welche  ihrerseits  von  der  verschiedenen  Tiefe 
des  Salzsees  abhängig  ist. 

4.  Da  die  einzelnen  gelösten  Bestandteile  verschieden»* 
Viskosität  innerhalb  der  Gesamtlösung  besitzen,  verursach¬ 
ten  die  Horizontalströinungen  eine  Entmischung  der 
Mutterlaugen,  die  sich  z.  B.  aus  der  abweichenden 
Zusammensetzung  des  Älteren  Kalilagers  im  Südharzgebiei 
erkennen  läßt. 

5.  Infolge  der  Entmischung  konnten  im  Zechstein- 
beckcn  gleichzeitig  Lösungen  nebeneinander  existieren,  die 
bei  höherem  Kaliumgehalt  Hartsalz,  bei  geringerem 
Kaliumgehalt  Ca rnallitg estein  bilden  mußten. 

(>.  Beide  Salzgesteine  sind  vermutlich  bei  Tempera¬ 
turen  übe  r  83°  entstanden. 

7.  Infolge  lokaler  Laugenentmischung  können  Stein¬ 
salz  und  Svlvinit  oder  Sylvinit  und  Carnallitgestein  neben¬ 
einander  in  derselben  Gesteinsbank  sich  abgeschieden 
haben. 

8.  Die  Hauptmasse  der  Chlormagnesiumlaugen  befand 
sich  noch  in  flüssigem  Zustand,  als  der  Meerwasser¬ 
einbruch  erfolgte,  aus  der  später  die  Jüngere  Salzfolge 
entstand.  Aus  der  verdünnten  Mutterlauge  entstand  zu¬ 
nächst  eine  rückläufige  Salzfolge:  Deckstein¬ 
salz,  Anhydritzone  des  Grauen  Salztons,  klastische  und 
dolomitische  Zone  des  Grauen  Salztons. 

9.  Von  den  posthumen  Salzen  abgesehen  sind  alle 
Kalisalzgesteine  ursprüngliche  Bildungen 
der  Zechsteinzeit,  die  keinerlei  chemische  Umwandlungen 
in  späterer  Zeit  erfahren  haben. 


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•  • 

Uber  die  sogenannte  untere  tonige  Grund¬ 
moräne  von  Frankfurt  a.  0. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  5.  März  1924.) 

Von  Herrn  C.  Gagel. 

Auf  dem  Blatt  Frankfurt  a.  0.  der  Preuß.  Geolog.  Karte 
ist  zwar  nicht  auf  der  Karte  dargestellt,  aber  in  den  Er¬ 
läuterungen  erwähnt,  eine  nördlich  von’  Nuhnen,  in  ungefähr 
W—O- Richtung  verlaufende  Verwerfung,  an  der  von  Norden 
her  das  von  einer  dünnen  Diluvialdecke  verhüllte  Braun¬ 
kohlentertiär  abschneidet,  während  südlich  von  dieser  min¬ 
destens  30  in  Sprunghöhe  auf  weisenden  Verwerfung  eine 
auffallende,  sehr  tonige  Grundmoräne  liegt,  die  auf  der 
Karte  als  unterdiluvial  dargestellt  ist.  Es  liegt  hier  der 
unlösliche  Widerspruch  vor,  daß  in  dem  versenkten 
Gebiet  die  älteste  der  vorhandenen  Diluvialbildungen 
gegen  das  stehen  ge  blieb  ehe  Oberste  Diluvium 
abstoßen  soll. 

Der  Beweis  für  das  tief  unterdiluviale  Alter  dieser 
tonigen  Grundmoräne  soll  darin  liegen,  daß  von  Nuhnen,  an 
nach  Osten  diese  tonige  Grundmoräne  in  allen  Frankfurter 
Ziegeleien  aufgeschlossen  ist  und  daß  in  der  nordöst¬ 
lichsten  dieser  Ziegeleien  (MENDEsche  Ziegelei)  diese 
tonige  Grundmoräne  unter  einem  senr  schönen,  ausgeprägten 
Interglazial  (Faulschlammkalk.  Torf,  Cyprissando  usw.) 
liegen  soll,  das  naturgemäß  letztes  Interglazial  sein  muß. 

Eine  erneute  Begehung  all  der  Frankfurter  Ziegelei¬ 
aufschlüsse  aus  Anlaß  der  Kartierung  des  westlich  an¬ 
stoßenden  Blattes  Boossen  ergab,  daß  in  den  meisten 
Frankfurter  Ziegeleien  in  der  Tat  eine  sehr  tonige,  aber 
unzweifelhafte  Grundmoräne  aufgeschlossen  ist  mit  unbe- 
zweif eibarer  Moränenstruktur,  reichlichen  Geschieben,  e  i  n  - 
gekneteten  Resten  von  interglazialem  Süß- 
w  a  s  s  e  r  k  a  1  k  und  entkalkten,  ferretisierten 
interglazialen  Verwitterungszonen,  daß  aber 
nirgends  auf  dieser  unzweifelhaften  Moräne  ein  Inter- 
glazial  drauf  liegt  und  daß  in  der  MENDEschen  Ziegelei 


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wo  das  sickere  lnterglazial  draufliegt,  dafür  aber  keine 
tonige  Moräne,  sondern  nur  ein  gepreßter,  altdiluvialer 
Tonmergel  vorhanden  ist,  in  dem  nur  g  a  n  z  v  e  r  e  i  n  z  e  1  t  e 
verdriftete  Geschielt  enthalten  sind,  wie  sie  in  den  glazi¬ 
alen  Yoldientonen  und  im  Glindower  Ton  gelegentlich  auch 
auftreten.  In  den  Nuhnener  Ziegeleigruben  sieht  inan  obenein 
ganz  deutlich,  wie  der  in  der  Tiefe  aufgeschlossene,  dort 
schön  geschichtete  und  gebänderte  altdiluviale  Tonmergel 
nach  oben  hin  (z.  T.  allmählich,  z.  T.  abrupt)  Moränen¬ 
struktur  annimmt  und  daß  erst  über  dem  Tonmergel  in 
der  Moräne  die  z.  T.  recht  großen  und  schön  geschliffenen 
Geschiebe  auftreten. 

Es  ist  offensichtlich,  daß  in  der  „aitdiluvialen“  tonigen 
Grundmoräne  von  Frankfurt  zwei  ganz  verschiedene  Bil¬ 
dungen  zusammengefaßt  sind,  ein  altdiluvialer  Tonmergel 
der  z.  T.  stark  gepreßt  ist  und  eine  aus  seiner  Aufarbeitung 
entstandene  Grundmoräne,  die  z.  T.  das  stellenweise  noch 
über  dem  Tonmergel  gelegene  Interglazial  ebenfalls  in  sich 
aufgenommen  und  verarbeitet  hat. 

Schlüssig  wird  der  Beweis  für  die  hier  gegebene  Dar¬ 
stellung  durch  die  Ergebnisse  der  Kartierung  des  westlich 
gelegenen  Blattes  Boossen.  Hier  erstreckt  sich  die  tonige 
Grundmoräne  von  Osten  her  bis  nach  Rosengarten,  wo  sie 
in  dem  gewaltigen  Eisenbahneinschnitt,  'der  durch  die  un¬ 
geheuren  Rutschungen  (über  2  Mill.  cbm)  der  letzten  20 
Jahre  eine  gewisse  Berühmtheit  erlangt  hat,  auf  viele 
hundert  Meter  aufgeschlossen  ist  und  dort  das  Süßwasser¬ 
interglazial  (Faulschlammkalk,  Verwitteruugszonen  usw.) 
überlagert,  unter  dem  dann  im  Grunde  des  Einschnitts 
in  mächtigen  Sätteln  die  dunklen,  altdiluvialen,  gepreßten 
Tönmergel  auftauchen.  Dieser  Rosengartener  Einschnitt 
vereinigt  also  in  sich  die  Aufschlüsse  der  Mend Eschen 
Ziegelei  (gepreßte,  altdiluviale  Tonmergel,  von  Süßwasser¬ 
interglazial  überlagert)  und  der  Nuhnener  Ziegeleien  (alt¬ 
diluviale  Tonmergel  von  toniger  Grundmoräne  überlagert) 
und  bringt  eine  einwandfreie  Aufklärung  der  Sachlage.  Zu 
allem  übrigen  erstreckt  sich  die  tonige  Grundmoräne  auf 
Blatt  Boossen  mit  ganz  unregelmäßigen  (nicht 
durch  Verwerfungen  bedingten)  Grenzen  bis  an  die  große 
im  Bogen  von  N  nach  SO  sich  erstreckende  Endmoräne,  auch 
dadurch  ihr  ganz  jungdiluviales  Alter  beweisend. 

Nun  —  nach  dem  Nachweis  des  jungdiluvialen  Alters 
dieser  tonigen  Grundmoräne  —  erklärt  sich  auch  das  bis 
-dahin  ganz  unverständliche  Verhältnis  an  der  oben  erwähnten 


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Verwerfung  von  Nuhnen-Frankfurt;  es  liegt  in  dem  ver¬ 
sunkenen  Teil  eben  nicht  die  älteste,  sondern  die  jüngste 
Moräne  an  (d  er  Oberfläche  und  auch  9onst  in  all  den  großen 
Aufschlüssen  und  Bohrungen  der  Frankfurter  Gegend  ist 
diese  tonige  Moräne  niemals  unten  in  einem  Profil  ge¬ 
funden  —  sie  liegt  eben,  wo  sie  überhaupt  vorkommt, 
immer  obenauf. 

# 


Die  nordwestfälisch-lippische  Schwelle. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  5.  März  1924.) 

Von  Herrn  W.  Haack  in  Berlin. 

(Mit  1  Textfigur.) 

Das  nordwestfälisch-lippische  Bergland1)  wird  im  Süden 
von  den  durchweg  steilgestellfcen  bis  überkippten  Oberkreide¬ 
schichten  des  Osnings  begrenzt,  die  zugleich  den  aufge¬ 
richteten  Rand  des  tiefer  gelegenen  und  ebenen  Münster- 
schen  Beckens  darstellen,  im  Norden  aber  von  den  Jura¬ 
schichten  des  Weser- Wiehengebirges,  die  mit  flacherem  Ein¬ 
fällen  entgegengesetzt,  also  nach  Norden  zu  unter  die  schon 
im  norddeutschen  Flachland  liegenden  Kreideschichten 
untertauchen,  während  im  höher  gelegenen  hügeligen 
Zwischengebiet  hauptsächlich  Trias  und  Lias  sich  aus¬ 
breiten-).  So  erscheint  das  Gebiet  heute  als  Schwelle 
zwischen  zwei  Ebenen.  Der  geschilderte  Aufbau  führte 
zunächst  zu  'der  Ansicht,  daß  man  es  in  dem  ganzen  breiten 
herzynischen  Streifen  mit  einem  großen  Sattel  zu  tun  habe, 
also  mit  einem  einheitlichen  Gebilde,  wie  dies  v.  Koenen 
1885  (22,  S.  80  und  81),  O.  Tietze  1909  (47,  S.  307)  und 
noch  1910  R.  Lepsius  (27,  S.  410)  aussprachen,  oder  mit 


0  Tu.  Wegxeb  (48,  S.  250)  braucht  den  Ausdruck  „nord- 
westfälisch-lippisches“  Senkungsfeld  für  das  zwischen 
Osning  und  Piesberg-Pvrmonter  Achse,  seinen  cheruskischen  Achsen, 
gelegene  Gebiet. 

*)  Die  östliche  Grenze  des  behandelten  Gebiets  würde  etwa 
die  Linie  Horn— Pyrmont—  Hessisch-Oldendorf  sein,  da  an  diesen 
Punkten  die  herzynischen  Hauptlinien  aufhören  bzw.  in  mehr 
nord-südlich  gerichtete  übergehen,  die  westliche  durch  die  Endi¬ 
gungen  der  beiden  Kämme  bei  Bevergern  und  Üffeln  gehen. 

3 


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34 


einem  Horst  bzw.  Doppelhorst,  wie  E.  Süess  wollte  (46 
III,  2.  S.  34).  Nachdem  aber  Stille  erkannt  hatte,  daß  der 
schmale  Osning  für  sich  allein  schon  als  Sattel  aufzufasseo 
sei  und  später  Haarmann  die  weiter  nördlich  verlaufende 
Piesberg-Achse  verfolgt  hatte,  die  nach  Osten  zu  ihre  Fort¬ 
setzung  in  der  Pyrmonter  Achse  findet,  wurde  der  so  scharf 
ausgeprägte  lange  Kamm  des  Weser- Wiehengebirges  zu  einer 
bloßen  durch  die  Widerstandsfähigkeit  der  Weiß  juraschich¬ 
ten  bedingten  Schichtstufe  auf  dem  Nordflügel  der  Piesberg- 
Pyrmonter  Achse3).  (Stille,  42,  S.  231.)  Daß  aber  die 
Lage  des  Jurakammes  nicht  alleine  hierauf  zurückführen 
ist,  sondern  noch  tiefere  Ursachen  zugrunde  liegen  müssen, 
zeigt  sich  schon  bei  näherer  Betrachtung  der  Verwandt¬ 
schaft,  die  zwischen  ihm  und  der  Plänerkette  besteht: 
Beide  streichen  unbekümmert  um  den  höchst  mannigfaltigen 
Bau  des  Zwischengeländes  auf  sehr  lange  Strecken  äußerst 
ruhig  dahin  und  würden,  wenn  man  nur  sie  kennte,  jenen 
schnellen  Wechsel  gar  nicht  ahnen  lassen.  Sie  sind  auch 
beide  fast  ganz  einseitig  'gebaut,  bei  beiden  sind  nach  außen 
hin  auffällig  kurze  Sättel  vorgelagert,  so  am  Osning  der 
„Kleine  Berg“  bei  Kothen  fehle,  am  Weser- Wiehengebirge 
die  „Limberg-Achse“  und  der  Sattel  zwischen  Engter  und 
Venne. 

Betrachten  wir  zum  erstgenannten  Punkt,  der  Unbe¬ 
rührtheit  der  beiden  Kämme,  z.  B.  den  westlichen  Teil 
des  Osninps  etwa  von  Hilter  ab,  so  finden  wir  auf  dem 
„Nordflügel“  ganz  gegen  die  Regel,  nach  der  hier  nämlich 
flachlagernde  Trias  auf  treten  müßte,  zunächst  ein  im  großen 
und  ganzen  muldenförmig  gebautes  Gebiet  aus  Wealden 
und  marinem  Neokom  (Borgloh-Oeseder  Wealdenmulde  und 


3)  Die  Piesberg-Achse  und  die  Pyrmonter  bilden  offenbar 
ein  Ganzes  trotz  der  Unterbrechung  durch  das  von  Naumann 
und  Mestwebdt  (33)  geschilderte,  sehr  verwickelt  gebaute  Berg¬ 
land  zwischen  Vlotho  und  Lemgo.  Ich  sehe  in  jenem  Zwischen¬ 
stück  nur  eine  Beeinflussung  durch  dieselbe  sehr  lange  nord-süd¬ 
liche  Störungszone,  welche  sich  von  der  hessischen  Senke,  ja  vom 
Vogelsberg  her  längs  der  Germeter  Achse  und  dem  Eggegebirge  bis 
nach  Lemgo  verfolgen  läßt  und  ein  Gegenstück  bildet  zur  rheini¬ 
schen,  über  Göttingen  ziehenden  Störungszone,  in  der  nur  die  .He¬ 
bungsachsen  gegenüber  den  Gräben  zurücktreten.  Alle  diese  Dinge 
sind  wohl  am  besten  zu  ersehen  aus  der  neuen  von  Stille  be¬ 
arbeiteten  „Uebersichtskarte  der  saxonischen  Gebirgsbildung"  (44), 
in  der  nur  leider  der  westlichste  Teil,  die  Gegend  von  Ibbenbüren, 
fehlt  und  bei  Osnabrück  zwischen  die  Holter  Achse  und  die 
Hase  eine  der  ersteren  gleichwertige  Achse,  die  „Sandforter 
Achse“,  noch  einzuschieben  ist. 


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Dörenberggruppe),  an  deren  Stelle  aber  bei  Hagen  plötz¬ 
lich  einen  in  sich  stark  gestörten  Sattel  aus  Karbon  und  Zejch- 
stein,  den  Hüggel.  Dabei  ist  an  den  Kreidekämmen,  insbe¬ 
sondere  an  denen  des  Pläners,  trotzdem  keine  irgendwie 
nennenswerte  Querstörung  zu  erkennen.  Weiter  nach  Westen 
folgt  dann  ein  aus  Jura-  und  Trias-Schollen  aufgebajutes 
Gelände,  das  plötzlich  abgelöst  wird  durch  die  horstartige 
Karbonscholle  der  Ibbenbürener  Bergplatte,  wiederum  ohne 
daß  an  der  Plänerkette  auch  nur  die  geringste  Beeinflussung} 
zu  bemerken  wäre.  Die  beiden  „Flügel“  des  Osnings  zeigen 
also  eine  staunenswerte  Unabhängigkeit  gegen  einander.  Am 
Weser- Wiehengebirge  sehen  wir  den  allerdings  gemilderten 
Gegensatz  gut  ausgeprägt,  einmal  in  der  Gegend  der  Porta, 
wo  der  sehr  gleichmäßig  streichenden  Jurakette  das  oben 
erwähnte  stark  zerstückelte  nordlippische  Bergland,  frei¬ 
lich  in  größerer  Entfernung,  gegenübersteht  und  dann  wieder 
im  Westen  bei  Osnabrück,  wo  der  Karbonsattel  des  Pies- 
berges  aus  einer  gestörten  Triaslandschaft  auf  taucht. 


Die  altangelegten  Linien  des  Osnings  und 
Weser- Wiehengebirges. 

Wenn  auch  beim  Osning  ein  Teil  der  Verschiedenheiten 
zwischen  den  beiden  Flügeln  auf  präkretazische  Gebirgs- 
bildungsbewegungen  zurückzuführen  ist,  so  sehe  ich  den 
Hauptgrund  für  jene  darin,  daß  die  gleichmäßig  fortstreichen¬ 
de  Linie  schon  früh  für  ihre  Rolle  vorbestimmt  war  und 
die  postturonen  Bewegungen  zwangsläufig  ihr  folgten. 

Bisher  wird  angenommen,  daß  die  Ablagerungen  der 
Oberen  Kreide  ebenso  wie  die  der  Unteren  über  die  heutige 
Schwelle  hinübergegriffen  haben  und  später  wieder  ab¬ 
getragen  seien,  obwohl  man  heute  auf  ihr  keine  Spur  der 
e röteren  mehr  findet.  In  der  Tat  wäre  das  angesichts  der 
sehr  bedeutenden  Abtragungen,  die  wir  in  anderen  Fällen 
in  Deutschland  annehmen  müssen,  wie  z.  B.  der  des  Lias 
in  Mitteldeutschland  und  des  Cenomans  zwischen  mittlerem 
beinetal  und  dem  südlichen  Harzvorland(Ohmgebirge),  ja 
zunächst  nicht  allzu  merkwürdig,  und  man  kann  wohl  von 
vornherein  einen  gewissen  Betrag  ruhig  zugeben.  Dann 
ist  aber  auf  keinen  Fall  die  volle  Mächtigkeit  des  nördlichen 
Münsterlandes  vorhanden  gewesen,  die  sich  im  Westen  auf 
etwa  2500  m  beläuft  (das  Tief  bohr  loch  Saerbeck  hat  mit 
beinahe  1400  m  Teufe  sogar  noch  nicht  einmal  Senon  und 
Emscher  durchsunken).  Erst  recht  nicht  kann  die  Mächtig- 

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—  . 36 


keit  noch,  zugenommen  haben,  wie  man  zunächst  aus  ihrem 
ständigen  Wachsen  von  Süden,  von  der  rheinischen  Masse 
her,  folgern  könnte.  Wenn  auch  im  Emscher  und  Senon 
weiche  Gesteine  vorherrschen,  so  sind  zudem  in  Cenoman 
und  Turon  mächtige  Serien  harter  Kalke  entwickelt,  die 
nicht  so  leicht  abgetragen  werden  konnten.  Um  so  auf¬ 
fallender  ist  ferner  die  völlige  Abwesenheit  der  Oberkreide 
im  Gegensatz  zu  solchen  der  Unteren  Kreide  (auf  der  nörd¬ 
lichen  Seite  des  Hüggel),  als  wir  doch  mit  erheblichen  post- 
turonen  orogenetischen  Bewegungen  rechnen  müssen,  die 
leicht  zur  schützenden  Versenkung  kleinerer  Partien  hätten 
führen  können.  Es  kommt  schließlich  folgendes  hinzu:  Schon 
in  den  schönen  oberoligocänen  Konglomeraten  der  Gegend 
von  Osnabrück,  in  denen  andere  Kalke,  z.  B.  aus  dem  Muschel¬ 
kalk,  gar  nicht  selten  sind,  sucht  man  vergeblich  nach 
solchen  der  Kreide.  Dasselbe  gilt  nach  freundlicher  Mit¬ 
teilung  des  Herrn  Dr.  Burke  für  die  gleichaltrigen  Ablage¬ 
rungen  des  Doberges  bei  Bünde.  Es  hätte  also  bereits  während 
des  Paleocäns  und  Eocäns  nicht  nur  die  so  außerordentlich 
mächtige  Obere,  nein  auch  noch  die  ganze  Untere  Kreide, 
die  im  Westen  meistens  über  500  m  mächtig  ist,  bis  auf 
kleine  Reste  denudiert  worden  sein  müssen,  ja  vielleicht 
sogar  noch  erhebliche  Teile  von  Jura  und  Trias  bis  hinab 
zum  Karbon  (Haarmanns  Fund  im  Oberoligocän  bei  Atter, 
13,  S.  39),  letzteres  wenigstens  dann,  wenn  man  den 
kimmerischen  Gebirgsbildungsvorgängen  für  die  Schwelle 
selbst  keine  oder  nur  geringe  Bedeutung  beimessen  will. 
Im  Westen  wären  also  in  der  angegebenen  Zeit  mindestens 
3000  m  verschwunden,  im  Osten  allerdings  wohl  weniger. 
Noch  unwahrscheinlicher  wird  das  ehemalige  Vorhanden¬ 
sein  der  ganzen  Oberkreide,  weil  das  Obersenon  von 
Haldem  und  von  Damme  nördlich  vom  Wiehengebirge  auf 
Unterer  Kreide  auflagert  und  an  der  Basis  ein  Konglomerat 
aus  Toneisensteinen  führt,  die  aus  dieser  stammen  müssen. 
Hier  fehlt  also  die  außerordentlich  mächtige  Schichtenfolge 
Cenoman,  Turon,  Emscher  und  Untersenon,  die  sogar  schon 
innerhalb  der  Kreide  und  zwrar  in  der  kurzen  Zeit  zwischen 
Unter-  und  Obersenon  abgetragen  worden  w'ären.  Gerade 
hier,  so  weit  nach  Norden  und  schon  ganz  im  niederdeutschen 
Becken,  hätte  man  nach  der  bisherigen  Auffassung  zudem 
eine  besonders  bedeutende  Mächtigkeit  der  genannten  Stufen 
erwarten  sollen.  Es  ist  demnach  klar,  daß,  wenn  überhaupt, 
so  doch  nur  ein  Teil  von  ihnen  abgelagert  wurde,  der 
verhältnismäßig  schnell  wieder  entfernt  werden  konnte. 


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Lassen  schon  diese  Tatsachen  an  der  ehemaligen  Über¬ 
flutung  durch  ein  tiefes  Meer  mit  mächtigen  Sedi¬ 
menten  zweifeln,  so  wird  umgekehrt  das  länger  dauernde 
Vorhandensein  einer  Schwelle,  sei  sie  nun  landfest  gewesen 
oder  nur  eine  Untiefe  im  Meere  mit  höchstens  sehr  geringmäch¬ 
tigen,  bald  wieder  zerstörten  Ablagerungen  zur  Sicherheit 
bei  Beachtung  folgender  Punkte:  Elbert  (8),  der  die  Grün¬ 
sande*  des  Scaphitenpläners  von  Rothenfelde  und  Umgebung 
genauer  untersuchte,  folgerte  aus  ihrer  Beschaffenheit  und 
Fauna,  daß  sie  in  verhältnismäßig  flachem  Meere  abgelagert 
seien.  Er  erwähnt  ferner  Gerolle  von  Sandstein,  die  von  den 
übrigen  Einschlüssen  völlig  abwichen,  worüber  er  sagt:  , hier¬ 
nach  zu  urteilen,  könnten  sie  durch  Wellenschlag  aus  dem 
sandigen  Küstenmaterial  zusammen  mit  limonitischem  Mate¬ 
rial  verschleppt  sein,  um  so  mehr  als  wir  auch  kleine  Quarz- 
gerölle,  die  ganz  denen  des  Hilssandsteins  gleichen,  im  Grün¬ 
sand  finden.  Das  limonitische  Zement  scheint  ebenfalls  aus 
diesem  an  Brauneisen,  Sand  und  Gerollen  reichen  Neokom- 
schichten  oder  deren  primärer  Lagerstätte  zu  stammen“. 

Es  kommen  zudem  ganze  Lagen  von  Toneisensteingeröllen 
vor,  die  Mestwerdt,  der  wenig  später  einen  Teil  dieser 
Gegend  mit  in  den  Bereich  seiner  Untersuchung  eines 
Osningabschnitts  gezogen  hat,  als  Toneisensteine  aus  Jura 
und  Kreide  bezeichnet  (32,  S.  38).  Neuerdings  stellte  nun  • 
Bäbtling  fest,  daß  dieses  Rothenfelder  Vorkommen  im 
Münsterschen  Becken  durch  glaukonitfreie  Ablagerungen 
von  den  etwa  gleichaltrigen  Soester  Grünsanden  des  Südens 
getrennt  sei  (2,  S.  196)  imd  schloß  daraus  schon  auf  örtliche 
Hebungen  im  Teutoburger  Walde.  Wenn  wir  uns  nun  fragen, 
woher  jene  Gerolle  gekommen  sein  mögen,  so  ergibt  sich 
in  der  Tat  eine  nördliche  Richtung,  denn  im  Süden  war 
ja  bereits  über  dem  Neokoni  die  mächtige  Folge  vom  Albien 
bis  zum  tieferen  Turon,  die  noch  heute  im  Osning  aus¬ 
streicht,  vorhanden.  Ähnliche  Bedingungen  müssen  aber 
schon  früher  geherrscht  haben,  denn,  wie  sich  neuerdings 
zeigte,  finden  sich  sowohl  inmitten  des  Scaphitenpläners  als 
auch  an  der  Liegendgrenze  bei  Rothenfelde  sporadisch  kleine 
Grünsandlinsen,  in  letzterer  Lage  auch  viel  weiter  östlich,  bei 
Halle  i.  W.  (8,  S.  96).  Da,  wo  der  Grünsand  fehlt,  ist  wenigstens 
der  bezeichnende,  ihn  begleitende  graue  Mergel  ausgebildet 
und  zwar,  wie  es  scheint,  sogar  auf  recht  weite  lErstreckung. 

Ja  noch  bedeutend  tiefer  treffen  wir  auf  ein  verwandtes 
Gesteinspaar.  Mindestens  von  Lengerich  ab  bis  mindestens 
Hilter,  also  auf  wenigstens  21  km  Erstreckung,  liegen  an 


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der  Grenze  Labiatuspläner — Brongniartipläner  eine  oder  zwei 
dünne,  feste  Kalkbänke,  die  sich  durch  ihre  körnige  Be¬ 
schaffenheit,  besonders  aber  durch  ihren,  wenn  auch 
schwachen  Gehalt  an  Quarz  und  Glaukonit  sowie  durch 
eine  feine  diskordante  Schichtung  deutlich,  vor  allem  wenn 
sie  angewittert 'sind,  vom  gewöhnlichen  Plänergestein  unter¬ 
scheiden  und  ähnlich  wie  die  jüngeren  Grünsande  mit  einem 
grauen  Mergel  verknüpft  sind4). 

In  schöner  Übereinstimmung  mit  den  Ver¬ 
hältnissen  am  Südrande  des  Münster sehen 
Beckens  liegt  dieses  Paket  genau  an  der  Stel¬ 
le  des  Bochuraer  Grünsandes  Bartlings.  Be¬ 
zeichnet  nach  ihm  dieser  eine  Regression,  so  gewiß  auch 
jenes.  In  beiden  Fällen  kann  solche  Regression  aber  nur 
eben  wegen  der  Nähe  des  Landes  oder  einer  Untiefe  zum 
Ausdruck  kommen. 

Endlich  sind  schwache  Andeutungen  von  glaukoni tischen 
Gesteinen  vielleicht  noch  im  Cu vieripläner  anzutreffen.  Denn 
im  Bielefelder  Quertal  bei  Brackwede  beobachtete  ich  im 
Jahre  1920  in  einem  neuen  Anschnitt  an  der  Westseite 
in  einer  Region  des  Pläners,  die  dem  unteren  Teil  jener 
Abteilung  angehören  dürfte,  eine  dünne,  stark  glaukoni  tische 
Mergelbank,  die  bedeckt  wurde  von  einem  Kalk,  der  un¬ 
regelmäßige,  kalkige  (phosphoritische?)  Knollen  und  spär¬ 
liche  Glaukonitkörner  führt5). 

So  kommen  also  Grünsandeoder  verwandte 
Gesteine  von  mindestens  Leng  er  ich  bis  min¬ 
destens  Bielefeld  im  Turon  vor  und  man  wrird 
nicht  fehlgehen,  wenn  man  für  ihr  Auftreten 
die  gleiche  Ursache,  d.  h.  also  das  Vorhanden¬ 
sein  von  Land  oder  einer  Untiefe,  die  sich 
mit  der  eingangs  vermuteten  Sch w^ eile  zu 
einem  großen  Teil  decken  werden,  verant¬ 
wortlich  macht.  Daß  das  auch  schon  während  des 
Cenomans  selbst  der  Fall  war,  dafür  ist  ein  direkter  Beweis 
nicht  beizubringen.  Abgesehen  aber  von  dem  oben  betonten 
völligen  Fehlen  des  Cenomans  trotz  der  Widerstandsfähigkeit 
der  Oberen  Kalke  im  Gebiet  des  nord westfälischen  Berg- 


4)  Kurz  erwähnt  sind  diese  Dinge  in  10.  8.  LXI.  Genauere 
Daten  werden  die  Erläuterungen  der  betr.  Blätter  bringen.  Es  ist 
das  gleiche  Gestein,  das  Hasebrink  (18,  S.  261  iu.  262)  als  quarzi- 
tischen  Kalk  bezeichnet. 

5)  Für  genaue  Messungen  reichte  der  Zustand  des  Profils 
nicht  aus. 


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landes  läßt  sich  doch  indirekt  die  Annahme  geringerer  Mäch¬ 
tigkeit  stützen  dadurch,  daß  ira  Westen  des  Münsterlandes 
eine  Seichtwasserbildung  schon  im  Cenoman  ungefähr  in 
derselben  Gegend  wie  im  Turon  und  Senon  auftritt  (vgl. 
Bartlings  Tafeln  Nr.  V  und  VI  in  2). 

Im  Grenzgebiet  der  Schwelle  nun  und  des  südlich  davon 
liegenden  nordwestfälischen  Troges  liegt  heute  der  Osning. 
Dies  Grenzgebiet  bedeutet  aber,  wie  wir  unten  sehen  werden, 
eine  Schwächezone.  Im  westlichen  Osning  würde  die  Er¬ 
gänzung  der  Kreideschichten  das  Bild  einer  Fiexur  er¬ 
geben,  und  aus  einer  solchen  ist  wohl  auch  die  Überkippung 
im  östlichen  Abschnitt  hervorgegangen. 

Wie  steht  es  nun  mit  dem  Weser-Wiehengebirge?  Fin¬ 
den  wir  hier  Erscheinungen,  die  es  rechtfertigen,  es  als 
eine  Art  Gegenstück  zum  Osning,  genauer  zu  dessen  Ober¬ 
kreideflügel.  anzusehen?  Schon  oben  wurde  sein  ruhiges 
Fortstreichen  trotz  der  Zerstückelung  seines  südlichen  Vor¬ 
landes  betont,  ebenso  der  einseitige  Bau  und  die  Begleitung 
von  einzelnen  Sätteln  im  Norden.  Was  aber  die  Ähnlichkeit 
vergrößert,  das  ist  der  Umstand,  daß  auch  die  kamm¬ 
bildenden  Schichten  dieser  Berge,  die  Heersumer  Schichten, 
Korallenoolith  bzwr.  dessen  sandige  Vertreter,  Kimmeridge 
und  Gigas-Schichten  in  ihrer  Gesamtmächtigkeit  im  Gegen¬ 
satz  stehen  zu  dem  gleichen  Komplex  im  Süden,  sowie  daß 
die  Zunahme  ebenfalls  mehr  oder  weniger  plötzlich  vor 
sich  gehen  muß.  Der  Unterschied  fällt  schon  dadurch 
in  die  Augen,  daß  der  Obere  Jura  am  Osning  nur  unbe¬ 
deutende  Berge  bildet,  ja,  daß  selbst  stark  geneigte  Schol¬ 
len  oft  kaum,  manchmal  auch  gar  nicht,  im  Gelände 
hervortreten,  wie  z.  B.  der  mehrere  Kilometer  lange  Streifen 
südlich  Hagen.  In  der  Tat  sind  alle  die  genannten  Schich¬ 
ten  zusammen  hier  in  Gellenbeck  nur  etwa  10  m  mächtig. 
Das  ist  allerdings  wohl  die  niedrigste  Zahl,  denn  sonst 
kann  man  in  der  Hagener  Gegend  wohl  mit  30— 40  m 
rechnen,  ähnlich  in  den  Iburger  Bergen,  doch  schwillt 
die  Mächtigkeit  örtlich  wie  an  der  großen  Egge  zu  80—100 
Meter  an.  Bei  Borgloh  und  Wellingholzhausen  scheint 
sie  ähnlich  wie  bei  Iburg  zu  sein,  bei  Dornberg  unweit 
Bielefeld  wird  sie  kaum  mehr  als  45  m  betragen8).  Süd¬ 
östlich  Bielefeld  kann  man  nach  freundlicher  Mitteilung 
des  Herrn  Mestwerdt  mit  50 — 60  m  rechnen.  Weiter 


6)  Nach  Messungen,  die  Herr  Mbstwbbdt  und  ich  1920  an 
einem  neuen  Aufschluß  vornehmen  konnten. 


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im  Sudosten  des  Teutoburger  Waldes,  wo  ja  nur  sehr  un¬ 
bedeutende  Reste  erhalten  sind,  wird  darum  die  Mächtigkeit 
ebenfalls  gering  gewesen  sein.  Im  Westen,  zwischen  Hüggd 
und  Ibbenbürener  Bergplatte,  schätzt  Kuhlmann  (25,  S.  38) 
das  Oxford  auf  mindestens  20  m;  für  die  schlecht 
aufgeschlossenen  hangenden  Schichten,  deren  Mächtigkeit 
Kühlmann  nicht  angibt,  nehme  ich  nach  meiner  Kennt¬ 
nis  der  Vorkommen  weitere  20  m  an,  so  daß  die  Gesamt^ 
mächtigkeit  40 — 50  m  betragen  mag.  Diese  Punkte  liegen 
nun  schon  nicht  mehr  weit  ab  vom  Wiehengebirge.  '‘Noch 
näher  fand  sich  aber  im  Vorjahre  Oberer  Jura  im  Hörner 
Bruch,  4  km  SSW  Osnabrück,  dessen  Entfernung  vom 
Wiehengebirge  nur  15  km  beträgt.  Selbst  hier  ist  die 
Mächtigkeit  noch  sehr  gering,  wahrscheinlich  noch  unter 
30  m.  Folgende  Angaben  aus  dem  Weser-Wiehengebirge 
zeigen,  wie  groß  der  Gegensatz  zu  diesem  ist.  Die  Mäch¬ 
tigkeit  beträgt  nach  Lohmann  (29,  Profiltafel)  bei  Engter 
über  180  m,  bei  Osterkappeln  150  m,  bei  Hüsede  etwa 
150  m.  an  der  Porta  Westfalica  nach  von  Seb  (36,  Profil¬ 
tafel)  195  m.  Sie  ist  also  im  Wiehengebirge  ganz  erheb¬ 
lich  größer  als  am  Osning  und  im  Zwischengebiet.  Den 
Hauptanteii  an  dieser  Reduktion  tragen  die  Schichten  im 
Liegenden  der  Gigas-Schichten,  was  dafür  spricht,  daß 
im  Gebiete  der  Schwelle  die  ,,vorportlandische  Phase“  der 
kimmerischen  Gebirgsbildung  (Dahlgrün,  7)  wirksam  war, 
für  die  ich  bei  Hagen  und  Iburg  bereits  früher  Anzeichen 
gefunden  zu  haben  glaubte  (11,  63—67).  Ob  die 

Lücken,  die  dort  im  älteren  Malm  vor  liegen,  auch 
auf  orogenetische  Vorgänge  zurückzuführen  sind  oder  nicht 
vielmehr  auf  epirogenetische,  wie  Dahlgrün  meint,  sei 
dahingestellt.  Jedenfalls  haben  mit  Beginn  des  Oberen 
Juras  im  Bereich  der  nordwestfälischen  Schwelle  Hebun¬ 
gen  eingesetzt.  Sie  wurde  also  bereits  zur  Oberen  Jura¬ 
zeit  angelegt.  Ja  für  die  Grenze  Oxford — Kimme ridge 
haben  Lohmann  und  Spülski  (29  u.  37)  sogar  mit  einer 
vorübergehenden  Landwerdung  bis  mindestens  zum  Wiehen¬ 
gebirge  hin  gerechnet,  ebenso  für  eine  kurze  Spanne  im 
Unteren  Kimmeridge.  (Fehlen  des  Korallenooliths  bzw. 
Vertretung  durch  Pflanzenreste  führende  Sandsteine.  Auf¬ 
treten  ähnlicher  Sandsteine  im  Unteren  Kimmeridge.)  Es 
liegt  also  auch  diese  langgezogene  schmale  Kette  analog 
denen  der  Oberkreide  des  Osnings  offenbar  am  Abstieg 
von  einer  Schwelle  zu  einem  tieferen  oder  sich  wenigstens 
schneller  einsenkenden  Gebiet.  Der  Bergzug  erweist  sich. 


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freilich  abgeschwächt,  auch  dadurch  als  eine  Art  Gegen¬ 
stück  zum  Oberkreidezug  des  Osnings,  daß  seine  Schichten 
ebenfalls  verhältnismäßig  steil  gestellt  sind,  meist  steiler 
als  ihnen  zukäme,  wenn  er  nur  eine  unverbogene  Schicht¬ 
stufe  auf  dem  oft  flachen  Nordflügel  der  Piesbergachse 
wäre.  Auf  diese  flexurartige  Verbiegung  machte  bereits 
Lohma nx  (29,  S.  60)  aufmerksam.  Ein  gewisses  tektoni¬ 
sches  Element  steckt  also  doch  auch  in  diesem  ßergzuge, 
und  das  Zusammentreffen  mit  der  großen  Mächtigkeit  der 
ihn  aufbauenden  Schichten  ist  doppelt  auffallend. 

Die  nord  westf  ä  l  i  s  c  h  - 1  i  p  p  is  c  he  Schwelle 
ist  also  schon  im  Mesozoikum  angelegt,  al¬ 
lerdings  im  Norden  und  Süden  zu  verschie¬ 
denen  Zeiten;  Osning-Kreideflügel  und  We¬ 
se  r-Wiehengebirge  sind  in  der  Tat  Gegen¬ 
stücke. 

Die  Geschichte  der  nordwestfälisch-lippischen  Schwelle. 

Überblicken  wir  kurz  die  sich  nunmehr  ergebende  Ge¬ 
schichte  der  Schwelle,  ■  so  ist  die  älteste  Periode,  von  der 
wir  Kunde  haben,  die  des  produktiven  Karbons.  In  dieser 
Zeit  gehörte  wenigstens  der  Westen  des  Gebiets  zu  dem 
großen  Sammeltrog,  in  dem  sich  die  mächtigen  westfä¬ 
lischen  Steinkohlenschichten  ablagerten,  und  zwar  kann  es 
hier  noch  keineswegs,  trotz  der  großen  Entfernung  von 
der  Kuhr,  dem  Nordrande  nahe  gewesen  sein,  denn,  wie 
sich  auf  Grund  ganz  neuer  sowie  älterer  Tiefbohrungen 
berechnen  läßt7),  beträgt  die  Mächtigkeit  der  hier  be¬ 
kannt  gewordenen  Schichten,  das  sind  die  jüngsten  des 
ganzen  westfälischen  Karbons  und  zugleich  der  Saarbrücker 
Stufe,  mindestens  3000  m,  vielmehr  also  als  die  der  anderen 
großen  Abteilungen  der  Stufe  (Magerkohlenpartie  1100  m, 
Fettkohlenpartie  610  m,  Gaskohlenpartie  300  m,  Gasflamm- 
kohlenpartie  1000  m  und  mehr  (26,  S.  64).  Nur  an  dem 
größten  der  Osnabrücker  Vorkommen,  der  Ibbenbürener 
Bergplatte,  ist  die  jungpaläozoische  Tektonik,  wie  sie  vqr 
Ablagerung  des  Kupferschiefers  entstanden  war,  zu  er¬ 
kennen.  Das  Steinkohlengebirge  zeigt  hier  eine  deutliche, 
durch  Querverwerfungen  zerrissene  herzynisch  gerichtete 
schwache  Faltung.  (Besonders  klar  zu  ersehen  aus  Haar¬ 
manns  Darstellung  15,  T.  XI  und  16  Fig.  1.)  Während 


7)  Vgl.  hierzu  einen  demnächst  im  „Glüik:iufw  erscheinenden 
Aufsatz  von  Herrn  Gothan  und  Verf. 


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aber  Tiktzk  (47),  der  das  Gebiet  im  Maßstab  1:25  000 
kartiert  hatte,  diese  herzynische  Faltung  ohne  weiteres 
für  jungpaläozoisch  hielt,  vertritt  Haabmaxn  (15,  S.  328 
bis  331)  die  Ansicht,  daß  diese  für  das  Karbon  allerdings 
sehr  auffallende  Richtung  diesem  erst  gleichzeitig  mit  der 
Entstehung  des  OSnings  aufgeprägt  worden  sei,  also  um 
die  Wende  von  Kreide-  und  Tertiärzeit,  daß  aber  vorher, 
d.  h.  vor  Ablagerung  des  Zechsteins,  das  Gebiet  schon  varis- 
zisch  gefaltet  war.  Dies  glaubt  er  an  der  Hand  von 
Messungen  unter  Tage  an  einer  Stelle,  wo  im  Permer 
Grubenfeld  das  Streichen  im  Liegenden  des  noch  erhaltenen 
Kupferschiefers  zu  beobachten  ist,  unmittelbar  beweisen 
zu  können.  Hier  verläuft  in  der  Tat  das  Streichen  SM" — NO; 
dennoch  glaube  ich  die  Verhältnisse  ganz  anders  deuten 
zu  müssen.  Wenn  man  nämlich  mit  Hilfe  des  WuLFFSchen 
Netzes,  dessen  Anwendungsmöglichkeit  bei  Aufgaben  aus 
dem  Gebiete  der  Tektonik  neuerdings  Herr  E.  Seitz  gezeigt 
hat8),  den  ursprünglichen  Einfallswinkel  gegenüber  dem 
söhlig  gedachten  Kupferschiefer  genau  wiederherstellt, 
kommt  man  zu  einem  Betrage  von  55°  bei  einem  Streichen 
von  N  65°  O.  Das  würde  aber  schon  eine  ziemlich  kräf¬ 
tige  Faltung  bedeuten,  und  es  ist  ausgeschlossen,  daß  trotz¬ 
dem  eine  jüngere  herzynische  Faltung,  die  sich  doch  mit 
der  älteren  hätte  vergittern  müssen,  so  rein  zum  Aus¬ 
druck  kommen  kann,  wie  es  namentlich  im  Osten,  am 
Schafberg,  der  Fall  ist,  wo  unweit  der  Zeche  Perm  das 
Flöz  Buchholz  auf  G:74  km  mit  nur  ganz  schwachen  Ver¬ 
biegungen  an  den  beiden  Enden  der  Strecke  gerade  hin¬ 
durchstreicht.  Die  schwache  ONO -Abbiegung  des  Ost¬ 
endes  stimmt  ebenso  wie  das  Streichen  der  liegenden 
Flöze  Schafberg  und  Bentingsbank  (siehe  die  TiETZESche 
Karte)  mit  dem  oben  rekonstruierten  Streichen  überein. 
Es  ist  eben  nur  eine  lokale  Abweichung  des  herzynischen 
Richtung.  Die  Diskordanz  ist  ferner  dem  Sinne  nach  die 
gleiche,  wie  sie  gegenüber  der  heutigen  schwach  geneigten 
Fastebene  an  der  Oberfläche  des  Steinkohlengebirges  noch 
zu  erkennen  ist,  denn  im  Süden  der  Bergplatte  liegt  der 
Kupferschiefer  mindestens  auf  Schichten,  in  denen  das 
Schafbergflöz  eingelagert  ist,  im  Norden  sind  aber  heute 
noch  bedeutend  jüngere,  und  zwar  solche  der  flözleeren 
roten  Unterabteilung  vorhanden.  Das  bedeutet  ein  prä- 

8)  Vor  dem  Kollegium  der  Preußischen  Geologischen  Landes¬ 
anstalt.  Während  des  Druckes  erschienen  im  „Glückauf“  Jg.  1924, 
Nr.  19. 


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oberpermisches  Einfallen  des  Karbons  von  mindestens  7°. 
Etwa  dasselbe  Generaleinfallen  ergibt  ein  Querprofil  durch 
den  Schafberg  (Figur  1),  und  ähnliche  Winkel  errechnet 
man  auch  sonst  in  der  Osnabrücker  Gegend  für  die  Dis¬ 
kordanz.  Ich  möchte  daher  glauben,  daß  die  genannte 
Fastebene  gleich  oder  wenigstens  parallel  ist  der  Trans- 
gressionsfläche  des  Zechsteins,  der  ja  durch  Querverwerfun¬ 
gen  versenkt,  noch  inmitten  der  Bergplatte  stellenweise 
erhalten  ist.  Von  diesen  und  den  ebenfalls  jüngeren  Ver¬ 
biegungen  an  den  Rändern  des  Horstes  abgesehen,  ist 


also  das  heutige  Faltenbild  das  jungpaläozoische,  und  auf 
keinen  Fall  ist  das  dortige  Karbon  variszisch  gefaltet  ge¬ 
wesen.  Der  Ausdruck  „Falten“  ist  vielleicht  überhaupt  nicht 
ganz  angebracht.  Wenn  man  das  Querprofil  Fig.  1  be¬ 
trachtet,  das  auf  Grubenaufschlüssen  und  drei  Tiefbohrun¬ 
gen  beruht,  hat  man  viel  eher  den  Eindruck  geneigter 
Schollen  mit  schwachen  Stauchungen  als  von  Falten,  wie 
sie  etwa  im  Ruhrrevier  auftreten,  zumal  auch  sonst  die 
Verbiegungen  auf  der  Bergplatte  recht  flach  sind.  Um  so 
auffallender  ist  der  oben  rekonstruierte  Einfallswinkel  von 
jo3  im  Permer  Grubenfeld  am  Südrande  der  Platte.  Er¬ 
gänzt  man  aber  das  genannte  Querprofil  nach  Süden  hin 
in  der  Weise,  daß  man  den  flachen  Einfallswinkel  in  den 
von  55°  übergehen  läßt,  so  hat  man  das  Bild  der  >  Schlep¬ 
pung  einer  absinkenden  Scholle.  Ich  möchte  nach  alle¬ 
dem  glauben,  daß  eine  herzynisch  gerichtete  Verwerfung 
die  Scholle  wie  noch  heute  im  Süden  begrenzte,  aber  mit 
dem  Unterschied,  daß  umgekehrt  zum  jetzigen  Zustand 
damals  dort  die  „stehengebliebenen“  älteren  Partien  lagen, 
an  denen  die  heute  bloßgelegte  Scholle  abgesunken  war9). 


9)  Kein  Wunder,  wenn  man  heute  am  Rande  des  Horstes 
sowohl  bergwärts  als  vom  Berge  abfallende  Verwerfungen  findet, 
^d  so  au<3i  in  diesem  Punkt  leicht  Verschiedenheiten  der  Auf* 
fassung.  wie  zwischen  Tibtze  und  Haarmanx,  entstehen  konnten. 


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Herzynisch  gerichtete  Gangspalten  und  Verwerfungen  pa¬ 
läozoischen  Alters  sind  ja  auch  sonst  in  Deutschland  durch¬ 
aus  nichts  besonderes,  man  denke  nur  an  den  bayerischen 
Pfahl,  der  vielleicht  sogar  derselben  großen  Störungszone 
angehört,  wie  die  des  Osnings  und  der  Münsterländische 
Hauptabbruch.  (Siehe  unten.) 

Das  Rotliegende  fehlt  im  Gebiete  der  Schwelle 
soweit  das  Liegende  des  Zechsteins  bekannt  geworden  ist, 
was  im  Westen  ja  an  ziemlich  vielen  Punkten  der  Fall 
ist.  Zu  dieser  Zeit,  in  der  ja  wahrscheinlich  orogene  tische 
Vorgänge  stattfanden,  war  hier  also  offenbar  kein  Sammel¬ 
becken  mehr,  sondern  ein  höher  gelegenes  Abtragungsge¬ 
biet.  Bemerkenswert  ist  es.  daß  wie  später  im  Miocän, 
hier  auch  im  Rotliegenden  keine  vulkanischen  Ausbrüche 
erfolgten. 


Im  Zechstein  unterscheidet  sich  bereits  der  Westen 
vom  Osten  des  Gebietes,  indem  im  Westen  eine  Fazies 
mit  sehr  mächtigen  Anhydriten  und  wenig  Stein¬ 
salz  entwickelt  ist,  während  schon  in  der  Bohrung  Sonne¬ 
born  bei  Pyrmont  mehr  eine  Normalfazies  vorhanden  ge¬ 
wesen  zu  sein  scheint,  die  wohl  auch  mit  größerer  Mäch¬ 
tigkeit  verbunden  war. 

Dieses  Verhältnis  zwischen  West  und  Ost  setzt  sich 
durch  die  ganze  Trias  hindurch  fort.  Während  diese  bei 
Osnabrück  nicht  viel  über  800  m  mächtig  ist,  schwillt, 
sie  in  Lippe  auf  etwa  1400  m  an.  Auch  zeigen  sich  im 
Westen  allerlei  Eigentümlichkeiten,  die  wenigstens  z.  T. 
auf  flachere  Gewässer  hinweisen,  über  die  aber  an  anderer 
Stelle  berichtet  werden  soll.  Es  ist  bemerkenswert,  daß 
gerade  hier  im  Westen,  wo  das  Bergland  schon  bald  sein 
Ende  erreicht,  das  Paläozoikum  sich  mehrfach  aus  den 
jüngeren  Sedimenten  heraushebt.  Das  hängt  wenigstens 
z.  T.  mit  dieser  geringen  Mächtigkeit  der  Trias  und  zwar  in 
zweifacher  Weise  zusammen,  was  bereits  Fr.  Hoffmaxx  er¬ 
kannt  hatte,  wenn  er  auch  die  Verkümmerung  der  Trias 
sich  so  vorstellte,  daß  die  drei  Glieder  durch  Wechsel¬ 
lagerung  und  seitliche  Veränderungen  im  Streichen  inein¬ 
ander  übergingen  und  zu  einer  einheitlichen-  Schichten¬ 
folge  verschmölzen  (19,  S.  328  ff.). 

Im  L  i  a  s  scheint  das  Verhältnis  umgekehrt  gewesen 
zu  sein.  Soweit  die  betreffenden  Zahlen  zuverlässig  genug 
sind,  muß  man  bei  Osnabrück  (Hellern)  mit  erheblich 
größeren  Mächtigkeiten  bei  im  großen  und  ganzen  der¬ 
selben  Fazies  rechnen.  Wichtiger  ist  hier  aber  folgendes: 


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daß  nämlich  Stieleb  (38,  S.  100)  im  guten  Einklang  mit 
der  oben  für  den  Oberen  Jura  des  Wiehengebirges  vermute¬ 
ten  Schwächezone  annimmt,  daß  zur  Zeit  dos  Oberen  Lias 
sich  in  demselben  Striche  eine  Senke  hingezogen  habe, 
in  der  die  Bedingungen  für  die  Entstehung  des  die 
„schwarze  Kreide“  liefernden  Schiefertons  sowie  ^für  die 
Ablagerung  der  sonst  fehlenden  Vertreter  der  Dorntener 
Schiefer,  gegeben  waren. 

Der  Dogger  ist  noch  nicht  genügend  bekannt,  be- 
sanders  nicht  seine  Mächtigkeiten.  Die  lokale  Verbreitung 
des  Portasandsteins  in  der  Hochstufe  des  Ostens  spricht 
kaum  für  das  Gebundensein  an  herzynische  Linien,  die 
wie  wir  oben  sahen,  in  den  älteren  Zeiten  des  Malms 
in  Erscheinung  traten,  wo  übrigens  auch  zugleich 
wieder  der  Westen  abnehmende  Mächtigkeit  bei  zunehmen¬ 
der  Häufigkeit  der  Sandsteine  zeigt. 

Der  Obere  Jura  wurde  bereits  oben  besprochen, 
abgesehen  vom  Oberportland,  aus  dessen  Charakter  und 
Verbreitung  sich  aber  ebensowenig  wie  aus  denen  des  Weal- 
dens  Schlüsse  auf  herzynisch  \  gerichtete  Leitlinien  ziehen 
lassen.  Zu  Beginn  des  marinen  Neokoms  machten 
sich  dann  jedoch,  wenigstens  im  westlichen  Osning.  nicht 
unerhebliche  onogenetische  Bewegungen  geltend10),  die  im 
großen  herzynisch  gerichtet  waren;  ob  auch  schon  in  der 
Piesberg- Achse,  vermag  ich  dagegen  nicht  zu  .  sagen. 

Ausgezeichnet  kommt  ferner  die  herzynische  Richtung 
wieder  zum  Ausdruck  in  der  gut  ausgeprägten  Strandfazies 
des  Neokoms  und  Unteren  Albiens,  dem  Osningsandstein,  aus 
der  zu  schließen  ist,  daß  der  Strand  wenig  südlich  des 
Osnings  gelegen  hat,  und  wiederum  unterscheidet  sich 
der  Westen  vom  Osten,  doch  im  umgekehrten  Sinne,  wie 
zur  Zechstein-,  Trias-  und  Malmzeit,  denn  wenigstens  im 
Osning  sind  die  Ablagerungen  z.  B.  bei  Iburg  und  Tecklen¬ 
burg  bedeutend  mächtiger  als  im  Südosten.  Auch  greift 
hier  schon  öfter  die  nördlich  des ,  Wiehengebirges 

10)  Gegenüber  Schuh,  der  das  Bestehen  einer  solchen  Phase 
anscheinend  bezweifelt  (35,  S.  92),  möchte  ich  darauf  aufmerk¬ 
sam  machen,  daß  neuerdings,  gänzlich  unabhängig  von  mir, 
Dahlgeün*  (7)  dieselbe  Phase  auch  im  mittleren  Leinegebiet  fest¬ 
stellte  und  sie  als  „Hilsphase“  bezeichnete.  Offensichtlich  hat 
Schuh  meine  Ausführungen  dahin  mißverstanden,  daß  ich  dieOs- 
ningspalte  in  der  Gegend  von  Iburg  leugnen  und  an  ihre  Stelle 
diskordante  Auflagerung  der  Unterkreide  setzen  wolle.  Das  ist 
aber  nicht  der  Fall.  Ich  sehe  als  Osningspalte  nur  eine  andere, 
weiter  nördlich  verlaufende  Verwerfung  an,  was  ich  allerdings 
nicht  erwähnt  habe. 


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herrv: rteode  tor.ige  Fa z«  zwi-eben  die  sandige  ein-  Im 
Gebiet  der  heutigen  Schwelle  selbst  wird  vorwiegend  die 
emere  entwickel:  gewesen  «ein.  konnte  dämm  so  leicht 
abgetragen  werden.  Im  Oberen  Albiec  sank  das  Gebiet 
wahrscheinlich  noch  tiefer  ein.  Onoman  und  Turon  sind 
iereit*  besprochen  worden.  Für  die  Emseherzeit, 
wo  im  allergrößten  Teil  der  westfalischen  Kreidemulde 
nach  B.Irtiixg  die  küstenfcrne  tonig-racrgelige  Fazies  noch 
herrschte.  Laten  wir  kein  Anzeichen  für  das  Fortbestehen 
der  turonen  Hochgebiete,  während  Keusch  sowohl  wie 
Härtling,  und  zwar  auf  verschiedenen  Wegen,  zum  Schlüsse 
kamen,  daß  im  Westen,  nahe  der  holländischen  Grenze, 
'-ine  Untiefe  oder  Schwelle  immer  noch  zu  erkennen  sei. 
tezw.  sich  noch  weiter  heraushob  (23  u.  2).  Aus  der  Fa¬ 
zies  der  Granulatenkreide  bei  Ochtrup  hatte  dann  Wbgxkr 
(48,  S.  137)  geschlossen,  daß  zu  Beginn  dieser  Zone  die 
Hebung  des  Teutoburger  Waldes  schon  bis  zur  Bildung  von 
Inseln  oder  Landzungen  fortgeschritten  wäre.  Nach  den 
Ausführungen  BIrtlings  jedoch  und  der  von  ihm  gegebenen 
Karte  ’  «rd  man  aber  notwendigerweise  die  Herausbil¬ 
dung  dei  Ochtruper  Fazies  auf  die  Nähe  jenes  Landes  im 
Westen  zurückführen  müssen.  Die  nach  unseren  heutigen 
spärlichen  Kenntnissen  dem  Emscher  noch  ähnliche  Fa¬ 
zies  des  Untersenons  südlich  vom  Osning  spricht  gleich¬ 
falls  nicht  für  eine  derartige  Hebung  im  Gebiete  unserer 
Schwelle,  sondern  eher  dafül\  daß  zu  diesen  beiden  Zeiten 
Untiefen  sieh  nicht  mehr  bemerkbar  machen  konnten. 

Dasselbe  gilt  wohl  sogar  noch  für  das  ältere  Obersenon. 
Nur  die  jüngeren  Obersehonschichten  der  Baumberge  las¬ 
sen  im  Verein  mit  denen  von  Haldem  nördlich  vom  Wiehen- 
gebirge  Schlüsse  zu,  wie  sie  Wegxer  aus  ihrer  Flora 
und  Fisch fauna  zieht  (49,  S.  116).  Denn  in  diesem  Falle 
liegt  die  Schwelle  zwischen  jenen  beiden  Vorkommen.  Auch 
deutet  die  Fischfauna  der  Baumberge  und  von  Sendenhorst 
nach  ihm  auf  eine  Aussüßung  des  Münsterschen  Meeres¬ 
beckens  hin.  Im  Ausgange  der  Kreidezeit  war 
also  die  Schwelle  sicherlich  wieder  vorhanden. 

Wie  steht  es  nun  mit  etwaigen  orogenetischen  Bewe¬ 
gungen  in  der  langen  Zeit  vom  Ende  des  Turons  bis  Bade 
des  Serions?  Am  Harz,  der  ja  in  der  südöstlichen  Fort¬ 
setzung  unserer  Schwelle  liegt  und  dessen  Ränder 
dasselbe  Streichen  haben,  sind  nach  Schrobder  (34,  S. 
'>;■>,  62)  orogenetische  Bewegungen  im  Oberen  Emscher  (oder 
kurz  vorher?)  und  wiederum  im  Untersenon,  genauer 


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zur  Zeit  der  Unteren  Granulatenkreide  (Stollby  45) 
erfolgt.  Sie  hatten  die  Aufrichtung  und  teilweise  Über- 
kippung  der  Harzrandschichten  sowie  die  Heraushebung 
des  Harzes  selbst  zur  Folge.  Da,  wie  eben  gezeigt,  diese 
Zeiten  für  die  Aufrichtung  des  Osnings  nicht  in  Frage 
kommen,  so  bleibt  innerhalb  der  jüngsten  Kreidezeit  nur 
die  des  Oberen  Senons  übrig.  Ich  kann  darum  Schuh  nicht 
recht  geben,  wenn  er  (35,  S.  102)  das  nordwestfälische 
Hochgebiet  und  den  Harz  als  eine  Einheit  betrachtet,  die 
wahrscheinlich  zu  gleicher  Zeit  gehoben  worden  sei.  Das 
stimmt  schon  darum  nicht,  weil  ja  das  breite  Gebiet  zwischen 
Harz  und  rheinischer  Masse  als  unterbrechende  Senke  eine 
langdauernde  und  alte  Geschichte  hat.  Bestand  sie  doch 
schon  mindestens  zur  Liaszeit  und  immer  noch  im  Oli- 
gocan.  Auch  zeichnet  sie  sich  ja  durch  eine  eigene  Tek¬ 
tonik  mit  ±  nordsüdlich  gerichteten  Störungszonen  aus. 
Ein  Unterschied  liegt  ja  auch  darin,  daß  die  Überkippung 
am  Harz  im  Norden,  hier  aber  im  Süden  auftritt.  Trotzdem 
bleiben  natürlich  genug  Ähnlichkeiten  bestehen. 

Im  Paleocan,  wo  sich  das  Meer  ja  ganz-^reit  nach 
Norden  zurückzog,  war  somit  weit  und  breit  Land,  zu 
dem  von  nun  an  das  Münstersche  Becken  immer  gehörte»11). 
Es  ist  wenigstens  im  Inneren  keine  Spur  mariner  Ablage¬ 
rungen  bekannt,  nicht  einmal  in  Schlottenausfüllungen,  die 
man  in  den  kalkigen  Gebieten  doch  wohl  erwarten  dürfte. 
Als  im  Untereocän  das  Meer  wieder  vordrang,  scheint 
der  Nordrand  der  heutigen  Schwelle  die  Küste  gebildet  zu 
haben,  so  daß  also  während  der  ganzen  Eocänzeit  —  in  der 
mittleren  und  oberen  wich  das  Meer  sehr  weit  nach  Norden 
zurück  —  auch  sie  Land  gewesen  wäre.  In  die  Zeiten  des 
Paleocäns  und  Eocäns  fällt  wohl  der  größte  Teil  der  be¬ 
deutsamen  Abtragungen,  die  schon  vor  Eintritt  der  nächsten 
Periode  das  Land  erlitten  haben  muß.  Aus  dem  wichtigen 
Funde  eines  Karbongerölls  im  Oberoligocän  bei  Osnabrück, 
der  Konkordanz  innerhalb  des  Oligocäns  einerseits,  der 
Konkordanz  innerhalb  der  Kreide  andererseits,  schloß 
Haarmann  (13,  S.  41),  daß  die  voroligocäne  Faltungs¬ 
phase  an  der  Wende  von  Oberer  Kreide  und  Eocän,  im 
wesentlichen  aber  im  Eocän  erfolgt  sei.  Ich  möchte  glauben, 
daß  die  Bewegungen,  abgesehen  von  den 
früher  erwähnten  noch  äReren,  zur  Haupt¬ 
sache  im  Obersenon  vor  sich  gingen,  zumal 

n)  Vgl.  für  die  Verbreitung  der  Tertiärmeere  die  paläogeogra- 
phischen  Karten  in  v.  Linstow  (28). 


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48 


auch  Sille  durch  die  „vergleichende  Methode  der  Altersbe¬ 
stimmung  gebirgsbildender  Vorgänge"*  zu  dem  Schluß  kommt, 
daß  wie  anderwärts  auch  die  „vortertiäre"  oder  „alttertüLre“ 
Phase  der  saxonischen  Faltung  Deutschlands  in  die  jüngste 
Kreidezeit  zu  stellen  sei  (43,  S.  17  und  20). 

-  Im  Oligocän  lag  der  Strand  des  wieder  vorgedrun- 
genen  Meeres  sehr  wahrscheinlich  am  Osning12).  Wenn 
im  heutigen  Schwellengebiete  auch  wohl  Teile  als  Inseln 
hervorschauten,  so  war  es  damit  im  ganzen  nun  im  Gegen¬ 
satz  zur  Oberkreidezeit  tiefer  gelegen  als  das  Münsterlandl. 
Älmlich  muß  das  Verhältnis  auch  im  Mittelmiocän  ge¬ 
wesen  sein,  wo  das  Meer  wenigstens  in  den  westlichen  Teil 
des  heutigen  Schwellengebiets  wieder  eingedrungen  war, 
nachdem  es  im  Unter miocän  sich  schon  einmal  weit  nach 
Worden  zurückgezogen  hatte.  Der  Gebirgsbau,  wie  wir  ihn 
heute  vorfinden,  entstand,  bis  auf  kleine  Nachwirkungen, 
die  im  Quartär  sich  geltend  gemacht  haben  mögen,  in  der 
Obermiocänzeit.  Burrk  zeigte  neuerdings,  daß  i n 
der  Gegend  von  Bünde  damals  die  Piesbergachse  noch 
weiter  gefaltet  worden  sei  (4).  Der  gleiche  hierin  zum 
Ausdruck  kommende  seitliche  Druck  wird  auch  am  Osning 
verstärkend  auf  die  Überkippung  eingewirkt  haben,  viel¬ 
leicht  bei  gleichzeitiger  Hochbewegung  der  Schwelle,  die 
ja  heute  im  großen  höher  liegt  als  die  Münstersche  Ebene. 
Damit  wurde  das  Gebiet  reif  für  die  Herausarbeitung  der 
heutigen  Oberflächen  formen,  die  zur  Hauptsache  im  Pliocän 
erfolgt  sein  dürfte. 


Schluß. 

Aus  obigen  kurzen  Darlegungen  geht  also  hervor,  erstens, 
daß  zeitweilig  das  nordwestfälisch-lippische  Bergland  auch 
in  der*  geologischen  Vergangenheit  eine  Schwelle  war  oder 
doch  zu  einer  solchen  gehörte,  zweitens,  daß  sowohl  Osning 
als  auch  Woser-Wiehengebirge  auf  altangelegten  Scliwäche- 
zonen  liegen,  die  sich  beim  ersteren  Gebirge  wahrscheinlich 
schon  im  Jungpaläozoicum  auszubilden  begannen  und  dort 
auch  viel  schärfer  in  Erscheinung  traten.  Mehrfach  be¬ 
wegten  sich  an  der  Osninglinie  zwei  große  Gebiete  gegen¬ 
einander,  wobei  dasjenige,  zu  dem  die  heutige  Schwelle 
gehört,  auch  in  sich  schaukelnde  Bewegungen  etwa  um  eine 
Nordsüdachse  ausgeführt  haben  muß,  so  daß  also  einmal 

12)  Dies  zeigt  z.  B.  ein  im  Vorjahr  gefundenes  neues  Vor¬ 
kommen  bei  Malbergen,  das  nur  gut  1  km  vom  Osningsandstein- 
rand  entfernt  liegt. 


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49 


der  Osten,  ein  andermal  der  Westen  höher  lag.  Die  starke 
Überkippung  am  Osning,  die  Überschiebung  der  Schwelle 
auf  die  Kreide  —  ähnlich  wie  der  Harz  auf  sein  Vorland  — 
selbst  schon  die  mehr  symmetrisch  gebaute  Piesberg-Py;r- 
monter  Sattellinie  wie  die  fast  kongruente  Faltung  bei 
Osnabrück  lassen  auf  kräftigen  seitlichen  Druck  schließen. 
Ihrer  Anlage  nach  sind  aber  diese  beiden 
Achsen  trotzdem  ganz  und  gar  verschieden, 
denn  hei  der  Piesberg-Pyrmonter  Achse  ist 
keine  vorher  vorhanden  gewesene  Schwäche¬ 
zone  festzustellen.  Sie  ist  eine  einfache  Sattelung 
innerhalb  der  Schwelle,  der  Osning  aber  bezeichnet  deren 
viel  älteren  Rand,  seine  Kreideschichten  entsprechen  ihrer 
Lage  nach  beinahe  den  mesozoischen  am  nördlichen  Harz¬ 
rand  und  mancher  Strecken  am  Thüringer  Wald.  Die 
Osningspalte  ist  eine  posthume  Spalte  der  alten  Schwäche¬ 
zone.  Die  Oszillationen  werden  besonders  dazu  beigetragen 
haben,  den  Gebirgsbau  des  so  schmalen  Osnings  im  Sinne 
von  Cloos  und  Haar^maxn  —  schmale  Störungszonen  — 
verwickelt  zu  gestalten  (6  und  17).  Auf  die  Frage,  wie 
weit  man  die  verschiedenen  Bewegungen  als  orogenetisch 
oder  epirogenetisch  aufzufassen  hat,  möchte  ich  hier  nicht 
eingehen,  dagegen  noch  hervorheben,  daß  folgende,  oben 
für  die  Osning-Schwächezone  erkannten  Merkmale:  her- 
zynische  Richtung,  alte  Anlage,  posthumes  Aufleben  in 
Mesozoikum  und  Tertiär  und  endlich  starker  seitlicher 
Druck  nach  v.  Bubxoff  (3)  zugleich  diejenigen  sind,  die 
nach  dem  heutigen  Stande  der  Kenntnis  den  aus  Asien  über 
iSüdrußland  und  Polen  nach  Deutschland  herübersetzenden 
KABPixsKYschen  Linien  zukommen,  zu  denen  schon  v. 
Ko  ex  ex  (21,  S.  191  und  192),  Suess  (46,  S.  32  bis  39)  und 
Karpixsky  selbst  (20)  die  Linie  Teutoburger  Wald— Südrand 
des  Thüringer  Waldes — Koburg — Passau — Linz  rechneten. 
Der  an  der  Schwelle  festzustellende  seitliche  Druck  ist 
also  eine  regionale  Erscheinung;  ob  dies  auch  für  die 
Oszillationen  gilt  oder  ob  sie  vielmehr  hier  im  Nord  westen 
noch  hinzutreten,  wTäre  ebenso  wTie  ihr  Verhältnis  zur  Oro- 
genese  wohl  noch  zu  untersuchen.  Man  möchte  fast  glauben, 
daß  Xordwestdeutschland  ganz  besonders  durch  derartige 
Bewegungen  ausgezeichnet  sei,  w’enn  man  an  die  so  deut¬ 
lichen  Erscheinungen  dieser  Art  im  Niederrheingebiet 
denkt,  wo  aber  andererseits  regionale  seitliche  Druck¬ 
wirkungen  fehlen. 


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50 


Literaturverzeichnis. 


1.  Andkee,  K.:  Über  die  Bedingungen  der  Gebirgsbildung.  BerLin 

1914. 

2.  Bärtling,  R.:  Tran9gressionen,  Regressionen  und  Faziesver- 

teilung  in  der  Mittleren  und  Oberen  Kreide  des  Beckens  vom 
Münster.  Diese  Zeitschr.  1920,  Bd.  72,  Abhandl.  S.  161 — 217. 

3.  v.  Bubnoff,  S.:  Die  herzynischen  Brüche  im  Schwarzwaid, 

ihre  Beziehungen  zur  karbonischen  Faltung  und  ihre  Post- 
.  humität.  N.  J.  f.  Min.,  Geol.  u.  Pal.  Beil.,  Bd.  XLV,  1922. 

4.  Burbe,  O.:  Der  Teutoburger  Wald  (Osning)  zwischen  Bielefel  1 

.  und  örlinghausen.  Jahrb.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  f.  1911. 
Bd.  XXXII,  T.  I,  Berlin  1911,  S.  306—343. 

5.  —  Die  Piesberg-Pyrmonter  Achse  in  der  Gegend  südlich  von  Bünde 

i.  W.  Ebenda  f.  1921,  Bd.  XLII,  Berlin  1922,  S.  533—542. 

6.  Cloo6,  H.:  Zur  Entstehung  schmaler  Störungszonen.  Geol. 

Rundsch.,  Bd.  VII,  1917,  S.  41-52. 

7.  Dahlgrün,  Fr.:  Tektonische,  insbesondere  kimmerische  Vor¬ 

gänge  im  mittleren  Leinegebiet.  Ebenda  f.  1921,  Bd.  XLII. 
Berlin  1923  (Separatum),  S.  723—764,  bereits  vorher  im  Aus¬ 
zug  aus  den  Dissertationen  der  Math.-phys.  Abtlg.  im  Jahrb. 
d.  Philosoph.  Fakultät  in  Göttingen.  Geolog.  Jahrg.  1921, 
Nr  10,  S.  40—44. 

8.  Elbert,  Joh.:  Das  untere  Angoumien  in  den  Osningbergketten 

des  Teutoburger  Waldes.  Verhandl.  nat.  Yer.  Rheiul.  u.  Westf., 
58,  1901,  Bonn  1902,  S.  77-167. 

9.  Haack,  W.:  Der  Teutoburger  Wald  südlich  'von  Osnabrück. 

Jahrb.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  f.  1908,  Bd.  XXIX,  Teil  I. 
Berlin  1909,  S.  493—495. 

10.  —  Bericht  über  die  Aufnahme  auf  Blatt  Iburg.  Ebenda  f.  1919. 

Bd.  XL,  Teil  II,  Berlin  1922,  S.  LN-LXII. 

11.  —  Über  die  unterneokome  Störungsphase  im  westlichen  Osning. 

Diese  Zeitschr.,  Jahrg.  1921.  Bd.  73,  S.  50—58,  Berlin  1922. 

12.  —  Bericht  über  die  Aufnahme  auf  Blatt  Iburg.  Jahrb.  d.  Preuß 

Geol.  Landesanst.  f.  1920,  Bd.  XLI,  Teil  II,  Berlin  1922 
S.  XCTI-XCIX. 

13.  Haarmann,  E.:  Die  geologischen  Verhältnisse  des  Piesberg- 

Sattels  bei  Osnabrück.  Ebenda  f.  1909,  Bd.  XXX,  T.  I,  Berlin 
1909,  S.  1—58. 

14.  —  Über  den  Piesberg-Sattel  bei  Osnabrück.  Diese  Zeitschr., 

61.  Bd.,  1909,  P.  S.  170 — 174. 

15.  —  Die  Ibbenbürener  Bergplatte,  ein  „Bruchsattel“.  Branca- 

Festschr.  1914. 

16.  —  Über  den  geologischen  Bau  Nord  Westdeutschlands.  Diese 

Zeitschr.  Bd.  66,  Jahrg.  1914,  S.  354 — 370. 

17.  —  Über  Stauung  und  Zerrung  durch  einmalige  und  wiederholte 

Störungen.  Diese  Zeitschr.,  Bd  72,  Jahrg  1920,  Abh. 218—245. 
IS.  Hasebrink,  A. :  Die  Kreidebildungen  im  Teutoburger  Wald  bei 
Lengerich  in  Westfalen.  Verhandl.  nat.  Ver.  Rheinl. -Westf., 
64,  1907.  Bonn  1908,  S.  247—268. 

19.  Hoffmann*  Fr.:  Die  geognostischen  Verhältnisse  der  Gegend 
von  Ibbenbüren  und  Osnabrück.  Karstens  Archiv  12, 
S.  264—336.  1826. 


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20.  Kabpinsky,  A. :  Bemerkungen  über  den  Charakter  der  Gesteins¬ 

dislokationen  in  der  südlichen  Hälfte  des  europäischen  Ru߬ 
lands.  Gorny  Journal,  St.  Petersburg,  Nr.  9, 1883,  S.  434—445. 
(Zitiert  hach  v.  Bubnoff.) 

21.  v.  Koenen,  A.:Über  geologische  Verhältnisse,  welche  mit  der 

Emporhebung  des  Harzes  in  Verbindung  stehen.  Jahrb. 
Preuß.  Geol.  Landesanst.  für  1883,  S.  187 — 198. 

22.  —  Über  das  Verhalten  von  Dislokationen  im  nordwestlichen 

Deutschland.  Jahrb.'  der  Preuß. . Geolog.  Landesanstalt  für 
1885  (1886),  S.  53—83. 

23.  Keusch,  P. :  Der  Gebirgsbau  im  preußisch-holländischen  Grenz¬ 

gebiet  von  Winterswijk,  Weseke,  Buurse  usw.  Diese  Zeitschr. 
71.  1919,  S.  139-149. 

24.  —  »Die  Ausdehnung  und  Tektonik  der  nordwestdeutschen  Stein¬ 

kohlengebiete.  Diese  Zeitschr.,  Bd.  70,  1918,  S.  121—147. 

25.  Kuhlmann,  L.:  Die  Osning-Achse  zwischen  Hüggel  und  Schaf  - 

.berg.  Jahrb.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  f.  1914,  Bd.  XXXV, 
T.  I„  Berlin  1914,  S.  1—62. 

26.  Kukuk,  P.:  Unsere  Kohlen.  2.  Auflage.  Aus  Natur  und  Geistes¬ 

welt.  396,  Bd.  1920. 

27.  Lepsius,  R. :  Geologie  von  Deutschland  und  den  angrenzenden 

Gebieten.  Teil  II,  Leipzig  1910. 

28.  v.  Linstow,  O. :  Die  Verbreitung  der  tertiären  und  diluvialen 

Meere  in  Deutschland.  Abhandl.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst. 
N.  F.,  Heft  87,  Berlin  1922. 

29.  Lohmann,  W.:  Die  geologischen  Verhältnisse  des  Wiehen- 

gebirges  zwischen  Bark  hausen  a.  d.  Hunte  und  Engter. 

1.  Jahresber.,  Niedersächs.  Geol.Ver.,  Hannover  1909,. S. 39—77, 
Inaug.-Diss.,  Göttingen  1908. 

30.  —  Die  Stratigraphie  und  Tektonik  des  Wiehengebirges. 

3.  Jahresber.  Ebenda,  1910,  S.  41 — 62. 

31.  Löwe,  F.:  Das  Wesergebirge  zwischen  Porta  und  Süntelgebiet. 

N.  J.  f.  Min.,  Beil.  Bd.  XXXVI,  Stuttgart  1913,  S.  113-213. 

32.  Mestwerdt,  A.:  Der  Teutoburger  Wald  zwischen  Borgholz¬ 

hausen  und  Hilter.  Inaug.-Diss.,  Göttingen  1904. 

33.  Naumann,  E.  und  Mestwerdt,  A.:  Über  Gebirgsbau  im  lip- 

pischen  Weserbergland.  Jahrb.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  f. 
1919,  Bd.  XL,  Berlin  1919,  S.  83—109. 

34.  Schuoedeb,  H.:  Exkursion  in  das  nördliche  Harzrandgebiet 

zwischen  Goslar  und  Thale.  Im  Führer  zu  den  Exkursionen 
der  Deutsch  Geol.  Ges.  August  1920.  Überreicht  vom  Nieder¬ 
sächs.  Geol.  Ver.  S.  46  —78. 

35.  Schuh,  F. :  Die  saxonische  Gebirgsbildung.  „Kali“.  16.  Jahrg., 

1922,  16,  Halle,  S.  33-112. 

36.  v.See,  K.:  Geologische  Untersuchungen  im  Weser -Wiehen- 

gebirge  bei  der  Porta  Westfalica.  N.  J.  f.  Min',  Beil.-Bd.  XXX, 
Stuttgart  1910,  S.  628—716. 

37.  Spulski,  B.:  Geologie  der  Gegend  von  Borgloh  und  Holte. 

2.  Jahresber.,  Niedersächs.  Geol.Ver.,  Hannover  1909,  S.  1—30. 

38.  Stiblbr,  C. :  Über  die  oberliassische  „Schwarze  Kreide“  von 

Vehrte  bei  Osnabrück.  Diese  Zeitschr.  75,  Jahrg.  1923, 
Abh.  S.  76-106. 

4* 


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52 


39.  Stille,  H.:  Zur  Kenntnis  der  Dislokationen,  Schichtenab¬ 

tragungen  und  Transgressionen  im  jüngsten  Jura  und  in 
der  Kreide  Westfalens.  Jahrb.  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  f. 
1905,  S.  103  ff. 

40.  —  Erläuterungen  zur  geologischen  Karte  von  Preußen  usw. 

Preuß.  Geol.  Landesanst.,  Lieferung  147  (Bl.  Willebadessen). 
Berlin  1908 

41.  Der  Mechanismus  der  Osning-Faltung.  Jahrb.  d.  Preuß.  Geol. 
Landesanst.  f.  1910,  Bd.  XXXI,  Teil  I,  S.  357—382. 

42.  —  Der  geologische  Bau  der  Ravensbergi sehen  Lande.  3.  Jahres- 

ber.,  Niedersächs.  Geol.  Verein,  Hannover  1910,  S.  226—245. 

43.  —  Über  Hauptformen  der  Orogenese  und  ihre  Verknüpfung. 

Nachr.  Ges.  d.  Wiss.  Göttingen,  math.-phys.  Kl.,  1918. 

44.  —  Übersichtskarte  der  saxonischen  Gebirgsbildung  zwischen 

Vogelsberg-Rhön  und  der  norddeutschen  Tiefebene,  1:250000. 
Herausgegeben  von  der  Preuß.  Geol.  Landesanst,  Berlin  1922. 

45.  Stolley,  E.:  Zur  Altersfest' tellung  der  Aufrichtung  des  Harz  - 

•  gebirges.  9.  Jahresber.,  Niedersächs.  Geol.  Verein,  Hannover 
1916,  S.  62—68. 

46.  Suess,  E. :  Das  Antlitz  der  Erde.  Bd.  III,  Teil  II,  1909. 

47.  Tietzk,  O.:  Das  Steinkohlengebirge  von  Ibbenbüren.  Jahrb.  d. 

Preuß.  Geol.  Landesanst.  f.  1908,  Bd.  XXIX,  TeilTI,  1909, 
S  301—353. 

48.  Wegner,  Th.:  Die  Granulatenkreide  des  westlichen  Münster¬ 

landes.  Diese  Zeitschr.  Bd.  57,  1905,  S.  112  ff. 

49.  —  Geologie  Westfalens  und  der  angrenzenden  Gebiete.  Pader¬ 

born  1913. 

50.  Weingärtner,  .R.  M.:  Beiträge  zur  Geologie  des  Großherzog¬ 

tums  Oldenburg  I.  Diese  Zeitschr.  Bd.  70,  Berlin  1918, 
S.  37—61. 


Über  den  Gebirgsbau  des  preußisch¬ 
holländischen  Grenzgebietes. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  5.  März  1924.) 

Von  Herrn  Richard  Bartling  in  Berlin. 

(Hierzu  Tafel  I.) 

Das  preußisch-holländische  Grenzgebiet  ist  in  seinem 
Bau  trotz  einer  Reihe  von  wichtigen  Arbeiten,  die  in  den 
letzten  Jahren  erschienen  sind,  insbesondere  von  P.  Kbusch, 
G.  Müller  und  mir,  sowie  den  Veröffentlichungen  der 
Holländischen  Geologischen  Land*sanstalt  (Rijks  Geo- 
giche  Dienst),  noch  ziemlich  unbekannt  geblieben  und  hat 
nicht  die  Beachtung  gefunden,  die  diesem  Gebiet  in  strati¬ 
graphischer,  fazieller  und  tektonischer  Hinsicht  zukommt. 


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53 


K 

Seit  der  letzten  Veröffentlichung  von  P.  Kkusch1)  sind 
wichtige  neue  Beobachtungen  gemacht  worden,  besonders 
dadurch,  daß  zum  ersten  Male  in  dieser  Gegend  ein  Blatt 
der  geologischen  Spezialkarte  von  Preußen  1 : 25  000,  das 
Blatt  Ochtrup,  zum  Abschluß  gebracht  wurde.  Außer¬ 
dem  hat  uns  die  neue  Tiefbohrung  Corle  bei  Winterswijk 
in  der  Kenntnis  des  Gebirgsbaus  wesentlich  vorwärts  ge¬ 
bracht. 

Wir  kennen  in  dem  in  Frage  kommenden  Gebiet  alle. 
Formationen  vom  Produktiven  Karbon  aufwärts.  In  dieser 
Reihe  felilt  das  Rotliegende,  das  hier  wie  im  ganzen  Nord- 
Westdeutschland  nicht  zur  Ausbildung  gekommen  ist,  ferner 
fast  der  ganze  Keuper  und  Teile  des  Juras.  Das  Tertiär 
greift  nur  wenig  auf  dieses  Gebiet  über  und  i^t  (Vollständiger 
erst  weiter  westlich  auf  holländischem  Staatsgebiet  ent¬ 
wickelt. 

Durch  die  Arbeiten  von  P.  Krusch  und  die  Veröffent¬ 
lichungen  der  Rijksopsporing  van  Delf stoffen  war  bislang 
am  besten  das  Gebiet  von  Winterswijk  bekannt.  Hier 
liegt  eine  Aufpressung  des  älteren  Untergrundes  vor,  die 
auf  deutschem  Staatsgebiet  beginnt  und  sich  nach  Westen 
bis  über  den  Ort.  Winterswijk  hinaus  fortsetzt.  Die  Auf¬ 
pressung  verläuft  ungefähr  in  ostwestlicher  Richtung.  Ihr 
Südrand  zeigt  sehr  starke  Pressungserscheinungen,  die 
sich  in  starken  Überschiebungen  und  in  einer  Aufsattelung 
des  Untergrunds  äußern.  Wieweit  sich  diese  Aufpressungs¬ 
zone  nach  Westen  fortsetzt,  ist  vorläufig  noch  unbekannt. 
Sie  verschwindet  in  dieser  Richtung  unter  einer  mächtigen 
Tertiärdecke,  die  nach  den  holländischen  Untersuchungs¬ 
bohrungen  bei  Lichtenvoorde  schon  200  m  Mächtigkeit  über¬ 
schreitet. 

In  der  Aufpressung  selbst  treten  mittlerer  und  unterer 
Buntsandstein  zu  beiden  Seiten  der  Grenze  zutage;  auf 
holländischem  Staatsgebiet  auch  noch  der  Muschelkalk.  Hier 
ist  östlich  von  Winterswijk  in  einer  Flachbohrung  außerdem 
unter  der  Tertiärdecke  unmittelbar  der  Zechstein  ange¬ 
troffen  worden. 

Die  ältere  Bohrung  Plante  ngaar de  bei  Winters¬ 
wijk  ist  in  der  Nähe  des  stark  gestörten  Scholienrandes 
angesetzt.  Sie  traf  infolgedessen  außerordentlich  verwickelte 
Verhältnisse.  Unter  Buntsandstein  und  Zechstein  wurde 

*)  P.  Krusch,  Der  Gebirgsbau  im  Preußisch-Holländischen 
Grenzgebiet  von  Winterswijk,  Weseke,  Buurse  usw.  Diese  Ztsehr., 
1919,  Bd.  71,  Monatsber.  S.  139. 


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54 


schon  in  geringer  Tiefe  das  Steinkohlengebirge  angebohrt. 
Darunter  folgte  aber  nochmals  Zechstein  und  erst  in  größerer 
Tiefe  wieder  das  Steinkohlengebirge.  Eine  neue  Bohrung, 
die  im  November  1923  eingestellt  wurde,  in  Corle,  etwa 
3  km  westlich  von  Winterswijk,  wurde  daher  von  vornherein 
so  angesetzt,  daß  die  Nähe  des  Schollenrandes  vermieden 
wurde.  Man  rechnete  damit,  daß  sich  wenig  nördlich  dieses 
Schollenrandes  normale  Verhältnisse  einstellen  würden  und 
tatsächlich  wurde  diese  Annahme  vollkommen  bestätigt. 
Unter  Tertiär,  Buntsandstein  und  Zechstein  wurde  hier 
das  Karbon  in  690  m  Tiefe  im  wesentlichen  in  ruhiger, 
flacher  Lagerung  angetroffen.  Im  Karbon  ist  die  Bohrung 
bis  1284  m  Tiefe  fortgesetzt.  Dabei  zeigten  sich  noch  ver¬ 
schiedentlich  durch  plötzliche  Zunahme  des  Einladens  und 
das  Auftreten  von  Klüften  Anzeichen  für  das  Vorhanden¬ 
sein  von  Störungen,  die  vorläufig  nur  als  flache  Über¬ 
schiebungen  gedeutet  werden  können.  Diese  Bohrung 
brachte  noch  andere  Überraschungen,  wie  z.  B.  das  Auftreten 
von  Erdöl  im  Zeclistein  und  im  Karbon  und  das  Vorkommen 
eines  Eruptivgesteinsganges  im  Karbon,  worauf  jedoch  an 
dieser  Stelle  nicht  näher  eingegangen  werden  soll. 

Der  Schollenrand,  ist  etwa  'ly*  km  südlich  dieser  Bohrung 
zu  suchen.  Es  zeigt  sich  also,  daß  in  dieser  Gegend  nur 
der.  Schollenrand  sehr  starke  Faltungs-  und  Störungs¬ 
erscheinungen  aufweist  und  daß  nördlich'  davon  mit  ruhigen, 
wenig  gestörten  Lagerungs Verhältnissen  zu  rechnen  ist.  Diese 
Tatsache  wird  auch  bestätigt  durch  die  albe  Tiefbohrung 
R  a  t  u  m  ,  die  ebenfalls  ruhige  Lagerungsverhältnisse  an¬ 
traf,  die  das  Karbon  allerdings  erst  in  größerer  Tiefe  er¬ 
reichte,  sowie  durch  die  Tiefbohrungen  Vreden  und  Ei¬ 
bergen. 

Von  besonderem  Interesse  ist  der  Bau  des  südlichen 
Vorlandes  der  Aufsattelungszone  von  Winterswijk.  Hier 
verschleiert  zwar  mächtigeres  Diluvium  und  Tertiär  viel¬ 
fach  den  Bau  des  älteren  Untergrunds;  immerhin  finden 
sich  aber  in  Gräben,  Wasserläufen  und  auf  deutschem 
Gebiet  auch  in  Steinbrüchen  eine  genügende  Anzahl  von 
Aufschlüssen,  die  auf  holländischer  Seite  durch  eine  große 
Zahl  von  Flachbohrungen  ergänzt  sind.  Hieraus  ergibt 
sich,  daß  unmittelbar  südlich  des  Schollenrandes  alle  jün¬ 
geren  Formationen  bis  zur  Oberen  Kreide  einschließlich 
in  einer  schmalen  Mulde  eingefaltet  sind,  die  parallel  zum 
Schollenrande  streicht.  Südlich  davon  folgt  ein  flacher 
Sattel,  in  dessen  Kern  der  Ort  Weseke  liegt.  Um  den 


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Ort  Weseke  herum  verlaufen  in  Sattelstellung  die  Schichten 
des  Cenomans  und  Turons.  Unter  diesen  tritt  Gault  zu¬ 
tage  und  im  Kern  des  Satetls  liegen  westlich  davon  in 
großer  Ausdehnung  Schichten  des  Doggers  und  des  Lias. 

Dieser  Bau  der  Aufpressungszone  wiederholt  sich  bei 
allen  anderen  bekannten  Fundpunkten  des  älteren  Gebirges 
im  Grenzgebiet,  und  zwar  in  den  Aufpressungen,  die  als 
Sattel  von  Lünten,  Sattel  von  Alstätte  und 
Haarmühle  und  dem  Sattel  von  Ochtrup-Gro¬ 
nau  bekannt  sind. 

Durch  die  neue  geologische  Spezialaufnahme  ist  letz¬ 
terer  am  besten  bekannt  geworden  (vgl.  den  Querschnitt 
Isterberg — Bentheim — Ochtrup — Metelen  auf  Taf.  I).  An 
der  Oberfläche  findet  sich  in  diesem  Sattel  als  ältestes 
Glied  der  Schichtenreihe  der  mittlere  Bundsandstein.  Durch 
die  Tiefbohrungen  Salzreich  I  und  II  ist  hierunter  der 
Zechstein  nachgewiesen  und  in  einer  der  Bohrungen  auch 
das  Produktive  Karbon.  Es  zeigte  sich,  über  Tage, 
wie  durch  die  Bohrungen,  daß  sich  die  Sattellinie  nach 
Osten  heraushebt.  *  Die  Bohrung  Salzreich  III,  die  nahe 
dem  Ostende  des  Sattels  niedergebracht  wurde,  schien  also 
am  meisten  Aussicht  zu  haben,  Zechstein  und  Karbon  in 
geringer  Tiefe  zu  erreichen.  In  dieser  Bohrung  wurde 
aber  unter  dem  Buntsandstein  stark  gestörter  Zeclistein 
angetroffen,  dessen  Salzlager  ausgelaugt  waren,  und  unter 
dem  Zechstein,  in  dem'  das  Einfallen  der  Schichten  allmäh¬ 
lich  bis  90°  zunahm,  wurde  der  Bentheimer  Sandstein  der 
Unteren  Kreide  angebohrt,  der  durch  G.  Müller  auf  Grund 
von  Versteinerungsfunden  einwandfrei  bestimmt  werden 
konnte. 

Wir  haben  liier  also  eine  sehr  bedeutende  Überschie¬ 
bung,  die  den  ganzen  Südost-  und  Südrand  der  Trias -Zech¬ 
stein  scholl  o*  begleitet  und  die  auch  über  Tage  genau  fest¬ 
gelegt  werden  konnte.  Sie  verläuft  in  der  Nähe  der  er¬ 
wähnten  Bohrung  in  nordost— südwestlicher  Richtung  und 
biegt  weiter  westlich  allmählich  in  ostwestliche  Richtung 
um.  Sie  wird  weiter  südlich  von  einer  Parallelstörung 
begleitet,  die  zwischen  Cenoman-Turon  und  den  älteren 
Kreideschichten  anzunehmen  ist.  Diese  Störung  ist  weniger 
gut  aufgeschlossen.  Ihr  Vorhandensein  ergibt  sich  jedoch 
aus  dem  Verhalten  der  Kreideschichten  und  dem  Aus¬ 
fallen  verschiedener  Schichtenglieder,  insbesondere  des  ge¬ 
samten  Gaults.  Wie  mir  Herr  Tn.  Wegxeb  in  Münster 
freundlichst  mitteilte,  hat  er  im  Cenoman,  südlich  des  Och- 


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truper  Sattels,  senkrechte  Schichtenstellung  beobachtet.  Mir 
selbst  stand  in  diesen  Schichten  kein  so  günstiger  Auf- 
schjuß  zur  Verfügung.  Ich  hatte  jedoch  den  Eindruck, 
daß  stellenweise  fast  horizontale  Lagerung  anzunehmen  ist. 
Tatsächlich  habe  ich  im  Sommer  1923  auch  etwas  weiter 
nördlich  in  den  Schichten  des  mittleren  Neokoms  in  der 
Ausschachtung  für  einen  Neubau  sehr  flache  Lagerung¬ 
beobachtet.  Diese  Beobachtungen  lassen  sich  mit  denen 
Wecjners  sehr  gut  in  Einklang  bringen,  wenn  man  annimmt, 
daß  südlich  des  Schollenrandes  hier  ebenso  wie  bei  Winters- 
wijk  die  Kreideschichten  in  einer  stark  gestörten  und  von 
streichenden  Störungen  durchzogenen  Mulde  eingepreßt  sind 
oder  wenigstens,  wie  in  dem  Profil  auf  Taf.  I  dargestellt,  am 
Schollenrande  ähnlich  wie  am  Osning  aufgepreßt  und  schräg 
gestellt  sind. 

Ebenso  wie  der  Südrand  der  Triasseholle,  wird  auch  der 
Nordabfall  von  einer  Anzahl  von  streichenden  Störungen 
begleitet,  an  der  die  Schichtenmächtigkeiten  des  Rots, 
Muschelkalks.  Wealdens  und  zum  Teil  auch  des  Neokoms 
stark  vermindert  sind.  Zum  Teil  sind  diese  Schichten  in¬ 
folge  der  Störungen  hier  auch  ganz  ausgefallen.  Nach 
dem  Ergebnis  der  geologischen  Aufnahme  kann  es  sich 
hier  nur  um  Überschiebungen  handeln,  deren  Einfällen 
flacher  ist  als  das  der  davon  betroffenen  Schichten. 

Mit  diesen  Überschiebungen  sind  eine  große  Anzahl 
von  Querstörungen  verbunden,  denen  jedoch  keine  große 
Bedeutung  beizulegen  ist.  Es  ist  wahrscheinlich,  daß  die 
übergeschobenen  Schollen  zerbrochen  und  zerrissen  sind  ui^l 
infolgedessen  von  zahllosen  Querverwerfungen  geringeren 
Umfangs  durchsetzt  werden,  deren  Weiterverfolgung  in  die 
hangenden  und  liegenden  Schichten  nicht  möglich  ist. 

An  diesen  steil  aufgepreßten  Ochtrup  e  r  Hors  t 
schließt  sich  im  Norden  die  sehr  breite  Bre c h  tem uld  e 
an,  die  in  der  Literatur  auch  unter  der  Bezeichnung  Bent- 
heim-Ochtruper  Toneisenstein-Mulde2)  bekannt  ist.  Die 
Mulde  hat  ungefähr  eine  Breite  von  8  bis  10  km  und  au/ 
beiden  Flügeln  gleichmäßiges,  flaches  Einfällen  bis  zu 
30°.  Der  westliche  Muldenschluß  wird  auf  holländischem 
Staatsgebiet  bei  dem  Dorfe  Losser  durch  einen  nordsüd* 


2)  Die  Verbindungslinie  Bentheim-Ochtrup  läuft  quer  zum 
Streichen  der  Muldenachse.  Bentheim  liegt  auf  dem  nördlichen 
Muldenflügel,  Ochtrup  noch  südlich  des  die  Mulde  im  Süden  ab 
schließenden  Horstes  oder  Sattels.  Die  Bezeichnung-  der  Muld** 
nach  diesen  beiden  Orten  ist  also  ungenau  und  irreführend. 


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lieh  verlaufenden  Zu g  des  Gildehäuser  Sandsteins  bezeich¬ 
net.  Nach  Osten  hin  läßt  sich  die  Muldenlinie  bis  in  die 
obere  Kreide  dos  Bilker  Berges  verfolgen.  Im  Südflügel 
der  Mulde,  die  fast  ganz  mit  den  gleichmäßigen  tonigen 
Schichten  des  Neokoms  erfüllt  ist,  treten  wahrscheinlich  noch 
eine  oder  mehrere  streichende  Verwerfungen  auf,  da  der 
Wechsel  dos  Einfallens  auf  andere  Weise  hier  nicht  zu 
erklären  ist.  Die  genaue  Lage  dieser  Störungen  läßt  sich 
in  den  petrographisch  eintönigen  Schichten  nicht  ganz  sicher 
festlegen. 

An  die  Brechte-Mulde  schließt  sich  nördlich  der  S  c  h  ü  t  - 
torfer  Sattel  an,  der  von  E.  Harbort  Alter  der  Be¬ 
zeichnung  Bentheim-Isterberger  Sattel3)  in  der  Literatur 
bekannter  gemacht  ist.  Auch  dieser  Sattel  ist  ebenso  wie 
die  südlich  vorgelagerte  Brechtemulde  eine  breite,  weit- 
spannige  Schichten  Verbiegung,  die  in  auffälligstem  Gegen¬ 
satz  zu  dem  Ochtruper  Horst  steht.  Der  Bau  dieses  Sattels 
ist  durch  die  von  Harbort  beschriebenen  Bohrungen  und 
gute  Aufschlüsse  über  Tage  sehr  gut  bekannt.  Sein  Süd¬ 
flügel  wird  durch  die  Bergrücken  des  Bentheimer  und 
des  Gildehäuser  Sandsteins  bezeichnet.  Im  Nordflügel  senkt 
sieh  der  Bentheimer  Sandstein  mit  einem  Einfällen  bis  zu 
o  im  Isterberg  wieder  fein.  Der  Sattel  taucht  nach  Westen 
hin  unter  und  seine  Flügel  scheinen  sich  im  Bentheimer 
Sandstein  noch  vor  der  holländischen  Grenze  zusammen 
zu  schließen.  Es  ist  jedoch  wahrscheinlich,  daß  sich  weiter 
westlich  ein  nochmaliges  Herausheben  des  Sattels  vor¬ 
finden  wird,  da  weiter  westlich  auf  holländischem  Staats¬ 
gebiet  wiederum  Schichten  des  Wealden  erbohrt  sind.  Über 
Tage  macht  sich  das  Herausheben  des  Sattels  nach  Osten 
hin  deutlich  durch  ein  Divergieren  der  Sattelflügel  bemerk¬ 
bar.  Die  Tiefbohrung  Bentheim  im  Bentheimer  Wald  stand 
also  an  einer  verhältnismäßig  ungünstigen  Stelle.  Wahr¬ 
scheinlich  sind  die  Salz  und  Petroleum  führenden  Schichten 
in  wesentlich  geringerer  Tiefe  bei  Schüttorf  zu  erreichen. 
Hierfür  spricht  außer  den  angeführten  Gründen  auch  da« 
Auftreten  eines  kreisrunden  Erdfalles  in  der  Vechte- 
niederung  nahe  an  der  Eisenbahn  von  Schüttorf  nach  Salz¬ 
bergen,  der  auf  die  Auslaugung  von  Gips  oder  Salz  zurück - 


3)  Hinsichtlich  der  Bezeichnung  nach  den  auf  den  Flügeln 
liegenden  Bentheim  und  Isterberg  gilt  ähnliches  wie  bei  der 
ikefhtemulde.  Hie  Bezeichnung  „S  c  h  ü  1 1  o  r  f  e  r  Sattel“  nach 
(lem  in  der  Sattelachse  liegenden  Städtchen  dürfte  zweckmäßiger 
sein. 


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zuführen  ist.  Ob  es  sich  hierbei  um  Auslaugrung  löslicher 
Schichten  im  oberen  Jura,  im  Röt  oder  Zechstein  handelt, 
steht  noch  nicht  fest,  wahrscheinlich  dürfte  es  sich  bei 
dem  sehr  einfachen  Bau  des  Sattels  um  Juraschichten 
handeln,  so  daß  hier  also  der  Zechstein  und  dessen  Unter¬ 
grund  wenigstens  400  bis  500  m  früher  erreicht  werden 
können  als  in  der  Tiefbohrung  Bentheim  I. 

Wie  weit  sich  der  Sattel  nach  Osten  hin  fort* 
setzt,  ist  unbekannt.  Er  verschwindet  bereits  östlich 
von  Schüttorf  unter  mächtigeren  Diluvialmassen,  die  sich 
von  liier  bis  weit  östlich  der  Ems  ausdehnen.  Es  wäre  denk¬ 
bar,  daß  wir  hier  die  Fortsetzung  der  Osningachse  zu 
suchen  haben,  die  in  der  Gegend  von  Rheine  aus  ihrer 
herzynischen  Richtung  in  die  reine  Ostwestrichtung  um¬ 
biegt.  Allerdings  hat  sich  ihr  Charakter  hier  vollkommen 
geändert.  Aus  der  starken  schmalen  mit  Überschiebungen 
verbundenen  Aufpressung  des  Osnings  wräre  dann  hier  eine 
ganz  flache  weitspannige  Verbiegung  geworden,  die  in  ihrer 
Erscheinungsform  kaum  noch  Ähnlichkeit  mit- einander  haben 
und  demnach  auch  in  der  Ursache  verschieden  sein  müssen. 

Mit  dem  Ochtruper  Sattel  kann  die  Osningachse  nicht 
in  Verbindung  gebracht  werden,  da  sich  dieser  Sattel  auch 
in  der  oberen  Kreide  fortsotzt  und  sich  im  Untersenon 
noch  bis  in  die  Gegend  von  Burgsteinfurt  bemerkbar  macht. 
Zwischen  der  holländischen  Grenze  und  dem  Rotenberg, 
östlich  von  Ochtrup,  verläuft  er  fast  genau  ostwestlich  und 
biegt  erst  hier  über  Wettringen  bis  über  Burgsteinfurt  hinaus 
in  die  herzynische  Richtung  um.  Im  östlichen  Teil  ver¬ 
läuft  also  die  Sattellinie  bereits  parallel  zur  Osningachse, 
kann  also  nicht  als  deren  Fortsetzung  angesehen  werden. 

Weniger  bekannt  als  die  beiden  erwähnten  Sättel  von 
Ochtrup  und  Winterswijk  sind  die  Sättel  von  Lünten  und  von 
Alstätte.  Der  Sattel  von  Lünten  ist  bereits  auf  der 
DKCHEXschen  Karte  verzeichnet.  G.  Müller  hat  später 
den  Nachweis  geführt,  daß  der  vermeintliche  Obere  Jura 
v.  Dechens  Muschelkalk  ist.  Von  besonderem  Interesse 
ist,  daß  in  der  östlichen  Fortsetzung  des  Sattels  ausgedehnte 
Flächen  mit  Braunkohlentertiär  liegen,  das  sonst  in  dieser 
Gegend  vollständig  fehlt.  Die  Erhaltung  dieser  Schichten 
kann  nur  darauf  zurückgeführt  werden,  daß  hier  ein  Ein¬ 
bruch  infolge  Auslaugung  löslicher  Schichten  erfolgt  ist. 
Nach  dem  Vorkommen  des  Muschelkalks  unmittelbar  west¬ 
lich  von  dieser  Tertiärfläche  müssen  wir  annehmen,  daß 
die  Auslaugung  die  Rötsalze  betroffen  hat.  Es  ist  also 


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wahrscheinlich,  daß  inan  in  diesem  Gebiet,  dessen  genauere 
ireologische  Aufnahme  für  diesen  Sommer  vorgesehen  ist, 
unmittelbar  unter  dem  Tertiär  und  unter  Resten  von  Röt  den 
mittleren  Buntsandstein  erreichen  wird.  Der  Lüntener 
Sättel  wird  ebenso  wie  der  Sattel  von  Winterswijk  und  der 
von  Ochtrup  im  Süden  von  einer  streichenden  Störung 
begrenzt.  Südlich  von  dieser  ist  auch  hier  die  Kreide  ein¬ 
gefaltet.  Auch  in  dieser  Eigenschaft  stimmen  die  drei 
Sättel  vollständig  mit  einander  überein. 

Das  gleiche  gilt  auch  von  dem  Sattel  vonAlstätte- 
Haarmühle,  der  nur  wenig  auf  deutsches  Gebiet  Über¬ 
tritt.  Ob  diesem  Sattel  die  gleiche  Bedeutung  zukommt 
wie  den  drei  großen  Sätteln  von  Winterswijk,  Lünten  und 
Ochtrup,  steht  vorläufig  noch  nicht  fest.  Es  ist  nicht  aus¬ 
geschlossen,  daß  es  sich  hier  um  eine  flachwellige,  weit- 
spannige  Verbiegung,  ähnlich  wie  beim  Schüttorfer  Sattel, 
handelt.  Hierfür  würde  jedenfalls  die  flache  Lagerung 
in  allen  Teilen  des  Sattels  und  die  Ergebnisse  der  ver¬ 
schiedenen  holländischen  Tiefbohrungen  in  der  westlichen 
Fortsetzung  bei  Buurse  und  Boekelo  sprechen.  In  allen 
Bohrungen  ist  dort  in  geringer  Tiefe  mit  flacher  Lagerung 
Röt  und  Bunt  Sandstein  erbohrt. 

Bei  allen  diesen  Sätteln  ist  also  das  Charakteristische, 
öaß  die  starken  Aufpressungen,  verbunden  mit  Überschie¬ 
bungen,  sich  auf  die  schmale  südliche  Randzone  einer 
Scholle  beschränken.  Nördlich  von  dieser  Randzone  herr¬ 
schen  in  ganz  geringer  Entfernung  vom  Schollenrand  voll¬ 
kommen  ruhige  Lagerungsverhältnisse.  Es  folgen  auf  den 
stark  gepreßten  Schollenrand  meist  noch  einige  weit- 
spannige,  flache  Verbiegungen  der  Schichten,  die  nach 
Norden  hin  ausklingen,  bis  sich  an  der  nächsten  Scholle 
die  Pressungserscheinungen  wiederholen.  Wir  haben  es 
demnach  in  diesem  Gebiet  nirgends  m’it  einer  eigent¬ 
lichen  Faltung,  die  etwra  der  spätkarbonisehen  Faltung 
vergleichbar  wäre,  zu  tun,  sondern  nur  mit  gepreßten 
Schollenrändern,  wobei  die  Wirkung  der  Aufsattelung 
durch  die  Plastizität  der  Zechsteinsalze  naturgemäß  er¬ 
höht  ist. 

Von  ganz  besonderer  Wichtigkeit  ist  aber,  daß  die  Auf¬ 
pressungen  der  verschiedenen  schmalen  Sättel  sich  nicht 
auf  die  Schichten  vomZechsteinsalzaufwärts 
beschränken,  sondern  daß  auch  der  präsali- 
nare  Untergrund  in  gleich  starker  Weise 
davon  betroffen  ist.  Die  Tatsache,  daß  auch  das 


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Paläozoikum  stark  hochgepreßt  ist,  ist  durch  verschiedene 
Bohrungen  bei  Winterswijk,  Oeding  und  Ochtrup  einwand¬ 
frei  nachgewiesen.  Die  Zechsteinsalze  haben  lediglich  be¬ 
wirkt,  daß  die  Aufwölbung  der  Schichten  über  ihnen  eine 
noch  intensivere  wurde. 

Vergleicht  man  dieses  Gebiet  mit  den  anderen  deutschen 
Salzgebieten,  besonders  zwischen  Harz  und  Flechtinger 
Höhenzug,  das  vor  kurzem  von  Herrn  Woldstedt  in  einem 
leider  noch  nicht  gedruckten  Vortrage  in  der  Preuß.  Geo¬ 
logischen  Landesanstalt  sehr  klar  dargestellt  wurde,  so 
ergibt  sich  eine  auffallende  Übereinstimmung  in  der  Tektonik, 
die  sich  in  dem  auffälligen  Wechsel  schmaler  Aufpressungs¬ 
zonen  mit  breiten,  ungestörten  und  nur  sehr  schwach  ver¬ 
bogenen  Schollen  ausprägt.  Das  Bild  der  tektonischen  Groß- 
und  Klcinformen  ist  hiernach  im  holländischen  Grenzgebiet 
das  gleiche.  Nach  meiden  Beobachtungen  im  westlichen  West¬ 
falen  und  Hannover  ist  daher  auch  mit  großer  Wahrschein¬ 
lichkeit  anzunehmen,  daß  auch  zwischen  Harz  und  Flechtin- 
ger  Höhenzug  und  in  anderen  Gebieten  m  e  h  r  a  1  s  bisher 
angenommen  wurde,  derpräsalinare  Untergrund 
an  den  Aufpressungen  beteiligt  ist  und  daß  die  Plastizität 
der  Zechsteinsalze  n  u  r  eine  Vermehrung  der  Aufwölbung 
in  den  höheren  Schichten  hervorgerufen  hat.  Wo  in  jenen 
Gebieten  nicht  einwandfrei  die  vollkommen  horizontale  Lage 
des  unteren  Zechsteins  nachgewiesen  ist,  müssen  wir  nach 
diesen  Erfahrungen  an  der  holländischen  Grenze  annehmen, 
daß  auch  das  Paläozoikum  unter  dem  Zechstein  mit  auf- 
gewölbt  ist  und  daß  damit  auch  das  Produktive 
Karbon  in  anderen  Gegenden  am  Rande  des 
norddeutschen  Flachlands  in  erreichbare 
Tiefe  heraufkommt. 

Es  bleibt  noch  die  Frage  zu  prüfen,  ob  diese  an  der 
holländischen  Grenzö 1  nachgewiesenen  Achsen  in  Zusammen¬ 
hang  gebracht  werden  können  mit  den  von  H.  Stille  am 
Ostrand  des  Münsterschen  Beckens  festgelegten  Achsen. 
Nach  meiner  Auffassung  ist  die  Osningachse  w öst¬ 
lich  der  Ems  nicht  mehr  vorhanden.  Ihre  Fort¬ 
setzung  macht  sich  höchstens  in  dem  flachen  Schüttorfer 
Sattel  bemerkbar.  Hier  hat  offenbar  der  südlich  vorgelagerte 
Schollenrand  den  Druck  aufgefangen,  der  im  Osning  zur 
Aufwölbung  der  Osningachse  führte. 

Ob  Stilles  Berlebecker  Achse  nach  Westen  hin 
durchgeht,  ist  nicht  sicher  nachzuweisen.  Es  ist  jedoch 
wahrscheinlich,  daß  wir  die  westliche  Fortsetzung  dieser 


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Achse  in  dem  Sattel  von  Rothenfelde  und  weiter  westlich 
im  Oehtruper  Sattel  zu  suchen  haben.  Wenn  diese  Auf¬ 
fassung  richtig  ist,  so  würden  wir  uns  in  den  Sätteln 
von  Alstätte  und  Lünten  die  westliche  Fortsetzung  der 
beiden  Äste  der  Driburger  Achse  vorstellen  können 
und  hätten  im  Winterswijker  Schollenrand  die  westliche 
Fortsetzung  der  Warburger  Achse  zu  erblicken.  Mit 
Sicherheit  ist  ein  solcher  Zusammenhang  nicht  na-chzuweisen. 
Die  Übereinstimmung  der  Zahl  der  Achsen,  die  östlich 
und  westlich  des  Münsterschen  Beckens  unter  der  oberen 
Kreide  auftauchen,  und  ihrer  Lage  zur  Osningachse,  die 
als  die  bedeutendste  anzusehen  ist,  ist  jedoch  höchst  auf¬ 
fällig.  Ein  Nachweis  wird  durch  geophysikalische  Unter¬ 
suchungsmethoden  (Pendel-  und  Drehwagemessungen)  zu 
erbringen  sein.  Solche  Untersuchungen  würden  wegen  der 
sicher  vorhandenen  Aufwölbungen  der  älteren  Schichten 
mit  ihren  nutzbaren  Ablagerungen  nicht  ohne#praktische 
Bedeutung  sein. 

Über  das  Alter  der  Aufpressungen  an  der  hol¬ 
ländischen  Grenze  sind  wir  verhältnismäßig  gut  unter¬ 
richtet.  Die  Aufpressung  stellt  nicht  einen  einmaligen  Vor¬ 
gang  dar,  sondern  hat  sich  offenbar  im  Wechsel  von 
Perioden  der  Ruhe  und  der  Bewegung  über  einen  längeren 
Zeitraum  ausgedehnt.  Während  in  der  Bohrung  Bentheim  I 
unter  dem  Wealden  der  Jura  fast  vollständig  vorhanden 
ist,  fehlt  er  im  Oehtruper  Sattel  bereits  vollständig..  Hier 
müssen  also  bereits  vor  Ablagerung  des  Wealden  Be¬ 
wegungen  eingetreten  sein,  die  zur  Zerstörung  des  gesamten 
Jura  geführt  haben.  Vom  Wealden  bis  zum  oberen  Turon 
haben  wir  hier  ein  lückenloses  Profil.  In  dieser  Periode 
können  hier  nur  kleinere  Gebirgsbewegungen  erfolgt  sein, 
deren  Wirkungen  sich  in  dem  Auftreten  der  Kreidesand¬ 
steine  und  in .  Rotfärbungen  darin  äußern,  die  auf  Zer¬ 
störung  von  Bunteandstein  hindeuten.  Dagegen  sprechen 
die  Seichtwasserbildungen  im  Cenoman  und  Turon  in  der 
Gegend  von  Wessum,  Wüllen  und  Stadtlohn  dafür,  daß 
in  dieser  Periode  eine  stärkere  Aufwölbung  des  Schollen¬ 
gebiets  an  der  holländischen  Grenze  bereits  einsetzte,  ohne 
daß  irgendwo  die  Meeresoberfläche  erreicht  wurde. 

Zweifellos  tauchte  das  ältere  Gebirge  jedoch  zur  Unter- 
senonzeit  schon  stellenweise  an  die  Oberfläche.  Hierfür 
spricht  nicht  nur  das  Auftreten  der  sandigen  Fazies  im 
Untersenon  im  westlichen  Teil  des  Münsterschen  Beckens, 
sondern  ganz  besonders  die  Ausbildungsform  dieser 


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Schichten  südlich  von  Ochtrup.  Hier  finden  sich  in  den 
sündigen  Untersenonschichten  sehr  häufig  Gerolle  und 
Bruchstücke  von  Röt  und  Buntsandstein,  ganz  besonders 
auch  von  weichen  tonigen  Gesteinen  des  Bundsandsteins,  die 
durch  die  Brandung  aus  nächster  Nähe  herangeschafft  sind. 
Ihren  Höhepunkt  erreichte  die  Aufpressung  der  Schollen¬ 
ränder  jedoch  erst  im  Tertiär,  da  auch  das  Untersenon 
aufgerichtet  ist  und  die  Sättel  mantelförmig  umgibt.  Es 
läßt  sich  das  ganz  besonders  im  Sattel  von  Winterswijk- 
öding  und  noch  besser  an  dem  von  Ochtrup  nachweisen. 

Die  Be wegungs Vorgänge  sind  liier  wahrscheinlich  nicht 
nur  einfaches,  wiederholtes  nickweises  Absinken,  sondern 
Schaukelbewegungen  gewesen,  ähnlich  wie  wir  sie  in 
ständiger  Wiederholung  seit  dem  Spätkarbon  bis  in  die 
Neuzeit  an  den  Bruchlinien  im  Innern  der  niederrheinischen 
Bucht  kennen. 


•  • 

Uber  Wesen  und  Ursprung  der  postvaristischen 
Tektonik  Nordwestdeutschlands. 

Ein  Beitrag  zur  Kinematik  der  Schrägschollengebirge. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  J.  März  1924.) 

Von  Herrn  H.  Qi  iking. 

(Hierzu  Tafel  II  und  3  Textfiguren.) 

Seit  etwa  zelm  Jahren  steht  die  Frage  nach  Art  und 
Ursache  der  nachvaristischen  Bewegungen  in  Norddeutsch¬ 
land  im  Vordergrund  des  Interesses.  Ei  Je  reiche  Literatur 
ist-  entstanden;  reich  an  Beobachtungen,  Deutungs versuchen 
und  Gegensätzen.  Derjenige,  dem  die  Probleme  im  einzelnen 
fernerliegen,  glaubt-  insonderheit  zwei  grundsätzlich  ver¬ 
schiedene  Anschauungen  erkennen  zu  können:  eine  ältere, 
von  Stille  und  seinen  Schülern  getragene,  die  das  Be¬ 
wegungsbild  durch  Faltungsvorgänge,  tangentiale  Pressun¬ 
gen,  entstanden  ansieht,  und  eine  jüngere,  die  aus  den 
tatsächlichen  Beobachtungen,  insbesondere  der  räumlichen 
Lage  der  Verwerfungen,  tangentiale  Pressung  u  n  d  Zerrung 
?,ls  bewegende  Faktoren  ableiten  will.  Eine  dritte  Ansicht, 


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in  markanter  Form  von  Lachmann1)  ausgesprochen,  die 
den  Zechsteinsalzen  eine  aktive  Rolle  zubilligen 
wollte,  scheint  überwunden  zu  sein.  Dem  Salz  wird  nur 
noch  Passivität  zuerkannt,  die  Fähigkeit  hydrodyna¬ 
mischen  Aufquellens  auf  Störungszonen  unter  Belastungs¬ 
druck,  wie  üabbort2)  überzeugend  dargetan  und  Schuh3) 
durch  Versuche  erhärtet  hat. 

Immerhin  ist  und  bleibt  die  bedeutende  Salzablage¬ 
rung  im  Untergrund  der  Senken  zwischen  den  Mittel¬ 
gebirgen  und  im  Bereich  einzelner  Schwellen  ein  schwer  zu 
eliminierender  Faktor,  und  so  ist  es  wohl  zu  erklären, 
daß  über  Wesen  und  Ursprung  der  rein  tektonischen  Be¬ 
wegungen  des  praesalinaren  Untergrunds  noch  so  wenig 
Klarheit  herrscht.  Die  ausgleichenden  Untersuchungen  * 
Haabmanns4)  und  Schuhs5)  bedeuten  zwar  einen  wesent¬ 
lichen  Fortschritt,  beide  haben  es  aber  nicht  vermocht, 
ihre  Ansichten  so  durchschlagend  und  eindeutig  zu  ge¬ 
stalten,  wie  dies  Stille  gelungen  ist.  Stilles  Auffassung, 
geläutert6)  im  Widerstand  gegen  einen  berechtigten  An¬ 
griff  Lachmanns7),  hat  zweifellos  viel  für  sich,  da  eine 
große  Zahl  von  Beobachtungen  für  eine  Druckst r*uktur 
des  saxonischen  Feldes  spricht. 

Wenn  ich  es  unternehme,  zur  Klärung  der  Frage  bei¬ 
zutragen,  •  so  bin  ich  mir  bewußt,  daß  dies  nur  unter 
günstigsten  Verhältnissen  gelingen  kann.  Wir  brauchen 
ein  Gebiet,  aufgebaut  aus  mesozoischen  und  känozoischen 
Sedimenten,  das  genügend  aufgeschlossen  und  das  möglichst 
salzfrei  ist.  Ferner  ist  es  erforderlich,  daß  Lagerungs- 
Verhältnisse  und  Schichtenfolgc,  vom  varistiseh  gefalteten 
Untergrund  angefangen,  auf  große  Flächen  hin  zu 

r)  R.  Lachmann,  Der  Salzauftrieb,  geophys.  Studien  über 
den  Bau  der  Salzmassen  Xorddeutsohlands.  Kali  1910. 

2)  E.  Hakbort,  Zur  Geologie  der  nordhamio versehen  Salz¬ 
horste.  Diese  Ztschr.  1910.  Bd.  62,  S.  326 ff. 

3)  F.  Scuun,  Beitrag  zur  Tektonik  unserer  Salzstocke.  Kali. 
1922.  Heft  1. 

4)  E.  Haarmann,  t'ber  Stauung  und  Zerrung  durch  einmalige 
und  wiederholte  Störungen.  Diese  Ztschr.  1920.  IUI.  72,  Abs., 
S.  218 ff. 

5)  F.  Schuh.  Die  saxoniselie  Gebirgsbildung.  Kali.  1922. 
Heft  8,  9,  15,  IG. 

6)  H.  Stille,  Hebung  und  Faltung  im  sogenannten  Scholien- 
Gebirge.  Diese  Ztschr.  1910.  Bd.  08.  Monatsber.,  S.  269 ff. 

7)  R.  Lachmann.  Zur  Klärung  tektonischer  Grundbegriffe. 
Eine  Entgegnung  auf  Stilles  „Saxoniselie  Faltung“.  Diese 
Ztschr.,  1914.  Bd.  Ob.  Monatsber.,  S.  227 ff. 


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überschauen  sind.  Gewiß  ist  die  Kleintektonik  von  Wert, 
deutbar  ist  sie  aller  nur  im  Rühmen  der  weiteren  Um¬ 
gebung,  des  Ganzen. 

Diese  Bedingungen  erfüllt  nur  e  i  n  Gebiet  in  Nord¬ 
westdeutschland,  das  Becken  von  Münster  mit  seinen 
Randzonen,  der  Niederrheinischen  Bucht,  denatektonischen 
Schwellen  von  Winterswijk  und  Osnabrück.  Das  in  diesem 
Gebiet  —  vom  Krefelder  Horst  und  der  Gegend  von  Wieden¬ 
brück  abgesehen  —  überall  im  Untergrund  entwickelte 
produktive  Karlxm  hat  eine  so  rege  Bohrtätigkeit  veranlaßt, 
daß  wir  über  Schichtenentwicklung  und  Lagerung  bis  zur 
1400-m-Isohypse  im  wesentlichen  unterrichtet  sind.  Und 
dort,  wo  Mesozoicum  und  Tertiär  über  1400  m  mächtig 
werden,  bei  Warendorf,  Münster,  Saerbeck  und  nördlich 
von  Wesel,  bietet  uns  die  ausgezeichnete  eingehende  Unter 
suchung  Bärtlings8)  eine  Handhabe,  die  in  ihrer  größten 
Tiefe  noch  nicht  erreichte  Karbonoberf lache  wenigstens  mit 
einiger  Genauigkeit  wissenschaftlich  abzuloten. 

Ich  darf  aber  noch  eine  Bemerkung  vorausschicken: 
Einen  Versuch,  wie  ich  ihn  durchführen  will,  hat  in  ähn¬ 
licher  Form  bereit«  K.  Lehmann9)  unternommen.  Leider 
aber  hat  Lehmann,  so  außerordentlich  befruchtend  auch 
seine  Trogtheoric  für  die  Deutung  des  Entstehungs- 
mechanismus  alpiner  Faltengebirge  geworden  ist,  für  unser 
Gebiet  zu  sehr  das  zeitliche  Moment  außer  acht  gelassen. 
Es  geht  nicht  an,  die  großen  Querstörungen  Westfalens, 
deren  Hauptausbildung  im  Oberkarbon  und  Rotliegenden 
erfolgt  ist,  zum  hypothetischen  „saxonischen  Trog“  Ever¬ 
dings  in  Beziehung  zu  setzen,  einem  Gebilde  heterogen¬ 
ster  Tektonik,  das  aus  den  verschiedenartigsten  Bewegungen 
im  Jura,  in  der  Oberkreide,  im  Alt-  und  Jungtertiär  hervor¬ 
gegangen  ist.  Bei  allen  tektonischen  Untersuchungen  ist 
es  erstes  Erfordernis,  alle  Vorgänge  streng  zeitlich  zu 
gruppieren;  nur  das  Gleichaltrige  oder  doch  nahezu  Gleich 
altrige  können  wir  genetisch  verknüpfen. 

In  Erfüllung  dieses  Grundsatzes  beschränke  ich  mich 
bei  meinen  Darlegungen  vorerst  auf  die  in  sich  wiederum 
gegliederte  vorletzte  Phase  der  Gebirgsbewegungen  Nord- 

8)  R.  BAkti.ixg,  Transgressionen,  Regressionen  und  Fazies 
verteilung  in  der  Mittleren  u.  Oberen  Kreide  des  Beckens  von 
Münster.  Ztschr.  d.  1).  Geol.  Ges.,  Bd.  72,  1920,  S.  161  ff. 

9)  K.  Lehmann,  Bas  rheinisch- westfälische  St?i nkohlenge birge 
als  Ergebnis  tektonischer  Vorgänge  in  geologischen  Trögen.  Glück¬ 
auf,  i020.  S.  2.S9  ff. 


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deutschlands,  die  als  Senkungsphase  in  der  Oberkreide  ihren 
Anfang  genommen  hat  und  im  Mittleren  Tertiär  abge¬ 
klungen  ist.  Erst  weiterhin  werde  ich  auf  die  dynamisch 
einfachere  Jüra- Unterkreidephase  und  die  im  Mittelmiocän 
beginnende  Hebungsphase  eingehen. 

"  Die  Sehrägschoile  von  Münster. 

Auf  Tafel  II  ist  ein  maßstabgetreues  Profil  von  Kempen 
zur  Ibbenbüren  er  Bergplatte,  also  etwa  senkrecht  zur  Nieder- 
rheinischen  Bucht  und  zur  Osning-Flexur,  wiederge geben. 
Wir  sehen,  wie  das  typische  Schollenfeld  der  Niederrheini¬ 
schen  Bruchzone  langsam  in  ein  wenig  gestörtes  Tafelland 
übergeht,  dessen  Karbonuntergrund  gleichmäßig  mit  1:34 
also  Mach  nach  NO  einfällt,  bei  Saerbeck  etwa  seine  tiefste 
Lage  erreicht,  um  dann  plötzlich  aufzusteigen,  so  daß  im 
Schal berg  von  Ibbenbüren  höchstes  Karbon  zutage  tritt 
Danach  zeigen  die  Sedimente  wieder  annähernd  horizontale 
Lagerungs  Verhältnisse. 

Zwei  tektonische  Großformen  stoßen  in  der  herzyniscji 
streichenden  Osning-Flexur  zusammen:  die  Scholle 
von  Münster  und  die  Scholle  von  Osnabrück. 

Wenn  wir  versuchen  wollen,  den  tektonischen  Vorgang 
der  Neigixng  der  Scholle  von  Münster  und  der  Bildung 
der  Flexur  zu  begrenzen,  so  bietet  sich  als  zeitlicher  Aus¬ 
gangspunkt  die  Transgression  der  Oberkreide.  Die  nach  N 
geneigte  Abrasionsfläche  muß  damals,  als '  die  Brandungs¬ 
woge  des  Cenomanmeeres  über  sie  hinwegging,  noch  hori¬ 
zontal  gelegen  haben.  Erst  danach  ist  die  Scholle  einseitig 
gesenkt  worden.  Der  Vorgang  hat  im  Cenoman  begonnen. 
Unterbrochen  im  Eocän  und  Unteroligocän,  nahm  er  nach 
fast  vollständiger  morphologischer  Einebnung  im  Mittel¬ 
und  Oberoligoeän  seinen  Fortgang,  um  kurz  vor  der  im 
Mittelmiocänen  beginnenden  Hebung  zu  kulminieren.  Der 
Uferrand  des  Oberkreidemeeres  lag  bei  Duisburg  und  dort 
lag  auch  der  Drehpunkt  der  Scholle  von  Münster  hei  ihrem 
Kippen. 

Die  D  r  u  c  k  f  1  e  x  u  r  (Stufenfalte)  des  Osning. 

Während  die  Scholle  von  Münster  sich  einseitig  nach  N 
neigte,  blieb  die  Scholle  von  Osnabrück  zurück,  und  es 
entstand  eine  Verbiegung  (Gelenkfalte,  Stufenfalte)  an  der 
Stelle,  wo  schon  durch  frühere  tektonische  Bewegungen 
eine  kritische  Zone  geschaffen  war,  wo  Spaltenbündel, 
namentlich  jurassischen  und  vielleicht  auch  altkretazischen 

5 


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Alters,  bestanden,  an  der  Osning-Bruchzoue.  Dort  äußerte 
sich  durch  die  Schrägstellung  der  Scholle  von  Münster  eine 
starke  tangentiale  Druckspannung  und  bildete  die  Bruch- 


.......  Sudo'ylgreme äcs  Tertiärs 

■+  +  ■*■■*■  Huste  des  Genonw/imrei  es 

•  - Verbreitung  der  Oberkreide 

vwuuuu  Sudostgrenze  des  produk¬ 
tiven  Carbons 

•  •  i :  • 1 ;  i : :  ■ :  Pressungszonen  J  \derSdtr*Q  - 

Vv\  Bruchzonen  JÄÄ* 
vs  X  4/rtertfJrs 

•  Tiefbohrungen  tu  ürnenf 

X  ••  ’  *  nicht  tu  stur  •  f 

CarbwobtH tiche  durchge fuhrt  //Gi 

- ProftUinien 


Fig.  1.  Strukturbild  der  Schrägscholle  von  Münster  und  ihrer 
Umrandung. 

Die  zugehörigen  Profile  sind  auf  Taf.  II  wiedergegeben. 


zone  zu  einer  Flexur,  einer  Stufenfalte,  um.  Der  Vorgang 
sei  durch  nebenstehende  Skizze  (Fig.  2)  erläutert. 

Wir  erhalten  ein  Bild,  das  vergleichbar  ist  demjenigen, 
das  ich  zur  Veranschaulichung  tektonischer  Bewegungen 
größeren  Ausmaßes  in  den  Ostkarpathen10)  gezeichnet  habe. 

10)  H.  Quiring,  Gebirgsbau  der  Ostkarpäthen,  Deckenlehre 
und  Vulkanismus.  Diese  Ztschr.,  1921,  Bd.  73.  Monatsber.,  S.  108 ff. 


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Die  Homologie  läßt  vermuten,  daß  die  Sehrägschollen- 
theorie  zur  Erklärung  zahlreicher  tektonischer  Be¬ 
wegung  s  Vorgänge  herangezogen  werden  kann. 

Die  Osning-Flexur  ist  kein  Faltengebirge,  auch  wenn 
sie  stellenweise  Überkippungen  und  Überschiebungen  auf¬ 
weist.  Diese  stärkeren  und  meist  nach  SW  gerichteten 
Druckerseheinungen  im  Bereich  der  Osningsehwelle  deuten 
geradezu  an,  daß  sie  mit  der  einseitigen  Senkung  der  Scholle 
von  Münster  genetisch  verbunden  sind,  die  in  gewissem 
Sinne  die  Scholle  von  Osnabrück  unterstoßen  hat.  Wie  in 


Zerrungsgelenk 

Bruchzone 
Bes  Miederrheins 


Pressungsgelenk 

ßdenkfatten  (Stufen fetten)  ^NO 


desDsnmg 

-m 


Scholle 

von 

Osnabrück 


Fig.  2.  Die  Schrägstellung  der  Scholle  von  Münster  und  die 
Bildung  der  Bewegungsformen  an  den  Schollenrändern  in  der 
Oberkreide-Alttertiär- Phase. 


den  Ostkarpathen,  ist  die  Überschiebun£srichtung 
durch  die  Höhenlagederbeiden  Großschollen 
zueinander  gegeben. 

Erwähnung  verdient  in  diesem  Zusammenhang,  daß  die 
Überschiebungen  weitgehend  durch  die  bereits  vorhandenen 
Störungen  vorgezeichnet  werden  zu  sein  scheinen.  Vor¬ 
handene  Klüfte,  früher,  z.  B.  in  der  Jurazeit,  vielleicht  als 
e-*ht«*  Zerrungsspalten  (Sprünge)  angelegt,  sind  durch  die 
Stauchung  und  Aufrichtung  der  Schichten  in  der  Ober¬ 
kreide-Alttertiärphase  in  eine  flacher  geneigte,  ja  sogar 
horizontale  Lage  geraten  und  wurden  so  zu  GleitfVäclien 
für  flache  Überschiebungen.  Meine  Anschauungen  decken 
sich,  wie  ich  hervorheben  darf,  mit  denen  der  Herren 
Bartling,  Mestwerdt  und  Haack,  die  im  Bereich  des  hier 
behandelten  Gebiets  arbeiten,  und  ich  glaube,  daß  auch 
Herr  Stille  ihnen  beipflichten  wird. 

Die  Bruchzone  des  Niederrheins. 

Der  Horst  von  Krefeld,  schon  zur  Karbonzeit  stabil, 
umbrandet  von  der  karbonisehen  Flach  sec,  war  im  Verein 

•  5* 


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mit  dem  östlich  anschließenden  devonischen  Rumpf  für 
die  schräggestellte  Scholle  von  Münster  das  Scharnier. 

Betrachten  wir  zunächst  einmal  zurückschauend  auf 
Abb.  2,  welche  dynamische  Rückwirkung  das  einseitige 
Kippen  der  Scholle  auf  das  Gebiet  der  Drehachse  hat: 

Die  Scholle  wird  sich  dort  um  dasselbe  Maß  von  der 
benachbarten  Scholle  von  Brabant  entfernen,  wie  sie 
sich  der  Scholle  von  Osnabrück  genähert  hat.  Hypothetisch 
muß  eine  riesige  Zerrspalte  entstehen,  die  allerdings  sofort 
durch  Abbrechen  der  Wände  an  Böschungssprün* 
gen  sich  zur  Grabenzone  umbilden  wird. 

Diese  theoretisch  zu  fordernde  Grabenzone  besteht:  es 
ist  die  Niederrheinische  Bucht,  soweit  sie  in  cenomaner  und 
po8tcenomaner  Zeit  eingebrochen  ist. 


Das  Maß  der  Pressung  und  Zerrung. 

Aus  Flözprofilen  habe  ich  vor  etwa  zehn  Jahren  zum 
erstenmal  Zerrungszahlen  zur  Ausdeutung  tektonischer 
Bewegungen  berechnet.  Jetzt,  wo  wir  die  genetischen  Zu¬ 
sammenhänge  zwischen  einseitiger  Senkung  und  Zerrung 
bzw.  Druck  genauer  überschauen,  ist  es  deduktiv  möglich, 
aus  der  Neigung  der  Großschollen  die  Zerrungszahl  für  den 
Zerrungsrand  zu  berechnen. 

Nehmen  w  ir  z.  B.  an,  daß  sich  der  Nordostrand  der 
Scholle  von  Münster  gegen  die  Scholle  von  Osnabrück  um 
2500  m  gesenkt11)  hat  und  daß  die  Scholle  von  Münster 
eine  Gesamtlänge  von  100  km  in  der  gewählten  Profil - 
linie  besitzt,  so  ergibt  sich  durch  die  Schrägstellung  am 
Widerlager,  der  Scholle  von  Osnabrück,  eine  Zusammen¬ 
pressung,  die  um  so  größer  ist,  je  mächtiger  die  sich  senkende 
Scholle  ist.  Ein  erster  Annäherungswert  läßt  sich  nach 
der  Beziehung 

Schollenmächtigkeit  _  Pressung 

Schollenlänge  Senkung,  bezogeri  auf  die  Nachbarscholle 
ermitteln.  In  nachstehender  Tabelle  sind  die  verschiedenen 
Prcssungszahlen.  die  sich  bei  der  Annahme  verschiedener 
Schollenmächtigkeiten  ergeben,  zusammengestellt. 


u)  Es  ist  hierbei  gleichgültig,  ob  es  sich  um  eine  absolute 
Senkung,  bezogen  auf  den  Erdmittelpunkt,  oder  um  eine  relative 
Senkung,  bezogen  auf  den  Meeresspiegel  bzw.  die  benachbarte 
Scholle,  handelt. 


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Maß  des  linearen  Zusammenschubes  bzw.  der  Zerrung 
an  den  Rändern  einer  schräggestellten  Großscholle. 


Schollenlänge 
bzw.  -breite 

.  Relative  Senkung  Linearer  Zusammen- 
Scbollen-  b*w.  Hebung  gegen-  scbub  am  8enknngg- 

mächtigkeit  ' ober  der  Nachbar-  rand  bzw.  Zerrung  am 
°  Scholle  Hebungsrand 

100  km  1 

i 

i 

i  40  km 
j  50  km 

70  km 
!  100  km 

1  km 

2,5  km  |  l’ff 

2,5  km 

Legen  wir  eine  Schollenmächtigkeit  von  60  km  zugrunde, 
so  hat  sich  die  Scholle  von  Münster  bei  der  Schrägstellung 
um  1.5  km  an  die  Scholle  von  Osnabrück  herangeschoben, 
In  der  Tat  zeigt  die  geologische  Aufnahme,  daß  derOsning 
einen  Zusammenschub  etwa  dieses  Betrags  erfahren  hat 

Angenähert  denselben  Wert  muß  die  jungkretazische  und 
tertiäre12)  Zerrung  im  Niederrheingebiet  erreichen.  Be¬ 
schränken  wTir  die  Auswirkungen  der  Zerrung  auf  die  West¬ 
hälfte  der  Scholle  von  Münster,  so  bedeuten  1,5  km  etwa 
3bb  der  ursprünglichen  Ausdehnung.  Auch  diese  Zahl 
liegt  durchaus  in  der  Größenordnung,  die  wir  für  die 
jüngere  Schollenbewegung .  im  Niederrheintalgraben  an- 
nehrnen  dürfen;  berechnet  doch  beispielsweise  Lehmann 
die  gesamten  postkarbonischen  Bewegungen  an  den  Sprüngen 
Westfalens  auf  6  km  =  10o/0  Zerrung,  bezogen  auf  die 
Gesamtlänge  des  bisher  aufgeschlossenen  Steinkohlenbeckens. 

Die  Schwelle  von  Winterswijk-Ochtrup. 

Jede  Großscholle  muß  mehrere  Scharniere  besitzen  — 
ein  sehr  wichtiges  Scharnier  ist  beispielsweise  die  Egge  — , 
daher  sei  durch  die  Scholle  von  Münster  noch  ein  zweites 
Profil  gelegt. 

Durch  die  Bohrungen  auf  Steinkohle  und  Salz  im 
preußisch-holländischen  Grenzgebiet18),  bei  Ochtrup*  Buurse, 
Vreden,  öding,  Ratum  und  Oorle  ist  bekannt  geworden,  daß 


12)  Im  Niederrheingebiet  sind  die  Abbrüche,  die  zur  Schräg¬ 
schollen -Phase  der  Oberkreide  und  des  Alttertiär  gehören,  nicht 
von  der  Schollenbewegungen  zu  trennen,  die  der  im  Mittelmiocän 
beginnenden  allgemeinen  Hebungsphase  zuzuordnen  sind.  Es  ist 
auch  anzunehmen,  daß  in  der  niederrheinischen  Bruchzone  die 
Bildung  von  Böschungssprüngen  noch  angedauert  hat,  als  am 
Osning  die  Druckspannungen  zur  Ruhe  gekommen  waren. 

1S)  Vgl.  P.  Krusch,  Der  Gebirgsbau  im  holländisch-preußischen 
Grenzgebiet  von  Winfcerswijk,  Weseke,  Buurse  usw.  Diese  Ztschr., 
1919,  Bd.  71,  S.  139  ff. 


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nordwestlich  der  tiefsten  Depression  des  Kreidebeckens  bei 
Koesfeld  die;  Karbonoberfläche  ebenfalls  unvermittelt  auf- 
steigt  und  beispielsweise  bei  Oorle  sich  der  heutigen  Tages¬ 
oberfläche  bis  auf  690  m  näJiert. 

Legen  wir  ein  Profil  von  Hagen  über  Recklinghausen 
nach  Winterswijk,  so  ergeben  sieh  Lagerungs  Verhältnisse, 
die  auf  Taf.  II  wiedergegeben  sind. 

Auch  auf  der  NW-SO-Linie  erhalten  wir  eine  geneigte 
Scholle:  eine  nach  NW  abfallende  Tafel,  die  bei  Öding 
zur  Scholle  von  Gelderland  aufsteigt.  Wie  am  Osning  liegt 
zwischen  der  tieferliegenden  Scholle  und  der  höherliegenden 
ein  Pressungsgelenk,  eine  Gelenkfalten zone.  Wir 
haben  also  auch  bei  diesem  Profil,  das  etwa  senkrecht  zu 
dem  Profil  Duisburg-Ibbenbüren  gelegt  ist,  gewissermaßen 
eine  Unterschiebung  der  Scholle  von  Münster  unter  die 
benachbarte  Großscholle,  die  der  sinkenden  Scholle  als 
Widerlager  gedient  hat.  Die  sowohl  in  den  Bohrungen  bei 
Öding  als  bei  Ochtrup  nachgewiesenen  Überschiebungen, 
von  denen  die  Ochtruper  Überschiebung  der  Oberkreide- 
grenze  paruHel  läuft  und  zur  gesunkenen  Scholle  hinge¬ 
richtet  ist,  beweisen  den  ursächlichen  Zusammenhang  zwi¬ 
schen  der  einseitigen  Absenkung  der  Scholle  von  Münster 
und  der  Bildung  der  Pressungsgelenke  am  NW-  und 
NO-Rande. 

} 

Die  B  e  d  e  u  t  u  n  g.-dtf  r  E  n  n  e  p  Ö  r  u  n  g. 

Die  nebenstehende  Strukturskizze  3)  soll  die 

cenomanen  und  postcenomanen  Bewegungen  der  Scholle  von 
Münster  veranschaulichen : 

Aus  der  Skizze  geht  hervor,  daß  ich  die  große  hypo¬ 
thetisch  zu  fordernde  Zerrungsstörung  am  SüdosJtrand  der 
Schrägscholle  von  Münster  in  der  Ennepe  talstör  ung 
sehe.  Ihr  wahrer  Charakter  war  lange  umstritten.  Und 
ich  freue  mich,  den  Herren  Fuchs14)  und  Paeckelhakx13). 
die  immer  wieder  die  Sprungnatur  dieser  riesigen  Störung 
betont  haben,  in  meiner  Ableitung  eine  mechanische  Er¬ 
klärung  für  das  Vorhandensein  eines  echten  Abbruchs  geben 
zu  können. 

1!)  A.  Fuchs,  Krläuterungon  zu  Bl.  Hagen  „'.ler  geol.  Spezial- 
karte  von  Preußen“.  Berlin,  1911. 

|S)  Pakckklmann,  Oherdevon  und  Interkarlon  der  Gegend 
von  Binnen.  Jahrh.  d.  Geol.  Landesanst.,  Berlin  192),  Teil  11. 
S.  103  ff.  —  Ders.,  I)^*r  geol.  Biu  des  Vell>?rtc?r  Sattels.  .Tahrg, 
d.  Geol.  Landesanst.  für  1923. 


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Ais  weiteres  Postulat  ergibt  sich,  daß  die  Hauptbewegun- 
gen  auf  der  Ennepetalstörung  und  ihren  Parallelsprünge» 
in  genetischem  und  zeitlichem  Zusammenhang  mit  der  ein¬ 
seitigen  Senkung  der  Schrägscholle  von  Münster  in  der 
Oberkreide  und  im  Alttertiär  stehen  müssen  und  bis  ins 
Jungtertiär  hinein  nachgewirkt  haben  'können.  Gewiß  haben 
auch  auf  der  Ennepetalstörung,  ebenso  wie  am  Osning- 
Gelenk  und  den  Sprüngen  des  Niederrheingebiets  schon 


Fig.  3.  Die  Horizontalbewegung  der  Scholle  von  Münster 
in  der  Oberkreide- Altterti&r-Phase. 


vor  Ablagerung  der  Oberkreide  tektonische  Bewegungen, 
z.  T.  wohl  sogar  entgegengesetzten  Bewegungssinns,  haupt¬ 
sächlich  in  der  Zerrungs-  und  Hebungsphase  des  Jura 
stattgefunden;  sie  müssen  aber  —  dies  sei  nochmals  betont  — 
streng  von  der  Zwitterphase  (Senkungsphase),  die  ira 
Cenoman  begonnen  hat,  getrennt  werden. 

Die  Schrägschollen  zwischen  Flechtinger 
Höhenzug  und  Thüringer  Wald. 

Gestatten  Sie  mir  einige  Exkurse:  Der  Harz  ist  auf 
sein  nördliches  Vorland  überschoben.  Aus  meinen  bisherigen 
Ausführungen  ergibt  sich,  daß  diese  Überschiebung  weniger 


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durch  einen  aktiven  Druck  aus  SW,  als  vielmehr  durch 
das  einseitige  Sinken  des  Vorlandes  und  Gelenkfaltung  am 
Schollenrand  verursacht  worden  ist.  In  ähnlicher  Weise  wie 
bei  der  Schwelle  von  Osnabrück,  nur  in  umgekehrter  Rich¬ 
tung,  hat  sich  die  stabilere  Scholle  (die  Harzscholl  e) 
am  Rande  ein  kurzes  Stück,  das  sich  übrigens  nach  der 
oben  gegebenen  Formel  theoretisch  berechnen  läßt,  über 
die  einsinkende  und  sich  unterschiebende  subherzyne  Schräg  - 
scholle  gelegt.  Die  zugehörige  und  der  Druckflexus  deB 
Harzrandes  parallellaufende  Zerrungszone  sehe  ich  im 
Bruchstreifen  des  Allertals  und  Zappwalds.  Fan  ähnliches 
Bewegungsbild  wie  am  Harznordrand  bietet  der  Nordrand 
des  Kyffhäuser.  Hier  ist  es  die  schräggestellte  Harzscholle, 
die  bei  der  einseitigen  Senkung  ein  Pressungsgelenk, 
eine  Stufenfalte,  am  Kyffhäuser  gebildet  und  gewissermaßen 
die  Thüringer  Scholle  unterschoben  hat.  Für  die 
Schrägscholle  von  Thüringen  liegt,  das  südliche  Pressungs- 
gelenk  am  Nordrand  des  Thüringer  Waldes. 

Wir  haben  also  zwischen  Flechtinger  Höhenzug  und 
Thüringer  Wald  ein  Schollenbild,  das  zwar  außerordentlich 
durch  Salinartektonik  verwischt  ist,  aber  in  vielen  Zügen 
den  Bewegungsformen  der  Schollen  von  Münster  und  Osna¬ 
brück  ähnlich  ist. 

Die  regionale  Schollensenkung  in  der  Ober* 
kreide-Alttertiärphase. 

Diese  zum  Vergleich  herangezogenen  Gebiete  lassen 
erkennen,  daß  wir  es  bei  der  Schrägstellung  der  Scholle 
von  Münster  und  der  dadurch  bedingten  .  Stauchung  am 
relativ  gesunkenen  Rand  mit  einer  Erscheinung  zu  tun 
haben,  die  für  die  Oberkreide- Alttertiärphase  in  Norddeutsch¬ 
land  'bezeichnend  ist.  Demgegenüber  scheint  sich  bei  einzelnen. 
Großscholien,  beispielsweise  im  Harzgebiet,  die  Bruchstreifen - 
Struktur  am  relativ  gehobenen  oder  stabileren  Schollen¬ 
rand  nicht  so  deutlich  auszuprägen.  Diese  Beobachtung  läßt 
sich  mit  dem  allgemeinen  Charakter  der  tektonischen 
Phase  ohne  Schwierigkeit  in  Einklang  bringen:  Die  Trans- 
gression  der  Oberkreide  leitet  in  Norddeutschland  eine 
Schollenbewegung  ein,  die  im  ganzen  eine  regionale 
Senkung  bedeutet.  Nehmen  wir  eine  mittlere  Absenkung 
von  1  km  an,  so  ergibt  sich  eine  horizontale  Zusammen- 
pressung  der  Schollen  —  von  der  Differenzierung  der  Be¬ 
wegung  durch  Schrägstellung  der  Schollen  abgesehen  — 
von  linear  0,015%.  Eine  Scholle  von  100  km  Länge  wird 


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73 


demnach  unter  der  Voraussetzung  völlig  horizontaler  Lage 
an  ihren  Rändern  um  15  m  gegen  die  Nachbarscholle 
gepreßt.  Eine  Schubkomponente  dieser  Größe  gewinnt  natur¬ 
gemäß  keine  selbständige  tektonische  Bedeutung  und  fällt, 
verglichen  mit  der  Pressung,  entstanden  aus  der  Schräg- 
steliung  einer  Scholle,  nicht  ins  Gewicht.  Sie  verstärkt  aber, 
wenn  auch  geringfügig,  den  Pressungsbetrag,  behindert  die 
Scholle  bei  der  Senkung  und  wirkt  so  bei  der  Schräg¬ 
stellung  mit. 

Trotz  der  verwickelten  Tektonik  der  Schollenrändeß* 
hat  demnach  in  der  Oberkreide-Alttertiärphase  lediglich  eine 
Vertikalbewegung  von  größeren  und  kleineren  Rinden- 
stücken  stattgefunden.  Die  Pressungsgelenke  (Stufenfalten) 
und  Zerrungszonen  (Bruchstreifen)  zwischen  den  schräg 
gestellten  Großschöllen  sind  einwandfreie  tektonische  Zeugen 
der  Bewegung  in  der  Senkrechten.  Ein  saxonischer 
Trog  hat  aber  nie  bestanden,  eine  saxonische  Faltung 
von  regionaler  Bedeutung  hat  es  nie  gegeben.  Es  wäre 
absurd,  aus  dem  geringen  Überschuß  an  Pressung,  den 
wir  für  die  Oberkreide-Alttertiärphase  zu  Veo  %  berechnet 
haben,  eine  regionale  Faltung  ableiten  zu  wollen.  Die  Un¬ 
möglichkeit  einer  solchen  Ableitung  wird  noch  deutlicher, 
wenn  wir  die  Jura-Unterkreidephase  mit  ihrem  Zerrungs¬ 
überschuß  in  den  Kreis  der  Betrachtung  ziehen. 

Die  postvaristischen  tektonischen  Bewegungen  in  Nord¬ 
deutschland  sind  überschätzt  worden.  Die  Versuche,  das 
Schollengebirge  oder  besser  Schrägschollen - 
gebirge,  zu  einem  Faltengebirge  umzudewten,  sind  nur 
dadurch  erklärlich,  daß  man  in  erster  Linie  und  fast  aus¬ 
schließlich  die  Schollenränder  mit  Druckstruktur,  also 
kleine,  aber  interessante  Ausschnitte,  geologisch  behandelte, 
in  großem  Maßstab,  vielfach  überhöht,  darstellte,  dagegen 
die  weitgespannten  Tafeln  außer  acht  ließ,  die  den  Gebirgs- 
typus  so  klar  anzeigen.  Da s  Aufquellen  des  spezifisch 
leichten  Zechsteinsalzes  auf  Zerrungsstörungen  und  das 
wannenartige  Nachsinken  der  postsalinaren  Schichten  in 
der  Schollenmitte  tat  noch  ein  übriges,  den  wahren  Charakter 
der  postvaristischen  Tektonik  zu  verschleiern. 

* 

Die  Ursache  der  Schollensenkung  in  der 
Oberkreide-Alttertiärphase. 

Suchen  wir  nach  der  tieferliegenden  Ursache  der  regio¬ 
nalen  Schollensenkung,  die  in  der  'Oberkreidezeit  in  Nord¬ 
deutschland  begonnen  hat,  so  betreten  w  ir  wenig  gesicherten 


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74 


> 

Boden.  Wenn  wir  von  Unterströmungen  und  Volumschwan  - 
kungen,  Zyklonen  und  batholitischen  Bewegungen  des 
Magma  sprechen,  so  sind  wir  uns  bewußt,  daß  es  sich  nicht 
um  wissenschaftliche  Ergebnisse,  sondern  um  Probleme 
handelt,  die  der  Intuition  und  Phantasie  freiesten  Spielraum 
gewähren.  Wir  Geologen  sind  in  dieser  Hinsicht  dem 
mittelalterlichen  Arzt  vergleichbar,  der  ohne  anatomische 
Erfahrung  lediglich  aus  den  äußeren  Symptomen  ajuf  die 
Krankheit  schloß. 

Die  Auffalt  ungder  Alpen  fällt  in  dieselbe  Periode, 
in  der  in  Norddeutschland  die  Schoilenoscillationen  statt  - 
fanden.  Diese  Gleichzeitigkeit  legt  eine  genetische  Ver¬ 
knüpfung  nahe.  Zur  Herstellung  von  Beziehungen  versagen 
jedoch  die  vorhandenen  Theorien.  Selbst  die  Theorie 
K.  Lehmanns,  auf  den  ersten  Blick  besonders  wertvoll, 
läßt  sich  nicht  uneingeschränkt  an  wenden.  Zwar  auf  den 
Falt ungs Vorgang  in  der  Achse  des  alpinen  Trogs  und  die 
Entstehung  der  südlich  des  Trogs  gelegenen  Schollengebiete 
ohne  weiteres,  aber  nicht  auf  das  norddeutsche  Schollenfeld. 
Hier  müßte  trotz  sinkender  Großsehollen  die  Zerrung  über¬ 
wiegen.  Dies  ist,  wenigstens  für  die  Oberkreide-Untermiocän- 
phase,  nicht  der  Fall.  Im  Gegenteil:  Pressung  überwiegt, 
wenn  auch  nur  um  den  Bruchteil  eines  Prozents.  Xch 
möchte  diese  Besonderheit  kurz  in  folgender  Weise  erklären; 

Bei  der  Auffaltung  der  Alpen,  sei  es  durch  Fernüber- 
Schiebung,  sei  es  autogen  im  Trog,  häuften  sich  im  Alpen¬ 
gebiet  Massen  auf,  die  isostatisch  sinken  mußten.  Bei  diesem 
Absinken  wurden  Vor-  und  Rückland  mitgenommen, 
insonderheit  auch  das  norddeutsche  Schollengebiet. 

In  der  im  Miocän  beginnenden  und  bis  in  das  Diluvium, 
ja  mit  Unterbrechungen  bis  in  die  Gegenwart  reichenden 
Hebungsphase  überwiegt  im  norddeutschen  Schollen¬ 
gebiet  die  Zemmgskomponerite. 

Die  Ursache  der  nachmittelmiocäncn  Hebung  und 
Zerrung  sehe  ich  in  der  starken  Abtragung  der  Alpen 
und  der  dadurch  verminderten  Belastung  des  Magmas. 
Infolgedessen  hebt  sich  isostatisch  das  Alpengebiet  und 
das  mit  ihm  verbundene  Vorland. 

*  . 

Die  Jura-Unterkreidephase. 

In  den  Jahren  1913/14  liabe  ich  in  mehreren  Arbeiten 
darauf  hingewiesen,  daß  die  Schollenbewegungen,  die  den 
Eifelgrabcn  Bitburg-Düren  geschaffen  haben  und  denen  die 
Erhaltung  des  Mitteldevons  in  der  Eifel  zuzuschreiben  ist, 


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im  wesentlichen  im  Jura  und  in  der  Unterkivide  stangofun- 
den  habend).  Diese  Schollenl«ewegungen  führte  ich  auf  einen 
säkularen  He bungs Vorgang  und  daraus  resultierende 
Zerrung  zurück.  Zusammenfassend  stellte  ich  die  Jura- 
Unterkreide  phase  als  Periode  der  älteren  Schollen- 
bewegung  der  jüngeren  Tertiärphase  gegenül>er. 

Damit  hatte  ich.  ohne  unmittelbar  Kritik  zu  üben,  die 
kimmerische  Faltung  Stilles  für  Westdeutschland  auf  ihren 
wahren  Charakter  zurückgeführt. 

Es  wären  ermüdende  Wiederholungen,  wollte  ich  auf  die 
mesozoischen  Schaukelbewegungen  an  den  alten  Störungen 
des  Niederrheingebiets,  auf  das  Wiederaufreißen  jurassischer 
Sprünge  in  der  Nordeifel,  auf  die  Umkehrung  des  Bewegungs¬ 
sinns  der  Osning-Spalte  nochmals  eingehen.  Es  ist  das 
Verdienst  Schuhs,  für  Mitteldeutschland  weitere  Beispiele 
beigebracht  und  die  Zerrungsnatur  der  Jura-Unterkreide¬ 
phase  unterstrichen  zu  haben. 

Ich  pflichte  seinen  Ausführungen  zwar  im  allgemeinen 
bei,  möchte  aber  doch  zu  bedenken  geben,  daß  trotz  des 
überwiegens  von  Sprungverwerfungen  zur  Jurazeit  doch  aus 
einem  Grund  auch  mit  Pressungen  gerechnet  werden  muß. 
Die  Dilatation,  z.  B.  bei  Entstehung  des  Eifelgrabens,  l>eträgt 
Hunderte  von  Metern.  Durch  Hebung  allein  läßt  sie  sich 
nicht  deuten.  Wir  müssen  eine  Schrägstellung  der  Gro߬ 
schollen  voraussetzen,  deren  Hebungs-  und  Zerrungsränder 
im  Eifelgraben  aneinanderstoßen.  Dann  müssen  aber  an 
den  gegenüberliegenden  Rändern,  beispielsweise  im  Gebiet 
der  hessischen  Senke,  gleichzeitig  Pressungen  erfolgt  sein, 
so  daß  sich  die  Möglichkeit  inverser  Störungen  sowie  von 
Überschiebungen  und  Druekflexuren  jurassischen  und  alt  - 
kretazischen  Alters  nicht  von  der  Hand  weisen  läßt. 

Die  genetische  und  zeitliche  Verknüpfung 
von  Druck  undZugimSchrägschollengebirgo. 

Aus  den  bisherigen  Ausführungen  ergibt  sich,  daß  die 
Frage,  ob  die  saxonische  Gebirgsbildung  als  Faltung  oder 
als  Zerrungsbewegung  aufgefaßt  werden  muß,  gegenstands¬ 
los  ist.  Bei  den  mesozoisch-känozoischen  tektonischen  Vor¬ 
gängen  in  Norddeutschland  handelt,  es  sich  ausschließlich 
um  vertikale  Schollenbewegungen,  Oscillationen,  mit  vor- 


,B)  H.  (JriRiNc,  Zur  Stratigraphie  uiul  Tektmik  dir  Kifel- 
kalkrnulde  von  Sötenich.  Jahrh.  <1.  (»eol.  Lawle*fmst.  für  1913, 


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wiegend  einseitiger  Neigung  der  Schollen.  Nur  im  theo¬ 
retischen  Grenzfall  kann  sich  eine  Großscholle  in  völlig 
schwebender  Lagerung  auf  dem  Rücken  des  Magmas  senken 
und  heben.  Sie  wird  immer  nach  irgendeiner  Seite  kippen. 
Auf  einer  oder  zwei  Seiten  wird  sie  relativ  gehoben,  auf 
den  anderen  Seiten  relativ  gesunken  erscheinen.  Am 
Hebungsrand  wird  Zerrung,  am  Senkungsrand  Stauchung, 
die  am  besten  als  zonare  Randfaltung  oder  G  e  - 
lenkfaltung  zu  bezeichnen  ist.  eintreten.  Es  bestellt 
also  ein  ursächlicher  und  zeitlicher  Zusammenhang  zwischen 
Zug  und  Druck.  Weiter  aussehauend  erkennen  wir,  daß 
auch  im  Schrägschollengebirge  ebenso  wie  im  Geosynklinal- 
gebirge  zu  dem  aus  einer  Absenkung  hervorgegangenen 
Stauchungsgebiet  ein  gleichwertiges  und  kompensierendes 
Scholiengebirge  gehören  kann,  dessen  Bruchstreifen  der 
Faltenkette  bzw.  den  Gelenkfalten  im  allgemeinen  parallel 
laufen,  und  das  zur  Aufbruchzone  von  Intrusionen  und 
Extrusionen  wird.  Ich  darf  in  diesem  Zusammenhang  noch¬ 
mals  auf  meine  Phasenzeichnung  der  Ostkarpathen-Tektonik 
im  Tertiär163)  hinweisen. 

Trotz  dieser  Ähnlichkeiten  möchte  ich  davor  warnen, 
den  genetischen  Gegensatz  außer  acht  zu  lassen,  der 
zwischen  einem  echten  Faltengebirge,  aus  regionalem 
Tangentialdruck  entstanden,  und  den  Schrägschoilengebirgen 
besteht.  In  der  Reihe  Faltengebirge  —  Schrägschollen¬ 
gebirge  —  Schollen gebirge  bilden  die  Schrägschollengebirge 
die  Brücke.  Sie  tragen  zwar  vorherrschend  die  Züge  des 
Schollengebirgs,  zeigen  aber  an  den  Pressungsgelenken  der 
Großsehollen  gelegentlich  alpinen  Faltenwurf. 

Tabellarisch  seien  Kennzeichen,  Entstehung  und  Ver¬ 
breitung  der  drei  tektonischen  Gebirgstypen  zusammen¬ 
gestellt: 


Tabelle  der  Gebirgstypen: 


Typus 

Verbreitung 

Falten¬ 

gebirge 

Faltenwellen 
iSturzwellen)  in 
häufiger  Wieder¬ 
holung.  Fernüber¬ 
schiebungen 

Durch  regio¬ 
nalen  Tangen¬ 
tialdruck  oder 
Gleitungsdruck 
in  weitgespann¬ 
tem  sinkendem 
Trog  gebildet 

Im  wesentlichen 
beschränkt  auf  die 
großen  Falten¬ 
gürtel  der  Erde; 
zeitlich  auf  die 
Komplikations¬ 
perioden 

1,a)  Diese  Ztselu*.  1921.  Bd.  73,  Monats!>erichte  S.  128. 


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Typus 

Kennzeichen 

Entstehung 

Verbreitung 

Schräg¬ 

schollen¬ 

gebirge 

Ausgedehnte 
BChräg  gestellte 
Tafeln;  Bruch¬ 
streifen  bzw.  Ge¬ 
lenkfalten  (Stufen¬ 
falten)  unregel¬ 
mäßigen  Baues  an 
den  Schollenrän- 
dern.Gelenkfalten- 
zojien  und  Bruch - 
Zonen  schmal  und 
stark  ausgeprägt 

Durch  ungleiche 
Vertikalbewe¬ 
gung  größerer 
Schollen 
(Schrägstel¬ 
lung),  verbun¬ 
den  mit  Stau? 
chung  bzw.  Dis¬ 
junktion  an  den 
Schollenrändern 
entstanden 

In  allen  Teilen  der 
Erdrinde  und  in 
allen  Zeiten  auch 
indenOscillations- 
perioden  auf- 
tretend 

Schollen¬ 

gebirge 

Tafeln,  Kuppeln 
und  Gewölbe,  von 
ungerichteten  oder 
durch  Spannungs¬ 
differenzen  bzw. 
Schwächezonen  ge¬ 
richteten  Sprüngen 
durchzogen 

Durch  regionale 

Hebung  oder 

Aufwölbungvon 

Rindenteilen, 

beispielsweise 

überBatholithen 

entstanden 

In  allen  Teilen  der 
Erdrinde  und  in 
allen  Zeiten,  auch 
indenOscillations- 
perioden  auf¬ 
tretend 

Einseitiger  Faltenbau,  Überschiebungen  geringerer  Weite, 
Horizontalverscliiebungen  sind  keine  sicheren  Kennzeichen 
zur  Unterscheidung  von  Regional  falten  und  Gelenkfalten. 

Die  Erkenntnis  der  genetischen  Verknüpfung  von  Zug 
und  Druck  im  Schrägschollengebirge  und  die  Zuordnung 
schmaler  Faltenzonen  und  Bruchstreifen  (Bruchzonen)  zu 
einem  Schollengebirgstypus  ist  auch  für  die  Erforschung 
des  Gebirgsbaus  der  alten  Massive  bedeutungsvoll.  Es  werden 
sich  vor  allem  die  Faltengitter  auf  lösen.  Man  wird 
beispielsweise  das  örtliche  Auftreten  von  Faltendurch¬ 
kreuzung  im  varistisehen  Faltengebirge  in  vielen  Fällen 
so  erklären  können,  daß  ein  jüngeres,  schmales  Schräg- 
schoilengelenk  die  älteren  paläozoischen  Falten  wellen 
durchsetzt. 


Basin  ranges  structure. 

Die  aufgestellte  Schrägschollentheorie  berührt  sich  mit 
Ansichten,  die  von  amerikanischen  Geologen  vor  fast 
öO  Jahren  geäußert  worden  sind.  Leider  aber  haben  weder 
Kino17)  noch  Gilbert18)  die  Dynamik  ihrer  „Basin  ranges 

17)  C.  King,  Report  of  the  Geol.  Surv.  of  the  Fortieth 
Parallel.  Bd.  UI  Mining  Ind.,  Wash.  1870,  Bd.I  Syst.  Geol. 
Washington  1878. 

10)  G.  K.  Gilbert,  Geogr.  u.  Geol.  Explor.  a.  Surveys  West 
of  the  One  Hundrets  Meridian,  Bd.  III.  Geology,  Washington  1875. 


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strueture*  genügend  ausgedeutet.  Namentlich  für  Kixg 
blieben  die  Basin  ranges  lediglich  schräggestellte  Blöcke 
und  Krustenstreifen  mit  Schollengebirgscharakter.  Den  ur¬ 
sächlichen  Zusammenhang  zwischen  den  Bruchzonen  und 
den  ihnen  parallel  laufenden  Faltenketten  erkannten  sie 
nicht.  Immerhin  führte  der  Weg.  den  die  Amerikaner  ein¬ 
schlugen,  zu.  einer  Zwischenlösung,  die  als  Arbeitshypothese, 
insbesondere  bei  der  Erforschung  der  andinen  Tektonik, 
gute  Dienste  geleistet  hat.  Wenn  in  neuerer  Zeit19)  das 
Vorhandensein  von  Schollenstruktur  in  den  pampinen  Sierren 
abgelehnt  wird,  so  wirft  man  die  Erkenntnis  des  wahren 
Tatbestands  um  Jahre  hinaus  zurück. 


Das  Alter  der  Schollen  Struktur  Nord¬ 
deutschlands. 

Die  postvaristische  Tektonik  Norddeutschlands  und 
Westdeutschlands  wird,  wenn  wir  die  bisherigen  Ergeb¬ 
nisse  zusammenfassen,  durch  Großschollen  beherrscht,  tekto¬ 
nische  Einheiten,  von  immer  wieder  auflebenden  Störungen 
begrenzt.  Diese  Störungen  bevorzugen  zwei  Richtungen, 
die  h  e  r  z  y  n  i  8  c  h  e  und  rheinisch  e.  Im  Rahmen  der 
gestellten  Aufgabe  sind  zwei  Fragen  zu  beantworten: 

1.  wie  alt  sind  diese  Störungslinien  und  damit  die  Schol¬ 
lenstruktur  Norddeutschlands  ? 

2.  wodurch  sind  diese  beiden  Richtungen  entstanden? 

Wollen  wir  die  erste  Frage  beantworten,  so  kommen  wir 
nicht  weiter,  wenn  wir  etwa  an  Hand  von  Aufschlüssen  itn 
Mesozoikum  oder  Känozoikum  den  Verwind  von  Klüften 
der  einen  Richtung  durch  Klüfte  der  anderen  Richtung  zur 
Aufstellung  einer  Altersfolge  verwerten.  Wie  Osning,  Nie¬ 
derrheinische  Bucht,  Nordeifel  und  Oberrheintal  zeigen,  sind 
die  Störungen  beider  Richtungen  wiederholt  aufgelebt,  so 
daß  örtlichen  Altersverhälfnissen  keine  entscheidende  Be¬ 
weiskraft.  zuzuerkennen  ist.  Dehnen  wir  nämlich  unsere 
tektonischen  Betrachtungen  auf  die  paläozoischen  Gebirgs- 
kerne  aus,  so  treten  uns  beide  Richtungen  schon  im  Varisti- 
kum,  ja  in  noch  älteren  tektonischen  Perioden  in  geradezu 
schulmäßigen  Beispielen  entgegen.  Ich  will  nur  aus  meinem 


19)  W.  Penck,  Über  die  Form  andiner  K rüsten bewegungen 
und  ihre  Beziehungen  zur  Sedimentation.  Geol.  Rundschau,  Bd.  XIV, 
1924,  S.  301  ff. 


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engeren  Arbeitsgebiet,  dem  Siegerland,  erwähnen,  daß  die 
mächtigen  Spateisenstein-Gangspalten,  die  im  jüngeren 
Unterdevon  aufgeris^n  sind,  vorwiegend  N  10°  O,  also 
ausgesprochen  rheinisch  verlaufen  und  echte  Zerrungs¬ 
spalten  sind.  Andererseits  laufen  die  Oberharzer  Gänge, 
ebenfalls  paläozoischen  Alters,  in  ganzen  Bündeln 
herzvnisch.  Es  ist  daher  auch  für  das  herzynisch 
streichende  Gelenk  des  nördlichen  Harzrandes.,  das  in  der 
Oberkreide- Phase  seine  mesozoische  Hauptausbildung  er¬ 
fahren  hat,  eine  varistische,  wenn  nicht  noch  ältere  Anlage 
wahrscheinlich. 

Diese  Beobachtungen  und  Beziehungen  lassen  nur  einen 
Schluß  zu.  Die  beiden  Hauptrichtungen  beherrschen  bereits 
den  varistischen  und  prävaristischen  Untergrund,  sind  also 
lediglich  immer  wieder  nach  oben  durch  die  jüngeren  Sedi¬ 
mente  (lurchgebrochen,  bilden  also  gewissermaßen  symp¬ 
tomatisch  die  alte  Struktur  und  zwar  die  Großschollenstruktur 
des  Untergrunds  ab.  Bei  allen  Vert-ikalbewcgungen  und 
Schrägschollenbewegungen  sind  diese  alten  Randstörungen 
in  Tätigkeit  getreten,  sind  teils  zu  Pressungsgelenken  teils 
zu  Bruchstreifen  geworden.  So  ist,  um  es  nochmals  zu 
erwähnen,  die  zweifellos  uralte  Osning-Störung  in  der 
Juraphase  als  Bruch  nach  oben  durchgebrochen ;  in  der 
Oberkreide- Miozänphase  wurde  sie  zur  Stufenfalte,  zur 
Druckflexur. 

Trotzdem  die  herzynische  Richtung  das  norddeutsche 
Schollenland  beherrscht,  ist  die  Bedeutung  der  rheinischen 
Richtung  namentlich  im  Westlichen  Teil  nicht  zu  unter¬ 
schätzen.  Der  *  Eifelgraben  Bitburg-Düren  und  vor  allem 
der  Oberrheintalgraben  geben  Westdeutschland  das  tekto¬ 
nische  Gepräge.  Die  Natur  des  letzteren  als  Zerrungsgraben 
wird  neuerdings  auch  von  Salomon  anerkannt.  Die  paläo¬ 
zoische  bzw.  archaische  Anlage  wird  allerdings  noch  be¬ 
stritten,  kann  aber,  da  den  Graben  rheinisch  streichende 
Randstörungen  karl>onischen  Alters  begleiten,  als  sehr  wahr¬ 
scheinlich  angesehen  werden.  Damit  soll  keineswegs  gesagt 
sein,  daß  die  Hauptäbsenkung  nicht  ins  Känozoikum  fällt 
und  daß  zahlreiche  Bruchlinien  erst  in  junger  Zeit  ent¬ 
standen  sind.  Andererseits  tun  Aufschlüsse  im  Graben 
selbst,  ferner  örtliche  Druckflexuren  und  zahlreiche  hori¬ 
zontale  Rutschstreifen  am  Grabenrande  dar,  daß  der  Rhein¬ 
talgraben,  wenn  auch  ursprünglich  als  breite  Zerrspalte 
angelegt,  gelegentlich  auch  Pressungsgelenk  gewesen  ist. 


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80 


Der  Ursprung  der  rheinischen  und  herzyni- 
schen  Richtung. 

Die  zweite  Präge  nach  der  Entstehung  der  beiden 
Richtungen  führt  uns  wieder  auf  rein  hypothetisches  Gebiet. 
Erkennen  wir  an,  daß  es  sich  bei  den  rheinischen  und  her¬ 
zynischen  Störungen  um  sehr  alte  Strukturelemente  handelt 
und  berücksichtigen  wir,  daß  insbesondere  die  rheinische 
Richtung  in  Vulkanreihen,  Grabenzonen,  Faltenzügen  nicht 
nur  in  Eurasien,  sondern  auch  in  Afrika  und  Amerika  eine 
hervorragende  Rolle  spielt,  so  müssen  wir  zu  dem  Ergebnis 
gelangen,  daß  diese  Richtung  mit  den  ursprünglichsten 
strukturellen  Verhältnissen  der  Kruste  irgendwie  verknüpft 
sein  muß.  Ich  führe  ihre  Entstehung,  kurz  zusammengefaßt, 
auf  folgende  Beziehungen  zurück: 

Im  Archaikum  bildete  sich  auf  der  noch  glühend¬ 
flüssigen  Erdoberfläche  zuerst  eine  im  wesentlichen  zu¬ 
sammenhängende  Schlackenmasse,  der  Urkontinent,  aufge¬ 
baut  aus  leichterem  salischem  Material,  der  auf  dem  simi- 
schcn  schwereren  und  noch  flüssigen  Glutbrei  schwamm. 
Beim  Übergang  vom  flüssigen  zum  festen  Zustand  brachen 
in  dem  Schlackenfeld  Schwindungsrisse  auf,  nicht  völlig 
regellos,  sondern  in  zwei  Hauptrichtungen,  durch  die  Lage 
der  Symetrieehenen  des  Rotationskörpers  (Meridianebenen 
und  Äquatorialehene)  beeinflußt.  Der  einschneidenste  dieser 
Berstungsrisse  war  die  atlantische  Spalte,  die  den  Urkonti¬ 
nent  in  seine  zw^ei  Hauptteile  Eurasien- Afrika  und  Amerika 
zerlegte/  Auf  dem  noch  flüssigen  Sima  trieb  die  zerfallende 
Kontinentmasse  um  5000  km  auseinander.  Bei  der  weiteren 
Abkühlung  erstarrten  auch  die  Urozeane  und  hielten  die 
Kontinente  und  abgespaltenen  Inseln  in  ihrer  erreichten 
Driftlage  fest. 

Alle  diese  Vorgänge  spielten  sich  im  Archaikum  ab. 
Im  Postarchaikum  haben  sich  Kontinent  Verschiebungen 
größeren  Ausmaßes  nicht  mehr  vollzogen.  Die  ersten 
Schwindungsrisse  bestimmten  aber  auch  weiterhin  die  tek¬ 
tonische  Struktur,  w  aren  und  blieben  Hauptsprünge  zwischen 
den  Großschollen,  rissen  immer  wieder  auf,  vermittelten 
Vertikal-  und  Schrägschollenbewregungen,  wurden  zu  Zer¬ 
rungszonen  und  Pressungsgelenken,  zu  Auf-  und  Ausbruch¬ 
stellen  des  Magnas.  bildeten  sich  zu  Gräben,  Faltenzügen  und 
Vulkanreihen  um  und  wurden  zu  Thermal-  und  Erdbeben¬ 
linien  erster  Ordnung. 

In  erstaunlicher  Gradlinigkeit  und  ohne  bedeutende  Ab¬ 
lenkung  ist  der  Deutschland  durchziehende  archaische 


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8/ 


Schwindungsriß,  der  meridionale  Rhein  talgraben,  immer 
wieder  bis  ins  Känozoikum  hinein  aufgelebt,  immer  wieder 
nach  oben  durchgebrochen.  Er  ist  durchaus  kein 
Gebilde,  das  durch  den  varistischen  oder  alpinen  Faltungs¬ 
druck  etwa  als  Bündel  diagonaler  Blätter  erzeugt  ist193). 
Im  Gegenteil:  Er  hat  die  Falten  der  Westalpen  in  seinen 
Bann  genommen  und  so  den  Hakenschlag  im  Zuge  der 
Pyrenäen -Ost alpen  verursacht. 

Die  nördliche  Fortsetzung  des  Grabens  im  Christiania- 
graben,  wie  sie  von  Haug  und  Stille  angenommen  worden 
ist,  wird  auch  dadurch  wahrscheinlich,  daß  neuerdings  bei 
Heide  in  Schleswig- Holstein  bergbauliche  Aufschlüsse  in 
der  Ölkreide  gezeigt  haben,  daß  große  N — S  verlaufende 
Sprünge  mit  mehreren  100  m  Venvurfshöhe  im  Mesozoikum 
vorhanden  sind. 

Der  ebenfalls  meridional  angelegte  Eifelgraben  hat  sich 
etwas  mehr  der  Kaiedonischen  und  Siegeriänder  Richtung 
genähert,  ist  also  durch  postarchaische  Bewegungen  stärker 
beeinflußt  worden  als  der  Oberrheintalgraben. 

Sehr  bedeutend  ist  die  schwächere  orientale  Rich¬ 
tung,  die  uns  heute  insonderheit  im  h  e  r  z  y  n  i  s  c  h  e  n  Strei¬ 
chen  entgegentritt,  unter  dem  Druck  der  drei  großen  Fal- 
tungsperioden,  die  über  Norddeutschland  hinweggegangen 
sind,  abgclenkt.  wrorden.  So  hat  die  erste  Zerrungsphase  im 
Siegerland  in  die  präsideritisch  gefalteten  Siegener 
Schichten  Sprünge  gelegt,  die  noch  fast  O — W  (genauer  N 
80°  W)  verlaufen.  Sie  halbieren  also  den  Winkel  zwischen 
der  Orientalrichtung  und  der  präsideritischen  Druckrichtung. 
Im  Oberharz,  dessen  varistische  Falten  N  45°  O  verlaufen, 
halbieren  die  Gangzüge  ebenfalls  den  Winkel  zwischen 
Orientalrichtung  und  varistischer  Druckrichtung.  Nicht 
ganz  so  klar  liegen  die  Verhältnisse  bei  den  Sprüngen  der 
Nordeifel,  der  Niederrheinischen  B'ruchzone,  des  rheinisch- 
w'estfälischen  Karbons  und  des  Thüringer  Beckens.  Hier 
scheint  die  Sprungrichtung  in  der  Mitte  zwischen  der  prä- 
sideri tischen  Druck richtung  des  devonischen  Untergrundes 
und  der  varistischen  Druckrichtung  zu  liegen.  Andererseits 
zeigen  Osning  und  Harzrandspalte  ausgesprochen  ‘herzy¬ 
nische  Richtungen. 


19a)  H.  Cloos,  Tektonik  u.  Magma,  Abh.  d.  Geol.  Landesanstalt, 
N.  F.  Heft  89,  Berlin  1922. 

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82 


Diese  Besonderheiten  lassen  sich  folgendermaßen  deu¬ 
ten:  Die  herzynische  Richtung  Deutschlands  ist  hervor¬ 
gegangen  aus  Orientalspalten  des  tieferen  Untergrundes, 
deren  Anlage  älter  ist  als  die  Aufstauchung  der  paläozo¬ 
ischen  Faltengebirge.  Da  aber  die  kaledonische  (silurische) 
und  Siegerländer  (devonische)  Hauptfaltung  in  Deutschland 
Faltenbögen  erzeugt  hat,  die  im  allgemeinen  N  20‘  O  bis 
N  40°  0  streichen,  waren  bei  eintretender  Zerrung  die 
nach  oben  durchbrechenden  Orientalspalten  gezwungen,  sich 
den  Spannungsverhältnissen  im  Faltengebirge  anzupassen, 
und  wurden  in  den  gefalteten  Sedimenten  in  die  Richtung 
quer  zu  den  Falten  umgelenkt.  Damit  näherten  sie  sich 
dieser  Querrichtung,  d.  h.  der  Druckrichtung,  die  das  Falten¬ 
gebirge  geschaffen  hatte.  Quer  oder  diagonal  verlaufende 
Horizontalverschiebiingen  mögen  zwar  ebenfalls 
für  die  aufbrechenden  Zerrungsstörungen  günstige  Bahnen 
gewesen  sein.  Ihr  Einfluß  ist  aber  für  das  entstehende 
Rumpfschollengebirgc  nicht  als  besonders  wesentlich  zu 
betrachten.  So  entstand  in  Norddeutschland  die  herzynische 
Richtung.  Sie  ist  gleichsam  ein  Kind  der  'archaischen  Sc hwin- 
dungsrisse  und  des  präkarbonischen  Faltungssystems. 

Der  Typus  wurde  weiterhin  durch  die  varist ische  (kar 
bonische)  Faltung  nur  örtlich,  (der  im  Vergleich  zu  den 
präkarbonischen  Faltungsphasen  geringeren  Faltungsinten¬ 
sität  und  regionalen  Bedeutung  entsprechend)  beeinflußt. 
Die  Störungen  erhielten  dabei  NW— SO-,  ja  selbst  NNW — SSO- 
Richtung,  unter  Annäherung  an  die  varistische  Druckrichtung. 
Überall  dort  jedoch  bewahrte  sich  bis  ins  Känozoikum  hinein 
die  echte  herzynische  Richtung,  wo,  wie  am  Osning  und  am 
Harzno rdi  and,  die  karbonisch-rotl  egende  Pressung  nur  sehr 
flachwellige  Falten  erzeugt  hat  und  keine  wesentlichen 
Spännungsdifferenzen  die  Spaltenrichtung  und  die  Begren¬ 
zungsflächen  der  Schollen  beeinflußten.  Die  durch  Seiten¬ 
druck  erzeugte  Klüftung  des  Gesteins  und  das  Entstehen 
von  Blättern  hat  mit  den  hier  behandelten  vertikalen  Schollen- 
verschiebungen  von  vornherein  nichts  zu  tun.  Allerdings 
sind  die  Diaklase  und  Blätter  vielfach,  wie  bereits  erwähnt, 
bei  eintretonden  Senkungs Vorgängen  zu  echten  Sprüngen 
umgebildet  worden20). 


20)  Vgl.  auch  H.  Quiking,  Über  Verlauf  und  Entstehung  von 
Querverwerfungen  in  Faltengebirgen.  Ztschr.  f.  d.  Berg  .  Hütten- 
u.  Sah -Wesen  i.  preuß.  Staate.  Jahrg.  1019.  Abh.  S.  133  ff. 


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A  u  f  w  ö  1  b  u  h .g  und  Hebung  als  Erreger  von 
Zugspannungen. 

Ausgehend  von  der  Ableitung21),  daß  Hebungen  und 
Aufwölbungen  eine  flächenhafte  bzw.  gerichtete  Zerrung, 
Senkungen  dagegen  eine  Kompression  zur  Folge  haben,  ist  in 
neuerer  Zeit  mehr  und  mehr  die  Vorstellung  Allgemeingut 
geworden,  daß  auch  großer  Vertikalverwurf  sowie  breite 
und  tiefe  Grabenzonen  allein  durch  Aufwölbung  und  den 
dabei  eintretenden  Zerfall  in  Kleinschollcn  entstehen 
können22).  Es  wird  dabei  übersehen,  daß  Hebung  und  Auf¬ 
wölbung,  z.  B.  über  aufsteigenden  Batholithen  oder  bei 
tangentialem  Zusammenschub  nur  zwei  von  den  zahlreichen 
Möglichkeiten  sind,  durch  die  sich  Bruchzonen  bilden  können. 
Für  die  breiten  und  tiefeingesunkenen  Gräben,  z.  B.  die 
Niederrheinische  Bucht,  den  Oberrheintalgraben,  die  Gräben 
Afrikas,  für  die.  sich  Zerrungszahlen  von  zehn  und  mehr 
Prozent  aus  der  tatsächlichen  Schollenverschiebung  be¬ 
rechnen  lassen,  genügt  die  Voraussetzung  einfacher  Hebung  , 
und  Aufwölbung  nicht.  Es  sei  daran  erinnert,  daß  durch 
Aufwölbung  eines  Krustenstreifens  von  100  km  Breite  um 
r>km  erst  eine  Dehnung  an  der  Oberfläche  von  0,715  °'o  ein- 
trifct*3).  Es  fa!len  daher  alle  Erklärungsversuche,  die  allein 
mit  Aufwölbung  und  Hebung  als  Erregern  von  Schollen¬ 
bewegungen  rechnen,  in  sich  zusammen. 

Erst  wenn  wir  anerkennen,  daß  gerichtete  Zerrung 
sich  über  breitere  Krustenteile  hinweg  fortpflanzen  kann 
und  eine  divergierende  Wanderbewegung  größerer  Schollen 
möglich  ist,  wie  sie  die  vorgetragene  Schrägscbollen- 
Theorie  einschließt,  bietet  sich  uns  eine  Grundlage  zur 
Deutung  großer  Zerrungszahlen.  Immerhin  ist  es  erStaun- 
.  lieh,  mit  welcher  Gleichmäßigkeit  und  welchem  inneren  Zu¬ 
sammenhalt  sich  eine  so  ausgedehnte  Scholle,  wie  die 
Scholle  von  Münster*  einseitig  gesenkt  hat.  Wir  müssen 
unsere  Anschauungen  von  der  Zugfestigkeit  der  Erdrinde 
daher  erheblich  modifizieren  und  eine  Fortpflanzung  von 
Zugspannungen  auf  über  50  km  Entfernung  anerkennen. 
Allerdings  handelt  es  sich  bei  der  Scholle  von  Münster  wohl 
um  ein©  der  größeren  einheitlichen  Schollen  Norddeutsch¬ 
lands. 


21 )  H.  Qüiring,  Die  Entstehung  der  Schollengebirge.  Diese 
Ztschr.,  1913,  Bd.  65,  S.  450. 

*2)  E.  Stach,  Horizontal  Verschiebungen  und  Sprünge  im  öst¬ 
lichen  Ruhrkohlengebiet.  Glückauf,  1923.  S.  677. 

23)  vgl.  diese  Ztschr.  1913,  Bd.  65,  Abh.  S.  445. 

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84 


In  diesem  Zusammenhang  sei  mir  ein  Hinweis  darauf 
gestattet,  wrie  abwegig  die  theoretische  Tektonik  neuer¬ 
dings  vorgeht,  wenn  sie  teils  unter  Leugnung  von  tangenti¬ 
alen  Zugspannungen,  teils  unter  Umgdhung  des  Begriffs 
Zerrung  alle  Klüfte  aus  horizontalen  Druckkräften  herleiten 
will.  Obwohl  ich  selbst  einmal  diesen  Weg  gewiesen  habe, 
so  kann  ich  mich  mit  der  weiteren  Entwicklung  nicht  be¬ 
freunden.  Schon  der  Versuch,  aus  der  Richtung  der  Rutsch¬ 
streifen  die  Entstehung  der  Randspalten  des  Rheintals 
durch  Horizontal  Verschiebung  zu  erweisen,  ist  fehlgeschlagen. 
Die  horizontalen  Rutschstreifen  haben  mit  der  gewaltigen 
relativen  Absenkung  der  Talschollen  nichts  zu  tun,  sind 
vielmehr  hervorgegangen,  aus  geringen,  meist  posthumen 
Schubbewegungen,  auf  bereits  vorhandenen  Sprungklüften, 
bzw.  auf  neugebildeten  Blättern  parallel  zu  den  Randspalten. 

Ein  ähnlich  negatives  Ergebnis  ist  der  „Kluftmessung'' 
der  „analytischen  Tektoniken“,  zu  prophezeien,  wenn  sie 
#  nicht  davon  ablassen,  alle  Klüfte  als  Druckstörungen  — 
Wechsel  und  Blätter  —  anzusehen  und  nur  einen  sekundären 
Vertikal verwurf  bei  „Hochdehnung“  und  „Querdehnung“  zu¬ 
zugeben.  So  wird  der  wahre  Bew^egungsvorgang  bei  der 
Entstehung  der  Sprünge  und  Gräben  verschleiert,  wenn 
nicht  sogar  völlig  falsch  gedeutet.  Wie  könnte  man  bei¬ 
spielsweise  die  Hauptbewegungen  in  der  Niederrheinischen 
Bruchzone  im  Tertiär,  w^o  das  völlig  horizontalliegende  Oli- 
gozän,  das  nicht  den  geringsten  Zusammenschub  zeigt,  uni 
Hunderte  von  Metern  eingebrochen  ist,'  auf  Querdehnung 
unter  Seitendruck  (Hochdehnung  —  Aufwölbung  kommt  in 
Ansehung  der  hohen  Zerrungszahlen  und  der  Einbruchs¬ 
tiefen  nicht  in  Betracht)  zurückführen? 

Wenn  dann  als  letzter  Schluß  die  Erkenntnis 
hingestellt  wTird,  daß  alle  Klüfte  durch  Abscheerung  ent¬ 
standen  sind,  eine  Erkenntnis,  die  in  jedem  Lehrbuch  de: 
Allgemeinen  Geologie  steht,  und  dann  im  wesentlichen  auf 
geometrischer  Grundlage  eine  Klassifikation  der  Klüfte  ver¬ 
ursacht.  wird,  so  möchte  ich  eindringlich  vor  einem  Weiter¬ 
schreiten  auf  diesem  Wege  warnen.  Die  so  gewonnenen 
Strukturbilder  sind  wesenlos.  In  ihnen  sind  die  gegensätz¬ 
lichsten  Erscheinungen,  Falten,  Flexuren,  Zugstörungen, 
Druckstörungen,  ja  sogar  Gänge  in  ein  einziges  mechanisch¬ 
stereometrisches  Schema  gepreßt.  Die  tektonische  Erfor¬ 
schung  eines  Gebietes  hat  sich  nicht  auf  die  Lage  der  Stö¬ 
rungen  zu  beschränken.  Wichtiger  ist  es,  Wesen  und  Ur- 


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sprang,  Yerwurfshöhen  und  Schubweiten,  die  Zeiten  und 
das  Ausmaß  der  Hauptbewegungen  zu  analysieren. 

Eine  stereonietrische  Systematik  darf  nur  Hilfsmittel 
sein.  Wie  alle  anderen  Disziplinen  muß  auch  die  tektonische 
Geologie  nach  genetischer  Klassifikation  der  Erschei¬ 
nungen  und  Vorgänge  streben.  Ihr  Ziel  wird  sie  jedoch  nur 
dann  erreichen,  wenn  die  Falten-  und  Schollenbilder  der  Erd¬ 
kruste  nicht  als  etwas  einheitliches  •betrachtet  werden, 
sondern  als  „erstarrte  Symptome“  wechselnder  und  wTieder: 
liolter  Bewegungen,  entstanden  aus  Senkung  und  Hebung, 
Durchbiegung  und  Aufwölbung,  Pressung  und  Zerrung  ab¬ 
gestufter  Intensität,  zeitlicher  und  räumlicher  Beschränkung. 

Ergebnisse. 

1.  Die  Bewegungen  mesozoischen  und  tertiären  Alters 
in  Norddeutschland  sind  Oszillationen,  Vertikalbewegungen 
von  Schollen  größerer  und  geringerer  Ausdehnung. 

2.  Die  jurassische  (Kimmeridge-)Phase  war  im  wesent¬ 
lichen  eine  Hebungsphase;  Zugspannungen  überwogen.  Das 
ober  jurassische  Tafelland  trug  das  Gepräge  eines  Schollen¬ 
gebirges,  dessen  tektonische  Einheiten  überwiegend  von 
echten  Sprüngen  (Hangendsprüngen),  aus  flächenhafter 
Zerrung  entstanden,  begrenzt  waren. 

3.  Die  Oberkreidephase,  örtlich  erst  im  Oligozän  ihren 
Höhepunkt  erreichend,  war  im  wesentlichen  eine  Senkungs¬ 
phase;  Druckspannung  überwog. 

4.  Seit  dem  Mittelmiozän  vollzieht  sich  in  Norddeutsch- 
iand  eine  Hebung.  Zugspannung  überwiegt. 

5.  Werden  alle  mesozoisch-tertiären  Phasen  zusammen¬ 
gefaßt,  so  kompensieren  Druck-  und  Zugstörungen  einander. 
Eine  saxonische  Faltung  ist  nicht  erfolgt,  ein  saxonischer 
Trog  hat  weder  im  Mesozoikum  noch  Känozoikum  bestanden. 
Den  örtlichen  Stauchungszonen,  Stufenf alten  an  Schollen - 
rändern  stehen  (auch  für  die  Oberkreidephase)  Zerrungs¬ 
zonen  an  anderen  Schollenrändern  gegenüber. 

6.  Der  Gegensatz  im  tektonischen  Bewegungsbild  — 
hier  Pressungserscheinungen,  dort  Zerrungsstörungen  —  ist 
dadurch  erzeugt,  daß  die  Großschollen  sich  nicht  in  völlig 
horizontaler  Lage  auf-  und  abwärtsbewegten,  sondern  mit 
einer  wrenn  auch  geringen  Neigung.  Beispielsweise  hat  die 
Scholle  von  Münster  durch  die  Senkungsphase  der  Oberkreide 
eine  Neigung  von  1:30  nach  N  erhalten. 

7.  Durch  die  Neigung  der  Scholle  von  Münster  nach 
X  (Horizontalkomponente  etwa  1,5  km)  übte  sie  einen  starken 


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86  — 


Druck  auf  die  nördlich  vorgelagerten  Schollen  von  Osna¬ 
brück  und  Gelderland  aus  und  stauchte  sie  am  Räude  auf. 
So  entstanden  die  Osning-Schwelle  und  die  Schwelle  von 
Winterswijk.  Die  Pressungsgelenke  waren  durch  jurassische 
Störungen  vorgezeichnet. 

8.  Die  nach  N  kippende  Scholle  von  Münster  ist  anderer¬ 
seits  von  ihrem  südlichen  Hinterlande  abgerissen.  Die  hierbei 
sich  bildende  Zerrspalte  formte  sich  einesteils  (am  SW  Ran.l 
der  Scholle)  z.  T.  unter  Benutzung  älterer  Störungen  zur 
Niederrheinischen  Grabenzone  um,  andererseits,  (am  SSO- 
Rande)  erzeugte  sie  große  Staffelverwürfe  im  Bereich  d  r 
bereits  vorhandenen  E  n  n  e  p  e  t  a  1  -  Störung. 

9.  Bei  allen  Großschollen,  die  in  der  Oberk rekle- Alt 
tertiär- Phase  als  S  c  h  r  ä  g  s  c  h  o  1 1  en  gesunken  sind, 
können  wir  Senkimgsränder  —  Pressungsränder  —  Gelenk 
faltenzonen,  Hebungsränder  —  Zerrungsränder  —  Bruch 

.streifen  unterscheiden.  Der  Gebirgstypus  kann  als  Schräg¬ 
schollengebirge  bezeichnet  werden. 

10.  Die  Pressungsgelenke  sind  im  wesentlichen  Unter¬ 
schiebungszonen  und  Stufen  falten,  dadurch  entständen,  daß 
ein  tiefer  sinkender  Schollenrand  den  benachbarten  zu¬ 
rückbleibenden  unterschiebt  und  aufstaucht. 

11.  Zerrungsgelenke  zeigen  im  wesentlichen  das  Bild 
tiefer  Grabenzonen. 

12.  Die  Großschollen  Norddeutsclilands  sind  im  wesent¬ 
lichen  durch  herzynisch  und  rheinisch  streichende  Störungen 
begrenzt,  die  sich  infolge  der  wechselnden  Oszillationsbe¬ 
wegungen  und  der  wechselnden  Schollen neigung  teils  zu 
Pressungsgelenken,  teils  zu  Zerruhgszonen  umgebildet  haben. 
In  besonderen  Fällen,  so  bei  der  Osningstörung,  ist  aus 
einer  jungjurassischen  Zerrungszone  in  der  Oberkreide  Alt- 
tertiärphase  ein  Pressungsgelenk  geworden. 

13.  Herzynische  und  Rheinische  Richtung  sind  im  Me¬ 
sozoikum  und  Känozoikuni  nicht  entstanden,  nur  wieder 
aufgelebt.  Es  sind  Spaltenrichtungen  des  Archaikum,  Bers 
tungsrisse  der  ersten  Erstarrungsrinde  der  Erde  (Meridional- 
und  Orientalspalten),  die  immer  wieder  aus  dem  Untergrund 
heraus  nach  oben  durchbrechen. 

14.  Die  große,  Deutschland  durchziehende  Meridional- 
spalte,  besonders  ausgeprägt  im  Rheintalgraben  und  der 
Hessischen  Senke,  ist  weniger  als  die  schwächere  Oridental- 
Richtung  durch  den  kaledonisch-präsideritiseh-varistischen 
Faltenbogori  ahgelenkt  worden.  Sie  ist,' ihrer  ersten  areha 
ischen  Anlage  entsprechend,  auch  in  ihrer  weiteren  Ge- 


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schichte  im  wesentlichen  eine  Zerrungszone  geblieben, 
gelegentlich  aber  auch  zum  Pressungsgelenk  geworden.  So 
erklären  sich  die  widersprechenden  Ansichten  über  ihren 
wahren  Charakter. 

15.  Die  her  zynische  Richtung  in  Deutschland  bezeichnet 
die  ursprüngliche  Orientalrichtung.  Sie  ist  nach  WNW 
—OSO  dadurch  umgelenkt  worden,  daß  sie  von  unten  her¬ 
auf  durch  Faltenbögen  durchbrechen  mußte,  die  im  all¬ 
gemeinen  SW — NO  gerichtet  waren.  Sie  wurde  hierbei 
nach  NW— SO  umgelenkt.  Z.  T.  sind  auch  Klüfte  und 
Blätter,  durch  Tangentialdruck  entstanden,  bei  späteren  Sen- 
kungsbewregungen  Gleitflächen  geworden  und  haben  zu 
einer  Ablenkung  der  ursprünglichen  Orient alrichtung  bei¬ 
ger  ragen. 


Bemerkungen  zum  Vortrage  von  Herrn  Quiring. 

(Diskussionsbemerkung  in  der  Sitzung  am  5.  März  1924.) 

Von  Herrn  O.  Grupf.. 

Gegen  den  Vortrag  des  Herrn  Quiring  möchte  ich  den  Ein- 
wand  geltend  machen,  daß  dieser  die  epirogenetischen  Be¬ 
wegungen  zu  wenig  berücksichtigt  hat  und  damit  zu  Vor¬ 
stellungen  über  die  tektonische  Entstehung  eines  Teils  unseres 
nordwestdeutschen  GebirgSlandes  kommt,  die  ich  nicht  an¬ 
erkennen  kann. 

Das  behandelte  Gebiet  des  Münsterlandes  ist  ein  Teil  des 
Niederdeutschen  Beckens,  in  dem  während  des  Mesozoikums 
sich  Sedimente  von  Hunderten  bis  Tausenden  von  Metern 
Mächtigkeit  niedergeschlagen  haben,  während  die  südlich 
angrenzende  Festlandsschwelle  der  Rheinischen  Masse  im 
wesentlichen  frei  von  diesen  Sedimentationen  blieb.  Da  es  sich 
bei  den  mesozoischen  Formationen  um  Flachwasser-  oder  gar 
kontinentale  Bildungen  handelt,  so  muß  sich  das  Becken  im 
allgemeinen  in  einem  ständigen  Niedersinken  befunden  haben, 
mit  dem  seine  sedimentäre  Auffüllung  Hand  in  Hand  ging. 
Daß  diese  im  großen  und  ganzen  abwärts  gerichteten  Be¬ 
wegungen  der  Geosynklinale  sich  z.T.  auch  mehr  oder  weniger 
ungleichmäßig  vollzogen,  lehrt  die  von  Herrn  Haack  ge¬ 
schilderte  nordwestfälisch  -  lippische  Schwelle,  die  nach 


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meinem  Dafürhalten  in  ihrem  Bereich  eine  geringere  Inten¬ 
sität  der  allgemeinen  Abwärtsbewegung  zu  gewissen  Zeiten 
bezeichnet  und  dadurch  zustande  gekommen  ist.  Aber  auch 
in  horizontalem  Sinne  kann  die  Spannweite  dieser  epiroge- 
netischen  Vorgänge  wechseln,  und  das  kommt  zum  Ausdruck 
in  dem  Hin-  und  Herpendeln  des  alten  Uferrandes,  der  während 
der  Unteren  Kreide  ungefähr  mit  der  Zone  des  Osning  zu¬ 
sammenfiel,  während  das  Meer  der  Oberkreide  über  den  nörd¬ 
lichen  Teil  der  Rheinischen  Masse  hinweg  weiter  nach 
Süden  transgredierte. 

Wenn  wir  nun  alle  diese  verschiedenen  ehemals  tief  in 
der  Geosynklinale  zur  Ablagerung  gelangten  Schichten  des 
Mesozoikums  infolge  der  späteren  Gebirgsbildung  an  unserer 
heutigen  Erdoberfläche  nebeneinander  in  mannigfach  wechseln¬ 
den  Lagerungsformen  wiederfinden,  so  kann  doch  diese  Ge¬ 
birgsbildung,  der  eigentliche  orogenetische  Prozeß,  nur  eine 
Aufwärtsbewegung  der  Schichten  verursacht  haben,  und  ich 
erachte  es  als  ein  besonderes  Verdienst  von  Stille,  daß  er 
uns  diesen  grundsätzlichen  Unterschied  zwischen  orogene- 
tischen  und  epirogenetischen  Vorgängen  kennen  gelehrt  hat. 

Von  diesem  Standpunkt  betrachtet,  ist  die  von  Quiring 
postulierte  schräg  nach  Norden  einkippende  Senkung  des 
Münsterschen  Beckens,  welche  an  ihrer  Nordseite  die  Os* 
ningauffaltung  selbst  als  sekundäre  Erscheinung  erst  zur 
Folge  haben  soll,  in  Wirklichkeit  nur  in  relativem  Sinne 
eine  Senkung,  d.  h.  in  Wirklichkeit  haben  auch  diese  „ge¬ 
sunkenen“  Schichten  eine  Aufwärtsbewregung  erfahren,  sie  sind 
nur  gegenüber  den  eigentlichen  Sätteln  und  Aufpressungs¬ 
horsten,  wie  z.  B.  dem  Osning,  relativ  zurückgeblieben,  und 
es  kann  dann  weiter  die  Senkung  der  Münsterschen  Scholle 
der  Osningfaltung  nicht  übergeordnet  sein,  sondern  beides  sind 
gleichwertige  Vorgänge  ein  und  derselben  Faltung.  Das  geht 
zum  andern  auch  daraus  hervor,  daß  das  nördliche  Vorland 
des  Osning  keine  einheitliche  Schollentafel  etwa  darstellt, 
vielmehr  durch  Achsen  und  Auffaltungen,'  wie  die  Pyrmonter 
und  Piesberg- Achse,  unterbrochen  wird,  die  der  Osning- Achse 
durchaus  gleichwertig  sind,  die  aber  durch  die  Quiringsc.he 
Theorie  keine  Erklärung  finden.  Daß  diese  Theorie  Quirinus 
nur  die  jung-  bzw.  postkretazische  Dislokationsphase  be¬ 
handelt,  dagegen  die  analogen  .Gebilde  der  präkretazisch^n 
Faltung,  die  in  Form  mehrfacher  Achsen  vom  Eggegebirge 
aus  unter  das  Münstersche  Kreidebecken  untertauchen,  un¬ 
berücksichtigt  läßt,  sei  nur  nebenbei  bemerkt,  wie  denn  über¬ 
haupt  das  Osning- Problem  ja  nur  eine  Teilerscheinung  des 


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Gesamtphänomens  unserer  saxonischen  Faltung  ist  und  nur  im 
Zusammenhang  mit  diesem  voll  gewürdigt  werden  kann. 

Kurz,  nicht  Senkung,  sondern  Abwärtsbewegung  der 
Schichten  hat  den  heutigen  Gebirgsbau  im  Grunde  genommen 
geschaffen.  Und  da  dieser  Gebirgsbau  in  weiten  Gebieten 
unseres  mitteldeutschen  Gebirgslandes  aus  regelrechten  Sätteln 
und  Mulden  besteht,  die  die  QumiNGSche  Theorie  zu 
stützen  jedenfalls  nicht  geeignet  sind,  so  bin  ich  mit  Stille 
u.  a.  der  Ansicht,  daß  die  Aufwärtsbewegung  der  Schichten 
und  Schollen  letzten  Endes  durch  tangential  wirkende  Kräfte 
veranlaßt  worden  ist. 


Briefliche  Mitteilungen. 


Zur  Kenntnis  der  alluvialen  und  jungdiluvialen 
Schotter  im  mittleren  Weser-  und  Saaletal. 

Von  Herrn  Ernst  Naumann. 
Literaturverzeichn  is. 

1.  Siegert,  L. :  Über  die  Entwicklung  des  Wesertales.  Zeitschr. 

d.  Deutsch.  Geol.  Gesellsch.,  Bd.  64,  1912,  Abhdl.  Heft  1/2, 
S.  233—264. 

2.  —  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Pliocäns  und  der  diluvialen 

Terrassen  im  Flußgebiet  der  Weser.  Abhdl.  d.  Preuß. 
Geol.  Landesanst.,  Neue  Folge,  Heft  90,  Berlin  1921. 

3.  Gbupe,  O. :  Die  Flußterrassen  des  Wesergebietes  und  ihre 

Altersbeziehungem  zu  den  Eiszeiten.  Zeitschr.  d.  Deutsch. 
Geol.  Gesellsch.,  Bd.  64,  1912,  Abhdl.  Heft  1/2,  S.  265  -298. 
1.  —  Erläuterungen  zur  geologischen  Spezialkarte  von  Preußen 
usw\  Blatt  Kirchohsen,  1916. 

5.  —  Neue  Ergebnisse  über  die  Weserterrassen,  Älteren  und 

Jüngeren  Löß  und  diluviale  Schichte  ns  törungen  in  der 
Gegend  von  Hameln  a.  d.  Weser.  Jahrb.  d.  Preuß.  GeoL 
Landesanst.  für  1912,  Bd.*33,  Teil  H.  S.  484. 

6.  Soekoel,  W. :  Die  l'rsachen  der  diluvialen  Aufschotterung  und 

Erosion.  Berlin  1921. 

7.  Sikgebt,  L.,  und  Weisseumel.  W. :  Das  Diluvium  zwischen 

Halle  a.  S.  und  Weißenfels.  Abhdl.  der  Preuß.  Geol. 
Landesanst.,  Neue  Folge,  Heft  60. 


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Berlin,  den  1 6.  April  1923. 

Die  breite  Wanne  des  Wesertals  zwischen  Hameln 
und  Erder  bildet  für  den  Beschauer  eine  scheinbar  ein¬ 
heitliche  große  Niederung,  besteht  aber  aus  mehreren 
niedrigen  Talstufen,  die  man,  von  kleinen  Zwischenstufen 
abgesehen,  die  wohl  nur  durch  die  ungleiche  Art  der  Ab¬ 
tragung  bereits  gebildeter  Aufschüttungen  entstanden  sind, 
mit  L.  Siegest  (1,  2)  in  zwei  Terrassen  zerlegen  kann, 
eine  höhere  postglaziaie  und  eine  tiefere  alluviale  Terrasse, 
oder  aber  man  folgt  O.  Grvpe  (3),  der  die  höhere  Terrasse 
als  zeitlich  der  letzten  Vereisung  entsprechende  Untere 
Terrasse  bezeichnet  und  als  Alluvium  nur  die  feineren  Ab¬ 
sätze  des  heutigen  Wesertals,  hauptsächlich  Flußsande  und 
Auelehme,  gelten  läßt  (4,  5).  Einige  Beobachtungen,  die 
ich  besonders  auf  dem  Blatt  Hessisch-Oldendorf  machte,  er¬ 
scheinen  mir  geeignet  für  die  Kenntnis  dieser  jüngeren 
Terrassen  einen  Beitrag  zu  liefern,  weshalb  ich  das  Er¬ 
gebnis  hier  kurz,  mitteilen  möchte. 

Zunächst  zeigt  das  'Weseralluvium  auf  der  Talstrecke 
Hameln — Erder,  wie  durch  zahlreiche  Aufschlüsse  und 
Hunderte  von  Flaehbohrungen  nachgewiesen  ist,  in  der 
überwiegenden  Mehrzahl  der  Fälle  das  typische  Profil 
einer  normalen  Flußaufschüttung,  und  zwar  von  oben  nach 
unten  2  bis  4  Meter  Auelehrn,  dann  1  bis  2  Meter  Weser¬ 
sand  und  darunter  3  bis  5  Meter  Weserkies.  Sowohl  der 
Auelehrn,  als  auch  der  Sand  und  Kies  können  aber  auch 
zuweilen  fehlen;  doch  ist  es  im  allgemeinen  eine  Seltenheit, 
daß  die  Oberfläche  des  Alluviums  von  Weserkies  gebildet 
wird,  sondern  meist  folgt  dieser  erst  in  Tiefen  von  3  bis 
4  Metern  unter  der  Grasnarbe,  ist  aber  an  den  Steilufern 
der  Weser,  die  allerdings  meist  künstlich  befestigt  sind, 
unter  dein  Auelehrn  und  Sand  häufig  sichtbar  und  fehlt 
nur  da,  wo  die  Kiese  älterer  Terrassen  unmittelbar  an  den 
Fluß  herantreten.  Daß  es  tatsächlich  im  Wesertal  ganz 
ausgedehnte<illuviale  Kies  Lager  gibt,  die  nicht  der  UnterenTer- 
rasse  angehören,  wird  dadurch  bewiesen,  daß  in  diesen  Kiesen 
rote  Ziegelsteingerölle  Vorkommen,  die  zum  Teil  die  Form 
von  flachen,  gerundeten  Schottern  haben,  oft  aber  auch 
nur  wenig  abgerollt  sind  und  die  Form  der  Ziegelsteine 
(z.  B.  eines  Dachziegels)  noch  erkennen  lassen.  Auch 
der  Erhaltungszustand  der  mit  diesen  Ziegelsteingeröllen 
zusammen  vorkommenden  Knochen  ist  ein  weiterer  Be¬ 
weis  für  das  jugendliche  Alter  dieser  Schotter.  Dir*  besten 
Aufschlüsse  in  diesen  alluvialen  Schottern  der  Weser  gaben 


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zur  Zeit  der  geologischen  Aufnahmen  des  Blattes  Hessiscli- 
Oldendorf  1918/19,  die  Kiesgruben  in  der  Fischbecker  Flur 
südwestlich  vom  Gut  Stau  (Gemeindekiesgrube  von  Fisch¬ 
beck  und  Quantesche  Grube).  Der  sehr  reine  Weser¬ 
kies  besteht  hier  aus  einheimischem,  mesozoischen  Material 
und  Thüringer- Wal dporphyren,  .sowie  sehr  vereinzelten 
nordischen  Geschieben;  außer  Unio  batavus  und  Neritina 
fluviatilis  enthält  der  Kies  noch  die  bereits  erwähnten. 
Ziegelsteingerölle,  die  sich  noch  anderthalb  Meter  unter 
der  Oberfläche  im  Weserkies  finden;  es  ist  also  ausge¬ 
schlossen,  daß  diese  Ziegclsteingerölie  durch  spätere  mensch¬ 
liche  Tätigkeit  an  ihre  Lagerstelle  gelangt  sind.  Ebenso 
zeigten  die  Kiesgruben  auf  der  Insel  (Wiesen  südöstlich 
von  der  Zuckerfabrik  Hessisch- Oldendorf)  2  bis  3  Meter 
reinen*  Weser  kies  mit  Unio  batavus  und  einem  Unterkiefer 
des  Hausrindes,  sowie  zahlreiche  Ziegelsteingerölle.  Die 
1  bis  2  Meter  mächtigen  Sande  über  dem  Kies  enthalten 
meist  zahlreiche  Schnecken  und  Muscheln,  wie  Unio  batavus, 
Neritina  fluviatilis ,  Bythinia  tentaculata  und  Limnaea 
ovata ,  vereinzelt  auch  Schlickgerölle. 

Im  September  1921  ließ  nun  die  Stadt  Hessisch-Olden- 
dorf  auf  der  Insel  in  diesen  Alluvionen  mehrere  Bohrungen 
ausführen,  deren  Ergebnisse  der  Geologischen  Landesan¬ 
stalt  von  der  Achimer  Wasserbau -Gesellschaft  in  dankens¬ 
werter  Weise  zur  Verfügung  gestellt  wurden.  Dabei  wurden 
erbohrt : 


Brunnenschacht 
2,80  m  brauner  Lehm 
0,70  m  Wesersand 
4,7  m  Weserkies 
Liegendes:  Ton  des  Lias 


Bohrloch  7 

0,00 —  3,00  m  hellbrauner  Lehm 
3,00—  7,80  ra  Weserkies 
7,80 — 14,80  m  schwarzer  Ton 
(wohl  Posidonienschiefer) 


Bohrloch  8 


0,0— 2,5  m  hellbrauner  Lehm 

2.5—  3,5  m  Wesersand 

3.5—  8,5  m  Weserkies,  rein 

8.5—  9,5  m  schwarzer  Schieferton 
(wohl  Fosidoniensehiefer)  mit 

Schwefelkies 


Wir  haben  also  2,5  bis  3  Meter  Lehm,  darunter  0,7 
bis  1,0  Meter  Sand  und  zu  unterst  4,7  bis  5,0  Meter  Kies 
der  Weser. 

Durch  alle  diese  Beobachtungen  wird  das  Vorhandensein 
einer  bis  zu  8,5  Meter  mächtigen  alluvialen,  von  Auelehm 
und  Sand  bedeckten  Schotteraufschüttung  im  Wesertal  be¬ 
wiesen,  die  hier  unmittelbar  auf  dem  Lias  lagert  und  ich 


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y 


darr  behaupten,  daß  sich  diese  alluviale  Terrasse  von 
HessisehOldendorf  bis  in  die  Gegend  von  Vlotho  überall  gut 
erkennen  läßt.  Grupe  (4  S.  49)  versteht  unter  dem  Weser¬ 
alluvium  nur  die  jüngsten,  noch  in  fortschreitender  Bildiuig 
begriffenen  Ablagerungen  der  Talsohle,  Flußsande  und  Flu߬ 
lehm  oder  Auelehm;  die  im  Flußbett  der  Weser  zum  Vor¬ 
schein  kommenden  stärkeren  Geröllmassen  sollen  nach 
Grupe  in  der  Hauptsache  älteren  Terrassen  angehören,  die 
der  Fluß  angeschnitten  hat.  Durch  . die  oben  beschriebenen 
Aufschlüsse  ist  aber  das  Vorkommen  einer  ausgedehnten 
alluvialen  Kiesaufschüttung  im  Wesertal  erwiesen.  Die 
von  Ghupe  als  Alluvium  bezeichneten  Ablagerungen  ent¬ 
sprechen  entweder  nur  den  obersten  Lagen  unserer  Al¬ 
luvialterrasse  oder  sind,  was  wohl  zumeist  zutreffen  wird, 
al 8*  noch  jüngere  Anschwemmungen  anzusehen,  die  sich 
heute  noch  bilden.  Nach  meinen  Erfahrungen  sind  dies 
nur  durch  die  jüngsten  Überschwemmungen  der  Weser  auf 
zum  Teil  erst  durch  diese  geschaffenen  Erosionsflächen 
älterer  alluvialer  oder  diluvialer  Terrassen  abgelagerte 
lehmig-sandige,  im  allgemeinen  wenig  ausgedehnte  Bildun¬ 
gen.  Die  Hauptaufschüttungen  des  eigentlichen  Alluviums 
bilden  eben  die  unseren  Oldendorfer  Ziegelsteinschottern 
entsprechenden,  durch  das  ganze  Wesertal  weit  verbreiteten 
Schotter,  die  fast  überall  eine  Decke  von  Sand  und  Aue¬ 
lehm  tragen.  Ich  bin  der  Meinung,  daß  diese  Aufschüttungs¬ 
terrasse  der  Weser  eine  durchaus  primäre  alluviale  Bildung 
ist,  also  nicht  etwa  nur  durch  Umlagerung  älterer,  diluvialer 
Schotter  entstanden  zu  denken;  denn  ihr  Gehalt  an]  nordischen 
Bestandteilen  ist  sehr  gering  und  die  typischen  Wesergerölle, 
wie  Buntsandstein  und  Thüringer- Waldporphyr,  sind  reich¬ 
lich  vorhanden  und  zeigen  dieselben  Größenverhältnisse  der 
Gerolle,  wie  es  bei  jeder  normalen,  d.  h.  nicht  von  Eisschmelz¬ 
wassern  veränderten  Weseraufschüttung  der  Fall  ist.  Kurz 
ich  halte  die  Hessisch-Oldendorfer  Inselt errasse,  wie  auch 
die  Terrasse  der  Fischbecker  Kiesgruben,  die  ebenfalls  Ziegel¬ 
steine  führt,  für  eine  primäre  alluviale  Aufschüttungsfcerrasse 
und  sehe  in  ihrem  Vorhandensein  den  Beweis  dafür,  daß 
im  mittleren  Wesertal  in  verhältnismäßig  junger,  alluvialer 
Zeit  eine  ganz  erhebliche  Aufschüttung  stattgefunden  hat, 
die  derjenigen  der  Unteren  Terrasse  mindestens  gleichkommt. 

Das  Verhältnis  unserer  Hessisch-Oldendorfer  Insel¬ 
terrasse  zu  der  Unteren  Terrasse  Gritpes  (4)  wird  durch 
einen  zweiten  Aufschluß  geklärt:  etwa  700  Meter  südwest¬ 
lich  vom  Bahnhof  Hessiseh  Oldendorf,  unweit  der  Zucker- 


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fabrik,  liegt  an  (lein  südlichsten,  von  der  Fabrik  nach  Westen 
in  der  Richtung  auf  die  Koverdensehe  Weide  führenden 
Feldweg  eine  nicht  sehr  umfangreiche  Kiesgrube  (Besitzer 
Heinrich  Krüger  in  Hessisch- Oldendorf),  die  einer, 
etwa  zwei  Meter  höher  (als  die  der  Inseiterrasse)  liegenden 
größeren  Terrassenfläche  der  Unteren  Terrasse  (Siecjejjts 
postglazialer  Terrasse)  angehört.  Dgs  Profil  der  Kiesgrube 
konnte  von  mir  im  Jahre  1919  und  dann  noch  einmal  1921 
gemessen  werden  und  zeigt  deshalb  eine  dem  Fortschritt 
des  Kiesabbaues  entsprechende  Veränderung.  Diese  beiden 
Profile  lauten: 

.  I.  1919 

0,5  m  lehmiger  Sand  und  Sand  der  Weser 
1,0  m  Weserkies 

1,2  m  grauer,  braun  verwitternder  sandiger  Ton  mit  Bythinia 
tentaculata,  Ancylus  fluviatilis,  Valvata  piscinalis 
1.5  m  Weserkies  und  -sand  (darin  ein  Cervidenpraemolar). 


II.  1921 

0,6  m  lehmiger  Weserkies 

2,00  m  graubrauner  sandiger  Ton  bzw.  Lehm  mit  Wasser¬ 
schnecken  (Bythinia  tentaculata ,  Limnaea  u.  a.) 

2,00  m  Weserkies  und  -sand,  mituni  er  etwas  rostig  oder 
schwärzlich,  enthält  unten  Knochen,  außerdem  Helix 
sp.,  klein,  weiß  (ganze  Schalen  waren  nicht  zu  er¬ 
halten,  da  sie  an  der  Luft  zerfielen),  Bythinia  tenta¬ 
culata,  Valvata  piscinalis,  Ancylus  fluviatilis,  Limnaea 
ovata  und  Pisidium  sp. 

0,20  m  torfig-sandige  Lage  mit  Holzresten 

Liegendes:  Kies  und  Sand  der  Weser. 

Eintrittes  Profil  in  der  Unteren  Terrasse  beobachtete 
neuerdings  bei  Ausschachtungsarbeiten  für  das  Geschäfts¬ 
haus  Ehrhardt  an  der  südlichen  Ecke  der  Loh-  und 
Kaiserstraße  in  Hameln  Herr  Studienrat  Fricke. 


III.  1923 


0,6  m  Aufschüttung 

1,7  m  Ton  und  Schlick  mit 

2,4  m  Torf 

0,4  m  Ton 

Liegendes:  Weserkies 


Planorbis  corneus  L. 

Planorbis  umbilicatus  Müll. 
Paludina  sp.  (wahrscheinlich  contecta) 
Limnaea  stagnalis  L. 

Valvata  sp.,  Pisidium  sp. 


In  den  Aufschlüssen  der  Ziegeleien  westlich  von  Hameln 
bei  Lachem,  Krückeberg,  Rumbeck  und  Großenwieden  bildet 
überall  der  Auelehm  und  Ton  der  Unteren  Terrasse  eine 
etwa  2  bis  5  Meter  mächtige  Decke,  unter  welcher  der 
Weserkies  der  Unteren  Terrasse  folgt.  Schon  aus  den 
obigen  Profilen  und  den  zahlreichen  Flachbohrungen  bei 
der  Aufnahme  ergibt  sich  also,  daß  auch  die  Untere  Terrasse 
aus  einer  gewöhnlich  an  der  Basis  des  Profils  liegenden, 


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meist  mehrere  Meter  mächtigen  Schicht  von  Weserkies 
und  -sand  besteht,  die  fast  überall  eine  Decke  von  tonig- 
lehmigen  Schlickabsätzen  trägt.  Diesem  Profil  können 
sowohl  im  Ton,  wie  im  Kies  oder  Sand  Lagen  von  Moot- 
erde  oder  Torf  eingelagert  sein,  die  jedoch,  wie  Profil  I 
bis  III  zeigt,  wechselnde  Mächtigkeit  haben  und  z.  B. 
in  derselben  Kiesgrubt»  bei  Hessisch-Oldendorf  1921  völlig 
auskeilten.  Die  Schotter  der  Profile  I  und  II  in  der  Olden¬ 
dorfer  Kiesgrube  zeigen  die  völlig  normale  Zusammensetzung 
eines  Weserkieses  und  enthalten  keine  Zicgelsteingerölle. 
Auch  der  Erhaltungszustand  der  Knochen  deutet  auf  ein 
höheres  Alter  des  Kieses,  als  wie  das  der  Insclterrasse  hin. 
Hiernach  ist  also  sicher,  daß  der  Kies  der  letzteren  bei 
Hessisch-Oldendorf  auch  seiner  Höhenlage  zu  der  Terrasse 
der ‘Profile  I  und  II  nach  alluviales  Alter  besitzt  und  daß 
in  dieser  alluvialen  Zeit  eine  mindestens  ebenso  starke 
Aufschüttung  von  Weserschottern  stattgehabt  hat,  wie  in 
der  nächstälteren  Periode  der  Bildung  der  Unteren 
Terrasse.  Ich  möchte  auf  diese  alluviale  Auf¬ 
schüttung  besonders  deshalb  hinweisen,  weil  neuerdings 
das  Vorhandensein  einer  erheblichen  alluvialen  Aufschüttung 
im  Mittellauf  unserer  deutschen  Ströme  von  Soergel  (t\ 
S.  12)  in  Abrede  gestellt  wird  und  weil  auch  Grupk  (4,  5) 
im  Wesertal  oberhalb  Hameln  weder  der  Unteren  Terrasse, 
noch  dem  Alluvium  nennenswerte  Schotter  mengen  zuspricht. 
Auch  aus  anderen  Flußtälern  ist  eine  solche  alluviale  Kies¬ 
aufschüttung  bekannt  geworden.  So  haben  die  geologischen 
Aufnahmen  an  der  Saale  zwischen  Jena  und  Halle  ergeben, 
daß  dort  allgemein  neben  der  postglazialen  Kiesterrasse 
ausgedehnte  alluviale  Kiesaufschüttungen  vorhanden  sind. 
L.  Sikgekt  hatte  die  postglaziale  Terrasse  zunächst  auf 
den  Karten  blättern  des  Saalegebiets  zwischen  Halle  und 
Weißenfels  als  Altalluvium  dargestellt,  nennt  sie  aber  dann 
in  Übereinstimmung  mit  E.  Picards  und  meiner  Auffassung 
bei  Naumburg  und  Jena  postglazial  (7,  S.  311/12).  Das 
eigentliche  Alluvium  besteht  demnach  zwischen  Jena  und 
Halle  aus  dem  Saalekies,  -Sand  und  -Auelehm  im  Untergrund 
der  heutigen,  ineist  mit  Wiesen  bedeckten  Talaue,  deren 
Schichtenprofil  teilweise  an  den  Steilufern  der  Saale  zu 
sehen  ist.  Über  das  Alter  des  dieser  Terrasse  zugehörigen 
Saalekieses  konnte  ich  kürzlich  bei  Jena  eine  Beobachtung 
machen.  Auf  den  am  Westfuße  des  Jenzigs  in  etwa.  141 
Meter  Meereshöhe  gelegenen  Wiesen,  etwas  südwestlich 
vom  Wort  „Erlkönig“  der  Karte,  das  an  den  Ort  von 


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G  oet  hes  Dichtung'  erinnern  soll,  liegt  linker  Hand  neben 
dem  Fußweg  von  Wenigen  jena  nach  Kunitz  eine  Kies-  und 
Sandgrube,  die  etwa  D/s  Meter  Saalekies  aufschließt.  Dieser 
enthält  nun  außer  Urtio  batavus  L.  und  einzelnen  Knochen- 
resten  (Canis  sp.)  Ziegelsteingerölle  und  rote,  irdene  Topf¬ 
scherben,  die  z.  T.  noch  grüne  Glasurreste  erkennen  lassen. 
Wir  haben  hier  also,  ähnlich  wie  an  der  Weser,  einen  echten 
Alluvialkies  vor  uns,  dessen  jugendliches  Alter  —  seine 
Entstehung  dürfte  in  das  früheste  Mittelalter  zu  versetzen 
sein  —  zweifellos  feststeht.  Die  Terrasse,  zu  der  dieser 
Kies  gehört,  bildet  nun  aber  im  ganzen  Saaletal  den  Unter¬ 
grund  der  heutigen  Aue,  und  wenn  auch  noch  nicht  überall 
bisher  ähnliche  Kulturreste  gefunden  sind,  wie  am  Erl¬ 
könig,  so  darf  es  doch  wohl  als  sicher  gelten,  daß  auch 
im  S'aaletal  in  alluvialer  Zeit  eine  bedeutende  alluviale 
Kiesaufschüttung  stattgefunden  hat. 

Möchten  diese  Zeilen  dazu  anregen,  daß  auch  an  anderen 
Stellen  des  Weser-  und  Saaletales  und  in  anderen  Flußtälern 
der  neuzeitliche  und  prähistorische  Inhalt  der  Kiesablagerun¬ 
gen  aus  alluvialer  und  postglazialer  Zeit  genauer  festgestellt 
wird  und  dadurch  Anhaltspunkte  für  die  Beurteilung  der 
Altersfolge  und  für  eine  etwa  mögliche  weitere  Gliederung 
dieser  jungen  Terrassen  gewonnen  werden. 

(Manuskript  eingegangen  am  17.  April  1923.) 


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96 


+  Neueingänge  der  Bibliothek. 

Bange,  Paul:  Die  Küstenebene  Palästinas.  Aus:  Ver{ 

Ges.  f.  Palästina-Forschung.  8.  Berlin  1922. 

—  Wanderfahrten  in  Galiläa.  Aus:  Jahrb.  d.  Bundes  der 
kämpfer.  1923. 

Reichabdt,  A. :  Geologie  der  Umgebung  Erfurts.  Erfurt^ 

Reiser,  Karl  A. :  Geologie  der  Hindelanger  und  Pfroi 
Berge  im  Allgäu.  Aus:  Geognost.  Jahreshefte.  33,  35 
1920,  1922  u.  1923.  München  1923. 

Shannon,  Earl  V. :  Mineralogie  notes  on  Pucherite, 
Trichalcite  and  Wavellite.  Aus:  Proceed.  U.  S.  Nat. 

62.  Washington  1922. 

—  On  siderite  and  associated  minarels  from  the  Columbia 
basalt  at  Spokane,  Washington.  Aus:  Proceed.  U. S. 

Mus.  62.  Washington  1923. 

Stockdall,  B:  Stvlolites,  their  natui*e  and  origin.  Aus:  In< 
llniversity  studies  IX.  Bloomington  (Ind.)  1922. 

van  der  Veen,  B.  W. :  Örigin  of  the  tectite  sculpture  and 
consequences.  Aus:  Verh.  Geol.-Mijnbouwk.  Genootsch. 
Nederland  cn  Kol.  Geol.  Serie.  VI.  ’s-Gravenhage  1923. 

Wanner  J.:  Zur  Tektonik  der  Molukken.  Aus:  Geol.  Bunds«' 
XII.  Leipzig  1921. 

—  Über  armlose  Krinoiden  aus  dem  jüngeren  Paläozoikum. 
Aus:  Verh.  Geol.-Mijnbouwk.  Genootsch.  voor  Nederland 
en  Kolonien.  Geol.  Serie  V.  .  ’s-Gravenhage  1920. 

—  Beiträge  zur  Geologie  und  Geographie  von  Nordost-Borneo. 
Ergebnisse  einer  von  Dr.  K.  Stamm  in  den  Jahren  1913  und 
1914  ausgeführten  Beise,  nach  seinen  hinterlassenen  Auf¬ 
zeichnungen  und  Sammlungen  zusamraengestellt  und  unter 
Mitwirkung  von  Prof.  Dr.  H.  Bücking  bearbeitet.  Aus: 
N.  Jahrb.  Min.  Beil.-Bd.  45.  Stuttgart  1921. 

Wurm,  A. :  Über  die  geologische  Stellung  der  Münchberger 
Gneismasse.  Geologischer  Führer  nach  den  Basal tvulkanen 
bei  Neustadt  a.  C.,  in  die  Münchberger.  Gneismasse  und  in 
das  Fichtelgebirge.  Aus:  Jahresber.  Oberrhein.  Geol.  Ver. 
N.  F.  XII.  1923.  Ansbach  1922  —  Stuttgart  1923. 

—  Zur  Geologie  von  Ostmazedonien.  Aus:  N.  Jahrb.  Min.  L 
Stuttgart  1922. 

Zimmermann  I..  E. :  Geologisches  Querprofil  durch  Thüringen 
von  Suhl  über  Ilmenau  und  Weimar  nach  Halle.  Aus:  Z.  D. 
G.  G.  74.  Berlin  1922. 

—  Die  Gänge  und  Stöcke* von  Poryhyr  im!  Katzbaeh-  und  Wal- 
denburger  Gebirge  in  Schlesien.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol 
Landesanst.  für  1920.  XLI.  II.  Berlin  1922. 

—  Rät  und  „Pliocän“  auf  dem  Kirchberg  bei  Bittstedt  unweit 
Arnstadt  in  Thüringen.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol.  Landesanst 
für  1919,  XL.  II..  Berlin  1922. 

—  Bericht  über  die  Ergebnisse  der  Aufnahmen  auf  Blatt  Kauf- 
fung  im  Jahre  1919.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol.  Landesanst 
für  1919,  XL.  II.  Berlin  1922. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


Tafel  B 


2000  m** 


Carbon 

Oberdevon 

Massenkalk 

Mt  Mitteldevon 

Überschiebungen  u.  Sprünge 

Flöze 


Hirchende 


Huhr 


Flözleeres 


lOCOm 


2000m 

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NIVERSITY  OF  MICHIGAN 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte.) 


B.  Monatsberichte. 


Nr.  5-7.  76.  Band.  1924. 

Berlin  1925. 

Verlag  von  Ferdinand  Enke  in  Stuttgart. 

INHALT. 

Protokoll  der  Sitzung  am  7.  Mai  1924  .  .  . ; .  97 

„  „  „  „  4.  Juni  1924  98 

„  2.  Juli  1924  .  99 

Vorträge : 

POMPECKJ,  J.  F. :  Zum  150.  Geburtstag  Leopold  v.  Buchs 

(Titel) . • .  97 

-QUIEING,  H. :  Thermenaufstieg  und  Gangeinschieben 

(Titel) .  97 

HEILAND,  C.:  Die  bisherigen  Prg^bnisse  magnetischer 
Messungen  über  norddeutscher^.  Salzhorsten.  (Mit 

4  Textfiguren) . *L  .....  .  98,  101 

*  FULDA,  E. :  Die  Entstehung-,  der,- deutschen  Kalisalz¬ 
lager  (Titel) . •* .  98 

GOTHAN,  W.:  Einige  neuere  bemerkenswerte  Funde  in 

der  mitteldeutschen  Braunkohle  (Titel) .  99 

SOLGER,  F. :  Das  Problem  der  Markgrafensteine  in  den 

Rauenschen  Bergen  (Titel) .  99 

BOEHM,  J.:  Das  Uutersenon  von  Borken  i.  Westf.  (Titel)  100 
MESTWERDT,  A.:  Spateisensteingänge  in  mesozoischen 

Schichten  des  Weserberglande.s . 100 

Briefliche  Mitteilungen : 

BRAUN,  G. :  Über  eiuen  Fund  von  Geschiebemergel 

über  Sanden  bei  Tornea . 111 

ERDMANNSDÖRFFER,  O.  H.:  Über  Gesteine  des  Bode¬ 
ganges  im  Harz . 114 

VAN  WERWEKE,  L.:  Über  Ineinandergreifen  von 

Schollen-  und  Faltengebirgsbau . 126 

VAN  WERWEKE,  L.:  Das  Alter  der  Sundgauschotter 

im  Oberelsaß . 130 

QUIRING,  H.:  Pos  tbasal  tische  und  rezente  Schub¬ 
bewegungen  auf  Überschiebungsklüften  im  Rheini¬ 
schen  Schiefergebirge.  (Mit  2  Textfiguren)  ....  139 
Neueingänge  der  Bibliothek . 144 


Go  sie 


Deutsche  Geologische  Gesellschaft. 


Vorstand  für  das  Jahr  1924 

Vorsitzender:  Herr  Krusch  Schriftführer:  Herr  BAbtlinö 

Stellvertretende  |  „  Pompbckj  „  LEUcns-München 

Vorsitzende:  \  „  DEECKE-Freiburg  i.  Br.  „  Solger 

Schatzmeister:  „  Picabd  „  Mestwerdt 

Archivar:  „  Dienst 

Beirat  für  das  Jahr  1924 

Die  Herren:  Broili- München,  Buxtorp- Basel,  Cloos -Breslau,  Erdmanxs- 
dörffer- Hannover,  Fliegel- Berlin,  Schumann  -  Grube  Jlse,  N.-L.,  Strbmme- 
Danzig,  SuEss-Wien,  Wegner  -  Münster. 

□ 

Mitteilungen  der  Schriftleitung. 

Im  Interesse  des  regelmäßigen  Erscheinens  der  Abhandlungen  und 
Monatsberichte  wird  um  umgehende  Erledigung  aller  Korrekturen  gebeten. 

Die  Manuskripte  sind  druckfertig  und  möglichst  in  Maschinenschrift  ein¬ 
zuliefern.  Der  Autor  erhält  in  allen  Fällen  eine  Fahnenkorrektur  und  nach 
Umbrechen  des  betreffenden  Bogens  .eine  Revisionskorrektur.  Eine  dritte 
Korrektur  kann  nur  in  ganz  besonderen  Ausnahmefällen  geliefert  werden.  Für 
eine  solche  hat  der  Autor  die  Kosten  stets  zu  übernehmen. 

Im  Manuskript  sind  zu  bezeichnen : 

Überschriften  (halbfett)  doppelt  unterstrichen, 

Lateinische  Fossilnamen  (kursiv  1)  durch  Schlangenlinie, 

Autornamen  (Majuskeln)  rot  unterstrichen, 

Wichtige  Dinge  (gesperrt)  schwarz  unterstrichen. 


□ 

Bei  Zusendungen  an  die  Gesellschaft  wollen  die  Mitglieder  folgende 

Adressen  benutzen: 

1.  Manuskripte  zum  Abdruck  in  der  Zeitschrift,  Korrekturen  usw.  an 
Herrn  Bergrat  Prof.  Dr.  Bartling,  Berlin-Friedenau,  Kaiserallee  128. 

2.  Einsendungen  an  die  Bücherei,  Reklamationen  nicht  eingegangener 
Hefte,  Anmeldung  neuer  Mitglieder  und  Adressenänderungen  an 
Herrn  Prof.  Dr.  Dienst,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

3.  Anmeldung  von  Vorträgen  für  die  Sitzungen  an  Herrn  Bergrat 
Prof.  Dr.  Mestwerdt,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

4.  Sonstiger  Briefwechsel  an  deil  Vorstand  der  Deutschen  Geo¬ 
logischen  Gesellschaft,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

5.  Die  Beiträge  sind  gebührenfrei  auf  das  Postscheckkonto  von 
Prof.  Dr.  E.  Picard,  Schatzmeister  der  Deutschen  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft  in  Berlin  N  4  beim  Postscheckamt  Berlin  NW  7  Nr.  38581  zu 
überweisen. 

Aus  dem  Ausland  sind  die  Beiträge  an  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Picard, 
Berlin  N4,  Invalidenstr.  44,  einzusenden. 


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Zeitschrift 

der 

Dentschen  Geologischen  Gesellschaft 


B.  Monatsberichte. 

Nr.  5-7. 


1M24-. 


Protokoll  der  Sitzung  am  7.  Mai  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Keusch. 

Der  Vorsitzende  gedenkt  der  reichen  Verdienste  der 
beiden  jüngst  verstorbenen  Mitglieder,  der  Herren 
Schmeisskr  und  Leppla;  die  Versammlung  erhebt  sich  zu 
ihrem  Andenken. 

Als  Mitglieder  werden  in  die  Gesellschaft  aufgenommen: 

Das  Institut  für  Mineralogie  und  Petrographie  der 
Universität  Leipzig; 

Herr  Bergbaubcflissener  Leonhard  Riedel  in  Essen, 
Friedenstr.  37. 

Herr  Bartling  gibt  den  vorläufigen  Plan  für  den  Ver¬ 
lauf  der  Hauptversammlung  in  Königsberg  und  Danzig  be¬ 
kannt.  Herr  Pompeckj  wünscht  für  die  Zukunft,  daß  die 
Hauptversammlungen  nicht  vor  dem  4.  August  beginnen. 
Der  Vorsitzende  stimmt  dem  zu  und  begründet  die  diesmalige 
Abweichung  davon. 

Nach  Vorlage  der  Büchereieingänge  durch  den  Vor¬ 
sitzenden  gibt  Herr  POMPECKJ  ..Zum  150.  Geburtstage 
Leopold  v.  Buchs“  ein  Bild  vom  Leben  und  der  Bedeutung 
des  großen  Mitbegründers  der  Deutschen  Geologischen  Gesell¬ 
schaft  und  regt  an,  das  Bildnis  Leop.  v.  Buchs  in  einer 
geeigneten  Form  in  das  Siegel  der  Gesellschaft  und  das 
Titelblatt  der  Zeitschrift  aufzunehmen. 

Darauf  spricht  Herr  QU1RING  über:  „Thermenauf- 
Ktieg  und  Gangeinschieben“. 

In  der  Erörterung  ergreifen  das  Wort  der  Vorsitzende 
und  Herr  Mestwerdt1). 


9  Siehe  S.  100 

7 


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98 


Dann  folgt  der  Vortrag  von  Herrn  HfilLAND:  „Die 
bisherigen  Ergebnisse  magnetischer  Messungen  über 
norddeutschen  Salzhorsten4*2). 

An  der  Besprechung  beteiligten  sich  die  Herren: 
v.  Schmidt,  Lof.we,  Tcchel,  der  Vorsitzende  und  der  Vor¬ 
tragende.  • 

V.  W.  0. 

Sou;  eh.  Kkvsch.  Bäht  1,1x0. 


Protokoll  der  Sitzung  am  4.  Juni  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Kursen. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  und  teilt  das 
Ableben  des  Mitgliedes  Ernst  Hennemann  in  Charlotten¬ 
burg  mit.  Dio  Anwesenden  erheben  sich  zu  Ehren  de* 
Andenkens  an  den  Verstorbenen  von  ihren  Sitzen. 

Als  Mitglieder  werden  in  die  Gesellschaft  aufgenomnien: 

Fräulein  Adele  Schmidt,  Studienrätin  in  Liegnitz; 

Herr  Assistent  Dr.  Leopold  KÖlbt.  in  Wien,  Feist* 
mantelstraße  4; 

Herr  Oberingenieur  Richard  GCxtzel  in  Wurzbach 
(Reuß). 

Der  Vorsitzende  macht  ferner  Mitteilung  von  der  Vor¬ 
legung  des  Internationalen  Geologenkongresses  in  Spanien 
in  das  Frühjahr  1926  und  gibt  ein  Preisausschreiben  über 
10  000  Dollar  vom  Sekretariat  des  Deutschen  Friedenspreises 
bekannt. 

Nach  Vorlegung  der  neu  eingegangenen  Bücher  und 
Schriften  berichtet  Herr  Wolff  über  die  agrogeologisclie 
Konferenz  in  Rom  und  die  Begründung  der  Internationalen 
Bodenkundliclien  Gesellschaft  (Generalsekretär  Prof.  Hissixu 
in  Groningen).  Dann  gibt  Herr  E.  FULDA  ein  Referat 
über  die  zweite  Auflage  des  Buches  von 
ErnstJA  nicke:  „Die  Entstehung  der  deutschen  Kali- 
salzlager44. 

An  der  Aussprache  beteiligen  sich:  Herr  Zimmkr- 
mann  I,  So  lg  er,  der  Vorsitzende  und  der  Vortragende. 


*)  Siehe  S  101. 


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99 


Herr  GOTHAN  bespricht  „Einige  neuere  bemerkens¬ 
werte  Fnnde  in  der  mitteidentsehen  Braunkohle“. 

In  der  Diskussion  sprechen  die  Herren  Hähnel, 
Flieg el,  der  Vorsitzende  und  der  Vortragende. 

v.  w.  o. 

Dienst.  K  kusch.  Soi.gek. 


Protokoll  der  Sitzung  am  2.  Juli  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Keusch. 

Die  Gesellschaft  hat  durch  den  Tod  verloren:  Herrn 
Bergwerjksdirektor  Wilhelm  Schmitz  in  Hamborn  und 
Herrn  Professor  Theodor  Wolf  in  Dresden. 

Die  Anwesenden  erheben  sich  zu  Ehren  der  Ver¬ 
storbenen. 

Als  Mitglieder  der  Gesellschaft  werden  aufgenommen: 

Herr  Studiendirektor  Mattes  in  Berlin- Adlershof ; 

Herr  Studienassessor  Erich  Koenig  in  Staßfurt: 

Herr  Dr.  Schwanecke  in  Wernigerode  a.  H.; 

Fräulein  Studienrat  Maria  Ilgen  in  Essen; 

Herr  Katasterdirektor  Walter  Mielecke  in  Finster¬ 
walde  (N.-.L); 

Herr  Assistent  Dr.  W.  Hollstein  in  Danzig-Langfuhr, 
Techn.  Hochschule; 

Herr  Studienrat  F.  Koster  in  Bommem  (Ruhr). 

Der  Vorsitzende  teilt  die  Einladung  des  Hauptver¬ 
bandes  deutscher  Höhlenforschung  zur  Hauptversammlung 
vom  15.  August  bis  1.  September  in  Nürnberg  mit,  auf 
der  die  Gesellschaft  durch  Herrn  Dienst  vertreten  sein 
wird.  Herr  Wolf  dankt  im  Namen  des  Vereins  für^Höhlen- 
forschung  für  das  Interesse  der  Geologischen  Gesellschaft 

Nach  Vorlegung  der  Büchereieingänge  behandelt  Herr 
SOLGER:  „Das  Problem  der  Markgraf ensteine  in  den 
Rauenschen  Bergen“. 

7* 


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100 


An  der  Aussprache  nehmen  teil  die' Herren  Keiliiack, 
Schneider,  Johnsen  und  der  Vortragende. 

Hierauf  spricht  Herr  JOH.  BOEHM  über:  „Das  Unter- 
seiion  von  Borken  in  Westfalen“. 

v.  w\  o. 

Dienst.  Solgeb.  Keusch. 


Vorträge. 


Spateisensteingänge  in  mesozoischen 
Schichten  des  Weserberglandes. 

(Erörterung  zum  Vortrage  von  Herrn  Quiring  in  der  Sitzung 
am  7.  Mai  1924.) 

Von  Herrn  A.  Mestwerdt,  Berlin. 

Im  Anschluß  an  den  Vortrag  des  Herrn  Quiring  über 
„Thermonaufstieg  und  Gangeinschieben“  im  Siegerland  sei 
daran  erinnert,  daß  Herr  Grupe  früher  auf  den  Zusammen¬ 
hang  von  Basalten  und  Eisensteinbildungen  im  Solling  hin- 
gewiesen  hat.  Auch  längs  der  Pyrmonter  Achse  ist  der 
Kohlensäuregehalt  der  Heilquellen  wohl  als  magmatische 
Auswirkung  zu  deuten,  und  das  in  der  kohlensäurehaltigen 
Therme  gelöste  Ferrokarbonat  konnte  gelegentlich  auf 
Quellspalten  als  Spateisensteingäng  ausgeschieden  werden. 
Am  offenkundigsten  ist  dieser  Zusammenhang  bei  jenem 
kleinen  Spateisensteingang,  der  im  Fortstreichen  der  Pyr¬ 
monter  „Stahlquelle“  und  etwa  3  km  von  ihr  entfernt  in 
einem  Steinbruch  im  Wellenkalk  (bei  Holzhausen)  auf¬ 
geschlossen  ist.  In  steil  auf  gerichteten  Wellcnkalkschichten 
derselben  Hebungslinie  sah  ich  ferner  bei  Rentorf  (unweit 
Lemgo)  Klüfte,  die  senkrecht  zur  Schichtung,  also  mehr 
wagerecht  liegen,  mit  Kalkspat  und  Spateisen  ausgekleidet, 
während  in  dem  benachbarten  Buntsandstein  Eisenglanz 


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101 


vorkommt.  Auch  hierbei  möchte  ich  an  die  Mitwirkung  von 
Kohlensäuerlingen  denken,  die  vor  Ausbildung  der  jetzigen 
hydrologischen  Verhältnisse  das  Gebirge  durchwandern 
konnten.  Seit  langem  bekannt  ist  sodann  das  Vorkommen 
eines  abbauwürdigen  Spateisensteinganges  im  Wiehengebirge 
bei  Preußisch-Oldendorf.  Er  setzt  im  Braunen  Jura  auf, 
der  hier  an  der  Limbergachse  Lohmanns  sattelförmig  sich 
aufwölbt.  Man  erkennt  also  auch  bei  dieser  unbedeutenden 
Nebenachse  einen  „fossilen“  Kohlensäuerling.  So  dürften 
mit  der  Zeit  noch  weitere  kleine  Spateisensteingänge  ge¬ 
funden  werden,  wie  z.  B.  ein  solcher  bei  Bad  Essen  am 
Wiehengebirge  in  der  Bauerschaft  Essenerberg  im  Unteren 
Dogger,  auf  dem  Nordflügel  der  Piesberg-Pyrmonter  Achse, 
vorkommt.  Der  Gang  streicht  etwa  im  Sinne  des  ganzen 
Gebirges.  Auf  die  Nachbarschaft  der  kleinen  kohlensäure- 
haltigen  Solquelle  von  Bad  Essen  und  die  Möglichkeit  eines 
genetischen  Zusammenhanges  beider  Erscheinungen  sei  auch 
hier  wieder  hingewiesen. 


Die  bisherigen  Ergebnisse  magnetischer 
Messungen  Ober  norddeutschen  Salzhorsten. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  vom  7.  Mai  1924,  nebst 
einigen  Ergänzungen.) 

Von  Herrn  C.  Heiland. 

(Mit  4  Textfigumi.) 

Dir  Anwendung  erdmagnetischer  Untersuehungs- 
methoden  zu  geologischen  und  bergbaulichen  Zwecken  ist 
keineswegs  sehr  jungen  Datums.  Insbesondere  wurden  sie 
mit  Erfolg  bei  Aufschlußarbeiten  im  Eisenerzbergbau  ver¬ 
wandt;  die  erste  geschichtliche  Überlieferung  darüber 
stammt  meines  Wissens  aus  dem  Jahre  1760.  Der  um¬ 
gekehrte  Gedankengang  —  nämlich  die  Aufsuchung  von 
schwächer  als  die  Umgebung  magnetisierten  Lagerstätten 
—  wurde  im  Jahre  1920  von  F.  Schuh  bei  erdmagnetischen 
Beobachtungen  über  den  Salzhorsten  Mecklenburgs  ange¬ 
wandt.  Vorher  hatte  schon  im  Jahre  1898  A.  Schueck  auf 
negative  magnetische  Anomalien  über  Kreidevorkommen 


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102 


aufmerksam  gemacht,  indessen  hatten  seine  Messungen  nicht 
den  methodischen  Charakter  und  praktischen  Hintergrund 
wie  die  von  F.  Schuh. 

Die  Untersuchungen  von  F.  Schuh  haben  mm  an 
verschiedenen  anderen  Stellen  zu  weiteren  Messungen  über 
Salzlagerstätten  angeregt;  soweit  dieselben  veröffentlicht 
sind,  sollen  sie  im  folgenden  kurz  besprochen  werden. 


Es  wurden  untersucht: 


I.  Das  Gebiet,  der  Salzlagerstätten  des  sw.  Mecklen¬ 


burg  von  F.  Schuh. 

II.  Die  Ostseeküste  vom  Salzhaff  bis  in  die  Gegend 
von  Rostock  von  der  „Erda“  A.-G.,  Göttingen. 

III.  Das  östlich  angrenzende  Gebiet,  die  Gegend  von 
Warnemünde  und  Rostock  von  H.  Moll. 

IV.  Der  Salzstock  bei  Wefensleben  von  H.  Haalck 
und  G.  Brinkmeibr. 


V.  Der  Salzstock  von  Segeberg  in 
Holstein 

VI.  Der  bei  Bahlburg  südl.  Winsen 
a.  d.  Luhe  und 

VII.  Der  Salzhorst  von  Lüneburg 


vom  Verfasser. 


Die  dabei  angewandte  Messungsmethode  war  in  allen 
Fällen  die  gleiche.  Zur  eindeutigen  Bestimmung  des  erd¬ 
magnetischen  Kraftfeldes  seiner  Richtung  und  Stärke  nach 
benötigt  man  drei  Bestimmungsstücke,  und  zwar  hat  sich 
die  Messung  der  Deklination,  Horizontalintensität  und  In¬ 
klination  auf  dem  Wege  der  sog.  absoluten  Beobachtungen 
als  zweckmäßig  herausgestellt.  Da  jedoch  deren  Ausführung 
sehr  zeitraubend  ist,  wird  man  für  praktische  Zwecke  nur 
eine  Komponente  des  Gesamtfeldes  heranzieheu,  und  zwar 
nach  Möglichkeit  diejenige,  welche  hinsichtlich  ihrer  Ano¬ 
malie  die  engste  Beziehung  zu  den  störenden  Ursachen 
der  obersten  Erdkruste  auf  weist;  die  Vertikal  Intensität  oder 
Z-Komponente. 

Zur  Ausführung  von  Vertikalintensitätsmessungeu  kann 
man  sich  verschiedener  Apparate  bedienen;  am  zweck¬ 
mäßigsten  bat  sich  jedoch,  besonders  in  letzter  Zeit,  die 
Feldwage  nach  Ad.  Schmidt  der  Askania- Werke  A.-G. 
erwiesen,  eine  Modifikation  der  LLOYDschen  Wäge.  Die¬ 
selbe  besteht  in  einfachster  Weise  aus  einem  Magnetsystem, 
welches  senkrecht  zum  magnetischen  Meridian  auf  einer 
Schneide  balanziert.  Der  Sclrwerpunkt  des  Systems  fällt 
nicht  mit  dem  Drehpunkt  zusammen;  d;is-elbe  ist  außer- 


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103 


«Irin  so  überstimmt,  daß  e<  am  jeweiligen  Beob  ichtimgs- 
punkt  annähernd  horizontal  liegt.  Seine  Rippung,  de  durch 
ein  Kernrohr  mittels  Spiegelsystems  an  einer  Skala  ab- 
eeleson  werden  kann,  ist  der  Vertikalintensität  direkt 
proportional.  Die  Vertikalintensität,  berechnet  sich  somit 
einfach  nach  der  Beziehung  Z  Z0  +  s  (sred— s0),  wobei  srt  ein 
der  Vertikalintensität  Z0  der  Ausgangsstation  entsprechender 
Basisstaud,  sred  die  wegen  Instrumentenneigung  und  Tempe¬ 
ratur  sowie  Variation  des  Erdmagnetismus  verbesserte  Ab¬ 
lesung  an  der  Station  und  e  der  Skalenwert  ist. 

Um  den  durch  die  Lagerstätte  selbst  bedingten  Störungs¬ 
bot  rag  zu  erhalten,  ist  an  jedem  Punkte  der  Normalwert 
der  Z-Komponente  abzuziehen;  man  erhält  so  den  Störungs¬ 
wert  AZ;  Linien  gleicher  Vertikalkraftstörung  heißen 
Z-Isanomalen;  die  .  Störung  der  Vertikalkraft  wird  positiv 
sein,  wenn  der  Gehalt  eines  Schichtenkomplexes  an  magne¬ 
tisierbaren  Substanzen  den  der  Umgebung  übertrifft  und 
umgekehrt. 

Wir  gehen  nunmehr  zur  Besprechung  der  einzelnen 
Untersuchungen  selbst  über,  und  zwar  soll  in  jedem  Pall 
der  magnetische  und  der  geologische  Teil  der  betreffenden 
Arbeiten  für  sich  behandelt  werden. 

I.  \1  e s s u n g e  n  von  F.  Schuh  im  südwestlichen 
Mecklenburg. 

a)  Magnetischer  Teil. 

Es  wäre,  wünschenswert  gewesen,  wenn  der  Begriff 
Empfindlichkeit  nicht  in  zwei  verschiedenen  Bedeutungen 
verwendet  worden  wäre;  man  weiß  häufig  nicht,  ob  nun 
Skalen-  oder  Basiswert  gemeint  ist. 

Die  Bestimmung  des  Normal  wertes  genügt  ferner  kaum 
den  für  theoretische  Zwecke  erforderlichen  Ansprüchen  an 
Genauigkeit,  da  von  einer  Karte  im  Maßstab  1 : 750  000 
(magnetische  Karte  des  Deutschen  Reiches  von  An.  Schmidt, 
Z-Komponente  für  1901)  Linien  in  Abständen  von  100  zu 
100  y  (1  y  =  1  x  IO-5  CGS)  auf  ein  Meßtischblatt  übertragen 
und  100  weitere  Linien  interpoliert  wurden. 

Die  Isanomalenkarte  endlich  wäre  besser  mit  Linien 
in  Abständen  von  25  zu  25  y  statt  mit  solchen  von 
10  zu  10  y  konstruiert  worden,  in  Anbetracht  der  Über¬ 
sichtlichkeit  und  des  mittleren  Beobachtungsfehlers. 

Was  die  Kontrollmessungen  betrifft,  so  wäre  zur 
Ermittlung  von  Standänderungen  des  Instrumentes  ein 
häufiger  Anschluß  an  der  Basis  erwünscht  gewesen. 


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104 


b)  Geologischer  Teil. 

Kg.  1  zeigt  eine  vom  Verfasser  unter  Benutzung  der 
von  Schuh  mitgeteilten  Werte  in  Abständen  von  25  zu  25  \ 
entworfene  Isanomalenkarte.  Es  ist  auffällig,  daß  in  der 
Anordnung  der  Maxima  und  Minima  die  variskische  Rich¬ 
tung  derartig  vorherrscht.  Stellenweis«»  kreuzt  sieh  die¬ 
selbe  mit  dem  untergeordneten  herzynischen  System. 


Fig.  1.  Die  Messungen  von  F.  Schuh  im  Gebiet  der  Salzlager¬ 
stätten  des  südwestlichen  Mecklenburg. 


Die  geringsten  Werte  der  Vertikalintensität  finden  sich,  • 
besonders  bei  Lübtheen  und  Conow,  über  den  dortigen  Salz-- 
Stöcken.  Ein  Profil  durch  die  von  Schuh  mit  getcil  teil 
Lübtheener  und  Conower  Bohrungen  ergibt,  daß  auf  die 
magnetische  Linienführung  in  der  Hauptsache  d:e  Gestaltung 
des  Gipshutes  von  Einfluß  ist. 

Auf  Grund  dieser  Erkenntnis  dürfte  man  wohl  den 
weitergehenden  tektonischen  Schlußfolgerungen  ScniH'  über 
die  Verbreitung  der  Salzlager  keine  so  große  Bedeutung 
beimessen,  zumal  noch  ausdrücklich  festgestellt  wird.  daJi 
auch  das  Tertiär  (besonders  im  SO  des  Untersuehunfirs- 
gebiete-O  starke  negative  Anomalien  hervorruft. 


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105 


II.  Messungen  der  „K  r d a“  A.  -  G.  an  der  Ost- 
s  e  e  k  ü  $  t  e  Mecklenburgs. 

a)  Magnetischer  Teil. 

Durch  die  große  Anzahl  von  Stationen  hut  sich  das  ziem 
lieh  kompliziert  erscheinende  magnetische  Kartenbild  gut 
festlegen  lassen;  es  wäre  allerdings  wünschenswert  gewesen, 
wenn  auch  die  Ergebnisse  der  Kontrollmessungen  mit- 
ge teilt  worden  wären,  um  Anhaltspunkte  über  die  innere 
Zuverlässigkeit  des  Netzes  zu  ermöglichen.  Der  Anschluß 
nach  Osten  zu  den  Mou.schen  Messungen  hinüber  ist  nicht 
ganz  befriedigend;  beim  Zusammenzeichnen  beider  Auf¬ 
nahmen  ist  man  häufig  über  die  Linienführung  im  Zweifel. 
Vor  allem  fällt  auf,  daß  die  Störungsamplituden  im  Bereiche 
der  „Erda“' -Messungen  wesentlich  größer  sind,  als  im  Unter¬ 
suchungsgebiete  von  H.  Mo  m.. 

b)  Geologischer  Teil. 

Die  geologischen  Verhältnisse  des  Unter suchungsgebietes 
sind  nicht  sehr  genau  bekannt.  An  die  Basis  des  Diluviums 
treten  im  fraglichen  Gebiete  hauptsächlich  Eocän,  Paleoeän 
und  Kreide  heran.  Salzhorste  werden  an  verschiedenen 
Punkten  vermutet,  sind  jedoch  noch  nicht  mit  Bestimmtheit 
nachgewiesen.  Die  unruhige  Gestaltung  des  magnetischen 
Kartenbildes  hat  das  Vermessunsrsgebiet  mit  allen  bisher 
aufgenommenen  Küstenländern  der  Ostsee  gemeinsam.  Ob 
eine  derartige  Linienführung  in  erster  Linie  auf  wechsel¬ 
volle  magnetische  Verhältnisse  innerhalb  des  Diluviums 
zurüekzuführen  ist,  wie  F.  Errilat  und  der  Verfasser 
annehmen  möchten,  ist  bisher  noch  eine  Streitfrage.  F.  Schuh 
vertritt  dagegen  die  Ansicht,  daß,  abgesehen  von  einem 
allgemeinen  Einfluß  tektonischer  Richtungen  sowie  der  oro- 
graphi8chen  Gliederung  des  Geländes,  nicht  nur  das  Hoch- 
kommen  des  eoeänen  Kieselgesteines  sich  durch  relativ 
geringe  Werte  kennzeichne,  sondern  daß  auch  an  ver¬ 
schiedenen  Punkten,  wie  z.  B.  bei  Hohenfelde,  Wichmanns¬ 
dorf,  Sandhagen,  Reddelich  und  Hinte rbollhagen.  die  dortigen 
negativen  Anomalien  mit  ziemlicher  Sicherheit  auf  «las 
Aufbrechen  von  Salzhorsten  schließen  ließen. 

III.  Die-  M  ossungen  v  o  n  H.  Moll  bei  R  o  stock 

u n d  W arueraünde. 

a)  Magnetischer  Teil. 

In  diesem  Teil  seiner  Arbeit  befaßt  sich  H.  Moll 
eingehender  mit  Prinzip  und  Methode  der  Feldwagenmessun- 


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106 


gen,  jedoch  wird  dabei  m.  E.  besonders  das  erstere  nicht 
mit  der  wünschenswerten  Schärfe  herausgearbeitet  und 
auch  sonst  scheinen  hinsichtlich  der  Bedeutung  der  einzelnen 
Rechenoperationen  noch  mancherlei  Unklarheiten  zu  be¬ 
stehen.  Bezüglich  der  Bestimmung  des  Normahvertes  und 
des  Wertabstandes  der  Isanomalen  gilt  auch  liier  das  im 
Abschnitt  I  gesagte.  Aus  den  *  verschiedenen  regellosen, 
wenngleich  zu  einer  Basis  symmetrischen  Standändennigm 
des  Instrumentes  eine  „absolute  Konstanz“  der  Feldwajre 
ableiten  zu  wollen,  ist  doch  wohl  nicht  möglich;  es  scheint 
sich  hier  lediglich  darum  zu  handeln,  daß  die  Wage  infolge 
von  Ungenauigkeiten  im  Schneidenschliff  zwei  verschiedene 
Auflagen  bevorzugt. 

b)  Geologischer  Teil. 

Ähnlich  wie  bei  dem  unter  II  besprochenen  Unter* 
suchungsgebiet  l)eteiligen  sicli  auch  hier  an  dessen  Zu¬ 
sammensetzung  vornehmlich  Diluvium,  Eociin,  Paleocän  und 
Kreide.  Auch  magnetisch  äußern  sich  diese  Schieliten¬ 
glieder  wiederum  derartig,  daß  einer  größeren  Mächtigkeit 
des  paleoeänen  Tones  hohe  magnetische  Werte  entsprechen, 
während  eine  geringe  Tiefenlage  des  eoeünen  Kicselgesteines, 
wie  bei  Rostock,  im  besonderen  aber  ein  Hochkommen  der 
Kreideoberkante,  besonders  bei  Warnemünde  sich  durch 
Minima  der  Vertikalintensität  kennzeichnen.  Die  Vertiefung 
des  Warnemünde^  Minimums  nach  0  zu,  das  sog.  Breitlings¬ 
minimum,  möchte  Moi,l  auf  Rechnung  eines  Salzhorstes 
setzen,  welcher  die  Kreide  mit  emporgebracht  haben  könnte. 

IV.  M  e  s  s  u  n  g  e  n  von  H.  Ha  a  l  c  k  u  n  d  G.  B  u  i  n  k  - 
meikk  bei  Wefenslebcn. 

Diese  Untersuchungen  sind  mit  zwei  Apparaten  bei 
häufigerem  Anschluß  an  Kontrollstationen  ausgefülirt 
worden.  Als  mittlerer  Beobachtungsfeh ler  ergab  sich  T« 
wogegen  die  maximale  Störungsamplitude  (von  der  Salz* 
auf pressung  bis  zum  ungestörten  Teil)  120  y  betrug  (bei 
einer  Tiefenlage  des  Salzspiegels  von  etwa  300  m  unter 
Tage). 

Die  geologischen  Verhältnisse  des  Untersuchungs¬ 
gebietes  sind  gekennzeichnet  durch  die  grabenartige  Ver¬ 
senkung  von  Keuper  und  Jura  zwischen  Muschelkalk  und 
Röt  einerseits  und  Rhät  andererseits,  durch  weicht1  im 
Grabengebiet  das  Zechsteinsalz  hochgepreßt  wurde.  wie  die 
beigegebenen  Profile  (Fig.  2)  zeigen. 


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107 


Die  magnetische  Linienführung  paßt  sich  mit  Ausnahme 
les  Minimums  westlich  Wefenslebens,  das  auf  Messungs¬ 
ehler  zurückgeführt  wird,  den  geologischen  Verhältnissen 
:ut  an.  Das  Hauptminimumgebiet  folgt  ziemlich  genau  der 
Trabenzone,  ist  aber  verschoben,  weil  im  O  das  Salz  nicht 
lic  ganze  Grabenzone  ausfüllt. 


Grenze  des  8alsspiegels  300  m  ^ 

unter  Tage 

-  Grenze  des  Salshorstes  auf  780  m 
Bohle 

J  Verwerfungen 


Fig.  2.  Die  Messungen  von  Haalck  und  Brinkmeier  bei  Wefensleben. 
a)  Z-Isanomalen  b)  Profile 


V.  Messungen  über  dem  Salz  hörst  von  Sege- 
berg  vom  Verfasser. 

Was  den  erdmagnetischen  Teil  de£  Arbeit  betrifft,  so 
ist  nur  zu  bemerken,  daß  deren  Ausführung  in  verhältnis¬ 
mäßig  kurzer  Zeit  vor  sich  ging,  da  die  Basisanschlüsse 
infolge  relativ  guter  Konstanz  der  Wage  und  gleichmäßiger 
Temperatur  sehr  beschränkt  werden  konnten. 

Geologisch  ist  das  Untersuchungsgebiet  charakterisiert 
durch,  den  Aufbruch  eines  etwa  4  km  langen  und  2  km 
breiten  Salzhorstes  von  südwestlichem  bis  nordöstlichem 
Streichen  durch  tertiäre  und  diluviale  Schichten,  dessen  Gips¬ 
hut  im  Kalkberg  inmitten  Segebergs  und  bei  Stipsdorf  zutage 
ausgeht  und  dessen  Ausdehnung  durch  Bohrungen  gut  bekannt 
ist.  Die  magnetische  Anomalie  paßt  sich  in  ihrem  Verlaufe  ge- 


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uau  der  Erstreckung  des  Gipshutes  an  und  erreicht  auf  dem 
Kalkberg  die  größten  negativen  Werte,  während  bei  Stips 
dorf  die  Anomalie  nur  ungefähr  halb  so  groß  ist,  was 
höchstwahrscheinlich  durch  die  Schlottenausfüllung  des 
dortigen  Gipses  mit  tertiärem  und  diluvialem  Material  bedingi 
wird  (vgl.  Profil  Fig.  3). 

VI.  Über  die  Messungen  des  V er f as s ers  bei 
Bahlburg  südlich  Winsen 
ist  wenig  zu  bemerken.  . 

Hinsichtlich  der  geologischen  Verhältnisse  des  in  zwei 
Profilen  von  zusammen  16  Stationen  untersuchten  Gebiet« 


Fig.  3.  Gebrochenes,  überhöhtes  Profil  durch  den  Salzhorst  von 
Segeberg  nebst  Darstellung  der  AZ-Kurve. 


ist  nur  soviel  bekannt,  daß  in  einer  Bohrung  bei  Bahlbm^ 
das  Salz  bei  etwa  —  300  m  erreicht  wurde,  während 
weitere,  ihrer  Lage  nach  nicht  genau  bekannte  Bohrung 
ergebnislos  verliefen.  Statt  der  zu  erwartenden  negativ 
Anomalie  ergaben  die  Messungen  eine  etwa  ostwestücb 
streichende  positive  Störung  von  75  y  Amplitude,  was  e'H 
auf  die  Wirkung  stärker  magnetisierter,  von  dem  Salzstock 
emporgebracliter  Schichten  zurückzuführen  sein  dürfte. 


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VII.  Die  Untersuchungen  bei  dem  Zechst  ein- 
aufbruch  von  Lüneburg 

beziehen  sieh  wiederum  auf  ein  geologisch  sehr  genau  unter¬ 
suchtes  Gebiet.  Der  dortige  Salzstock,  dessen  Gipshüte  im 
Schiitstein  und  Kalkberg  zutage  treten,  hat  triassische, 
Kreide-  und  miocane  Schichten  mit  an  die  Oberfläche 
gebracht. 

Wie  das  Profil  in  Fig.  4  zeigt,  finden  sich  über  diesen 
Gipshüten  wiederum  die  Höchstwerte  der  negativen  Ano¬ 
malie,  um  über  dem  Verbreitungsgebiet  der  triassischen 
Umrahmung  nach  der  Kreide  zu  langsam  abzuklingen.  Bei 
stärkerem  Einfallen  der  Knude,  im  W,  scheint  die  negative 
Störung  auch  starker  zu  sein.  Buntsandstein  und  Keuper 
hatten  keine  nachweisbare  Einwirkung.  Die  miocänen  Braun¬ 
kohlensande  dagegen  kennzeichnen  sich  deutlich  durch  ein 
Minimum,  was  auch  in  anderen  Bcobnchtungsgebicten  schon 
früher  auf gefallen  war.  — 


l J N £  auRG 


Fig.  4.  Schematisches  Profil  der  Lagerungsverhältnisse  und 
Darstellung  der  ^Z-Horste  he*  Lüneburg. 


Zusammen  fassend  läßt  sich  also  nach  den  bisher  be¬ 
kanntgewordenen  Messungsergebnissen  sagen,  daß  sich  erd¬ 
magnetische  Untersuehungsmethoden  mit  Erfolg  zur  Auf¬ 
findung  von  Salzhorsten  im  Norddeutschen  Flachland  ver¬ 
wenden  lassen.  Freilich  ist  die  hier  in  Anwendung  kommende 
Arbeitsmethode  eine  indirekte,  da  sich  der  Salzstock  meistens 
durch  seinen  Gipshut  verraten  wird  und  demgemäß  die 
erfolgreiche  Anwendungsmöglichkeit  magnetischer  Schür 
fungen  auf  geringe  Tiefenlage  desselben  beschränkt  bleibt. 
Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  daß  erdmagnetische  Mes¬ 
sungen  nicht  mit  derartiger  Eindeutigkeit  arbeiten  können. 


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110 


wie  Schweremessungcn  mit  Hilfe  der  Drehwage  (ein  Instru¬ 
ment,  welches  man  für  genaue  Aufschlußzwecke  stets  heran - 
ziehen  sollte),  weil  bezüglich  der  Volumgewichtsdifferenzen 
von  Schichten  im  Untergründe  auf  Grund  geologischer  Unter 
lagen  stets  leichter  hinreichend  begründete  Annahmen  zu 
machen  sind,  als  bezüglich  der  Größe  und  Richtung  ihrer 
permanenten  Magnetisierung.  Es  wäre  aber  verfehlt,  sie 
nun  deswegen  als  unzuverlässiges  Hilfsmittel  für  den  Geo¬ 
logen  änzusehen,  weil  sie  in  Fällen  komplizierter  geologischer 
Untergrunds  Verhältnisse  schwer  deutbare  Ergebnisse  Liefert. 
Ein  derartiges  Urteil  wäre  erst  berechtigt,  wenn  die  Methode 
z.  B.  infolge  instrumenteller  Mängel  dort  versagt,  wo  eine 
zweite4,  die  sich  auf  Messung  desselben  physikalischen 
Elementes  gründet,  plausible  Resultate  ergibt.  Nichtsdesto¬ 
weniger  wird  die  magnetische  Methode  stets  ihren  Platz 
neben  der  Drehwage  behaupten  können,  nicht  nur  durch  die 
Pionierarbeit,  welche  sie  in  Anbetracht  ihrer  wesentlich 
größeren  Handlichkeit  für  dieselbe  leisten  kann  —  sei  es 
in  unerforschte4 n  Gebieten,  sei  es  im  Anschluß  an  vor¬ 
handene  Bohrungen  — ,  sondern  auch  durch  ihre  Ver¬ 
wendungsmöglichkeit  in  bergigen  Gegenden  (besonders  bei 
Eisenerzlagerstätten),  wo  die  Drehwage  wegen  der  Unsicher¬ 
heit  der  Geländoreduktion  meistens  versagt. 

Wenn  auch  der  mittlere  Beobachtungsfehler  bei  «len 
Feld wagenmessungen  (+10 — 15  y)  selbst  bei  starken  Tempe¬ 
raturgradienten  hinter  der  Maximalstörung  durch  Gipshüte 
( — 1 25  y)  erheblich  zurückbleibt,  so  ist  noch  manches  zu 
verbessern.  Zunächst  ist  ein  genaues  Studium  der  Ursachen 
von  Basisstandsänderungen  erforderlich.  Nicht  nur  die  Mög¬ 
lichkeiten  von  Schwerpunktsverlagerungen,  sondern  auch 
von  Drehpunktsverschiebungen,  auf  die  man  bisher  weniger 
achtete,  werden  Gegenstand  besonderer  Aufmerksamkeit  sein 
müssen. 

Eine  weitere  Fehlerquelle  war,  namentlich  bei  den 
ersten  Instrumenten,  in  der  Größe  des  Temperatureinflusses 
bzw.  der  Unsicherheit  der  Temperaturkorrektion  begründet. 
Es  sind  jedoch  in  letzter  Zeit  zur  Herab minderung  desselben 
mit  Erfolg  zwei  Hilfsmittel  verwandt  worden,  entweder 
mechanische  bzw.  magnetische  Kompensation  des  Einflusses 
oder  auch  äußerer  Wärmeschutz,  am  zweckmäßigsten  natür¬ 
lich  die  Vereinigung  beider  Einrichtungen.  Tritt  zu  diesen 
instrumenteilen  Vorkehrungen  noch  die  Versicherung  der 
ganzen  Feldbeobachtungen  durch  ein  geschickt  angelegtes 
Netz  von  Wiederholungsmessungen  hinzu,  so  läßt  sich  eine 


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/// 


Zuverlässigkeit  der  Ergebnisse  erreichen,  welche  im  Hin¬ 
blick  auf  den  verfolgten  Zweck  stets  als  ausreichend  an¬ 
zusehen  sein  wird. 


Literatur: 

F.  Schuh:  Magnetische  Messungen  im  südwestlichen  Mecklenburg 
als  Methode  geologischer  Forschung.  Mitt.  d.  Mecklbg.  Geol. 
Landesanst.,  XXXII,  Rostock  1920  und  Archiv  der  Freunde  d. 
Naturgesch.  i.  Mecklbg.,  74,  1920  und  Kali  1921,  H.  14/15,  Juni 
1921. 

H.  Moll:  Erdmagnetische  Vermessung  der  Gegend  von  Rostock  und 
Warnemünde.  Ein  Beitr.ag  zur  Klärung  der  geologischen  Ver¬ 
hältnisse  jener  Gegend.  Steinbruch  und  Sandgrube,  21.  Jahr¬ 
gang,  Heft  20,  1922,  22  Jahrgang,  Heft  1  u.  2,  1923. 

F.  Schuh:  Magnetische  Messungen  ink  nordwestlichen  Mecklenburg, 
Mitt.  d.  Mecklbg.  Geol.  Landesanst.,  XXXIV,  Rostock  1923. 

H.  Haalck  und  G.  Brinkmeier:  Erdmagnetische  Untersuchungen  am 
Salzstock  der  Burbacher  Achsenzone  bei  Wefensleben.  Zeitschr. 
f.  angew.  Geophysik,  Bd.  I.  Heft  4,  1923  und  Kali  17.  Jahrg., 
1923,  Heft  16. 

Heiland:  Das  Erdgasvorkommen  von  Neuengamme  im  Lichte 
geologischer  und  geophysikalischer  Forschung,  Diss.  Hamburg 
1923.  Auszug:  Zeitschr.  f.  prakt.  Geol.,  1924,  Juliheft, 


Briefliche  Mitteilungen. 

Über  einen  neuen  Fund  von  Geschiebemergel 
über  Sanden  bei  Torneä. 

Von  Herrn  G.  Braun  in  Greifswald. 

Ich  hatte  im  August  1921  Gelegenheit,  chis  nördliche 
Finnland  und  Lappland,  zu  bereisen.  Durch  Zufall  fand  ich 
bei  einer  Begehung  der  Umgebung  der  finnischen  Grenzstadt 
Torneä  eine  Sandgrube,  in  der  Geschiebemergel  über 
f  1  u  v  i  a  t  i  1  e  n  Sanden  vorkornmt. 

Die  normale  Lagerung  im  nördlichen  Oesterbotten  (Norr- 
l>otten)  ist  die,  daß  über  dem  Felsgrund  die  Grundmoräne  der 
letzten  Vereisung  anzutreffen  ist,  über  welcher  in  der 
Nähe  der  Küste  die  Bildungen  folgen,  die  der  Abschmelz¬ 
zeit  und  Naeheiszeit  angehören.  Die  höchste  marine  Grenze 


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112 


im  Toni  »‘-Flußtal  liegt1)  am  Pallakavara,  ungefähr  60  km 
landeinwärts,  bei  216  m,  am  Avasaksa2)  in  derselben  Ge¬ 
gend  etwa  203  m.  Das  Mündungsgebiet  des  Flusses  lag 
also  jedenfalls  zeitweise  vollständig  unter  Wasser.  Das 
Schema  der  Entwicklung  der  Sedimentation  in  diesem  Fall 
gab  am  Beispiel  des  Angermanälf  in  Schwedisch  Norrland 
R.  Lides3).  Der  Felsgrund  liegt  liier  überall  in  ganz 
geringer  Tiefe,  in  Haparanda  tritt  er  an  der  Volksschule  zu 
Tage4),  auf  Pirkkiö  (Björkö)  unterhalb  Torneä  ist  er  zu 
finden5),  bei  der  Stadt  Torneä  selbst  ist  der  Hauptarm 
des  Flusses  in  den  Fels  ein  geschnitten'*). 

Die  finnische  Grenzstadt  Torneä  liegt  auf  der  (Insel) 
Svcnsaari  im  Torne-Fluß,  'dessen  östlicher  Arm  der  Haupt¬ 
arm  ist,  während  der  westliche  (Grenz  )  Arm  im  Laufe 
der  Zeiten  fast  völlig  verwuchs.  Die  Svensaari  ist  eine 
relativ  hohe  Insel:  nördlich  der  Stadt,  die  alte  Kirche 
nagend,  erhebt  sich  ein  niedriges  Plateau.  Kvarnbaeken 
genannt  (Mühlenberg).  Auf  demselben  führt,  von  der  west¬ 
lichen  Seite  des  Kirchhofs  kommend,  ein  Weg  entlang. 
Gleich  nördlich  der  Umzäunung  des  Kirchhofs  liegt  re-chtsr 
d.  h.  Östlich  des  Weges  eine  große,  tiefe  Sandgrube,  west¬ 
lich  flache  Grabungen  und  Löcher:  • 

Der  obere  Teil  des  K  varnbacke  bes  t  e  li  t  . 
wie  rechts  und  links  der  Straße  gleichmäßig  sichtbar,  aus 
Moräne.  Unter  dieser  M  o  r  ä  n  e  liegen  wohl  ge- 
sehichtete,  augenscheinlich  f  1  u  v  i  a  t  i  1  e  Sande. 

Am  besten  aufgeschlossen  ist  die  Nordwand  der  großen 
Grube  östlich  der.  Straße.  Das  Profil  ist  das  folgende: 

1  m:  ausgewaschene  Moräne; 

kiesig,  zersetzt,  braune  Farbe. 

X  m:  frische  Moräne,  grau,  stellenweise  etwas  geschichtet 
(gepreßt).  Zahlreiche  gekritzte  Geschiebe  aller  Größen 
und  Arten,  wenn  trocken,  noch  mit  dem  staubigen 
Gesteinsmehl  der  Moräne  umgeben. 


!)  A.  G.  Högbom:  Nya  bidrag  tili  kännedomen  om  de  kvartära 
niv&förändringarna  i  norra  Sverige.  G.  F.  F.  =  Geologiska  Före- 
ningens  i  Stockholm  Förhandlingar  26,  1904,  469. 

‘•b  v.  Hackman:  Om  i  norra  Finland  iakttägna  senglaciala  Strand - 
marken.  Fennia  14,  1897/99. 

sl  R.  Lid£n:  Geokronologiska  studier  över  det  finiglaciala  skedet 
i  Angermanland.  S.  G.  U.  Ca  9,  1913,  Taf.  3. 

*)  F.  Svenqnius:  Bidrag  tili  Norrbottens  Geologi.  Stockholm 
1 880  S  89 

'*)  K.  A.  Fredholm  in  G.  F.  F.  13,  1891,  S.  444. 

6)  J.  E.  Rosberg:  Bottenvikens  flnska  deltan.  Vet.  Medd.  Geogr. 
För.  i  F.  II.  1896,  S.  11. 


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113 


scharfe  Diskordanz 

10  m  sichtbar:  Sande,  grau  bis  weißlich;  feinkörnig,  mit¬ 
unter  mehr  kiesig,  stellenweise  tonig.  Gut  geschichtet, 
stellenweise  Kreuzschichtung.  Einfällen  mit  einigen 
Grad  gegen  Osten,  wo  in  den  tiefsten  Teilen  der  Grube 
die  Lagerung  horizontal  wird.  Steinfrei. 

Das  ist  der  Befund.  Es  handelt  sich  nunmehr  um  die 
Deutung.  Es  liegen  in  Nordschweden  bereits  einige  Mit¬ 
teilungen  über  Moränenfunde  auf  z.  T.  fossilführendeäi  Ab¬ 
lagerungen  vor. 

Bei  Luleä  gibt  K.  A.  Fß küholm  1885  ein  Vorkommen 
an7),  das  nach  seinen  Ausführungen  mit  dem  eben  Ge¬ 
schilderten  von  Torncä  große  Ähnlichkeit  zeigt.  Auch  dort 
liegt  Moräne  über  Sanden,  die  allerdings  nicht  ganz  stein- 
Trei  sind.  Er  erwähnt  auch  eine  weitere  Fundstelle  im 
Torne-Elf-Tal:  „bei  der  Umlegung  eines  Weges  bei  Ruskola, 
südlich  der  Kirche  von  Ober-Torneä  wurde  auf  eine  kurze 
Strecke  „Morängrus“  durchgraben,  wobei  geschichtete  Kies¬ 
lager  zum  Vorschein  kamen“.  Die  Lokalität  liegt  65  km 
oberhalb  der  Stadt  Torneä  und  die  Aufschlüsse  gleiche« 
danach  vollständig  meinem  Befund. 

Diese  FßEDHOLM’sche  Angabe  finde  ich  später  nicht 
wieder  erwähnt  und  nicht  ausgedeutet.  Bekannter  wurde 
ein  Fund  von  H.  Münthk,  fossilführende  Gyttja  (Schlamm) 
bei  Hernösand8),  den  der  Autor  als  interglazial  anspricht, 
während  N.  O.  Holst  und  andere  in  der  Beurteilung  der 
zeitlichen  Stellung  schwanken9).  Später  wurde  bei  Bol  ln  äs 
in  Hälsingland  (südl.  Norrland)  etwas  sehr  ähnliches  ge¬ 
funden10)  und  von  B.  Erikson  in  Analogie  mit  Munt  he 
ebenfalls  als  Interglazial  gedeutet.  Soweit  ich  derlei  Dinge 
beurteilen  kann,  ist  indessen  nach  dem  Fossilgehalt  ein 
postglaziales  Alter,  d.  h.  nach  der  letzten  Eiszeit  stehend 
nicht  a  limine  abzuweisen. 

Schließlich  sind  in  diesem  Zusammenhang  die  sog. 
Interglazialbildungen  Jämtlands  zu  erwähnen11).  Die  Be¬ 
schreibung,  die  A.  G.  Högbom  gibt:  die  Moräne  in  Oester¬ 
sund  oben  braun  farbig,  unten  blaugrau,  darunter  scharf 

7)  K.  A.  F redholm:  Morängrus  pa  skiktade  grusaflagringar  i 
Norrbotten.  G.  F.  F  VIL  1884  85,  S.  673. 

•)  H.  Munthk:  Om  den  submoräna  Hernögyttjan  och  dess  älder. 
G.  F.  F.  26  1904,  S.  317. 

®)  H.  Munthe:  In  G.  F  F.  31.  1910,  8.  585. 

,0)  B.  Erikson:  En  submorän  fossil förande  aflagring  vid  Bollnäs 
i  Hälsingland  G.  F  F.  34.  1912,  8.  500. 

1Ä)  A.  G.  Högbom:  Om  interglaciala  aflagringar  i  Jemtland. 
G.  F.  F.  15.  1893,  8.  28. 

8 


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114 


abgeschnitten  geschichtete  Sande  mit  einigen  Grad  Nei¬ 
gung  —  gleicht  fast  vollkommen  dem,  was  ich  oben  aus¬ 
führte.  Hier  fanden  sich  aber  in  den  Ziegelgruben  der 
Frösö  außerdem  noch  Tonbildungen  mit  Fossilien  (Moos- 
resten).  Die  überlagernde  Moräne  zeigt  deutlich  östlichen 
Habitus.  Högbgm  stellt  auch  diese  Ablagerung  von  Sanden 
in  die  Zeit  vor  der  letzten  Vereisung. 

Ich  glaube  nun  das  vorhandene  Material  vollständig 
‘  dargelegt  zu  haben.  Die  Deutung  ist  in  allen  Fällen  un¬ 
sicher  und  das  Problem,  ob  wirklich  in  Skandinavien  vor 
der  letzten  Vereisung  das  Eis  so  weit,  abgeschmolzen  sei, 
daß  hier  in  Norrland  eine  so  anspruchsvolle  Flora  leben 
konnte,  wie  sie  in  den  Funden  zutage  tritt,  finde  ich 
in  der  schwedischen  Literatur  nur  wenig  ernsthaft  dis¬ 
kutiert. 

Man  wird  unter  diesen  Umständen  doch  wohl  die  Frage 
vielleicht  mit  besserem  Recht  so  stellen  können,  ob  es 
sich  nicht  bei  allen  diesen  Vorkommnissen  rings  um  das 
Zentrum  der  letzten  Vereisung  um  einen  nochmalig® 
kleinen  Vorstoß,  entsprechend  einem  der  Schlußstadien  der 
Vereisung  in  den  Alpen,  handeln  könne. 

(Eingereicht  Januar  1922;  erschien  inzwischen  auch  in  G.  F.  F. 

Stockholm  1923 ) 


Über  Gesteine  des  Bodeganges  im  Harz. 

Von  Herrn  O.  H.  Erdmannsdoerffer  in  Hannover1). 

(Mit  1  Textfigur  und  2  Tabellen.) 

Vor  50  Jahren  erschien  in  dieser  Zeitschrift*) 
K.  A.  Lossens  Aufsatz  über  den  Bodegang  im  Harz.  Die 
geistvolle  Darstellung  dieses  ausgezeichneten  Beobachters, 
der  außer  den  rein  petrographisch  geologischen  Einzelheiten 
vor  allem, die  Bedeutung  dieses  Vorkommens  für  die  damals 

*)  Nach  einem  Vortrag,  gehalten  vor  der  Deutschen 
Mineralogischen  Gesellschaft  am  21.  August  1923  zu 
Hannover. 

2)  Bd.  XXVI  1874,  S.  856.  Für  die  geologische  Darstellung 
vgl.  Lossen  und  Dames,  Geologische  Karte  der  Umgebung  von 
Thale,  1885,  und  Lossens  Geognostische  Übersichtskarte  des 
Harzgebirges.  Die  abweichenden  Angaben  voir  Lkpsius  (Geologie 
von  Deutschland  H  1910,  S.  341)  sind  unzutreffend. 


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7/5 


noch  nicht  ganz  zur  Buhe  gekommene  Frage  der  Granit¬ 
entstehung  —  ob  plutonisch,  neptunisch  oder  metamorph  — 
entwickelte,  machte  den  Bodegang  zu  einer  klassischen 
Stelle.  Umso  erstaunlicher  ist  es,  daß  seit  diesem  Aufsatz 
keine  anderweitige  Veröffentlichung  über  das  so  inter¬ 
essante  Gebiet  erschienen  ist.  Ein  ausführlicher  Bericht 
von  M.  Koch  (Meldearbeit  1885,  Archiv  d.  Geolog.  Landes¬ 
anstalt)  ist  nicht  zum  Druck  gelangt.  Erst  neuerdings  geht 
W.  Held  in  seiner  Dissertation  (Halle  1922)  kurz  .auf 
einzelne  der  Gesteine  des  Ganges  ein;  ich  komme  auf 
seine  Angaben  weiterhin  noch  zurück. 

Lossen  sah  bekanntlich  im  Boclegang  eine  zum  größten 
Teil  porphyrisch  erstarrte  Apophyse  des  Ramberggranits. 
Die  im  folgenden  beschriebenen  Gesteine  entstammen 
dem  besonders  interessanten  Teile  des  .Ganges  zwischen 
seiner  „Wurzel“  am  Hirschgrund  und  der  Plateaukante 
oberhalb  der  Gewitterklippen. 

In  der  dem  Granitrand  zunächst  gelegenen  Wurzel  ist 
das  eigenartige,  von  Lossen  als  „Fo  r  e  1 1  e  n  le  p  t  y  ni  t“ 
oder  „F  o  r  e  1 1  e  n  a  p  l  i  t“  bezeichnete  Gestein  bis  nahe  an 
die  Westkante  des  Hirschgrundes  in  einer  Reihe  von  Auf¬ 
schlüssen  zu  verfolgen.  Ein  direkter  Zusammenhang  über 
Tage  mit  dem  Granit,  wie  ihn  dieser  Autor  angibt,  ist  nicht 
zu  beobachten.  Das  im  ganzen  ziemlich  genau  dem  Schichtcn- 
streichen  folgende  Gestein  nähert  sich  dem  im  Kontakt 
mit  dem  Hornfels  feiner  körnig  werdenden  Zweiglimmer- 
granit  im  Anstehenden  bis  auf  etwa  5  m,  dann  fehlen  die 
entscheidenden  Aufschlüsse.  Der  genetische  Zusammenhang 
mit  dem  Granit  wird  jedoch  durch  das  Auftreten  von  Über¬ 
gangsformen  innerhalb  der  Gangspalte  erwiesen;  immerhin 
bleibt  es  fraglich,  ob  tatsächlich  eine  mit  dem  Massivgranit 
völlig  gleichaltrige  Apophyse  oder  ein  Nachschub 
granitischen  Materials  vorliegt. 

Das  Wurzelgestein  zeigt  in  einer  sehr  fein¬ 
körnigen,  aplitisch  struierten  Grundmasse  aus  Q  u  a  r  z  . 
Kali  fei  dspat  und  Plagioklas  (mit  12  bis  20%  An.) 
spärliche  gerundete  Quarzdihexaeder,  Blittch  n  von 
Biotit  und  Muskovit  sowie  Säulchen  von  Turmalin, 
die  dicht  erfüllt  sind  mit  runden  Körnern  der  Grundmasse- 
gemengteile,  und  bis  zu  2  mm  große,  ästig  verzweigte, 
ebenfalls  einschlußreiche  Skelettkristalle  von  Andalusit 
(als  solcher  zuerst  von  Cohen  erkannt). 

Die  stoffliche  Zusammensetzung  dieser  Gesteine  geben 
die  Analysen  VH  und  VIH  (S.  121). 

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Auf  dem  Plateau  westlich  des  Hirschgrundes  wird  die 
hier  in  zwei  Äste  gegabelte  Gangspalte,  soweit  das  Pehlen 
von  Aufschlüssen  ein  Urteil  gestattet,  nur  von  Granit- 
porphyr  erfüllt,  der  randlich  starke  Verdichtung  zu 
Quarzporphyr  aufweist.  Die  Art  des  Überganges  zum 
Wurzelgestein  ist  nicht  feststellbar.  Das  südliche  Gang¬ 
trum  erreicht  im  Kleinen  Taschengrund  das  Bodetal,  von 
dem  es  mehrfach  angeschnitten  wird.  Die  Analysen  VI 
und  X  geben  die  Zusammensetzung  von  Salband  und  Gang¬ 
mitte,  die  stofflich  einander  ähnlich,  nur  in  dem  Mengen¬ 
verhältnis  der  Feldspäte  und  Glimmer  voneinander  ab¬ 
weichen.  Die  Fortsetzung  dieses  Gangteils  läuft  bekannt¬ 
lich  über  Altenbrak  nach  Wendefurth. 

Das  nördliche,  wesentlich  kürzere  Trum  ist  durch  die 
starke  stoffliche  Inhomogenität  seiner  Ausfüllungsmasse  be¬ 
kannt.  Am  Salband  liegt  durchweg  ein  heller,  sehr  dichter 
bis  feinkörniger  Quarzporphyr,  der  mit  dem  Neben¬ 
gestein  oft  sehr  innig  verschweißt  ist  und  es  lokal  in 
Apophysen  durch  etzt.  Der  G  r  a  n  i  t  p  o  r  p  h  y  r  der  Gang¬ 
mitte  vom  Baderrücken  geht  wenig  oberhalb  des  altbe¬ 
kannten  Aufschlusses  am  Wege  zwischen  Großem  um! 
Kleinem  Taschengrund  in  ein  dunkleres,  glinfmerreicheifc* 
Gestein  über,  das  Lossen  als  Glimmersyenitporphyr 
bezeichnet,  das  aber  nach  Ausweis  der  Analysen  (IX  und 
XI)  mehr  gr an i tischen  Charakter  besitzt.  Das  dichte 
Salbandgestein3)  hat  die  Zusammensetzung  eines  normalen 
Quarzporphyrs  (Analyse  V). 

Der  glimmerreiche  Porphyr  zieht,  beiderseits  flankiert 
von  Quärzporphyr,  durch  die  Bode  zur  „Blauen  Klippe*; 
jenseits  dieser  erweitert  s  ch  d  e  Gangspalte  auf  einer  Strecke 
von  fast  400  m  bis  zu  einer  Mächtigkeit  von  etwa  30—50  m.  In 
dieser  Zone,  die  in  den  „Gewitterklippen“  ausgezeichnet  aufge¬ 
schlossen  ist,  tritt  an  Stelle  des  dunkeln  Porphyrs  jene 
von  Zincken  entdeckte  Rühe  granitisch-körniger  Gesteine, 
deren  abweichende  Struktur  Lossen  auf  die  langsamere 
Erstarrung  in  der  erweiterten  Spalte  zurückführt.  Die  am 
Westende  des  Klippenzuges  auf  die  normale  Gangmächtig¬ 
keit  von  10  und  weniger  Metern  zusammengeschrumpfte 
Spalte  ist  wieder  nur  von  normalem  Quarzporphyr  erfüllt, 

3)  Held  gibt  a.  a.  O.  die  Analyse  eines  „Felsitporphyrs“  von 
diesem  Salband,  die  mir  durch  ihre  völlig  abweichenden  Werte 
verdächtig  erschien.  Eine  Nachprüfung  der  analysierten  Probe 
ergab,  daß  es  sich  um  einen  etwas  Feldspat  führenden  Quarzit¬ 
hornfels  handelt,  wie  er  als  Einlagerung  in  den  Tonschieferhom- 
felsen  des  Gebietes  weit  verbreitet  ist. 


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7/7 


wie  er  auch  die  Zone  der  körnigen  Gesteine  in  einem 
schmalen  Saume  beiderseits  umgibt,  von  denen  das  südliche 
allerdings  durch  die  mächtigen  Schutthalden  am  Fuß  der 
Kiippenreihe  fast  völlig  verdeckt  ist. 

Die  Gangfüllung  klebt  wie  eine  mächtige,  mehrfach 
von  steilen  Runsen  durchschnittene  Platte  auf  dem  Steil¬ 
hang  des  Bodetals,  dfe  ebenso  wie  der  Tonschieferhorn¬ 
fels,  in  dem  sie  aufsetzt,  steil  nach  S  einfällt. 

Die  körnigen  Gesteine  der  Gangmitte  sind  teils  dunkle, 
biotitreiche,  teils  helle  granitische  Gesteine,  die  schon  von 
weitem  durch  ihre  rund’ichen  Absonderungsformen  sich 
deutlich  von  dem  eckig  zerklüfteten  Porphyr  abheben.  Dieser 
letztere  schwankt  in  seiner  Mächtigkeit  zwischen  1  und 
etwa  12  m.  Der  Übergang  zu  den  dunkeln  Gesteinen  der 
Gangmitte  erfolgt  zumeist  durch  Vermittlung  porphyrircher 
biotitreicher  Gesteine  vom  Typus  der  Gangmitte  am  rechten 
Bodeufer  (Analyse  IX),  indem  sich  eine  wenige  Zentimeter 
bis  etwa  2  m  breite  Zone  zwischen  beide  einschiebt.  Alle 
Gesteinsformen  gehen  ohne  scharfe  Grenzen  ineinander  über 
und  sind  eng  verschweißt-.  Ganz  ähnlich  ist  der  Übergang 
zwischen  dem  Salbandgestein  und  den  hellen  g ran i ti¬ 
schen  Abarten,  bei  denen  ebenfalls  porphyrische  Zwischen¬ 
formen  verschiedener  Mächtigkeit  auftreten.  Granite  von 
wechselnder  Korngröße,  bis  zu  feinkörnig  a  p  1  i  t  artigen 
Formen  hinabgehend,  durchsetzen  außerdem  die  dunkeln 
Gesteine  teils  gangförmig  mit  scharfen  Grenzen,  teils  in 
unregelmäßigen  Massen  mit  allmähligen  Übergängen;  auch 
in  runden  Ballen  wird  das  dunkle  Gestein  vom  Granit 
umschlossen.  Eckige  Einschlüsse  von  fremden  Ge¬ 
steinen,  Tonschiefer-Diabas-Quarz.thornfelse,  gneisart'ge  Ge¬ 
steine,  sind  überall  in  den  zentralen  Teilen  der  erweiter¬ 
ten  Gangzone  häufig,  ebenso  Trümer  von  reinem  Gang¬ 
quarz. 

Über  die  mikroskopische  Beschaffenheit  der 
Quarzporphyre  und  Granitporphyre  ist  von  Lossen,  Rosen¬ 
büsch4)  und  Zibkel6)  bereits  einiges  mitgeteilt.  Ais  Ein¬ 
sprenglinge  treten  neben  Quarz  und  Mikroperthit  Biotit 
und  Muskovit  in  wechselnden,  aber  meist  geringen  Mengen 
auf.  Charakteristisch  ist  die  mannigfache  strukturelle  Ent¬ 
wicklung  der  Grund massc,  die  von  mikrogr an iti scher 
über  mikropegmatitische  bis  zu  sphärol.th' scher  Ausbildung 
führt.  Glas,  das  Lossen  und  Cohen  zu  erkennen  glaubten, 

4)  Mikroskopische  Physiographie,  4.  Auflage,  II,  S.  1,  508,  510. 

5)  Lehrbuch  der  Petrographie,  2.  Auflage,  II,  S.  180. 


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118 


fohlt,  eine  Fluidaltextur  parallel  der  Ganggrenze  ist  häufig. 
Beachtenswert  ist,  daß  Muskovit  in  beträchtlichen  Mengen 
in  der  Grundmasse  auftritt  unter  Verhältnissen,  die  seine 
Bildung  vor  und  während  der  des  Quarzes  erweisen.  Heller 
Turmalin  in  Skeletten  ist,  wie  in  allen  Gesteinen  des  Ganges, 
so  auch  hier  reichlich  vorhanden.  Neu  ist  das  Auftreten  vod 
Topas  in  einem  Salbandgetein  der  Gewitterklippen,  wo 
er  in  losen  Körnerreihen  (bis  89  p  groß)  und  roh  skelett¬ 
förmigen  Kristalloiden  auftritt  (Spaltbarkeit  in  einer 
Richtung,  parallel  dazu  stets  a',  optisch  zweiachsig  positiv; 
yd-  626  >  1  •  618,  a  <  1  •  618.  Danach  liegt  ein  F  armer 
HO- reicher  Topas  vor). 

Die  dunkeln  Porphyre  der  inneren  Gangteile 
sind  reicher  an  Biotit  und  Plagioklas  und  ärmer  an  Quarz. 
Der  meist  tief  rotbraune  Biotit  zeigt  häufig  die  aus  La  in- 
prophyren  bekannte  zonare  Gliederung  mit  höherem  Fe- 
Gehalt  in  den  rundlichen  Teilen.  Der  Plagioklas  schwankt 
in  seiner  Zusammensetzung  zwischen  An3(>.  und  An.,0  (Schnitte 
II  M— 9°,  iM  bis  zu  29°,  jl  a  =  +  19°).  Mikroperthit  in 
Einsprenglingen  reichlich,  Quarz  spärlich,  zumeist  in  der 
Grundmasse  sitzend,  die  teils  mikrogranitisch,  teils  rnikro- 
pegmatitisch  ist. 

Die  dunkeln  körnigen  Gesteine  der  Gang- 
mittc  an  den  Gewitterklippen  sind  in  ihrer  Mineralzusammen¬ 
setzung  diesen  porphyrischen  Gesteinen  durchaus  analog; 
der  strukturelle  Übergang  zwischen  beiden  verläuft  konti¬ 
nuierlich  in  einem  kurzen,  z.  T.  nur  nach  Zentimeter  messen¬ 
den  Zwischenstück.  Die  Struktur  ist  normal  hypidioraotph, 
Quarz  sitzt  teils  in  Körnern,  teils  in  mikropeginatitischer 
Verwachsung  mit  Kalifeidspat  in  den  Zwickeln  der  übrigen 
Gemengteile. 

Eigentümlich  ist  eine  diesen  beiden  Gesteinsformen 
gemeinsame  Erscheinung  am  Biotit.  Während  er  stellen¬ 
weise  in  scharf  idiomorphen  homogenen  Kri Ställchen  auf¬ 
tritt,  ist  er  an  andern,  und  zwar  ohne  erkennbare  Rege) 
verteilten  Stellen  unter  Erhaltung  seiner  äußeren  Form 
in  ein  sehr  feinfilziges  Aggregat  kleinster  Blättchen  eines 
Biotits  pseudomorphosiert,  der  durch  seinen  deutlich  helleren 
Farbenton,  geringeren  Pleochroismus  und  schwächere 
Doppelbrechung  auf  einen  geringeren  Fe-Gchalt  hinweist 
Der  bei  dieser  Umwandlung  freiwerdende  Fe-Überschuß  ist 
in  Form  eines  lockeren  Kranzes  von  Magnetitkö.nern  um 
die  im  Innern  der  Pscudomorphosen  noch  oft  erhaltenen 
Kerne  des  Mutterbiotits  ausgescliieden.  Ähnliche  Bioiit- 


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aggregate  durchsetzen  auch  die  Plagioklase  des  Gesteins 
in  Adern  und  Trümern,  oder  verdrängen  sie  zu  großen 
Teilen. 

Diese  Form  des  Biotits  findet  sich  bezeichnender  Weise 
auch  in  manchen  der  eingeschlossenen  Hornfelsfragmente, 
über  ihre  Entstehung  wird  noch  weiterhin  zu  sprechen  sein. 

Mit  den  dunkeln,  körnigen  Gesteinen  stehen  im  Zu¬ 
sammenhänge  eigentümliche  grobflaserige  Gesteins- 
typen  vom  Habitus  biotitreicher  Augengneise;  Bis 
12  mm  große,  meist  gerundete  Augen  von  weißem  Feld¬ 
spat  und  ähnlich  gestaltete  Züge  von  feinkörnigem  Feld¬ 
spatmosaik  werden  von  Strähnen  eines  dunkeln  Biotits  um- 
fla8ert.  Die  Feldspataugen  geben  auf  Spaltblättchen  (|  M 
a':P  =  +  16°,  j.  a  — 5,5°  bis  6°;  daraus  ergibt  sich  die  Zu-* 
sammensetzung  An9  —  An14.  Der  Biotit  ist  tiefbraun,  oft 
sagenitirch  entmischt.  Seine  Zusammensetzung  berechnet 
sich  aus  der  Analyse  XII  (S.  .121)  folgendermaßen  (1): 


1. 

2. 

Sl  Ort  .  . 

.  .  .  39,98 

38.00 

Ti  03  .  . 

.  .  .  1,22 

1,66 

AlgOg 

.  .  .  21,00 

17,64 

Fe.,Oa  . 

.  .  .  — 

2,29 

F.*0  . 

.  .  .  17,68 

21,18 

MnO  .  . 

.  .  .  — 

0,49 

MgO  .  . 

.  .  .  11,52 

4,12 

CaO  .  . 

.  .  .  — 

1,28 

Na,0  . 

.  .  .  — 

2,54 

K.,0  .  . 

.  .  .  6,38 

8,53 

H’0  +  . 

.  .  .  2,48 

2,20 

HaO —  . 

...  —  ■ 

0,45 

100,16  100,37 


Das  entspricht  einem  Molekularverhälinis  von  6,72 
Forsterit  :  8,83  Fayalit  :  18,84  Muskovits'.likat.  Unter  2 
ist  die  Zusammensetzung  des  von  Heid  analysierten  Lepido- 
melans  aus  dem  Ramberggranit  angeführt.  Bezeichnend  ist 
die  Anreicherung  des  MgO  im  Glimmer  des  lamprophyrartig 
zusammengesetzten  Gesteins. 

Zwischen  diesen  in  größeren  Individuen  entwickelten 
Gemengteilen  liegt  ein  von  B.otitblättqhen  durchsetztes  fein¬ 
körniges  Aggregat  von  Plagioklaskörnern  (Ausl,  i  M  bis 
12°,  i  a  -f  10°,  entsprechend  An37),  in  dem  ±  parallel  ge 
lagerte  Blättchen  von  Korund  sich  in  flaserigen  Zügen 
um  die  Feldspataugen  herumschmiegen6).  Ihre  Dicke  erreicht 
7  p,  sie  sind  meist  farblos,  bisweilen  etwas  blaufleckig  mit 

6)  Korund  ist  auch  aus  den  Harzer  Kersantiten  bekannt. 


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120 


r  >«,  optisch  negativ,  n  >  1  •  74.  Stellenweise  sind  sie  in 
ein  feinfaseriges  Aggregat  starfc  positiv  doppelbrechender 
Säulelien  von  Siliimanit  übergeführt.  Kalifeldspat,  und 
Quarz  erscheinen  sehr  spärlich  in  mikropegmatitischer  Ver 
wachsung  zwischen  den  übrigen  Gemengteilen. 

Die  sehr  variabel^  Bildungtbed  ngungen  innerhalb  des 
Erstarrungsraumes  haben  also  zu  lokal  ganz  verschiedenen 
Phasen  des  Systems  Si02 — A1203  geführt.  Beachtenswert  ist, 
daß  Quarz  und  Korund  in  den  gneisartigen  Gesteinen  niemals 
in  direkte  Berührung  treten. 

Vielleicht  im  Zusammenhang  mit  diesen  Gesteinen,  abe» 
nicht  im  Anstehenden  beobachtet,  finden  sich  ausgeprägt 
schieferige  B  i  o  t  i  t  g  r  a  n  a  t  p  1  a  g  i  o  k  I  a  s  g  e  s  t  e  i  n  e : 
Biotit,  fuchsrot,  mit  oft  etwas  mehr  ins  gelbliche  gehendem 
zonaren  Kern,  mit  Einschlüssen  von  runden  Magnetkies- 
und  Apatitkörnern;  Granat  in  großen,  oft  etwas  zerstückelten 
Kristallen,  die  z.  T.  etwas  durch  hellen  Biotit  verglimmen, 
auch  mit  Biotit-  und  Plagiokbskörnern  verwachsen  sind: 
Plagioklas,  stark  zonar,  mit  oft  sehr  komplizierten  Zwillings- 
verwachsungcn,  An3);  ganz  wenig  Mikropegmatit  in  Zw  ekeln 
zwischen  den  übrigen  Gemengteilen. 

Die  hellen  granitischen  Abarten  innerhalb 
der  Gangerweiterungszone  haben  trotz  ihrer  sehr  verschie¬ 
denen  Korngröße  durchweg  eine  ganz  ausgesprochene 
Neigung  zur  panidiomorphen  Struktur;  keiner  der 
farblosen  Gemengtci’.e  zeigt  eigene  Kristall  orm,  auch  die 
von  Biotit  und  Muskovit.  ist  nur  unvollkommen  angedeutet. 
Zwischen  die  grob-  und  feinkörnigen  Teile  schalten  sieb, 
wie  bereits  Lossen  hervorhob,  durch  Orthoklaskristalle 
porphyrartige  Zwischengesteine  ein. 

Der  Kalifeldspat  ist  meistens  sehr  stark  pertkitiscb 
gestreift;  vereinzelt  kommt  auch  Mikroklin  vor.  Oligokias 
ist  meist  spärlich,  Quarz  in  selbständigen  Körnern  und 
mit  Kalifeldspat  mikropegmatitisch  verwachsen,  Biotit  z. '« 
in  den  erwähnten  faserigen  Aggregaten;  Muskovit  allgemein 
vorhanden,  Titanit.  in  großen  Kristallen,  Granat  in  Körneri! 
selten. 

Die  chemischen  Verhältnisse  der  Bodogang- 
und  Ramberggesteine  ergeben  die  im  nachstehenden  zu 
sammengestellten  Tabellen.  Die  Analysen  VI  und  X  sind  der 
LossENschen  Arbeit,  V  und  IX  dem  Bericht  von  M.  Koch7). 


7)  Dio  Berechnung  des  Mineralbestandes  aus  diesen  beiden 
Analysen  führt  zu  keinem  mit  dem  optischen  Befund  überein¬ 
stimmenden  Ergebnis. 


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123 


I,  II,  Vni  und  XI  der  Dissertation  Held,  III  und  IV  einer 
früheren  Arbeit  des  Verfassers8)  entnommen.  Der  Mineral¬ 
bestand  ist  aus  den  Analysen  errechnet,  für  die  Glimmer 
wurde  das  Olivin - 'r  Muskovitsillkat  zugrunde  gelegt. 

Der  Ramberggranit  I  bis  III  steht  zwischen  Nigglis9) 
aplitgranitischem  und  engadinitischem  Ty¬ 
pus;  die  Granitporphyre  der  Gangmitte,  IX  und  XI,  sind 
normalgranitisch,  X  yosemititisch.  Die  Quarz¬ 
porphyre  der  Salbänder  gehören  den  gleichen  Typen  wie 
der  Hauptzranit  an,  fallen  aber  durch  ihren  extrem  hohen 
al-Gehalt  und  die  zu  kleinen  Werte  für  alk  ebenso  aus 
der  Reihe,  wie  die  Andalusitaplite  VII  und  VUL 

Während  die  Analysen  der  zwei  Harzkersantite  XIII 
und  XIV  zu  dem  normalen  sauren  Typu3  dieser  Gesteine 
gehören10),  verhält  sich  das  Gestein  der  Analyse  XII  sehr 
abweichend.  Zwar  ist  auch  hier  der  Gesamtcharakter 
lamprophyrisch  (vgl.  die  Fig.  S.  124),  doch  ist  e  ungewöhn¬ 
lich  niedrig  (c/fm  =  0,09),  al  und  alk  sehr  hoch,  womit 
der  große  Al203  Überschuß  übereinstimmt.  Ähnliche  Weite 
finden  sich  bei  den  C  u  s  e  1  i  t  e  n11),  doch  entsprechen  ihnen 
bei  diesen  höhere  si- Werte,  während  hier  die  Quarzzahl 
=  —41  ist. 

Begeh  ist  geneigt,  diese  Werte  bei  den  Cuseliten  auf 
Zersetzung  zurückzuführen,  wodurch  die  ungewöhnliche  Lage 
der  Projektionspunkte  im  Konzentrationstetraeder  zustande 
käme.  Das  vorliegende  Gestein  ist  frisch  und  seine  ab¬ 
weichende  Zusammensetzung  so  nicht  zu  erklären.  In  der 
NiGGLischen  Systematik  wird  es  wohl  in  die  lampro- 
syenitischen  oder  -  monzoniti'schen  Magmentypen 
gehören,  doch  sind  direkt  vergleichbare  Gesteinsanalysen 
nicht  vorhanden. 

Im  OsANNschen  Schema  gehört  das  Gestein  mit  S6, 9 
ai2  ci^  fies  n7  zum  Typus  Pallisade  Butte,  in  dem  durch¬ 
weg  starke  A  1  k  a  1  i  g  e  s  t  e  i  n  e  vereinigt  s  nd.  Es  liegt 
hier  ein  deutlicher  Fall  von  Heteromorphie  vor,  der 
sein  Analogon  in  der  stofflichen  Identität  des  ebenfalls 
lamprophyrisehen  Durhachits  mit  Leuzitgesieinen  hat. 


8)  Jahrbuch  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt  1911, 
n,  S.  182. 

9)  Niggli,  Gesteins-  und  Mineralprovinzen,  Bd.  1.  1923, 
3.  96  ff. 

10)  Begeh,  bei  Niggli  1.  c.  Teil  VI,  S.  307. 

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124 


Ein  gemeinsamer  Zug  aller  dieser  Gesteine  einschlie߬ 
lich  der  Kersantito  ist  ihr  z.  T.  außergewöhnlich  hoher 
Al203-Überschuß  (AL,Oa  —  [Ca0+Na20-|-K_0]).  Din- 
Träger  dieses  Überschusses  sind  in  erster  Linie  die  Glimmer, 
die,  wie  erwähnt,  auch  in  den  Gesteinsgrundmassen  als 
Muskovit  eine  erhebliche  Rolle  spielen,  ferner  in  einzelnen 
Vorkommen  der  Andalusit,  der  Topas  und  der  Granat.  Be 
merkenswert  ist,  daß  die  Gresteine  der  Wurzel  trotz  ihrem 
Gehalte  von  3  bis  5%  Andalusit  durchaus  nicht  besonders 
stark  übersättigte  Typen  dars  eilen.  Die  mehrfach  geäußerte 
Annahme  (Lepsius,  Held),  daß  dieser  Andalusitgelialt  auf 
resorbierten  Tonschiefer  zurückzuführen  sei,  ist  danach 
wenig  wahrscheinlich,  und,  sofern  man  diesen  Vorgang  in  die 
schmale  Ganirspalte  selbst  verlegt  denkt,  thermisch  über 
haupt  nicht  möglich. 

Die  Beziehungen  der  einzelnen  Gesteinstypen  zu 
einander  gehen  sehr  klar  aus  einer  Projektion  der  Nigg tu¬ 
schen  Parameter  in  recht winkeligen  Koordinaten  hervor 
(vgl.  die  Textfigur).  Das  Diagramm  zeigt  im  ganzei) 


das  normale  Different i  itionsschema  alka’igranitiseher  Mag¬ 
men;  die  alk- Kurve  verläuft  parallel  der  al-Kurve  von 
rechts  her  bis  zum  Granit,  fällt  dann  aber  bei  den  Rand- 
ge-  teinen  trotz  weiter  ansteigendem  al  scharf  ab  und  steigt 
wieder  bei  fallendem  al.  Dies  Verhalten  scheint  weniger 
auf  eine  Zufuhr  von  Al203,  als  auf  eine  Abfuhr  von 
Alkalien  zu  deuten.  Hierfür  käme  eine  hydroly tische  Spal¬ 
tung  von  Alkali-Alumosilikatmolekeln  in  Betracht,  die  im 
Magma  vor  der  Intrusion  in  die  Gangspalte,  also  in  eine! 


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125 


gewissen  Tiefe,  stattgefunden  hätte,  wodurch  das  Alkali, 
etwa  in  der  Form  von  Alkalisilikat,  wie  es  V.  M.  Gold- 
schmidt1-)  beim  Stavangertypus  der  Injektionsmetamoiphose 
annimmt,  in  das  Nebengestein  abgestooßen  wurde13).  Das 
so  alkaliärmer  gewordene  Magma  wurde  intrudiert;  in  den 
Randporphyren  mit  ihrem  Gehalt  an  primärem  Muskovit 
liegt  es  in  der  Form  vor,  die  es  in  den  vom  Massivgranit; 
weiter  entfernten,  kühleren  Teilen  der  Spalte  annahm, 
während  die  Bildung  des  Andalusits  auf  die  Gebiete  mit 
höherer  Temperatur  in  der  Nähe  des  Granits  beschränkt 
blieb.  Hierin  liegt  eine  Analogie  zu  dem  Auftreten  vod 
Andalusit,  Disthen  u.  a.  in  den  Tonerdepegmatiten. 

In  seinem  nördlichen  Trum  besitzt  dieser  Teil  des 
Bodeganges  den  Charakter  eine3  gemischten  Ganges 
mit  Anreicherung  der  fe mischen  Teile  in  der  Gang¬ 
mitte,  der  sich  vom  normalen  Typus  derartiger  Gänge 
durch  die  sowohl  stofflich  als  auch  strukturell  ungewöhnlich 
inhomogene  Art  der  zentralen  Füllung  unterscheidet.  Diese 
ist  nur  in  den  tieferen  Teilen  des  durch  das  Bodetal  an¬ 
geschnittenen  Ganges  aufgeschlossen,  die  höheren  Teile 
enthalten  allein  den  sali  teilen  Quarzporphyr  der  Salbänder. 
Die  Art  des  Überganges  zwischen  dein  körnig  struierten 
Teil  zu  den  rasch  erstarrten  Randgesteinen  zeigt,  daß  die 
ersteren  keineswegs  als  fertig  auskristallls.erte  Bruchstücke 
einschlußartig  mit  in  die  Höhe  gebracht  worden  sind, 
sondern  im  magmatischen  Zustand  an  ihren  Erstarrungs- 
ort  gelangten,  so  daß  ihre  Randteile  noch  dem  abkühlen¬ 
den  Einfluß  des  Salbandes  mit  unterworfen  waren.  Die 
räumliche  Verteilung  der  stofflich  hO  verschiedenen  Bestand¬ 
massen  des  Ganginneren  ist  aber  unabhängig  von  einem 
Einfluß  solcher  Art,  es  liegt  vielmehr  ein  tief  magmatisch 
differenzierter  und  gemischt  intrudierter  Komplex  vor, 
dessen  einzelne  Teile  am  Erstarrungsort  in  verschieden 
vorgeschrittenem  Zustand  der  Verfestigung  angelangt  rind; 
ihre  endgültige  Erstarrung  ist,  beginnend  von  den  basischen, 
zu  den  saueren  Typen  fortgeschritten,  wie  das  Auftreten 
von  Granitgängen  in  den  dunklen  Gesteinstypen  zeigt 

Die  Ursache  für  die  Ausbildung  einer  körnigen 
Struktur  im  Inneren  der  erweiterten  Spalte  mag  z.  T. 


lf)  Vidensk.  Selskap.  Skrifter,  Kristiania.  1  Math.:  nat  Kl. 
1920,  Nr.  10. 

1S)  Die  reichliche  Entwicklung  von  Albit  in  Trümern  der 
„regionalmetamorphen  Zone“  des  Südharzes  hängt  vielleicht  mit 
solchen  Prozessen  zusammen. 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


126 


durch  den  Wärmeschutz  von  seiten  des  früh  erstarrter 
Salbandes  verursacht  sein,  wird  in  ihrer  Hauptauswirkuim 
aber  auf  die  Anwesenheit  der  in  dem  geschlossenen  Raum 
auf  gespeicherten  flüchtigen  Bestandteile  zur  iickzuf  uhren 
sein.  Hiermit  scheint  auch  die  eigentümliche  Pseudomorpho 
sierung  des  Biotits  durch  Biotit  zusammenzuhängen,  die 
in  die  Kategorie  der  endomagmatischen  Reaktionen  zwischen 
ausgeschiedener  Phase  und  Restflüssigkeit  fällt.  Der  hierbei 
abgeschiedene  Magnetit  ist  als  „E  i  n  s  c  h  a  1 1  m  i  n  e  r  a  1*‘ 
(„Released  mineral“)  im  Sinne  von  Bo  wen14)  zu  bewerten 
Zugleich  aber  ergriff  dieser  Vorgang  den  Biotit  in  den 
unter  den  gleichen  ^/-Bedingungen  stehenden  Hornfels 
einschlüsscn,  die  demnach,  wie  dies  die  Regel  ist,  da? 
Endstadium  ihrer  kristallinen  Entwicklung  schon  vor  der 
völligen  Verfestigung  des  umgebenden  Magmas  en  eicht 
hatten. 


•  • 

Uber  das  Ineinandergreilen  von  Schollen- 
und  Faltengebirgsbau. 

Von  Herrn  L.  van  Werveke. 

Magdeburg,  20.  September  1923. 

In  der  Sitzung  der  Deutschen  Geol.  Ges.  vom  7.  März 
1923  hat  Herr  H.  Stille  in  einem  Vortrag  über  die  Osning 
Überschiebung  die  Ansicht  ausgesprochen,  daß  der  Unter¬ 
schied  zwischen  Schollen-  und  Faltengebirge  gewöhnlich 
nicht  scharf  sei.  Herr  P.  Krusch  äußerte  sich  demgegen 
über,  daß  beide  Arten  von  Störungsvorgängen  in  vieler 
Fällen  scharf  geschieden  seien.  Er  führte  als  Beispiel  an. 
daß  das  Gebiet  südlich  der  Gebirgsmasse  des  Brabants 
kräftige  Faltungen  und  weitreichende  Überschiebungen  zeige, 
während  nördlich  derselben  bei  flacher  Lagerung  nur 
Schollen  Verschiebungen  in  Frage  kommen.  Denselben  Unter¬ 
schied  erkennt  man  in  einem  S— N-Querschnitt  durch  Aachen 
Im  mitteldeutschen  Salzgebiet  sind  beide  Arten  der  Ge 
birgsbildung  verschwommen;  es  liegt  ein  Aus  nähme  verhalten 
vor.  Neben  der  gewöhnlichen  Tektonik  herrscht  die  Salz- 

14)  Journal  of  Geol.  30,  1922,  S.  185. 


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tektonik,  welche  sich  aber  auf  das  Hangende  der  Salz- 
und  Gipslager  beschränkt  und  im  Liegenden  nicht  nach¬ 
weisbar  ist1). 

Die  scharfe  Unterscheidung  der  Schollen-  und  Faltungs¬ 
gebiete  rührt  von  Suesz  her.  Zu  den  ersteren  rechnete  er 
die  mittelrheinischen  Gebirge  und  die  anschließenden  Stufen¬ 
länder.  Für  die  südliche  Hälfte  des  Großherzogtums  Luxem¬ 
burg,  die  Trierer  Bucht  und  das  nördliche  Lothringen  habe 
ich  mich  früher  der  Ansicht  von  Suesz  angeschlossen.  Aur 
Taf.  II  sowohl  der  Erläuterungen  zur  Geologischen  Über¬ 
sichtskarte  der  südlichen  Hälfte  des  Gioßherzogtums  Luxem¬ 
burg  (Straßburg  1887)  als  auch  der  Erläuterungen  zur  Geo¬ 
logischen  Übersichtskarte  des  westlichen  Deut  sch- Lothringen 
(1887)  habe  ich  eine  Übersicht  der  Verwerfungen  des  ge¬ 
nannten  Gebietes  im  Maßstab  1:600  000  gegeben  und  dazu 
bemerkt,  daß  Trias  und  Jura  rings  um  das  ältere  Gebirge 
eingesunken  9eien.  Die  Darstellung  sprach  so  sehr  für 
die  ausgesprochene  Ansicht,  daß  sie  von  Suesz  als  Beispiel 
in  das  „Antlitz  der  Erde“  aufgenommen  wurde8).  Ich  selbst 
hatte  mich  aber  inzwischen  einer  anderen  Auffassung  zu¬ 
gewandt  und  faßte  Vogesen  und  Schwarzwald  nicht  mehr 
als  Horste  auf,  sondern  mit  Haardt  und  Odenwald  als  Teile 
von  Gewölben,  die  sich  quer  über  das  Rheintal  erstrecken 
und  durch  die  Mulde  Pfalzburg — Langenbrücken  (Kraich- 
gau)  getrennt  sind3).  In  einer  ganzen  Reihe  von  Aufsätzen 
habe  ich  diese  Ansicht  weiter  ausgebaut  und  im  Jahre 
1905  schrieb  ich:  „Der  Horsttheorie  dürfen  wir  nunmehr 
für  das  ganze  Reichsland  die  Faltentheorie  in  gut  begründeter 
Weise  gegenüberstellen“4).  Da  ich  mich  in  dem  Aufsatz 
„Zusammenhang  von  Falten  und  Spaden“6)  zusammenfassend 
über  die  innige  Verbindung  von  Falten  und  Spalten  aus¬ 
gesprochen,  will  ich  hier  nicht  näher  darauf  oingehen, 
sondern  nur  hervorheben,  daß  die  Erscheinungen  in  einem 


*)  Diese  Zeitschr.  Bd.  75,  1923,  B.  8—9. 

*)  Bd.  3.  2.  Hälfte,  Wien-Leipzig,  1909,  S.  58. 

8)  Ausflug  der  D.  G.G.  nach  Buchsweiler  ain  14.  August  1892. 
Diese  Zeitschr.  Bd.  44,  8.  577. 

4)  Bemerkungen  zu  den  Blättern  Saarbrücken  und  Pfalz¬ 
burg  der  tektonischen  Karte  von  Els.-Lothr.  und  über  die  Ein- 
fallsrichtung  der  Rheintalspalten.  —  Mitteil.  Philomath.  Ge.s. 
in  Els.-Lothr.,  Jahrg.  13,  1905,  S.  233—241.  Vgl.  S.  238. 

6)  Z  v.  F.  u.  Sp.  Einfallen  der  KhcintaJ.-jpaJten.  Bemerkungen 
zu  einem  Aufsatz  des  Herrn  Jon.  Waltbeb  über  tektonische 
Druck-  und  Zugspalten.  —  Mitteil.  Geol.  Landesanst.  Els.-Lothr., 
Bd.  10,  H.  2,  1916,  8.  101—114. 


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Gebiet  festgestellt  sind,  das  früher  als  Muster  eines  Schollen¬ 
gebietes  galt.  Überzeugender  als  Worte  wirkt  die  Tekto¬ 
nische  Übersichtskarte  des  östlichen  Lothringen,  der  Sa  r- 
brücker  Gegend,  der  Haardt  und  des  nördlichsten  Teil«; 
der  Vogesen  (1:400000),  welche  ich  mehreren  meiner  Ver¬ 
öffentlichungen  beigefügt  habeK).  Es  handelt  sich  in  dem 
dargestellten  Gebiet  um  einen  innigen  Zusammenhang  von 
Bruchschollen  und  Falten.  Die  Spalten,  welche  die  erstere 
erzeugt,  sind,  wie  die  Falten,  durch  seitlichen  Druck  ent¬ 
standen;  lx*ide  sind  Teilerscheinungen  eines  und  dcsscltien 
Vorganges.  Wird  dereinst  eine  ähnliche  Karte  für  das 
ganze  mittelrheinische  Gebiet  zur  Verfügung  stehen,  so  wird 
sich  bestimmt  zeigen,  daß  die  für  die  linke  Rheinseite  aus¬ 
gesprochene  Ansicht  auch  für  die  rechte  Rheinseite  ihre 
volle  Gültigkeit  hat6 7)  und  daß  tatsächlich  für  einen  um¬ 
fangreichen  Teil  Deutschlands  der  Unterschied  zwischen 
Schollen-  und  Faltengebirge  nicht  scharf  ist. 

Aber  auch  das  Muster  der  Faltengebirge,  der  Jura,  ist, 
wenigstens  in  seinen  nördlichen  Ketten,  vom  Schollenbau 
betroffen,  wie  ich  als  erster  durch  meine  geologischen  Auf¬ 
nahmen  zur  Vorbereitung  der  Ausflüge  der  Deutschen  GeoL 
Ges.  im  Jahre  1892  dargetan  habe8).  Querverwerfungen 
waren  bis  dahin  im  Juragebirge  unbekannt.  Die  erste  Zeich¬ 
nung  derselben  veröffentlichte  nach  meinen  Angaben  Mühl¬ 
berg  (Aarau)  in  den  Eclogae  geol.  Helvetiae,  Bd.  3,  1992  93, 
Taf.  XI.  Dieselbe  Tafel  ist  dem  Livret  guide  geologique, 
Lausanne  1894,  beigefügt.  Die  Störungen  sind  auch  auf 
der  von  Regelmann  zuammcngestelltcn  Scholle nkarie  von 
Südwestdeutschland  (1:500  0C0)  und  auf  desselben  Forschers 
Geologischer  Übersichtskarte  von  Württemberg  usw.  ein¬ 
getragen.  Gut  mit  meinen  Aufnahmen  in  der  Bürgerwald¬ 
kette  stimmt  die  Zeichnung,  welche  R.  Gbahuann  für 


6)  Begleitworte  zur  Höhenschichtenkarte  von  Els.-Lothr., 
1:200  000.  Straßburg,  1906.  —  Die  Entstehung  des  Mittelrhein tales 
und  der  mittelrheinischen  Gebirge.  Mitteil.  Ges.  f.  Erdk.  u. 
Kolonialwesen  zu  Straßburg  i.  Eis.,  H.  4,  Jahrg.  1913.  Taf.  II, 
Straßburg,  1914.  —  Geologischer  Wegweiser  in  Fragen  der 
Wasserversorgung  im  Gebiet  zwischen  Maas  und  Mosel.  Vortrag 
in  Chambley.  Mitteil.  Geol.  Landesanst.  Els.-Lothr.,  BcL  10,  H.  1. 
1916,  Taf.  I. 

7)  L.  van  Webveke,  Über  tektonische  Karten,  ihre  Her¬ 
stellung  und  Benützung  sowie  ihre  Bedeutung  für  Wissenschaft 
und  Praxis.  —  Mitteil.  Geol.  Landesanst.  Els.-Lothr.,  Bd.  9,  H.  3. 
1916,  S.  383—402. 

8)  Diese  Zeitschr.  Bd.  44,  S.  699. 


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diese  sowie  die  Glaserbergkette  gegeben9).  Wenn  mich  mein 
Gedächtnis  nicht  täuscht  —  meine  Aufnahmeblätter  stehen 
mir  nicht  zur  Verfügung  —  fehlen  Längsverwerfungen,  die 
ich  südlich  von  Pfirt  festgestellt  habe.  Den  Schollenbau 
•las  westlich  anschließenden  Eisgaues  hat  Kabl  L.  Hummel 
dargestellt10). 

Bezüglich  der  Tektonik  im  mitteldeutschen  Salzgebiet 
will  ich  nur  darauf  hinweisen,  daß  ich  in  1913,  allerdings 
an  versteckter  Stelle,  die  Aufpressung  der  Salzstöcke  und 
damit  die  verschiedene  Lagerung  im  Hangenden  und  Liegen¬ 
den  derselben  auf  Abscherung  zurückgeführt  habe11).  Die¬ 
selbe  Ansicht  haben  wenig  später,  in  1914,  E.  Seidl  für  die 
Salzlager  im  Moltke- Schacht  bei  Schönebeck1*)  und  O.  Renneb 
für  das  mittlere  Leinetal  ausgesprochen13). 


9)  Der  Jura  der  Pfirt  im  Oberelsaß.  Vorläufige  Mitteil. 
Diese  Zeitschr.,  1918,  Bd.  70,  S.  62—70  miti  1  Taf.  —  Der  Jura 
der  Pfirt.  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Geschichte  des  Ober¬ 
rheintalgrabens.  N.  Jahrb.  f.  Min.,  Geol.  u.  Pal.  B.  B.  44,  1920, 
S.  1 — 99,  Zeichn.  S.  30. 

i°)  Die  Tektonik  des  Eisgaues  (Berner  Tafeljura).  Ber. 
Xaturf.  Ges.  Freiburg  i.  Br.,  Bd.  20,  Xaumburg,  1914,  S.  1—83, 
1  Taf.  mit  tektonischer  Lagerungsskizze  1 : 100  000. 

11)  Stauchungen  in  der  Lettenkohle  bei  Farschweiler  (Lothr.), 
verbunden  mit  Abscherungen.  -Hinweis  auf  die  Salzhorste  Nord- 
deutschlands.  —  Mitteil.  Geol.  Landesanst.  Els.-Lothr.,  1913, 
Bd.  8,  H.  3,  S.  221—228.  Mit  5  Zeichn.  Vgl.  S.  228.  Die  Zeich¬ 
nung  ö  auf  S.  226  ist  ein  Spiegelbild  zu  der  Zeichnung  4  auf 
Blatt  6  zu:  Königsbebqbb  u.  Mob  atu.  Theoretische  Grundlagen 
der  experimentellen  Tektonik.  Diese  Zeitschr.  1913,  Bd.  66, 
S.  81. 

12)  Beiträge  zur  Morphologie  und  Genesis  der  permischen 
Salzlagerstätten.  Archiv  f.  Lagerstättenforschung,  H.  10,  Berlin 
1914. 

1S)  Salzlager  und  Gebirgsbau  im  mittleren  Leinetale.  Archiv 
für  Lagerstättenforschung,  H.  13,  Berlin  1914. 

[Manuskript  eingegangen  am  21.  September  1923.] 


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Das  Alter  der  Sundgauschotter  im  Oberelsaß. 

Von  Herrn  L.  van  Wertere. 

Für  das  Alter  der  Sundgauschotter  im  Oberelsaß,  den 
Absätzen  dos  ältesten  Rheins  im  Mittelrheintal,  der  vor 
Basel  gegen  W  durch  die  Burgundische  Pforte  nach  der 
Saone  und  dem  Rhöne  abfloß,  kamen  bis  vor  kurzem  nur 
jüngeres  Pliocän  und  älteres  Diluvium  in  Frage.  DeeckeM 
meint,  daß  die  Schotter  obermiocän  sein  könnten,  „weil 
damals  ja  weit  bis  in  das  Vorland  der  alpine  Schotter 
vordrang,  z.  B.  bis  zum  Schienberg“.  Ein  noch  höheres  Alter 
wird  den  Sundgauschottern  durch  O.  von  Linstow2)  zu¬ 
geschrieben.  Es  kommt  für  ihn  wohl  nur  die  Zeit  der 
Cerithieuscliichten  des  Mainzer  Beckens,  die  Wende  des 
Oligocäns  zum  Mioeän,  als  „Geburtsetunde  des  Rheines“ 
im  Mittelrheintale  in  Betracht.  Gegen  diese  Altersdeutung 
sprechen  zwei  Beobachtungen  aus  dem  Jahre  1911.  Auf 
einem  gemeinsamen  Ausflug  stellten  der  anfangs  dieses 
Jahres  plötzlich  verstorbene  Professor  Dr.  Bruno  Förstek 
und  ich  fest,  daß  nahe  südöstlich  von  Pfetterhausen  (11  km 
westlich  von  Pfirt)  der  älteste  Rheinschotter  oder  Sund¬ 
gauschotter  in  einer  Sandgrube  auf  der  linken  Seite  der 
Straße  nach  Ottendorf  von  loten  Vogesenschottern  und 
Sanden  unterlagert  ist.  In  Gruben  südwestlich  von  Grosnes 
—  15  km  nordwestlich  von  Pfetterhausen,  nahe  der  Mittel¬ 
linie  der  Mulde  von  Montbeliard  — ,  die  ich  in  Begleitung 
des  Herrn  L.  Meyer  in  Beifort  besuchte,  wurden  unter 
Rheinschotter,  in  welchem  Radiolarienkiesel  Vorkommen, 
durch  Waschen  Vogesensande  gewonnen.  Hier  kommen 
aucli  abgerollte  Blöcke  von  Vogesensandstein  und  Haupt 
konglomerat  bis  zu  einem  größten  Durchmesser  von  0,60  m 
vor.  Hummel3),  der  sich  wohl  zuletzt  eingehender  mit  den 

1)  Geologie  von  Baden,  Bd.  2,  1917,  S.  563. 

2)  Die  Verbreitung  der  tertiären  und  diluvialen  Meere 
Deutschlands.  —  Abhdl.  Preuß.  Geol.  Landesanstalt,  N.  F.  H.  87. 
1922,  S.  170—171. 

8)  Die  Tektonik  des  Eisgaues  (Berner  Tafeljura)  —  Ber. 
Naturf.  Ges.,  Freiburg  i.  Br.,  Bd.  20,  1914,  S.  26—30  des  Sonder 
abzuges.  —  In  meinem  Aufsatz :  Der  Betrag  des  Zusammenschubes 


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—  131  — 

von  den  vom  Fuß  der  Süd vogesen  bis  in  den  Jura  hinein 
verbreiteten  Vogesenschottern  beschäftigt  hat,  hält  es  nicht 
für  ausgeschlossen,  daß  ein  Teil  derselben,  so  im  Becken 
von  Tavannes,  obermiocänes  Alter  besitzt.  Hier  kommen 
zwischen  dem  Oeninger  Kalk  und  den  oberen  marinen 
helvetischen  Schichten  Sande  mit  Dinotherium  bavaricum 
H.  v.  M.  vor,  die  vermutlich  aus  den  Vogesen  herzuleiten 
sind.  Derselbe  Rest  ist  vom  Mont  Chaibut  im  Delsberger 
Becken  bekannt.  Der  Hauptmasse  nach  sind  aber  die 
Vogesenschotter  —  sicher  im  Walde  von  Raube  und  bei 
Charmoille  —  unterpliocän,  wie  aus  den  Funden  von 
Dinotherium  giganteum  Kaup,  Aceratherium  incisivum 
Kauf,  Rhinoceros  Schleier  machen  Kaup  und  Hipparion 
gracile  Kaup,  alles  Formen  des  Unterpliocäns  des  Mainzer 
Beckens,  hervorgeht.  Ohne  den  Fundort  anzugeben,  erwähnt- 
Gbahmann4)  von  ihm  gemachte  Funde  von  Dinotherium 
giganteum  und  Rhinoceros  Schleiermacheri.  Aus  dem  Walde 
von  Raube  besaß  die  Sammlung  des  Geologischen  Institutes 
der  Kaiser- Wilhelms-Universität.  Straßburg  einen  Backen¬ 
zahn  von  Dinotherium  giganteum.  Die  Sundgauschotter 
müssen,  da  sie  diese  Vogesenschotter  überlagern,  jünger 
als  Obermiocän,  wahrscheinlich  aber  jünger  als  Unter¬ 
pliocän  sein,  oberoligocänes  bis  untermiocänes  Alter  kann 
also  nicht  in  Frage  kommen. 

Es  bleibt  also  nur  übrig,  eine  Entscheidung  zwischen 
Oberpliocän  und  ältestem  Diluvium  zu  treffen.  Bezeich¬ 
nend  für  die  oberpliocänen  Ablagerungen  ist  die  Bleichung 
sämtlicher  an  ihrem  Aufbau  beteiligten  Gesteinsgemengteile, 
die  Kaolinisierung  der  feldspatigen  Teile  und  die  vollständige 
Entkalkung.  Wohl  kann  auch  der  Sundgauschotter  sehr 
tief  reichende  Entkalkung  aufweisen,  aber,  in  tiefen  Auf¬ 
schlüssen  trifft  man  frische  Rheinschotter,  die  sich  von 
den  jüngsten  Rheinschottern  auf  den  ersten  Blick  nicht 
unterscheiden.  Bei  den  pliocänen  Ablagerungen  sind  Ent¬ 
kalkung  und  Bleichung  eine  ursprüngliche  Erscheinung,  die 


in  den  lothringischen  Sätteln  und  Mulden.  Wiederkehrende  oder 
ursprüngliche  Falten?  (Jahresber.  und  Mitteilg.  Oberrhein.  Geol. 
Ver.,  N.  F.,  Bd.  12,  1923,  S.  16 — 19.)  habe  ich  übersehen,  die  Tek¬ 
tonische  Lagerungsskizze  des  Eisgaues  1:100000  zu  erwähnen, 
die  Hummel  seiner  Tektonik  beigefügt  hat.  Das  sei  hiermit 
nachgeholt. 

4)  Der  Jura  der  Pfirt  im  Oberelsaß.  Ein  Beitrag  zur  Ge¬ 
schichte  des  Oberrheintalgrabens.  —  N.  Jahrbuch  f.  Min.,  B.  B.  44, 
1920,  S.  25. 

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132 


ich  in  1892  auf  die  Einwirkung  humoeer  Wasser6),  in  19006) 
mehr  allgemein  auf  starke  Humusbildung7)  zurückgeführt 
habe,  während  die  Entkalkung  beim  Sund  gauechot  ter  nach¬ 
träglich  von  oben  nach  unten  erfolgt  ist,  'Bleichung  aber 
fehlt.  Im  Gegensatz  zu  den  vollständig  entfärbten  Bunt- 
sandsteingeröllen  des  Oberpliocäns  haben  diejenigen  der 
Sundgauschotter  ihre  ursprüngliche  rote  Färbung  beibehalten 
Weiße,  zum  Oberpliocän  zu  stellende  Tone  bilden  bei 
Rüderbach,  15  km  NNW  von  Pfirt,  anscheinend  das  Liegende 
der  Sundgauschotter,  sprechen  also  für  jüngeres  Alter  der¬ 
selben8).  Zweifel  können  nur  die  in  der  ebengenannten 
Mitteilung  erwähnten  weißen,  durchaus  an  Oberpliocän 
erinnernden  Tone  erwecken,  welche  bei  Mörnach.  4i/3  km 
westnordwestlich  von  Pfirt,  über  dem  Sundgauschotter  in 
einer  Tongrube  aufgeschlossen  sind.  „Zu  beachten  ist  vor 
allem,  ob  es  sich  nicht  um .  umgeschwemmte  Huppererde9) 

6)  Ausflug  nach  Altkirch.  Zeitschr.  d.  Deutsch.  Geol.  Ges. 
1892,  S.  595. 

8)  Benecke,  Bückino,  Schumacher  und  van  Werveke, 
Geologischer  Führer  durch  das  Elsaß,  Berlin  1900,  S.  282. 

7)  Ausführlicher  hat  sich  Salomon  mit  der  Frage  der  plio- 
cänen  Bleichung  beschäftigt.  (Die  Bedeutung  des  Pliocäns  für 
die  Morphologie  Süddeutschlands.  —  Sitzungsber.  Heidelberger 
Akad.  Wiss.,  Math,  naturwissensch.  Kl.  1919,  Abhdl.  1,  S.  14—19.) 
Ernstlich  kommt  für  ihn  nur  die  Erklärung  durch  Moorbleichung 
in  Frage,  besonders  wegen  der  sehr  häufigen  Verknüpfung 
der  gebleichten  Sande  und  Tone  mit  Braunkohlen,  während 
Auslaugung  durch  humusreiche  Wasser  nur  in  beschränktem 
Maße  angenommen  werden  kann.  Veranlassung  zur  reichen  Moor¬ 
bildung  sieht  er  in  einer  vorhergegangenen  Abtragung  des  ganzen 
Gbietes.  Blocktone,  wie  die  von  Epfig,  können  meiner  Ansicht, 
nach  wohl  nur  durch  Abtragung  vorher  gebleichter  Gesteine  ent¬ 
standen  sein,  als  Moränen  aber  nicht  wohl  aus  einem  flach  ab¬ 
getragenen  Gebiet;  stammen.  Die  Schotter  im  oberen  Teil  des 
Pliocäns  im  ünterelsaß  spiechen  für  Wasser  mit  starkem  Gefälle 
Moore  werden  sich  in  der  Ebene  und  im  Gebirge  gebildet  haben 

8)  L.  van  Werveke,  Pliocäne  ( ?)  Quarzsande  bei  Mörnach.  — 
Mitteil.  Philomath.  Ges.  in  Els.-Lothr.,  Bd.  4,  1912,  S.  769 — 771. 

9)  Als  Huppererde  sind  auch  die  früher  von  Benecke  und  mir 
als  pliocän  angesprochenen  weißen  Tonsande  südlich  von  Buchs¬ 
weiler  (Obereis.)  zu  deuten.  (Mitteil.  Geol.  Landesanst.  Els.- 
Lothr.,  1893,  Bd.  4,  H.  2,  S.  XXVT.)  Die  Sande  waren  außerhalb 
ihres  geologischen  Verbandes  beobachtet  worden  und  waren 
in  ihrer  Ausbildung  von  den  pliocänen  Sonden  des  Unterelsasses 
nicht  zu  entscheiden.  Erst  ein  neuerer  Aufschluß  in  unmittel¬ 
barer  Nähe  von  Buchsweiler  ließ  erkennen,  daß  sie  Taschen 
im  Malm  ausfüllen  und  von  Mitteloligocän  überlagert  sind.  (Bb- 
Förster,  Oberer  Melanienkalk  zwischen  Huppererde  und  Fisch- 
schiefer  bei  Buchs weiler  im  Obereis.  —  Mitteil.  Geol.  Landes  - 
anst.  Els.-Lothr.,  1909,  Bd.  7,  H.  1,  S.  63—89.) 


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133 


liaqdelt,  wodurch  der  Entfärbung  eine  geringere  Bedeutung 
zukommen  und  die  Ansicht  von  Gutzwilleb10)  zu  Recht 
bestehen  würde.“  Dieser  ist  stets  in  entschiedener  Weise 
für  ein  altdiluviales  Alter  der  Sundgauschotter  eingetreten. 
Nach  Fb.  Wiegebs11)  überlagern  in  der  Rhöneniederung 
Mastodonsande  die  Congeriensehichten  des  Plaisancien 
(Unteres  Pliocän  der  französischen  Geologen);  ebenso  finden 
sie  sich  in  der  Bresse  und  in  der  Franche-Oomte.  „In  der 
letzteren  erweist  das  Astien  (Mittleres  Pliocän  der  fran¬ 
zösischen,  Oberpliocan  der  deutschen  Geologen),  daß  in 
dieser  Zeit  der  Rhein  mit  Benutzung  der  Taler  des  Doubs 
und  der  Allaine,  zwischen  Delle  (östlich  von  Montbeliard) 
und  Döle,  sich  in  die  Landschaft  Bresse  ergoß,  die  sich 
nördlich  von  Lyon  in  der  Saöneniederung  erstreckt.  Der 
Rhein  lagerte  hier  15  bis  20  m  über  dem  heutigen  Niveau 
der  Taler  eine  aus  Jura-  und  Vogesenkiesen  bestehende 
Schichtenfolge  ab.“  Alpine  Gerolle,  das  kennzeichnende 
Merkmal  der  ältesten  sowohl  als  auch  der  jüngsten  Rhein¬ 
schotter  sind  nicht  erwähnt,  es  kommen  also  wohl  keine 
Rheinablagerungen  in  Frage.  Die  Angaben  beruhen,  wie 
mir  der  Verfasser  mündlich  mitteilte,  nicht  auf  eigener 
Beobachtung,  sondern  auf  der  Literatur.  Salomon  (7,  S.  20) 
läßt  den  Urrhein  über  eine  im  Pliocän  entstandene  Ab¬ 
tragungsfläche  vor  der  im  Oberpliocan  erfolgten  Auf¬ 
wölbung  des  Juragebirges  durch  die  Burgundische  Pforte 
strömen. 

Nach  den  Aufnahmen  von  Bb.  Föksteb  auf  den  Blättern 
Dammerkirch,  Altkirch  und  Landser  verläuft  die  nördliche 
Grenze  der  Sundgauschotter  von  Altmünsterol  aus  dicht 
südlich  Luttern  vorbei  am  Südfuß  des  Buchwaldes 
und  nördlich  von  Mausbach  vorbei  gegen  Dammerkirch  und 
weiterhin  gegen  Altkirch.  Westlich  von  Altmünsterol  sah 
ich  auf  dem  schon  erwähnten  Ausflug  mit  Herrn  L.  Meyer 
Sundgauschotter  auf  der  Nordseite  des  Kanals  an  der  Mühle 
von  Praille,  NW  von  Brebotte.  östlich  von  Altkirch  reichen 
die  nördlichsten  Sundgauschotter  bis  auf  die  Höhe  335  nörd¬ 
lich  von  Heiweiler  und  auf  die  Höhe  südlich  von  Zässingen 
Von  diesen  Orten  bis  Mariastein  (SW  von  Basel)  kommt  den 
Ablagerungen  eine  Breite  von  21  km  zu,  ungefähr  dieselbe 
Breite,  welche  heute  die  Rhein  nieder  ung  zwischen  Ensis- 


10)  Die  Gliederung  der  diluvialen  Schotter  in  der  Umgebung 
von  Basel.  —  Verhdlg.  Naturf.  Ges.  Basel,  Bd.  23,  1910.  S.  1. 

n)  Die  Gliederung  des  französischen  Pliocän*  und  Pleistoeäns. 
—  Diese  Zeitschr.  Bd.  65,  1913,  S.  387. 


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heim  und  Heitersheim  einnimmt.  Die  für  die  Rheinscliotter 
angegebene  nördliche  Grenze  bildet,  mit  Ausnahme  einzelner 
inselartig  hervorragender  Höhen,  besonders  des  Buchwaldes 
sowie  der  bis  351  und  355  m  ansteigenden  Teile  des  Höhen¬ 
zuges  zwischen  Daminerkirch  und  Aspach,  zugleich  die  Süd¬ 
grenze  von  gleich  hoch  gelegenen,  gleich  zersetzten  und 
deshalb  wohl  gleich  alten  Vogesenschottern.  Am  Nordrand 
des  den  Buchwald  tragenden  387,1  m  hohen  Rückens  sind 
bei  Gottestal  Vogesenschotter  an  verschiedenen  Stellen  h> 
der  Höhe  von  340  m  zu  sehen,  und  in  derselben  Höhe 
finden  sich  auf  seiner  Südseite  Sundgauschotter  bei 
St.  Lippert.  Gegen  O  sind  durch  Bb.  Förster  Vogesen- 
schotter  an  der  Südspitze  des  Rückens  auf  dem  Rebberg 
zwischen  Altkirch  und  Illfurt  in  der  Höhe  von  3(>0  m  und 
auch  noch  nordöstlich  von  Wittersdorf  an  der  Kante  der 
Höhe  „Auf  dem  Berg“  nachgewiesen  worden.  Die  Breite, 
in  welcher  sich  die  Vogesenschotter  von  Altmünsterol  bis 
zu  diesem  letzteren  Punkte  erstrecken,  beträgt  21  km.  Sie 
kann  nur  durch  sehr  vielfache  Verlegungen  der  Vogesen¬ 
flüsse  zustande  gekommen  sein,  ebenso  wie  nur  sehr  häufige 
Verlegungen  die  breite  Aufschüttung  der  Sund  gauschotter 
geschaffen  haben  können.  Aus  den  Erläuterungen  von 
Br.  Förster  zu  dem  nicht  veröffentlichten  Blatt  Dammer- 
kirch  (1 : 25  000)  geht  hervor,  daß  in  der  Gegend  dieses 
Ortes  anfangs  eine  Vermischung  beider  Schotter  stattfand, 
später  aber  der  Rhein  die  Vogesenflüsse,  die  DoLler  und 
wohl  auch  die  Thur  oder  beide  vereint,  zurückdrängte. 
Der  Rhein  und  die  Vogesenflüsse  haben  eine  nur  wenig 
unebene  Fläche  vorgefunden,  über  welche  sie  ihre  Schotter 
als  Decke  ausbreifceten12).  Nur  an  der  Grenze  beider 
Schotter  ragten  die  genannten  Inseln  heraus.  Mit  Rück¬ 
sicht  auf  die  große,  bis  20  m  betragende  Mächtigkeit  der 
Schotter  muß  das  Gelände  sich  wohl  in  schwach  senkender 
Bewegung  gefunden  haben.  Die  Vogesenschotter  nördlich 
der  angegebenen  Grenze  unterscheiden  sich  von  den  süd¬ 
lichen,  unterplioeänen  Vogesenschotter n  wesentlich  durch 
das  starke  Zurücktreten  des  Buntsandsteins  und  bezeugen 
schon  dadurch  ein  jüngeres  Alter18).  In  einem  Aufschluß 


12)  Oberdörfer,  Rich.  Über  den  Sundgaudeckenschotter. 
—  Jahresber.  u.  Mitteil.  Oberrhein.  Geol.  Ver.,  1920,  S.  30 
und  Taf.  I. 

13)  Ich  vermute  deshalb,  daß  die  an  Buntsandstein  reichen, 
hochgelegenen  Schotter,  die  nach  Br.  Förster  im  nördlichen 
Teile  des  Blattes  Sentheim  nur  selten  mit  Schiefern  und  Labrador- 


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bei  Gevenatten  zwischen  Daninicrkirch  und  Masmünstur, 
etwas  mehr  als  mittwegs  vom  Austritt  der  Doller  aus  dem 
Gebirge  und  ihrer  Einmündung:  in  den  ältesten  Rhein,  an 
der  Straße  nach  Sternenberg,  findet  man  z.  B.  erst  nach 
längerem  Suchen  ein  Quarzgerölle.  Porphyritische  Gerölie, 
daneben  Rothütelporphyr,  spielen  unter  solchen  von  Grau- 
wacken  und  Schiefern  des  Unterkarbons  die  Hauptrolle.  Die 
Gerölie  sind  alle  stark  zersetzt^  aber  nicht  entfärbt  und 
in  einer  stark  lehmigen  Masse  eingebettet.  Merkwürdiger¬ 
weise  fehlt  Granit,  trotzdem  ihm  im  oberen  Teil  des  Doller¬ 
tales  einige  Verbreitung  zukommt.  Ob  er  damals  noch  nicht 
freigelegt  war?  Diese  Vogesenschotter  liegen  nun  bei  Aue, 
östlich  von  Masmünster,  in  der  Höhe  von  415  auf  dem 
Hügel  zwischen  dem  Hohlenstein  und  dem  Oberen  Wald14) 
auf  weißen  und  roten  Tonen  und  Tonsanden  mit  Gerollen 
von  Quarz  und  gebleichtem  Quarzit,  die  dem  Oberpliocän 
angehören.  Stellenweise  sind  die  geröllführenden  Sande  zu 
Sandstein  verkittet.  Dieser  Vogesenschotter  ist  also  jünger 
als  Oberpliocän,  und  das  gleiche  Alter  ist  daraus  für  den 
Sundgauschotter  abzuleiten,  in  den  er  gegen  S  übergeht. 
7ax  dem  gleichen  Schluß  berechtigt  anscheinend  der  oben 
erwähnte  Aufschluß  bei  Rüderbach. 

Die  am  Aufbau  des  Oberpliocäns  beteiligten  Gesteine 
sind  Tone,  tonige  Sande  und  Geröllablagerungen,  denen  z.  T. 
moränenartige  Beschaffenheit  zukommt18).  Lehm  und  Löß 
sind  ihm  fremd.  Löß  folgt  unter  Einschaltung  von  Sand¬ 
löß  gleichförmig  sowohl  auf  die  Niederterrasse  als  auch 
auf  die  Hochterrasse  des  Rheins,  Lehm  unter  Einschaltung 
ron  sandigem  Lehm  im  Moselgebiet  gleichförmig  auf  gleich 
alte  und  auf  ältere  Schotter18).  Deshalb  kann  es  keinem 

]>orphyren  gemischt  auf  den  dort  anstehenden  Konglomeraten 
eine  äußerst  dünn  ausgestreute  Decke  bilden  (Aufnahme bericht 
für  1895.  Mitteil.  Geol.  Landesanst.  Els.-Lothr.,  1896.  Bd.  4, 
H.  .4,  S.  LXVII),  nicht  den  dem  Sundgauschotter  gleichzustellenden 
Vogesenschotter  n  angehören,  sondern  älter  als  diese  und  dem 
Unterpliocän  zuzurechnen  sind. 

14)  L.  van  Webveke,  Pliocän  bei  Aue.  Mitteil.  Geolog. 
Landesanst.  Els.-Lothr.,  1897,  Bd.  4,  S.  CXLH. 

18)  Über  das  Pliocän  des  Unterelsasses.  Mitteil.  Geol.  Landes¬ 
anst,  Els.-Lothr.,  1892,  Bd.  3,  S.  139—157.  Derselbe  Aufsatz 
ohne  Profile  im  Bericht  der  24.  Versammlung  Oberrhein.  Geol. 
Vor..  1892,  S.  15—21. 

16)  Darauf  bin  ich  in  einem  dem  Abschluß  nahen  Aufsatz: 
..Über  die  Entstehung  der  lothringischen  Lehme  und  des  mittel- 
rheinischen  Lösses“  näher  eingegangen.  Der  Aufsatz  ist  inzwischen 
veröffentlicht  worden  im  Sitzungsber.  d.  Heidelbg.  Akad.  Wissensch. 
Mathem.-naturwissensch.  Klasse,  Abt.  A,  Jahrg.  1924,  5.  Abh.,  S.  44 


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Zweifel  unterliegen,  daß  es  im  Rheintal  auch  ältere  als 
die  bisher  bekannten  Lösse  gibt,  mit  anderen  Worten,  daß 
auch  auf  den  unteren  und  den  oberen  Deckenschotter  sowie 
auf  den  Sundgauschotter  Lößabsatz  gefolgt  ist.  Die  gegen¬ 
seitige  Lagerung  dieser  Schotter  zeigt  der  Querschnitt,  den 
ich  auf  S.  142  des  Aufsatzes  „Nochmals  die  Mittelterrasse 
Steinmanns,  Gliederung  des  Lösses“17)  für  die  Gegend  unter¬ 
halb  Basel  gegeben  habe.  Hier,  wo  die  einzelnen  Schotter 
zutage  gehen,  wird  es  bei  gelegentlichen  günstigen  Auf¬ 
schlüssen  möglich  sein,  die  den  unteren  und  den  oberen 
Deckenschotter  gleichförmig  überlagernden  Lösse  zu  finden. 
Der  Lehm,  welcher  den  Sundgäuschotter  überdeckt,  ist  aber 
wahrscheinlich  aus  der  Zersetzung  von  Löß  hervorgegangen, 
der  sich  an  den  Absatz  dieses  Schotters  angeschlossen  hat. 
Gutzwiller  spricht  von  der  Lehm-  bzw.  Lößbedeckung 
des  Sundgauschotters.  Oberdörfer,  dem  als  Kriegsgeologen 
weit  öfter  Gelegenheit  geboten  war,  den  Sundgaulehm  in 
frischen  Aufschlüssen  zu  beobachten,  als  es  den  Friedens¬ 
geologen  je  möglich  war,  sagt,  daß  derselbe  überall  fast 
völlig  entkalkt  ist.  An  der  Grenze  zwischen  Lehm  und 
Deckenschotter  wechseln  häufig  braune  und  graublaue 
Bänder  eines  stark  verlehmten  Sandes,  die  kleine  Kiesgeröile 
führen  (Oberdörfer,  S.  29).  Dieselbe  Beobachtung  hat 
Br.  Förster  bei  Altkirch  gemacht18).  Es  schiebt  sich  also 
eine  dem  Sandlöß  im  Rheintal  und  dem  sandigen  Lehm  in 
Lothringen  vergleichbare  Bildung  zwischen  Sundgauschottei 
und  Sundgaulehm  ein.  Nicht  nur  die  Ausbildung  des  Sund- 
gauschotters,  sondern  auch  seine  Überlagerung  schließt  ihn 
eng  an  die  jüngeren,  sicher  diluvialen  Schichten  an,  während 
ihn  scharfe  Unterschiede  von  den  Ablagerungen  des  Ober- 
pliocäns  trennen.  Tierische  oder  pflanzliche  Reste,  welche 
eine  unmittelbare  Bestimmung  des  Alters  der  Sundgau¬ 
schotter  gestatten  würden,  sind  bisher  nicht  gefunden 
worden.  Solange  aber  nicht  durch  solche  das  Gegenteil 
erwiesen  ist,  ziehe  ich  es  aus  den  verschiedenen  genannten 
Gründen  vor,  die  Sundgauschotter  zum  Diluvium,  nicht  zum 
Pliocan,  zu  steilen.  Ihre  Auflagerung  auf  Unterpliocän  bei 


17)  Mitteil.  Geol.  Landesanst.  v.  Els.-Lothr.,  1913,  Bd.  8.  H.  1. 
S.  142. 

18)  Erläut.  Bl.  Altkirch  der  Geol.  Karte  1:25  000,  1902, 
S.  10.  Entsprechende  Bildungen  kommen  auch,  wie  mir  Br. 
Förster  mündlich  mitgeteilt  hat,  über  den  gleich  alten  Vogesen- 
schottern  vor. 


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Pfetterhausen  und  Grosnes  schließt  ein  obermiocänes  oder 
prar  oberoligocänes  Alter  aus. 

Magdeburg,  4.  September  1923. 


Nachtrag. 

Gegenüber  der  Annahme  von  Salomon,  daß  der  Ab 
Lagerung  des  Oberpliocäns  eine  flache  Abtragung  des  Ge¬ 
bietes  der  mittelrheinischen  Gebirge  vorangegangen  ist,  habe 
ich  mich  auf  Grund  des  Vorkommens  von  oberpliocänen 
Moränen  bei  Epfig  und  groben  Schottern  im  nördlichen 
Unterelsaß  in  der  Anmerkung  7  auf  S.  132  dafür  ausge¬ 
sprochen',  daß  im  Oberpliocän  in  den  Vogesen  ein  Gebirge 
vorhanden  gewesen  sei.  Daß  der  Höhenunterschied  zwischen 
Gebirge  und  Vorland  damals  aber  weniger  bedeutend  als 
heute  gewesen  ist  und  beträchtliche  nachpliocäne  Ver¬ 
schiebungen  vor  sich  gegangen  sind,  habe  ich  S.  157  meines 
Aufsatzes  „Über  das  Pliocän  des  Unterelsaß“19)  ausge¬ 
sprochen.  Xachpliocän  sind  auch  die  Verwerfungen,  die 
K.  Boden20)  am  Nordwestabhang  der  Vogesen  nachgewiesen 
hat,  denn  sie  haben  Oberpliocän,  das  auf  einer  Einebenungs- 
fläche  abgesetzt  worden  war,  und  Trias  in  gleichem  Maße 
betroffen.  Man  erkennt  dies  am  deutlichsten,  wenn  man 
in  dem  Querschnitt,  den  Boden  auf  S.  253  gegeben  hat,  die 
Verwerfungen  ausschaltet;  die  aus  der  Aufwölbung  des 
Vogesonsattels  hervorgegangene  Schrägstellung  der  tri&di- 
schen  Schichten  (Einfalien  1.73%)  ist  älter  als  die  Ver¬ 
werfungen  und  das  Pliocän.  Die  tektonischen  Stauchungen 
hatten,  wie  Boden  annimmt,  im  wesentlichen  vor  der  Ab¬ 
lagerung  des  Oberpliocäns  ihren  Abschluß  gefunden. 
„Stellenweise  überdauerten  aber  die  Gebirgsbewegungen  das 
Pliocän  und  gaben  auch  den  Bildungen  dieser  Periode 
schwache  Neigungswinkel.“  (S.  256).  Neuerdings  hat  nun 
auch  Salomon21)  sich  davon  überzeugt,  daß  zum  mindesten 
die  Hauptteile  des  Schwarzwaldes,  des  Waagen  waldes  und 

19)  Mitteil.  d.  Geol.  Landesanstalt  v.  Els.-Lothr.,  1892,  Bd.  3, 
H.  2,  S.  139—157. 

*°)  Die  pliocänen  Ablagerungen  im  Gebiet  des  Oberlaufes  der 
Verouze  in  Lothringen.  —  Sitzungsber.  d.  Bayer.  Akad.  Wissensch., 
Mathem.-phys.  Kl.,  Jahrg.  1919,  S.  229 — 267. 

ai)  Die  Intensitäten  alluvialer  und  diluvialer  geologischer  Vor¬ 
gänge  und  ihre  Einwirkung  auf  die  pliocane  Rumpffläche  des 
Kraichgaues  und  Odenwaldes.  —  Sitzungsber.  d.  Heidelberger  Akad* 
Wisse nsch.,  Mathem.-naturw.  Kl.,  Abt.  A,  Jahrg.  1924,  3.  Abhdl.. 
38  S. 


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des  schwäbischen  Juras  höher  gelegen  haben  müssen  als 
die  Rumpffläche  (S.  31),  und  aus  dem  oben  erwähnten 
Vorkommen  von  geröllreichen  und  grobe  Blöcke  führenden 
Ablagerungen  im  oberen  Teil  des  Oberplioeäns  schließt  er, 
„daß  mindestens  zur  Zeit  des  Oberpliocäns  der  Wasgenwald 
als  höheres  Gebirge  vorhanden  war“  (S.  32).  Dadurch  ist 
erfreulicherweise  nunmehr  Übereinstimmung  erzielt. 

Aus  dem  gleichen  Grunde  wie  ich  hat  sich  auch 
P.  Kessler-2)  gegen  Salomon  ausgesprochen,  was  ich  bei  der 
Niederschrift  meines  Aufsatzes  übersehen  habe.  Mit  der 
Annahme  eines  altpliocänen,  im  Rheintal  gegen  N  fließen¬ 
den  Stromes,  der  durch  eine  wahrscheinlich  in  der  Richtung 
Basel — Mülhausen — Rufach  verlaufenden  Wasserscheide  von 
den  gegen  S  fließenden  Vogesenströmen  getrennt  war,  kann 
ich  mich  nicht  befreunden.  Kessler  weist  denn  auch  selbst 
darauf  hin,  daß  alpine  Gerolle,  welche  für  denselben  zeugen 
könnten,  nicht  bekannt  sind  (S.  159).  Er  ist  der  Meinung, 
durch  diesen  altpliocänen  Lauf  die  Entstehung  von  hoch¬ 
gelegenen  Geländcstufen  erklären  zu  können,  die  er  bei 
Tannenkirch  (420—460  m)  und  am  Nordrand  des  Blattes 
Barr  (350 — 380  in)  festgestellt  hat.  Zu  ungunsten  des  alt¬ 
pliocänen  Südnordrheins  spricht  die  Verbreitung  der  unter- 
pliocänen  (politischen)  Schwarzwaldgerölle,  wie  von  Bux- 
TOBFsa)  und  seinen  Schülern  nachgewiesen  ist.  Die  Gerolle 
reichen  westlich  der  Rheintal-Birsflexur  bis  in  den  Nord¬ 
rand  des  Beckens  von  Laufen  (S.  122  bis  124)  und  sind  nach 
Ansicht  der  Verfasser  durch  einen  Fluß  abgesetzt,  „dessen 
Einzugsgebiet  am  Nordrand  der  Dinkelbergmasse  und  an 
der  Südwestecke  des  Schwarzwaldes  zu  suchen  ist"  (8.  122 
bis  124).  Geländestufen,  denen  z.  T.  eine  höhere  Lage  zu¬ 
kommt  als  den  von  Kessler  genannten,  und  die  jünger 
sind  als  die  vorpermische  und  die  vortriadische  Abtra- 
gungsfläche,  erwähnt  E.  Schnaebkle21).  Der  höchsten  gehört 
das  Hochfeld  mit  1050—1100  m  Höhenlage  an. 

Magdeburg,  28.  September  1924. 


22)  Geologische  Beobachtungen  im  Reichsland.  —  Zeitschr.  «1. 
Deutsch.  Gcol.  Ges.,  Bd.  71,  1919,  Abhdl.,  S.  162. 

23)  A.  Buxtorf  und  R.  Koch,  Zur  Frage  der  Püocänbildungen 
im  nordschweizerischen  Juragebirge.  —  Verhdl.  d.  Naturf.  Ge*. 
Basel,  Bd.  31,  1919—1920,  Basel  1920,  S.  113— 132. 

24)  L’äge  des  surfaces  d’erosion  sur  le  massif  du  Champ  du 
feu.  —  Bullet.  Service  geol.  d’Alsace  et  de  Lorraine,  Bd.  1. 
H.2,  1923,  S.  131— 143. 


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Postbasaltische  und  rezente  Schubbewegungen 
auf  Überschiebungsklüften  im  Rheinischen 
Schiefergebirge. 

Von  Herrn  H.  Quibing  in  Berlin. 

(Mit  2  Textfiguren.) 

Wie  die  Flözkarte  zeigt,  verlaufen  in  den  regional 
gefalteten  Karbonschichten  am  Nordrand  des  Rheinischen 
Schiefergebirges  im  Streichen  der  Schichten  fast  ausschließ- 
i ich  Druckstör ungen  (Überschiebungsklüfte,  Schaufel¬ 
flächen),  während  Zugstörungen  (Sprünge)  meist  quer 
dazu  gerichtet  sind.  Diese  Tatsache  kann  eine  mehrfache 
Deutung  finden;  sie  läßt  sich  u.  a.1)  durch  die  Annahme 
erklären,  daß  auch  während  der  postkarbonischen  Zerrungs¬ 
phasen,  die  zur  Entstehung  der  Sprünge  geführt  haben, 
das  Gebirge  einem  latenten  Druck  in  SO— NW-Richtung 
ausgesetzt  gewesen  ist,  der  das  Auf  reißen  von  Spalten 
quer  zum  gefalteten  Gebirge,  jedoch  nicht  im  Gebirgs¬ 
streichen  gestattet  hat.  Die  an  sich  flächenhafte  Zer¬ 
rung  ist  so  zu  einer  gerichteten  (linearen  oder 
polaren)  geworden. 

Diesem  Deutungs versuch  stellte  vor  einiger  Zeit 
K.  Lehmann2)  eine  andere  Erklärung  entgegen.  Er  vertritt 
die  Anschauung,  daß  die  „gerichtete“  Zerrung  nicht  aus 
flächenhafter  Zerrung  entstanden,  sondern  von  vornherein 
linear  gewesen  sei,  ausgegangen  von  dem  im  Mesozoicum 
gebildeten  Saxonisclien  Trog.  Die  Quersprünge  Westfalens 
seien  parallele  Randstörungen  dieses  quer  zur  varistischen 
( ieosvnclinale  angeordneten  bedeutenden  Senkungsfeldes. 

In  eine  Erörterung  der  Frage  einzutreten,  ob  der 
„saxonische  Trog“  als  tektonisches  Element  bestanden  und 
an  der  Bildung  der  Sprünge  des  westfälischen  Karbon 


*)  Vgl.  H.  Quibing,  Die  Entstehung  der  Schollen  ge  birge.  Diese 
Zeitschr.,  Abhdl.  1913,  S. 

*)  K.  Lehmann,  Das  tektonische  Bild  des  rheinisch-westfä¬ 
lischen  Steinkohlengebirges,  Glückauf,  1920,  S.  1—6,  21—26, 
41—49. 


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Anteil  hat,  würde  zu  weit  führen.  Ich  verweise  auf  (len 
Vortrag,  den  ich  am  5.  März  1924  in  der  Sitzung  der 
Gesellschaft  gehalten  habe.  Besondere  Aufmerksamkeit 
verdient  der  Umstand,  daß  sehr  viele  stark  gefaltete 
Gebirge  quer  zur  Faltung  Sprünge  zeigen,  und  zwar  auch 
dann,  wenn  ein  Quertrog  nicht  vorhanden  ist,  daß  dagegen 
im  Gebirgsstreichen  wohl  Überschiebungsklüfte,  aber  nur 
ganz  selten  Sprünge  verlaufen.  Es  ergibt  sich  daher  schon 
als  Wahrscheinlichkeitsschluß,  daß  die  Richtung  der  Sprünge 
in  einem  zonaren  Faltengebirge  im  allgemeinen  zur  Falten¬ 
richtung  in  Beziehungen  stehen  muß,  d.  h.  sich  annähernd 
quer  zum  Faltenstreichen  anordnet,  auch  wenn  die  Sprünge, 
wie  etwa  beim  Rheinischen  Gebirge,  als  Bandstörungen 
zu  großen  Senkungsgebieten  oder  als  ehemalige  Horizontal¬ 
verschiebungen  angelegt  worden  sind,  sich  möglicherweise 
auch  der  Struktur  des  Untergrundes  angepaßt  haben. 

Meine  Arbeiten  im  Siegerlande  haben  nun  in  zwei¬ 
facher  Hinsicht  eine  Klarstellung  dieser  wichtigen  Frage 
ergeben.  Daß  Sprünge  noch  heute  Verwerfungen  und 
Schaukelbewegungen  der  durch  sie  getrennten  Schollen  ver¬ 
mitteln,  ist  bekannt.  Daß  aber  nicht  nur  an  Zerrungs¬ 
klüften,  sondern  auch  an  Überschiebungsklüften  noch  in 
posttertiärer  Zeit  Bewegungen  stattgefunden  haben,  ist  im 
Rheinischen  Schiefergebirge  erst  in  neuester  Zeit  festgestellt 
worden. 

Ich  beziehe  mich  auf  eine  Beobachtung,  die  ich  an 
einem  Basaltgang  auf  der  neunten  Tiefbausohle  der  Grube 
„Eiserner  Union“  bei  Siegen  gemacht  und  kürzlich  mit¬ 
geteilt3)  habe.  Dort  wird  der  Basal tgang  von  einer  etwa 
im  Streichen  des  Gebirges  verlaufenden  Überschiebungskluft 
durchsetzt  und  um  etwa  30  cm  diagonal  überschoben. 

Da  die  Überschiebungsklüfte  des  Siegerlandes  im 
wesentlichen  der  karbonischen  Pressungsperiode  ihre  Ent¬ 
stehung  verdanken,  ist  hiermit  der  Beweis  geführt,  daß 
auch  in  spättertiärer  und  poettertiärer  Zeit  das  Gebirge 
unter  tangentialen  Druckspannungen  gestanden  hat 

Ein  Zufall  hat  nun  kürzlich  eine  weitere  wichtige 
Beobachtung  geliefert. 

Von  O.  Barsch  sind  1922  Schweremessungen 
unter  Tage  zur  Wiederausrichtung  verworfener  Gangstücke 

3)  H.  Quiring,  Beiti'äge  zur  Geologie  des  Siegerlandes.  II 
Wirkungsweise  und  Entstehung  der  „Rechts-“  und  „Linksver- 
werfer“  der  Gänge.  Jahrb.  der  Preuß.  Geol  Landcsanst..  1921. 
S.  31. 


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auf  Gruben  im  Siegerlande  ausgeführt  worden.  Die  zu  den 
Versuchen  benutzte  Drehwage  gelangte  hierbei  in  Quer- 
schlagen  und  Versuchsstrecken  zur  Aufstellung,  die  z.T. 
auf  abschneidenden  Klüften  (Überschiebungsklüften)  ge¬ 
trieben  waren. 

Die  beistehenden  Skizzen  geben  die  Lage  der  Auf¬ 
stellungspunkte  und  einen  Streckenquerschnitt  im  Bereich 
des  Hauptganges  der  Knuppschen  Grube  „Friedrich  Wil¬ 
helm"  bei  Herdorf  wieder: 


Der  Mittagsgang  wird  in  seinem  mittleren  Teil  von 
zwei  Überschiebungsklüften  in  drei  Gangstücke  zerlegt,  die 
im  Grundriß  gegeneinander  rechtsseitig  verschoben  er¬ 
scheinen. 

Drei  der  Aufstellungspunkte  der  Drehwage  liegen  auf 
der  Überschiebungskluft  B,  einer  in  unmittelbarer  Nahe  der 
Überschiebungskluft  A. 

Bei  den  Messungen  zeigte  sich  folgendes: 

Die  horizontal  gestellte  Wage  ließ,  wenn  Sprengschüsse 
die  Grube  durchzitterten,  eine  plötzliche  Veränderung  des 
Libellenstandes  erkennen,  und  zwar  in  einer  ganz  bestimmten 


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sich  stets  gleiclibleibenden  Weise  und  Richtung-.  Durchweg 
erhielt  die  Wage  eine  Neigung  nach  NNW.  Und  dieses 
„Kippen“  der  Wage  blieb  bestehen.  Selbst  nach  Stunden 
war  keine  rückläufige  Bewegung  der  Libellen  zu  bemerken 
Diese  Beobachtung  ist  nicht  anders  zu  erklären,  als  daß 
bei  der  ruckweisen  Erschütterung  des  Gebirges  durch  die 
Sprengschüsse  latente  Spannungen  im  Gestein  ausgelftst 
wurden,  die  unter  Benutzung  der  vorhandenen  Klüfte  eine 
relative  oder  absolute  Hebung  des  südlichen  Gesteins* 


Fig.  2.  Skizze  des  Streckenquerschnitts  am  Aufstellungspunkt 
der  Drehwage. 

komplexes,  verbunden  mit  horizontalem  Zusammenschub, 
bewirkten.  Mit  anderen  Worten:  Dos  Gebirge  steht  noch 
heute  in  SSO— NNW-Richtung  unter  horizontalen  Druck¬ 
spannungen,  die  einen  tektonischen  ruckweisen  Zusammen¬ 
schub  unter  Vermittlung  von  vorhandenen  Überschiebungs¬ 
klüften  dann  erzeugen,  wenn,  wie  bei  Sprengschüssen,  die 
Spannungen  plötzlich  ausgelöst  werden. 

Eine  weitere  Präge  ist  63,  ob  diese  geringen  rezenten 
Schuppungen  tatsächlich  regional -tektonische  Bedeutung 
besitzen  oder  ob  sie  nur  durch  die  Druckentlastung  ver¬ 
ursacht  werden,  die  mit  der  subaerischen  Abtragung  (Tal¬ 
bildung)  zusammenhängt.  Im  Siegerland  sind  seit  demPliocäo 
mehrere  hundert  Meter  Sedimente  —  im  Bereich  des  Siegtals 
bei  Siegen  z.  B.  rund  300  m  —  erodiert  worden.  Die  Druck¬ 
entlastung  beträgt  demnach  örtlich  bis  zu  1000  Atmosphären 
auf  1  qcm.  Das  Gestein  wird  daher,  von  der  isostatischen 
Aufwärtsbewegung,  die  der  Abtragung  parallel  geht,  ganz 
abgesehen,  gewissermaßen  quellen.  Diese .  Aufquellung,  so 
gering  sie  auch  sein  mag,  löst  nicht  nur  aufwärts  gerichtete 


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143 


Druckspannungen,  sondern  auch  Seitendrucke  aus.  Die  Ge¬ 
steinschollen  werden  sich,  unter  Benutzung  vorhandener 
Klüfte,  gegeneinander  verschieben,  im  wesentlichen  unter 
Zusammenschub  und  Auf schuppung  auf  Überschiebungs¬ 
klüften.  Demnach  kann  die  festgestellte  rezente  Schub¬ 
bewegung  auf  die  Druckentlastung  des  Gesteins  durch  Ab¬ 
tragung  zurückgeführt  werden.  Unerklärt  bleibt  dann  aber 
immer  noch  die  einseitige  Schubrichtung  aus  SSO,  so  daß 
wir  bei  der  Deutung  der  Schubbewegung  geotektonischer 
Ursachen  wohl  nicht  entraten  können. 

Aber  wie  dem  auch  sei:  Die  Tatsache,  daß  Teile  des 
Rheinischen  Schiefergebirges  noch  heute  unter  horizontalen 
Druckspannungen  stehen,  in  einer  Richtung,  die  identisch 
ist  mit  der  Richtung  des  varistischen  Faltungsdruckes,  ist 
unbestreitbar.  Nehmen  wir  ähnliche  Verhältnisse  für  die 
postvaristische,  ja  für  die  postunterdevonische  Zeit  an,  so 
erklärt  sich  zur  Genüge,  weshalb  die  verschiedenen  Zer¬ 
rungsperioden,  die  nach  der  präsideri tischen  Faltung  das 
Gebiet  in  Schollen  zerlegt  haben,  wolil  Sprünge  annähernd 
in  der  Querrichtung,  aber  nur  sehr  seiten  in  der  Längsrich¬ 
tung  erzeugt  haben. 


Ergebnisse: 

1.  Teile  des  Rheinischen  Schiefergebirges  stehen  noch 
heute  unter  tangentialen  Druckspannungen  in  SSO  —  NNW- 
Riehtung,  die  gelegentlich  Schubbewegungen  verursachen, 
unter  Vermittelung  der  seit  der  varistischen  Faltung  vor¬ 
handenen  Überschiebungsklüfte. 

2.  Das  Fehlen  von  Sprüngen  (Zerrungsklüften)  in  der 
Streichrichtung  des  Gebirges  kann  auf  das  Vorhandensein 
latenter  Druckspannungen  quer  zum  Gebirge  seit  der  devo¬ 
nischen  Faltung  zurückgeführt  werden. 


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144 


Neoeingänge  der  BibUottaek. 

Berg,  G. :  Der  Graüit  des  Kiesengebirges  und  seine  Ganggeateine. 
(Petrographische  Studien.)  Abh.  Preuß.  Geol.  Landesanst., 
N.  F.,  Heft  94.  Berlin  1923. 

—  Die  Gesteine  des  Isergebirges.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geoi. 
Landesanst.  für  1922.  XLILL.  Berlin  1923. 

Blanckenuokn,  Max:  Das  l’nteroligocän  und  die  Melanien  tone 
des  mittleren  Kurhessens.  Aus:  Jahrb.  Preuß..  Geol. 
Landesanst.  für  1922.  XLIII.  Berlin  1923. 

Dahlgrün,  F. :  Über  Graptolithen  führende  Schichten  im  Unter 
harz.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  für  1922.  XLDl. 
Berlin  1923. 

—  Tektonische,  insbesondere  kimmerische  Vorgänge  im  mittleren 
Leinegebiete.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  für 
1922.  XLIII.  Berlin  1923. 

Kkdmannsdörffer.  0.  H. :  Untersuchungen  an  mazedonischen 
Gesteinen.  II.  Die  kristallinen  Gesteine  des  Wardar-Dojran- 
gebietes.  Aus:  N.  Jahrb.  Min.,  BeiL-Bd.  L.  Stuttgart-  192S. 
Finckh.  L. :  Die  Stellung  der  Gabbros  und  Serpentine  Nieder¬ 
schlesiens  und  ihre  Beziehungen  zu  den  Gneisen  und  den 
Graniten.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  für  1921. 
XLII.  Berlin  1923, 

Freygang,  Joachim:  Gliederung  und  Fossilgehalt  des  Kupfer¬ 
schiefers.  Aus:  Erdmann,  Jahrb.  d.  Halleschen  Verbandes  IV. 
Halle  a.  S.  1923. 

Fulda,  Ernst:  Salzspiegel  und  Salzhang.  Aus:  Zeitschr.  d. 

Deutsch.  Geol.  Ges.  75.  Berlin  1923. 

Gagel,  C. :  Die  chemische  Beschaffenheit  und  Unterscheidungs¬ 
möglichkeit  'der  Untereocäntone  und  der  .  mitteloligocänen 
Septarientone.  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol.  Landesanst.  für  1922. 
XLIII.  Berlin  1923. 

Gothan,  W. :  Weitere  Untersuchungen  über  Bildung  von  Braun  - 
kohlenflözen.  Aus :  Braunkohle,  Halle  1923. 

—  Paläobotanische  Mitteilungen  (1 — 4).  Aus:  Jahrb.  Preuß.  Geol 
Landesanst.  für  1921.  XLII.  Berlin  1923. 

—  Karbon-  und  Permpflanzen.  In:  G.  Gürich,  Leitfossilien. 
3.  Lfg.  Berlin  1923. 

Gränzer,  Josef:  Quarz.  Orthoklas.  Albit,  Chlorit,  Epidot  und 
Kalkspat  aus  Diabasklüften  des  Je schken gebirges ,  teils  in 
Pseudömorphosen  nach  Kalkspat.  Aus:  Mitt.  Ver.  Naturf. 
Reichenberg.  45.  Reichenberg  1923.  , 

Hess  von  Wiohdorff,  H. :  Beiträge  zur  Geschichte  des  ehe¬ 
maligen  staatlichen  Eisenhüttenwerks  zu  Wondollek  in 
Masuren.  Aus:  Mitt.  Literarische  Ges.  Masovia.  26/27.  Lötzen 
1922. 

Jongmans,  W.,  und  P.  Kukuk:  Die  Kalamariaceen  des  rheinisch¬ 
westfälischen  Kohlenbeckens.  Aus:  Glückauf,  47.  Essen 
1915. 


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FEB  2  6  2925 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte.) 


B.  Monatsberichte. 

Nr.  8-10.  76.  Band.  192* 

Berlin  1925. 

Verlag  von  Ferdinand  Enke  in  Stuttgart. 


INHALT. 

Protokoll  der  Hauptversammlung . 

Protokoll  der  Sitzung  am  31.  Juli  1924  . 

Protokoll  der  wissenschaftl.  Sitzung  am  1.  August  1924 
Protokoll  der  geschäftlichen  Sitzung  am  1.  August  1924 
Protokoll  der  zweiten  wissenschaftlichen  Sitzung  am 

1.  August  1924  . 

Protokoll  der  Sitzung  am  4.  August  1924  . 

Protokoll  der  Sitzung  am  5.  August  1924  . 

Vorträge: 

FISCHER:  Die  Bildungsbedingungen  des  Dolomits  im 

fränkischen  Keuper  (Titel)  . 

PRATJE,  0  :  Alte  und  junge  Sedimente  am  Grunde 

der  Nordsee  . 145 ,  160 

lvüHSE:  Eine  Bodenkarte  1:3000  aus  dem  Danziger 

Werder  (Titel)  . •  .* . 146 

0  KUHSE:  Sedimentpetographische  Mitteilungen  aus  dem 

Weichseldelta  (Titel) .  146 

KRAUS,  E.;  Die  Tektonik  des  ostpreußischen  Quartärs  146,  165 
MEZ:  Das  sero-diagnostische  System  des  Pflanzen¬ 
reichs  (Titel) .  146 

ZIEGENSPECK:  Über  den  serologischen  Stammbaum 

und  die  Phytopaläontologie  (Titel) .  147 

HESS  VON  WICHDORFF:  Nehrungsbildungen  an  ost¬ 
preußischen  Seen  und  die  Bedeutung  der  Binnensee¬ 
nehrung  für  das  Nehrungsproblem  (Titel) .  152 

ERRULAT:  Die  Beziehungen  zwischen  den  erdmagneti¬ 
schen  Störungen  und  den  diluvialgeologischen  Ver¬ 
hältnissen  in  Ostpreußen  (Titel) .  153 

JAEKEL:  Die  Tektonik  und  Gliederung  des  Diluviums 

in  Rügen  (Titel) .  ...  153 

V.  KLEBELSBERG:  Alpine  Quartärgeologie  (Titel).  .  153 

TROLL:  DieGliederungder  glazialen  Landschaften  (Titel)  154 

(Fortsetzung  des  Inhalts  nächste  Umschlagseite) 


bSke 

14$, 

145 

146 

147 

152 

153 

154 


145 


Go  gle 


Original  f 
JNIVERSITYOF 


Seite 


PHILIPP:  Solle  (Titel) .  154 

SCHULZ,  P.:  Die  Diatomeen  Üora  glazialer  und  postglazialer  Tone  (Titel)  154 
EITEL,  W. .  Neuere  Anschauungen  petrologischer  Probleme  auf 

Grund  synthetischer  Versuche . 154,  170 

WYSS,  TH.:  Die  statischen  Probleme  der  Gebirgsbildung.  (Mit 


ORTMANN:  Mikroskleren  der  Kreidespongien  (Titel) . 155 

SOLGER:  Die  Geologie  als  Grundlage  der  Heimatkunde  (Titel)  .  .  155 

MOLDBNHAUER:  Die  ingenieurgeologische  Baugrundkarte  Danzigs 

(Titel) . 156 

BERTRAM:  Die  geologische  Umbildung  des  Weichseldeltas  infolge 

menschlichen  Eingriffs  (Titel) .  156 

HOLSTEIN:  Das  Profil  durch  das  Weichseldelta  parallel  zur 

Weichsel  (Titel) .  156 

FREUDENREICH:  Die  Entstehung  der  Halbinsel  Heia  (Titel)  .  .  156 

buefliche  Mitteilungen : 

V.  BÜLOW,  KURD:  Zur  Moornomenklatur .  189 

MOOS  A.:  Neue  Nautilus-Schnäbel  aus  dem  Degger  und  Malm 

Sc Y  Habens.  (Mit  2  Textfiguren) .  192 

PETR.  .SCHECK,  W.  und  BERTA  WILSER:  Studien  zur  Geo- 

che  nie  des  Inkohlungsprozesses.  (Mit  5  Textfiguren) . 200 

WENZ .  W.:  Tertiäre  Verwitterungsrinden  im  Mainzer  Becken.  (Mit 

3  "  extfiguren) .  21 5 

WOLFF,  W..  Zur  Abwehr . 223 

Rechnungsabschluß . 224 


Deutsche  Geologische  Gesellschaft. 


Vorsitzender: 

Stellvertretende 

Vorsitzende: 

Schatzmeister: 

Archivar: 


Vorstand  für  das  Jahr  1925 

Herr  Krusch  Schriftführer:  Herr  BAktlinq 

„  POMPECK J  ,,  SOLGER 

„  BROiLi-München  „  Mestwerdt 

„  Picaed  „  Rimann- Dresden 

„  Dienst 


Beirat  für  das  Jahr  1925 


Die  Herren:  ANDRiiE-Königsberg  i.  Pr.,  Buxtorf- Basel,  CLOOs-Breslau,  Erdmasn.s- 
DÖRFFER-Hannover,  Faura  i  Sans- Barcelona,  FLiEGEL-Berlin,  Pe  i  RASCHECK-Leobeu, 
ScHUMANN-Grube  Jlse,  N.-L.,  STREMME-Danzig,  Suess-Wien,  WEONER-Münster 


- □ 

Bei  Zusendungen  an  die  Gesellschaft  wollen  die  Mitglieder  folgende 
Adressen  benutzen: 


1.  Manuskripte  zum  Abdruck  in  der  Zeitschrift,  Korrekturen  usw.  an 
Herrn  Bergrat  Prof.  Dr.  Bartling,  Berlin-Friedenau,  Kaiserallee  128. 

2.  Einsendungen  an  die  Bücherei,  Reklamationen  nicht  eingegangener 
Hefte,  Anmeldung  neuer  Mitglieder  und  Adressenänderungen  an 
Herrn  Prof.  Dr.  Dienst,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

3.  Anmeldung  von  Vorträgen  für  die  Sitzungen  an  Herrn  Bergrat 
Prof.  Dr.  Mestwerd t,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

4.  Sonstiger  Briefwechsel  an  den  Vorstand  der  Deutschen  Geo¬ 
logischen  Gesellschaft,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44 

5.  Die  Beiträge  sind  gebührenfrei  auf  das  Postscheckkonto  von 
Prof.  Dr.  E.  Picard,  Schatzmeister  der  Deutschen  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft  in  Berlin  N  4  beim  Postscheckamt  Berlin  NW7  Nr.  38581  zu 
überweisen. 

Aus  dem  Ausland  sind  die  Beiträge  an  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Picard 
Berlin  N4,  Invalidenstr.  44,  mnzusenden. 

Go  gle 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft 


B.  Monatsberichte. 

Nr.  8-10. 


1924. 


Protokoll  der  Hauptversammlung  am  31.  Juli 
und  1.  August  1924  in  Königsberg  i.  Pr.  und 
am  4.  und  5.  August  1924  in  Danzig. 

Sitzung  am  31.  Juli  1924  in  der  Aulader 

Albertus-Universität  in  Königsberg. 

Herr  Andrüe  eröffnet  als  Geschäftsführer  um  930  Uhr 
die  Sitzung  mit  einer  Begrüßung  der  Gäste.  Zur  Begrüßung 
der  Gesellschaft  sind  der  Rektor  der  Universität,  ein  Ver¬ 
treter  des  Oberpräsidenten  und  der  Oberbürgermeister  der 
Stadt  Königsberg  erschienen.  Auf  die  Begrüßungsreden 
des  Geschäftsführers  und  der  beiden  erstgenannten  erwidert 
als  Vorsitzender  der  Gesellschaft  Herr  Keusch.  Zum  Vor¬ 
sitzenden  der  wissenschaftlichen  Sitzung  am  31.  Juli  wird 
Herr  Andr^e,  für  die  am  1.  August  Herr  Dannenberg  ge¬ 
wählt.  Zu  Schriftführern  werden  die  Herren  Errulat, 
Hollstein  und  Pietzsch  ernannt  und  mit  der  Rechnungs¬ 
prüfung  die  Herren  P.  G.  Krause  und  Thost  beauftragt. 

Herr  Andrer  übernimmt  den  Vorsitz.  Nach  kurzen 
geschäftlichen  Mitteilungen  des  Vorsitzenden  spricht  Herr 
FISCHER  -  München  über:  „Die  Bildungsbedingungen  des 
Dolomit»  im  fränkischen  Keuper“. 

In  der  Diskussion  sprechen  Herr  Kraus  und  der  Vor¬ 
tragende. 

Es  folgt  der  Vortrag  des  Herrn  PRATJE  über:  „Alte 
und  jnnge  Sedimente  am  Grunde  der  Nordsee“1).  Zu  dem 
Vortrag  sprechen  Herr  Krusch  und  Herr  Andrer. 

i)  Siehe  S.  160. 

10 


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146 


Nach  einer  Pause  von  15  Minuten  legt  Herr  KUHSE 
„eine  Bodenkarte  1:3000  ans  dem  Danziger  Werder“ 
vor  und  macht  „Sedimentpetrographische  Mitteilungen 
ans  dem  Weichseldelta“. 

An  der  Aussprache  beteiligen  sich  Herr  Keusch  und 
der  Vortragende. 

Herr  KRAUS  spricht  über:  „Die  Tektonik  des  ost- 
prenßischen  Quartärs“2). 

In  der  Diskussion  sprechen  die  Herren  Andere,  Hess 
von  Wichdobff,  Loe8cher,  Keusch,  Errulat  und  der  Vor¬ 
tragende. 

Darauf  wurde  die  Sitzung  um  12i5  Uhr  geschlossen, 
v.  w.  o. 

Andere.  Pietzsch.  Hollsteix.  Errulat. 


Am  Abend  des  31.  Juli  fand  auf  Einladung  der  Stadt 
Königsberg  i.  Pr.  in  den  Raumen  des  Tiergartens  eine 
gesellige  Zusammenkunft  statt.  Bei  dieser  Gelegenheit  be¬ 
grüßte  der  Herr  Oberbürgermeister  die  Gesellschaft  auf 
das  herzlichste  in  der  Stadt.  Der  Vorsitzende  Herr  Keusch 
erwiderte  im  Namen  der  Gesellschaft  mit  den  Worten  des 
besten  Dankes  für  die  überaus  gastfreundliche  Aufnahme 
seitens  der  Stadt  und  ihrer  Bürger. 


Protokoll  der  wissenschaftlichen  Sitzung  am 
1.  A  u g u 8 1  1924  in  der  Aula  der  Albert  us-Uni- 

v  e  r  8  i  t  ä  t. 

Vorsitzender:  Herr  Dannenberg. 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  um  920  Uhr, 
macht  einige  kurze  geschäftliche  Mitteilungen  und  erteilt 
Herrn  MEZ  -  Königsberg  das  Wort  zu  seinem  Vortrag  über: 
„Das  sero-diagnostische  System  des  Pflanzenreichs“.  Herr 


>)  Siehe  S.  165. 


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147 


ZIEGENSPECK  -  Königsberg  spricht:  „Über  den  Serolo¬ 
gischen  Stammbaum  und  die  Phyto  paläontologie“. 

An  der  Aussprache  über  beide  Vorträge  beteiligen  sich 
die  Herren  Gams,  Gothan  und  Ziegenspece. 

Hierauf  wird  die  wissenschaftliche  Sitzung  unterbrochen 
und  es  folgt  die: 

Geschäftliche  Sitzung  am  1.  August  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Kbusch. 

Der  Vorsitzende  macht  folgende  Ausführungen: 

Die  satzungsgemäße  Wahl  des  Vorstandes  und  Beirates 
fiel  im  vorigen  Dezember  aus,  weil  der  Schatzmeister 
die  für  die  Wahl  erforderlichen  Geldmittel  nicht  zur  Ver¬ 
fügung  stellen  konnte.  Die  Schwierigkeiten  sind  damals 
den  Mitgliedern  mitgeteilt  worden.  Diese  wurden  auch 
davon  in  Kenntnis  gesetzt,  daß  der  neue  Vorstand  kurzer¬ 
hand  durch  den  alten  eingesetzt  werden  sollte,  ohne  daß 
eine  Wahl  stattfand. 

Der  damalige  Vorstand  der  Deutschen  Geologischen 
Gesellschaft  war  sich  durchaus  darüber  klar,  daß  dieses 
Verfahren  nicht  der  Satzung  entsprach.  Die  Not  der  Zeit 
zwang  aber,  sich  über  alle  Hindernisse  hinwegzusetzen. 

Nur  ein  Mitglied,  Herr  Oppenheim  hat  schriftlich 
gegen  dieses  Verfahren  Einwendungen  erhoben,  allerdings 
mit  dem  Zusatz,  daß  er  ihnen  keine  Folge  zu  geben  beab¬ 
sichtige.  Es  ist  deshalb  Pflicht  des  jetzigen  Vorstandes, 
die  Verhältnisse  der  Hauptversammlung  klarzulegen,  ihr 
von  den  Ausführungen  des  Herrn  Oppenheim  Kenntnis 
zu  geben  und  um  nachträgliche  Genehmigung  der  nicht 
satzungsgemäßen  Wahl  zu  bitten. 

Da  sich  kein  Widerspruch  in  der  Versammlung  gegen 
das  Vorgehen  des  früheren  Vorstandes  erhebt,  gilt  der 
jetzige  damit  von  der  Hauptversammlung  ausdrücklich  trotz 
seiner  satzungswidrigen  Einsetzung  als  ordnungsmäßig  an¬ 
erkannt. 

Zu  Ehren  des  verstorbenen  Mitgliedes  Herrn  Ober¬ 
ingenieur  Bell- Königsberg  erheben  sich  die  Anwesenden. 

Als  Mitglieder  der  Gesellschaft  werden  aufgenommen: 

Herr  Dr.  E.  Sobotha  in  Minden  i.  Westf.,  6.  Pr. 

Pionier- Batl. 

Herr  Professor  F.  Goehr  in  Glatz,  Kath.  Gymnasium 

10* 


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148 


Herr  Stadtbaumeister  Dr.  E.  Buhr  in  Salzuflen,  Oberer 
Gröchtewcg 

Herr  Studienrat  Dr.  B.  Hoffmann  in  Königsberg  i.  Pr. 

Der  Vorsitzende  geht  dann  auf  die  Mitglieder  zahl  der 
Gesellschaft  ein.  Sie  betrug  am  1.  März  1922  1156.  Das 
Wachstum  ergibt  sich  aus  dem  nachstehenden  von  Herrn 
Di  kn  st  entworfenen  Bilde.  Danach  hatte  die  Gesellschaft 
im  Jahre  1899  296  Mitglieder.  Deren  Zahl  stieg  all¬ 
mählich  auf  708  im  Jahre  1915.  Von  hier  bis  1920  mit 
705  Mitgliedern  liegen  keine  genauen  Zahlen  vor.  Im 
Jahre  1920  setzte  eine  außerordentlich  rührige  Propaganda 
ein,  welche  bewirkte,  daß  im  Jahre  1921  1062,  1922  1100 
und  1923  1225  Mitglieder  gezählt  wurden.  Im  Jahre  1924 
ist  eine  geringe  Abnahme  auf  1123  Mitglieder  zu  ver¬ 
zeichnen.  Sie  beruht  darauf,  daß  viele  Mitglied  geworden 
sind,  die  nur  wrenig  Interesse  für  wissenschaftlich- 
geologische  Fragen  haben  und  infolgedessen  bei  erster  Ge¬ 
legenheit  wieder  austreten.  Der  Wechsel  der  Mitglieder 
war  somit  auch  in  den  letzten  beiden  Jahren  sehr  rege: 
eingetreten  sind  212,  ausgeschieden  durch  Tod,  Austritt 
oder  Streichung  250.  Die  Streichung  erfolgte  durch  den 
Vorstand,  sobald  die  be treffenden  Mitglieder  trotz  wieder¬ 
holter  Aufforderung  mit  der  Zahlung  ihrer  Beiträge  längere 
Zeit  im  Rückstand  blieben. 

Am  1.  Januar  1924  betrug  die  Mitgliederzahl  1123. 
Seitdem  traten  ein  18  und  schieden  aus  15  Mitglieder, 
so  daß  der  jetzige  Bestand  1126  beträgt. 

Der  Archivar  verliest  darauf  den  Bericht  des  am  Er¬ 
scheinen  verhinderten  Schatzmeisters. 

Namens  der  Kassenprüfer  berichtet  Herr  Thost,  daß 
die  Bücher  und  Belege  geprüft  und  in  Ordnung  befunden 
wurden,  auf  seinen  Antrag  wird  dem  Vorstand,  ins¬ 
besondere  dem  Schatzmeister  von  der  Versammlung  Ent¬ 
lastung  erteilt. 

Satzungsgemäß  ist  der  vorjährige  Beitrag  von  der 
Hauptversammlung  zu  genehmigen.  Er  betrug  20  810  000 
Papiermark  und  1,50  Goldmark.  Der  Vorsitzende  teilt  so¬ 
dann  mit,  daß  in  diesem  Jahre  noch  ein  Ergänzungsbeitrag 
von  6  M.  zur  Deckung  der  Druckkosten  eingezogen  worden 
muß.  Die  Versammlung  genehmigt  die  Beitragspolitik  des 
Vorstandes. 

Herr  Bartling  hat  als  Schriftleiter  der  Zeitschrift 
folgenden  Bericht  eingesandt,  der  zur  Verlesung  gelangt; 


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149 


Mehr  noch  als  im  Jahre  1922  litt  der  Druc£  der  Zeit¬ 
schrift  unter  der  fortschreitenden  Inflation.  Obwohl  der 
rasch  zunehmenden  Geldentwertung  durch  die  gleichen 
Mittel  wie  im  Vorjahre  (Papierankauf,  Überweisungen  an 
die  Druckerei)  entgegengetreten  ist,  kam  der  Druck  schlie߬ 
lich  ganz  ins  Stocken.  Die  Rückstände  konnten  aber  nach 


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150 


Eintreten  stabilerer  Verhältnisse  im  wesentlichen  aufge¬ 
arbeitet  werden,  so  daß  seit  der  letzten  Hauptversamm¬ 
lung  der  Jahrgang  1923  durch  Herausgabe  eines  Heftes 
Abhandlungen  und  der  Monatsberichte  5—10  und  11—12 
zum  Abschluß  gebracht  wurde.  Vom  Jahrgang  1924  konnte 
wegen  der  Finanzlage  der  Gesellschaft  bislang  nur  der 
Monatsbericht  1 — 4  ausgegeben  werden.  Da  die  reinen 
Druckkosten  noch  rund  60°/»>  höher  sind  als  in  der  Vor¬ 
kriegszeit,  muß  der  Umfang  der  Zeitschrift  leider  noch 
stark  eingeschränkt  bleiben.  Eine  Besserung  im  Umfang 
und  Ausstattung  der  Zeitschrift  wird  erst  zu  erwarten  sein, 
wenn  die  Mitgliedsbeiträge  der  Höhe  der  Vorkriegszeit  an¬ 
gepaßt  und  die  Druckpreise  weiter  gesenkt  werden  können. 

Die  Schriftleitung  sieht  sich  gezwungen,  erneut  die 
Bitte  an  alle  Autoren  zu  richten,  ihre  Manuskripte  vor 
der  Einlieferung  so  durchzuarbeiten,  daß  keine  Änderungen 
während  des  Druckes  mehr  notwendig  sind  und  nur  die 
reinen  Setzerfehler  verbessert  werden  müssen.  Da  die 
Zeitschrift  in  Maschinensatz  hergesbellt  wird,  kommen  alle 
Korrekturen  sehr  teuer;  sie  müssen  daher  unbedingt  ver¬ 
mieden  werden. 

Herr  Dienst  als  Archivar  berichtet  folgendes: 

Der  Umfang  der  wertvollen  Gesellschaftsbibliothek  mag 
aus  folgenden  Zahlen  hervorgehen :  Es  sind  vorhanden 
420  lfde.  m  Zeitschriften  und  etwa  10000  Einzelschriften 
und  Sonderabdrücke,  die,  soweit  sie  gebunden  sind,  30 
lfde.  m  Depositorien  füllen;  der  Best  wird  in  260  Separat¬ 
kästen  aufbewahrt. 

Neu  oder  wieder  aufgenommen  wurde  im  letzten  Jahre 
der  Austausch  der  beiderseitigen  Veröffentlichungen  mit 
folgenden  Gesellschaften : 

Sociöte  Linneenne  de  Bordeaux, 

University  of  Glasgow, 

Norges  geologiske  Undersökelse  in  Kristiania, 

Lithogaea  in  Moskau, 

Comite  geologique  in  Leningrad, 

Service  geologique  de  Pologne  in  Warschau, 

Comite  geologique  d’Extröme-Orient  in  Wladiwostok, 
Schweizerische  Geotechnische  Kommission  in  Zürich. 

Wieder  eingeleitet  wurde  der  Austausch  mit  den  Geo- 
logieal  Survey  of  Canada  und  dem  Australian  Museum  in 
Sydney. 


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151 


Die  Gesellschaft  steht  mit  138  Behörden  und  Gesell¬ 
schaften  im  Austausch,  noch  nicht  wieder  aufgenommen 
ist  dieser  mit  28  Gesellschaften  zumeist  im  ehemalig  feind¬ 
lichen  Ausland.. 

Das  Protokoll  über  die  satzungsgemäße  Revision  der 
Bücherei  vom  3.  Juni  1924  wurde  zu  den  Akten  genommen. 

Gegen  diese  Berichte  werden  keine  Einwendungen  er¬ 
hoben. 

Der  Vorstand  stellt  hierauf  im  Einvernehmen  mit  dem 
Beirat  den  Antrag,  Herrn  H o  f  r  a t  Tietze  in  Wien, 
den  tatkräftigen  Organisator  und  langjährigen  verdienst¬ 
vollen  Leiter  der  Wiener  Geologischen  Reichsanstalt,  zum 
Ehrenmitglied  der  Deutschen  Geologischen 
Gesellschaft  zu  ernennen.  Der  Vorschlag  wurde  ein¬ 
stimmig  angenommen.  Noch  während  der  Tagung  in 
Königsberg  wurde  Herrn  Tietze  das  Ehrendiplom  über¬ 
sandt. 

Für  die  nächstjährige  Tagung  liegt  nur  die 
Einladung  des  Herrn  Wegnbr  in  Münster  in  Westf.  vor. 
Sie  wird  von  der  Hauptversammlung  einstimmig  ange¬ 
nommen.  Zum  Geschäftsführer  wird  Herr  Wegnbr 
ernannt.  Entsprechend  einer  Anregung  des  Herrn  Hennig- 
Tübingen  wird  der  Wunsch  vieler  Mitglieder  zum  Ausdruck 
gebracht,  daß  die  nächstjährige  Tagung  nicht  vor  dem 
10.  August  beginnen  soll. 

Herr  Andere  schlägt  vor,  daß  der  Vorstand  beim 
Ministerium  für  Unterricht,  Kunst  und  Wissenschaft  Be¬ 
urlaubung  der  im  Lehrberuf  tätigen  Mitglieder  für  die 
Hauptversammlungen  beantragt.  Zu  der  Frage  des  Zeit¬ 
punktes  der  Hauptversammlung  sprechen  die  Herren  Kamm¬ 
bad,  Dienst  und  der  Vorsitzende. 

Ursprünglich  sollte  im  Jahre  1926  überhaupt  keine 
Tagung  stattfinden,  da  in  diesem  Jahre  der  Inter¬ 
nationale  Geologenkongreß  zu  Madrid  tagen 
sollte.  An  diesem  Kongreß  hat  die  Deutsche  Geologische 
Gesellschaft  ein  ganz  besonderes  Interesse.  Sie  hat  früher 
gegen  die  Zählung  des  Kongresses  in  Brüssel  (XIII)  pro¬ 
testiert,  weil  die  Deutschen  von  diesem  Kongreß  ausge¬ 
schlossen  waren.  Es  dürfte  viele  unserer  Mitglieder 
interessieren,  daß  infolge  des  Ausschlusses  Schweden,  Nor¬ 
wegen  und  Holland  keine  Delegierten  ihrer  Regierung  ent¬ 
sandt  hatten.  Für  die  Deutschen  existiert  also  der  Kongreß 
in  Belgien  nicht. 


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152 


Der  Vorsitzende  hatte  sich  aus  diesem  Grunde  an 
Herrn  Professor  Fabrega  in  Madrid  gewandt  und  ihn  um 
Vermittlung  gebeten,  daß  diesem  Wunsche  der  Deutschen 
in  Madrid  bei  der  Zählung  des  neuen  Kongresses  Ausdruck 
gegeben  werden  möchte.  Herr  Kbusch  schlug  vor,  von 
Madrid  an  überhaupt  die  Nummern  wegzulassen,  die  an 
und  für  sich  überflüssig  wären;  denn  viele  kennen  wohl 
die  Orte  früherer  Tagungen,  aber  nicht  die  Kongre߬ 
nummern.  Man  spricht  z.  B.  vom  Kongreß  in  Barcelona, 
ohne  hinzuzusetzen,  daß  dieser  der  erste  war.  Und  ebenso 
gut  könnte  man  von  dem  Kongreß  in  Madrid  usw.  (ohne 
Nummer)  reden.  Herr  Fabrega  mußte  leider  antworten, 
daß  sich  der  König  von  Spanien  für  die  Angelegenheit 
persönlich  interessiert  und  in  allerhöchsten  Erlässen  schon 
die  Nummer  XIV  gebraucht  habe.  Zugleich  teilte  Herr 
Fabrega  mit,  daß  der  internationale  Kongreß  in  Madrid 
nicht  1925  stattfinden  könne,  da  er  mit  dem  Internationalen 
Geographenkongreß  in  Kairo  —  von  dem  die  Deutschen 
übrigens  auch  ausgeschlossen  sind  —  kollidieren  würde, 
und  da  das  Geologische  Institut,  in  welchem  der  Kongreß 
wohl  tagen  soll,  noch  nicht  fertig  sei.  Aus  diesen  Grün¬ 
den  stelle  sich  eine  Verschiebung  des  Kongresses  um  1  Jahr 
als  notwendig  heraus.  Die  Deutsche  Geologische  Gesell¬ 
schaft  muß  sich  also  Mühe  geben,  die  Zwischenzeit  zu 
benutzen,  um  die  den  Deutschen  in  Brüssel  widerfahrene 
Schmach  in  irgendeiner  Weise  wettzumachen. 

An  das  um  die  Geologie  Ostpreußens  hochverdiente 
Ehrenmitglied  Herrn  Jentzsch  wird  ein  Begrüßungs¬ 
telegramm  gesandt. 

Darauf  wurde  die  geschäftliche  Sitzung  geschlossen 
v.  w.  o. 

Kursen  Pietzsch  Errui.at  Holi.stein 


Protokoll  der  zweiten  wissenschaftlichen 
Sitzung  am  1.  August  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Dannenberg 

Der  Vorsitzende  eröffnet  die  Sitzung  wieder  und  er¬ 
teilt  Herrn  HESS  VON  WICHDORFF  das  Wort  zu  seinem 
Vortrag  über:  „Nehrungsbildungen  an  ostpreußischen 


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153 


Seen  und  die  Bedeutung  der  Binnenseenehruiig  für  das 
N  ehrungsprob  lern“. 

Herr  ERRÜLAT  spricht  über:  „Die  Beziehungen 
zwischen  den  erdmagnetischcn  Störungen  und  den  di¬ 
luvialgeologischen  Verhältnissen  in  Ostpreußen“. 

Der  Vorsitzende  schließt  die  Sitzung  um  1215  Uhr. 
v.  w.  o. 

Dannenberg.  Pietzsch.  Errulat.  Hollstein. 


Protokoll  der  Sitzung  am  4.  August  1924  im 
Hörsaal  101  der  Technischen  Hochschule  in 
Danzig-Langfuhr. 

Beginn  830  Uhr. 

Herr  Stremme  eröffnet  als  Geschäftsführer  die  Sitzung 
und  begrüßt  die  Anwesenden.  Im  Namen  der  Technischen 
Hochschule  und  der  Stadt  heißt  der  Rektor  der  Tech¬ 
nischen  Hochschule  die  Erschienenen  willkommen.  Der 
Vorsitzende  Herr  Krusch  dankt  im  Namen  der  Gesell¬ 
schaft  für  die  Begrüßungsworte  und  macht  einige  geschäft¬ 
liche  Mitteilungen. 

Zum  Vorsitzenden  für  die  Sitzung  am  4.  August  wird 
Herr  Stremme,  für  den  5.  August  Herr  Jaekel  gewählt. 

Herr  Stremme  übernimmt  den  Vorsitz  und  macht  einige 
Vorbemerkungen  für  die  Exkursionen  ,in  die  Umgebung 
von  Danzig. 

Herr  JAEKEL  spricht  über:  „Die  Tektonik  und 
Gliederung  des  Diluviums  in  Rügen“. 

An  der  Aussprache  beteiligen  sich  die  Herren  Wolfe, 
Kraus,  Kraft,  Krusch,  Philipp  und  der  Vortragende. 

Herr  VON  KLEBELSBERG  spricht  über:  „Alpine 
Quartärgeologie“1).  Zu  diesem  Vortrag  spricht  Herr 
Philipp. 


l)  Der  Vortrag  erscheint  im  Monatsbericht  11/12. 


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154 


Nach  einer  kurzen  Pause  folgt  der  Vortrag  des  Herrn 
TROLL  über:  „Di©  Gliederung  der  glazialen  Land¬ 
schaften“. 

An  der  Diskussion  beteiligen  sich  die  Herren  Jaekel, 
Kraus,  Wolff,  Woldstedt  und  der  Vortragende. 

Herr  PHILIPP  spricht  über:  „85 Ile“.  Dazu  sprechen 
die  Herren  Krause,  Kraus,  Jaekel,  Wolff,  Gams,  Troll 
und  der  Vortragende. 

Herr  P.  SCHULZ  spricht  über:  „Die  Diatomeenflora 
glazialer  und  postglazialer  Tone“.  In  der  Diskussion 
sprechen  die  Herren  Gams  und  der  Vortragende. 

Schluß  der  Sitzung  12*°  Uhr. 


v.  w.  o. 

Stremme.  Errulat.  Hollstein.  Pietzsch. 

Der  Senat  der  Freien  Stadt  hatte  abends  zu  einem 
Empfang  im  Artushof  geladen,  an  dem  neben  zahlreichen 
Gästen  die  in  Danzig  anwesenden  Mitglieder  der  Gesell¬ 
schaft  vollständig  teilnahmen. 

Nach  einem  Vortrage  des  Archivdirektors  der  Stadt 
Danzig  über  die  staatsrechtliche  Stellung  der  Stadt  im 
Laufe  der  Jahrhunderte  und  nach  treudeutschen  Be¬ 
grüßungsworten  des  Präsidenten  Dr.  Sahm  gaben  die 

Herren  Krusch  und  Jaekel  dem  Dank  Ausdruck,  den 
die  Gesellschaft,  für  den  überaus  herzlichen  Empfang  in 
der  Freien  Stadt  und  bei  ihren  Bürgern  empfindet. 


Protokoll  der-  Sitzung  am  5.  August  1924  i  m 
H  ö  r  s  a  a  1  101  der  Technischen  Hochschule  in 
Danzig -Langfuhr. 

Beginn  830  Uhr. 

Herr  Dannenberg  eröffnet  die  Sitzung  und  übergibt 
den  Vorsitz  an  Herrn  Jaekel. 

Dieser  erteilt  Herrn  EITEL  das  Wort  zu  seinem  Vor¬ 
trag  über:  „Neuere  Anschauungen  petrologischer  Pro¬ 
bleme  auf  Grund  synthetischer  Versuche“1). 

0  Siehe  8.  170. 


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155  — 


An  der  Aussprache  beteiligen  sich  die  Herren  Jaekel, 
Keusch,  Kraus  und  der  Vortragende. 

Herr  WYHS  spricht  über:  „Die  statischen  Probleme 
der  Gebirgsbildung“*). 

An  der  Diskussion  beteiligen  sich  die  Herren  Lorentz, 
Errulat,  Soloer,  Jaekel  und  der  Vortragende. 

Herr  ORTMANN  spricht  über:  „Mikroskleren  der 
Kreidespongien“.  Dazu  sprechen  die  Herren  Jaekel  und 
der  Vortragende. 

Der  Vorsitzende  gibt  bekannt,  daß  der  Gesellschaft 
als  Mitglied  beizutreten  wünschen: 

Herr  Oberbaurat  Hermann  Bertram  in  Danzig,  Fahre  n- 
heitstr.  4; 

Herr  cand.  rer.  nat.  Otto  Bock  in  Danzig,  Peters¬ 
hagen  1/2; 

Herr  cand.  ing.  Herm.  von  Bbaunmühl  in  Neurode, 
Schlesien; 

Das  Mineralogisch  -  Geologische  Institut  der  Tech¬ 
nischen  Hochschule  in  Danzig-Langfuhr; 

Herr  Regierungsbaumeister  Freudenreich  in  Danzig- 
Langfuhr,  Brunshofweg  1; 

Herr  Dr.  Erich  Moldenhauer  in  Gleiwitz  O.-S.; 

Herr  Sanitätsrat  Dr.  Paul  Ortmann  in  Danzig,  Jopen- 
gasse; 

Fräulein  Oberlehrerin  Anna  Rathgen  in  Hamburg; 

Herr  Mittelschuloberlehrer  Paul  Schulz  in  Danzig, 
Schichaugasse  22; 

Herr  Privatdozent  Dr.  Theophil  Wyhs  in  Danzig- 
Langfuhr; 

Herr  Professor  Dr.  Ferdinand  Zunker  in  Breslau  16, 
Hansastr.  25. 

Die  Vorgeschlagenen  werden  auf  genommen. 

Nach  einer  kurzen  Pause  macht  Herr  Wegner  Mit¬ 
teilungen  über  die  nächstjährige  Hauptversammlung  in 
Münster  i.  W.  und  über  die  geplanten  Exkursionen,  sowie 
Herr  Jaekel  über  die  Versammlung  der  Paläonto logischen 
Gesellschaft. 

Herr  SOLGER  spricht  über:  „Die  Geologie  als  Grund¬ 
lage  der  Heimatkunde“.  Dazu  äußert  sich  der  Vorsitzende. 

*)  Siehe  S.  172. 


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156 


Es  folgt  der  Vortrag  des  Herrn  MOLDENHAUER 
über:  „Die  ingenieurgeologische  Bangrundkarte  Dan¬ 
zigs". 

An  der  Aussprache  nehmen  teil  die  Herren  Philipp, 
Stremme  und  der  Vorsitzende. 

Hierauf  trägt  Herr  BERTRAM  vor  über:  „Die  geo¬ 
logische  Umbildung  des  Weichseldeltas  infolge  mensch¬ 
lichen  Eingriffes". 

An  der  Diskussion  beteiligen  sich  die  Herren  Jaekel, 
Gerlach,  Wolff,  Kraus  und  der  Vortragende. 

Herr  HOLLSTEIN  bespricht  im  Anschluß  hieran:  „Das 
Profil  durch  das  Weichseldelta  parallel  zur  Weichsel". 

Schließlich  behandelt  Herr  FREUDENREICH:  „Die 
Entstehung  der  Halbinsel  Heia".  Dazu  sprechen  Herr 
Jaekel  und  der  Vortragende. 

Nach  einigen  geschäftlichen  Mitteilungen  der  Herren 
Kraus  und  Stremme  schließt  der  Vorsitzende  um  1  Uhr 
die  Sitzung. 

v.  w.  o. 

Jaekel.  Pietzsch  Hollstein  Errulat 


Vorträge. 

Alte  und  junge  Sedimente  am  Grunde 
der  Nordsee. 

(Vortrag,  gehalten  auf  der  Hauptversammlung  der  Deutschen 
Geologischen  Gesellschaft  in  Königsberg  am  31.  Juli  1924.) 

Von  Herrn  Otto  Pratje,  Königsberg  i.  Pr. 

Die  Bedeutung  der  gründlichen  Erforschung  unserer 
heimischen  Meere  und  ihrer  kartographischen  Aufnahme 
vom  Geologen  ist  schon  wiederholt  gewürdigt  worden.  Ich 
erinnere  da  nur  an  die  Denkschrift  von  Wolff,  an  den 
Aufsatz  von  Munthe  und  an  den  entsprechenden  Abschnitt 
von  Andere  in  seiner  „Geologie  des  Meeresbodens".  In 


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157 


dieser  neuesten  Zusammenstellung  muß  der  Verfasser  fest¬ 
stellen,  daß  die  bisherigen  Ergebnisse  leider  ohne  syste¬ 
matisches  Vorgehen  gewonnen  wurden  und  deshalb  Einzel- 
ergebnissc  bleiben  mußten,  bei  denen  der  Gesamtüberblick 
fehlt.  Es  hat  seinen  Grund  in  der  Schwierigkeit  der  Ge¬ 
winnung  der  Grundproben  in  mehrfacher  Beziehung.  Ein¬ 
mal  sind  sie  alle,  mit  Ausnahme  der  bei  Ebbe  trocken 
fallenden  Teile  des  Watts,  dauernd  durch  eine  Wasserhülle 
verdeckt,  und  man  muß  zur  Untersuchung  die  ganze  Zeit 
ein  Fahrzeug  haben,  das  Geld  kostet.  Weiter  kann  man 
die  Proben  nicht  mit  Spaten,  Handbohrer  oder  Hammer 
grew innen,  sondern  man  braucht  kompliziertere  Apparate, 
von  denen  der  einfachste,  die  Dretsche,  nicht  einwandfrei 
genug  ist  und  die  guten,  die  einem  Greifbagger  oder  einem 
abgeänderten,  schweren  Tiefseelot  entsprechen,  wieder  ziem¬ 
lich  teuer  und  schwer  zu  handhaben  sind.  Nicht  selten  sind 
auch  Verluste  zu  verzeichnen,  denn  ein  einmal  verlorener 
Apparat  ist  kaum  jemals  wieder  zu  heben.  Der  Bearbeiter 
muß  auch  große  Zeitverluste  mit  in  Kauf  nehmen,  weil 
er  völlig  vom  Wetter  abhängig  ist;  eine  längere  Schlecht¬ 
wetterperiode  verurteilt  ihn  zur  Unterbrechung  der  „Ge- 
lämle“arbeiten,  und  oft  steht  noch  tagelang  hinterher  eine 
derartige  Dünung  draußen,  daß  kein  Arbeitswetter  ist. 

Da  Bodenschätze  nicht  zu  heben  waren  und  in  erster 
Linie  nur  die  theoretische  Geologie  Interesse  an  de» 
systematischen  Untersuchungen  hatte,  fehlte  das  Geld.  Erst 
in  allerneuester  Zeit  ist  ein  Fortschritt  zu  verzeichnen, 
weil  andere  Zweige  der  Wissenschaft  und  verschiedene  Be¬ 
hörden  die  Bedeutung  dieser  Untersuchung  für  ihre  Zwecke 
erkannt  haben  und  sie  nun  unterstützen.  Wir  arbeiten  zu¬ 
sammen  mit  der  Biologischen  Anstalt  auf  Helgoland  und 
mit  der  Marine,  Herrn  Marine- Oberbaurat  Kur geii,  ferner 
mit  den  Wasserbauämtern  der  Küste nstaaten.  Leider  aber 
legt  diesen  Behörden  ihr  Haushaltsplan  gegenwärtig  noch 
starke  Fesseln  auf,  und  so  bleibt  noch  manche  finanzielle 
Schwierigkeit  zu  überwinden.  Zunächst  haben  wir  mit  der 
Untersuchung  der  Deutschen  Bucht  begonnen  und  wollen 
später  unsere  Grenzen  weiter  ziehen.  Uns  kommt  es  in 
erster  Linie  auf  die  Sedimente  selber  an;  auf  dem  paiäonto- 
logisch- vergleichendem  Gebiete  liegt  bereits  eine  Arbeit  von 
Weigei.t  und  eine  Reihe  von  Aufsätzen  von  Richte»  vor, 
der  seine  Beobachtungen  noch  fortsetzt. 

*  tte  Untersuchungen  sind  noch  nicht  abgeschlossen,  doch 
sind  einige  Ergebnisse  schon  erzielt  und  bieten  vielleicht 


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—  158  — 

dieses  oder  jenes  Bemerkenswerte  für  die  Geologie.  Ich 
bitte,  diesen  Bericht  nur  als  eine  Art  vorläufige  Mitteilung 
aufzufassen;  denn  zu  abschließenden  Ergebnissen  sind  noch 
viel  mehr  Proben  zu  untersuchen,  müssen  die  Strömungen 
besonders  auch  am  Grunde  bekannt  sein  —  ein  sehr 
schwieriges  Kapitel,  weil  Ebbe-  und  Flutstrom  weder  die 
gleiche  Richtung  noch  die  gleiche  Stärke  haben  und  außer¬ 
dem  die  Winde  sehr  modifizierend  wirken.  Schließlich  ist 
die  Senkung  des  Nordseegrundes  und  der  Küsten  eine  für 
die  Beurteilung  der  Sedimente  überaus  wichtige  Erscheinung, 
die  hier  nur  ganz  kurz  gestreift  werden  kann. 

Die  Nordsee  hat  als  Meer  bereits  im  Tertiär  zeitweise 
in  größerer  Ausdehnung  als  heute  bestanden  und  nur  im 
spätesten  Tertiär  und  vorübergehend  im  Diluvium  wurde  die 
Sedimentation  durch  Trockenlegungen  bzw.  durch  Eis¬ 
bedeckung  unterbrochen,  wenigstens  in  ihrem  südlichen  Teil, 
der  uns  heute  allein  interessiert.  Seitdem  konnten  sich 
die  Absätze  ungehindert  bilden.  Da  ferner  die  Nordsee  ein 
Meeresteil  ist,  in  den  bedeutende  Ströme  große  Mengen 
Detritus  bringen,  so  könnte  man  bei  der  beschränkten  Große 
eine  kräftige  und  rasche  Sedimentation  erwarten.  Unter 
ganz  besonderen  Verhältnissen  können  auch  recht  beträcht¬ 
liche  Zahlen  erreicht  werden;  so  ist  im  neuen  Amerika¬ 
hafen  von  Cuxhaven  in  einem  Jahre  3  m  Schlick  abgesetzt 
worden.  Handelte  es  sich  hier  auch  um  ein  künstliches 
Becken,  das  als  Schlickfänger  funktionierte,  so  werden  doch 
immerhin  die  Teile  der  Küste,  wo  Landgewinnung  möglich 
ist,  um  30  cm  jährlich  aufgeschlickt.  Demnach  sollte  maD 
annehmen,  daß  wir  nur  jüngere  und  jüngste  Sedimente  am 
Grunde  der  Nordsee  finden  werden. 

Glücklicherweise  verrät  uns  die  Nordsee  noch  manches 
über  ihren  älteren  Untergrund,  wenn  auch  die  Fort¬ 
setzung  des  skandinavischen  Gebirges  bisher  noch 
nirgends  beobachtet  wurde,  die  Gümbel  in  den  Bereich 
der  Möglichkeiten  zog,  um  die  Zusammensetzung  der  Nord¬ 
seesande  zu  erklären,  die  durch  ihre  Mineralien  auf  glazialen 
Ursprung  oder  eben  auf  eine  entsprechende  untermeerische 
Fortsetzung  und  Zerstörung  des  nordischen  Gebirges  hin- 
deutete. 

Paläozoische  Gesteine  sind  uns  von  der  englischen  Ost¬ 
küste  bekannt,  wo  Karbonschichten  ausstreichen  und  Kohlen 
gedretscht  werden  können.  Mit  den  Karbonresten  muß  man 
jedoch  vorsichtig  sein,  denn  die  Dampfer  werfen  die  un¬ 
verbrennbaren  Reste  über  Bord,  und  so  findet  man  auf  den 


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belebteren  Dampferstraßen  in  jedem  Schleppnetz,  wenn  es 
herauf  kommt,  Karbonversteinerungen  neben  Schlacken. 

Aus  dem  Mesozoikum  werden  die  Nachweise  einwand¬ 
freier;  kommt  doch  in  Helgoland  ein  mesozoischer  Horst 
bis  über  die  Wasseroberfläche  empor  und  beherrscht  auch 
die  nächste  Umgebung  am  Grunde.  Buntsandsteinfelsen  fast 
ohne  jegliche  Bedeckung  umgeben  die  Insel  bis  zu  über  10  m 
Tiefe,  und  die  tonigen  Rötschichten  sind  nur  durch  eine 
dünne  Geröllage  im  Nord-  und  Südhafen  verdeckt.  Der 
Muschelkalk  steht  etwas  weiter  östlich  an  und  bildet  mit 
seinen  harten,  unteren  Bänken,  die  dabei  etwas  über  ihre 
Umgebung  emporragen  und  doch  vielfach!  6  bis  7  m  Wasser 
bei  Springebbe  über  sich  haben,  unmittelbar  den  Meeres¬ 
grund.  Auch  die  weicheren,  tonigen  und  gipsführenden 
Schichten  des  mittleren  Muschelkalkes  haben  in  16  m  Tiefe 
in  normalen  Zeiten  nur  eine  so  geringe  Sandbedeckung,  so 
daß  sie  nach  günstig  gerichteten  Stürmen  völlig  freigelegt 
werden,  wobei  die  Gipse  eine  stark  angelöste  Oberfläche 
zeigen. 

Unsicher  wird  die  Kenntnis  vom  Anstehenden  beim 
Jura,  von  dem  hier  und  dort  Gerolle  am  Strande  liegen, 
die  aber  aus  Geschieben  herrühren  können  oder,  wie  an 
der  englischen  Küste,  durch  die  Brandung  vom  Ufer  los¬ 
gerissen  werden.  Die  Untersuchungen  Borleys  haben  jedoch 
Jurafossilien  und  Jet  (Gagat)  in  einer  verhältnismäßig 
großen  Entfernung  vom  Ufer  festgestellt,  die  dort  wohl 
aus  anstehendem  Material  stammen,  zumal  es  sich  mit  dem 
Schichtenverlauf  gut  vereinbaren  läßt. 

Die  anstehende  Kreide  bildet  mit  Sicherheit  den  Meeres¬ 
boden  ringförmig  um  Helgolands  ältere  Gesteine  herum  und 
ist  mehr  oder  weniger  ohne  jüngere  Sedimente  bis  zu  Tiefen 
von  über  20  m  nachgewiesen.  Ob  noch  mehr  anstehende 
Kreidehorste  in  der  Nordsee  vorhanden  sind,  wie  etwa 
das  Vorkommen  von  Warstede  bei  Stade  und  von  Itzehoe, 
ist  noch  nicht  bewiesen,  aber  wahrscheinlich.  Auf  dem  Stein¬ 
grund  nordöstlich  von  Helgoland  liegen  auffallend  viele, 
zum  Teil  recht  große,  häufig  fladenförmige  Feuersteine, 
die  nicht  gut  einzeln  in  dem  Geschiebemergel  gesteckt  haben 
können,  sondern  zum  mindesten  einer  Scholle  angehört 
haben  müssen. 

Die  Stücke  aus  den  jüngeren  Zonen  sind  häufiger;  so 
kennen  wir  aus  dem  Tertiär  drei  oder  vier  verschiedene 
Funde  von  der  Doggerbank,  die  vielleicht  auf  Anstehendes 
deuten;  die  Engländer  berichten  davon.  Weiter  ist  vor  der 


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160 


Themsemündung  außerhalb  Harwich  ein  Tonlager  fest¬ 
gestellt,  das  aus  anstehendem  London  ton  besteht  und  so 
gut  wie  keine  jüngere  Bedeckung  trägt.  Auf  der  Düne  von 
Helgoland  wurde  eine  Limonitkonkretion,  wie  sie  in  den 
Glimmersanden  des  Morsumkliffs  Vorkommen,  gefunden.  Das 
Stück  liegt  in  Hamburg  und  ist  durchaus  typisch.  Ein 
Verbreiten  durch  das  Meer  ist  nicht  gut  möglich,  so  daß 
entweder  ein  Verfrachten  durch  das  Eis  oder  ein  Auswaschen 
vom  Meeresgründe  in  Frage  kommt.  Mit  letzterem  würde 
gut  übereinstimmen,  daß  dicht  östlich  der  Düne  mit  den 
neuen  Greifern  Glimmertono  heraufgeholt  worden  sind,  die 
leider  keine  Fossilien  lieferten,  jedoch  mit  ihrer  braunen 
Farbe  an  Miocän  erinnern,  vielleicht  aber  auch  diluvial  sind. 
Weiter  liegen  auf  der  Helgoländer  Düne  häufig  Feuer¬ 
steine  mit  grünen  Krusten,  wie  sie  im  Eocän  Vorkommen. 
Auch  das  deutet  auf  freiliegendes  Tertiär,  das  ausgewaschen 
wird.  Vom  Plioeän  ragen  mehr  oder  minder  unbedeckte 
Teile  vor  der  Ostküste  Englands  aus  den  jüngsten  Sedimenten 
hervor,  die  Cragfossilien  belegen  es  einwandfrei.  Auch  die 
Forestbeds  von  Cromer  gehören  hierher,  von  denen  Teile 
unter  dem  Meere  Hegen. 

Wie  es  nach  dem  Aufbau  Norddeutschlands  und  der 
übrigen  Küstenländer  zu  erwarten  ist,  hat  das  Diluvium 
bedeutenden  Anteil  an  den  älteren  Nordseesedimenten,  und 
zwar  ist  es  hauptsächlich  der  Geschiebemergel.  Er  ist  vor 
der  englischen  Küste  vor  Southwold  und  in  der  Deutschen 
Bucht  beobachtet  worden.  Auf  dem  bereits  erwähnten  Stein¬ 
grund  konnte  er  mit  dem  großen  Greifer  der  Marine  von 
Obermarinebaurat  Krügeb  heraufgeholt  werden.  Der  Stein¬ 
grund  hat  seinen  Namen  nach  den  vielfach  Überkopf  großen 
Geschieben,  die  dort  angehäuft.  sind  und  teilweise  aus 
nordischen  Eruptivgesteinen  und  Gneisen,  aber  auch  aus 
großen  Feuersteinen  bestehen.  Ob  meine  frühere  Ansicht, 
daß  es  sich  beim  Steingrund  um  eine  oberflächlich  ausge¬ 
waschene  Endmoräne  handelt,  oder  ob  wir  nicht  vielmehr 
einen  Tertiär-  und  Kreidehorst  darin  zu  sehen  haben,  vermag 
ich  noch  nicht  zu  entscheiden;  weitere  Untersuchungen 
werden  uns  hoffentlich  Klarheit  bringen. 

Neben  den  durch  die  Geste insfazics  charakterisierten 
Resten  der  Eiszeit  finden  wir  am  Grunde  der  Nordsee  auch 
einzeln  die  diluvialen  Leitformen.  So  sind  von  der  Dogger¬ 
bank  eine  große  Zahl  von  Säugerknochen  mitgebracht, 
besonders  in  jener  Zeit,  als  die  Grundnetzfischerei 
begann.  Heute  sind  sie  weniger  häufig,  weil  sie  natur- 


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161 


gemäß  nur  langsam  ausgewaschen  werden  und  der  auf¬ 
bereitete  Vorrat  erschöpft  ist.  Fast  die  gesamte  Großtier¬ 
fauna  konnte  bestimmt  werden:  Mammuth,  wollhaariges Nas¬ 
horn,  Bison  priscusf  Bos  primigenius,  irischer  Riesenhirsch, 
Renntier,  Hyäne,  Wolf,  Biber,  Bar,  Pferd,  Walroß  und 
andere.  Jedenfalls  ist  es  eine  zu  große  Zahl,  um  dorthin 
durch  Strömungen  verschleppt  zu  sein,  und  sie  ist  gleich¬ 
zeitig  ein  Beweis  für  die  einst  höhere  Lage  dieses  Gebietes. 
Ein  weither  Beweis  liegt  in  dem  Vorkommen  des  untermeeri- 
schen  Torfes,  des  „Moorlogs“  der  Fischer,  der  „submerged 
Forests“  der  Engländer,  die  sowohl  an  der  englischen  (nicht 
aber  schottischen)  Küste  als  besonders  auf  der  Doggerbank 
zu  finden  sind,  wo  sie  bis  zu  24  m  unter  der  Oberfläche 
liegen.  Die  den  Küsten  vorgelagerten  Moore  enthalten 
Betula  alba ,  Ainus  glutinosa  und  zahlreiche  andere  Pflanzen, 
die  heute  noch  auf  dem  englischen  Boden  Vorkommen.  Auf 
der  Doggerbank  wird  ein  einst  etwas  kälteres  Klima  durch 
Betula  nana  angezeigt.  Das  Auffällige  bei  der  Doggerbank 
ist  weiter,  daß  der  Moorlog  auf  einem  dunkelgefärbten  Ton 
liegt,  der  stellenweise  reich  an  marinen  Schalenresten  ist, 
wie  Litorina  rudis ,  Cardium  edule ,  Paladestriad  stagnales. 
Es  müssen  hier  also  wiederholte  Höhenverschiebungen  von 
vielleicht  nur  geringem  Ausmaß  vorgekommen  sein.  Der¬ 
artige  Moore  kennen  wir  auch  aus  der  Deutschen  Bucht, 
wo  sie  an  verschiedenen  Stellen  festgestellt  werden  konnten 
und  wo  weiteres  Material  gesammelt  wird.  An  den  deut¬ 
schen  Küsten  heißt  der  angeschwemmte  Torf  Meertorf,  der 
manchmal  vom  Abbruch  der  Küste  herrührt,  zum  Teil  aber 
bestimmt  am  Meeresboden  ansteht.  Der  „Tuul“,  eine  ent¬ 
sprechende  Bildung  vor  und  auf  Sylt  wird  von  einigen 
Autoren  noch  ins  Pliocän  gestellt.  Auf  Helgoland  haben 
wir  eine  weitere  Bezeichnung:  „Töck“,  das  ist  ein  Torflager 
im  Nordhafen  in  6  bis  8  m  Tiefe  mit  Resten  von  Caprinus 
betulusy  Quere us,  Ainus ,  Acer  campestris ,  Pinus  und 
anderen.  Daneben  lagert  ein  kalkhaltiger  Mergel  mit  zahl¬ 
reichen  nicht  marinen  Schnecken,  der  an  den  ostpreußischen 
Haffmergel  bzw.  an  Seekreide  erinnert.  Dies  sind  nach  den 
Schnecken  postglaziale  Bildungen,  die  aber  doch  noch  zu  den 
älteren  Ablagerungen  gehören. 

Anschließend  sind  auch  die  Reste  von  Tapes  aureus 
var.  eemiensis  zu  erwähnen,  über  die  Wolff  in  dieser  Zeit¬ 
schrift  berichtet  hat  und  deren  Fundorte  ich  durch  Hinzu¬ 
fügen  von  Wangeroog  vermehren  kann.  Die  Tapes-Schichten 
sind  auf  Texei  sicher  anstehend  bekannt,  werden  auch  sonst 

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162 


bei  den  friesischen  Inseln  untermeerisch  angeschnitten  sein, 
wie  sicher  im  Vortrapptief  an  der  Südspitze  von  Sylt,  und 
werfen  die  Eemlcitform  an  den  Strand. 

Damit  wollen  wir  die  Übersicht  über  die  älteren  Sedi¬ 
mente  abschließen,  denn  die  alluvialen  Absätze  bilden  eine 
Gruppe  für  sich.  Leider  ist  es  bisher  noch  nicht  geglückt, 
ein  Kriterium  für  das  Alter  der  verschiedenen  alluvialen 
Absätze  zu  finden,  die  Diatomeen  versagen  nach  den  Unter¬ 
suchungen  von  Bhockmenn  leider.  Ebenso  reichende  Fora¬ 
miniferen  nicht  aus,  und  der  Kalkgehalt  kann  nicht,  wie  bei 
den  Marschen  herangezogen  werden.  Überhaupt  ist  zu  be¬ 
rücksichtigen,  daß  wir  nie  wissen,  ob  wir  unberührten  Boden 
herauf  bringen.  In  der  Nordsee  fischen  2000  Fischdampfer 
mit  Grundnetzen,  deren  Scherbretter  den  Boden  oft  20  cm 
oder  mehr  auf  pflügen.  Also  Älteres  und  Jüngeres  wird 
gemischt.  Wenn  wir  erst  unsere  Stechlote  derartig  vervoll¬ 
kommnet  haben,  daß  wir  auch  in  der  sandigen  Nordsee 
i/2  bis  1  m  senkrecht  herausstanzen  können,  werden  wir 
vielleicht  eher  die  Altersunterschiede  festlegen  können. 
Heute  zeigen  uns  die  kürzeren  Stanzen  bei  Schlicken  oben 
eine  deutliche  Oxydationsschicht  von  1  bis  2  cm,  die  mehr 
oder  minder  scharf  in  die  untere  blau-graue  Partie  übergeht, 
die  ihre  Farbo  teils  der  organischen  Substanz,  dann  aber 
auch  dem  Einfach-Schwefeleisen  verdankt.  Dieses  ist  in 
feinster  Verteilung  als  dunkle  Körnchen  vorhanden,  so  daß 
es  so  stark  färbend  wirken  kann,  ohne  bedeutenden  Anteil 
in  Gewichtsprozenten  zu  haben,  denn  die  Analysen  ergeben 
immer  nur  Spuren  bis  0,5,  selten  1%  Schwefelsäure. 

Was  sind  überhaupt  die  Nordseeschlicke?  Wenn  sie 
herauf  kommen,  erscheinen  sie  blatrschw'arz  und  sehr  fettig, 
schmierig,  also  sehr  tonreich.  Das  sind  sie  in  der  Deutschen 
Bucht,  w'o  sie  hauptsächlich  in  und  bei  der  tiefen  Rinne 
südlich  von  Helgoland  Vorkommen,  keineswegs.  Schlämmt 
man  sie  mit  irgendeinem  Schlämmapparat  —  ich  benutze 
den  von  Kopetzky  — ,  so  bekommt  man  24  bis  30%  ab 
schlämmbare  Teile  unter  0,01  mm,  die  gemeinhin  als  Ton 
bezeichnet  wTerden.  Einzelne  Wattenschlicke  haben  höhere 
Zahlen  bis  über  60%,  doch  sie  haben  auch  besondere  Ent¬ 
stehungsbedingungen.  Dieser  Gehalt  von  nur  rund  25%. 
Feinstem  ist  schon  auffällig  gering  für  eine  so  schmierige 
Masse.  Noch  auffälliger  wird  das  Ergebnis,  wenn  man  mit 
dem  ATTERBERGschen  Schlämmzylinder  weiterteiit.  Dann 
bleibt  nur  2%  für  das  Feinste  <0,008  mm.  Betrachtet  man 
die  einzelnen  Fraktionen  unter  dem  Mikroskop,  so  erkennt 


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t63 


man,  daß  sie  überwiegend  aus  Quarzsand  bestehen,  dessen 
einzelne  Körner  bald  mehr,  bald  weniger  gerundet  sind  und 
in  deren  Spalten  und  Vertiefungen  stets,  trotz  langen  vor¬ 
herigen  Kochens,  noch  Tonteilchen  sitzen,  die  sich  manch¬ 
mal  auch  zu  kleinen  Körnern  zusammenballen.  So  bleibt 
es  bis  hinunter  auf  0,003  mm.  Im  Feinsten  bekommt  man 
nur  mit  dem  Polarisationsmikroskop  Unterschiede,  die  uns 
deutlich  zeigen,  daß  die  Masse  keineswegs  einheitlich  ist, 
sondern  sich  aus  Tonteilchen  und  Mineralsplitterchen  zu¬ 
sammensetzt.  In  der  Fraktion  0,006  bis  0,03  mm  treten  zahl¬ 
reiche  Diatomeen*  auf.  Nicht  nur  Mineralkörner  und  Ton 
setzen  die  Schiicko  zusammen,  es  kommen  auch  noch 
organische  Stoffe  hinzu.  Die  Humussubstanzen  erreichen 
normalerweise  3  bis  6%  der  lufttrockenen  Probe,  doch  dürfte 
hier  bereits  ein  Teil  verschwunden  sein.  Wir  werden  jetzt 
feucht  konservierte,  vergiftete  Proben  untersuchen,  um  ein¬ 
wandfreiere  Zahlen  zu  bekommen,  und  diese  mit  einzelnen 
Analysen  aus  ganz  frischem  Material  vergleichen.  Ich 
glaube,  wir  werden  zu  höheren  Ergebnissen  kommen,  wenn 
man  sich  klar  macht,  daß  große  Teile  des  Grundes  in 
noch  höherem  Maße  als  beim  Landboden  durch  den  Magen 
von  Tieren  hindurchgew'andert  ist. 

Um  auf  den  Tongehalt  zurückzukommen,  so  sahen  wdr, 
daß  keine  mechanische  Analyse  einwandfrei  ist,  die  chemi¬ 
schen  sind  es  aber  ebenso  wenig,  weil  Feldspäte  und  andere 
Mineralien  immer  mit  zersetzt  werden.  Man  wird  wohl 
nicht  sehr  fehlgehen,  w'enn  man  für  die  Schlicke  der  Deut¬ 
schen  Bucht  5  bis  10%  Ton  ansetzt.  Ihre  scheinbare  Bindig¬ 
keit  irn  feuchten  Zustande  wird  durch  die  Feinheit  aller 
Komponenten  hervorgerufen;  sind  doch  75  bis  90%  und 
mehr  unter  0,1  mm.  Im  trockenen  Zustande  merkt  man 
ihnen  bald  ihren  großen  Sandgehalt  an.  Die  anderen  Eigen¬ 
schaften  mögen  heute  beiseite  bleiben,  auch  der  Kalkgehalt, 
der  oft  10  bis  15%  in  Siebproben  unter  1  mm  erreicht 
und  hauptsächlich  durch  die  feinst  zerriebenen  Mollusken  - 
schalen  bedingt  wird. 

Über  die  echten  Sande,  zu  denen  alle  Übergänge  hinüber¬ 
leiten,  ist  vorläufig  nicht  viel  zu  berichten.  Mineralogisch 
bestehen  sie  aus  den  gleichen  Komponenten  wie  die  nordi¬ 
schen  Gesteine,  welche  die  Grundmoräne  geliefert  haben. 
Auffallend  sind  die  Unterschiede  zwischen  braunen  und 
hellen  Sanden.  Mikroskopisch  zeigt  sich,  daß  die  braunen 
Farben  von  feinsten  Limonithäutchen  auf  den  Quarzkörnern 
herrühren,  die  oft  nur  in  den  Spalten  und  Vertiefungen 

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164 


sitzen.  Zuweilen  tritt  auch  eine  Verkittung,  eine  primäre 
Verkrantung  der  Körner  ein.  Mit  heißer  Salzsäure  lassen 
sich  die  braunen  Sande  bald  bleichen.  In  der  Natur  scheint 
eine  dauernde  Bewegung  den  Absatz  der  Häutchen  zu  ver¬ 
hindern,  denn  dort,  wo  Sandwanderung  herrscht,  also  längs 
der  Küsten,  östlich  der  Helgoländer  Dune  usw.,  kommt 
weißer  Sand  vor,  während  außerhalb  dieser  Gebiete  die 
braunen  Sande  vorherrschen. 

Eine  auffällige  Erscheinung  sei  zum  Schluß  noch  er¬ 
wähnt.  Selbst  in  der  nächsten  Nähe  von  Helgoland,  das 
aus  tonreichem  roten  Buntsandstein  besteht  und  stark  in 
Abtragung  begriffen  ist,  finden  wir  keine  roten  Schlicke 
oder  Sande,  trotzdem  der  rote  Farbstoff  außerordentlich 
widerstandsfähig  ist.  Zwischen  den  Schichtköpfen  der 
Brandungsterrasse  ist  der  Sand  noch  rot,  aber  etwas  weiter 
draußen  treffen  wir  schon  nichts  mehr.  Vermutlich  ist 
die  abgespülte  Menge  im  Verhältnis  zum  Verbreitungsgebiet 
doch  zu  gering  —  Helgoland  ist  nur.  0,5  km*  groß  — ,  um 
in  die  Erscheinung  zu  treten. 

Überblicken  wir  noch  einmal  die  stratigraphische  Zu¬ 
sammenstellung,  so  erkennen  wir,  daß  in  unserem  Flach¬ 
meer  gar  nicht  alles  ältere  durch  jüngeres  Material  zu¬ 
gedeckt  ist,  daß  es  vielmehr  Flächen  gibt,  die  selbst  in 
über  20  m  Wassertiefe  in  Abbruch  begriffen  sind,  und  dies 
weist  wieder  darauf  hin,  daß  im  Steinbruch  das  Auskeilen 
einer  Schicht,  daß  Schichtzerstörungen  und  Diskordanzen 
nicht  unbedingt  auf  Hebungen  und  Trockenlegungen  hin- 
weisen.  Weiter  zeigen  die  Beobachtungen,  daß  Faunen¬ 
mischungen  keineswegs  zu  den  größten  Seltenheiten  gehören 
und  einzelne  „Nachkömmlinge“  in  jüngeren  Schichten  gar 
keine  zu  sein  brauchen,  sondern  sekundär  zum  zweiten 
Male  eingebettet  wurden.  In  den  Nordseesedimenten  gibt 
es  gelegentlich  Mischungen  von  rezenten  Formen  mit  solchen, 
die  kambrisches  bis  postglaziales  Alter  haben. 

Die  Untersuchungen  der  Sande  und  Schlicke  werden  erst 
später  größere  Gesichtspunkte  ergeben,  doch  dürft©  ihre 
Zusammensetzung  schon  jetzt  von  Interesse  sein. 


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Die  Tektonik  des  ostpreußischen  Quartärs1). 

(Vortrag,  gehalten  auf  der  Hauptversammlung  in  Königs¬ 
berg  i.  Pr.  am  4.  August  1924.) 

Von  Herrn  E.  Kbaus  in  Königsberg  i.  Pr. 

Nach  einem  regionalgeologischen  Überblick,  in  dem 
die  bereits  im  „Geologischen  Führer  durch  Ostpreußen"2) 
auseinandergesetzten  Gesichtspunkte  betont  wurden,  konnte 
an  Hand  der  wichtigeren  Daten  über  quartärtektonische 
Bewegungen  der  Provinz  gezeigt  werden,  daß  die  Gro߬ 
formen  von  heute  in  der  Hauptsache  nichts  anderes  sind 
als  das  derzeitige  Endergebnis  wechselvoller  junger  Boden¬ 
bewegungen. 

Dabei  steht  als  ein  Hauptproblem  die  Entwick¬ 
lung  des  Baltischen  Höhenrückens  voran.  Wenn 
es  keinen  subdiluvialen  „polnischen  Sockel"  an  seinem 
Südrande  gibt,  wie  das  die  Bohrungen  heute  dartun,  so  kann 
es  sich  nicht  um  den  Schuttwall  des  auf  längere  Zeit  an  ihm 
gestauten  Inlandeisrandes  handeln  (A.  Tornquist)/  zumal 
der  Höhenrücken  ja  auch  anderwärts  fortsetzt,  wo  ein 
Stau  noch  weniger  annehmbar  erschien,  und  zumal 
ein  Sockel,  der  im  letzten  Interglazial  längst  begraben 
gewesen  wäre,  nicht  mehr  für  einen  langen  Stillstand 
während  der  letzten  Vereisung  verantwortlich  sein  kann. 
Außerdem  zeigen  die  Untersuchungen  von  H.  Mortensen 
neuerdings3),  daß  die  Eisrandlagen  der  letzten  Vereisung, 
die  zwar  in  Ostpreußen  annähernd  dem  Höhenrücken  gleich¬ 
laufen,  in  Litauen  diesen  schräg  überschneiden.  Endlich 
ist  das  Eis  nicht  nur  von  Schweden,  sondern  auch  von  dem 
südöstlichen  Finnland  nach  Ostpreußen  gelangt,  wie  die  Ge¬ 
schiebe  beweisen.  Wenn  aber  der  Geschiebetransport,  wie 
im  heutigen  Inlandeis,  fast  allein  an  der  Eisbasis  erfolgt,  so 
konnten  sich  geschiebetransportierende  Eisströme  nicht  über¬ 
kreuzen;  folglich  muß  das  Eis  —  m.  E.  aus  epiro genetischen 
Gründen  —  einmal,  von  Schweden  abströmend,  in  Ostpreußen 
zwar  eine  ostwestliche  Front,  parallel  dem  Höhenrücken, 


*)  Kurze  Inhaltsangabe;  eine  größere  Arbeit  erscheint  dem¬ 
nächst  in  den  Abhandlungen  d.  Preuß.  Geol.  Landesanst. 

2)  Bei  Gebr.  Bornträger,  Berlin  1924. 

3)  „Beiträge  zur  Entwicklung  der  glazialen  Morphologie 
Litauens“,  Geolog.  Archiv  III,  H.  1/2,  Königsberg  i.  Pr.,  1924. 


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-  J66  — 

ein  andermal  aber,  von  Finnland  und  dem  litauischen  Hoch- 
Gebiet.  herkommend,  bei  uns  nordwest- südöstliche  Rand¬ 
lagen  besessen  haben.  Solche  vermissen  wir  im  Höhen¬ 
rücken  ganz;  er  läßt  sich  somit  mit  den  Hauptfrontrich- 
tungen,  die  wir  fordern  müssen,  nicht  in  Einklang  bringen. 
Exogen  allein  ist  der  Baltische  Höhenrücken 
nicht  zu  deuten. 

Zwei  Gruppen  von  Beobachtungen  sind  nun  imstande 
darzutun,  daß  die  i.  a.  als  selbstverständlich  gemachte 
Grundvoraussetzung  der  quartären  Bodenruhe  und  weit¬ 
gehenden  Reliefkonstanz  durchaus  nicht  zutrifft,  daß  sich 
aber  der  aus  exogenen  Kräften  allein  nicht  verständliche 
Höhenrücken  durch  Quartärtektonik  ohne  Schwierigkeit  er¬ 
klären  läßt,  ja  daß  er  durch  sie  erklärt  werden  muß.  Es 
sind  die  Tatsachen  einerseits  der  Rinnengruppierung,  an¬ 
dererseits  der  Treppen  alter  Seeterrassen,  die  das  zeigen. 

Die  Anordnung  der  Rinnen  in  drei  recht  scharf 
von  einander  trennbaren  Gruppen  ist  sehr  deutlich:  in 
Ostmasuren  und  im  Oberland  haben  wir  i.  a.  norwest- 
südöstliche  Rinnenrichtung,  der  Nordrand  dieser  Stücke  des 
Höhenrückens  ist,  namentlich  wenn  man  dessen  teilweise 
Verschleierung  beim  letzten  Eisrückzug  mit  berücksichtigt4), 
senkrecht  darauf  in  SW— NO.  Dazwischen  zeigt  West¬ 
masuren  wesentlich  nordsüdliche  Rinnen  und  —  auch 
wieder  senkrecht  dazu  —  einen  ostwestlichen  Nordrand. 
Schmelzwasser  und  Eis,  welche  diese  Skulptur  erzeugten, 
fließen  von  oben  nach  unten;  folglich  deuten  die  Rinnen 
die  Hauptabdachungsrichtung  unserer  drei  Höhenrücken¬ 
stücke  für  die  Zeit  der  letzten  Vereisung  an.  Die  auf  die 
Abdachung  jeweils  senkrechte  Nordkante  sowie  die  Schärfe, 
mit  der  die  Furehungssysteme  aneinander  grenzen,  legen  den 
Gedanken  nahe,  die  heutige  Form  des  Großreliefs  hinge  in 
der  Weise  mit  Skulpturen  zusammen,  daß  der  Höhenrücken 
eine  in  Einzel  schollen  zerbrochene  und  im  Norden  kräftiger 
aufgekippte  Platte  darstelle. 

Stimmt  das,  so  müssen  sich  —  W’enn  überhaupt  — 
zwischen  den  Teilschollen  am  ehesten  tektonische  Störungen 
nachweison  lassen,  denn  hier  fand  dann  kräftige  Torsion 
statt.  In  der  Tat  stellen  sich  auf  diesen  kritischen  Linien 
deutliche  Störungsbilder  ein.  Sie  sind  a.  a.  O.  näher  be¬ 
schrieben4)  und  brauchen  hier  nur  erwähnt  werden:  am 

4)  Kraus,  Der  Abschmelzungs-Mechanismus  des  jungdilu¬ 
vialen  Eises  im  Gebiet  des  ostpreußischen  Mauersees'4,  Jahrb. 
d.  Preuß.  Landesanst.  f.  1923,  S.  238  (44,  Berlin  1924). 


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Ostrand  der  Senke  des  Masurischen  Tals  (Mauersee — Spir- 
dingeee)  liegt  der  Horst  von  Kutten — Kruglanken — Wid- 
minnen,  am  nordwestlichen  Mauersee  der  Sattel  des  Blau- 
Steiner  Rückens,  bei  Hohenstein  auf  der  Grenzlinie  zwischen 
Westmasuren  und  Oberland  hat  F.  Kaunhowkn  den  Horst 
von  Orla  festgestellt. 

Zu  bemerken  ist  dabei,  daß  die  Zeit  des  Eintritts  dieser 
kräftigen  Bewegungen  offenbar  jungglazial  ist.  Subglazial 
müssen  sich,  wenigstens  die  östlichen  Störungen,  welche 
den  Eisrandverlauf  noch  beeinflußten,  und  die  nördlichen 
Randabbrüche,  welche  Toteismassen  isolierten,  eingestellt 
haben,  unter  dem  Eise  des  letzten  großen  Eisvorstoßes, 
etwa  der  „Großen  Baltischen  Stillstandsphase“  von  E. 
C«  einitz  entsprechend,  d.  i.  gleichzeitig  oder  etwas  nach 
jenen  im  saxonischen  Bewegungsfeld  (Rügen,  Mecklenburg 
u.  a.)  erscheinenden  baltischen  Brüchen.  Es  existiert 
damit  auch  für  den  preußischen  Anteil  des 
baltischen  Schildes  eine  jungdiluviale  „Bal¬ 
tische  Dislokationsphase“. 

Diese  Phase  unterbricht  durch  Schollenbildung  und 
örtliche  Heraushebung  eine  Zeit  viel  weiträumigerer,  gleich¬ 
mäßigerer  Einsenkung;  denn  wie  a.  a.  O.  ausgeführt  ist, 
hat  die  sehr  gesteigerte  Mächtigkeit  des  Diluviums  in  der 
bis' Warschau  und  bis  Litauen  reichenden  großen  preußisch- 
masurischen  Senkung  des  subdiluvialen  Untergrundes  in  einer 
solchen  diluvialen  Eintiefung  seinen  Grund. 

Der  zweite  Gesichtspunkt,  welcher  bestimmt  zur  An¬ 
erkennung  beträchtlicher  Bodenbeweglichkeit  des  Quartärs 
führt,  und  zwar  zu  gleichem  Ergebnis  wie  die  glaziale 
Furchung  und  nachglazial,  ist  aus  der  Tatsache  hochge¬ 
legener  alter  Seeterrassen  abzuleiten,  für  welche 
das  heutige  Relief  keine  oder  nur  wenige  Gegenufer  bietet. 
Das  Problem  der  Abdämmung  jener  postglazialer  Seen 
ist  aus  dem  jetzigen  Relief,  also  ohne  kräftige,  junge  Niveau¬ 
änderungen  nicht  lösbar. 

Über  180  m  NN  hoch  sind  diese  Ufermarken  auf  der 
Höhe  des  Rückens  kartiert  worden;  der  zugehörige  See 
hätte  seine  Ufer,  das  heutige  Relief  vorausgesetzt,  über 
400  km  weit  bis  Krakau— Jaroslau,  bis  nach  den  Sudeten 
ausgedehnt,  ja  bis  in  die  Nordsee  hatte  sein  Wasser  reichen 
müssen.  Nach  Norden  dachte  man  sich  die  Uferlinie  durch 
das  Inlandeis  gezogen,  es  läßt  sich  aber  zeigen5),  daß  die 

5)  E.  Kraus,  Abh.  Pr.  La. 


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Uferlinien  nicht  mehr  mit  Eisseen  am  Eisrande  in  Zu¬ 
sammenhang  gebracht  werden  dürfen.  Auch  der  Versuch, 
den  Wasserstau  durch  Toteis  zu  erklären,  scheitert 
angesichts  der  Regelmäßigkeit  der  Eisrandgirlanden,  der 
viel  längeren  Zeit,  weiche  für  die  Anlage  der  Brandungs¬ 
terrassen  nötig  ist  und  der  ruckartigen  Absenkung  der 
Seespiegel. 

Weil  keine  Klimaänderungen  von  der  hier  notwendigen 
Zahl  und  Schärfe  des  Einsatzes  denkbar  erscheinen,  und 
aus  den  anderen  Gründen  kann  es  sich  nur  um  ruck- 
artige  Bodenbewegungen  handeln,  weiche  das 
postglaziale  Seengebiet  in  den  im  Höhenrücken  heute  hoch- 
liegenden  Stücken  sukzessive  emporwölbten,  in  den  benach¬ 
barten,  tieferen  Räumen  Unberührt  ließen  oder  es  ein- 
dellten.  So  wie  schon  unter  dem  Eis  ging  diese  Hebung 
auch  später  wesentlich  in  Schollenstücken  einheitlich  i.  a. 
ohne  Sichtbare  Einzelverbiegung  vor  sich.  Nur  an  den 
schon  vorher  aktiv  gewesenen  Schollenrändern  tauchen 
bemerkenswerterweise  auch  jetzt  wieder  die  Flexuren  oder 
Sprünge  auf,  z.  B.  am  Kruglankener  Horst  und  namentlich 
am  Nordrand  der  „baltischen  Platte",  wie  der  Höhen¬ 
rücken  nun  auch  genannt  werden  darf.  Diese  baltische 
Platte  erweist  sich  also  auch  noch  für  die  jungquartare 
Zeit,  nicht  nur  subglazial,  als  ein  namentlich  am  Nordrand, 
und  zwar  ruckartig  auftauchendes  Erdrindenstück. 

Das  Problem  der  ostpreußischen  Terrassentreppen  war 
für  den  Vortragenden  überhaupt  Ausgangspunkt  zu  einem 
näheren  Studium,  da  sich  sehr  bald  herausstellte,  daß  hier 
mechanisch,  offenbar  ganz  vergleichbare  Verhältnisse  vor¬ 
liegen,  wie  in  dem  an  sich  doch  so  gänzlich  verschiedenen 
Molassetrog  des  Allgäu  und  weiter  anschließender  Bereiche 
des  Alpenrandes6).  Hier  wie  dort  ruckartige  Bewegungen, 
die  zu  durchaus  vergleichbaren  Ruckgrößen  einer  an¬ 
scheinend  in  gleicher  Art  kontinuierlich  beanspruchten, 
aber  nur  gelegentlich  unter  Bruchbildung  nachgebenden 
Scholle  führen.  Am  Alpenrand  jedoch  die  versinkende 
Flußschotterplatte  des  Vorlandes,  auf  dem  baltischen  Schild 
das  hochsteigende,  durch  den  vorangegangenen  Eingriff 
einer  orogenctischen  Phase  in  seinen  Fugen  gelöste  Schollen - 
inosaik.  Dort  unter  ruckartiger  Versenkung  die  rhythmisch 

6)  E.  Kraus,  „Sedimentationsrhythmus  im  Molassetrog  des 
bayerischen  Allgäu“,  Abh.  d.  Naturf.  Ges.,  Danzig,  Bd.  I,  1923. 
über  diese  Ruck be wegungen  trug  Verf.  1923  auf  der  Münchener 
Hauptversammlung  der  D.  Geol.  Ges.  vor. 


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-  169  - 

regulierte  Verschüttung  und  Häufung  eines  kilometer- 
mächtigen  Schichtprofils,  hier  die  Ausgrabung  einer  Land¬ 
schaft  und  Abbildung  des  Rhythmus  in  deren  Antlitz.  — 

Damit  ist  das  Prinzip  der  ostpreußdschen  Quartärtek¬ 
tonik  an  einem  Hauptbeispiel,  sind  auch  einige  Wege  zu 
ihrer  Erkennung  angedeutet.  Einzelheiten  und  regionale 
Angaben  enthalten  die  schon  zitierten  Arbeiten  des  Ver¬ 
fassers.  Ais  Vorposten  und  recht  vergleichbares  Modell 
der  Baltischen  Platte  erscheint  der  Samlandblock  mit 
seiner  schon  im  Küstenverlauf  markierten,  harten  Bruch¬ 
ablösung  gegen  N  und  W,  mit  seiner  südsüdöstlichen  Ab¬ 
dachung  und  seiner  deutlichen  Bruchbildung  am  Westrand. 
Auch  ihm  fehlt  nicht  die  Terrassen  treppe  als  Zeichen 
für  den  Fortschritt  seiner  postglazialen  Hebung,  aber  im 
älteren  Diluvium  hatte  er  nicht  Teil  an  der  preußisch- 
masurischen  Eindellung;  sein  Diluvium  ist  viel  weniger 
mächtig  als  das  im  Süden. 

Als  wohl  gerundete  Kuppel  erhebt  sich  der  ostpreußische 
Boden  am  Frischen  Haff  zu  den  Elbinger  Höhen, 
die  sich  durch  die  Aufbiegung  des  interglazialen  Horizonts, 
wie  durch  den  Widerstand,  den  sie  dem  Eis  entgegenstellten, 
als  jungdiluvialer  Hebungsraum  verraten,  östlich  schließt 
mit  schwächerer  Wölbung  als  weiteres  Hebungsfeld  der 
Stablack  an  und  jenseits  der  Grenze,  im  Litauischen,  steht 
das  Plateau  von  Hochzemaiten  als  noch  größeres  Hebungs¬ 
gebiet.  Toteismassen  auf  früh  gehobenen  Plateaus,  Ab¬ 
scherungen  subglazialer  Horste,  dabei  Großschollenbildung, 
Verteilung  der  Glazialpressungen,  der  Seeterrassenränder 
von  heute  und(  manches  andere  ergab  Hinweise  auf  die 
recht  mannigfache  Beweglichkeit  des  quartären  Ostpreußen. 

Wichtig  und  dem  vergleichenden  Tektoniker  von  Be¬ 
deutung  muß  allgemein  die  Kooperation  von  endogenem, 
„epirogenetischem“  Normalimpuls  erstens,  von  relativ  ener¬ 
gischem  und  raschem  Zugriff  einer  „orogenetischen“  Be¬ 
wegungsphase  zweitens  und  von  dem  isostatischen  exogen 
zu  nennenden  Entlastungs-Impuls  des  abtauenden  Eises 
drittens  erscheinen.  Die  baltische  Dislokationsphase,  die 
vermutlich  mit  der  Verlagerung  der  nördlichen  Eisscheide 
zusammenhängt,  hat  eine  Lockerung  der  Kruste,  damit  eine 
Beschleunigung  und  Differenzierung  des  normalen  Wechsels 
epirogenetischer  Undationen  zur  Folge.  Demgegenüber 
spielt  die  isostatische  Belastung  und  Entlastung  keine  aus¬ 
schlaggebende  und  nur  eine  sekundäre  Rolle.  Je  nachdem 


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170 


vermag  sie,  was  hier  nicht  näher  auseinanderzusetzen  ist7), 
die  gleichsinnige,  endogene  Tendenz  etwas  zu  befördern 
oder  die  ungleichsinnige  zu  hemmen.  Als  kräftiger  aber 
und  allein  aktiv  erwiesen  sich  für  die  quartäre  Kruste  Ost¬ 
preußens  die  endogenen  Kräfte,  sie  beherr¬ 
schen  die  Gestaltung  des  Großreliefs  und  die 
exogenen  Abläufe.  — 

Durch  die  gesamte,  mit  Meeresresten  wo  hl  bei  egte  Erd¬ 
geschichte  hin,  klopft  der  Pulsschlag  der  lebendigen  Erde. 
Sollte  er  auf  dem  Festland,  wo  die  Nachweise  schwieriger 
sind,  nur  dann  geschlagen  haben,  wenn  etwa  marine  Über¬ 
flutung  durch  Strandlinien  oder  Profilbildung  dies  leicht 
abzulesen  gestattet? 


Die  neueren  Anschauungen  auf  dem  Gebiet 
der  physikaUsch-chemisehen  Petrologie1). 

(Vortrag,  gehalten  auf  der  Hauptversammlung  der  Deutschen 
Geologischen  Gesellschaft  in  Danzig  am  5.  August  1924.) 

Von  Herrn  W.  Eitel  in  Königsberg  i.  Pr. 

Durch  Anwendung  der  GißBSschen  Phasenregel  auf 
magmatische  Systeme  und  natürliche  Lösungen  ist  eine  neue 
exakte  Behandlung  grundlegender  Probleme  der  Petrographie 
möglich  geworden.  Es  wird  an  dem  einfachen  Beispiel  des 
Systems  H2  O  gezeigt,  welche  Rückschlüsse  in  bezug  auf 
das  Verhalten  gefrierenden  Wassers  bei  hohen  Drucken 
sich  machen  lassen,  und  wie  eine  gewisse  maximale  Spreng¬ 
wirkung  dabei  auch  im  Gestein  nicht  überschritten  werden 
kann.  An  einzelnen  ausgewählten  Beispielen  der  experimen¬ 
tellen  Ergebnisse  amerikanischer  Forscher,  insbesondere  des 
Geophysikalischen  Laboratoriums  des  Carnegie-Instituts  in 
Washington  De.  konnte  der  Vortragende  Anwendungen  auf 
spezielle  Fragen  der  magmatischen  Schmelzflüsse  und  ihres 
chemisch-physikalischen  Charakters  geben.  So  legte  er 

7)  In  einer  vergleichenden  Tektonik  charakteristischer  und 
wohl  durchforschter  Räume  sollen  diese  und  weitere  Grundsätze 
d.  d.  Verf.  näher  erörtert  werden. 

*)  Eine  ausführlichere  Mitteilung  wird  in  den  Abhandlungen 
dieser  Zeitschrift  erscheinen. 


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171 


besonderen  Nachdruck  auf  die  Darstellung  der  im  natürlichen 
Vorkommen  so  charakteristischen  Umwandlungen  von  Olivin 
in  Augit,  welche  eine  ungeheure  Menge  von  basaltischen 
Gesteinen  erkennen  lassen  und  bei  dem  in  der  Natur  so 
häufigen  Falle  des  Kristallisations-Ungleichgewichtes  zu 
„falschen  Paragenesen“,  wie  z.  B.  von  Olivin  neben  Augit 
und  Quarz  führen  können  (Typus  quarzdiabasischer  oder 
-gabbroider  Gesteine).  Besonders  die  schöne  Untersuchung 
von  Bowen  über  die  Schmelzerscheinungen  in  den  Systemen 
Diopsid-Albit- Anorthit  und  Forsterit-Anorthit-Si  02  zeigen  uns 
an,  in  welcher  Weise  die  Ungleichgewichte  infolge  von 
Kristaliisationsdifferentiationen  den  Verlauf  der  Erstarrung 
eines  anfangs  ganz  einheitlichen  Gesteins  durch  „Fraktio¬ 
nierung“  in  allen  Stadien  eines  Gabbro-  bis  zu  einem  Granit- 
aplitgestein  regeln  müssen.  Das  Prinzip  der  Reaktionen 
im  Ungleichgewichte  erklärt  eine  Fülle  der  bis  dahin  proble¬ 
matischsten  Beobachtungen  im  natürlichen  Gesteinsverbande, 
Ein  neues  und  schwieriges  Gebiet  eröffnet  sich,  wenn 
man  die  Anwesenheit  flüchtiger  Komponenten,  insbesondere 
von  H2  O  und  C02  mit  berücksichtigen  will.  Hier  ist  die 
theoretische  Erkenntnis,  geleitet  von  dem  Meisterintellekt 
eines  Bakhuis  Roozeboom  und  eines  Schreinemakers  bei 
weitem  der  Experimentaltechnik  vorangeeilt.  Doch  sind  auch 
auf  diesem  sehr  umfangreichen  und  hoffnungsvollen  Gebiete 
bereits  Ansätze  gemacht  worden  einerseits  durch  die  Ver¬ 
vollkommnung  der  statischen  Methoden  unter  Hinzuziehung 
geeigneter  Hydro-Thermal-„Bomben“  (Versuche  von  Morey 
und  Fenner  über  die  Kaliumsilikate),  andererseits  durch 
Ausbau  der  älteren  Versuche  der  Schmelzung  unter  Druck 
(durch  Boeke  und  den  Verfasser).  Der  Vortragende  berichtet, 
über  einige  der  interessanten  Silikatkarbonatsysteme,  die 
er  untersucht  hat,  und  die  ihn  zu  einer  Synthese  des  Can- 
c r i n i t s  und  des  Spurrits,  neuerdings  auch  eines 
Mejonits  und  auch  eines  Karbonatphosphats,  des  Kar¬ 
bonatapatits  geführt  haben.  Welche  Bedeutung  der¬ 
artige  Karbonatsilikate  und  -phosphate  im  Naturvorkommen 
besitzen,  wird  durch  einen  Hinweis  auf  die  so  merkwürdigen 
Beobachtungen  von  Brauns  im  Laacher  Seegebiet  sowie  von 
Bröggkr  im  Fengebiet  verdeutlicht.  Das  Studium  der 
Kontaktmetomorphosen  von  Kalksedimenten  an  Eruptiv¬ 
gesteinen  wird  dadurch  zu  einer  exakt  -  quantitativen 
Forschung. 


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172 


Die  statischen  Probleme  der  Gebirgsbildung. 

(Vortrag,  gehalten  auf  der  Hauptversammlung  der  Deutschen 
Geologischen  Gesellschaft  in  Danzig  am  5.  August  1924.) 

Von  Herrn  Th.  Wyss  in  Danzig-Langfuhr. 

(Mit  II  Textfiguren  ) 

1.  Allgemeines. 

Bei  der  Behandlung  statischer  Probleme  ist  vor  allem 
notwendig,  die  wirkenden  Kräfte  in  Größe  und  Richtung, 
die  Umstände,  unter  welchen  sie  wirken,  ihre*  Veränder¬ 
lichkeit  und  die  daraus  hervorgehenden  dynamischen  Ein¬ 
flüsse,  zu  kennen.  Ferner  müssen  die  Eigenschaften  des 
durch  diese  Kräfte  beanspruchten  Materials  bezüglich  seiner 
Festigkeit  auf  Zug,  Druck,  Scheerung  und  seiner  Ver¬ 
formung  infolge  der  verschiedenen  Spannungszustände  und 
Temperatureinflüsse  bekannt  sein.  Nur  eine  folgerichtige 
Erfassung  der  Wechselwirkung  zwischen  den  wirkenden 
Kräften  und  den  daraus  hervorgehenden  Verformungen  er¬ 
möglicht  es,  ein  tieferes  Bild  über  die  Probleme  der  Ge¬ 
birgsbildung  geben  zu  können. 

In  der  Ingenieurtechnik  befaßt  sich  der  Statiker  vor¬ 
herrschend  mit  Bauten,  weiche  für  sich  betrachtet  nur 
geringe  Verformungen  als  Folge  der  wirkenden  Kräfte 
zeigen  und  meist  auf  fester  unverschieblicher,  oder  nur 
gering  verschieblicher  Unterlage  aufruhen.  Das  Material 
dieser  Bauwerke  ist  einheitlich,  die  Beanspruchungen  sind 
innerhalb  der  Elastizitätsgrenze.  Überall  in  der  Ingenieur- 
technik  wird  versucht,  ein  möglichst  klares,  leicht  zu  er¬ 
fassendes  Kräftespiel  zu  schaffen,  das  möglichst  frei  von 
unerwünschten  Nebeneinflüssen  ist.  Der  Ingenieur  weiß, 
daß  die  geringsten  Senkungen  der  Auflager  eines  kontinuier¬ 
lichen  Balkens,  oder  die  horizontale  Verschiebung  der 
Widerlager  eines  Gewölbes  außerordentlich  große  Änderun¬ 
gen  im  Spannungszustande  solcher  Bauwerke  zur  Folge 
haben  und  daß  er  solchen  Einflüssen  durch  entsprechende 
Maßnahmen,  wie  z.  B.  durch  Einschaltung  von  Gelenken, 
zu  begegnen  hat.  Ebenso  weiß  er,  daß  Temperatur¬ 
änderungen  vielfach  einen  bedeutenden  Einfluß  aiisüben 
und  daher  nach  Möglichkeit  in  solchen  Fällen  Dilatations¬ 
fugen  anzubringen  sind. 


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173 


Die  Erdrinde  ist  ein  Bauwerk,  das  aus  dem  allge¬ 
meinen  Erstarrungsprozeß  hervorgegangen  ist,  bei  welchem 
sich  die  Natur  keine  künstlichen  Gelenke  und  Dilatations¬ 
fugen  geschaffen  hat.  Es  konnten  daher  die  Kräfte  in 
ihrer  vollen  Urwüchsigkeit  sich  Geltung  verschaffen,  wo¬ 
durch  dieser  Bau  von  selbst,  aus  innerer  statischer  Not¬ 
wendigkeit,  seine  Dilatationsfugen  und  Gelenke  erhielt.  Daß 
sich  die  Folgeerscheinungen  der  Auswirkung  dieser  Kräfte 
immer  in  den  schwächsten  Zonen  des  Bauwerkes  bemerk¬ 
bar  machen,  ist  ein  Grundgesetz  der  Festigkeitslehre. 

Die  Ergründung  des  Kräftespiels,  das  die  Gestalt 
unserer  Erdkruste  geschaffen  hat,  ist  eine  sehr  schwierige, 
weil  seine  Folgeerscheinungen  sich  nur  über  ein  bestimmtes 
Gebiet  sichtbar  erstrecken,  und  weil  wir  auch  da  nur  bis 
zu  einer  geringen  Tiefe  Einblicke  haben.  Im  weiteren 
haben  sich  im  Laufe  der  Entstehung  eine  Reihe  von  Ver¬ 
formungen  überlagert,  sind  Veränderungen  durch  Ver¬ 
witterungen  und  Abtragungen  vorgekommen,  so  daß  eine 
Verschleierung  der  Tatsachen  vielfach  zutage  tritt.  Ein 
weiterer  Umstand  ist  der,  daß  an  Stelle  eines  bestimmten 
unveränderlichen  Systems  mit  festen  Unterlagen  ein  Ge¬ 
bilde  tritt,  welches  je  nach  der  Einwirkung  der  Kräfte 
sich  dermaßen  verformt,  daß  einerseits  der  Belastungs¬ 
zustand,  d.  h.  die  relative  Lage  der  Kräfte  zum  Körper, 
sowie  die  Belastungsstärke  sich  ständig  ändert  und 
anderseits  diese  Verformungen  beim  Nachlassen  der  Kräfte 
nur  zum  geringsten  Teil  rückgängig  gemacht  werden.  Struk¬ 
turveränderungen,  Risse,  überwundene  Reibungskräfte, 
plastische  Verformungen  verunmöglichen  eine  Wiederher¬ 
stellung  früherer  Zustände.  Alle  diese  vorgeführten  Um¬ 
stände,  sowie  die  hypothetischen  Erklärungen  der  Er¬ 
kaltungsvorgänge  und  ihre  Folgeerscheinungen,  weisen 
darauf  hin,  daß  auch  in  statischer  Beziehung  vielfach  nur 
Deutungsmöglichkeiten  vorliegen. 

Die  statisc.hen  Grundlagen. 

Als  äußere  Kräfte,  die  auf  die  einzelnen  Teile  der 
Erdkruste  wirken,  sind  zu  nennen: 

a)  die  Schwerkraft,  welche  alle  Massen  nach  dem 
Erdmittelpunkt  zu  ziehen  sucht; 

b) die  Zentrifugalkraft,  als  Folge  der  Erd¬ 
rotation,  die  proportional  dem  Abstande  des  Körper¬ 
teilchens  von  der  Rotationsachse,  in  senkrechter  Rich¬ 
tung  zu  dieser  nach  außen  wirkt; 


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174 


c)  die  Anziehungskräfte  von  anderen  Himmels¬ 
körpern  herstammend ; 

d)  die  Reaktionskräfte  bzw.  Auflagerkräfte, 
welche  vom  glühenden  Erdkern  als  Gegendrücke  aus¬ 
geübt  werden,  denn  von  einer  freitragenden  Gewölbe¬ 
wirkung  in  der  Erdkruste  muß  aus  Gründen  der 
Festigkeit  Abstand  genommen  werden; 

e) die  Eruptionskräfte,  als  lokale  Auslösungen 
verschiedener  Vorgänge  an  der  Kernoberfläche,  vor¬ 
herrschend  radial  nach  außen  wirkend. 

Die  Veränderungen  der  Lage  der  Drehachse  sowie 
die  mögliche  Verlangsamung  der  Erdrotation  sollen  als 
Folge  der  Wirkung  äußerer  Kräfte  erwähnt  werden.  Bezüg¬ 
lich  der  Reaktionskräfte  ist  von  größter  Wichtigkeit  die 
Kenntnis  der  Beschaffenheit  der  unter  der  Erdkruste  lagern¬ 
den  Magmasehicht,  ob  sie  leicht  oder  zähflüssig  ist  and 
dadurch  ein  rascher  oder  nur  langsamer  Ausgleich  lokaler 
Druckunterschiede  stattfinden  kann  und  ferner,  ob  sich  die* 
Möglichkeit  innerer  Strömungsvorgänge  ergibt.  Eines 
können  wir  sicher  sagen,  daß  das  glühende  Magma  l>ei 
geringem  Drucke  flüssig  ist,  und  daß  es  auch  unter  hohen 
Drucken  und  erhöhter  Temperatur  eine  Beweglichkeit  haben 
muß,  weil  es  sonst  gar  nicht  durch  Kanäle  aus  dem  Erd- 
innern  hochgepreßt  werden  könnte.  Als  Folge  dieser  Er¬ 
scheinung  ergibt  sich  die  große  Wahrscheinlichkeit,  daß 
eine  verhältnismäßig  leichtflüssige  Magmaschicht  an  der 
Oberfläche  des  Kernes  sich  befindet,  welche  einem  tangen¬ 
tialen  Gleiten  fester  Krustenteile  geringen  Widerstand  bietet. 

Als  weitere  Einflüsse,  die  zur  Erzeugung  innerer 
Spannungen  in  der  Erdkruste  führen,  sind  weiter  zu  er¬ 
wähnen  : 

f)  die  ungleichmäßige  Abkühlung; 

g)  die ungleich  raäßigeMaterialbeschaffen- 
h  c  i  t; 

h)  die  Abweichungen  vom  Hookeschen  Ge¬ 
setz  (Proportionalitätsgesetz). 

Diese  unter  f  bis  h  angeführten  Einflüsse  zeigen,  daß 
auch  die  Materialeigenschaften  eine  wesentliche 
Rolle  spielen,  und  zwar,  wie  aus  der  Ingenieurpraxis  hervor¬ 
geht,  eine  nicht  zu  unterschätzende.  Das  Material  der  ge¬ 
samten  Erdkruste  stammt  von  erstarrtem  Magma  mit  leichtem 
spezifischen  Gewicht  her.  Einlagerungen  mit  hohem  spezi¬ 
fischen  Gewicht  verschwinden  gegenüber  der  großen  Masse. 


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175 


Mit  .zunehmender  Tiefe  wird  dies  kristalline  Gestein  infolge 
des  erhöhten  inneren  Druckes  und  begünstigt  durch  die 
steigende  Temperatur  plastisch,  d.  h.  wenig  widerstandsfähig 
gegen  Schub.  Es  wird  jedoch  wieder  fest,  wenn  Druck  und 
Temperatur  nachlassen.  Nur  eine  verhältnismäßig  dünne 
äußerste  Schicht  zeigt  infolge  der  dort  herrschenden  ge¬ 
ringeren  Drucke  sprödes  Verhalten  und  ist  fähig,  großen 
tangentialen  Druck  zu  übertragen.  Diese  Fähigkeit  nimmt 
mit  zunehmender  Plastizität  ab,  weil  ein  Ausweichen  nach 
der  unbelasteten  oder  geringer  belasteten  Seite  erfolgt.  Im 
allgemeinen  hat  das  Material  der  Erdkruste  große  Druck¬ 
festigkeit,  aber  geringe  Zug-  und  Scheerfestigkeit ;  es  ver¬ 
kürzt  sich  unter  einseitigem  Druck  in  Richtung  der  Druck¬ 
wirkung,  wobei  jedoch  die  Verkürzungen  nicht  proportional 
den  Pressungen  verlaufen,  sondern  sich  mit  zunehmender 
Pressung  steigern.  Infolge  Abkühlung  findet  eine  Ver¬ 
kürzung  der  Krustenelemente  statt,  desgleichen  verringert 
sich  nach  neueren  Forschungen  das  Volumen  bei  der 
Kristallisation  des  sauren  Magmas.  Die  Sedimentgesteine, 
als  Verwitterungsprodukte  der  obersten  erstarrten  Magma¬ 
schicht,  weisen  im  allgemeinen  geringere  Festigkeit  auf 
als  das  kristalline  Gestein,  behalten  jedoch  die  plastischen 
Eigenschaften  unter  hohem  allseitigen  Druck  bei. 

Die  vorgehend  angeführten  äußeren  Kräfte  und  Ein¬ 
flüsse  verschiedenster  Art  erzeugen  in  der  Erdrinde 
Spannungen  bzw.  innere  Kräfte,  weiche  unterschieden 
werden  können  in: 

a)  lotrecht  gerichtete  Pressungen,  in  den 
plastischen  Schichten  in  allseitige  Pressung  über¬ 
gehend  ; 

b)  tangential  gerichtete  Pressungen,  die 
zur  Resultierenden  zusammengefaßt  die  tangentialen 
Kräfte  ergeben,  welche  als  eine  der  Ursachen  der 
Gebirgsbildung  aufgefaßt  werden  können.  Die  ganze 
Entwicklung  der  Faltengebirge,  sowie  die  tangentialen 
Verschiebungen  großer  Massen  zeigen,  daß  tangentiale 
Kräfte  von  außerordentlicher  Stärke  sicher  gewirkt 
haben  müssen.  Wie  weit  diese  Kraft  Wirkungen  die 
Ursache  der  Kontraktion  des  Magmakernes  als  Folge 
der  Erkaltung,  oder  der  unter  Umständen  vorkommen¬ 
den  Magmaströmungen  sind,  muß  durch  weitere 
Untersuchungen  geklärt  werden.  Es  soll  dabei  nicht 
verschwiegen  werden,  daß  für  lokale  Zonen  noch 


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176 


eine  ganze  Reihe  von  anderen  Ursachen  angeführt 
werden  können. 

c)  Schubspannungen,  als  deren  Folge  unter  an¬ 
derem  die  Verwerfungen*  zu  betrachten  sind; 

d)  Zugspannungen,  aus  Verwölbungen  hervor¬ 
gehend. 

Zum  Verständnis  vieler  Vorgänge  ist  notwendig,  zu 
-  erwähnen,  daß  oft  geringfügige  Ursachen  zur  Auslösung 
von  großen  Naturereignissen,  die  sich  im  Laufe  langer 
Zeiten  vorbereitet  haben,  führen  können.  Ursachen  zu 
solchen  Auslösungen  sind  besonders  durch  die  Eruptivkräfte 
gegeben,  die  durch  ihre  Tätigkeit  den  ganzen  Erdkörper 
in  Schwingung  versetzen  können. 

Im  weiteren  können  auch  ganz  geringe  Ursachen  wesent¬ 
lich  zur  Gestaltungsformung  beitragen,  wie  aus  den  Fig.  1 
und  2  hervorgeht.  Der  gerade  Stab  A  B  biegt  sich  infolge 


"f, 

der  in  Richtung  der  Stabachse,  aber  etwas  exzentrisch 
wirkenden  Kraft  P  nach  Fig.  1  durch.  Nur  eine  ganz 
geringfügige  Kraft  in  C,  seulJecht  zur  Achse  und  seit 
Anbeginn  des  Verformungsprozesses  wirkend,  erzeugt 
schon  die  Wellenform  nach  Fig.  2.  Ganz  ähnliche  Erschei¬ 
nungen  zeigen  sich  auch  bei  Platten,  Schalen  und  ähnlichen 
Gebilden;  sie  werden  in  der  Festigkeitslehre  mit  Knick- 
erscheinungen  bezeichnet.  Es  soll  hier  ausdrücklich  auf 
ihre  große  Wichtigkeit  zur  Erfassung  vieler  Naturerschei¬ 
nungen  hingewiesen  werden. 

3.  Die  Erdkruste  als  Gesamtes. 

Wie  aus  dem  Werke  von  L.  Kobbb:  „Der  Bau  der 
Erde“  hervorgeht,  besteht  die  Erdkruste  im  wesentlichen 
aus  Schollen,  d.  h.  aus  großen  zusammenhängenden  Schalen¬ 
stücken,  die  von  jeglicher  großen  Verformung  verschont 
geblieben  sind.  Es  macht  also  den  Anschein,  wie  wenn 


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177 


diese  Sohollenkörper  als  erste  feste  Ausscheidung  aus  dem 
feurig-flüssigen  Magma  zu  betrachten  sind,  die  mit  ent¬ 
sprechender  Einsenkung  auf  dem  Magmameere  schwimmen. 
Der  Verfestigungsvorgang  hat  sich  al90  nicht  gleichmäßig 
über  die  ganze  Erdoberfläche  erstreckt  und  hat  daher  auch 
unter  verschiedenen  Umständen  stattgefunden.  Die  zuletzt 
erstarrten  Teile  der  Erdkruste  sind  demnach  die  Bänder, 
welche  die  Sohollenkörper  umgeben,  wodurch  eine  über 
den  ganzen  Erdball  sich  erstreckende  Schale  entstanden 
ist,  deren  einzelne  Teile  sich  bereits  in  der  Festigkeit  und  Be¬ 
schaffenheit  differenzieren.  Einerseits  haben  wir  schon  längst 
erstarrte  Schollen,  deren  Festigkeit  durch  den  Altersgrad 
und  vielleicht  auch  durch  die  vermehrte  Auskristallisierung 
in  die  Tiefe,  also  auch  der  Abmessung  nach,  schon  be¬ 
deutend  ist,  und  andererseits  die  noch  wenig  erstarrten 
dünnen  Schichten  der  Bänder.  Jedwelche  Ansammlung  von 
inneren  Spannungen,  sei  sie  durch  ungleichmäßige  Ab¬ 
kühlung  oder  erruptive  Kräfte  hervorgerufen,  sucht  ihren 
Ausgleich  bei  in  sich  geschlossener  Erdkruste  in  den 
schwächsten  Zonen  derselben,  und  so  sind  diese  Bänder  schon 
von  Anfang  au  als  Dilatationsfugen  bzw.  Soharniere  im 
Bau  der  Erdrinde  zu  betrachten.  Der  Spannungsausgleich 
macht  sich  in  den  ersten  Anfängen  der  Erstarrungsperiode 
durch  Quetschung  des  Bändermaterials,  durch  Aufreißen 
der  Ränder  an  den  Schollen,  durch  Hebungen  und  Senkungen 
ganzer  Zonen  bemerkbar.  T_avamassen  quellen  durch  die 
Spalten  herauf,  und  es  ist  nicht  unwahrscheinlich,  daß  der 
Ursprung  vieler  heutiger  Vulkane  dieser  Zonen  bis  in  die 
Zeiten  der  Krustenbildung  r  ,;'ückreicht. 

Die  Tangentialkräfte  kommen  erst  zur  Wirkung,  nach¬ 
dem  die  ganze  Erdrinde  erstarrt  ist,  weil  die  einzelnen 
Schalenstücke  auf  dem  flüssigen  Magma  verschieblich  sind 
und  somit  ausweichen  würden. 

Das  ganze  Erdkrustengebilde  ist  im  stabilen  Gleich¬ 
gewicht,  denn  jede  Veränderung  durch  Kräfte  wird  aus- 
zugleichen  versucht.  Die’  ganze  Entwicklungsgeschichte  ist 
ein  ständiges  Streben  der  erstarrten  Erdhülle  nach  einer 
Gleichgewichtslage  als  Folge  vorausgehender  Kraftwirkun¬ 
gen.  Es  muß  betont  werden,  daß  auch  jede  örtliche  Ein¬ 
wirkung  von  Kräften  und  durch  jede  Spannungsauslösung 
der  ganze  Erdkörper  in  Mitleidenschaft  gezogen  wird  und 
daher  der  ganze  Erdkörper,  vor  allem  die  erstarrte  Erd¬ 
hülle,  zum  richtigen  Verständnis  der  Vorgänge  betrachtet 
werden  muß. 

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4.  Die  einzelnen  Scholien. 

Die  Verformung  der  Schollen,  deren  Umgrenzung  ent 
sprechend  dem  Erstarrungsprozeß  mehr  oder  weniger  eine 
willkürliche  sein  kann,  wird  durch  verschiedene  Einflüsse 
hervorgerufen.  Hiervon  sollen  genannt  sein: 

a)  Die  ungleichmäßige  Abkühlung,  hervor¬ 
gerufen  einerseits  durch  den  ungleichen  Erstarrungsgrad 
und  die  ungleichmäßige  Dicke  der  einzelnen  Schollenzonen. 
anderseits  durch  die  Einflüsse  der  Sonnenbestrahlung,  die 
in  den  Frühperioden  viel  intensiver  gewesen  sein  muß,  und 
durch  die  Verteilung  der  später  auftretenden  Meere.  Von 
einer  gleichmäßigen  Kontraktion  der  Erdkruste  konnte  daher 
nie  die  Rede  sein.  Eine  rasche  Abkühlung  der  Außenschicht 
führt  zu  Einsenk ungen:  der  mittleren  Schollenzoneu,  d.  h. 
zu  einer  Verwölbung  gegen  den  Erdkern  zu,  eine  verzögerte 
Abkühlung  dieser  Schicht  hingegen  bewirkt  eine  Ver¬ 
wölbung  nach  außen. 

b)  Die  tangentialen  Verschiebungen  der 
erstarrten  Ellipsoidschalenstücke  auf  der  Magmaoberflache, 
bewirkt  durch  tangentiale  Kräfte.  Sie  können  zu  Krüm¬ 
mungsänderungen  an  den  Schalenstücken  führen,  oder 
gar  die  Ursache  von  Rissen  sein,  wenn  die  Oberflächen¬ 
krümmungen  der  Magmaschicht  an  der  neuen  Stelle  wesent¬ 
lich  andere  sind  als  an  der  vorhergehenden.  Daß  solche 
Verschiebungen  vorgekommen  sind,  beweist  die  Verkürzung 
der  orogenetischen  Zonen’  bei  der  Bildung  der  Alpen  um 
wenigstens  200  km.  Ähnliche  Einflüsse  würde  auch  die 
Verlangsamung  der  Erdrotation  ausüben. 

c)  Die  lokalen  Eruptionen  unter  der  Schale  und 
an  den  Rändern.  Sie  können  zu  lokalen  Auswölbungen 
und  Durchbrüchen  führen,  da  ja  die  Scheerfestigkeit  des 
Materials  der  Erdkruste  nicht  groß  ist.  Von  Wichtigkeit  ist 
hierbei  die  herausbe förderte  Magmamasse,  indem  sic  die 
Erdkrustenschale  örtlich  belastet  und  einbuchtet.  Diese  Ein¬ 
buchtung  kann  noch  vergrößert  werden,  wenn  durch  die 
herausgeworfenen  Magmamassen  und  entweichenden  Gase 
ein  Unterdrück  in  der  Magmazone  eintreten  sollte.  Wir 
haben  also  bei  solchen  Eruptionen  vorerst  einen  erhöhten 
Druck  nach  außen,  der  ganz  allmählich  bis  zu  einem 
gewissen  Grenzwert  ansteigt  und  nachher  einen  nach  innen 
gerichteten  Gegendruck,  der  unter  Umständen,  je  nach  der 
Schnelligkeit,  mit  welcher  die  Gase  und  Magmamassen  ent¬ 
weichen,  innerhalb  kurzer  Zeit  eintreten  kann.  Solche  Vor- 


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179 


gange  rasch  wechselnder  Natur  erzeugen  Schwingungen  in 
radialer  Richtung  und  stellen  erhöhte  Anforderungen  an 
die  Festigkeit  des  Schollenmaterials. 

d)  Die  Tangentialkräfte.  Durch  sie  wird  das 
Hauptkräftespiel  hervorgerufen,  und  zwar  richten  sie  sich 
nach  der  äußeren  Form  des  Schalenkörpers  sowie  nach 
den  druckfesten  Verbindungen  und  der  gegenseitigen  Lage 
der  Schollen  untereinander.  Ihr  Richtungssinn  entspricht 
den  statischen  und  dynamischen  Verhältnissen,  ihre  Aus¬ 
wirkung  zeigt  sich  vorherrschend  in  äquatorialer  und  meri- 
dionaler  Richtung,  soweit  wenigstens  an  den  zutage  treten¬ 
den  Schollen  zu  erkennen  ist.  Meiner  Auffassung  nach  sind 
die  Schollenkörper  ohne  weiteres  in  der  Lage,  Tangential¬ 
kräfte  längs  ihrer  ganzen  Ausdehnung  zu  übertragen,  indem 
die  Steifigkeit  und  Widerstandsfähigkeit  dieser  mehr  oder 
minder  kompakten  Massen  nicht  unterschätzt  werden  darf. 
In  gewissem  Maße  sind  auch  die  darunterliegenden,  teil¬ 
weise  plastischen  Schichten  fähig,  tangentiale  Kräfte  zu 
übertragen,  besonders  dann,  wenn  die  obere  steife  Decke 
völlig  intakt  ist.  Auch  die  vulkanischen  Druchbrüche  tun, 
soweit  sie  lokaler  Natur  sind,  dieser  Übertragfähigkeit  keinen 
Einhalt;  die  Decke  ist  in  diesem  Falle  vergleichbar  mit 
einerPlatte  mit  Nietlöchern.  Diese  Tangentialkräfte,  die,  als 
äußere  Kräfte  aufgefaßt,  sich  nach  Fig.  3  in  bestimmten 


Richtungen  um  die  Schollenränder  anordnen,  bewirken  nun 
die  Großwellung  der  Schollenkörper,  wobei  die 
unter  4  a  bis  c  angeführten  Einflüsse  bei  der  Bildung  von 
Wellental  und  Wellenberg  ausschlaggebend  sein  können. 

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180 


Bei  der  Wirkung  der  Tangentialkräfte  T  werden  sich 
die  ersten  Stauchungen  da  zeigen,  wo  die  konzentrierten 
Drucke  zuerst  auftreten.  Allmählich  wird  sich  ein  Aus¬ 
gleich  einstellen,  d.  h.  die  Verteilung  der  Drucke  wird  sich 
auf  eine  breite  Front  erstrecken,  wobei  die  oroge net i sehen 
Zonen  gleichsam  als  Ausgleichfutter  wirken.  Bei  einem 
solchen  tangentialen  Druckausgleich  kann  die  einzelne 
Scholle  nicht  nur  tangentiale  Verschiebungen,  sondern  auch 
Drehungen  erfahren.  Es  ist  auch  nicht  ausgeschlossen,  daß 
bei  ungleichmäßiger  Druck  Verteilung,  oder  bei  konzentrierten 
Kräften  einzelne  Schollenteile  abgescheert  oder  tangential 
gegeneinander  verschoben  werden  können. 

Von  besonderer  Wichtigkeit  für  die  Verformung  der 
Schollenkörper  sowie  der  orogenetischen  Zonen  ist  die 
Höhenlage  dieser  Tangentialkräfte,  wobei  besonders  die  Be 
schaffenheit  und  die  gegenseitige  Lage  der  Ränder  be 
nach  harter  Schollen  von  Bedeutung  ist.  In  Fig.  4  sind  ver¬ 


schiedene  Fälle  abgebildet.  Bezüglich  der  Beschaffenheit 
kommt  in  Frage,  ob  die  Randzonen  befähigt  sind,  den 
tangentialen  Druck  direkt  aufzunehmen  und  weiterzuleiten, 
oder  ob  sich  unter  Umständen,  nach  Fig.  4  a,  Scheerflächen 
schräg  nach  außen  oder  innen  bilden  könnten,  wodurch 
ein  Hinauf-  oder  Hinunterschieben  orogenetischer  Massen 
möglich  ist.  Aus  dem  gleichen  Grunde  kommt  auch  die 
gegenseitige  Höhenlage  benachbarter  Scholienränder  in 
Betracht.  Diese  Höhenlage  ist  abhängig  von  den  unter 
4  a  bis  o  angeführten  Einflüssen. 

Die  Schollenränder,  als  Grenzen  orogenetischer  Zonen, 
sind  oft  Stellen  mit  eruptiver  Tätigkeit,  und  es  können 
Anhäufungen  eruptiver  Massen  auf  den  Randzonen  zu 


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181 


Brüchen  in  den  Schollen  längs  den  Rändern  führen,  zum 
mindesten  finden  in  solchen  Fällen  Senkungen  statt  Das 
gleiche  tritt  ein  beim  Hinüberschieben  orogenetischer  Massen 
auf  die  Randzonen. 

Die  Gjcoßwellung  der  Schollen  ist  keine  willkürliche, 
sie  ist  von  rein  statischen  Gesetzen  abhängig.  Eine  große 
Rolle  spielt  hierbei  die  Steifigkeit  und  Dicke  der  Massen. 
Wenn  als  Folge  irgendwelcher  Tangentialkräfte  eine  Wöl¬ 
bung  nach  außen  sich  bilden  will,  so  tritt  sofort  über  den 
Wölbestellen  ein  verminderter  Magmadruck  ein.  Fig.  5.  Die 


Fig.  5. 

Randzonen  sinken  tiefer  ein,  da  das  verdrängte  Magma¬ 
volumen  gleich  bleiben  muß.  Infolge  des  verminderten 
Magmadruckes  über  den  Wölbestellen  kommt  die  Wirkung 
des  Eigengewichtes  in  vermehrtem  Maß  zur  Geltung  und 
die  mittlere  Sclieitelzono  senkt  sich.  Das  ganze  Gebilde 
kommt  durch  einen  allmählichen  Ausgleich  zwischen  Ver¬ 
formung  und  Druckverteilung  zur  Ruhe,  indem  das  Senken 
der  Scheitelzone  wieder  ein  lieben  der  Ränder  zur  Folge 
hat.  Mit  zunehmendem  Tangentialschub  werden  die  Ver¬ 
wölbungen  größer,  wobei  jedoch  die  einmal  festgelegte  Form 
im  allgemeinen  erhalten  bleibt,  sofern  nicht  andere  Kraft- 
einwirkungen  hinzutreten.  Entwickelt  sich  nach  Fig.  6  die 


Fig.  6. 

erste  Großweile  nach  innen,  so  macht  sich  im  Scheitel  ein 
vermeinter  Magmadruck  nach  außen  geltend.  Die  aus  dem 
Magma  gehobenen  Randzonen  sinken  durch  Aufwölbung  der 
Scheitelzonen  wieder  ein.  Da  nun  inzwischen  das  Becken 
mit  Wasser  gefüllt  worden  sein  kann,  so  bildet  sich  unter 
Umständen  ein  Gleichgewichtszustand  derart  heraus,  daß 
die  Hebung  des  Scheitels  nicht  mehr  voll  zur  Entwicklung 
kommt.  Es  würde  diese  Verformungsart  eine  Bildung  der 
Ozeanböden  ergeben.  Zunehmende  Hebung  der  Wellenberge 
und  zunehmende  Senkung  der  Wellentäler,  was  sich  be- 


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sonders  nach  Ruhepausen  zeigt,  lassen  immer  auf  eine 
Zunahme  des  Tangentialdruckes  schließen. 

Schon  öfter  ist  von  einer  Wanderung  der  Kontinente 
die  Rede  gewesen.  In  geringem  Maße  ist  das  meiner 
Ansicht  nach  auch  in  der  Jetztzeit  möglich,  -indem  dies 
nichts  anderes  ist  als  eine  Folge  erneuter  Auswirkungen 
von  Tangentialkräften.  Dies  wird  auch  bestätigt  durch  ver¬ 
schiedene  Veränderungen  von  Höhenlagen  als  Vergrößerung 
der  Amplituden  der  Wellen. 

5.  Die  orogcnetißche n  Zonen. 

Die  Schollen  sind  durch  die  bänderartigen  orogene tischet: 
Zonen  miteinander  verbunden.  Wie  Kober  ganz  richtig 
sagt,  sind  diese  Zonen  die  Ausgleichsstellen  der  Spannungen, 
die  Dilatationsgebiete.  Daß  es  sich  um  Dilatationsgebie^ 
größten  Maßstabes  handelt,  zeigt  die  Verringerung  der 
Breite  der  orogenetischen  Zone  um  etwa  200  km  im  Alpen 
gebiel während  eines  einzigen  Zeitalters,  und  daß  es  sich 
dabei  um  tangentiale  Kräfte  von  außerordentlicher  Stärke 
handelte,  geht  aus  den  gewaltigen  in  Verschiebung  ge 
brachten  Massen  hervor.  Ob  sich  hierbei  beide  Schollen 
gleichzeitig  gegeneinander  bewegt  haben,  oder  ob  die  eine 
unverschieblich  war  und  die  andere  sich  tangential  be 
wegte,  kommt  örtlich  auf  das  gleiche  Endresultat  heraus. 
Bei  einer  Kontraktion  des  Erdkernes,  welche  Hypothese 
heute  noch  die  maßgebendste  zu  sein  scheint,  kann  an 
genommen  werden,  daß  von  jeder  Scholle  ein  Punkt  der 
Mittelzone  relativ  zum  Erdkern  fest  bleibt  und  alle  anderen 
Schollenzonen  gegenüber  den  entsprechenden  Punkten  der 
ßich  zusammenziehenden  Magmaoberfläche  zurückgeblieben 
sind.  Die  größten  relativen  Verschiebungen  weisen  dann 
die  Randzonen  auf,  wodurch  sich  dann  eine  Bewegung 
benachbarter  Schollenränder  gegeneinander  ergibt. 

Eine  Erklärung,  weshalb  die  orogenetischen  Bänder 
vorherrschend  als  Ausgleichzöllen  dienen,  kann  darin  ge¬ 
funden  werden,  daß  infolge  der  späteren  Erstarrung  dieser 
Zonen  das  Material  eine  größere  Verformbarkeit  und  ge¬ 
ringere  Festigkeit  aufwies  als  das  der  Schollenkörper,  wo¬ 
durch  sich  schon  seit  Anbeginn  der  Zeitalter  immer  in  ihnen 
Verschiebungen  und  Verdrehungen  zeigten,  und  so  das 
Material  durch  eine  fortwährende  Bewegung  in  seiner  Ver¬ 
festigung  gestört  wurde  und  beweglicher  geblieben  ist  als 
das  der  Umgebung. 


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Die  Verformung  der  orogenetischen  Zonen  unterscheidet 
sich  wesentlich  von  derjenigen  der  Schollen.  .Währenddem 
die  letzteren  Großwellung  aufweißen,  von  der  auch  tiefe 
Schichten  erfaßt  worden  sind,  zeigen  die  orogenetischen 
Zonen  eine  Verquetschüng  der  tiefen  Schichten  und  eine 
intensive  Faltung  der  oberen  spröderen  Schichten.  Eine  solch 
enge  Faltung  mit  entsprechender  Höhenentwicklung  ist  nur 
möglich,  wenn  eine  verhältnismäßig  dünne  Schicht  dem 
Faltungsprozeß  unterworfen  wird.  Auch  können  solche  Fal¬ 
tungssysteme,  wie  sie  in  den  Gebirgen  der  orogenetischen 
Zonen  Vorkommen,  nur  geschichteten  Sedimentsgesteinen 
eigen  sein. 

Wie  aus  der  zeitlichen  Entwicklung  hervorgeht,  sind 
die  orogenetischen  Zonen  ständig  Senkungsfelder,  was  auch 
durch  folgende  Überlegungen  erklärt  werden  kann.  Die 
Zusammenschiebung  der  Schollenkörper  bewirkt  eine  Auf¬ 
häufung  der  Massen  der  orogenetischen  Zonen,  wodurch 
eine  erhöhte  Pressung  auf  das  Magma  eintritt,  indem  die 
gleiche  Masse  eine  kleinere  Fläche  belastet  als  vorgehend. 
Die  Folge  davon  ist,  daß  nach  Figi.  7  sich  die  ganze  Zone 
mit  den  anstoßenden  Scholienrändern  senkt.  Eine  solche 

P 


Fig.  7. 

Senkung  kann  auch  schon  durch  eruptive  Massen,  die  in 
diesen  Zonen  aufgeschüttet  wurden,  eingeleitet  werden. 
Scheinbar  stellen  die  durch  die  Zusammenschiebung  aufge¬ 
türmten  Massen  eine  Hebung  dar,  währenddem  die  Gro߬ 
wellen,  auf  die  es  in  Wirklichkeit  ankommt,  ein  Senkungs¬ 
gebiet  ergeben.  Der  Abtrag  dieser  Erhebungen  durch  Denu¬ 
dation  braucht  kein  Heben  der  Zone  zu  ergeben,  weil  sich 
inzwischen  der  Tangentialdruck,  der  sich  während  des  Ver¬ 
schiebungsvorganges  stark  verminderte,  wieder  vergrößert 
hat  und  die  Amplituden  der  Großwellen  anwachsen.  Da 
nun  diese  orogenetischen  Gebiete  ein  Großwellental  dar¬ 
stellen,  so  tritt  im  Gegenteil  eine  Senkung  ein. 

Unter  Umständen  können  sich  orogenotische  Zonen  und 
Schollen  derart  miteinander  verkitten,  daß  eine  einheitliche 
Scholle  entsteht,  welche  den  Tangentialschüben  späterer 
Zeitalter  widersteht.  Hierbei  wirkt  begünstigend,  daß  die 
Richtungen  der  größten  tangentialen  Dnicke  nicht  in  allen 


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-  J84  — 

Zeitaltern  genau  die  gleichen  gewesen  sind,  wodurch  die 
einen  oder  anderen  Teile  verschieden  in  Mitleid« *nsch;if: 
gezogen  wurden. 

6.  Die  Verformung  der  orogenetischen  Zonen 

Die  Verformung  der  orogenetischen  Zonen  muß  vor 
herrschend  als  Folge  des  Tangentialschubes  angesehen 
werden,  denn  nur  er  kann  es  gewesen  sein,  der  solche 
Faltungstypen  der  Gebirgsbildung  hervorgebracht  hat.  Selbst 
verständlich  können  auch  noch  andere  Einflüsse  zu  mehr 
lokalen  Verformungserscheinungen  geführt  haben,  worauf 
näher  nicht  eingetreten  werden  soll. 

Zwei  Bewegung» formen  machen  sich  hierbei  in  aus¬ 
gesprochenem  Maße  geltend: 

a)  Die  reine  We  Heil  beweg  ung  in  radialer 
Richtung,  welche  dann  a  u s  1  ä u f  t  in  eine  lau 
gentiale  Überfaltung  (Deckenbildung).  Ihr  U  r 
Sprung  beruht  auf  einer  Wellung  der  verhältnismäßig 
dünnen  Sediment-  und  Kristal linschichten,  die  auf  einer 
plastischen  Unterlage  auf  ruhen.  Der  Wellenvorgang  kann 
sich  so  abgespielt  haben,  wie  bereits  im  Abschnitt  4  an¬ 
gegeben  wurde,  nur  daß  entsprechend  der  geringeren 
Schichten  dicke  gegenüber  derjenigen  der  Schollen  eine 
kleinere  Wellenlänge  eintritt.  Durch  die  vermehrte  Gegen 
einanderschiebung  der  Schollen  tritt  auch  eine  verstärkte 
Wellung  ein,  welche  zuletzt  so  weit  gehen  kann,  bis  die 
einzelnen  Wellentäler  verschwunden  sind  und  sich  de 
Schenkel  berühren.  Bei  dieser  Zusammen faltung  müßtet' 
normalerweise  die  Scheitel  gleich  hoch  über  das  Mittel 
niveau  herausragen  wie  die  Sohlen  unter  dasselbe  reichen 
Durch  das  Zusammenquetschen  der  plastischen  Massen  det 
orogenetischen  Zonen  findet  jedoch  eine  Hebung  des  ganzen 
Wellensystems  über  das  Mittelniveau  hinaus  statt-,  so  daß 
die  Mulden  vielfach  nur  noch  wenig  unter  diesem  Niveau 
stehen,  währenddem  die  Scheitel  hoch  darüber  hinausgehol»en 
werden.  Die  einzelnen  Wellen  eines  solch  seitlich  zusammen 
geschobenen  Wellensystems  sind  für  sich  nicht  mehr  stand 
fest,  besonders  durch  die  stark  verkürzte  Basis  und  weil 
durch  die  starke  Verformung  und  die  großen  Drucke  das 
Material  plastisch  geworden  ist;  sie  kippen  daher  um.  so 
daß  unter  Umständen  die  Schenkel  horizontal  zu  liegen 
kommen  und  Welle  auf  Weile  geschichtet  wird.  Ist  die 
eine  Welle  kleiner  als  die  benachbarte,  darüber  liegende. 


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185 


so  kann  sie  von  dieser  möglicherweise  völlig  überdeckt 
werden.  Auf  Einzelheiten  der  plastischen  Verformung  kann 
nicht,  eingetreten  werden.  Jedoch  soll  auf  einen  wichtigen 
Vorgang  hingewiesen  werden,  der  sich  beim  Verformungs¬ 
prozeß  geltend  macht,  auf  den  Massenausgleich.  Es  ist 
in  vielen  Fällen  anzunohmen,  daß  ein  Teil  der  plastischen 
Massen  der  orogenetischen  Zonen  beim  Zusammenschieben 
der  Schollen  nicht  herausgepreßt  wird,  sondern  unter  diese 
Schollen  gelangt,  so  daß  dadurch  ein  allgemeines  Heben 
einzelner  Schollenzonen  eintritt.  Unter  Umständen  kann 
auch  nur  bei  der  einen  Scholle  der  Fall  sein,  je  nach 
der  Hohe  der  Scliollenränder.  Vielleicht  läßt  sich  dadurch 
das  Verschwinden  des  größten  Teiles  des  Mediforranik- 
oze-ans  erklären  sowie  der  Steilabbrueh  längs  der  Ostküsie 
Amerikas;  im  weiteren  scheinen  die  vielen  Grabenbrüelie 
und  Verwerfungen  größter  Abmessungen  vielfach  (»ine  Folge 
veränderter  Unterlagszustände  unter  den  Schollen  zu  sein. 

Im  allgemeinen  ist  die  Vei  formungserscheinung  für  sich 
n  risv  in  metrisch,  indem  schon  die  Wellenlängen  ganz  ver¬ 
schieden  sein  können,  und  im  weiteren  werden  sich  die 
Falten  dahin  legen,  wo  der  Schollenrand  die  entsprechende 
Entwicklungsmögliehkeit  zeigt,  indem  er  entweder  einseitig 
gesenkt  ist-  oder  schräg  aufwärts  abgescheert  wird. 

Die  Fig.  8  bis  10  zeigen  die  Faltenentwicklung  in 
generell  idealisierter  Form  dargestellt,  bei  gleich  hohen  und 


a 

Fig.  8. 


ungleich  hohen  Scholieiirändeni,  wobei  die  Zusammen 
preesung  der  Schollen  so  weit  gehen  kann,  daß  der  Ab¬ 
stand  a  nur  noch  klein  ist,  oder  überhaupt  verschwindet. 
Durch  die  ungleiche  Höhenlage  wird  die  Höhendifferenz 


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186 


beim  Zusammenschieben  noch  vergrößert,  so  daß  die  tiefer 
liegende  Scholle  förmlich  heruntergepreßt  wird.  Daß  Vor 
land  bei  A  (Fig.  9)  kann  infolge  dieser  Hebung  Verwerfungen 
aufweisen.  Die  Fig.  10  zeigt  eine  Faltenentwicklung  mit 
einem  Mittelstück  von  größerer  Festigkeit,  wodurch  ein 


Fig.  10. 


symmetrisches  Bild  entsteht.  Die  Faltungen  ergießen  sieb 
über  die  Vorländer  der  Schollen.  Das  Mittelstück  erleidet 
eine  Hebung. 

Das  Faltungsproblem  ist  wohl  das  gewaltigste  Phänomen, 
das  größte  Problem  statisch  dynamischer  Naturerscheinun¬ 
gen.  Es  stellt  an  die  Verformbarkeit  der  Massen,  besonders 
an  die  Sedimentgesteine,  die  größten  Anforderungen.  Daß 
das  ganze  Gebilde  der  gefalteten  Massen  von  Risseu. 
Brüchen,  Absenkungen  aller  Art  durchsetzt  ist  und  daß 
dadurch  besonders  der  Verwitterung  und  Abtragung  in 
weitestgehendem  Maße  Vorschub  geleistet  wurde,  ist  ohne 
weiteres  erklärlich.  Bei  dieser  Faltenbildung  sind  eine  Reihe 
von  Umständen  von  Wichtigkeit,  vor  allem  die  Beschaffen 
heit  und  Form  der  Unterlage  der  Sedimente,  die,  wenn 
Reste  früherer  Gebirge  vorhanden  sind,  außerordentlich 
störend  wirken  kann;  ferner  die  Veränderlichkeit  der  Druck 
unterschiede  längs  der  Verschiebungsfront,  wodurch  die 
Höhen entwickl ungen  verschieden  ausfallen,  Torsionserachei 
nungen  eintreten  uaw. 

Von  besonderer  Bedeutung  ist  aber  auch  eine  Druck¬ 
wirkung  längs  der  Streichrichtung  der  Falten,  welche  m.  E. 
ganz  besonders  deutlich  in  dem  Zuge  Betische  Kordilleren 
Kaukasus  auftritt,  wie  aus  der  im  Buche  von  Kober:  „Bau 
der  Erde“  bekanntgegebeneu  Zeichnung  Fig.  11  deutlich 
hervorgeht.  Die  Knicke  bei  den  Karpathen,  den  Pyrenäen 
und  beim  Apennin  sind  so  auffällig,  daß  man  unwillkürlich 
an  ein  Ausknicken  der  durch  die  besprochene  Wellung 
enstandenen  Gebirgsrippen  in  tangentialer  Richtung  denken 
muß.  Es  können  diese  erwähnten  Kurven  noch  durch  die 
Form  der  Sohollenränder  beeinflußt  werden,  ebenso  durch 
besonders  feste  Teile  im  Orogon  selbst,  hingegen  zeigen 
die  eingezeichneten  Pfeile  der  Bewegungsrichtimgen  deutlich 


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auf  verschieden  gerichtete  Tangentialsehübe  hin.  Auch  längs 
diesen  paarweise  auf  tretenden  Hauptgebirgszügen  lassen  sich 
wieder  Wellungen  in  radialer  Richtung  nach  dem  Typ  von 
Fig.  5  feststellen,  indem  wir  hierbei  das  Problem  einer 
durch  Rippen  versteiften  Platte  haben,  die  sich  infolge  Tan¬ 
gentialkräften  verwölbt. 

b)  Eine  tangentiale  Bewegung,  beruhend  auf 
dem  tangentialen  Gleiten  der  Sedimentsschichten  auf  der 
kristallinen  Oberfläche  der  Schollenrandzonen,  wobei  dann 
eine  Faltung  infolge  Stauung  an  Hindernispunkten  eintritt 
Diese  Staupunkte  sind  von  besonderer  Bedeutung,  indem 
sie  die  Ursache  von  Überschiebungen  und  Ablenkungen  aus 
den  Verschieberichtungeu  werden  können.  Auch  hier  läßt 
sich  eine  Fülle  von  statischen  Problemen  anführen. 


7.  S  c  h  l  u  ß  b  e  t  r  a  e  h  t  u  n  g  e  n. 

Alles,  was  hier  vorgebracht  wurde,  ist  nur  ein  kleiner 
genereller  Einblick  in  die  statisch  dynamischen  Probleme 
der  Geologie.  Die  grandiose  Erscheinung  der  Gebirgsbildung 
laßt  sich  nur  dann  ganz  in  ihrer  Tiefe  verstehen,  wenn 
die  Fragen  der  Bildung  der  Erdkruste  in  ihrer  Gesamt¬ 
heit  geklärt  sind,  und  unter  ihnen  spielen  diejenigen  der 
Statik  eine  große  Rolle.  Gerade  deshalb  ist  in  dieser  Ab¬ 
handlung  nicht  nur  auf  einzelne  Probleme  der  Gebirgsbildung 
eingetreten  worden,  sondern  es  wurden  auch  die  Ursachen 
der  Gebirgsbildung  in  ihrem  großen  Zusammenhänge  ge¬ 
streift.  Ich  möchte  hierbei  betonen,  daß  aus  einzelnen 
lokalen  Erscheinungen  nur  dann  auf  das  Gesamte  ge¬ 
schlossen  werden  kann,  wenn  sie  sich  zu  einem  großen 
Ganzen  vereinigen  lassen.  Nur  zu  sehr  spielen  lokale  Dm- 


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-Zu¬ 
stande  aller  Art  eine  besondere  Bolle,  denen  hierbei  weitest¬ 
gehend  Rechnung  getragen  werden  muß. 

Eine  Reihe  von  Naturereignissen  lassen  sich  heute  noch 
auf  die  verschiedensten  Arten  erklären,  weil  die  hierbei 
vorgebrachten  Folgerungen  alle  hypothetisch  sind.  Es  ist 
jedoch  meine  Überzeugung,  daß  ein  eingehendes  organisches 
Durcharbeiten  aller  geologischen  Erscheinungen  auf  mecha¬ 
nisch-physikalischer  Grundlage,  in  welohe  ja  auch  die  Statik 
gehört,  außerordentlich  befruchtend  sein  wird,  einen 
strafferen,  logischeren  Aufbau  und  einen  tieferen  Einblick 
in  die  Folgerichtigkeit  der  Vorgänge  der  gesamten  Geologie 
geben  wird.  Die  Hilfsmittel  dazu  sind  in  weitestgehendem 
Maße  vorhanden.  Wenn  mein  Vortrag  eine  kleine  An¬ 
regung  zur  Durcharbeitung  der  geologischen  Probleme  in 
diesem  Sinne  gegeben  hat,  so  hat  er  seinen  Zweck  erfüllt. 

8.  Zusammenfassung. 

Aul  Grund  der  bis  jetzt  bekanntgegebenen  Forschungs¬ 
ergebnisse  wird  versucht,  die  Resultate  in  statischer  Hin 
sicht  generell  zu  beleuchten.  Die  alten  erstarrten  Schollen 
von  willkürlicher  Gestalt,  entsprechend  der  Herauskristalli¬ 
sierung  aus  dem  Magma,  werden  als  Grundlage  angenommen. 
Sie  sind  von  größerer  Festigkeit  als  die  später  erstarrten 
Verbindungsglieder,  deren  Massen  durch  ständige  Erup¬ 
tionen  und  Bewegungserscheinungen  anderer  Art  in  ihrer 
Verfestigung  gestört  wurden.  Nach  Vorführung  der  ver¬ 
schiedensten  Kräftewirkungen  und  Verformungseinflüsse 
wird  die  Großwellenbildung  bei  den  Schollen  besprochen 
und  in  Vergleich  gebracht  zur  Verfaltung  und  Überfaltung 
der  orogenetischen  Zonen.  Währenddem  die  Wellung  bei 
den  Schollen  bis  in  große  Tiefen  reicht,  erfaßt  sie  bei  den 
orogenetischen  Zonen  nur  die  obersten  Schichten,  indessen 
die  tieferen  Schichten  eine  Verquetschung  erfahren.  Iro 
weiteren  werden  noch  einige  Fälle  von  Knickerscheinungen 
vorgebracht.  Ein  systematisches  Durcharbeiten  aller  geo 
logischen  Ergebnisse  von  statisch-dynamischen  Gesichts¬ 
punkten  aus  wird  zu  einer  schärferen  Erfassung  dieser 
Naturereignisse  führen. 


Bei  der  Diskussion  fügt  Herr  Geheimrat  Dr.  H.  Lokenz 
zu,  daß  man  die  Zerteilung  der  Erdkruste  in  Schollen¬ 
stücke  auch  rechnerisch  nach  weisen  könne.  Bei  der  An¬ 
nahme  einer  freitragenden  Kugelschale  würde  unter  Zu 


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-  189  - 

grundelegung  eines  Erdradius  von  6000000  m  und  eines 
spezifischen  Gewichtes  von  2.4  tn/ms  für  die  Erdkrusten  - 
teile  eine  Pressung  von  720  tn/cm2  herauskommen,  indem 
diese  Pressung  proportional  mit  der  Entfernung  der  Kugel¬ 
schalenschicht  vom  Erdmittelpunkt  zunimmt  Einer  solchen 
Beanspruchung  halten  jedoch  keine  Stoffe  der  Erdkruste 
in  frei  tragendem  Zustand  stand. 


Briefliche  Mitteilungen. 


Zur  Moornomenklatur. 

Von  Herrn  Kubd  v.  Bülow. 

Berlin,  den  6.  Dezember  1923. 

Aus  den  in  dieser  Zeitschrift  (Bd.  75,  1923,  Monatsber.  1 
bis  4,  S.  18)  mitgeteilfcen  Ansichten  über  den  geologischen 
Begriff  des  „Zwischeiunoores“  ergeben  sich  einige  Folge¬ 
rungen  zur  Nomenklatur  und  Kartendarsteliung  der  Moore: 

Dem  Zwischenmoor  wurde  der  Wert  einer  selbständigen, 
geologischen  bzw.  strati graphischen  Einheit  abgesprochen, 
wenn  auch  seine  Pflanzendecke  eine  Mittelstellung  zwischen 
Flach-  und  Hochmoor  einnimmt.  Vielmehr  wurde  der  soge¬ 
nannte  Zwischenmoortorf  als  Rohhumus- (Trockentorf-)bil- 
dung  des  Flachmoorwaldes  auf  gef  aßt,  womit  er  seine,  dem 
Flach-  und  Hochmoortorf  gleichgeordnete  Stellung  verliert. 

Bei  konsequenter  geologischer  Betrachtung  der  Moor¬ 
stratigraphie  scheidet  somit  das  Zwischenraoor  aus.  Nur 
vom  Standpunkte  des  Floristen  oder  Oekologen  behält  es 
seine  Selbständigkeit.  Infolgedessen  kann  der  Geologe  — 
wie  in  den  Jugendtagen  der  Moorkunde  —  nur  mehr* 
Flach  -  und  Hochmoor  unterscheiden.  Doch  wird 
man  zweckmäßig,  um  einer  Verarmung  an  Detail  vorzu¬ 
beugen,  jede  Moorart  in  „lebend“  und  „tot“  unterteilen. 


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190 


Anstelle  der  bisherigen  Dreiteilung  träte  dann  folgende 


Viergliederung: 

Lebendes  Flachmoor 
(bisher  „Flachmoor“) 
Totes  Flachmoor 

(bisher  „Zwischenmoor 
wald“) 


Lebendes  Hochmoor 
(bisher  ebenso) 

Totes  Hochmoor 
(bisher  ebenso  oder  Heide 
moor) 


Diese  Gliederung  hat  den  Vorteil  der  Einheitlichkeit 
für  sich  und  den  Nachteil,  daß  kultivierte  Moore  (ins¬ 
besondere  künstliche  Flach*  und  „Zwischenraoor“- Wiesen) 
schwer  einzuordnen  sind.  Da  aber  nicht  der  Pflanzen¬ 
bestand,  sondern  das  Gestein  Gegenstand  der  geologischen 
Betrachtung  und  Einordnung  ist,  bzw.  aucli  in  der  Moor¬ 
geologie  sein  sollte,  fällt  dieser  Nachteil  fort,  und  die 
Pflanzendecke  sinkt  zur  Stellung  eines,  wenn  auch  will¬ 
kommenen,  so  doch  entbehrlichen  Indikators  hinab. 

Ein  weiterer  Vorteil  ist  der,  daß  die  inkonsequente  Be¬ 
zeichnung  toter,  verheideter  Hochmoore  (mit  „Zwischenmoor¬ 
flora!“1)  als  „Zwischenmoore“,  —  die  hier  und  da  vor¬ 
kommt  —  der  genetisch  richtigeren  Bezeichnung  Platz 
macht. 

Auch  der  mehr  gefühlsmäßige  Einwand,  daß  das 
Zwischenmoor  mit  seinen  schönen,  urwüchsigen  Mischbe¬ 
ständen  durch  die  vorgeschlagene  Nomenklatur  verschwände, 
entkräftet  sich  dadurch,  daß  ja  an  die  Stelle  des  „Zwischen¬ 
moores“  nur  eine  andere,  mindestens  ebenso  lebensvolle, 
aber  schärfer  umrissene  und  genetisch  eindeutige  Bezeich 
nung  tritt. 

Auch  für  die  Kartendarsteilung,  die  sich  aus  dem 
Gesagten  von  selbst  ergibt,  bedeutet  die  neue  Auffassung 
nur  einen  Vorteil.  Die  geologische  Karte  wird  nicht  ärmer, 
sondern  im  Gegenteil  reicher  an  Inhalt: 

An  die  Stelle  der  einen  Zwischenmoorsignatur  tritt 
je  eine  des  toten  Flachmoores  und  des  toten  Hochmoores. 
Lebendes  und  Totes  Moor  sind  am  besten  durch  verschie¬ 
dene  Tiefe  des  gleichen  Farbtones  bzw.  durch  Art  oder  Farbe 
der  Signatur  zu  unterscheiden.  Außerdem  könnten  —  ohne 
Gefährdung  der  Übersichtlichkeit  —  Buchstabeneinschrei¬ 
bungen  die  Art  d  es  Pflanzenbestandes  (. .  eta)  angeben 
und  so  die  pflanzenökologische  mit  der  geologischen  Dar¬ 
stellung  vereinigen,  soweit  es  im  Interesse  der  Karte  liegt 


>)  Vgl.  a.  a.  O. 


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191 


(z.  B.  zur  feineren  Unterscheidung  der  obersten  Torf 
schichten,  für  Kultivierungszwecke  usw.) 

X>ie  Grenze  zwischen  Hoch-  und  Flachmoor  wird  man 
zweckmäßig  da  ziehen,  wo  die  Hauptpflanze  des  Hochmoores 
beginnt,  ihren  Einfluß  merklich  geltend  zu  machen,  sie 
also  zeitlich  wie  räumlich  in  den  Wald  des  toten  Flach¬ 
moores  legen,  in  dem  Hochmoorsphagneen  eine  nennens¬ 
werte  Holle  spielen  bzw.  zu  spielen  beginnen. 

Mit  der  vorgeschlagenen  Mooreinteilung  löst  sich  eine 
gewisse  Schwierigkeit,  die  allerdings  außerhalb  der  eigent¬ 
lichen  Moorgeologie  liegt  und  auf  deren  Lösung  in  unserem 
Sinne  Gothan  schon  andeutungsweise  hin  weist2): 

Öothan  hat  nachgewiesen,  daß  ein  Teil  der  deutschen 
Braunkohlenlager  (Lausitz,  Niederrhein  u.  a.)  in  einer 
Weise  entstanden  ist,  die  in  der  gegenwärtigen  Moorbildung 
keine  Parallele  hat.  Er  sagt  a.  a.  0.,  „daß  man  die  heutige 
Moorbildung  unserer  Gegenden  nur  sehr  bedingt  mit  de«n 
Braunkohlenablagerungen  vergleichen  darf,  daß  ein  solcher 
Versuch  vielmehr  in  vieler  Beziehung  bei  aller  prinzipiellen 
Wichtigkeit  in  Einzeiiheiten  im  Stich  läßt“. 

Während  man  bisher,  dem  Vorgang  H.  Potoniäs  folgend, 
Braunkohlen  unterschiedslos  als  Waldmoorbildungen  auf¬ 
gefaßt  hat,  muß  man  sie  jetzt  z.  T.  vielmehr  gleichsam 
als  „Bildungen  toter  Flachmoore“  bezeichnen,  die  sich  in 
Gebieten  periodischer  Senkungen  zu  einer  heute  nirgends 
mehr  beobachteten  Mächtigkeit  anhäuften.  Der  Wechsel 
von  Stillstand  und  Senkung,  steigendem  Grund wasser  und 
langandauernder  oberflächlicher  Trockenheit,  von  Wasser- 
durchtränkung  und  intensiver  Einwirkung  der  Atmosphä¬ 
rilien  sind  im  Grunde  genommen  nichts,  als  eine  ins  Große 
übertragene  und  ununterbrochen  wiederholte  Anhäufung  von 
Rohhumus  des  Toten  Flaehmoores,  abgewandelt  durch  die 
Polgewirkungen  der  Senkungen. 

*)  Gothan:  Zuletzt  im  Braunkohlenhaudbuch,  3.  Aufl.,  Halle 
und  in  .Braunkohle“  1923,  Nr.  4. 


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192 


Neue  Nautilus-Schnäbel  aus  dem  Dogger 
und  Malm  Schwabens. 

Von  Herrn  A.  Moos  in  Durlach. 

(Mit  2  Textfiguren.) 

Funde  von  Rkyneholithen,  fossilen  Cephalopoden- 
gebissen,  gehören  im  deutschen  Jura  zu  großen  Selten¬ 
heiten.  Neuerdings  hat  Rüger  einige  Formen  aus  dem 
Lias  und  Dogger  Süddeutschlands  beschrieben1).  Hier  sollen 
nun  neue  Rhyncholithen  aus  dem  Dogger  und  Malm 
Schwabens  geschildert  werden. 


I.  Nautilus  ( Rhyncholithes  ferreus  nov.  sp.). 

Dieser  noch  unbeschriebene  Rhyncholith,  der  sich  schon 
seit  langer  Zeit  in  der  Sammlung  des  geol.-paläont.  Institut* 
der  Universität  Tübingen2)  befindet,  stammt  nach  der  Eti¬ 
kette  aus  dem  oberen  braunen  Jura  von  Wasseralfingen 
Da  braun  Jura  C  in  der  dortigen  Gegend  sehr  schwach  und 
fossilarm  entwickelt  ist,  kann  als  Fundschicht  wmhl  nur 
der  braune  Jura  e  in  Betracht  kommen.  Die  Maßzahlen. 
Verhältniswerte  und  Winkelgrößen  des  stattlichen  Schnabels 
zeigt  folgende  Liste  nach  der  grundlegenden  Terminologie 
Tills8),  wobei  gleich  die  Werte  für  die  nachher  zu  be¬ 
sprechenden  Malmformen  beigefügt  werden  (s.  Fig.  1 ) 


von  3er  «Seite 


von  oben 

Fig.  1. 


von  unfen 


*)  L.  Rüger,  Die  Rhyncholithen  des  deutschen  Lias.  Jahre* 
her.  u.  Mitteil.  d.  Oberrhein.  Geol.  Ver.  N.  Folge,  Bd.  X.  1921. 
S.  37—46. 

2)  Für  die  Überlassung  des  Stückes  zur  Beschreibung  sage  ich 
Herrn  Professor  Hbnnio  meinen  herzlichsten  Dank. 

*)  Till.  Jahrbuch  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt.  1906,  1907. 
1908  und  1909. 


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—  193  - 


Nautilus  sp.  Nautilus  sp.  Nautilus  sp 

(RhynchoL  ferreus  nov.  (Rhynch.  Lochensis  (Rhynch. Lochensis  Till) 
sp.)  Wasseralfingen  Till)  von  der  Lochen  von  Sontheim  a.  Br. 


I 

II 

I 

II 

L 

30,7 

8.8 

6,5 

6,7 

7,0 

1, 

25,2 

6,6 

5,0 

4,6 

5.5 

a 

24,3 

5,6 

4,5 

4,1 

5,0 

s 

17,8 

5,3 

4,0 

3,7 

5,0 

bi 

20,0 

6.1 

4,8 

4.1 

5,5 

>2 

15,0 

5,0 

3,0 

3,4 

3,6 

h, 

11,2 

3,7 

2,0 

2-3  • 

2,9 

h 

14,2 

3.7 

2,7 

2,8 

3,2 

a'S 

13,5 

1,05 

1,12 

Ul 

1,0 

BL 

0,65 

0,69 

0,74 

0,61 

0,79 

H/B 

0,71 

0,61 

0,57 

0,68 

0,58 

V4 

1,68 

1,22 

1,66 

1,35 

1,53 

hj  /bn 

1,78 

1,65 

800 

2,40 

1,78 

1,*9 

<£  a 

670 

800 

74° 

800 

<* 

1010 

1200 

1200 

1280 

110® 

Es  handelt  sich  um  einen  typischen  Nautilusschnabei 
im  Sinne  von  Till.  Der  Rhyncholith  ist  ausgezeichnet 
erhalten,  nur  am  rechten  Rand  des  Schaftes  ist  die  Kante 
etwas  abgesplittert.  Der  Schnabel  ist  in  eine  lichtbraune 
Kalkmasse  versteinert.  Auf  dieser  Masse  sitzen,  besonders 
auf  dem  Schaft,  Brauneisenkrusten,  weiche  dort  die  feine 
Oberflächenzeichnung  vernichtet  haben.  Auf  der  Kapuze 
ist  dagegen  eine  den  Seitenkanten  8  parallele  Anwachs¬ 
streifung  deutlich  sichtbar.  Der  kräftige  Schnabel  gehört 
zu  den  großen  Rhyncholithen.  Die  Größe  des  Schnabels  des 
rezenten  Nautilus  Pompilius  übertrifft  er  ums  Doppelte; 
hinter  den  größten  Typen  Nautilus  ( Rhyncholithes  gigan- 
teus  d’Orb.)  und  Nautilus  (Rhyncholithes  Lineatus  Till) 
bleibt  er  um  etwa  7s  zurück.  Die  Form  der  Kapuzen¬ 
oberfläche  ist  rhombisch,  da  die  Seitenkanten  von  der 
Größe  der  Hinterkanten  sind.  Die  Dorsalkante  ist  scharf 
ausgebildet,  kräftig  gekrümmt  und  läuft  in  eine  beinahe 
hakenförmige  Spitze  aus.  Die  Flanken  fallen  ziemlich  flach 
von  der  Dorsalkante  ab.  Die  Seitenkanten  der  Kapuze 
sind  gleichfalls  stark  gekrümmt  und  als  scharfe  Schneiden 
ausgebildet.  Auch  die  Hinterränder  sind  scharf  entwickelt 
und  setzen  so  die  Kapuze  gegen  den  Schaft  deutlich  ab.  Der 
Schaft  ist  verhältnismäßig  lang.  Seine  Profillinie  fällt  von 
der  Naht  langsam  und  schwach  konkav  gekrümmt  gegen 
das  Hinte rende  ab.  Von  den  Haftlinien  ist  infolge  der 
Brauneisen  Überkrustung  kaum  etwas  zu  bemerken.  Die 
Unterseite  wird  von  der  Spitze  an  bis  zum  hinteren  Viertel 
von  dem  20  mm  langen,  schwach  aufgewölbten  Kauwulst 

13 


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194 


durchzogen,  der  an  der  Spitze  am  schärfsten  und  in  der 
Mitte  am  breitesten,  nämlich  5  mm  breit,  ausgebildet  ist 
und  sich  bis  0,7  mm  über  die  Grundfläche  erhebt.  Be¬ 
merkenswert  sind  besonders  zwei  flache,  grubenartige  Ver¬ 
tiefungen  links  und  rechts  des  vorderen  Drittels  des  Kau¬ 
wulstes,  zwischen  diesem  und  den  Schneiden  der  Seiten¬ 
kanten.  Im  Vergleich  zu  dem  Kauwulst  des  Nautilus  (Rhyn¬ 
cholithes  Romani  Rüge«)  ist  der  Kauwulst  flach  und  wenig 
scharf  von  der  Grundfläche  abgesetzt.  Das  letzte  Viertel 
der  Unterseite  ist  wie  bei  allen  Nautilusschnäbeln  aus- 
gehöhit  und  gegen  den  Schaft  zu  nach  oben  aufgebogen.  Die 
Absplitterung  der  Kante  am  Rande  des  Schaftes  läßt  den 
inneren  Aufbau  desselben  erkennen.  Er  besteht  aus  einer 
ganz  dünnen,  kompakten  schwarzen  Außenschicht  und 
einer  aus  zur  Oberfläche  senkrecht  gestellten  Kalkspat¬ 
prismen  zusammengesetzten  Innenschicht,  innerhalb  welcher 
sich  mehrere  parallele  Anwachslagen  erkennen  lassen.  Da, 
wo  die  Innenschicht  der  Oberseite  des  Schaftes  mit  der¬ 
jenigen  der  Unterseite  zusammenstößt,  läuft  eine  deutliche 
Trennungsfuge  durch. 

Was  die  Beziehungen  zu  ähnlichen  Formen  anbelangt, 
so  unterscheidet  sich  Nautilus  (Rhyncholithes  ferreus  nov.  sp.) 
von  Nautilus  (Rhyncholithes  Bathoniensis  Till)  (Till  1907, 
S.  541)  durch  den  längeren  und  weniger  steil  abfallenden 
Schaft,  von  Nautilus  (Rhyncholithes  lineatus  Till)  (Till  1907 
S.  541)  durch  den  schmäleren  Schaft  und  die  stärkere 
Skulptur  der  Unterseite,  von  Nautilus  (Rhyncholithes  tubc- 
rorns  Rüger)  (Rüger  1.  c.  S.  45)  durch  die  viel  ein¬ 
fachere  Skulptur  der  Unterseite.  Am  meisten  Ähnlichkeit 
scheint  mit  Nautilus  (Rhyncholithes  ignotus  Till)  (Till 
1907,  S.  541)  vorhanden  zu  sein.  Aber  da  von  diesem  Rhyn 
cholithes  ignotus  Till  weder  Fundort  noch  Fundschicht 
bekannt  ist,  halte  ich,  zumal  da  die  absolute  Größe  auch 
abweichend  ist,  eine  Vereinigung  nicht  für  zweckmäßig, 
benenne  vielmehr  die  Art  nach  der  Eisenüberkrustung  de- 
vorliegenden  Stückes,  die  auf  eine  Herkunft  aus  eisen- 
reichen  Schichten  des  Bfaun  Jura  e  deutet,  Nautilus  (Rhyn 
cholithes  ferreus  nov.  sp.).  Nach  den  Maßverhältnissen 
fällt  die  neue  Art  in  den  Bereich  der  Mischgruppe  zwischen 
den  Curvati  und  Recti  Formen  Tills,  wozu  auch  der  rezente 
Nautilus  gehört. 

II.  Nautilus  (Rhyncholithes  Lochensis  Till). 

Neuerdings  fand  Herr  Lehrer  Wagner  in  Brenz  zwei 
Exemplare  eines  kleinen  Nautilussehnabels  in  den  fossil- 


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195 


reichen  Flaserkalken  des  weiß  Jura  s  zwischen  Sontheim 
und  Niederstotzingen  an  der  Eisenbahnlinie  Ulm — Heiden¬ 
heim.  Der  erstgefundene  der  beiden  Schnäbel  wurde  zuerst 
von  Herrn  Dr.  W.  0.  Dietrich  in  Berlin  als  Rhyncholith 
erkannt.  Herrn  Lehrer  Wagner  bin  ich  für  die  Über¬ 
lassung  der  beiden  Stücke  zur  Beschreibung  zu  großem 
Dank  verbunden,  ferner  Herrn  Direktor  Professor  Dr.  M. 
Schmidt  von  der  Naturaliensammlung  in  Stuttgart  für  die 
Überlassung  von  Vergleichsmaterial. 

Aus  dem  schwäbischen  weißen  Jura  sind  bis  jetzt  drei 
Exemplare  von  Rhyncholithen  bekannt  geworden,  die  sich 
in  der  Naturaliensammlung  in  Stuttgart  befinden.  Eine 
große  Form  Nautilus  ( Rhyncholithes  integer  0.  Fraas) 
aus  dem  weißen  Jura  y  von  Hossingen  an  der  Lochen4) 
und  zwei  Exemplaren  einer  kleinen  Form  Nautilus  ( Rhyn - 
cholithes  Lochensis  Till)5)  aus  dem  Malm  «  der 
Lochen. 

Die  neuen  Funde  von  Sontheim,  beide  aus¬ 
gezeichnet  erhalten,  gleichen  dem  Nautilus  ( Rhyn - 
cholithes  Lochensis  Till)  in  hohem  Maße.  Dies  er¬ 
hellt  sofort  durch  den  Vergleich  der  Maßzahlen  und  Ver¬ 
hältniswerte  der  vier  Exemplare  in  der  oben  gebrachten 
Liste.  Diese  Liste,  ebenso  wie  beifolgende  Abbildung  II), 
verglichen  mit  der  TiLLSchen  Abbildung  des  Rhyn cholithes 
Lochensis  (Till  1908  T.  XIX,  Fig.  25)  zeigt,  daß  ein 
wesentlicher  Unterschied  zwischen  den  Formen  aus  dem 


unteren  und  denjenigen  aus  dem  oberen  Malm  nicht  vor¬ 
handen  ist.  Die  Beschreibung  des  Rhyncholith  es  Lochensis 
bei  Till  paßt  wörtlich  auch  auf  die  Sontheimer  Exemplare. 
Diese  gehören  demnach  zweifellos  zu  den  eigentlichen  Nau¬ 
tilusschnäbeln,  und  zwar  zu  der  Gruppe  der  Recti  im  Sinne 
von  Till.  Es  ist,  nur  die  Frage,  ob  eine  artliche  Trennung 
von  Rhyncholithes  Lochensis  Till  angebracht  ist.  Nun 


4)  Jahresh.  d.  Vereins  f.  vaterl.  Naturk.  in  Württ.  1859.  S.127. 

5)  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt,  1908.  S.  583. 

13* 


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196 


gleicht,  wie  obige  Tabelle  zeigt,  das  Exemplar  II  von 
der  Lochen  dem  Exemplar  I  von  Sontheim  in  den  Maß- 
und  Verhältniszahlen  in  höherem  Grade  als  dem  Exem¬ 
plar  I  von  der  Lochen,  mit  dem  es  doch  von  Till  ohne 
Bedenken  in  eine  Art  vereinigt  wurde.  Bas  zweite  hier  ab¬ 
gebildete  Exemplar  von  Sontheim  unterscheidet  sich  von  dem 
andern  Sontheimer  und  den  beiden  Exemplaren  von  der 
Lochen  dadurch,  daß  die  Kapuze  verhältnismäßig  breit  und 
deutlich  vom  Schaft  abgesetzt  ist,  doch  scheint  dies  eher  ein 
individuelles  als  ein  generisches  Merkmal  zu  sein.  Die  Auf¬ 
stellung  einer  besonderen  Art  ist  vom  morphologischen 
Standpunkt  für  die  Sontheimer  Stücke  nicht  gerechtfertigt. 

Eher  könnte  man  geneigt  sein,  aus  stratigraphischen 
Gründen  die  Formen  aus  dem  oberen  Malm  einer  anderen 
Art  zuzuweisen.  Daß  die  vorliegenden  Rhvneholithen  zu 
keiner  anderen  Oephalopodengruppe  gehören  können  als 
zu  den  Nautilen,  wird  weiter  unten  noch  auseinandergesetzi 
werden.  Nun  scheinen  die  Nautilusarten  deä  weißen  Jura 
nach  der  unvollendeten  Monographie  von  Lösoh’s6)  eine  stra¬ 
tigraphisch  eng  begrenzte  Lebensdauer  zu  haben,  so  daß 
nicht  zu  erwarten  wäre,  eine  Nautilusart  des  weiß  Jura  * 
noch  an  der  Obergrenze  des  weiß  Jura  e  zu  treffen.  Ver¬ 
mutlich  aber  ging  von  Lösch,  der  „sich  in  jahrelanger 
Beschäftigung  mit  der  Materie  ein  subtiles  Unterscheidungs- 
Vermögen  angeeignet  hatte“,  in  der  Artentrennung  zu  weit. 
Wahrscheinlich  gehören  die  Rhvneholithen  von  Sontheim  zu 
der  häufigsten  Nautilusart  im  oberen  Malm,  zu  Nautilus 
Iranconicus  Opp,  von  dem  auch  Herr  Lehrer  Wagner  einen 
hübschen  Steinkern  aus  dem  weiß  Jura  C  der  Sontheimer 
Umgebung  besitzt.  Ganz  ähnliche  Nautilusformen  mit  stark 
gekrümmter  Sutur  kommen  schon  im  weiß  Jura  a  und  } 
der  Lochen  vor,  so  daß  E.  Fischek7)  kein  Bedenken  trug, 
sie  zu  Nautilus  Iranconicus  Opp.  zu  stellen.  Also  gehören 
auch  die  Schnäbel  von  der  Lochen  wahrscheinlich  zu  dieser 
Nautilusart.  Die  unmittelbare  Vereinigung  der  Schnäbel 
mit  Nautilus  Iranconicus  Opp.,  könnte  aber  erst  nach  einem 
beweisenden  gemeinsamen  Fund  von  Schale  und  Schnabel 
vorgenommen  werden.  So  sind  die  neuen  Sontheimer  Stücke 
einstweilen  als  Nautilus  ( Rhyncholithes  Lochensis  Till) 
zu  bestimmen. 


6)  von  Lösch.  Die  Nautilen  des  weißen  Jura.  Paläon togr&phica. 
Bd.6i.  S.  57  bis  145. 

7)  E.  Fischeu.  Geol.  u.  pal.  Abhandl.  Herausgegeben  von 
E.  Koken.  Neue  Folge,  Bd.  XI,  Heft  4.  Jena  1913.  S.  36  und  41. 


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197 


Die  beschriebenen  Rhyncholithen  gehören  zu  den  „Nau- 
tiiusschnäbeln“  im  Sinne  von  Till.  Daß  die  Nautilus¬ 
schnäbel  zu  Nautilusschalen  gehören,  ist  bei  der  durchaus 
identischen  Organisation  der  Nautilusschnäbel  mit  dem 
Schnabel  des  rezenten  Nautilus  überaus  wahrscheinlich. 
Neuerdings  hat  nun  Rüger  hiegegen  Einwendungen  ge¬ 
macht8).  Rüger  beruft  sich  hierbei9)  auf  Till,  der  beson¬ 
ders  betonen  würde10),  daß  die  vielen  Rhyncholithenarten 
vom  Nautilustypus  nicht  ihr  zahlenmäßiges  Verhältnis  zu 
den  Schalenresten  der  verschiedenen  Nautilusarten  finden 
würden.  Doch  führt  an  der  angegebenen  Stelle  Till  etwas 
anderes  aus,  nämlich  daß  nach  der  Häufigkeit  der  Funde 
unmöglich  alle  Rhyncholithen,  also  die  vom  „Nautilus  — “ 
und  die  vom  „Nichtnautilusty p“,  wie  noch  Zittel 
1884  im  Handbuch  der  Paläontologie  angenommen  hatte, 
Nautiliden  zugeschrieben  werden  könnten,  daß  vielmehr 
die  „Nichtnautilusschnäbel"  wahrscheinlich  zu  andern  Ce- 
phalopoden  gehören.  Daß  die  Schnäbel  vom  Nautilustyp 
zu  Nautilusschalen  gehören,  daran  hat  Till  durchaus  nicht 
gezweifelt,  betont  es  vielmehr  an  verschiedenen  Stellen 
nachdrücklich:  So  1907  a.  a.  O.  S.  538  „die  vom  rezenten 
Nautilusschnabel  in  nichts  Wesentlichem  verschiedenen 
Schnäbel  dürfen  und  müssen  also  in  den  Fossillisten  auch 
unter  der  Gattung  Nautilus  angeführt  werden“,  und  1907 
a.  a.  O.  S.  655  „Zahlreiche  Rhyncholithen  dürfen  mit 
Bestimmtheit  als  echte  Nautilusschnäbel  gefaßt  werden: 

1.  weil  sie  wiederholt  in  Verbindung  mit  Nautilusschalen 
gefunden  wurden; 

2.  weil  sie  dem  rezenten  Nautilusschnabel  in  allen 
wesentlichen  Merkmalen  gleichen.“ 

Die  Berufung  Rügers  auf  Till  kann  also  nicht  an¬ 
erkannt  werden,  und  so  sind  noch  die  eigenen  Argu¬ 
mente  Rügers  ins  Auge  zu  fassen.  Rüger  führt  aus, 
daß  man  eine  Reihe  von  Horizonten  mit  zahlreichen  Nau¬ 
tiliden  kenne,  aus  welchen  kein  einziger  „Nautilusschnabel“ 
bekannt  sei,  umgekehrt  solche  „Nautilusschnäbcl“  aus 
Schichten  ohne  Nautiliden.  Der  erste  Teil  der  Behauptung 
ist  richtig.  Dies  kann  auf  folgenden  Ursachen  beruhen: 

1.  Schon  Till  und  auch  Rüger  erwogen  die  Möglich¬ 
keit,  daß  die  Schnäbel  nach  dem  Tode  der  Tiere  aus- 


*)  A.  a.  0.  S.  43. 

9)  A.  a.  O.  S.  43. 

i°)  A.  a.  O.  1906,  S.  135. 


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-  198  — 

faulten  und  zu  Boden  fielen,  während  die  Schalen  noch 
weiter  gedriftet  und  getrennt  von  den  Schnäbeln  vom  Sedi¬ 
ment  eingehüllt  wurden.  Daß  bisher  noch  keine  Schichten 
mit  zahlreichen  Nautilusschnäbeln  nachgewiesen  wurden  und 
daß  in  den  unter  ganz  besonderen  Bedingungen  entstandenen 
alpinen  Aptychenschichten  keine  Nautilusschnäbel  gefunden 
wurden.  l>eweist  gegen  diese  Möglichkeit  meines  Erachtens 
nichts. 

2.  Es  ist  vorerst  noch  mit  Rüger  in  Betracht  zu  ziehen, 
daß  vielleicht  auch  ein  Teil  der  mesozoischen  Nautiliden 
keine  erhaltungsfähigen  Kiefer  besaß. 

3.  Der  Hauptgrund,  weshalb  man  noch  so  wenige  Nau¬ 
tilusschnäbel  kennt,  ist  sicherlich  der,  daß  diese  beim 
Sammeln  bisher  nicht  genügend  beachtet  wurden.  Darauf 
weist  z.  B.  der  Umstand,  daß,  nachdem  der  erste  Schnabel 
aus  dem  Sontheimer  Steinbruch  als  solcher  erkannt  wor¬ 
den  war,  aus  demselben  Steinbruch  alsbald  ein  Duplikat 
gezogen  werden  konnte.  Aus  dem  kleinen  Juragebiet  der 
Kraichgausenke  wurden  schon  zwei  Rhyncholithen  bekannt. 
Dies  läßt  vermuten,  daß  in  den  weiten  Juratafeln 
Schwabens  und  Frankens  noch  viel  mehr  stecken. 

Der  zweite  Teil  der  RüGEßSchen  Behauptung  dagegen, 
daß  man  Nautilusschnäbei  aus  Schichten  ohne  Nautiliden 
kenne,  ist  unzureichend  begründet.  Rüger  hebt  einmal 
mit  Roman  und  Quenstedt  hervor,  daß  der  Nautilus 
( Rhyncholithes  Romani  Rüger)  sich  in  der  Pentacriniten- 
bank  des  Lias  a  gefunden  habe,  während  der  Nautilus 
striatus  Sow.  sich  einige  Horizonte  tiefer  befinde.  Doch 
dürfte  der  Nachweis,  daß  in  der  Pentacrinitenbank  noch 
keine  Nautilusschale  gefunden  wurde,  nicht  zu  führen 
sein,  da  die  bisherigen  Aufsammlungen  für  gewöhnlich 
nicht  nach  Unterabteilungen  der  QüENSTEDTSchen  Buch¬ 
staben  gesondert  wurden.  Daß  sich  der  Nautilus  (Rhyn¬ 
cholithes  elegans  Rüger)  bei  Maisch  dicht  über  der  Bank  mit 
Arietiles  Bucklamti  Sowr.  vorfand,  an  deren  Basis  Nautilus 
striatus  Sow.,  vorkommt  geht  aus  der  Schilderung 
Rügers11)  selbst  hervor.  So  ziemlich  üterall,  w^o  Nautilus- 
schnäbel  gefunden  wurden,  sind  auch  Schalen  bekannt 
geworden.  So  fehlen  Nautilussehalen  z.  B.  weder  dem  braunen 
Jura  Y/b,  worin  der  Nautilus  ( Rhyncholithes  tuberosus  Rügeb) 
nachgewiesen  w  urde,  noch  dem  braunen  Jura  e,  woher  der 
hier  beschriebene  Nautilus  {Rhyncholithes  ferreus  n.  sp ) 


n)  A.  a.  O.  S.  42. 


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199 


stammt,  noch  dem  weiß  Jura  <x  der  Lochen,  noch  dem 
oberen  Malm  von  Sontheim  an  der  Brenz.  d’Obbignt 
hat  ja  schon  seinerzeit  aus  dem  Zusammenvor¬ 
kommen  von  Bhyncholithcs  Ibieatus  und  giganteus  mit  den 
betreffenden  Nautilusschalen  die  Zusammengehörigkeit  der 
Reste  gefolgert.  Ganz  zu  schweigen  von  den  Muschelkalk- 
Rliyneholithen,  deren  Zugehörigkeit  zu  Nautilus  bidorsatus 
auch  Rüg  ei:  zugibt. 

Spricht  so  das  stratigraphische  Vorkommen  durchaus 
nicht  gegen  die  Zusammengehörigkeit  von  Nautilusschnäbeln 
und  Nautilusschalen,  so  wird  diese  Zugehörigkeit  durch 
die  morphologische  Betrachtung  zur  Sicherheit  erhoben. 
Die  Nautilusschnäbel  sind  so  eigenartige  und  komplizierte 
Organe,  daß  es  allem,  was  wir  von  organischer  Ent¬ 
wicklung  wissen,  widersprechen  würde,  wenn  diese  Ge¬ 
bilde  bei  verschiedenen  Tiergruppen  in  genau  derselben 
Ausprägung  entstanden  wären.  Dies  würde  einen  unver¬ 
einbaren  Gegensatz  zu  der  originalen  Mannigfaltigkeit  der 
Natur  bedeuten,  welche  neuerdings  Dacqu6  in  seiner  ver¬ 
gleichenden  biologischen  Formenkunde  der  fossilen  niederen 
Tiere  mit  Recht  hervorhob. 

Es  muß  also  unbedingt  daran  festgehalten  werden,  daß 
die  hier  beschriebenen  Nautilusschnäbel,  wie  sämtliche 
..Nautilusschnäbel“  im  Sinne  von  Till  zu  Nautilusschalen 
gehören.  Mögen  diese  Zeilen  dazu  beitragen,  die  Auf¬ 
merksamkeit  auf  die  merkwürdigen  und  interessanten  Ge¬ 
bilde  der  Rhyncholithen  zu  lenken,  damit  vielleicht  bald 
auch  auf  Grund  von  vermehrtem  Material  die  noch  völlig 
im  Dunkeln  schwebende  Frage  der  „Nichtnautilusschnäbel“ 
Tills  einer  Iiösung  näher  gebracht  werden  kannl 

[Manuskript  eingegangen  am  27.  Juli  1923.] 


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200 


Studien  zur  Geochemie  des  Inkohlungs¬ 
prozesses. 

Von  Herrn  W.  Petrascheck  und  Fräulein  Berta  Wilser1) 

in  Leoben. 

(Mit  5  Textfiguren.) 

Der  Prozeß  der  Inkohlung  erfolgt  in  zwei  Etappen.  Die 
erste  ist  im  wesentlichen  ein  biochemischer  Prozeß  und 
besteht  in  der  Vertorfung.  Das  Mikroskop  gibt  uns  darüber 
Auskunft,  wie  weit  die  Vertorfung  vor  der  Kohlenbildung 
vorgeschritten  war.  Der  Vertorfungsprozeß  selbst  kann  an 
den  Torflagern  studiert  werden.  Nach  der  Vertorfung,  die 
in  verschiedenen  Stadien  unterbrochen  werden  kann,  setzen 
geochemische  Prozesse  ein,  deren  Verlauf  wir  nur  aus 
Analogieschlüssen  beurteilen  können.  Die  geochemischen 
Prozesse  sind  aber  für  die  Qualität  der  Kohlen  von  größerer 
Wichtigkeit.  Daß  für  die  Inkohlung  der  Gebirgsdruck  von 
großer  Wichtigkeit  ist,  ist  schon  lange  bekannt.  Daß  aber 
der  Gebirgsdruck  der  allerwichtigste,  für  die  Qualität  ma߬ 
gebende  Faktor  ist,  haben  David  White2)  und  W.  Petba- 
scheck3)  in  neuerer  Zeit  an  amerikanischen  und  europäischen 
Kohlenlagern  erwiesen. 

Die  nachfolgenden  Untersuchungen  verfolgen  den  Zweck, 
die  Geochemie  des  Inkohlungsprozesses  weiter  aufzuklären. 
Zum  Teil  gehen  die  Untersuchungen  schon  ziemlich  lange 
zurück.  Sie  wurden  durch  den  Krieg  unterbrochen  und 
mußten,  da  die  Analysen  unvollständig  waren,  an  frischem 
Material  wiederholt  werden.  Leider  war  das  nach  dem 
Kriege  gesammelte  Material  kleiner  als  jenes,  das  vorher 
gesammelt  wTurde,  weil  die  politische  Neugestaltung  den 


*)  Bei  der  vorliegenden  Untersuchung  erfolgte  eine  Arbeits¬ 
teilung  in  der  Art,  daß  der  chemisch -analytische  Teil  der  Arbeit 
im  wesentlichen  von  dem  einen  (B.  W.)f  die  Anordnung  und 
Auswertung  der  Versuche  im  wesentlichen  von  dem  anderen 
(W.  P.)  von  uns  beiden  übernommen  wurde. 

“)  The  Origin  of  Coal,  Bureau  of  Mines  Washington  Bull  38. 
1913. 

3)  Kohlengeologie  der  österreichischen  Teilstaaten.  Berg-  u. 
Hüttenmänn.  Jahrbuch.  1922. 


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201 


früher  häufigen  Reisen  in  das  oberschlesische  Kohlenbecken 
ein  Ende  setzte. 

Einfluß  der  Tiefenlage  auf  die  Qualität  der  Kohlenflöze, 

(Primäre  Teufenunterschiede.) 

Weit  verbreitet  ist  in  Bergmannskreisen  die  Ansicht,  daß 
die  Kohlen  mit  der  Tiefe  besser  werden.  Diese  unklare 
Vorstellung  hängt  wohl  vor  allem  zusammen  mit  dem  Ein¬ 
fluß  der  Verwitterung  in  der  Nähe  der  Tagesoberfläche. 
Systematische  Untersuchungen  an  frischen  Kohlen  liegen 
nur  aus  einigen  belgischen  und  französischen  Steinkohlen¬ 
revieren  vor.  Sie  zeigen  eine  Abnahme  der  flüchtigen 
Bestandteile,  die  1%  und  auch  mehr  auf  100  m  betragen  kann. 
Erfolgversprechend  sind  derartige  Untersuchungen  nur  bei 
steil  liegenden  Flözen,  weil  sonst  auch  die  Möglichkeit  hori¬ 
zontaler  Qualitätsänderungen  in  Betracht  zu  ziehen  ist. 

Die  Untersuchungen  müsse«  sich  auf  die  Zusammen¬ 
setzung  der  Reinkohle  beschränken,  weil  der  Aschengehalt 
mit  der  Inkohlung  nichts  zu  tun  hat  und  nur  geeignet  wäre, 
die  Sachlage  zu  verdunkeln.  Aber  auch  der  Wassergehalt 
muß  aus  technischen  Gründen  wohl  meist  unberücksichtigt 
bleiben,  denn  ma«  wird  keine  Grube  finden,  die  in  vielen 
Hundert  Metern  Tiefe  baut  und  in  der  man  in  viel  ge¬ 
ringerer  Tiefe  Kohle  noch  mit  unverändertem  Wassergehalt 
antreffen  kann.  Bohrproben  scheiden  für  die  Beurteilung 
des  Wassergehalts  aus.  Aber  auch  verschiedene  Analysen 
verschiedener  Zeiten  sind  in  bezug  auf  die  Wassergehalte 
nicht  vergleichbar,  weil  der  Wassergehalt  allzusehr  von 
der  Probenahme  beeinflußt  wird. 

Daß  aber  ein  Einfluß  der  Tiefe  auf  die  Qualität  der 
Kohlen  vorhanden  ist,  zeigt  schon  die  bloße  Durchsicht  der 
Analysen  aus  älterer  und  neuerer  Zeit,  wenn  man  solche 
Gruben  berücksichtigt,  die  nur  ein  oder  ganz  wenige,  steil 
einfallende  Flöze  besitzen,  die  also  ziemlich  schnell  in  die 
Tiefe  gelangen.  Beispiele  aus  Schwackhöfebs  bekanntem 
Buch1),  die  durch  neuere  Analysen  ergänzt  wurden,  mögen 
dies  verdeutlichen.  Die  Änderung  in  der  Zusammensetzung 
der  Reinkohlen  kommt  am  sinnfälligsten  im  Sauerstoffgehalt 
zum  Ausdruck.  Es  braucht  nicht  eingewendet  zu  werden, 
daß  bei  der  üblichen  Elementaranalyse  der  Kohlen  der 
Sauerstoff  nur  als  Differenzbestimmung  erhalten  wird.  Die 

4)  Die  Kohlen  Österreich-Ungarns.  1.  bis  3.  Auflage. 


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202 


Elementaranalyse  der  Kohlen  ist  so  einfach,  daß  man  nicht 
wird  behaupten  können,  sie  sei  in  den  achtziger  Jahren 
des  vorigen  Jahrhunderts  ungenauer  ausgeführt  worden  als 
heute. 

Vergleicht  man  bei  solchen  Gruben,  die  rasch  in  die 
Tiefe  kommen,  die  in  den  verschiedenen  Auflagen  des 
ScHWACKHöFERschen  Buches  gesammelten  Analysen,  so  er¬ 
kennt  man,  daß  die  neueren  Analysen,  also  die  aus  größerer 
Tiefe  stammenden  Kohlen,  sich  durch  abnehmenden  Sauer- 
stoffgehalt  auszeichnen.  Zur  Kontrolle  beschafften  wir  uns 
Analysen  aus  den  tiefsten  Sohlen  von  heute.  Sie  bestätigten 
die  Erscheinung  weiter.  Der  Stickstoffgehalt  kann  dort, 
wo  er  nicht  separat  bestimmt  wurde,  als  konstant  ange¬ 
nommen  werden.  Er  kann  wegen  seiner  Kleinheit  das 
Resultat  nicht  beeinflussen. 

Einige  Beispiele  mögen  das  beleuchten. 

In  den  Rossitzer  Steinkohlengruben  (Fettkohle)  in 
Mähren  ergaben  die  Analysen  aus  den  Jahren  1880 — 85 
einen  O-Gehalt  von  7,89%,  im  Jahre  1922  (Muster  aus  der 
tiefsten  Sohle)  dagegen  nur  noch  etwa  1%  (0-4-N  =  2,17%. 
N  ist  etwa  1,2%).  Die  Gruben  sind  in  diesem  Zeitraum 
um  etwas  über  500  m  nachgeteuft  worden. 

Die  karbonische  Sinterkohle  in  Schatzlar  (Böhmen)  hatte 
1888  14,2%  O,  1902—09  nur  noch  10,84%  O.  Die  Gruben 
wurden  hier  in  der  Zwischenzeit  um  400  m  vertieft.  Die 
Zahlen  von  Schatzlar  sind  weniger  beweisend  als  jene 
von  Rossitz,  weil  mit  der  Tiefe  eine  neue  Flözgruppe  in 
Angriff  genommen  wurde  und  überhaupt  eine  größere  Zahl 
von  Flözen  in  Betracht  kommt;  die  Analysen  von  Rossitz 
dagegen  beziehen  sich  auf  drei  dicht  nebeneinander  liegende 
Flöze. 

Die  Steinkohle  (Flammkohle)  der  Oberkreide  (Gösau) 
von  Grünbach  (Niederösterreich)  wies  eine  Abnahme  um 
3,32%  O  auf  in  den  Jahren  zwischen  1888  und  1910.  Die 
Gruben  sind  hier*  um  etwa  200  m  vertieft  worden. 

Das  untermiocäne  Braunkohlenflöz  (Glanzkohle)  von 
Fohnsdorf  (Steiermark)  zeigt  eine  Sauerstoffabnahme  um 
4,13%  während  der  Abbaujahre  1888  bis  1924  (O  -4-  N  um 
etwa  3,9%).  Die  Gruben  wurden  dabei  um  500  m  vertieft» 

Es  ergibt  sich  also  bei  den  verschiedenen  Kohle  nquali- 
täten  mit  der  Tiefe  eine  Abnahme  an  Sauerstoff.  Die  Bei¬ 
spiele  könnten  noch  vermehrt  werden,  denn  ähnliches  zeigt 
die  Kohle  des  Brucher  Revieres  in  Böhmen  oder  die  Kohle 


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203 


der  Sofienzeche  im  Ostrauer  Reviere  u.  a.  m.  Man  kann 
also  sagen,  daß  auf  500  m  Tiefe  der  Sauerstoff* 
gehalt  der  Kohlen  um  3  bis  7<>/o  abnimmt  oder, 
da  der  Sauerstoff,  ähnlich  wie  die  Asche,  nur  ein  Ballast, 
in  der  Kohle  ist,  der  Heizwert  um  etwa  200  Kalorien  zu¬ 
nimmt.  Die  Verminderung  des  O-Gehaltes  bedingt  selbst¬ 
verständlich  eine  Zunahme  des  fixen  Kohlenstoffs  mit  der 
Tiefe.  Es  ist  ferner  nicht  zweifelhaft,  daß  der  Abnahme  an 
O  auch  eine  Abnahme  an  hygroskopischem  Wasser  ent¬ 
sprechen  wird.  Ihn  numerisch  zu  erfassen,  ist  aber  aus 
den  anfänglich  erwähnten  Gründen  nicht  möglich  gewesen. 
Würde  man  den  Wassergehalt  berücksichtigen,  so  ergäbe 
sich  ein  etwas  höherer  Wert  für  die  Qualitätsverbesserung 
der  Kohle  mit  der  Tiefe. 


Die  HILTsche  Regel  bei  mesozoischen  und  kftnozoischen 

Kohlen. 

In  den  verschiedensten  Steinkohlenrevieren  ist  fest¬ 
gestellt  worden,  daß  die  Menge  der  flüchtigen  Bestand¬ 
teile  in  der  Kohle  von  den  liegenderen  Flözen  zu  den 
hängenderen  gesetzmäßig  zunimmt.  Freilich  muß  betont 
werden,  daß  die  Gesetzmäßigkeit  oft  nur  im  großen  ganzen 
gilt  und  einzelne  Flöze  mitunter  beträchtliche  Ab¬ 
weichungen  zeigen.  Die  Regel  wurde  bisher  immer 
nur  in  Kohlenbecken  der  Karbonformation  geprüft. 
Sie  gilt  nicht  für  das  Waldenburger  Revier,  worauf  später 
eingegangen  werden  soll.  Es  schien  uns  von  Interesse,  die 
Frage  zu  prüfen,  ob  die  HiLTsche  Regel  auch  bei  jüngeren 
Kohlen  Gültigkeit  hat.  In  Frage  konnten  naturgemäß  nur 
solche  Kohlenreviere  kommen,  welche  eine  größere  Anzahl 
von  Flözen  besitzen. 

Für  die  folgenden  Untersuchungen  wurden  Schlitzproben 
verwendet,  welche  quer  über  die  Flöze  gelegt  wurden  und 
von  denen  dann  ganz  korrekt  Durchschnittsmuster  für  die 
Analyse  gezogen  wurden.  Die  Proben  kamen  in  dicht  ver¬ 
schlossenen  Blechbüchsen  an.  Wir  wollen  nicht  ver¬ 
absäumen,  auch  hier  den  betreffenden  Bergverwaltungen 
für  die  Bemühungen  im  Interesse  dieser  Untersuchungen 
unseren  Dank  auszusprechen. 

Selten  nur  ist  ein  Flöz  einheitlich.  Gewöhnlich  zeigt 
die  Kohle  stärker  und  weniger  stark  glänzende  Streifen. 


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204 


Es  ist  bekannt,  daß  die  matteren  Streifen  reicher  an  j 
flüchtigen  Bestandteilen  sind.  Von  noch  größerem  Einfluß  I 
ist  das  Auftreten  von  Faserkohle,  die  immer  viel  ärmer  | 
an  flüchtigen  Bestandteilen  ist  als  die  sie  umhüllende  Kohle 
Petrascheck  hat  einschlägige  Angaben  veröffentlicht  Es 
ist  klar,  daß  die  jeweilige  Menge  solcher  Kohlenarten  das 
Ergebnis  der  Analyse  stark  beeinflussen  und  die  Gültigkeit 
der  HiLTSchen  Begel  verschleiern  kann.  Es  wäre  richtiger,  | 
die  Kohle  in  Glanzkohle  und  Mattkohle  zu  separieren,  was  I 
mit  Hilfe  von  Flotationsverfahren  möglich  ist,  und  auch 
die  Faserkohle,  die  leicht  auszusondern  ist,  abzuscheiden  i 
und  diese  einzelnen  Kohlenarten  flözweise  zu  analysieren,  i 
Da  die  Faserkohle  von  größtem  Einfluß  ist,  beschränken  wir  ' 
uns  darauf,  ihre  Gegenwart  zu  kontrollieren.  In  keiner  der 
untersuchten  Kohlen  war  sie  in  solcher  Menge  vorhanden, 
daß  ein  nennenswerter  Einfluß  auf  das  Analysenresultat 
zu  befürchten  gewesen  wäre. 


Die  Kohlen  des  Fünfkirchener  Revieres 
in  Ungarn. 

Der  flözführende  Lias  von  Fünfkirchen  (Pecs)  ist  etwa 
400  m  mächtig  und  enthält  ungefähr  30  Flöze,  die  aber 
nicht  überall  bauwürdig  sind.  Mergel  und  Kalke  des  Lias, 
Dogger  und  Malm,  deren  Mächtigkeit  wir  auf  2000  m 
schätzen,  überlagern  die  Kohlenformation  konkordant.  Die 
Gegend  zeigt  Faltung  und  vorwiegenden  Schuppenbau. 
Vadasz  verlegt  die  Gebirgsbildung  in  die  Zeit  der  Unter¬ 
kreide. 

Herr  Bergrat  Dr.  Jicinsky  ließ  uns  die  Kohlenproben 
zugehen  und  auch  im  gewerkschaftlichen  Laboratorium  ana¬ 
lysieren.  Kontrollanalysen,  die  hier  angefertigt  wurden, 
zeigten  hinlängliche  Übereinstimmung.  Wir  führen  die  Unter¬ 
suchungsergebnisse  des  Laboratoriums  in  Pecs  an. 

Die  Proben  stammen  aus  drei  verschiedenen  Sohlen, 
deren  Niveauunterschied  im  ganzen  180  m  beträgt  Um 
auf  gleiche  Tiefe  reduziert  zu  werden,  müßte  der  fixe 
Kohlenstoff  bei  Flöz  2,  23  und  24  um  1  oder  2<>/o  erniedrigt 
werden.  Flöz  22  zeigt  etwas  Faserkohle,  so  daß  für  das¬ 
selbe  eine  etwas  zu  hohe  Zahl  erhalten  wurde. 

Die  Flöze  sind  vom  Liegenden  zum  Hangenden  nume¬ 
riert.  Die  Proben  entstammen  dem  Neu-Franz-Josef-Schacht. 


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205 


Flöz 

Wasser 

Asche 

% 

°/o 

2 

1,65 

19,20 

4 

1,49 

30,93 

6 

1,00 

23,06 

7 

1,57 

14,40 

13 

1,65 

34,30 

15 

1,52 

16,35 

16 

M4 

13,10 

20 

1,26 

13,58 

22 

1,14 

5,25 

23 

1,09 

8,63 

24 

0,97 

17,94 

32 

0,88 

12,32 

33 

0,78 

12,80 

VerkokungB- 

Fixer 

rückstand 

Kohlenstoff 

°/o 

°/o 

80,00 

76,83 

81,05 

74,17 

80,35 

76,44 

81,08 

79,36 

81,42 

73,57 

80,00 

77,50 

79,76 

77,74 

79,82 

77,80 

78,32 

78,66 

76,40 

75,07 

78,22 

74,35 

77,88 

75,54 

78,53 

76,07 

Zur  Verdeutlichung  sei  auf  das  Schaubild  (Fig.  1)  ver¬ 
wiesen,  bei  dem  als  Abszissen  die  wahren  Schichtenmächtig¬ 
keiten  genommen  wurden. 


Fig.  1.  Das  Brennstoffverhältnis  in  den  Liassteinkohlen 
von  Fünfkirchen. 


Die  Liassteinkohle  von  Beschitza  im  rumä¬ 
nischen  Banat. 

Die  flözführenden  Liasschichten  sind  200  bis  300  m 
mächtig  und  werden  von  Lias-  und  Juraschichteif,  die  gegen 
1000  m  dick  werden,  überlagert  Es  scheint  nach  den  An¬ 
gaben  der  Literatur  zu  vermuten,  jedoch  fraglich  zu  sein, 
ob  die  hängenderen  Juraschichten  eine  ganz  konkordante 
Schichtenfolge  darstellen.  Transgressionen  im  Dogger  sind 


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206 


vorhanden.  Die  intensive  Faltung  ist  unterkretazeisch,  wie 
aus  den  Feststellungen  von  Schafarzik6)  folgt 

Zur  Untersuchung  kamen  die  Kohlen  des  Kolowrat- 
schachtes  in  Anina.  Die  Kohle  ist  eine  Fettkohle.  Faser¬ 
kohle,  die  im  dortigen  Reviere  zeitweilig  reichlich  vor¬ 
kommt,  war  in  den  Analysenproben  in  nur  ganz  geringer 
Menge  nachweisbar. 

Die  Flöze  sind  in  der  Reihenfolge  vom  Hangenden  zum 
Liegenden  angeführt.  Die  Proben  stammen  aus  gleicher 
Tiefe.  (Fig.  2.) 


Fig.  2.  Das  Brennstoff  Verhältnis  in  den  Liassteiukohlen 
von  Reschitza. 


Flöz 

Wasser 

Asche 

Verkokungs¬ 

rückstand 

Fixer 

Kohlenstoff 

°/o 

°/o 

°/o 

% 

Hauptflöz  .  . 

.  1,51 

3,98 

70,59 

70,47 

Mittelflöz  .  . 

.  3,57 

6,96 

70,69 

75,03 

1.  Liegendflpz . 

2,40 

2,62 

72,17 

73,39 

2.  Liegendflöz . 

1,55 

8,97 

74,32 

73,04 

3.  Liegendflöz . 

3,44 

4,06 

67,07 

68,11 

5)  Jahresber.  k.  ungarische  geologische  Reichsanstalt,  1911. 
S.  154, 


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—  207  — 

Die  Kreidekohle  von  Grünbach  am  Schnee¬ 
berg  in  Niederösterreich. 

Die  Kohlen  liegen  in  den  senonen  Gosauschichten.  Die 
flözführende  Serie  ist  etwa  100  m  mächtig  und  wird  von 
hangenden  Kreideschichten  konkordant  überlagert,  die  eine 
Mächtigkeit  von  1500  m  erreichen  dürften.  Die  Kohle  ist 
eine  Flammkohle,  frei  von  Faserkohleneinschlüssen.  Die 
Proben  stammen  aus  gleicher  Tiefe.  Die  Flöze  sind  vom 
Hangenden  zum  Liegenden  numeriert.  (Fig.  3.) 


Fig.  3.  Das  Brennstoffverhältnis  in  den  Kreidesteinkohlen 
von  Grünbach. 


Flöz 

Wasser 

Asche 

% 

% 

I 

3,49 

9,34 

II 

4,00 

4,98 

IV 

3,69 

9,68 

V 

4,84 

4,17 

VI 

3,80 

5,68 

VII 

3,84 

5,08 

VIII 

4,24 

10,32 

Verkokungs¬ 

Fixer 

rückstand 

Kohlenstoff 

°/o 

0/ 

10 

56,15 

53,69 

55,63 

55,64 

54,59 

51,84 

54,27 

55,06 

55,20 

54,70 

54,22 

53,95 

57,17 

54,83 

Die  oligocäne  Molassesteinkohle 
des  Zsiltales  in  Siebenbürgen. 

In  der  oligocänen  Molasse  des  Zsiltales  liegen  z.  T.  sehr 
mächtige  Flöze  echter  Steinkohle.  Die  Molasse  bildet  eine 
tiefe  Faltenmulde  innerhalb  der  Karpathen.  An  den  Rändern 
findet  sich  steile  Aufrichtung  der  Schichten  und  Flöze,  aber 
auch  quer  zur  Längsachse  zeigt  die  Ablagerung  eine  deut-‘ 
liehe  Faltung.  Die  flözführende  Zone  wird  bis  zu  400  m 


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208 


mächtig  und  wird  von  700  m  mächtigen  flözleeren  Oligocän- 
schichten  überlagert.  Unter  dem  Einfluß  der  Faltung  jener 
mächtigen  Formation  ist  trotz  des  jungen  Alters  der 
Schichten  eine  echte  Steinkohle  entstanden,  deren  Qualität 
von  Ost  gegen  West  besser  wird. 

In  Lupeny  liegen  die  westlichsten,  derzeit  in  Betrieb 
befindlichen  Gruben.  Ihre  Kohle  wird  verkokt.  Der  Koks 
ist  als  Hüttenkoks  wegen  des  hohen  Schwefelgehalts  der 
Kohle  nicht  verwendbar.  Die  Kokerei  erfolgt  unter  Ge¬ 
winnung  der  Nebenprodukte,  wie  es  bei  der  Steinkohlen- 
kokerei  üblich  ist.  Die  Kohlen  der  etwas  östlicher  liegen¬ 
den  Grube  Vulkan  sintern. 

Die  Proben  sind  in  jeder  Grube  in  gleicher  Tiefe  ent¬ 
nommen  worden.  Faserkohle  ist  nirgends  vorhanden.  Die 
Flöze  sind  vom  Liegenden  zum  Hangenden  numeriert. 


Vulkan  (lufttrockene  Kohlen).  Fig.  4. 


Flöz 

Wasser 

Asche 

Verkokungs- 

rückstand 

Fixer 

Kohlenstoff 

°/o 

n/o 

°/o 

% 

XV 

2,45 

5,39 

55,20 

54,04 

XIII 

2,76 

5,32 

56,21 

55,36 

IX 

2,46 

4,80 

53,21 

52,19 

VIII 

2,63 

7,30 

54,41 

52,30 

VII 

2,74 

10,04 

56,91 

53,73 

V 

2,41 

5,40 

54,71 

53,48 

IV 

2,77 

7,53 

57,00 

55,15 

III 

2,90 

4,49 

57,88 

55.26 

Lupeny6). 

Fig.  6. 

Flöz 

W  asser 

Asche 

Verkokungs¬ 

rückstand 

Fixer 

Kohlenstoff 

°/o 

°/o 

°/o 

°/o 

VIII 

2,20 

10,83 

61,76 

58,56 

VII 

1,91 

10,70 

56,84 

52,79 

V 

2,18 

3,98 

59,58 

59,29 

III 

1,76 

7,93 

60,52 

58,23 

II 

1,24 

8,23 

59,78 

57,60 

I 

1,85 

8,30 

60,19 

57,75 

0 

1,86 

14,64 

63,32 

55,63 

Die  vorst ehe n den U ntersuchungen  zeigen, 
daß  für  keines  dieser  mesozoischen  und  käno- 
zoischen  Kohlenreviere  die  Gültigkeit  der 
Hi  lt  sehen  Regel  nachweisbar  ist. 


6)  Die  Gruben  Vulkan  und  Lupeny  haben  verschieden** 
Nummerierung  für  ihre  Flöze. 


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209 


Es  wurde  oben  schon  darauf  verwiesen,  daß  unter  den 
kar bomschen  Steinkohlenrevieren  jenes  von  Waldenburg  eine 
Ausnahme  bildet,  weil  auch  dort  das  Hii/rsche  Gesetz  nicht 
zutrifft.  Da  die  Möglichkeit  bestand,  daß  jene  Unregel¬ 
mäßigkeit  nur  für  das  engere  Waldenburger  Gebiet  gelten 


Fig.  4.  Das  Brennstoffverhältnis  der  Molassesteinkohle 
des  Zsiltales  (Vulkan). 


Fig.  5.  Das  Brennstoff  Verhältnis  der  Molassesteinkohle 
des  Zsiltales  (Lupeny). 

14 


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2/0 


könne,  ließen  wir  uns  auch  aus  anderen  Teilen  des  Kohlen¬ 
beckens  Analysenzusaramenstellungen  kommen,  die  von  den 
betreffenden  Bergbauunternehmungen  in  dankenswerter  Be¬ 
reitwilligkeit  geliefert  wurden.  Ohne  auf  die  Details  einzu¬ 
gehen,  sei  erwähnt,  daß  auch  für  die  Schatzlarer  Stein- 
kohlengruben  am  böhmischen  Muldenflügel  und  für  die  cons. 
Wenceslausgrube  im  Neuroder  Reviere  die  Hii/rsche  Regel 
nicht  zutrifft.  Dahingegen  ist  sie  bei  den  Flözen  der 
cons.  Rubengrube  in  Neurode  noch  erkennbar.  Die  Frage 
verdient  weitere  Untersuchung,  denn  es  wurde  oben  gleich¬ 
falls  schon  darauf  verwiesen,  daß  durch  flözweise  wechselnde 
Mengen  von  Glanzkohle,  Mattkohle  und  Faaerkohle  (Clarain. 
Durain  und  Fusain)  die  Gesetzmäßigkeit  einfach  verschleiert 
werden  kann. 

Wir  wollen  der  allgemeinen  Anschauung  folgend  an* 
nehmen,  daß  für  das  mittelsudetische  Steinkohlenbecken 
die  Hi  Lisch  e  Regel  nicht  gilt,  dann  fragt  es  sich,  was 
unterscheidet  dieses  Becken  ebenso  wie  die  erwähnten 
jüngeren  Steinkohlenreviere  von  den  großen  Karbonbecken, 
in  denen  die  Regel  gilt?  Ein  durchgreifender  Unterschied 
scheint  uns  in  dem  Zeitraum  zu  liegen,  der  zwischen  Ab¬ 
lagerung  der  Kohlenflöze  und  Zeitpunkt  der  darauf  folgen¬ 
den  Gebirgsbewegung  liegt. 

Die  Fiöze  der  großen  paralischen  Reviere  gehören  ins 
untere  und  mittlere  Oberkarbon.  Gefaltet  wurden  sie  im 
Perm.  Die  Saarkohle  ist  mitteloberkarbonisch,  ihre  Faltung 
oberrot  liegend. 

Dagegen  wurden  die  mittelsudetischen  Flöze  gleich  nach 
ihrer  Ablagerung,  d.  h.  noch  im  unteren  und  mittleren 
Oberkarbon  von  Gebirgsbildungen  ergriffen,  wie  die  Dis¬ 
kordanzen  zwischen  Waldenburger  und  Weissteiner  bzw. 
zwischen  Schatzlarer  und  Ottwreiler  Schichten  zeigen.  Der 
Lias  von  Fünfkirchen  wurde  in  der  Unterkreide,  jener  des 
Banat  gleichfalls  in  der  Unterkreide,  wenn  nicht  schon 
im  Jura  das  erste  Mal  gefaltet.  Die  senonen  Gosaukohlen 
wurden  im  Eocän,  die  oligocänen  Zsiltaler  Kohlen  im 
Miocän  gefaltet.  Berücksichtigt  man,  daß  die  älteren  For¬ 
mationen  wesentlich  größere  Zeiträume  darstellen  als  die 
jüngeren,  dann  ist  die  Vermutung  wohl  berech¬ 
tigt,  daß  in  den  Revieren,  in  denen  die 
HiLTSche  Regel  nicht  gilt,  der  Belastungs¬ 
druck  und;  die  reaktionsbeschleunigend 
wirkende  erhöhte  Temperatur  vor  der  Fal- 
tungnichtso  lange  aufdie  Kohle  gewirkt  hat 


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211 


Pflanzen  und  Kohlenqualität.  Einfluß  des  Nebengesteins. 

Die  Verfechter  jener  Anschauung,  daß  die  Qualität  der 
Kohlen  durch  das  Alter  bestimmt  wird,  wiesen  auch  darauf 
hin,  daß  die  Flora  verschiedener  Epochen  verschieden  war, 
daß  demzufolge  auch  das  Ausgangsmateriai  der  Kohlen  ver¬ 
schieden  gewesen  sein  müsse.  Es  lohnt  sich  deshalb  zu 
untersuchen,  welchen  Einfluß  die  Flora  auf  die  Qualität 
der  Steinkohlen  hat. 

Lange  ist  schon  bekannt,  daß  verschiedene  Karbon¬ 
pflanzen  bei  der  Elementaranalyse  ihrer  Kohle  keine  durch¬ 
greifenden  Unterschiede  erkennen  lassen.  Da  sich  aber  die 
Qualitätsunterschiede  der  Steinkohlen  nicht  so  sehr  in  der 
Elementaranalyso  als  in  der  Immediatanalyse,  d.  h.  im 
Gehalt  an  flüchtigen  Bestandteilen  und  im  Verhalten  des 
Verkokungsrückstandes  ausdrücken,  waren  Untersuchungen 
in  dieser  Kichtung  anzustellen.  Da  sich  die  Kohle  im  Laufe 
der  Zeit  an  der  Luft  ändert,  war  altes  und  Museumsmaterial 
für  diese  Untersuchung  nicht  verwendbar.  Dies  erschwerte 
sehr  die  Auswahl,  weil  alles  erst  gesammelt  werden  mußte. 
Unser  Bestreben  ging  dahin,  dieselben  Pflanzengattungen 
( Sigillaria ,  Lepidodendron  und  Calamites)  aus  den  gleichen 
Schichtgruppen  in  Schieferton  sowohl  wie  in  Sandstein 
(Entgasungsmöglichkeit)  eingebettet,  aus  stärker  und  weniger 
stark  gefalteten  Schichten  mit  einander  zu  vergleichen.  Das 
oberschlesische  Kohlenbecken  mit  seinen  gefalteten  Schich¬ 
ten  im  Westen  und  den  ungefalteten  Schichten  am  Ostrande 
bot  Gelegenheit  zu  solchen  Aufsammlungen.  Wegen  der 
Pflanzenarmut  der  Ostrauer  Schichten  und  namentlich  ihrer 
Sandsteine  war  es  aber  unmöglich,  das  Untersuchungs¬ 
material  in  nur  halbwegs  erschöpfender  Vollständigkeit  zu¬ 
sammen  zu  bekommen,  obwohl  wiederholte  Sammlungs¬ 
reisen  zu  diesem  Zweck  unternommen  wurden.  Die  Samm¬ 
lung  erfolgte  zunächst  vor  dem  Kriege.  Auch  ein  Teil 
der  Analysen  wurde  damals  schon  gemacht.  Die  Mobili¬ 
sierung  unterbrach  die  Arbeit,  die  Analysen  waren  vom 
Chemiker  nicht  gekennzeichnet.  Die  Sammlungsarbeit  mußte 
nach  dem  Kriege  neu  begonnen  werden,  wobei  Herr  Dr.  ing. 
Patteisky  in  Schles.  Ostrau  uns  wertvolle  Hilfe  leistete. 
Sie  blieb  trotzdem  noch  lückenhaft.  Es  fehlt  uns  die  Ge¬ 
legenheit  zur  Vervollständigung,  so  daß  zur  Veröffentlichung 
des  lückenhaften  Berichtes  geschritten  werden  muß. 

Bei  allen  Untersuchungen  über  die  Koksausbeute  wäre 
es  vorteilhafter  gewesen,  statt  der  MucKSchen  Probe  im 

14* 


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2/2  — 


Platintiegel  den  im  Vorjahr  von  Lbssino  konstruierten 
Apparat  zu  verwenden.  Unsere  Untersuchungen  waren  aber 
schon  zum  größten  Teil  beendet,  als  Lbssino  seine  Kon¬ 
struktion  veröffentlichte7). 

Alle  Kohlen  bestanden  aus  Glanzkohle  (Clarain). 


SigiUaria  (Nebengestein  Schiefertor) 
Turacher  Alpe8),  anthra-  Wasser  ....  l,08°/0 

zitführendes,  alpines  Asche  ....  45,83 

Oberkarbon  Verkokungsrückst.  94,12  sandig 

Fixer  Kohlenstoff  77,4 


Westfälische  Fettkohlen¬ 
gruppe8) 


Schles.  Ostrau,  Michaeli- 
Grube,  Mittel  im  Ga- 
brielen-Flöz,  Gaskohlen 
der  oberen  Ostrauer 
Schichten 


Wasser  ....  0,88°/0 

Asche  ....  6,19 

Verkokungsrückst.  76,83  stark  gebläht 
Fixer  Kohlenstoff  76,8 


Wasser  ....  2,90 °/0 

Asche  ....  9,87 

Verkokungsrückst.  67,81  gesintert 
Fixer  Kohlenstoff  64,12 


Karwin,  Gabrielen-Zeche,  Wasser  ....  2,66 °/0 

Eudaer  Schichten  (Gas-  Asche  ....  10,43 

kohlen)  Verkokungsrückst.  70,9  geschmolzen, 

nicht  gebläht 

Fixer  Kohlenstoff  69,6 

Karwin,  Franz- Josef-  Wasser  ....  2,15°/0 

Schacht,  untere  Rudaer  Asche  ....  16,90 

Schichten,  Gaskohlen  Verkokungsrückst.  71,9  sandig 

(6  Jahre  im  Zimmer  auf-  Fixer  Kohlenstoff  67,9 

bewahrt) 

Niemce(Rus8.-Polen)  obere  Wasser  ....  13,70 % 

Ostrauer  Schichten,  Asche  ....  16,90 

Flammkohle  Verkokungsrückst.  62,2  sandig 

Fixer  Kohlenstoff  65,3 


SigiUaria  (Nebengestein  Sandstein) 

Schles.  Ostrau,  Michaeli-  Wasser  ....  3,91  °/0 

Schacht, über  Johann-Fl.,  Asche  ....  6,32 

Gaskohle  Verkokungsrückst.  64,3  schwach 

sintert 

Fixer  Kohlenstoff  64,6 


Ebendaher  Wasser  ....  3,90 % 

Asche  ....  5,41 

Verkokungsrückst  64,5  schwach 
sintert 

Fixer  Kohlenstoff  65,1 


ge 


7)  Fuel,  1923,  Nr.  152. 

8)  Diese  Analyse  verdanken  wir  der  Gefälligkeit  von  Prof. 
Dr.  Fleissnkr  in  Leoben. 


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213 


Lepidodendron  (Nebengestein  Schieferton) 

Schles.  Ostrau,  Emma-  Wasser  ....  2,7 8°/0 

schacht,  Halde,  Fett-  Asche  ....  6,68 

kohlen,  obere  Ostrauer  .Verkokungsrückst.  64,96  geschmolzen, 
Schichten  schwach  ge¬ 

bläht 

Fixer  Kohlenstoff  64,4 

Schles.  Ostrau,  Hermene-  Wasser  ....  l,85°/0 

gilde  Schacht,  Halde,  Asche  ....  7,39 

Gaskohle,  obere  Ost  rauer  Verkokungsrückst.  69,3  gesintert 
Schichten  (6  Jahre  in  Fixer  Kohlenstoff  68,2 
Glasflasche  aufbewahrt) 

Karwin,  Gabrielen-Zeche,  Wasser  ....  2,08% 

untere  Rudaer  Schich-  Asche  ....  6,28 

ten,  Gaskohle  Verkokungsrückst.  67,8  geschmolzen 

und  gebläht 

Fixer  Kohlenstoff  67,1 

Dabrowa  (Russ.-Polen)  Wasser  ....  9,77 °/0 

Flora -Grube,  obere  Asche  ....  19,73 

Ostrauer  Schichten,  Verkokungsrückst.  62,3  sandig 

Flöz  2,  Flammkohle  Fixer  Kohlenstoff  60,4 

Lepidodendron  (Nebengestein  Sandstein) 

Schles.  Ostrau,  Michaeli-  Wasser  ....  4,l4°/0 

Schacht,  über  Johann-  Asche  ....  16,10 

Flöz,  obere  Ostrauer  Verkokungsrückst.  70,3  sandig 

Schichten,  Gaskohle  Fixer  Kohlenstoff  67,9 

Dabrowa8)  (Russ.-Polen)  Wasser  ....  10,87 °/0 

Flora -Grube,  obere  Asche  ....  4,77 

Ostrauer  Schichten,  Verkokungsrückst.  56,4  sandig 

Flammkohle  Fixer  Kohlenstoff  61,4 

Calamites  (Nebengestein  Sandstein) 

Schles.  Ostrau,  Emma-  Wasser  ....  2,91  % 

schacht,  obere  Ostrauer  Asche  ....  12,00 

Schichten,  Gaskohlen  Verkokungsrückst.  64,5  geschmolzen 

Fixer  Kohlenstoff  61,7 

Ebendaher  Wasser  ....  2,89% 

Asche  ....  8,54 

Verkokungsrückst.  65,9  geschmolzen 
Fixer  Kohlenstoff  64,7 

Kattowitz,  Nikisch-  Wasser  ....  6,79% 

Schacht,  obere  Ostrauer  Asche  ....  9,85 

Schichten,  Flammkohlen  Verkokungsrückst.  67,1  sandig 

Fixer  Kohlenstoff  67,9 

Trotz  des  lückenhaften  Materials  sind  einige  Ergebnisse 
ersichtlich:  Zwischen  den  einzelnen  Pflanzen¬ 
gattungen  sind  keine  Unterschiede  in  der 
Kohlenquaiität  bemerkbar.  Die  Pflanzen¬ 
kohlen  stimmen  in  der  Qualität  immer  mit  der 
Kohle  der  Flöze  überein,  in  deren  Nachbar- 


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214 


schaft  die  Pflanzen  gesammelt  wurden.  Die 
Qualität  der  Flöze  kann  demnach  nicht  durch  die  Flora 
bestimmt  sein.  Die  Qualität  der  Kohle  ist  be¬ 
dingt  durch  die  Tektonik  (Faltungsdruck).  Darum 
liefern  Sigillarienhölzer  im  stark  gepreßten  alpinen  Karbon 
Anthrazit,  in  der  westfälischen  Fettkohlengruppe  Fettkohle, 
in  den  Ivarwiner  Gaskohlenschichten  Gaskohle,  in  den  ge¬ 
falteten  oberen  Ostrauer  Schichten  von  Ostrau  Gas-  oder 
Fettkohle,  in  den  ungefalteten  oberen  Ostrauer  Schichten 
des  ehemals  russisch-polnischen  Revieres  Flammkohlen. 
Gleiches  zeigt  sich  bei  Lepidodendron  und  Calamites. 

In  der  gleichen  Flözgruppe  zeigen  die  gleichen  Pflanzen 
im  Sandstein  wohl  etwas  weniger  flüchtige  Bestandteile, 
der  Unterschied  liegt  aber  im  Bereich  der  Fehlergrenze 
und  erfordert  umfassendere  Untersuchungen. 

Es  ist  klar  ersichtlich,  daß  es  der  unter  großer  Be¬ 
lastung  erfolgende  Faltungsdruck  ist,  welcher  die  ver¬ 
schiedenen  Kohlenqualitäten  aus  denselben  Pflanzengattun¬ 
gen  entstehen  ließ.  Man  wird  uns  einwenden  können, 
daß  am  Ostrande  des  oberschlesischen  Kohlenbeckens,  dort, 
wo  die  Faltung  schwach  war,  auch  der  Belastungsdruck 
schwächer  war,  weil  die  Schichten  geringere  Mächtigkeit 
besitzen.  Wenn  wir  aber  auch  alle  Denudation  berücksich¬ 
tigen,  so  ergibt  sich  doch,  daß  die  Flammkohlen  in  den 
oberen  Ostrauer  Schichten  der  Floragrube  in  Dabrowa 
unter  größerer  Belastung  lagen  als  die  hängendsten  Flöze 
des  Karwiner  Revieres,  die  dank  der  stärkeren  Faltung 
trotzdem  eine  backende  Gaskohle  schütten.  Auch  im  Zsil- 
tal  dürfte  (das  Ausmaß  der  Abtragung  ist  dort  nicht  zu 
schätzen)  die  Belastung  kaum  jene  Größe  erreicht  haben, 
die  bei  den  Flözen  der  Floragrube  vorhanden  war.  Die 
Belastung  allein  kann  sonach  nicht  den  fal¬ 
tenden  Gebirgsdruck  ersetzen.  Es  wird  des¬ 
halb  auch  nicht  möglich  sein,  die  HiLTSche 
Regel  a*is  ein  Produkt  allein  des  Belastungs¬ 
druckes  zu  erklären.  Was  für  die  Belastung 
gesagt  wurde,  gilt  hier  auch  für  die  geo¬ 
thermische  Tiefenstufe. 

Die  Temperatur,  bei  der  sich  der  Inkohlungsprozeß  der 
Florakohle  (Flammkohle)  vollzogen  hat,  dürfte  demnach 
kaum  verschieden  von  jener  sein,  bei  der  die  Karwiner 
Gaskohle  entstanden  ist 

[Manuskript  eingegangen  am  22.  Mai  1924  ] 


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2/5 


Tertiäre  Verwitterungsrinden 
im  Mainzer  Becken. 

Von  Herrn  W.  Wenz  in  Frankfurt  a.  M. 

(Mit  3  Textfiguren.) 

I>ie  mehrfache  Unterbrechung  in  der  Sedimentation 
während  der  Entstehung  der  Ablagerungen  des  Mainzer 
Beckens  im  ganzen  oder  einzelnen  seiner  Teile  laßt  mit 
Sicherheit  auf  das  Vorhandensein  von  Verwitterungsrinden 
und  alten  Landoberflächen  schließen.  In  der  Tat  sind 
einzelne  hierhergehörige  Erscheinungen  bereits  früher  be¬ 
obachtet  und  erwähnt  worden,  jedoch  ohne  daß  das  Problem 
in  seinem  ganzen  Umfang  und  seiner  allgemeinen  Be¬ 
deutung  die  nötige  Beachtung  gefunden  hätte.  Und  doch 
scheinen  mir  die  Fragen,  die  sich  daran  knüpfen,  von 
solcher  Wichtigkeit  für  die  Erweiterung  unserer  Kenntnisse 
dieses  Gebietes,  daß  ich  nicht  unterlassen  möchte,  auch 
meinerseits  einige  Beiträge  hierzu  zu  liefern.  Auch  mir 
liegt  es  hier  zunächst  fern,  eine  abschließende  Monographie 
dieser  Erscheinungen  zu  liefern,  was  heute  wohl  noch  nicht 
möglich  ist,  vielmehr  möchte  ich  eine  Anzahl  teils  be¬ 
kannter,  teils  neuer  Erscheinungen,  die  hierher  gehören, 
zusammenstellen  und  kurz  beschreiben,  um  durch  Anregun¬ 
gen  zu  weiteren,  eingehenderen  Untersuchungen  zu  geben, 
die  uns  dann  später  vielleicht  in  den  Stand  setzen,  das 
Problem  in  seiner  Allgemeinheit  zu  erfassen. 

I.  Rheinhessische  Bohnerze. 

In  Rheinhessen  fand  ein  längerer  Abschluß  der  Sedi¬ 
mentation  nach  Ablagerung  der  Hydrobienschichten  statt, 
und  es  konnte  in  der  Folgezeit  eine  Verwitterung  und  Ab¬ 
tragung  einsetzen.  Auf  dem  eingeebneten  Gebiet  lagerten 
sich  dann  erst  wieder  die  pontischen  Dinotheriensande  ab, 
die  teils  auf  Corbicula-,  teils  auf  unteren  oder  oberen  Hydro¬ 
bienschichten  lagern.  Reste  der  Verwitterungsrückstande 
jener  Zwischenzeit  haben  wir  wohl  in  den  rheinhessischen 


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2/6 


Bohnerzablagerungen  zu  erblicken,  die  auf  den  Höhen  des 
Plateaus,  meist  auf  Corbiculaschichten,  lagern.  Lepsius1) 
erwähnt  sie  u.  a.  vom  Wiesberg  bei  Sprendlingen,  Wester¬ 
berg  bei  Ingelheim,  Neuberg  bei  Stadecken,  Kloppberg  bei 
Dittelsheim  und  Heppenheim  im  Loch.  An  vielen  Stellen 
sind  sie  sicher  späterer  Abtragung  erlegen,  da  die  Bohnerz- 
kugeln  massenhaft  in  diluvialen  Ablagerungen  verschwemmt 
angetroffen  werden.  Die  Tatsache,  daß  sie  fast  ausschlie߬ 
lich  auf  Corbiculaschichten  lagern,  deutet  darauf  hin,  daß 
sie  durch  Anreicherung  des  bei  der  Zersetzung  der  früher 
weiter  verbreiteten  Hydrobienschichten  freigewordenen 
Eisens  in  den  tieferen  Zonen  entstanden  sind. 

Besonderes  Interesse  verdient  das  Vorkommen  auf  dem 
Westerberg  oberhalb  Niederhilbersheim-Appenheim,  das 
bereits  Gijooss  in  Sektion  Mainz  der  Geol.  Karte  von  Hessen 
1:50  000  kartiert  hat.  Die  Bohnerzkörner  in  allen  Größen 
liegen  hier  teils  frei,  teils  sind  sie  durch  Kalk  zu  einem 
Konglomerat  verkittet,  was  vielleicht  auch  auf  die  Ent¬ 
stehung  dieser  Gebilde  Licht  zu  verbreiten  vermag. 

II.  Eisen  reiche  Verwitterungsrückstände 
auf  der  Hohen  Straße. 

Während  die  Verwitterung  auf  der  rheinhessischen 
Hochfläche  zur  Bildung  von  Bohnerzen  führte,  vollzog  sich 
der  Vorgang  auf  der  Hochfläche  nordöstlich  von  Frank¬ 
furt  a.  M.,  der  Hohen  Straße,  wohl  in  der  gleichen  Zeit, 
aber  in  wesentlich  anderer  Weise.  Guten  Einblick  in  diese 
Verhältnisse  bieten  die  Sandgruben  und  Versuchsschützen¬ 
gräben  auf  dem  ehemaligen  Exerzierplatz  am  „Rußland“2) 
oberhalb  Vilbel. 

Ehe  wir  auf  die  Verhältnisse  näher  eingehen,  sei 
zunächst  die  Schichtenfolgo  mitgeteilt,  die  den  Schlüssel 
und  die  Grundlage  für  das  Verständnis  der  Erscheinungen 
bildet: 

Löß, 

Tertiäre  Vervvittcrungsdecke, 

Corbiculaschichten  (0  bis  20  m,  z.  T.  abgetragen), 

Cerithienschichten  (Tone  und  Kalkbänkchen  mit  Perna, 
Pitaria  incrassata  usw.,  wenige  Meter), 


x)  Lepsius,  R.,  Das  Mainzer  Becken,  S.  118. 

2)  Der  Name  rührt  von  den  früheren  Ziegeleien  her,  die  hier 
aus  Löß  Ziegelsteine  =  Russen  herstellten. 


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Sande  und  Schotter,  z.  T.  stark  eisen¬ 
schüssig,  etwa  15  m, 

Obere  Schleichsande  mit  M*>1.  ernhcri. 

Yiviparus  usw. 

Cyrenenmergel, 

Rupelton. 


Äquivalente  des 
Landschnecken  - 
kalkes 


Auf  den  Corbiculaschichten  und,  wo  diese  fehlen,  auf  den 
Cerithiensehichten  liegt  die  etwa  50  cm  mächtige  eisen- 
reiche  Verwitterungsdecke,  die  sich  bei  Anschürfungen  durch 
ihre  ziegel-  bis  weinrote  Farbe  kundgibt,  ein  terrarossa- 
artiger  Boden.  Nicht  selten  beobachtet  man  darin  Eisen¬ 
schalen  sowie  völlig  in  Eisenerz  umgewandelte  Gesteins¬ 
brocken  mit  noch  erhaltenen,  ebenfalls  in  Erz  umgewandelten 
Versteinerungen,  vorwiegend  Hydrobia  obtu  na.  Sie  gehörten 
ursprünglich  wohl  der  oberen  Abteilung  der  Corbicula¬ 
schichten,  die  ebenso  wie  gesamten  Hydrobienschichten  der 
Verwitterung  erlegen  sind  (Fig.  1).  In  einzelnen  Brocken 
sind  noch  Reste  des  ursprünglichen  Kalkes  zu  erkennen. 


Fig.  1.  Kiesgrube  „Am  Rußland“  bei  Vilbel,  westlich  der 
Friedberger  Landstraße. 

a)  Ackerboden,  b)  Teriiäre  Verwitterungsdecke.  c>  C’erithien- 
schichten  mit  Perna  usw.,  d)  Obere  oligocane  fluviatile  Sande 
und  Schotter. 

in  anderen  ist  alles  in  Erz  umgewandelt.  Angeschliffene 
Flächen  zeigen  hohen  Metallglanz.  Bohnerzartige  Bildungen 
treten  hier  fast  ganz  zurück.  Ähnliches  beobachtet  man 
auch  an  anderen  Stellen  der  Hohen  Straße  zwischen  Frank¬ 
furt  und  Vilbel,  wie  bei  Bergen. 

Es  handelt  sich  hier  offenbar  um  analoge  und  ver¬ 
mutlich  auch  gleichzeitige  Vorgänge  wie  in  Rheinhessen. 
An  beiden  Orten  sind  die  Hydrobienschichten  der  Ver¬ 
witterung  erlegen,  und  dieser  Vorgang  hat  zur  Anreiche¬ 
rung  des  Eisens  geführt.  An  beiden  Stellen  bildet  die  Unter¬ 
lage  dieser  Verwitterungsdecke  eine  Hochfläche,  die  erst 


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in  neuerer  Zeit  weiter  angeschnitten  wurde.  Die  Ablage¬ 
rungen  selbst  sind  durch  eine  Lößdecke  geschützt 

Bei  Vilbel  sind  die  Eisensalze  sogar  z.  T.  noch  tiefer 
hinabgedrungen,  da  die  Kalkmergeldecke  der  Cerithien- 
schichten  sehr  dünn  war  und  die  darunter  liegenden  fluvia- 
tilen  Sande  und  Schotter  leicht  durchlässig  waren,  wurden 
auch  diese  infiltriert,  und  das  Eisen  kam  in  einzelnen  Lagen 
zur  Abscheidung,  wodurch  die  Sande  braun,  rot  und  gelb 
gebändert  erscheinen  und  die  Gerolle  z.  T.  konglomeratisch 
verkittet  sind.  Die  kieselige  Bindung  der  obersten  Lagen 
dagegen  dürfte  wohl  jüngerer  Entstehung  sein. 

III.  Eiseninfiltration  in  pliocä.nen  Sande n. 

Die  unter-  und  oberpliocanen  Sande  sind  fast  durchweg 
stark  ausgebleicht,  was  in  erster  Linie  auf  die  Wirkung  an 
Huminstoffen  reicher  Moorwässer  zurückzu  führen  ist,  deren 
Vorhandensein  durch  die  Einlagerung  zahlreicher  Braun¬ 
kohlenflöze  und  -flözchen  dargetan  wird3).  Nur  an  ganz 
wenigen  Stellen  beobachtet  man  örtliche  Eisenanreicherung. 

In  dem  unterpliocänen  sandigen  Ton,  wenige  Meter 
über  den  jungmiocänen  Schichten  fanden  sich  bei  Praun¬ 
heim  (Bohrung  „F  im  Loch“)  durch  Eisenkarbonat  ver¬ 
kittete  Platten  mit  Pflanzenresten4). 

Ähnliche  Bildungen  steilen  vermutlich  die  Eisenschalen 
mit  Pflanzenresten  in  (?u.)  pliocänen  Sanden  unterhalb 
der  Naumburg  bei  Kaichen  dar5).  Hier  wird  man  viel¬ 
leicht  an  raseneisenerzartige  Bildungen  zu  denken  haben; 
doch  ist  die  Herkunft  des  Eisens  noch  nicht  geklärt.  Eisen- 
schalen  treten  überhaupt  in  den  präbasaltischen  Sanden 
der  Wetterau  gar  nicht  selten  auf. 

An  anderen  Steilen  läßt  sich  mit  Sicherheit  zeigen, 
daß  der  Eisengehalt  der  verwitternden  Basalt-  bzw.  Trapp¬ 
decke  entstammt.  So  zeigen  die  im  übrigen  stark  ausge¬ 
bleichten  Sande  unter  der  Trappdecke  des  Mühlberges  bei 
Marköbel  in  ihren  oberen  1 — 2  m  unmittelbar  unter  dem 
Trapp  tief  ziegelrote  bis  gelbe  Farbe,  was  man  auch  an 


8)  Vgl.  Salomon,  W.,  Die  Bedeutung  des  Pliocäns  für  die 
Morphologie  Südwe9t-Deutschlands.  —  Sitzungsbericht  der  Heidel¬ 
berger  Akad.  d.  Wiss.  Math.-Nat.  Kl.  1919,  I,  S.  1—22. 

*)  Engelhardt  H.  und  Kinkelin,  F.,  Oberpliocäne  Flora 
und  Fauna  des  Untermaintales.  —  Abh.  Senckenberg.  Nat.  Ges. 
XXXIX,  S.  278. 

6 )  Beinach,  A.  v„  Erläuterungen  zu  Blatt  Windecken  d.  GeoL 
Spezialk.  v.  Preußen,  S.  17. 


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anderen  Orten  wie  bei  Frankfurt  a.  M.-Bockenheim  be¬ 
obachten  konnte. 

Noch  seltener  als  in  den  unterpliocänen  ist  die  Eisen¬ 
anreicherung  in  oberpliocänen  Sanden.  Einen  solchen  Fall 
stellen  eisenschüssige  Sande  über  den  Braunkohlenlagern 
von  Hungen,  Wölfersheim  und  Dornassenheim  in  der 
Hungener  Senke  dar.  Die  Verkittung  der  Sande  hat  hier 
zur  Erhaltung  von  Süßwassermuscheln:  BJiombunio  sattd- 
bergeri,  Vnio  tumidus  ludwigi  und  Viviparus  cf.  contectus 
geführt.  Auch  hier  ließe  sich  wohl  am  ehesten  an  rasen- 
eisenerzartige  Bildungen  denken,  wie  wir  sie  z.  B.  heute 
noch  in  der  „Bulau“  zwischen  Hanau  und  Niederroden¬ 
bach  in  den  Diluvialsanden  vor  sich  gehen  sehen. 

IV.  Bau  xitisch  zersetzter  Trapp. 

Nicht  nur  im  Vogelsberg,  wo  die  Erscheinungen  von 
H.  Harkassowitz  genauer  untersucht  worden  sind6),  hat 
eine  bauxitische  Zersetzung  des  Basaltes  und  Trapps  statt¬ 
gefunden,  auch  die  Trappdecke  der  Wetterau  und  des 
Untermaintales  zeigt  stellenweise  die  gleiche  Erscheinung. 
Wir  beobachten  sie  zwischen  dem  Rande  der  großen  Stein- 
heimer  Trappdecke  und  der  Höllenziegelei  an  mehreren 
Stellen,  besonders  ausgeprägt  bei  dem  Trappanschnitt  am 
Holzbrückenweg  südlich  der  alten  Höllenziegelhüttc7).  Auch 
das  Vorkommen  von  Trapp  in  der  Holzmannschen  Ziegelei 
auf  dem  Katzenbuckel  bei  Hainstadt,  das  Schottler  als 
Gang  angesprochen  hat8),  das  aber  leider  nicht  genügend 
aufgeschlossen  ist,  um  ein  ganz  sicheres  Urteil  zu  gestatten, 
und  vielleicht  auch  als  ein  durch  Verwerfung  abge¬ 
schnittener  Rest  der  Trappdecke  gedeutet  werden  könnte, 
zeigt  an  einer  Stelle  Zersetzungsprodukte,  die  als  Bauxit¬ 
erde  angesprochen  werden  können9). 


*)  Harrassowitz,  H.,  Bauxitlagerstätte n  des  Vogelberges.  — 
Metall  u.  Erz  N.  F.  IX,  1921,  S.  756—576. 

**)  Schottler,  W.,  Erläuterungen  zu  Tßlatfc  Seligenstadt  <1. 
Geol.  Spezialk.  von  Hessen,  S.  29. 

Schottler,  W.  und  Haupt,  O.,  Der  Untergrund  der  Main- 
ebene  zwischen  Aschaffenburg  und  Offenbach.  —  Notizbl.  <1. 
Ver.  f.  Erdk.  u.  d.  Hess.  Geol.  Landesanst  zu  Darmstadt  (5)  V, 
S.  108. 

Wenz,  W.,  Geologischer  Exkursionsführer  durch  das  Mainzer 
Becken,  8.  124. 

8)  Schottler,  W.,  Erläuterungen  zu  Blatt  Seligenstadt . . . 
S.  29. 

9)  Schottler,  W.  und  Haupt.  0.,  a.  a.  O.,  S.  109. 


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220 


Auch  in  der  Wetterau  sind  bauxitische  Zersetzungen 
des  Trapps  schon  lange  bekannt10). 

Ich  erblicke  in  der  bauxitischen  Zersetzung  des  Trapps 
einen  der  Gründe  für  die  Annahme,  daß  auch  die  Trapp¬ 
decke  im  Untermaintal,  wo  das  unterpliocäne  (pontische) 
Alter  der  liegenden  Tone  und  Sande  noch  nicht  durch 
Fossilien  belegt  werden  konnte,  wie  in  der  südlichen 
Wetterau,  ebenfalls  unterpliocän  (pontisch)  und  nicht  obcr- 
pliocän  ist.  Bei  den  klimatischen  Verhältnissen  des  Ober- 
pliocäns,  die  nach  der  Flora  zu  urteilen  kaum  wesentlich 
von  den  heutigen  verschieden  waren,  müßten  wir  eine 
tonige,  nicht  bauxitische  Verwitterung  erwarten. 

V.  Eisensteinablagerungen  als  Rückstände 
zersetzten  Trapps. 

Neben  der  bauxitischen  Zersetzung  des  Trapps  und 
in  Verbindu.  mit  dieser  beobachten  wir  auch  hier  ebenso 
wie  in  Vogelsberg  Eisensteinablagerungen.  Besonders  schön 
sind  große  plattige  Eisensteinbildungen  zurzeit  in  einer 
Grube  in  den  Feldern  zwischen  der  Steinheimer  Trapp¬ 
decke  und  der  Höllenziegelei  aufgeschlossen,  wo  die  großen, 
mehrere  Zentimeter  dick  m  Platten  in  ein  toniges  Material 
eingebettet  sind. 

'  »  Tr  . 

VI.  Kaolinige  Zersetzung  des  Trapps. 

Uber  die  kaolinige  Zersetzung  des  Trapps,  die  im 
Krebsschen  Bruch  bei  Dietesheim  eine  so  auffallende  Er¬ 
scheinung  bildet,  ist  schon  früher  berichtet  worden11).  An 
der  O — W-Wand  des  Bruches  ist  der  Trapp  zu  einer 
schneeweißen,  weichen  kaolinigen  Masse  verwandelt,  wobei 
die  Absonderungsform  des  Trapps  vernichtet,  dagegen 
stellenweise  seine  Mineralstruktur  noch  zu  erkennen  ist, 
besonders  um  die  Kerne  der  im  Innern  noch  unzersetzten 
größeren  Trappblöcke,  die  nach  der  Tiefe  zu  angetroffen 


13)  Reinach,  A.  v.,  Erläuterungen  zu  Blatt  Windecken,  S.37. 

11)  Wenz,  W.,  Neue  Beobachtungen  an  der  Steinheimer 
Trappdecke.  —  Senckenbergiana  II,  S.  196. 

Schauf,  W.  und  Wenz,  W.,  Geol.  Exkurs,  i.  d.  Umg.  von 
Frankfurt  a.  M.  —  Ber.  d.  Senckenberg  Naturf,  Ges.  in  Frank¬ 
furt  a.  M.  50,  1920,  S.  198. 

Wenz,  W.,  Geologischer  Exkursionsführer  durch  das  Mainzer 
Becken,  S.  116. 

Schottleb,  W.  und  Haupt,  O.,  Der  Untergrund  der  Mein- 
ebene  .  S.  113. 


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221 


werden.  Über  die  Ursachen  der  Kaolinisierung  sind  ver¬ 
schiedene  Ansichten  geäußert  worden.  Ich  nahm  an,  daß 
es  sich  um  Kaolinisierung  durch  die  Einwirkung  von  Moor¬ 
wässern  von  der  Oberfläche  her  handelt12)  und  daß  dieser 
Best  dadurch  erhalten  blieb,  daß  eine  kleine  Trappscholle 
einseitig  gegen  den  übrigen  Trapp  an  einer  Verwerfung 
abgesunken  ist,  während  das  übrige  größtenteils  der  dilu¬ 
vialen  Abtragung  anheimfiei.  Bezüglich  der  Einzelheiten, 
die  ich  für  diese  Deutung  anführen  konnte,  muß  ich 
auf  meine  früheren  Darstellungen  verweisen. 

Schottjer  dagegen  nahm  wie  früher  Kinkelin  eine 
eine  Kaolinisierung  durch  aufsteigende  kohlensäurehaltige 
Quellwässer  an.  Indessen  haben  wir  uns,  nachdem  der 
Aufschluß  durch  Entwässerung  des  Bruches  und  weiteren 
Abbau  wesentlich  günstiger  geworden  ist,  gelegentlich  eines 
gemeinsamen  Besuches  davon  überzeugt,  daß  eine  Reihe 
von  Tatsachen  für  die  erstere  Annahme  sprechen,  wie 
das  scharfe,  fast  vertikale  Abschneiden  der  zersetzten  Masse 
im  Osten  und  das  langsame  und  allmähliche  Ausstreichen 
nach  Westen  hin.  Entscheidend  ist  vor  allem,  daß  dort, 
wo  die  kaoiinig  zersetzte  Masse  auf  den  Trapppfeilern 
auflagert,  die  oben  ebenfalls  stark  zersetzt  und  infolge¬ 
dessen  abgerundet  sind,  das  kaolinige  Zerfözungsprodukt 
sich  auch  noch  in  len  sich  nach  unten  verengenden 
Spalten  zwischen  dea  unveränderten  Trapppfeilern  findet, 
während  nach  der  Tiefe  zu  sich  das  Eisen  in  den  Spalten 
ansammelte  (Fig.  2). 

Bei  dieser  Gelegenheit  zeigte  es  sich  auch,  daß  die  an 
einer  engbegrenzten  Stelle  das  kaolinige  Zorsetzungspro- 
dukt  überlagernde  dunkle  Masse,  die  Schottler  früher 
als  Tuff  ansprach,  ein  umgelagertes  Zersetzungsprodukt 
ist.  Sie  erwies  sich  stark  durchsetzt  von  größeren  und 
kleineren  Butzen  diluvialer  Sande  und  Schotter,  wodurch 
sich  die  erwähnten  Einschlüsse  von  Geschieben  aus  Quarz 
und  Buntsandstein  erklären. 

Die  kaolinige  Zersetzung  ist  übrigens  nicht  auf  diesen 
einen  Punkt  beschränkt,  sondern  eine  viel  allgemeinere 
Erscheinung  der  Steinheimer  Trappdecke,  wenn  auch 
nirgends  so  ausgeprägt  wie  hier.  So  sind  etwa  iy*km  ent¬ 
fernt  in  der  Teufelskante  die  oberen  Teile  des  Trapps 

12)  Vgl.  Stremme,  H.,  Ueber  die  Beziehungen  einiger  Kaolin- 
lager  zur  Braunkohle.  —  N.  Jahrb.  f.  Min.,  1909,  II,  S.  91. 

U eberregte  tertiärer  Verwitterungsrinden  in  Deutschland.  — 
Geol.  Rundschau  I,  8.  337. 


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222 


mehr  oder  weniger  stark  in  gleicher  Weise  zersetzt,  während 
die  unteren  noch  frisch  sind.  Ähnliche  Erscheinungen  be¬ 
obachtet  man  auch  im  Großsteinheimer  Gemeindesteinbruch 
und  an  anderen  Stellen. 

Besonderes  Interesse  aber  verdienen  die  Verhältnisse 
in  dem  Einschnitt,  der  nach  dem  neuen  Rouselleschen  Bruch 


gegenüber  Kesselstadt  führt.  Nahe  dem  Eingang  in  den 
Bruch  sind  die  Trapppfeiier  in  kugelig-schalige  Sphäroide 
(von  Faustgroße  bis  etwa  1  m  im  Durchmesser)  aufge¬ 
löst.  Die  größeren  zeigen  im  Innern  noch  einen  festen 
Kern.  Stellenweise  sind  auch  sie  von  der  kaolinigen  Zer¬ 
setzung  betroffen.  Dabei  ist  der  Kern  in  die  helle  kaoiinige 
Masse  umgewandelt,  während  das  Eisen  in  den  umgebenden 
Schalen  angereichert  ist  (Fig.  3  a);  oder  es  findet  sich 


Fig.  3. 

ein  noch  unzersetzter  Trappkern,  um  diesen  konzentrisch 
die  kaolinisierte  Masse  und  endlich  außen  das  in  den 
Schalen  angereicherte  Eisen  (Fig.  3  b). 


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223 


Zur  Abwehr. 

Von  Herrn  W.  Wolff  in  Berlin-Frohnau. 

Im  Monatsbericht  Nr.  11/12  1923  ergreift  Herr 

C.  Gagel  gegen  mich  S.  228  nochmals  das  Wort  in  der 
Eem-Frage.  Da  diese  Polemik  wiederum  persönlich  ge¬ 
faßt  ist,  so  unterlasse  ich  es  im  Interesse  positiv  fruchtr 
bringender  Arbeit,  auf  dieselbe  einzugehen. 


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224 


Rechnungsabschluß 

der  Deutschen  Geologischen  Gesellschaft  (E.V.)  zu  Berlin 
für  das  Jahr  1928 


Einnahmen: 

1.  Bestand  am  31.  Dezember  1922  576  395,01  M. 

2.  Mitgliederbeitrage .  751106  074  543  420,-  „ 

3.  Druckschriftenverkauf.  .  .  .  200  000  590  819  701,—  „ 

4.  Zinsen .  1900000000000,-  „ 

5.  Sonstiges . -75  070  620514  024,— 

Summe  1 028  077  286  453  540,01  M. 


Ausgaben: 

1.  Druckkosten .  423  906  982  682  711,-  M. 

2.  Bibliothek .  — ,—  „ 

3.  Verwaltung 

a)  Aufwandsentschädigungen  180875000  519  500,—  „ 

b)  Versendung  der  Zeitschrift  43  444  647  079  288,01 

4.  Sonstiges .  103  820656  172  041,-  „ 

5.  Per  Saldo  31.  Dezember  1923  .  276030000  000000,— 

Summe  1028  077  286  453  540,01  M. 
E.  Picard,  Schatzmeister 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


JUN*  1928 

,,-v 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 

(Abhandlungen  und  Monatsberichte.) 

B.  Monatsberichte. 


Nr.  11/12.  76..  Band.  1924. 

Berlin  1925. 

Verlag  von  Ferdinand  Enke  in  Stuttgart. 


INHALT.  Seit* 

Protokoll  der  Sitzung  am  5.  November  1924  .  225 

„  „  „  „  3.  Dezember  1924  .  226 

Vorstands-  und  Beiratswahl  für  1925  .  226 

Vorträge: 


SCHRIEL:  Transgressionen  und  Gebirgsbildungen  im 
Altpaläozoikum  des  südlichen  Mittelharzes  (Titel)  .  225 
KEGEL,  W.:  Das  Unterkarbon  im  östlichen  Lahngebiet 
und  die  varistische  Faltung . 225,  240 


KEILHACK,  K.:  Zur  Geologie  Islands  (Titel)  .....  226 
V.  KLEBELSBERG,  R.:  Probleme  der  alpinen  Quartär¬ 
geologie  . 228 

GAGEL,  C.:  Bemerkungen  zu  dem  Vortrage  des  Herrn 
K.  Keilhack  zur  Geologie  Islands . 245 


Briefliche  Mitteilungen: 

NOWACK.  E. :  Über  ein  genetisch  interessantes  Asbest-  i 

Vorkommen  bei  Korea.  (Mit  1  Texabbildung)  .  .  .  246 
WEBER,  H.:  Beiträge  zur  Geologie  und  Morphologie  des 
Thüringerw’ald-Randes  zwischen  Frankenhain  uud 


Georgenthal.  (Mit  1  Textabbildung) . 250  | 

HUCKE,  K. :  Über  das  Alter  des  Gruskalkes  von  Zaren- 

thin  in  der  Priegnitz . 265 

WEISE,  E.:  Pflanzenführende  Schichten  im  vogtländi¬ 
schen  unteren  Kulm  . 267 

BLANCKENHORN,  M. :  Über  Fossil-  und  Fährtenhorizonte 

im  Buntsandstein  Deutschlands . 269 

Neueingängc  der  Bibliothek . 279 

Ortsregister . 281 

Sachregister  ,  .  • . 285 

Titelblatt 

Inhalt  . . III — VI 


Go  »gl 


from 

ITYOF  MICHIGAN 


Deutsche  Geologische  Gesellschaft 


Vorstand  für  das  Jahr  1925 

Vorsitzender:  Herr  Krusch  Schriftführer:  Herr  BAbtlino 

Stellvertretende  t  „  Pompeckj  „  Solger 

Vorsitzende:  \  „  BROiu-München  „  Mestwerdt 

Schatzmeister:  „  Picabd  „  RiMANN-Dresden 

Archivar:  „  Dienst 


B.eirat  für  das  Jahr  1925 


Die  Herren:  ANDRßE-Königsberg  i.Pr.,  BuxTORF-Basel,  CLOOS-Breslau, Erdmanns- 
DÖRFFER-Hannover,  Faura  i  SANS-Barcelona,  FLiEGEL-Berlin,  PETRASCHECK-Leoben, 
ScHUMANN-Grube  Jise,  N.-L.,  WEGNER-Münster. 


Mitteilungen  der  Schriftleitung. 


Im  Interesse  des  regelmäßigen  Erscheinens  der  Abhandlungen  und 
Monatsberichte  wird  um  umgehende  Erledigung  aller  Korrekturen  gebeten. 

Die  Manuskripte  sind  druckfertig  und  möglichst  in  Maschinenschrift  ein¬ 
zuliefern.  Der  Autor  erhält  in  allen  Fällen  eine  Fahnenkorrektur  und  nach 
Umbrechen  des  betreffenden  Bogens  eine  Revisionskorrektur.  Eine  dritte 
Korrektur  kann  nur  in  ganz  besonderen  Ausnahmefällen  geliefert  werden.  Für 
eine  solche  hat  der  Autor  die  Kosten  stets  zu  übernehmen. 

Im  Manuskript  sind  zu  bezeichnen: 

Überschriften  (halbfett)  doppelt  unterstrichen, 

Lateinische  Fossilnamen  (kursiv!)  durch  Schlangenlinie, 

Autornamen  (Majuskeln)  rot  unterstrichen, 

Wichtige  Dinge  (gesperrt)  schwarz  unterstrichen. 


Bei  Zusendungen  an  die  Gesellschaft  wollen  die  Mitglieder  folgende 

Adressen  benutzen: 

1.  Manuskripte  zum  Abdruck  in  der  Zeitschrift,  Korrekturen  usw.  an 
Herrn  Betrat  Prof.  Dr.  Bartling,  Berlin-Friedenau,  Kaiserallee  128. 

2.  Einsendungen  an  die  Bücherei,  Reklamationen  nicht  eingegangener 
Hefte,  Anmeldung  neuer  Mitglieder  und  Adressenänderungen  an 
Herrn  Prof.  Dr.  Dienst,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

3.  Anmeldung  von  Vorträgen  für  die  Sitzungen  an  Herrn  Bergrat 
Prof.  Dr.  Mestwerdt,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

4.  Sonstiger  Briefwechsel  an  den  Vorstand  der  Deutschen  Geo¬ 
logischen  Gesellschaft,  Berlin  N  4,  Invalidenstr.  44. 

5.  Die  Beiträge  sind  gebührenfrei  auf  das  Postscheckkonto  von 

Prof.  Dr.  E.  Picard,  Schatzmeister  der  Deutschen  Geologischen  Ge¬ 
sellschaft  in  Berlin  N  4  beim  Postscheckamt  Berlin  NW7  Nr.  38581  zu 
überweisen.  *  • 

Aus  dem  Ausland  sind  die  Beiträge  an  Herrn  Prof.  Dr.  E.  Picard, 
Berlin  N4,  Invalidenstr.  44,  einzusenden. 


Go  gle 


Zeitschrift 

der 

Deutschen  Geologischen  Gesellschaft. 


B.  Monatsberichte. 

Nr.  11/12. 


1924. 


Protokoll  der  Sitzung  am  5.  November  1924. 

Vorsitzender:  Herr  Pompeckj. 

Der  Vorsitzende  begrüßt  die  Gesellschaft  zum  Beginn 
der  Winterarbeit  und  gibt  die  Nachricht  vom  Ableben  des 
Mitgliedes  Herrn  Markscheider  M.  Fox  in  Dillenburg 
bekannt. 

Die  Anwesenden  erheben  sich  zu  Ehren  des  Ver¬ 
storbenen. 

Als  Mitglieder  werden  auf  genommen: 

Herr  cand.  geol.  J.  Dufoür  in  Gießen,  Stephanstr.  6; 

Fräulein  Studienrat  Herta  Steiner  in  Königsberg  i.  Pr., 
Joachimstr.  6; 

Herr  Studienrat  Karl  Hamacher  in  Barmen,  Seydlitz- 
straße  9; 

Herr  Studienassessor  Buse  in  Detmold,  Gartenstr.  7. 

Die  für  die  Bücherei  als  Geschenke  eingegangenen 
Druckschriften  werden  vom  Vorsitzenden  vorgelegt. 

Darauf  erhält  Herr  SCHRIEB  das  Wort  zu  seinem  Vor¬ 
trage:  „Transgressionen  und  Gebirgsbildungen  im  Alt- 
palaeozoicum  des  südlichen  Mittelharzes“. 

Hierauf  spricht  Herr  W.  KEGEL  über:  „Das  Unter¬ 
karbon  im  Lahngebiet  und  die  variszischen  Faltungs¬ 
phasen“1). 


t)  Siehe  S.  240. 

15 


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226 


An  der  Erörterung  beider  Vorträge  beteiligen  sich  die 
Herren  Dahlgbün,  Paeckelmann,  Kegel,  Fliegel,  Schbiel 
und  der  Vorsitzende. 

Darauf  wird  die  Sitzung  geschlossen. 

v.  w.  o. 

Dienst.  Pomteckj.  Bartling. 


Protokoll  der  Sitzung  am  3.  Dezember  1924. 

Vorsitzender:  Herr  IvRUscn. 

Der  Vorsitzende  macht  Mitteilung  von  dem  Ableben 
des  Herrn  G.  Attenkofer.  Präsident  des  Oberbergamts  in 
München,  und  des  Herrn  Hochschulprofessors  Dr.  Joskfh 
Schwertschlager  in  Eichstätt,  Die  Anwesenden  erheben 
sich  zu  Ehren  der  Verstorbenen. 

Als  Mitglieder  werden  aufgenommen: 

Herr  Geologe  Dr.  Pfalz  in  Charlottenburg  und 

Herr  Dr.  Hans  v.  Wolff  in  Innsbruck. 

Die  als  Geschenk  für  die  Biblothek  eingegangenen 
Druckschriften  werden  vorgelegt  und  besprochen. 

Herr  K.  KEILHACK  erhält  das  Wort  zu  seinem  Vor¬ 
trag:  „Zur  Geologie  Islands“1). 

An  der  Besprechung  beteiligen  sich  die  Herren  Reck, 
Weissermel,  Gagel2),  Keusch  und  der  Vortragende, 

Herr  Mestweedt  verliest  das  Ergebnis  der  Neuwahl 
des  Vorstandes  und  des  Beirats  für  das  Jahr  1925. 

Das  Wahlergebnis  wurde  durch  die  Herren  Dahlgrün. 
Fliegel,  Hess  von  Wichdorf,  Krause.  Krusch.  Mkst- 
werdt,  Picard,  Schriee  und  Seitz  festgestellt. 

Es  wurden  46(>  gültige  und  5  ungültige  Stimmen  ab¬ 
gegeben. 


Der  Vortrag  erscheint  in  den  Abhandlungen  1925. 
2)  Siche  S.  245 


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227 


Es  erhielten  Stimmen: 

Als  Vorsitzender: 

Herr  Kbusch  458,  Herr  Rauff  5,  Herr  Pompeckj 
1  Stimme. 

Als  stellvertretende  Vorsitzende: 

Herr  Pompeckj  462,  Herr  Broili  457,  Herr  Erich 
Kaiser  3,  Herr  Deecke  2,  Herr  Keilhack  2 
und  die  Herren  Hennig,  Em.  Kayser,  Steinmann 
und  Stille  je  1  Stimme. 

Als  Schriftführer: 

Herr  Bärtling  466,  Herr  Mestwerdt  463,  Herr  Solger 
462,  Herr  Rimann  455,  Herr  Leuchs  2,  Herr 
Schmierer  2,  die  Herren  Cramer,  Dietrich,  Gothan, 
Harbort,  v.  Linstow,  Schneider,  Stappenbeck, 
Weissermel  und  Wilckens  je  1  Stimme. 

Als  Schatzmeister: 

Herr  Picard  466  Stimmen. 

Als  Archivar: 

Herr  Dienst  466  Stimmen. 

Als  Beiratsmitglieder: 

Die  Herren  Buxtorf  463,  Erdmannsdörffer  461, 
Andre e  460,  Cloos  460,  Petrascheck  459,  Wegner 
458,  Faüra  i  Sans  -  Barcelona  456,  Fliegel  455, 
Schumann  455  Stimmen,  Salomon  6,  v.  Seidlitz  3, 
Cossmat,  Dacque,  GCrich  und  Milch  je  2  Stimmen, 
Bode,  Born,  Deecke,  Dietrich,  Gagel,  Johnson, 
Klemm,  Kober,  Krenkel,  Oppenheim,  Regelmann, 
S  ALFELD,  ScHROEDER,  SEIDL,  TEÜMER,  WALTHER, 
Weber,  Wepfer,  Wiegers,  Wisogorsky  und  Wüst 
je  1  Stimme. 

Demnach  sind  gewählt: 

Zum  Vorsitzenden: 

Herr  Kbusch. 

Zn  stellvertretenden  Vorsitzenden: 

Herr  Pompeckj  und 

Herr  Broili. 

Zu  Schriftführern: 

Herr  Bartling, 

Herr  Mestwerdt, 

Herr  Solger, 

Herr  Rimann. 

15* 


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Zum  Schatzmeister : 
Herr  Picabd. 


228 


Zum  Archivar: 

Herr  Dienst. 

Zu  Beiratsmitgliedern: 

Die  Herren  Andbee,  Buxtobf,  Cloos,  Ebdmanns- 

DÖBFFEB,  FAUBA,  FlIEGEL,  PETRASCHECK,  SCHUMANN 
und  Wegneb. 

Die  neugewählten  Mitglieder  des  Vorstandes  und  Bei¬ 
rats  erklären  sich,  soweit  sie  anwesend  sind,  bereit,  die 
Wahl  anzunehmen. 

Nach  Verlesung  und  Genehmigung  des  Protokolls  wird 
die  Sitzung  geschlossen. 

v.  w.  o. 

Krusch.  Picabd.  Mestwebdt. 


Vorträge. 

Probleme  der  alpinen  Quartärgeologie. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  der  Deutschen  Geologischen 
Gesellschaft  zu  Danzig  am  4.  August  1924.) 

Von  Herrn  B.  v.  Klebelsbebg  in  Innsbruck. 

Die  Probleme  der  alpinen  Quartärgeologie  sind  guten  - 
teils  andere  als  jene  des  norddeutschen  Diluviums. 

Ein  gemeinsames  Problem  betrifft  die  zeitliche 
Gliederung  der  quartären  Vergletscherung.  Diesbezüg¬ 
lich  ist  heute  für  das  alpine  Gebiet  eine  weitgehende  Eini¬ 
gung  der  Autoren  zu  verzeichnen  im  Sinne  der  Annahme 
mehrerer,  durch  Interglazialzeiten  getrennter  Vereisungs¬ 
perioden.  Gewiß  ist  der  Widerspruch  auch  heute  noch  nicht 
verstummt.  Aber  seitdem  eine  derart  selbständige  und 
der  Konvenienz  unverdächtige  Autorität  wie  Albest  Heim 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


229 


in  der  Schweiz  zu  so  weitgehend  übereinstimmenden  Er¬ 
gebnissen  gekommen  ist  wie  A.  Penck  im  Ostalpengebiete, 
fehlt  für  wesentlich  abweichende  Ansichten  eine  Begründung, 
die  ähnlich  hoch  gewertet  werden  könnte. 

Bis  vor  kurzem  konnte  man  noch  sagen,  die  Beweise 
für  eine  Mehrheit  der  Vergletscherungen  stammten  durchaus 
nur  aus  dem  Alpenvorlande;  man  könne  daher  mit  der 
Annahme  bloßer  Gletscherschwankungen  auskommen;  im 
Alpeninnern  hingegen,  das  für  die  Frage,  ob  Gletscher¬ 
schwankungen  oder  durch  Interglazialzeiten  getrennte  Ver- 
gletscherungsperioden,  maßgebend  sein  müsse,  sei  bisher 
günstigsten  Falles,  durch  die  Höttinger  Breccie,  erst  eine 
Interglazialzeit  nachgewiesen  worden.  Heute  scheidet  auch 
dieser  Einwand  aus.  Seitdem  die  große  Tal  Verschüttung 
des  Inntales,  die  Inntalschotter,  übereinstimmend  als  inter¬ 
glazial  erkannt  ist,  muß  die  Höttinger  Breccie  zwangsläufig 
in  eine  frühere  Interglazialzeit  zurückdatiert  werden,  so 
daß  wir  heute  auch  im  Innern  der  Alpen  den 
Nachweis  mindestens  zweier  Interglazial¬ 
zeiten  führen  können. 

Was  die  interglaziale  Deutung  der  Höttinger 
Breccie  selbst  an  langt,  kann  sich  auch  derjenige,  der 
von  Haus  aus  anderer  Meinung  ist,  auf  keine  Weise  besser 
von  der  Richtigkeit  dieser  Deutung  überzeugen,  als  wenn 
er  unter  Berücksichtigung  der  neueren  Literatur1)  an  Ort 
und  Stelle  die  Einwände  nachprüft,  die  nach  Anlage  des 
„LEPSius-Stollens“  noch  dagegen  erhoben  worden  sind. 

Aber  auch  ohne  diese  wichtige  Beweisstelle  im  Alpen¬ 
innern  sind  schon  die  Verhältnisse  im  Alpenvorlande  be¬ 
weiskräftig  genug,  um  zwischen  Gletscherschwankungen  und 
Vereisungsperioden  im  Sinne  der  letzteren  entscheiden  zu 
lassen.  Noch  viel  bestimmter  als  die  nur  uns  Deutschen 
geläufigeren  Vorkommnisse  im  nördlichen  Alpenvorlande  sind 
die  Verhältnisse  im  südlichen  Alpenvorlande,  wo  die  Verwitte¬ 
rungsbildungen  der  älteren  Schotterplatten  es  ausgeschlossen 
erscheinen  lassen,  daß  sie  von  den  jeweils  jüngeren  ledig- 


J)  Um  dem  kurzen  Aufs  atze  nicht  eine  unverhältnismäßig 
lange  Literaturliste  anzuhängen,  verweise  ich  auf  meine 
kritischen  Referate  über  die  einschlägigen  neueren  Arbeiten 
im  „N.  Jahrb.“  1913  bis  1915  und  ab  1921;  dort  ist  auch  zu 
Einzelfragen  Stellung  genommen.  Weitere  Zitate  finden  sich 
in  meiner  Arbeit  über  die  ,, Hauptoberflächensysteme  der  Ost¬ 
alpen“.  Verh.  d.  Geol.  B.  A.,  Wien  1922.  Nur  einige  an  diesen 
Stellen  nicht  behandelte  Arbeiten  zitiere  ich  hier. 


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230 


lieh  durch  die  Zeitspanne  einer  „Gletseherschwankung*4 
getrennt  würden. 

Auch  hinsichtlich  der  Zahl  der  Vereisungs¬ 
perioden  ist  man  für  das  alpine  Gebiet  einer  Über¬ 
einstimmung  nahegekommen.  Nach  Heims  Geologie  der 
Schweiz  konnte  es  noch  fraglich  sein,  ob  man  auf  Grund 
der  Schweizer  Verhältnisse  nicht  mit  fünf  statt,  wie  bisher, 
nach  den  ostalpinen  Befunden  mit  vier  Vereisungen  zu 
rechnen  habe.  Zu  einem  solchen  Zweifel  konnte  der  Nach¬ 
weis  von  fünf  quartären  Schottersystemen  in  der  Schweiz 
Anlaß  geben,  von  denen  nur  vier  als  fluvioglazial  erwiesen 
werden  konnten,  die  Stellung  des  einen  hingegen,  welches 
die  tiefsten  Erosionsrinnen  erfüllt,  fraglich  geblieben  ist, 
ob  fluvioglazial  oder  interglazial.  Seitdem  wir  auch  in  den 
Ostalpen  mit  interglazialen  Schottersystemen  im  Gegensatz 
zu  den  fluvioglazialen  haben  rechnen  gelernt,  steht  der 
interglazialen  Auffassung  des  Schweizer  Schotters  der 
tiefsten  Rinnen  aus  dem  Ostalpen  vergleiche  kein  grundsätz¬ 
liches  Bedenken  mehr  im  Wege  und  man  kann  hier  wie 
dort  mit  vier  fluvioglazialen  Systemen  das  Aus¬ 
langen  finden. 

Die  Frage  der  zeitlichen  Gliederung  der  quartären  Ver¬ 
gletscherung  hat  uns  damit  schon  mit  einem  wichtigen 
neueren  Ergebnisse  der  alpinen  Quartärgeologie  bekannt 
gemacht:  dem  Nachweis  mächtiger  inte r glazi¬ 
aler  Schottor  Systeme.  Durch  Jahrzehnte  hat  mau 
anschließend  an  Penck  nur  mit  den  fluvioglazialen  Schotter¬ 
platten  des  Alpenvorlandes  gerechnet  und  die  seit  langem 
bekannten,  zwischen  Moränen  unten  und  oben  gelagerten 
Schotter  im  Innern  der  Alpentäler  als  untergeordnete,  ledig¬ 
lich  interstadiale  Bildungen  aus  der  Rückzugszeit  der  letzten 
Vereisung  betrachtet.  Seit  Jahren  hat  dagegen  O.  Ampfekeb2) 
geltend  gemacht,  daß  auch  diese  Schotter  sehr  weit  ver¬ 
breitet  sind  und  die  postulierten  zugehörigen  Stadialmoränen 
fehlen.  Heute  kann  der  Streit  als  im  AMPFEBERSchen  Sinne 
entschieden  bezeichnet  werden,  Pencx  selbst  hat  auf  Grund 
eingehender  Nachprüfung  die  Richtigkeit  und  Tragweite  der 
AMPFEBERSchen  Argumente  bestätigt  und  sich  der  inter- 
glazialen  Deutung  dieser  Schotter  voll  und  ganz  an¬ 
geschlossen.  Auch  die  mit  Recht  postulierten  Organismen- 
reste  sind,  wenigstens  vereinzelt,  gefunden  worden. 


2)  Jahrb.  d.  Geol.  R.-A.,  Wien,  1904,  Verh.  d.  Geol.  R.A., 
Wien  1908,  Z.  f.  Gletscherkunde,  Bd.  1,  1907;  Bd.  2,  1908. 


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231 


Anderseits  aber  fehlt  es  nun  nicht  an  Versuchen, 
auch  die  Schotterplatten  des  Alpenvorlandes 
als  interglazial  zu  deuten.  0. Amffebeb  hat  neue- 
stens  aus  dem  Bereiche  des  Ennstales  Beobachtungen  mit¬ 
geteilt,  die  die  Richtigkeit  einer  solchen  Deutung  für  dieses 
Gebiet  zu  erweisen  scheinen.  Für  viele  und  große  andere 
Gebiete  aber  kann  an  der  genetischen  und  zeitlichen  Ver¬ 
knüpfung  mit  Moränen,  nach  dem  bisherigen  Stande  der 
Kenntnisse  wenigstens,  doch  nicht  gezweifelt  werden.  Fluvio- 
giaziale  wie  interglaziale  Schottersystemo  sind  vorhanden, 
es  muß  fallweise  zwischen  beiden  unterschieden  werden, 
wobei  es  auf  das  Lagerungsverhältnis  der  Schotter  zu 
Moränen  ankommt,  die  einen,  fluvioglazialen,  gehen  in  hori¬ 
zontaler  Richtung  aus  Moränen  hervor,  die  anderen,  inter¬ 
glazialen,  sind  ohne  horizontale  Verknüpfung  von  Moränen 
unter-  und  überlagert. 

Widersprüche  bestehen  einstweilen  noch  bezüglich  des 
Alters  der  interglazialon  Schotter.  In  der 
Schweiz  werden  sie  vorwiegend  der  vorletzten,  Mindel-Riß-, 
Interglazialzeit  zugeordnet,  in  den  Ostalpen  hingegen  der 
letzten,  Riß-Würm-,  Interglazialzeit.  Die  Lösung  dieses 
Widerspruches  wird  wohl  in  der  Richtung  liegen  und  ge¬ 
funden  werden,  daß  eben  auch  mit  mehreren  interglazialen 
Schottersystemen  zu  rechnen  ist.  Manche  ostalpine  Schotter- 
vorkommnissc,  im  Inntale  z.  B.,  können  ohnehin  schon  auf 
eine  frühere  Interglazialzeit  bezogen  werden.  — 

Für  die  Rekonstruktion  des  Stromlinien¬ 
verlaufes  der  Eiszeitgletscher  sind  in  den  Alpen 
schon  durch  die  ungleich  stärkere  Gliederung  des  Reliefs 
naturgemäß  viel  reichere  Anhaltspunkte  zu  gewinnen  als 
beim  Flachlanddiluvium.  Auf  Grund  der  Herkunftsbestim¬ 
mung  der  Erratika  und  unter  Zuhilfenahme  der  Erfahrungen 
über  die  Strömungsverhältnisse  rezenter  Gletscher  ist  es, 
besonders  in  der  Schweiz,  schon  mehrfach  gelungen,  in 
die  scheinbar  so  verwickelten  Verbindungen  des  alpinen 
Eisstromnetzes  Klarheit  zu  bringen.  Ein  schwieriges  Problem 
des  alpinen  Eisstromnetzes  bietet  das  Verhalten  von 
Ferneis  und  Eigen  Vergletscherung.  Es  ist 
aktuell  in  all  den  vielen  Fällen,  wo  die  Mündung  eines 
Nebentales  früher  vom  Gletscher  des  Haupttales  erreicht 
wurde  als  von  dem  des  Neben tales  selbst.  Die  erste  Folge 
ist  natürlich  ein  Eindringen  des  Haupttalgletschers  ins 
Nebental .  Schwierig  aber  sind  die  Folgezustände  zu  be¬ 
urteilen.  die  sich  mit  dem  späteren  Vordringen  des  Neben- 


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232 


talgletschers  ergaben.  Es  mußte  dabei  zu  einander  entgegen¬ 
gesetzten  Strömungsrichtungen  in  einem  und  demselben  Tale 
kommen.  Die  Vermutung  aber,  daß  dann  die  jeweils  stärkere 
sich  durchgesetzt  habe,  ist  leichter  ausgesprochen  als  durch¬ 
gedacht.  Wo  ein  Abdrängeii  des  Nebentaleises  über  Kamm¬ 
senken  und  niedrige  Wasserscheiden  in  Nachbargebiete  mög¬ 
lich  war,  wird  aller  Wahrscheinlichkeit  nach  damit  zu 
rechnen  sein,  wie  z.  B.  im  Bereiche  der  Südtiroler  Dolo- 
mitentäler.  In  anderen  Fällen  hingegen  muß  schließlich 
doch  die  Abflußrichtung  des  Nebentales  zum  Haupttale  das 
Übergewicht  erlangt  haben.  In  beiden  Fällen  aber  ergibt 
sich  die  Frage:  Was  geschieht  mit  dem  eingedrungenen 
Haupttalgletschereis?  Eine  Umkehr  der  Strömungsrichtung 
ist  kaum  denkbar.  Wahrscheinlicher  ist  es,  daß  große  Eis¬ 
mächtigkeiten  des  eingedrungenen  Haupttalgletschers  in  tote 
Winkel  gerieten  und  abgeschert  wurden.  Abscherungen 
großen  Maßstabes,  mechanisch  ähnlich  jenen,  deren  Wichtig¬ 
keit  an  rezenten  Gletschern  PniLipr  betont3)  hat.  Mittels 
Untersuchungen  über  die  vertikale  und  horizontale  Geschiebe- 
verbreitung  ist  man  auf  dem  Wege,  diesen  komplizierten 
Wechselwirkungen  zwischen  Ferneis  und  Eigenvergletscher¬ 
ung  nachzuspüren. 

Ein  Hauptkapitel  der  alpinen  Quartärgeologie  ist  das 
morphologische.  Ich  habe  dabei  besonders  die  erosive 
Formgebung  der  Quartär  zeit  im  Sinne.  Die  glazi¬ 
alen  und  fluvioglazialen  Aufschüttungsformen  sind  gegenüber 
den  nordischen  eher  verarmt.  Wir  kommen  dabei  zu  stärkst 
umstrittenen  Fragen  der  alpinen  Quartärgeologie.  Wie  sehr 
die  Meinungen  auseinandergehen,  sieht  man  gleich  bei  der 
Fundamental  frage  nach  der  morphologischen  Be¬ 
schaffenheit  der  Alpen  am  Beginne  der  Quar¬ 
tärzeit.  Nach  der  Ansicht  der  einen  war  damals  schon 
vieles  gegeben,  was  nach  Ansicht  der  anderen  erst  im  Laufe 
der  Quartärzeit  geschaffen  wurde.  Extreme  sind  so  weit 
gegangen,  das  heutige  Relief  der  Alpen  und  anderer  Hoch¬ 
gebirge  zu  überwiegenden  Teilen,  ja  bis  über  90°/o  erst  in 
der  Quartärzeit  durch  Gletscherschur f  entstanden  sein  zu 
lassen.  Solche  offenkundigen  Übertreibungen  auszuschalten, 
fällt  nicht  schwer.  Aber  auch  darüber  hinaus  haben  die 
neueren  Untersuchungen,  besonders  österreichischer  Morpho- 


3)  N.  Jahrb.,  Beilagebd.  43,  1920;  Referat  hierüber  von 
S.  Finstekwaldeg,  Z.  f.  Gletscherkunde,  Bd.  13,  1923.  — 

Vgl.  auch  O.  Ampfegeg,  Z.  f.  Gletscherkunde,  Bd.  9.  1915. 


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logen,  den  quartären  Anteil  der  alpinen  Formentwicklung 
in  den  letzten  Jahren  immer  mehr  zugunsten  des  vor¬ 
quartären  eingeschränkt,  und  es  ist  für  diese  Autoren,  wenn¬ 
schon  im  Gegensätze  zu  den  Anschauungen  der  heute  noch 
tonangebenden  deutschen  Geographenschule,  ein  gesichertes 
Ergebnis,  daß  das  heutige  Relief  der  Alpen  zu  weitaus  über¬ 
wiegenden  Teilen,  sagen  wir  zu  mindestens  80%,  schon  vor¬ 
quartär  geschaffen  worden  ist,  daß  also  die  morphologische 
Beschaffenheit  der  Alpen  am  Beginne  der  Quartärzeit  oder, 
besser,  bei  Eintritt  der  Vergletscherung  den  großen  Zügen 
nach  schon  sehr  weitgehend  der  heutigen  entsprach.  Ins¬ 
besondere  erscheint  es  nicht  mehr  zweifelhaft,  daß  schon 
damals  die  grundsätzliche  Gliederung,  Stufung  der  Alpen¬ 
täler  im  Längs-  und  Querprofile  bestand,  daß  schon  damals 
die  Alpen  längst  kein  ausgeglichenes,  sanftes  „Mittelgebirge" 
mehr  waren,  sondern  ein  Gebirge  mit  starkem, 
durch  wiederholte  Unter  sc  lineidungsvor- 
gange  geprägtem  Relief,  mit  raschem  Wech¬ 
sel  schroffer  und  sanfter  Gehängepartien.  Ob 
man  darauf  schon  den  Namen  „Hochgebirge“  anwenden  oder 
ihn  jenem  Formenschatze  Vorbehalten  will,  bei  dem  noch 
die  Ausstattung  durch  Frostverwitterung  hinzukommt,  ist 
Nebensache.  Nur  gerade  die  tiefsten  Gliederungselemente  der 
Alpentäler,  im  Ausmaße  der  untersten  paar  Hundert  Meter 
des  Querprofils,  dürften  erst  quartären  Datums  sein.  Wie 
w  enig  im  großen  die  quartäre  Entwicklung  an  dem  Formen¬ 
schatze  der  Alpen  geändert  hat  —  so  bedeutsam  sie  natür¬ 
lich  für  die  Prägung  der  Kleinformen  war  —  geht  u.  a.  aus 
der  tiefen  Lage  hervor,  in  der  schon  vorquartäre  Schotter 
in  die  Mündungen  von  Tälern  am  südlichen  und  östlichen 
Alpenrande  cingreifen. 

Aber  auch  der  eingeschränkte  Quartäranteil  an  der 
alpinen  Formentwicklung  darf  nicht  durchaus  glazialer 
Erosion  zugeschrieben  werden,  sondern  ist  zu  einem  sehr 
wesentlichen  Prozentsätze  wenigstens  grundsätzlich  unab¬ 
hängig  von  der  Vergletscherung.  Das  geht  besonders  klar 
aus  der  Tatsache  hervor,  daß  sich  die  angenommene  quartäre 
Tal  Vertiefung  auch  in  un  vergletschert  gebliebenen  Gebieten, 
des  Alpensüdrandes  z.  B.,  geltend  gemacht  hat,  daß  auch 
vergletscherte  und  unvergletschert  gebliebene  Täler  der 
Nördlichen  Kalkalpen  gar  keinen  so  grundsätzlichen  Unter¬ 
schied  in  der  Formgebung  aufweisen,  wie  man  ihn  andern¬ 
falls  erwarten  müßte;  K.  Baedeker,  ein  Schüler  E.  Brück¬ 
ners,  konnte  z.  B.  für  die  im  wesentlichen  unvergletschert 


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gebliebenen  Täler  der  Sehneebergalpen  keine  solchen  wesent¬ 
lichen  Unterschiede  namhaft  machen.  Es  soll  damit  nicht 
ausgeschlossen  werden,  daß  die  Talvertiefung  in  ver¬ 
gletscherten  Gebieten  durch  Gletschersohurf  ausgeführr. 
wurde,  die  grundsätzliche  Ursache  der  Vertiefung  aber 
kann  nicht  die  Vergletscherung  gewesen  sein,  sondern  muß 
in  einer  weiteren,  wenigstens  relativen  Erhebung  der  Alpen 
über  ihre  Erosionsbasis  gelegen  haben,  ähnlich  jeneD 
Hebungsakten,  die  die  jungtertiäre  Talvertiefung  ausgelöst 
hatten. 

Aber  auch  auf  andere  Weise  haben  sich  ganz  bestimmte 
Anhaltspunkte  ergeben,  die  die  Erosionskraft  der 
Gletscher  relativ  g  e  r  i  n  g  erscheinen  lassen.  Im 
Inntale  bei  Innsbruck  z.  B.  waren  zwei  Vergletscherungen, 
nicht  nur  der  letzte  oder  Würmgletscher,  sondern  auch  der 
nach  allgemeiner  Annahme  beträchtlich  stärkere  Ri߬ 
gletscher,  nicht  imstande,  die  Schuttmassen  der  Höttinger 
Breccie  hinwegzuschaffen,  der  Würmgletscher  hat  nicht  ein¬ 
mal  mit  den  losen,  noch  heute  unverfestigten  Inn  talschottern 
aufzuräumen  vermocht,  sondern  weit  in  das  Querprofil  des 
Tales  hinein  vorspringende  Teile  davon,  die  Inntal-Schotter- 
terrassen,  stehen  gelassen. 

Je  mehr  in  letzter  Zeit  die  Rolle  quartärer  Krusten¬ 
bewegungen  hervortritt,  umsomehr  muß  allen  Annahmen 
bedeutenderer  Gletschererosion  immer  wieder  entgegen¬ 
gehalten  werden:  Mit  ausreichender  Wahrscheinlichkeit  läßt 
sich  Tiefenerosion  der  Gletscher  nur  in  dem  Ausmaße  jener 
rückfällig  eingetieften  Felsbecken,  Karböden  u.  dgl.  im 
Innern  der  Alpentäler  annehmen,  die  nicht  anders  erklärt 
werden  können.  In  absoluten  Zahlen  schwankt  dieses  Aus¬ 
maß  für  die  Alpengletscher  maximal  um  etwa  100  m. 

Man  hat  in  neuester  Zeit  wieder  aus  Beobachtungen 
beim  Vorstoß  des  Oberen  Grinde hvaldgletscliers  versucht, 
eine  Bestätigung  der  Annahme  bedeutenderen  Gletscher- 
schurfes  abzuleiten4).  Abgesehen  davon  aber,  daß  die  ge¬ 
messenen  Abschleifungsbeträge  absolut  sehr  gering  sind, 
geht  cs  doch  nicht  an,  die  abschleifende  Wirkung  des  Glet¬ 
schers  auf  oberflächlich  durch  lange  Zeit  den  atmosphäri¬ 
schen  Einflüssen  ausgesetzt  gewesene  Felspartien  zum  Maß- 
stabe  zu  nehmen  für  die  Berechnung  des  glazialen  Tiefen¬ 
schur  fes  überhaupt. 


4)  De  Quervain,  Vierteljahrsschrift  d.  Züricher  Xaturf.- 
Gcs.,  1919;  E.  Brückner,  Z.  f.  Gletscherkunde,  Bd.  12,  1921. 


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Versagt  hüben  im  besonderen  alle  bisherigen  Versuche, 
Trogkanten  und  Trogschlüsso  rein  glazialerosiv 
zu  erklären.  Ohne  schon  vor  der  Vergletscherung  gegebene, 
in  der  älteren  Talentwicklung  begründete  Profilknicke  und 
Gehängeleisten  kommt  man  nicht  aus,  will  man  nicht  ganz 
gewalttätige,  an  rezenten  Gletschern  nicht  nachgewiesene 
physikalische  Voraussetzungen  über  die  Glctschermechanik 
machen.  Versagt  haben  weiter  auch  die  Versuche,  Kare 
und  Kar  höhen  rein  glazial  zu  erklären.  Je  großer  die 
Karböden  ausgebildet  sind,  je  konstanter  die  Karhöhe  ist, 
um  so  auffälliger  erweisen  sich  auch  die  Kare  der  Anlage 
nach  als  Reste  älterer,  präquartärer  OberfLächensysteme, 
als  verlassene  Talschlüsso  von  Tälern,  die  im  übrigen  seither 
tief  unterschnitten  worden  und  nur  mehr  in  Gehänge  leisten 
erhalten  sind.  Die  Schwierigkeiten,  die  in  diesen  Punkten 
rein  glazialer  Deutung  entgegenstehen,  sind  viel  diskutiert, 
doch  alles  eher  als  beseitigt  worden;  souveränes  Darüber  - 
hinweggehen  ändert  daran  nichts. 

In  allen  diesen  Punkten  hat  die  Vergletscherung  nicht 
neue  Formen  geschaffen,  wohl  aber  alte,  schon  vorhanden 
gewesene  aus-  und  umgestaltet.  Dabei  war  die  Rolle  der 
Vergletscherung  —  darauf  muß  man  immer  wieder  zurück¬ 
kommen  —  gutenteils  auch  eine  konservierende. 

Mehrfach  hat  sich  die  neuere  Literatur,  besonders  auch 
die  amerikanische,  mit  der  Rolle  befaßt,  welche  bei  der 
glazialen  Ausgestaltung  Bergschrund  und  Rand¬ 
kluft  gespielt  haben5).  Man  hat  diesbezüglich  in  den 
Gletscherstollen  an  der  Südtiroler  Kriegsfront  unmittelbar 
sehen  können«),  daß  oberhalb  des  Bergsehrundes  Firn  und 
Eis  großenteils  fest  mit  dem  Felsgehänge  verwachsen  sind, 
eine  nennenswerte  glaziale  Erosionswirkung  im  Sinne  einer 
Rückverlegung  des  Gehänges  daher  nicht  in  Frage  kommt. 
Wohl  aber  dürfte  der  Gletscherschurf  rasch  und  kräftig 
dort  einsetzen,  wo  das  steilere  Rückgehänge  an  vorgegebener 
Winke  lung  in  sanfter  geneigten  G  letsch  ergründ  übergeht. 

Ohne  Zweifel  sehr  wichtig  ist  die  Wirkung  der  sog. 
Schwarzweißgrenze,  an  der4  der  Gletscher  gegen  unver- 
gletschertes  Gelände  grenzt.  Hier  ist  mechanisch  und  optisch 
eine  Grenze  ganz  verschiedener  Beanspruchung  gegeben, 
hier  kommt  das  zustande,  was  man  unter  Schliffgrenze 

5)  Vgl.  die  DisTELsche  Unterscheidung  zwischen  beiden  in 
Abh.  d.  Hamburger  Kol. -Inst.,  XXII,  1914.  S.  74  f. 

•*)  Z.  f.  Gletscherkunde,  ßd.  11,  1920,  S.  163  f. 


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versteht;  doch  nicht  so  sehr  im  Wege  aktiver  Einkerbung 
durch  den  Gletscher,  dessen  Erosionskraft  hier  in  den  Rand¬ 
partien  dafür  zu  gering  ist,  sondern,  vom  Standpunkte  des 
Gletschers  aus.  mehr  passiv  durch  das  völlig  verschiedene 
Verhalten  des  Geländes  unter-  und  oberhalb  hinsichtlich  der 
Verwitterung.  Insbesondere  wo  eine  eigentliche  Kerbe  vor¬ 
liegt,  dürften  an  deren  Schaffung  aktiv  viel  mehr  die  Kräfte 
oberhalb  des  Eises  als  letzteres  selbst  beteiligt  sein,  — 
die  glaziale  Abschleifung  klingt  vielmehr  allmählich,  wenn 
auch  innerhalb  eines  mehr  oder  weniger  beschränkten  Ge¬ 
hängestreifens,  nach  oben  hin  aus. 

Daß  quartäre  Ausgestaltung  an  den  Kleinformen 
der  Gipfelgrate,  durch  Frostverwitterung,  hervorragen¬ 
den  Anteil  hat  und  damit  an  dem,  was  nach  Ansicht- 
mancher  Autoren  für  den  Hochgebirgscharakter  entscheidend 
ist,  unterliegt  keinem  Zweifel.  Ebenso  wenig  kann  aber 
zweifelhaft  sein,  daß  die  Großform,  aus  der  diese  Klein- 
formen  herausgearbeitet  sind,  mit  zum  ältesten  Oberflächen¬ 
bestand  des  Gebirges  überhaupt  gehört,  denn  sie  ist  nach 
der  mitteltertiären  Herausbildung  des  von  Ckeützbuhg 
treffend  als  Firnfeldniveau  bezeichneten  Verflachungssystems 
als  höhere  Aufragung  übrig  geblieben;  sie  in  dieses  Ver¬ 
flachungssystem  mit  einzubeziehen  und  erst  durch  Gletscher¬ 
erosion  und  Frostverwitterung  herausgearbeitet  sein  zu 
lassen,  kann  wohl  als  unmöglich  bezeichnet  werden,  die 
Gletscher,  ja  die  Firne  müßten  dann  dort  schon  mit  einem 
Maximaibetrage  der  Erosion  eingesetzt  haben,  wo  sie  sich 
eben  erst  sammelten. 

Daß  die  Rückläufigkeit  der  großen  Alpen¬ 
täler,  die  deren  Verschüttung  mit  mehrere  Hundert  Meter 
mächtigen  Schottermassen  zugrunde  liegt,  nicht  auf  glaziale 
Talvertiefung,  sondern  auf  Krustenbewegungen  zurückgeht, 
ist  besonders  klar  geworden  an  dem  von  Ampfekeb  be¬ 
handelten  Bohrprofile  von  Rum  bei  Innsbruck.  In 
200  m  Tiefe  unter  der  heutigen  Inntalsohle  hat  diese 
Bohrung  noch  nicht  den  Felsgrund  erreicht,  sondern  sie 
ist  da  in  den  Schottern  steckengeblieben.  Wären  diese 
Schotter  die  Ausfüllung  eines  glazialen  Übertief ungsbeckens, 
so  müßte  das  Schotterprofil,  wie  Amffebee  mit  Recht  betont, 
von  unten  nach  oben  vom  feineren  zum  gröberen  Korn 
fortschreiten,  eine  einheitliche,  einfache  Verlandungsserie 
aufweisen.  Statt  dessen  liegen  schon  in  den  erschlossenen 
Teilen  der  Schottermasse  mehrere  Verlandungsserien  über¬ 
einander  ohne  nennenswerte  Diskordanzerseheinungen,  ein 


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Verhalten,  das  nicht  im  Sinne  eines  Gletscherschurfbeckens, 
wohl  aber  im  Sinne  wiederholter  Krustensenkung  gedeutet 
werden  kann. 

Diese  mächtige  Verschüttung  der  großen  Alpentäler 
—  im  Ennstale  ist  sie  schon  früher  zu  192  m  Tiefe  fest¬ 
gestellt  worden  —  ist  der  Ausdruck  eines  großenregres- 
siven  Entwicklungsstadiums  der  Alpentäler 
im  Laufe  der  Quartärzeit.  Nicht  die  heutigen  Talsohlen 
sind  die  tiefsten,  der  wahre,  felsige  Talgrund  liegt  noch 
beträchtlich,  um  Beträge  bis  zu  mehreren  Hundert  Metern, 
tiefer  und  ist  verschüttet  mit  interglazialen  Schottern.  In 
der  Schweiz  hat  Albert  Heim  die  Erosion  dieser  tiefsten 
Rinnen  und  auch  schon  ihre  Verschüttung  der  vorletzten, 
„großen“  Interglazialzeit  zugeschrieben.  Im  Inntale  ist 
wenigstens  die  Hauptmasse  der  heute  noch  erhaltenen 
Schotter  riß-würm-interglazial.  Die  ganze  seitherige  Erosion 
hat  nicht  wieder  vermocht,  bis  in  ähnliche  Tiefe  vorzu¬ 
dringen,  wiewohl  sie  nur  mehr  die  eingelagerten  Schotter 
hinwegzuräumen  gehabt  hätte.  Wo  immer  wir  in  den  Sohlen 
der  großen  Alpentäler  Fels  vortreten  sehen,  sind  es  nur 
Inselberge  oder  epigenetisch  angeschnittene  Felspartien.  So 
sehr,  wie  dies  Heim  für  die  Schweiz  betont  hat,  gilt  es 
auch  für  die  Ostalpentäler. 

Den  quartären  Krustenbewegungen,  denen 
wir  mithin  ebenso  dieses  wichtige  regressive  Entwicklungs¬ 
stadium  der  großen  Alpentäler  wie  den  auf  die  Quartär¬ 
zeit  entfallenden  Rest  der  Tal  Vertiefung  zuschreiben  müssen, 
hat  sich  daher  auch  für  die  Alpen  in  neuerer  Zeit  erhöhte 
Aufmerksamkeit  zugewendet.  Daß  altquartäre  Schotter  des 
nördlichen  und  südlichen  Alpenvorlandes  noch  verbogen  und 
verstellt  worden  sind,  ist  schon  länger  bekannt.  Nunmehr 
aber  verfolgt  man.  Kmstenbewegungen,  und  zwar  auch 
im  Alpeninnern,  bis  in  die  jüngere  Quartär  zeit  hinauf.  Für 
ihre  nähere  Beurteilung  haben  die  Bohrungen  im  tirolischen 
Inntale  wichtige  Anhaltspunkte  geliefert.  Während  bei  Inns¬ 
bruck  200  m  unter  der  heutigen  Talsohle,  also  in  360  m 
ü.  d.  M.,  der  Felsgrund  noch  nicht  erreicht  wurde,  traf 
eine  Bohrung  60  km  weiter  talab,  bei  Wörgl,  schon  in 
450  m  Meereshöhe  auf  Fels  —  wir  wollen  annehmen,  daß 
es  nicht  gerade  ein  Inselberg  ist.  Es  kann  hier  demnach 
nicht  von  einer  gleichmäßigen  Senkung  des  Gebirgskörpers 
im  ganzen  die  Rede  sein;  auch  nicht  von  einer  einfachen, 
talaufwärts  geneigten  Schiefstellung,  sonst  müßte  weiter 
inntalabwärts  die  Felssohle  allgemein  hervorkommen,  was 


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nicht  der  Fall  ist.  Bei  dem  NO  gerichteten  Verlauf  bliebe 
zunächst  noch  die  Möglichkeit,  an  eine  vom  Alpenrande 
gegen  das  Alpeninnere  hin  zunehmende  Einbiegung  des 
Gebirgskörpers  zu  denken,  allein  noch  weiter  alpeneinwärts 
verlieren  sich  die  Spuren  der  Senkung,  tauchen  vielmehr 
die  Felssohlen  der  Täler,  wennschon  mit  entwicklungs¬ 
geschichtlich  älteren,  höheren  Niveaus,  hervor.  Die 
Senkungsbewegung  war,  nach  dem  Beispiele  des 
Iimtales  beurteilt,  in  hohem  Grade  örtlich  diffe¬ 
renziert,  auf  Teilstrecken  der  großen  Alpentäler  kon¬ 
zentriert.  Unter  diesen  Umständen  und  bei  dem  inter glazialen 
Alter  der  Schottcrfüllung  liegt  es  sehr  nahe,  an  isosta¬ 
tische  Bewegungen  zum  Ausgleich  der  Belastung  zu 
denken,  die  durch  die  Vergletscherung,  insbesondere  die 
großen,  bis  2000  m  mächtigen  Haupttalgletscher,  erfolgt  ist. 

Die  isostatische  Deutung  hat  umsomehr  Wahrscheinlich¬ 
keit  für  sich,  als  in  der  teilweisen  Wiederauswaschung  der 
Schotter  dann  wieder  Hebimgsbewegungen  zum  Ausdruck 
kommen,  die  zwar,  wie  gesagt,  noch  nicht  bis  zur  vollen 
Freilegung  der  Felssohle,  immerhin  aber  schon  bis  zur  Ein¬ 
kerbung  mehrere  Hundert  Meter  tiefer  Furchen  geführt 
haben. 

Hinsichtlich  dieser  jungen  Hebungsbeweguu- 
gen,  die  sinngemäß  der  Entlastung  mit  dem  Zurückgehen 
des  Gletschers  entsprechen  würden,  haben  in  den  letzten 
Jahren  Untersuchungen  Pencks  im  Inn-  und  Isartale  wich¬ 
tige  neue  Aufschlüsse  gebracht.  Innerhalb  der  Füllmasse, 
welche  infolge  der  Senkung  zur  Ablagerung  gelangte,  lassen 
Bändertonlagor  und  seitliche  Schotterdeltas  einen  für  weite 
Erstreckung  verfolgbaren  Seespiegelhorizont  rekonstruieren 
(zumindest  stehen  der  Auffassung  im  Sinne  des  Spiegels  eines 
einheitlichen  Sees  keine  positiven  Befunde  entgegen).  Dieser 
Seespiegelhorizont  liegt  nun  heute  nicht  nur  allgemein  hoch 
über  dem  Talausgange,  er  ist  auch  in  seinem  Verlaufe 
gestört,  verläuft  nicht  mehr  horizontal,  sondern  beschreibt 
sowohl  im  Isar-  wie  im  Inntale  eine  weitgespannte  flache 
Aufwölbung.  Auch  die  Hebung  ist  also  nicht  gleichmäßig: 
erfolgt,  sondern  im  Sinne  einer  Aufbiegung,  deren  Achse  das 
Tal  quert.  Soweit  die  bisherigen  Feststellungen  reichen, 
kommen  dio  Maxima  der  Senkung  wie  auch  der  Hebung 
ungefähr  in  die  Gegend  größter  Tiefenmächtigkeit  des 
betreffenden  Talgletschers  zu  liegen  und  Senkungs-  und 
Hebungsbereich  im  ganzen  in  Talabschnitte,  wo  einerseits 
der  Gletschergrund  von  dem  entwicklungsgeschichtlicb 


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tiefsten  Talniveau  gebildet  wird  (von  der  Aufschüttung  ab¬ 
gesehen),  anderseits  an  der  Gletscheroberfläche  zur  Zeit 
des  Höchststandes  Abschmelzen  noch  nicht  eingesetzt  hatte. 
Bei  dem  letztinfcerglazialen  Alter  der  Inntalschotter  ergibt 
sich  zumindest  für  die  Hebung  ganz  jungquartäres  Alter. 

Quartäre  Verbiegung  hat  nach  Albert  Heim  bekannt¬ 
lich  auch  die  vielumstrittenen  Terrassen  im  Tale  des 
Züricher  Sees  betroffen;  wer  darüber  nicht  aus  eigener 
Anschauung  urteilen  kann,  wird  sich  Heims  letzter  Beweis¬ 
führung7),  die  auf  alle  Einwände  eingeht  und  meines  Wissens 
bisher  nicht  irgendwie  entkräftet  worden  ist,  nicht  ver¬ 
schließen  können. 

Pexck  nimmt  aucli  noch  andere,  bis  in  jüngste  Zeit 
andauernde  Krustenbewegungen  im  Alpeninnern  an,  Auf¬ 
wölbungen  im  Striche  vieler  Hochgebirgskämme,  die  daher 
ihren  „Schneiden“ -Charakter  hätten.  Die  Beweisführung 
hierfür  scheint  mir  einstweilen  auszustehen.  Warum  sollte 
man  für  das  Zustandekommen  dieser  Schneiden  nicht  mit 
dem  Rückwärtseinschneiden  von  beiden  Seiten  her  das  Aus¬ 
langen  finden  können,  und  in  welchem  Einzelfalle  sind  die 
angenommenen  Bewegungen  bisher  exakt  nachgewiesen 
worden? 

Auch  der  Annahme  der  anderen  jungen  Verbiegungen, 
jener  im  Bereiche  der  großen  Alpentäler,  steht  einstweilen 
ein  nicht  zu  unterschätzender  Ein  wand  entgegen:  daß  sie 
sich  nämlich  nicht  auch  im  Verlaufe  der  älteren,  felsigen 
Talsohlen! este,  der  Terrassen  und  Simse  an  den  Talhängen 
bemerkbar  machen.  Die  Annahme  scheint  aber  anderseits 
durch  die  stratigraphisch-tektonischcn  Schotterbefunde  so 
sehr  gestützt,  daß  man  gerne  zum  Unvermögen  die  Zuflucht 
nimmt,  so  weiträumige  Verbiegungen  an  den  ohnehin  —  je 
nach  ihrer  Erhaltung,  je  nach  dem  Abstande  von  der  Tal¬ 
mittellinie  —  in  der  Höhe  etwas  schwankenden  älteren 
Talbodenresten  festzustellen. 

Ein  taktisches  „Problem“,  das  für  Manche  große  Wichtig¬ 
keit  hat,  betrifft  die  Stellung  der  Quartärgeologie  zur  Geo¬ 
graphie.  Daß  die  Quartärforschung  und  mit  ihr  auch  Eis¬ 
zeitforschung  und  Morphologie  mit  im  engsten  Sinne  Gegen¬ 
stand  der  Geologie  sind,  daran  wird  kein  Vernünftiger 
zweifeln.  Wie  weit  die  Geographen  diese  Gebiete  auch  zu 
den  ihren  machen  wollen,  können  wir  ebenso  ruhig  ihnen 


7)  In  der  „Geologie  der  Schweiz“,  I,  S.  404  f. 


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überlassen  wie  anderseits  anerkennen,  welch  wichtige,  bahn¬ 
brechende  Impulse  diese  geologischen  Forscbungszweige  in 
den  letzten  Jahrzehnten  gerade  auf  alpinem  Gebiete  —  „Die 
Alpen  im  Eiszeitalter“ !  —  von  geologisch  gebildeten  Geo¬ 
graphen  erhalten  haben.  Was  wir  von  den  Geographen 
wünschen  müssen,  die  sich  mit  diesen  Dingen  befassen, 
ist,  daß  auch  sie  es  auf  guter  geologischer  Grundlage  tun. 
Die  persönliche  Etikette  ist  Nebensache,  nur  auf  die 
Leistung  kommt  es  an! 


Das  Unterkarbon  im  östlichen  Lahngebiet 
und  die  varistische  Faltung. 

(Vortrag,  gehalten  in  der  Sitzung  am  5.  November  1924.)1). 
Von  Herrn  Wilh.  Kegel  in  Berlin. 

Im  Laufe  der  letzten  Jahre  sind  hinsichtlich  der  Ver¬ 
breitung  unterkarbonischer  Gesteine  am  südlichen  Ostrand 
des  Rheinischen  Schiefergebirges  eine  Reihe  von  neuen 
Beobachtungen  gemacht  worden,  die  einmal  hinsichtlich 
der  Stratigraphie  dieser  Formation,  und  dann  für  die  Er¬ 
kenntnis  des  Ablaufs  der  varistischen  Faltung  in  diesem 
Gebiet  mancherlei  Neues  gebracht  haben. 

Zu  den  weitest  verbreiteten  Gesteinen  dm  östlichen 
Lahngebiet  gehört  die  Gießener  Grauwacke,  die  seit  den 
Tagen  v.  Dechens  zum  Flözlecren  gerechnet  worden  ist, 
wennschon  gelegentlich  Zweifel  an  dieser  Altersstellung 
aufgekommen  sind.  Als  wesentliches  Beweismittel  für  die 
erwähnte  stratigraphische  Einstufung  wurde  die  über¬ 
greifende  Lagerung  dieser  Grauwacke  über  das  (am  Ende 
der  Culmzeit)  aufgefaltete  Devon  betrachtet. 

Bei  der  nunmehr  abgeschlossenen  Spezialuntersuchung 
der  Gießener  Grauwacke  zeigte  sich,  daß  dieselbe  aller¬ 
dings  übergreifend  auf  allen  Stufen  des  gefalteten  Devons 


Eine  ausführliche  Darstellung  mit  den  erforderlichen 
Hinweisen  auf  das  Schrifttum  wird  im  Jahrbuch  der  Preuß. 
Geol.  Landesanst.  (Bd.  45)  erscheinen. 


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aufruhen  kann,  daß  indessen  an  ihrer  Basis  in  der  Regel 
ein  ebenfalls  übergreifender  Kieselschiefer  liegt,  der  nach 
Lage  der  Dinge  nur  dem  Culm  angehören  kann.  Die  enge 
Verknüpfung  der  Gießener  Grauwacke  mit  diesem  Kiesel- 
schiefer,  dann  aber  auch  ihr  allerdings  spärlicher 
floristischer  Inhalt  (nach  freundlicher  Mitteilung  durch 
Herrn  Gothan:  Asterocalamites  scrobiculatus ,  Lepidoden- 
dron  cf.  acuminatum ,  Lepidostrobus  Browni)  sprechen  für 
Culm.  Allerdings  fehlt  der  Posidonien-  bzw.  Culmtonschiefer. 
Indessen  ist  in  den  bisher  unbestritten  zum  Culm  gestellten 
Gesteinen  von  der  oberen  Lahn  und  Dill  aus  ein  nach  Süden 
und  Osten  immer  tieferes  Hinabgreifen  der  Culmgrauwacke 
in  die  unterlagernden  Culmtonschiefer  feststellbar,  bis  im 
Verbreitungsgebiet  der  Gießener  Grauwacke  diese  dem 
Kieseischiefer  unmittelbar  aufruht.  Ein  Unterschied 
zwischen  Gießener  und  Culmgrauwacke  besteht  nicht. 

Weiterhin  hat  sich  gezeigt,  daß  in  der  Hörre,  der 
Sattelachse  zwischen  Lahn-  und  Diiimulde,  ein  gewisser 
Anteil  der  Hörregrau wacken,  die  Kayser  seinerzeit  zum 
Silur,  Ahlbubg  zum  Oberdevon  stellte*,  mit  einem  Teil 
der  „Plattenschiefer“  und  Kieselschiefer  (Schiffelborner 
Schichten  z.  T.)  in  solch  enge  Beziehung  tritt,  daß  an  der 
normalen  Aufeinanderfolge:  Kieselschiefer,  Tonschiefer, 
Grauwacken  nicht  zu  zweifeln  ist.  Der  Tonschiefer  (Platten¬ 
schiefer)  enthält  die  bekannte  Flora  von  Sinn,  die  nach 
freundlicher  Mitteilung  von  Herrn  Gothan  in  Sphenop - 
teridium  eine  echt  culmische  Gattung  beherbergt.  Die  Grau¬ 
wacken  ihrerseits  haben  erst  kürzlich  auf  einer  Exkursion 
des  Gießener  Geologischen  Instituts  ein  echtes  Lepidoden- 
dron  (ebenfalls  nach  Bestimmung  von  Herrn  Gothan)  zu¬ 
tage  gefördert,  wonach  ein  höheres  als  unterkarbonisches 
Alter  für  dieselben  nicht  mehr  in  Frage  kommen  kann.  Die 
in  Rede  stehende  Schichtfolge  der  Hörreachse  gehört  dem¬ 
nach  zum  Culm;  sic  ruht  ebenfalls  älteren,  jedenfalls  über¬ 
wiegend  devonischen  Gesteinen  ungleichförmig  auf. 

Noch  ein  drittes  Gestein  muß»  ins  Unterkarbon  gestellt 
werden,  nämlich  der  in  der  Diiimulde  und  in  dem  nord¬ 
östlichsten  Teil  der  Lahnmulde  großen  Raum  einnehmende 
Deckdiabas  und  Deckschalstein.  Die  Arbeiten  von  Ivayser 
im  Dillgebiet  und  neuerdings  von  Schmierer  an  der  oberen 
Lahn  haben  gezeigt,  daß  dieser  Diabas  nach  oben  stets 
mit  dem  culmisehen  Kieselschiefer  verknüpft  ist,  ja  die 
Arbeiten  von  Schmierer  haben  ergeben,  daß  die  letzten 
Diabasergüsse  den  Kieselschiefer  sogar  gangförmig  durch- 

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242 


setzen,  und  damit  die  ältere  Auffassung,  daß  dieser  Diabas 
voreulmisch  sei,  widerlegt.  Nach  den  Ergebnissen  der 
paläonto logischen  Durcharbeitung  des  rheinischen  Culms 
von  Brüning  und  H.  Schmidt  gehört  der  Kieselschiefer  an 
die  Grenze  der  Tournai-  und  Visee-Stufe;  somit  bleibt  für 
den  Deckdiabas  der  größte  Teil  der  Tournai-  und  die 
Etroeungt-Stufe  zur  Verfügung.  Für  seine  untere  Grenze 
ergibt  sich  aus  den  Erwägungen,  daß  den  oberdevonischen 
Sedimenten  zwar  Lagergänge  und  Stöcke  von  Diabas  in 
großer  Zahl  eingeschaltet  sind,  unzweideutige  Decken  aber 
augenscheinlich  fehlen,  daß  ferner  die  jungoberdevonischen 
klastischen  Sedimente  keinerlei  Tuffe  einschließen,  die  hohe 
Wahrscheinlichkeit,  daß  der  gesamte  Deckdiabas  dem  Unter¬ 
karbon  angehört.  Gestützt  wird  dieses  Ergebnis  durch  das 
neuerdings  von  H.  Schmidt  festgestellte  Etroeungt-Alter 
der  Langenaubachcr  Tuffbreccie,  die  mit  der  Deckdiabas- 
Eruption  augenscheinlich  in  genetischem  Zusammenhang 
steht,  und  durch  einen  von  R.  Wedekind  kürzlich  be¬ 
kannt  gemachten  Fund  unterkarbonischer  Goniatiten  in 
einem  dem  Deckcfiabas  zwischengeschalteten  Gestein. 

Der  Deckdiabas  ruht  an  manchen  Stellen  unter  Fehlen 
des  mittleren  und  höheren  Oberdevons  altoberdevonischen 
Schichten  auf,  während  an  anderen  Orten  das  Oberdevon 
in  seinem  Liegenden  vollständig  entwickelt  ist.  Diese  Lücke 
ist  von  Bedeutung  für  die  folgenden  Betrachtungen. 

Das  aus  den  bisherigen  Erörterungen  nunmehr  sich 
ergebende  stratigraphische  Schema  des  Unterkarbons  im 
östlichen  Lahngebiet  läßt  sich  folgendermaßen  darstellen: 


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243 


Die  dem  obigen  Schema  zu  entnehmende  bedeutende 
Schichtlücke  zwischen  Devon  und  Karbon  ist  nicht  in 
gleichem  Ausmaße  im  gesamten  Gebiete  vorhanden.  An 
der  oberen  Lahn  ist  das  Oberdevon  vollständig  entwickelt 
und  wird  vom  liegenden  Alaunschiefer  des  Culms  an¬ 
scheinend  gleichförmig  überlagert;  eine  Schichtlücke  ist 
hier  bisher  nicht  nachgewiesen.  Nach  Süden  verschwindet 
der  Alaunschiefer  in  zunehmendem  Maße.  Im  Dillgebiet 
zeigt,  wie  erwähnt,  der  Deckdiabas  Anzeichen  einer,  wenn 
auch  schwachen  ungleichförmigen  Auflagerung,  und  in  der 
Lahnmulde  wird  zugleich  mit  dem  Verschwinden  des  Deck¬ 
diabases  die  Lücke  zwischen  Culmkieselschiefer  und  -grau- 
wacke  einerseits,  und  deren  Liegendem  andererseits  immer 
größer.  Aus  diesen  Beobachtungen  folgt  nun,  daß  diejenige 
Faltungsphase,  die  Ahlbukg  unmittelbar  vor  die  Ab¬ 
lagerung  der  Gießener  Grauwacke,  nach  seiner  Auffassung 
also  an  die  Wende  vom  Unter-  zum  Oberkarbon  legte,  ins 
ältere  Unterkarbon  bzw.  an  die  Wende  vom  Devon  zum 
Karbon  zu  stellen  ist.  Anderseits  wird  Ahlbubos  Annahme 
einer  Transgression  des  Oberdevons  der  Hörre  dadurch 
gegenstandslos,  daß  die  transgredierenden  Schichten  nun¬ 
mehr  ebenfalls  zum  Culm  zu  rechnen  sind.  Die  Bewegun¬ 
gen,  die  A Tilburg  vor  Ablagerung  der  transgredierenden 
Hörre-Deckschichten  anzunehmen  gezwungen  war,  fallen 
demnach  mit  jenen  vor  Ablagerung  der  Gießener  Grauwacke 
zusammen  und  verdichten  sich  damit  zu  einer  einheitlichen 
bedeutenden  Faltungsphase  an  der  Wende  vom  Oberdevon 
zum  Unterkarbon,  die  nach  dem  Vorgang  von  Stille 
als  bretonische  Phase  zu  bezeichnen  ist. 

Aus  der  Art  und  dem  Umfang  der  Schichtlücke 
zwischen  Devon  und  Karbon  läßt  sich  schließen,  daß  die 
Faltung  mit  Beginn  des  Kartons  einsetzte  und  im  Unter¬ 
karbon  wohl  noch  fortdauerte.  Sie  hatte  eine  in  ihrem 
Ausmaße  an  vielen  Stellen  recht  beträchtliche  Abtragung 
zur  Folge,  wie  sich  aus  dem  oben  mitgeteilten  strati¬ 
graphischen  Schema  ergibt.  Nach  Beendigung  der  Ab¬ 
tragung  transgreüierte  weithin  der  Culmkieselschiefer  und 
stellenweise,  wo  dieser  örtlich  fehlt,  der  Tonschiefer  bzw. 
die  Grauwacke. 

Von  Norden  nach  Süden  und  Südosten  nimmt  die 
Schichtlücke  unter  dem  Kieselschiefer  an  Bedeutung  zu. 
Daraus  läßt  sich  über  den  Umfang  der  Faltung  schließen, 
daß  diese  im  Süden  ihren  stärksten  Betrag  erreichte  und 
nach  Norden  allmählich  abflaute.  Das  Dillgebiet  gehörte 

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244 


bereits  dem  schwächer  gefalteten  Voriande  an.  Indessen 
machte  sich  die  Wirkung  doch  noch  weithin  nach  Norden 
geltend,  wie  wir  aus  dem  Auftreten  einer  Winkeldiskordanz 
zwischen  Devon  und  Karbon  z.  B.  bei  Warstein  (nach 
H.  Schmidt)  wissen. 

Die  im  Gefolge  der  Faltung  auftretenden  Eruptiv¬ 
gesteine,  der  Deckdiabas,  und  seine  Breccien  und  Schal¬ 
steine,  sind  im  Vorlande  der  Faltung,  in  der  Dillmulde 
und  im  nördlichsten  Teil  der  östlichen  Lahnmulde  ange¬ 
häuft.  Die  geologische  Gestaltung  dieser  Eruptivmassen, 
an  deren  Zusammensetzung  Tuffe  übrigens  einen  erheblich 
geringeren  Anteil  liesitzen  als  bei  den  mitteldevonischen 
Eruptivgesteinen,  spricht  dafür,  daß  wenigstens  ein  Teil 
des  Deckdiabases  subaerisch  erstarrte,  worauf  von  Brauns 
schon  hingewiesen  worden  ist. 

Auf  den  Culmkieselschiefer  folgt  im  Süden  unmittelbar, 
weiter  im  Norden  unter  Zwischenschaltung  der  Posidonien- 
schiefer  die  Culmgrauwacke.  Der  grobe  Stoff  dieser  Grau- 
wracke  ging  aus  dem  Detritus  hervor,  der  von  den  im  Süden 
und  Südosten  entstandenen  Faltenketten  ins  Culmmeer  ver¬ 
frachtet  wurde. 

Da  oberkarbonischc  Gesteine  in  dein  ganzen  hier  der 
Betrachtung  unterliegenden  Gebiet,  insbesondere  auch  in  den 
slark  eingefalteten  Kernen  der  Culmmulden  des  Dillgebietes 
nirgends  nachgewiesen  werden  konnten,  so  muß  man  die 
nächste  Phase  der  varistischen  Faltung  ans  Ende  der 
Culmzeit.  setzen.  In  dieser,  nach  Stille  sudetischen  Phase 
wurden  die  eben  gebildeten  Culmsedimente  mitgefaltet.  Ein 
großer  Teil  des  in  der  älteren  Faltung  noch  Vorland  ge¬ 
bliebenen  Gebietes  wurde  in  die  Faltung  miteinbezogen, 
ja  dieses  Gebiet  mußte  diesmal  den  Hauptstoß  auf  fangen. 
Es  kann  nämlich  kein  Zweifel  darüber  bestehen,  daß  die 
culmischen  Gesteine  in  ihrem  südlichsten  Verbreitungs¬ 
gebiet  am  Ostrand  des  Schiefergebirges  weniger  stark  ge¬ 
faltet  sind  als  im  Dillgebiet  und  an  der  oberen  Lahn,  wenn¬ 
schon  von  einer  tafelartig  flachen  Lagerung  der  Gießener 
Grauwacke  nicht  die  Rede  sein  kann,  wTie  früher  wohl 
gelegentlich  geschehen.  Die  Gießener  Grauwacke  ist  viel¬ 
mehr  regelrecht  gefaltet,  allerdings  ungleich  schwächer  als 
das  liegende  Devon.  Aufrechte  gerade  Falten  mit  mäßigen 
Einfallswinkeln  sind  die  Regel,  horizontale  Lagerung  ist 
selten;  Überkippungen  sind  bisher  nicht  nachgewiesen.  Im 
Dillgebiet  dagegen  herrscht  in  der  Regel  überkippte 
Lagerung  auch  im  Cu  Im. 


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245 


Der  Unterschied  der  Faltungsstärke  des  Culms  in  der 
Dill-  und  Lahnmulde  hat  schon  zu  mancherlei  Deutungen 
Anlaß  geboten.  Er  ist  zuletzt  von  Ahlburg  auf  das  Vor¬ 
handensein  eines  starren  Silurkernes  in  der  Sattelregion 
zwischen  beiden  Mulden  zurückgeführt  worden.  Nunmehr 
erklärt  sich  der  Gegensatz  einfacher  durch  die  verschieden¬ 
artige  Beanspruchung  der  Lahn-  und  Dillmulde  in  zwei 
aufeinander  folgenden  Faltungsphasen.  Die  bretonische 
wirkte  sich  hauptsächlich  im  Süden  des  Schiefergebirges, 
etwa  bis  zum  Hörregebiet,  aus.  Die  sudetische  fand  dieses 
Gebiet  in  hohem  Maße  versteift;  ihre  Hauptwirkung  betraf  da¬ 
her  die  weiter  nördlich  gelegenen  Teile  des  Schiefergebirges. 

Wo  die  Bereiche  stärkster  Wirkung  beider  Faltungs¬ 
phasen  zusammenstoßen,  findet  sich  eine  Zone  größerer 
flacher  Überschiebungen,  die  auch  den  Culm  betroffen 
haben.  Sie  stellen  sich  mithin  als  Erscheinungsformen  der 
jüngeren  Faltungsphase  dar  in  einem  Gebiet,  das  in  der 
älteren  Phase  bereits  stärker  beansprucht  worden  war. 

Im  großen  bestätigt  sich  mithin  eine  Wanderung  der 
Faltung,  wie  sie  bereits  aus  anderen  Teilen  des  varistischen 
Bogens  bekannt  geworden  ist. 


Bemerkungen  zu  dem  Vortrage 
des  Herrn  K.  Keilhack  zur  Geologie  Islands. 

Von  Herrn  C.  Gagel. 

Bei  dem  Vortrage  und  den  Bildern  von  Herrn  Keilhack 
ist  mir  vielfach  die  außerordentliche  Ähnlichkeit  der  ge¬ 
schilderten  Verhältnisse  mit  Madeira  aufgefallen. 

Abgesehen  von  den  zahllosen,  schichtförmig  über¬ 
einanderliegenden  Decken  der  „basaltischen"  jung  vulkani¬ 
schen  Gesteine  und  den  alten,  mit  roten  Verwitterungs¬ 
bildungen  bedeckten  Landoberflächen  innerhalb  des  jung- 
vulkanischen  Komplexes  sind  es  vor  allem  die  „Kare",  die 
„armsesselähnlichen"  Geländeformen,  die  Keilhack  von 
Island  im  Lichtbilde  vorführte  und  die  ihre  genauen  Analoga 
an  der  Südküste  Madeiras  haben.  Auch  mir  hat  sich  vor 
jenen  20  Jahren  in  Madeira  sofort  der  Vergleich  der  „Arm¬ 
sesselform"  aufgedrängt1).  Wie  diese  Formen  entstanden 
sind,  ist  mir  bisher  stets  rätselhaft  gewesen  —  eine  glaziale 
Entstehung  ist  auf  Madeira  jedenfalls  ausgeschlossen. 

*)  Vgl.  C.  Gagi-i.:  Studien  über  den  Aufbau  und  die  Gesteine 
Madeiras.  Diese  Zeitschr.  Bd.  64,  1912,  S.  364. 


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246 


Briefliche  Mitteilungen. 


•  • 

Uber  ein  genetisch  interessantes  Asbest¬ 
vorkommen  bei  Kor$a. 

Von  Herrn  Ebnst  Nowack  in  Wien. 

(Mit  l  Texfigur.) 

Im  Südosten  Albaniens  treten  große  Massen  basischer 
Eruptivgesteine  und  aus  diesen  hervorgegangener  Serpen¬ 
tine  auf,  die  jener  großen,  fast  (die  ganze  Balkan lialbinsel 
in  der  Längsrichtung  durchziehenden  Grünsteinzone  (Ser- 
pentin-Schiefer-Hornsteinzone  Philifpsons)  angehören.  In 
der  Gegend  von  Kor^a  ist  in  der  südlichen  Fortsetzung 
des  Ohrida-Sees  ein  breiter  Streifen  des  Serpentin-Grund¬ 
gebirges  grabenartig  zur  Tiefe  gesunken;  die  von  einer 
Ebene  eingenommene  Grabensenke  wird  in  ihrem  nörd¬ 
lichen  Teil  von  dem  versumpften  Maliq-See  eingenommen. 
Auch  die  Randgebiete  des  Kor<?a-Grabens,  der  an  der  Wende 
von  Tertiär  —  Quartär  niedergebrochen  sein  muß,  haben 
weithin  eine  Senkung  erfahren,  welche  schon  mit  Beginn 
des  Oligocäns  begonnen  haben  muß;  denn  wir  finden  rings 
um  die  Ebene  von  Korpa  das  Serpentin-Grundgebirge  von 
mächtigen,  mit  dem  Unteroligocän  (Priabonien)  transgre- 
dierenden  Tertiärablagerungcn  bedeckt. 

Das  Tertiär  von  Korga  liegt  mit  ausgezeichnet  und 
mächtig  entwickelten  Transgressionsbildungen  über  dem 
Eruptivgebirge.  Besonders  charakteristisch  sind  diese  Basal¬ 
schichten  am  Ostrand  der  Ebene  von  Kor<?a  entwickelt, 
wo  sic  mit  sanftem  westlichen  Einfallen  einem  hier  insel¬ 
artig  aus  dem  Tertiär  aufragenden,  langgestreckten  Ser¬ 
pentinzug  auflagern.  Sie  bestehen  zumeist  aus  Serpentin- 
breccien  und  -Konglomeraten,  groben  Serpentinsanden,  dann 
lebhaft  gefärbten  Schiefertonen  mit  armen  Toneisenstein- 
lagen  und  Lignitflözen;  weiter  stellen  sich  auch  in  höheren 
Horizonten  Koralicnkalke  ein  und  darüber  folgt  dann  eine 
eintönige,  weit  über  1000  in  mächtige  flvschartige  Schiefer¬ 
ton-  und  Sandsteinfolge,  die  bis -ins  Hinterste  Plioeän  reichen 
dürfte. 


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247 


Das  Eruptiv -  Grundgebirge  wird  größtenteils  aus 
Peridotiten  von  Harzburgit-Typus,  vielfach  auch  fast  reinem 
Olivinfels,  seltener  gabbroartigen  Varietäten  zusammenge¬ 
setzt;  alle  diese  Gesteine  befinden  sich  in  mehr-minder 
starker  Serpentinisierung.  Besonders  der  östlich  Korpu 
aufrag-ende  erwähnte  inselfönnige  Gebirgszug  ist  hoch¬ 
gradig  serpentinisiert,  das  Gestein  ist  meist  grün- 
schwarz  -  glänzend  und  bietet  durch  den  bläulichen,  röt¬ 
lichen  und  grünlichen  Schimmer  der  verschiedenen  Zer¬ 
setzungsprodukte  ein  oft  farbenprächtiges  Bild.  In  der 
Gegend  südlich  Korga  treten  im  Serpentingebirge  gang¬ 
förmige  Lagerstätten  von  Schwefel-  und  Kupferkies,  sowie 
manga-nhältigem  Magnetit  auf,  die  an  anderer  Stelle1)  be¬ 
sprochen  werden.  Asbest  fand  ich  im  Serpentin  nur  in  ge¬ 
ringen  Vorkommen  bei  Gjergjevica  und  Voskopoj  (\V  von 
Korga). 

Ein  größeres  Vorkommen  von  Asbest  in 
inniger  Verknüpfung  mit  Talk  findet  sich  jedoch  nicht 
im  anstehenden  Serpentin,  sondern  in  den  basalen, 
aus  Serpentintrümmern  zusammengesetzten  Tertiär¬ 
schichten  in  der  Gegend  von  Dishnica  NE  von  Kor<?a. 
Da  bisher  aus  Sedimentärschichten  primär  gebildeter  Asbest 
nicht  bekannt  zu  sein  scheint2),  dürfte  die  Beschreibung 
des  Vorkommens  von  einigem  Interesse  sein. 

Die  geologische  Situation  dieses  Vorkommens  ist  die 
folgende:  (vgl.  hierzu  die  Skizze  Fig.  1). 

Bei  Dishnica  streicht  der  schon  erwähnte,  den  Ostrand 
der  Ebene  von  Kor^a  bildende  schmale  Gebirgszug  von 
Serpentin,  der  hier  unmittelbar  am  Bruchrand  aus  dem 
Tertiär  auf  ragt,  gegen  Norden,  gegen  die  Ebene  aus;  von 
hier  bildet  im  wesentlichen  das  Tertiärbergland  die  Ost¬ 
umrandung  der  Ebene3).  An  der  Auflagerungsfläche  des 
Tertiärs,  die  mit  ungefähr  35°  nach  <NE  einfällt,  ist  der 
Serpentin  tief  verwittert  und  in  Schutt  verwandelt;  dieser 
zu  einer  Breccie  wiederverkittete,  z.  T.  auch  in  Konglomerat 
umgearbeitete  Serpentinschutt  bildet  die  100  bis  150  m 


J)  Zeitschr.  f.  prakt.  Geologie,  1924,  H.  9. 

2)  Man  kennt  wohl  in  Serpentinsehuttmassen  auf  sekundärer 
Lagerstätte  befindlichen  Asbest. 

8)  Bei  Piasa  ragt  abermals  etwas  Grundgebirge  aus  dem 
Tertiär  auf. 

4)  Sie  entsprechen  der  Priabona-Stufe  (nach  Fossilfunden,  die 
zuerst  Bourcart  während  des  Krieges  machte). 


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mächtigen  Basisschichfcen  des  Tertiärs4).  In  den  Klüften 
dieser  deutlich  und  sehr  dick  gebankten  Bildungen  tritt 
nun  netzartig  in  zahlreichen  Adern  der  Asbest  in  engster 
Verknüpfung  mit  Talk  und  Calcit  auf.  Im  Serpentinsockel 
selbst  lassen  sich  nur  geringe  Kluftausfüiiungen  von  Talk 
Poststellen.  Die  in  dem  Gebirgsschutt  am  rechten  Ufer 
des  Baches  so  zahlreich  zu  findenden  Asbeststücke  stammen 
alle  aus  den  basalen  Tertiärschichten.  In  diesen  lassen 


Fi  g.  1. 


sich  die  Asbest-  und  Talkvorkommen  in  südlicher  Richtung 
etwa  3  km  (bis  in  die  Gegend  östlich  Parep),  in  nördlicher 
Richtung  bis  nach  Plasa  verfolgen.  Die  Hauptverbreitung 
liegt  jedoch  zweifelsohne  bei  Dishnica,  wo  die  einem  sub¬ 
marinen  Schuttkegel  entsprechende  Serpentinbreccie  ihre 
größte  Mächtigkeit  erreicht. 

Der  Asbest  ist  mit  dem  Talk  und  Calcit  auf  das  innigste 
verwachsen;  zwischen  Talk  und  Asbest  lassen  sich  alle 
Zwischenstufen  beobachten,  indem  der  meist  striemige,  weiße 
Talk  stengelig,  kurzfaserig  wird  und  schließlich  in  bis 


^/-vrvnlo  Original  from 

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249 


langfaserigen,  spinnbaren  Asbest  übergeht.  Der  Calcit  da¬ 
gegen  scheint  nachträglich  zwischen  den  Asbestfasem  ge¬ 
bildet  zu  sein.  Sowohl  die  Striemung  und  Stengelung  des 
Talkes  wie  die  Faserung  des  Asbestes  verlauft  im  wesent¬ 
lichen  parallel  zu  den  Kluftflächen,  öfters  ist  sie  auch 
verworren.  Bei  Schürfungen,  die  in  geringe  Tiefe  längs 
der  einzelnen  Adern  vorgenommen  wurden,  zeigte  sich 
gegen  das  Gesteinsinnere  zu  eine  Vertalkung  und  gleich¬ 
zeitig  Verengung  der  Klüfte.  Es  hatte  beinahe  den  An¬ 
schein,  als  ob  die  Asbestbildung  auf  das  unmittelbar  Aus¬ 
gehende  der  Klüfte  beschränkt  wäre;  dennoch  möchte  ich 
es  für  vorschnell  halten,  sich  darüber  ohne  weitgehendere 
Aufschlüsse  ein  Urteil  zu  bilden. 

Genetisch  zeigt  das  Vorkommen  vollkommen  klar, 
daß  sich  Talk  und  Asbest  gleichzeitig  als  Zersetzungspro¬ 
dukte  der  Mg-reichen  Komponenten  des  Tertiärkonglo¬ 
merates  in  den  Klüften  unter  wesentlichem  Einfluß  der 
atmosphärischen  Agenzien  gebildet  haben.  Durch  den 
Wachstumsdruck  erfolgte  dabei  offenbar  gegen  das  Ausgeh¬ 
ende  der  Klüfte,  wo  die  Neubildung  am  kräftigsten  vor 
sich  geht,  eine  Erweiterung  dieser  Klüfte.  Das  Vorkommen 
zeigt  ferner  eine  überaus  enge  mineralogische  Verwandt¬ 
schaft  zwischen  Talk  und  Serpentin- Asbest,  die  hier  als 
Endglieder  derselben  Reihe  ita  kristallographischen  Habitus 
verschieden,  aber  sonst  durch  Übergänge  vollkommen  ver¬ 
knüpft  sind  (Ta  1  ko  -  Asbest). 

Die  chemisch  -  technologische  Unter¬ 
suchung  einer  Mischprobe  hatte  vom  praktischen  Stand¬ 
punkt  ein  ungünstiges  Ergebnis.  Nach  Mitteilung  des 
Laboratoriums  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt, 
in  welchem  auf  meine  Bitte  das  (Material  in  liebenswürdiger 
Weise  untersucht  wurde,  war  die  Probe  nach  fünftägigem 


Stehen 

mit  5%iger  Salzsäure 

stark  zersetzt.  In  Lösung 

gingen: 

Si02 . 

Fe208,  A1«0,  . 

.  .  0,81  o/ 

.  .  1,12 

CaO  .  /.  .  . 

.  .  0,39 

MgO . 

.  .  5,96 

Das  Asbestwerk  Feodor  Burgmann  in  Dresden-Leuben 
betrachtet  das  Material  für  Fabrikationszwecke  als  nicht 
geeignet. 

Aussichts voller  würde  wohl  vom  rein  wissenschaftlichen 
Standpunkt  eine  gründliche  chemisch-mineralo¬ 
gische  Durcharbeitung  des  Materials  erscheinen. 


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250 


um  die  durch  die  Eigenart  des  Vorkommens  besonders 
interessanten  genetischen  Beziehungen  zwischen  Asbest  und 
Talk  aufzudecken.  Diese  Arbeit  müßte  natürlich  einem 
Mineralogen  Vorbehalten  bleiben. 


Beiträge  zur  Geologie  und  Morphologie  des 
Thfiringerwald-Randes  zwischen  Frankenhain 
und  Georgenthal. 

Von  Herrn  Hans  Weber  in  Eisenach. 

(Mit  1  TexUigur.) 

Der  im  Titel  angegebene  Teil  des  nordöstlichen  Thü¬ 
ringerwaid-Randes  liegt  südlich  von  Gotha  zwischen  der 
Rumpel  an  der  Straße  Crawinkei-Oberhof  und  dem  Tal 
der  Apfelstädt  bei  Georgenthal;  er  wurde  im  Interesse  über¬ 
sichtlicher  Darstellung  in  vier  von  SO  nach  NW  als  1  bia 
4  numerierte  Abschnitte  gegliedert,  deren  Grenzen  der 
Gosselerspring  bei  Friedrichsanfang,  das  Ohratal  bei  Luisen¬ 
thal  und  das  Gabeltal  bei  Gräfenhain  sind. 

Erster  Abschnitt. 

Er  ist  1100  m  lang.  Der  Thüringerwald  wird  hier  von 
Tuffen  der  Oberhöfer  Stufe,  Quarzporphyr  und  einem  am 
Fuße  des  Gebirges  liegenden  Melaphyrkongiomerat  gebildet, 
das  die  Goldlauterer  Schichten  vertritt.  Die  prätertiäre 
Rumpf  fläche  des  Gebirges  reicht  bis  an  den  Rand  heran: 
sie  nähert  sich  auf  der  Klötze  (734  m),  wo  sie  sich  über  ihr 
durchschnittliches  Niveau  (720  m)  erhebt  (1,  S.  461,  Nr.  22; 
6,  S.  27  ff.),  bis  auf  700  m  dem  Vorlande,  das  rund  250  m 
tiefer  liegt.  Dieser  Höhenunterschied  ist  für  Thüringer  Ver- 
nältnissc  beträchtlich  und  bewirkt,  daß  Gebirge  und  Vor¬ 
land  in  starken,  landschaftlichen  Gegensatz  zueinander 
treten.  Die  Randflexur  des  Thüringerwaldes  ist  mit  einer 
Verwerfung  gepaart.  Das  Rot  liegende  fällt  nach  dem  Rande 
zu  ein  (die  Tuffe  am  nahen  Eisenberg  z.  B.  mit  18  bis  25°), 
weshalb  man  eigentlich  von  SW  nach  NO  erst  Zechstein, 
dann  die  drei  Stufen  des  Buntsandsteins  und  endlich  Muschel¬ 
kalk  erwarten  sollte;  Zechstein  und  Unterer  Buntsandstein 


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fehlen  jedoch,  weil  der  Schenkel  der  Flexur  von  der  herzy¬ 
nisch  streichenden  Rand  Verwerfung  geschnitten  Avird.  Zech¬ 
stein  und  Unterer  Buntsandstein  fallen  am  Eisenberg  steil 
nach  SW  unter  das  Gebirge  ein,  haben  also  eine  Um¬ 
kippung  erlitten,  die  sich  nach  NW  bis  über  die  Rumpel 
hinaus  fortsetzt;  auf  das  Rotliegende  folgen  nämlich  in 
zwei  insgesamt  nur  150  bis  200  m  breiten  Streifen  Mittlerer 
und  Oberer  Buntsandstein,  die  nach  SW  einfallen.  Dann 
kommt  der  Muschelkalk;  die  Terebratelbank  zeigt,  im  großen 
und  ganzen  wenigstens,  noch  seigeres  Einfallen,  im  Oberen 
Muschelkalk  geht  jedoch  das  Fallen  nach  NO  über  und 
nimmt  mit  weiterer  Entfernung  vom  Gebirgsrande  immer 
mehr  ab.  Es  ist  also  eine  Knie  falte  vorhanden,  mit  der 
Besonderheit,  daß  einerseits  verschiedene  Glieder  des 
Schenkels  infolge  einer  Verwerfung  längs  des  Streichens 
verschwunden  sind  und  daß  andererseits  eine  Überkippung 
eingetreten  ist,  dio  in  der  Richtung  nach  der  Mulde  zu 
allmählich  ausklingt. 

Von  der  Rumpffläche  auf  der  Klötze  führt  ein  Hang 
nach  NO  hinunter,  der  seine  größte  Steilheit  am  Fuße 
des  Berges  erreicht  und  mit  dem  Rotliegenden  längs  der 
Randverwerfung  endet.  Ihm  parallel  zieht  ein  Tälchen,  das 
an  der  Schleife  des  Crawinkler  Steigers  beginnt  und  auf 
dem  Buntsandstein  nach  NW  geht,  um  schließlich  ins 
Diluvium  einzutreten.  Sein,  nordöstlicher  Talhang  wird  vom 
Muschelkalk  gebildet,  der  längs  der  Zone  der  steilgestellten 
Terebratelbank  und  des  Unteren  Wellenkalks  kulminiert. 
Da  die  Schichten  herzynisch  streichen,  bildet  er  einen 
Miniaturvorberg  in  Form  eines  dem  Rande  parallelen 
Rückens  von  1000  in  Länge.  Mittlerer  und  Oberer  Bunt¬ 
sandstein  lieferten  also,  da  sie  viel  weniger  widerständig 
wie  ihre  Nac  hbar  forma  tionen  sind,  eine  Längsver¬ 
tiefung,  der  Muschelkalk  hingegen  blieb  als  Härtling  stehen; 
dieser  ist  jedoch  nicht  nur  dein  Schichtstreichen  angepaßt, 
indem  er  parallel  dem  Rande  läuft,  sondern  auch  dem  Fallen, 
denn  er  erhebt  sich  über  das  nordöstliche  Vorland,  was 
der  immer  stärker  werdenden  Aufrichtung  der  Schichten 
mit  der  Annäherung  an  das  Gebirge  entspricht.  Es  ist  dies 
dieselbe  Anpassung  der  Oberfläche  an  die  Lagerung  des 
Muschelkalks,  die  auf  dem  benachbarten  Plateau  von  Gossel 
allgemein  verbreitet  ist  (0,  S.  119  ff.;  7).  Zwischen  der 
eigentlichen  Rumpel  und  dem  Gebirge  zieht  auf  der  Rand¬ 
verwerfung,  die  hier  nach  Frankenhain  zu  abbiegt,  ein 
Tal  nach  SO  hinab,  das  zwischen  Rotliegendem  und  Muschel- 


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kalk  im  Diluvium  liegt.  Der  geologische  Gebirgsrand,  als 
den  man  die  Formationsgrenze  Paläozoikum/ jüngere  Ab¬ 
lagerungen  anzusehen  pflegt,  fällt  somit  im  Abschnitt  1 
mit  der  Randspalte  sowie  mit  der  morphologischen  Gebirgs- 
grenze  zusammen  und  wird  durch  die  parallelen,  auf  Bunt¬ 
sandstein  bzw.  der  Spalte  laufenden  Vertiefungen  noch  be¬ 
sonders  deutlich  markiert.  Auch  das  zusammenhängende 
Waldkleid  beschränkt  sieh  auf  das  Gebiet  südwestlich  der 
Spalte,  während  das  Vorland  kahl  ist  und  nur  der  Muschel¬ 
kalkrücken  etwas  lichten  Waid  trägt. 

Zweiter  Abschnitt. 

Er  beginnt  am  Gosselerspring  bei  Friedrichsanfang, 
endet  an  der  Waldmühle  bei  Luisenthal  und  ist  4000  m 
lang.  Die  720  m-Fläche  reicht  auch  hier  bis  unmittelbar 
an  den  Gebirgsrand  heran;  ihr  letzter  Ausläufer  ist  die 
schmale  Gipfelfläche  von  Quer-  und  Kienberg,  die  Höhen 
von  706,  723  und  701  m  besitzt.  Während  sie  am  SW-Rande 
mit  scharfer  Kante  gegen  die  Hänge  des  Ohratals  ab¬ 
schneidet,  geht  sie  in  den  NO-Hang  ohne  deutliche  Grenze 
über.  Da  der  Erlenbach  im  Vorlande  1500  m  nordwestlich 
des  Kienberges  in  450  m  Höhe  fließt,  bewirkt  das  nahe 
Herantreten  der  Rumpffläche  an  den  Rand  einen  Höhen¬ 
unterschied  von  270  m  auf  ziemlich  kurze  Entfernung.  Der 
dem  Rande  zugekehrte  Teil  von  Quer-  und  Kienberg  wird 
von  jüngerem  Porphyr  der  Oberhöfer  Stufe  gebildet,  nur 
auf  der  Oberfläche  des  Querberges  und  am  Hange  nördlich 
des  Kienbergköpfchens  treten  Tuffe  auf;  auf  das  Niveau 
der  Rumpf  fläche  hat  der  Gesteinswechsel  jedoch  keinen 
Einfluß.  Die  Kniefalte  ist  auch  hier  vorhanden,  ohne  aber 
überkippt  zu  sein;  die  Lagen  des  Porphyrs  fallen  nach  NO 
ein  und  tauchen  teils  unmittelbar  unter  die  diluvialen 
Schottermassen  des  Vorlandes  unter,  teils  schaltet  sich  ein 
schmaler  Streifen  Unteren  Zechsteins  dazwischen  ein,  der 
nur  50  bis  100  m  breit  ist  und  nach  älteren  Beobachtungen 
in  Schächten  40  bis  50°  NO  fällt  (2,  S.  100).  Eine  Ver¬ 
werfung,  die  die  Fortsetzung  derjenigen  von  der  Rumpel 
wäre,  ist  auf  der  geologischen  Karte  nicht  angegeben,  doch 
wird  ihr  Vorhandensein  weiter  unten  wahrscheinlich  gemacht 
werden  (S.  5).  Der  dem  Zechstein  folgende  Untere  Bunt¬ 
sandstein1)  ist  vom  Diluvium  bedeckt,  aus  dem  er  nur  zu 

J)  Die  Zurechnung  zur  Unteren  Stufe  ist  nicht  ganz  sicher 
(2,  S.  78). 


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beiden  Seiten  der  Bahn  nordöstlich  Waldmühle  und  in  Form 
von  Lesesteinen  300  m  östlich  des  Porphyrbruehes  am 
Öroßen  Gabelloch  auftaucht.  Da  Zimmermann  für  das  erst¬ 
erwähnte  Vorkommen  „mittleres  bis  steiles  Einfallen  nach 
NO"  angibt  (2,  S.  100  und  78),  gehört  es  noch  zum  Schenkel 
der  Flexur,  wahrend  der  an  drei  Stellen  südlich  des  Aue- 
berges  nachgewiesene  Röfc  bereits  flache  Lagerung  zeigt 
und  daher  der  Mulde  zuzurechnen  ist.  Der  Gebirgshang 
besitzt  im  allgemeinen  im  unteren  Teile  den  grüßten 
Böschungswinkel  und  geht  längs  der  Formationsgrenze  Rot- 
liegendes — Diluvium  mit  sehr  scharfem  Gefällsknick  in  das 
leicht  nach  NO  geneigte  Vorland  über;  da  wo  Zechstoin 
vorhanden  ist,  läuft  er  dieser  morphologischen  Linie  entlang. 
Oeo-  und  morphologischer  Rand  fallen  also  auch  in  diesem 
Abschnitt  zusammen,  sodaß  dem  im  NO  stehenden  Beschauer 
die  sehr  schmale  Zone  des  Zechsteins  als  die  Linie  erscheint, 
längs  deren  das  Gebirge  aus  dem  Vorlande  emporsteigt. 
Der  Wald  überzieht  jedoch  gleichmäßig  das  Gelände  von 
der  Rumpffläche  bis  herab  zum  Erlenbach  und  den  Hell- 
teichen.  Der  Außenhang  von  Quer-  und  Kienberg  ist  flacher 
als  der  nach  dem  Ohratal  gekehrte,  der  Felsbildungon 
und  starke  Bestreuung  mit  Porphyrscherben  zeigt;  es  liegt 
dies  daran,  daß  sich  der  NO-Hang  ira  Sinne  der  Schichten 
neigt,  auch  arbeitet  hier  kein  größerer  Wasserlauf  in  un¬ 
mittelbarer  Nähe  an  der  Fortführung  der  sich  abwärts 
bewegenden  Schuttmassen,  wie  es  auf  der  Ohraseite  der 
Fall  ist.  Der  NO-Hang  hat  daher  Zeit,  schroffe  Formen 
auszugleichen,  während  der  SW-Hang  viel  energischer  an¬ 
gegriffen  und  zurückverlegt  wird. 

Die  drei  Rötvorkommen  südlich  des  Auebcrges  gehören, 
wTie  oben  erwähnt,  der  Mulde  der  Flexur  an;  da  aber 
bereits  700  m  nordöstlich  vom  Aueberg  Unterer  Keuper 
ansteht,  der  gleichfalls  flach  gelagert  ist,  bleibt  zwischen  Röt 
und  Keuper  kein  Platz  mehr  für  den  Muschelkalk.  Dieser 
müßte  in  sehr  steiler  Lagerung  unter  Diluvium  verargen 
liegen,  was  jedoch  ausgeschlossen  sein  dürfte*,  da  er  bei 
seiner  großen  Widerständigkeit  eine  Erhebung  verursachen 
müßte.  Es  bleibt  daher  nur  die  Annahme  einer  unter  dem 
Diluvium  verborgenen  Verwerfung  zwischen  Röt,  und  Keuper 
übrig,  die  als  Fortsetzung  oder  Abzweigung  derjenigen  von 
der  Rumpel  aufzufassen  ist  (2,  S.  U0);  sie  biegt  von  der 
Spalte  nordwestlich  der  Rumpel  ab,  zieht  unter  dein  Gelände 
Friedrichsanfang  Hellteiche  nach  N,  wendet  sich  am  Aue¬ 
rberg  nach  NW  und  muß  b»-i  Fiedler«rrhihle  die  Ohra  uriter- 


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schreiten.  Sie  weicht  also  beim  Aueberg  1000  m,  zwischen 
diesem  und  der  Ohra  1500  m  weit  vom  Gebirgsrande  zurück. 

Dritter  Abschnitt. 

Er  ist  vom  zweiten  durch  das  250  m  breite  Ohratal 
getrennt  und  reicht  geradlinig  3000  m  weiter  bis  Grafen- 
hain,  wo  das  Gabeltal  aus  dem  Gebirge  tritt.  Die  Rand* 
flexur  findet  sich  auch  hier  und  hat  zunächst,  die  Rotliegend¬ 
schichten  betroffen,  die  am  Steinigen  Berg  das  Profil  des 
Kienberges  fortsetzen:  zu  unterst  älterer  Porphyr,  dann  ein 
nicht  sehr  mächtiges  Lager  von  Arkoson,  Tuffen  usw.,  die 
30°  NO  fallen,  und  als  Hangendes  jüngerer  Porphyr  der 
Oberhöfer  Stufe.  Hierzu  tritt  im  Gebiete  Ziegenböhler, 
Brandjohn  und  Sommerwand  das  Obere  Rotliegende  (Tam- 
bacher  Schichten),  das  in  Form  des  Schwalbensteinkonglome¬ 
rats  diskordant  und  z.  T.  fast  horizontal  dem  Mittleren  Rot¬ 
liegenden  auf  liegt  und  die  Mitte  des  Abschnitts  einnimmt: 
es  ist  gleichfalls  von  der  Flexur  betroffen.  Dem  Rotliegen¬ 
den  folgt  der  nur  30  in  mächtige  Zechstein,  der  durch¬ 
schnittlich  150  bis  200  m,  im  Höchstfälle  300  in  breit,  aus¬ 
streicht ;  er  wird  konkordant  vom  Buntsandstein  überlagert, 
der  durch  seine  Untere  und  Mittlere  Stufe  vertreten  wird, 
1000  m  breit  ist  und  unter  das  Diluvium  des  Vorlandes 
taucht.  Schichten,  die  zur  Mulde  der  Flexur  gehören,  liegen 
nicht  zutage. 

Das  Rotliegende  bildet  einen  Höhenzug,  der  vom  Ge¬ 
birge  durch  den  Lehmgrund  und  gegen  NO  vom  übrigen 
Randgebiet  durch  eine  Reihe  von  Vertiefungen  geschieden 
wird,  die  auf  dem  Zeclisteinbande  verlaufen;  er  kulminiert 
im  Ziegelberg  (672  m).  Die  RumpffLäche  des  Gebirges  senkt 
sich  auf  dem  Rücken,  der  die  Wasserscheide  zw-ischeD 
Apfelstädt  und  Ohra  trägt,  von  durchschnittlich  750  m  in 
der  Gegend  des  Roßkopfes  auf  720  m  an  der  Scharfer 
Hög;  hier  endet  sie,  muß  früher  aber  weiter  nach  NO 
gereicht  und  beim  Ziegelberg,  wenn  die  gleichmäßige 
Senkung  angehalten  hätte,  in  etwa  710  m  Höhe  gelegen 
haben.  Der  Ziegelberg  läge  also  heute  nur  unerheblich  unter 
ihrem  Niveau,  worauf  auch  seine  breite,  flach  gewölbte  Ober¬ 
fläche  hinzudeuten  scheint.  Vielleicht  haben  die  „milderen, 
tonig-sandigen  Lagen“  des  Oberen  Rotliegenden  (2,  S.  4L 
42),  die  sich  heute  noch  am  O-Hange  des  Steinkopfes  und 
am  Brandjohn  finden,  ehemals  weiter  nach  W  und  NW 
gereicht  und  waren  in  Gegend  Steinkopf — Ziegelberg  an 
der  Zusammensetzung  der  prätertiären  Oberfläche  beteiligt; 


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durch  ihre  geringe  Widerständigkeit  wurde  ihre  Entfernung 
beschleunigt  und  damit  eine  Tieferiegung  der  Oberfläche 
herbeigeführt.  Da  die  heutigen  Reste  der  Rumpffläche  auch 
an  der  Scharfen  Hög  immer  noch  3000  m  vom  geologischen 
Rande  entfernt  bleiben,  ist  allmähliches  Absinken  im  Gegen¬ 
satz  zum  vorigen  ein  Merkmal  dieses  Randabschnittes.  Ein¬ 
flüsse  des  Gesteinswechsels  auf  die  Höhenlage  des  Kammes 
Steiniger  Berg — Ziegelberg  oder  den  Böschungswinkel  seiner 
Hänge  sind  nicht  zu  erkennen. 

Die  auf  dem  Zechsteinband  verlaufende  Längsver¬ 
tiefung  wird  durch  zwei  Wasserscheiden,  eine  südlich 
des  Schloßberges,  die  andere  zwischen  Knöpfeis-  und  Ziegel¬ 
berg,  in  drei  Abschnitte  gegliedert,  deren  mittelster  im 
Haseltal  einen  Abflußweg  senkrecht  zum  Schichtstreichen 
nach  dem  Vorlande  zu  besitzt.  Die  geringe  Widerständigkeit 
verschiedener  Horizonte  des  Zechsteins,  insbesondere  der 
Letten  der  Oberen  Stufe  einschließlich  der  Bröckelschiefer 
des  Unteren  Buntsandsteins,  ist  die  Ursache  dafür,  daß  sich 
im  Anschluß  an  die  „postoligoeäne“  Reaktivierung  der 
Randspalten  längs  der  Formation  Vertiefungen  entwickelten. 
Da  der  Zechstein  nach  NO  fällt  (2-3  bis  30°  am  Steinigen 
Berg  [2,  S.  100])  und  auf  der  Rumpffläche  daher  notwendig 
weiter  gebirgseinwärts  ausstreichen  mußte,  müssen  auch 
die  Längstäler  dort  angelegt  und  mit  fortschreitender  Ein- 
tiefung  dem  Schichtfallen  entsprechend  gegen  das  Vorland 
hin  abgeglitten  sein2).  Zur  Bildung  von  Erhebungen  neigt 
hingegen  der  harte  Plattendolomit  des  Oberen  Zechsteins; 
er  liefert  jedoch  nur  kleinste  Formen,  da  er  höchstens 
15  bis  20  m  mächtig  ist;  niedere,  schmale,  steinige  Rücken 
und  winzige  Felspartien  zeigen  seinen  Verlauf  an.  Er 
beginnt  als  flacher  Huckel  im  oberen  Kirchgrund  und  zieht 
sich  so  über  die  Wasserscheide  südlich  des  Schloßberges 
hinweg;  dann  wird  er  sehr  markant,  bildet  den  Klingstein 
und  geht  als  30  bis  50  m  breiter  Rücken  bis  in  das  Tal 
von  Scherershütte  hinab.  Hier  tritt  er  auf  der  rechten 
Talseite  infolge  einer  Verwerfung  noch  einmal  etwas  weiter 
unterhalb  in  100  m  Länge  auf.  Ebenso  deutlich  erscheint 
er  schließlich  wieder  in  den  Tälern,  die  von  der  Wasser¬ 
scheide  zwischen  Knöpfeis-  und  Ziegelberg  nach  Scherers¬ 
hütte  und  Gräfenhain  hinunterführen.  Dem  Zechsteinstreifen 


2)  Nur  das  untere  Ende  des  Kirchgrundes  liegt  auf  Unterem 
Buntsandstein;  vermutlich  ist  das  Tal  in  den  oberen  Letten  des 
Zechsteins  und  den  Bröckelschiefern  angelegt  gewesen. 


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folgt  eine  Vorbergzone  im  Buntsandstein,  die  durch  das* 
Haseltal  in  den  Kamm,  der  den  Schloßberg  (542  m)  trägt, 
und  den  Knöpfeisberg  (516  m)  gegliedert  wird;  beide  bleiben 
an  Höhe  um  50  bzw.  150  m  liinter  dem  Rotliegenden  zurück, 
wodurch  gleichfalls  allmähliches  Absinken  des  Gebirges  nach 
dem  Vorlande  zu  bewirkt  wird.  Ähnlich  wie  beim  Kien¬ 
berg  sind  die  gegen  die  Zechsteintäler  und  die  Quertäler 
gerichteten  Hänge  steiler  als  die  NO-Hänge;  die  Gründe 
sind  dieselben  wie  dort.  Der  Böschungswinkel  der  Außen 
hänge  nimmt  allerdings  nach  oben  erheblich  zu,  weil  der 
Kamm  der  Vorbergo  durch  die  festen  Bänke  des  Unteren 
Buntsandsteins  gebildet  wird.  Geologisch  gehört  der  Bunt- 
«andstein  nicht  mehr  zum  Gebirge;  da  jedoch  das  Waldkleid 
auch  Schloß-  und  Knöpfeisberg  bis  zur  420-m-Schichtlinie 
herab  überzieht  und  das  Vorland  ziemlich  eben  ist,  bildet 
der  Waldrand  eine  oro-,  bio-  und  anthropogeographische 
Grenzlinie,  die  750  m  außerhalb  der  geologischen  läuft.  Eine 
Randverwerfung  ist  am  NO-Ende  von  Gräfenhain  erkenn¬ 
bar,  kann  aber  nur  200  m  weit  verfolgt  werden,  weil  sie 
nach  NW  unter  Alluvium  und  nach  SO  unter  Diluvium  ver¬ 
schwindet;  es  ist  jedoch  anzunehmen,  daß  sie  „zwischen 
dem  Keuper  des  Goldbergs  und  dem  Buntsandstein  westlich 
'Tobiasmühle  hindurchzieht"  (3,  S.  19),  und  demnach  die  Fort¬ 
setzung  der  Spalte  vom  Aueberg  ist.  Voir  geologischen 
Bande  ist  sie  1200  bis  1500  m  entfernt;  vermutlich  grenzt, 
wie  auch  beim  Aueberg  und  bei  Gräfenhain,  längs  des 
ganzen  nicht  sichtbaren  Teiles  der  Verwerfung  Oberer  bzw. 
Mittlerer  Buntsandstein  an  Unteren  Keuper. 

Die  Muschelkalkschollen  des  dritten  Ab¬ 
schnittes. 

Als  Fremdlinge  liegen  im  Mittleren  Buntsandstein  des 
dritten  Abschnitts  zwei  kleine  Muschelkalkvorkommen,  die 
auf  der  geologischen  Karte  nicht  angegeben  sind  (5).  Sie 
seien  als  1  und  IT  bezeichnet;  I  liegt  500  m  nördlich  tle> 
.Schloßberggipfels,  II  500  m  ostnordöstlich  des  Knöpf elsbergs. 
I  ist  eine  längliche  Kuppe,  deren  Hänge  allerseits  gegen 
das  umgebende  flachere  Gelände  scharf  abgesetzt  sind.  Der 
gerade,  fast  140  m  lange  NO-Hang  ist  besonders  steil  und 
schneidet  mit.  dem  Rande  des  Waldes  ab,  flacher 
sind  der  S-  und  SW-Hang.  Die  Kuppe  ist  in  SO — XW  ge 
streckt,  ihr  Umfang,  d.  h.  die  Länge  der  unteren  Kann* 
ihrer  Hänge,  mißt  520  m.  Oben  liegt  eine  kleine,  flach 
gewölbte  Fläche,  die  ihren  höchsten  Punkt  und  ihre  größte 


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Breite  am  SO-Ende  erreicht,  wo  sie  die  rückwärtige  Ver¬ 
bindung  mit  dem  Schloßberghang  um  4  m  überragt.  Nach 
NW  zu  senkt  und  verschmälert  sie  sich  und  geht  nach 
W,  N  und  O  mit  scharfer  Kante  in  den  Hang  über;  sie 
ist  90  m  lang.  Auf  dem  alten  Meßtischblatt,  der  Grund¬ 
lage  der  geologischen  Karte,  ist  das  Vorkommen  I  durch 
weites  Ausbiegen  der  Schichtlinien  und  eine  punktierte, 
elliptische  Linie  als  Erhebung  gekennzeichnet,  auf  dem 
neuen  Meßtischblatt,  Aufnahme  von  1905,  fehlt  dagegen 
die  punktierte  Linie  und  die  Schichtlinien  biegen  nur  wenig 
aus.  II  ist  eine  kleine  Kuppe  von  rundlichem  Umfang, 
sanft  gewölbt,  mit  flach  geneigten  Hängen,  die  gegen 
das  umgebende  Gelände  deutlich  abgesetzt  sind.  Der  NO- 
Rand  verläuft  in  einer  Länge  von  90  m  wenige  Meter  ein¬ 
wärts  vom  Waldrande.  Die  Kuppe  erhebt  sich  nur  2  m 
über  die  rückwärtige  Verbindung  mit  dem  Hang  des 
Knöpfeisbergs,  ihr  Umfang  mißt  310  m.  Auf  dem  neuen 
Meßtischblatt  ist  sie  durch  Ausbiegen  der  Schichtlinien, 
auf  dem  alten  überhaupt  nicht  dargestellt.  Das  Gestein 
der  Kuppe  I  ist  ein  dunkelgrauer,  dichter  Kalkstein, 
der  gelegentlich  ockergelbe  Flecken  und  feine,  weiße  Kalk¬ 
spatadern  zeigt,  stets  ziemlich  dünnplattig  ist,  im  allge¬ 
meinen  ebene  Schichtflächen  besitzt,  gelegentlich  aber  auch 
von  knotiger  Beschaffenheit  ist.  An  einigen  Lesesteinen 
fanden  sich  Rutschflächen;  auf  II  befindet  sich  ein  älterer 
Aufschluß  von  ly*  m  Tiefe  und  25  Schritt  Länge,  in  dem 
ungefähr  nordnordwestliches  Streichen  und  ein  Fallen  von 
etwa  30°  WSW  festgestellt  werden  kann.  Dicht  neben 
der  Grube  liegt  eine  kleine,  trichterförmige  Vertiefung, 
die  wohl  als  einer  der  auf  dem  benachbarten  Plateau  von 
Gossel  so  häufigen  Erdfälle  anzusehen  ist  (8).  Vorkommen  II 
scheint  dem  Unteren  Muschelkalk  anzugehören.  Die  Er¬ 
hebungen  verdanken  der  größeren  Widerständigkeit  des 
Muschelkalks  gegenüber  dem  umgebenden  Sandstein  ihre 
Entstehung,  sind  also  kleine  Härtlinge. 

Mitten  im  Buntsandstein  sitzende  Muschelkalkpartien 
kommen  in  der  Umgebung  noch  mehrfach  vor.  Verbindet 
man  auf  der  Karte  die  760  m  voneinander  entfernten  Kuppen 

I  und  II  durch  eine  Gerade  und  verlängert  diese  über 

II  hinaus,  so  trifft  man  nach  abermals  750  m  am  Rande 
von  Gräfenhain  auf  eine  auch  völlig  isoliert  im  Bunt- 
sandstein  liegende,  morphologisch  nicht  hervortretende  Partie 
von  Nodosenkalk,  die  als  III  bezeichnet  sei.  Die  Erläuterer 
des  Blattes  Ohrdruf  sagen  bezüglich  dieses  Vorkommen* 

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(3,  S.  19):  „Es  ist  eine  Erscheinung  von  der  Art,  wie  sie 
mehrfach  auf  Blatt  Friedrichroda  vorkommt:  Einstürze 
in  den  Sandstein  längs  des  Nordrandes  des  Thüringer  Wal¬ 
des,  sporadisch,  ohne  daß  man  berechtigt  wäre,  sich  fort¬ 
setzende  Verwerfungslinien  anzunehmen.“  Diese  letztere 
Ansicht  kann  jedoch  nach  Auffindung  von  I  und  II  nicht 
mehr  aufrecht  erhalten  werden.  Eine  zusammenhängende 
Spalte  ist  zwar  nicht  vorhanden,  doch  ist  es  sehr  auffallend, 
daß  I,  II  und  III  genau  in  einer  Linie  von  herzynischer 
Richtung  liegen;  es  muß  daher  eine  fortlaufende,  latente 
Störungslinie  angenommen  werden,  längs  deren  an  ver¬ 
schiedenen  Stellen  Einbrüche  erfolgt  sind.  In  ähnlicher 
Weise  kommen  Störungen,  die,  ohne  direkt  miteinander  zu¬ 
sammenzuhängen,  auf  einer  gemeinsamen  Schwächelinie 
sitzen,  auch  anderwärts,  so  z.  B.  längs  der  nahen  Eichen- 
berg-Saalfclder  Störungszone  vor.  Verlängert  man  die  er¬ 
wähnte  Verbindungslinie  noch  über  III  hinaus,  so  gelangt 
man  nach  1 250  m  an  der  W-Ecke  von  Nauendorf  auf  das 
letzte  Enkie  der  gleichfalls  herzynischen,  großen  Randver¬ 
werfung  des  Blattes  Friedrichroda.  Diese  kommt  ununter¬ 
brochen,  oft  in  Form  von  zwei  oder  mehr  nahen  Parallel¬ 
spalten  von  Dammühle  bei  Friedrichroda,  unterschreitet  am 
Bahnhof  Georgenthal  die  Apfelstädt  (9,  Übersichtskarte) 
und  besitzt  bei  Nauendorf  noch  eine  beträchtliche  Sprung¬ 
höhe,  da  Mittlerer  Buntsandstein  neben  Unteren  Keuper 
gesetzt  ist;  vom  Endpunkt  zweigt  übrigens  in  spitzem 
Winkel  eine  andere  Verwerfung  nach  N  ab,  die  aber  bald 
nach  0  umbiegt  und  nach  1000  m  unter  Alluvium  ver¬ 
schwindet.  Tatsächlich  endet  die  Hauptrandspalte  jedoch 
nur  als  Verwerfung  bei  Nauendorf,  geht  aber  als  latente 
Schwächezone  in  derselben  Richtung  durch  das  Gebiet  des 
Mittleren  Buntsandsteins  weiter,  wo  die  Muschelkalkschollen 
III,  II  und  I  an  ihr  abgesunken  sind. 

Der  auffälligste  Unterschied  zwischen  den  Abschnitten 
2  und  3  ist  das  Fehlen  der  Buntsandsteinvorberge  rechts 
der  Ohra  und  ihr  unvermitteltes  Auftreten  am  linken  Ufer 
bei  Bahnhof  Luisenthal.  Eine  Verwerfung  wird  im  Ab¬ 
schnitt  2  von  der  geologischen  Karte  nicht  angegeben,  doch 
weist  Zimmekmaxx  darauf  hin,  daß  infolge  steiler  Auf¬ 
richtung  lokal  einzelne  weichere  Schichtenstöße  des  Zech¬ 
steins  abgerissen  und  in  der  Tiefe  zurückgeblieben  sein 
können;  meist  habe  zox  die  Gleitzone  abgegeben,  sodaß 
oberflächlich  nur  zo2  und  zo3  vorhanden  seien  (2,  S.  101). 
Von  Waldmühle  .bis  zum  Gabelloch  ist  aber  gerade  nur 


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der  Untere  Zechstein  vertreten  und  weiterhin  fehlt  die 
Formation  vollständig.  Das  ist  nur  durch  die  Annahme 
einer  durchgehenden  Verwerfung  zu  erklären,  die  nicht  an 
bestimmte,  schlüpfrige- Horizonte  gebunden  ist,  sondern  die 
Schichten  schneidet.  Zu  dieser  Annahme  berechtigen  die 
Muschelkalkvorkommen  I — III;  ihre  Verbindungslinie  trifft, 
nach  SO  verlängert,  auf  Waldmühle,  und  es  ist  anzu¬ 
nehmen,  daß  hier  längs  der  bisher  latenten  Schwächelinie 
erneut  eine  Verwerfungsspalte  auftritt,  die  bis  zum  Gabel¬ 
loch  den  Zechstein  durchschneidet  und  hierauf  sein  völliges 
Verschwinden  bewirkt.  Sie  steht  wahrscheinlich  unter  dem 
Diluvium  mit  der  Randspalte  der  Rumpel  in  Verbindung. 
Eine  Bestätigung  dieser  Annahme  ist  der  Fund  eines  Sand¬ 
steinbrockens  mit  mehreren  Rutschharnischen  in  dem 
größeren  der  beiden  Aufschlüsse  des  Ohrdrufer  Stadtforstes 
gerade  auf  der  Störungslinie;  die  Harnische  wären  aus 
der  Lagerung,  wie  sie  die  geologische  Karte  angibt,  nicht 
zu  erklären,  sie  deuten  auf  Verwerfungen,  die  wegen 
ihrer  geringen  Sprunghöhe  und  der  Gleichartigkeit  des 
Gesteins  oberflächlich  nicht  zu  erkennen  sind3).  In  den 
Abschnitten  2  und  3  sind  demnach  zwei  parallele  Störungs- 
iinien  vorhanden;  an  der  inneren  ist  im  Abschnitt  2  der 
Buntsandstein  abgesunken,  weshalb  bei  seinem  nordöstlichen 
Einfallen  die  Grenzen  seiner  Stufen  näher  am  Gebirge 
liegen,  als  sie  es  beim  Fehlen  der  Verwerfung  tun  würden; 
die  Breite  der  Formation  ist  daher  für  die  Bildung  von  Vor¬ 
bergen  zu  gering  und  der  Röt  bis  auf  500  m  ans  Gebirge 
herangerückt,  während  er  im  Abschnitt  3  1000  m  vom 
geologischen  Rande  entfernt  noch  nicht  festzustellen  ist. 

Vierter  Abschnitt. 

Er  reicht  vom  Gabeltal  bei  Gräfenhain  bis  zum  Tal 
der  x\pfelstädt  bei  Georgcnthal  und  ist  2800  m  lang.  Auch 
hier  sind  die  Schichten  vom  Mittleren  Rotliegenden  bis 
zum  Mittleren  Buntsandstein  von  der  Flexur  betroffen.  Die 
Oberhöfer  Stufe  ist  durch  Porphyre,  Porphyrito  und  Tuffe 
vertreten,  tritt  bezüglich  ihrer  Verbreitung  jedoch  hinter 
dem  Schwalbensteinkonglomerat  sehr  zurück.  Das  Rot¬ 
liegende  bildet  einen  Rücken,  der  im  Brandkopf  (671  m) 
kulminiert,  nach  NW  zu  an  Höhe  immer  mehr  abnimmt 


3)  Analogie  mit  dem  scheinbaren  Fehlen  der  Eichenberg- 
Saalfelder  Störungslinie  im  Buntsandsteingebiet  von  Paulinzella 

(4,  S.  66). 

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(Totenstein  560  m)  und  im  ganzen  beträchtlich  unter  dem 
Niveau  der  prätertiären  Landoberfläche  liegt.  Diese  bleibt 
hier  im  Tambacher  Becken  so  weit  vom  Rande  entfernt, 
daß  sie  für  dessen  morphologisches  Bild  ohne  Bedeutung  ist. 
Im  NO  wird  der  Rotliegendrücken  von  einem  Steilrande 
begrenzt,  an  dessen  Fuß  sich  besonders  in  der  Umgebung 
der  Wechmarhütte  geringe  Reste  stark  zertalter  Ver- 
flächungen  in  etwa  500  m  Höhe  anschließen.  Durch  den 
geologischen  Bau  ist  dies  Profil  Rücken-Steilrand-Plateau 
von  Wechmarhütte  nicht  bedingt,  nur  die  Kleinformen 
sind  vielfach  vom  Gestein  abhängig;  so  bilden  die  beiden 
Porphyritvorkommen  nördlich  des  Schwimmbachs  kleine 
Härtlinge  mit  sehr  steilen  Hängen.  Auf  dem  Zechstein¬ 
streifen  haben  sich  auch  hier  Längstälchen  ent¬ 
wickelt,  im  Schwalbensteinkonglomerat  liegt  nur  der  untere 
Teil  des  Schwimmbachtals;  vermutlich  wurde  jedoch  auch 
dies  in  dem  auf  der  prätertiären  Landoberfläche  mehr  ge- 
birgseinwärts  ausstreichenden  Zechstein  angelegt,  glitt  je¬ 
doch  mit  weiterer  Eintiefung  nicht  nach  NO  ab,  sondern 
drang  epigenetisch  in  das  viel  widerständigere  Rotliegende 
ein.  Der  Plattendolomit  ist  als  zusammenhängende  Boden¬ 
welle  vom  Gabeltal  bis  zur  Straße  Wechmarhütte-Nauen¬ 
dorf  zu  verfolgen;  westlich  der  Straße  deuten  auf  dem 
S-Hang  des  Finkenbergs  zwei  kleine,  steinige  Buckel  auf 
seine  Anwesenheit,  und  250  m  weiter  bildet  er  am  oberen 
Ende  des  Talhanges  vom  Schwimmbachtal  eine  scharfe 
Kante.  Diese  geht  allmählich  in  einen  felsigen  Grat  über, 
der  sich  nach  Georgenthal  hinein  bis  fast  an  die  Bahn 
herunterzieht.  Der  Buntsandstein  bildet  eine  Vorbergzone, 
die  durch  ein  Quertal  in  Heide  und  Finkenberg  zerlegt 
wird.  Die  Heide  trägt  eine  die  Schichten  des  Unteren 
Buntsandsteins  schneidende  Verflächung  in  500  m  Höhe,  die 
sich  nach  SW  bis  in  den  Bereich  des  Zechsteins  hinein 
erstreckt;  vielleicht  besteht  zwischen  dieser  sowie  dem 
Plateau  von  Wechmarhütte  und  entsprechenden  Niveaus 
im  Tambacher  Becken  ein  ursächlicher  Zusammenhang. 
Heide  (510  m)  und  Finkenberg  (461  m)  sind,  da  der  Land¬ 
wirtschaft  dienstbar  gemacht,  von  den  bewaldeten  Vor¬ 
bergen  des  3.  Abschnitts  erheblich  unterschieden  und  ge¬ 
hören  biogeographisch  zum  Vorlande;  da  sie  aber  die  Fort¬ 
setzung  der  mit  dem  Gebirge  eine  geographische  Einheit 
bildenden  Höhen  Schloß-  und  Knöpfeisberg  sind,  und  das 
Vorland  auch  hier  sehr  flach  ist  und  viel  tiefer  liegt 
(370 — 380  m),  sind  sie  geographisch  dem  Gebirge  zuzu~ 


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rechnen.  Infolge  ihrer  Waldlosigkeit  mildern  sie  aber  land¬ 
schaftlich  den  Übergang  vom  Gebirge  zum  Vorland,  zumal 
sie  auch  vom  Rücken  Brandkopf-Totenstein  nur  wenig  über¬ 
höht  werden.  Die  außerhalb  der  Vorberge  verlaufende 
innere  Randverwerfung  ist,  wie  bereits  im  Abschnitt  3 
geschildert,  zwischen  Gräfenhain  und  Nauendorf  in  Form 
einer  latenten  Schwächelinie  vorhanden  und  tritt  erst  west¬ 
lich  von  Nauendorf  als  Verwerfungsspaite  auf.  Die  äußere 
Randverwerfung  ist  zum  letzten  Mai  am  NO-Ende  von 
Gräfenhain  nachweisbar.  Da  ihre  Sprunghöhe  hier  noch 
ziemlich  groß  ist  (Unterer  Keuper  neben  Mittlerem  Bunt¬ 
sandstein),  dürfte  sie  noch  eine  Strecke  unter  dem  Alluvium 
weiter  laufen;  vielleicht  steht  sie  mit  der  von  der  inneren 
im  spitzen  Winkel  abzweigenden  Spalte  in  Verbindung. 


Schlußbemerkungen. 

Die  Format  ionsgrenze  Paläozoikum  /  jüngere  Bildungen 
pflegt  man  als  geologischen  Gebirgsrand  zu  bezeichnen.  In 
dem  behandelten  Gebiet  liegen  aber  zum  Teil  weit  außer¬ 
halb  des  geologischen  Randes  noch  Randspalten,  die  eben¬ 
sogut  geologische,  und  zwar  tektonische  Grenzen  des  Ge¬ 
birges  sind.  Ihre  SW-Flügel  sind  gehoben,  geologisch  also 
dem  in  Staffeln  abbrechenden  Gebirge  zuzurechnen.  Erst 
wenn  man  die  äußerste  Randverwerfung  nach  NO  über¬ 
schritten  hat,  ist  man  in  jeder  Hinsicht  im  Vorlande.  Ich 
möchte  deshalb  die  Grenze  Paläozoikum  /  jüngere  Schichten 
genauer  den  stratigraphischen,  die  am  weitesten 
außen  liegende,  tektonische  Grenzlinie  dagegen  den  tek¬ 
tonischen  Gebirgsrand  nennen.  Diejenige  Gebirgs- 
grenze,  die  sich  aus  geo-  und  morphologischen,  bio-  und 
anthropogeographischen  Gesichtspunkten  ergibt,  sei  als 
geographischer  Rand  bezeichnet.  Die  Lage  der 
drei  Ränder  ist  aus  der  Skizze  ersichtlich;  nur  an  der 
Rumpel  fallen  alle  in  eine  einzige  Linie  zusammen,  die 
daher  eine  sehr  scharf  ausgeprägte,  geographische  Grenze 
darstellt. 

Die  beiden  Abschnitte  rechts  bzw.  links  der  Ohra  lassen 
sich  zwanglos  zu  folgenden  beiden  Randtypen  ver¬ 
einigen. 

I.  rechts  der  Ohra:  die  Rumpffläche  des  Gebirges  tritt, 
ohne  ihre  Höhenlage  zu  ändern,  bis  unmittelbar  an 
den  Rand;  Flexur  mit  ziemlich  steilem  Schenkel  und 
doppelte  Randverwerfung  sind  vorhanden;  der  geo- 


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graphische  Rand  liegt  im  Schenkel  der  Flexur  und 
fällt  mit  dem  stratigraphischen  zusammen; 

II.  links  der  Ohra:  die  Rumpff lache  des  Gebirges  zeigt 
eine  sehr  schwache  Senkung  nach  dem  Rande  zu, 
ohne  ihn  zu  erreichen;  Flexur  mit  weniger  steilem 
Schenkel  und  Randverwerfung,  stellenweise  doppelt, 
sind  vorhanden;  der  geographische  Rand  liegt  außer¬ 
halb  des  stratigraphischen  und  innerhalb  des  tek¬ 
tonischen. 

Die  Rumpffläche  ist  das  Produkt  des  prätertiären  Yer- 
ebnungsprozcsses,  während  alle  anderen  Formen  erst  nach 


Fig.  1.  Stratigraphischer,  tektonischer  uud  geographischer  Rami 
des  Thüringerwaldes  zwischen  Rumpel  und  Georgenthal. 

M.  1 : 133000. 

der  Reaktivierung  der  prätertiären  Störungen  herausge¬ 
arbeitet  worden  sind.  Als  Linien,  längs  deren  die  Reak¬ 
tivierung  erfolgt  sein  kann,  kommen  in  Frage:  1.  die 
Flexur,  2.  die  innere  und  3.  die  äußere  Randverwerfung. 
Eine  Wiederbelebung  der  Flexur  im  Sinne  einer  Verstärkung 
der  Faltung  dürfte  jedoch  bei  der  geringen  Entfernung, 
die  die  Schichten  von  der  damaligen  Erdoberfläche  gehabt 
haben,  nicht  anzunehmen  sein,  statt  dessen  könnte  hier 
eher  eine  Zerreißung  eingetreten  sein,  wie  es  im  Ab- 


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schnitt  2  der  Fall  ist.  Auch  an  dieser  Stelle  ist  aber  eine 
Reaktivierung  nicht  wahrscheinlich,  weil  Flexur,  Spalte 
und  morphologischer  Gebirgsrand  heute  noch  Zusammen¬ 
fällen:  seit  der  Neubelebung,  die  schon  recht  weit  zurück¬ 
liegt,  ist  aber  eine  so  beträchtliche  Erosionsarbeit  geleistet 
worden  —  man  beachte  nur  die  großen  Taleinschnitfce, 
die  die  Ohra  und  ihre  Quellbäehe  inzwischen  geschaffen 
haben  — ,  daß  der  NO-Hang  im  2.  Abschnitt  seitdem  be¬ 
reits  ein  merkliches  Stück  zurückverlegt,  mindestens  aber 
viel  stärker  zertalt  sein  müßte,  als  er  es  heute  ist.  Nur 
zwischen  Nauendorf  und  der  Apfelstädt  ist  eine  Wieder¬ 
belebung  dieser  Spalte  denkbar4).  Es  bleibt  also  für  das 
übrige  Gebiet  allein  die  heute  völlig  ausgeglichene,  äußere 
Randverwerfung  übrig,  an  der  die  Reaktivierung  statt¬ 
gefunden  haben  kann.  Auf  der  alten  Landoberfläche  müssen 
folgende  Formationen  die  Nachbarschaft  dieser  Spalte  ge¬ 
bildet  haben:  vom  Rotliegenden  des  Gebirges  nach  außen 
Zechstein,  Unterer,  Mittlerer  und  Oberer  Buntsandstein  und 
vielleicht  noch,  der  Spalte  am  nächsten,  ein  schmaler 
Streifen  Muschelkalk,  der  nach  NO  fiel  und  von  der  Ver¬ 
werfung  abgeschnitten  wurde;  der  andere  Flügel  wurde 
von  Unterem,  vielleicht  noch  Mittlerem  Keuper  gebildet, 
der  ein  wenig  nach  SW  geneigt  war.  Leicht  zerstörbare 
Formationen  oder  solche,  die  wenigstens  geringer  wider- 
ständig  waren,  wie  das  Rotliegende,  lagen  also  der  Spalte 
am  nächsten  und  konnten  mit  dem  Eintritt  der  Neu¬ 
belebung  rasch  entfernt  werden.  Auch  der  längs  der  Ver¬ 
werfung  vielleicht  vorhandene  Muschelkalk  konnte  nur  ge¬ 
ringen  Widerstand  leisten,  da  er  geringe  Breite  besaß,  die 
oberste  Kante  des  emporsteigenden  Gebirgsrandes  bildete 
und  durch  die  Hebung  eine  verhältnismäßig  hohe  Lage 
über  der  Erosionsbasis  erhielt.  So  erklärt  sich  die  völlige 
Einebnung  der  entstehenden  Stufe  und  ihr  Rückschreiten 
bis  zur  heutigen  Lage.  Sobald  die  wider  ständigen  Ober- 
höfer  Schichten  erreicht  wurden  (Abschnitt  2),  trat  eine 
Verlangsamung  der  Rückverlegung  ein. 

Nur  im  Abschnitt  1  vereinigt  sich  auch  heute  noch 
der  geographische  Rand  mit  dem  stratigraphischen  und 
tektonischen  zu  einer  Linie;  obwohl  die  Reaktivierung 
längs  der  hier  vorhandenen  einzigen  Spalte  erfolgt  sein 
muß,  ist  der  Steilhang  jedoch  nicht  zurückgewittert,  weil 
dicht  ans  Gebirge  in  einer  Breite  von  über  1000  in  die 


4)  Die  innere  Verwerfung  wird  hier  zur  äußeren. 


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Muschelkalkplatte  des  Gosseler  Plateaus  herantritt,  die  in¬ 
folge  ihrer  Härte  und  Wasserdurchlässigkeit  der  Abspülung 
energischen  Widerstand  entgegensetzt  und  die  Entstehung 
von  stark  arbeitenden  Gewässern  verhindert.  Außerdem 
grenzen  hier  die  sehr  widerstandsfähigen  Gesteine  derOber- 
höfer  Stufe  fast  unmittelbar  an  die  Spalte;  so  wurde  dies 
schmale,  an  und  für  sich  resistente  Stück  des  Randes 
gegen  frontale  Bearbeitung  von  NO  her  geschützt  und 
konnte  sich  an  dieser  Stelle  bis  heute  erhalten. 

Literatur 

1.  A.  Ebebt,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  prätertiären  Landober- 

fläche  im  Thüringerwald  und  Erankenwald.  Jahrb.  <L 
Pr.  Geol.  Landesanst.  f.  1920,  Bd.  XLI.  Teil  I.  H.  2. 

2.  Erläuterungen  zu  Blatt  Crawinkel-Gräfenroda,  von  E.  Zimmeb- 

man\.  1908. 

3.  Erläuterungen  zu  Blatt  Ohrdruf,  von  M.  Baueb,  E.  Weiss 

und  B.  Scheibe.  1889. 

4.  E.  Philippis  Vorlesungen,  herausgegeben  von  O.  Marschall. 

Jena  1912. 

5.  H.  Weber,  Cber  zwei  Vorkommen  von  Muschelkalk  am  Nord¬ 

ostrande  des  Thüringer  Waldes  bei  Ohrdruf.  Thür.  Monats  - 
blätt.,  29.  Jahrg.,  1921,  Nr.  1. 

0.  H.  Weber,  Das  Flußgebiet  der  Ohra  und  das  Plateau  von 
Gossel.  Diss.  Jena  1922. 

7.  H.  Weber.  Das  Plateau  von  Gossel,  ein  Beitrag  zum  Problem 

der  prätertiären  Landoberfläche  in  Thüringen.  Centralbl.  f. 
Min.  Jahrg.  1923,  Nr.  11.  S.  324  bis  336'. 

8.  H.  Webeb,  Die  Erdfälle  des  Plateaus  von  Gossel.  Peterm. 

Geogr.  Mitteil.  1923. 

9.  K.  A.  Webeb,  Das  Störungsgebiet  am  Nordrande  des  Thüringer 

Waldes  zwischen  Friedrichroda  und  Georgenthal.  Jahrb. 
d.  Pr.  Geol.  Landesanst.  f.  1913.  Bd.  XXXIV.  Teil  I,  H.  3. 
Geologische  Spezialkarte  1:25  000,  Friedrichroda,  Ohrdruf.  Cra¬ 
winkel-Gräfenroda. 

'Manuskript  eingegangen  am  18.  Juni  1923.' 


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265 


Uber  das  Alter  des  Gruskalkes  von  Zarenthln 
in  der  Priegnitz. 

Von  Herrn  K.  Hucke  in  Templin  (Uckermark). 

In  meiner  Geologie  von  Brandenburg  (Stuttgart  1922) 
gab  ich  auf  Seite  110 — 111  der  Vermutung  Ausdruck,  daß 
das  bereits  durch  v.  Klöden1)  beschriebene  und  von 
Gruä’eb*)  als  oiigocän  kartierte  Kalkvorkommen  von  Zaren- 
thin  in  der  Priegnitz  zwischen  Pritzwalk  und  Wilsnack 
wahrscheinlich  paleocänen  Alters  sei.  Unabhängig  davon 
sprach  Herr  C.  Gauel3)  dieselbe  Meinung  aus.  Als  be¬ 
stätigende  Ergänzung  der  seinerzeit  von  Herrn  C.  Gagel 
in  dieser  Sache  gemachten  Ausführungen4)  möchte  ich  das 
Ergebnis  mitteilen,  das  meine  Untersuchung  des  mir  von 
der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt  zur  Verfügung 
gestellten  Gruskalkes  vom  Räuberberge  bei  Zarenthin  ge¬ 
habt  hat. 

Im  Schlämmrückstand  fanden  sich: 

Foraminiferen. 

1.  Triloculina  Kochi  Reuss 

2.  Nodosaria  raphanusJj.  ( =N .  latcjngata  v.  Hantkex, 
—  N.  polygona  Reuss) 

3.  N.  longicauda  Reuss 

4.  Polymorph ina  gibba  d’Orb 

5.  Marginulma  glabra  d’Orb 

6.  Crisiellaria  signata  Reuss 

7.  Cr.  neglccta  Reuss 

8.  Cr.  inornata  d’Orb 

9.  Gr.  decornta  Reuss 

10.  Rosalina  Kochi  Reuss 


*)  K.  F.  v.  Klöden,  Beiträge  zur  miner.  u.  geogn.  Kenntnis 
der  Mark  Brandenburg.  I.  Stück.  1828.  S.  73. 

2)  Erläuterungen  zu  Blatt  Demertin  der  gebl.  Spezialkarte. 
Berlin  1896. 

8)  C.  Gagel,  über  Spuren  des  ältesten  Tertiärs  in  der  Mark 
und  über  die  Stratigraphie  des  ältesten  Tertiärs.  Diese  Zeitschrift, 
Bd.  74,  1922.  M.  B.  S.  204  und  292. 

*)  a.  a.  O.  S.  292. 


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266 


11.  Pulvinulina  Karsteni  Reuss 

12.  AnomaHnu  (Truncatulina)  grosserugosa  Gumbei. 

13.  Truncatulina  (Ttotalina)  Ungcriana  d’Orb 

14.  Tr.  Baidingcrii  d’Orb  (=  Rotalia  Brückn eri  Rei  s-?) 

15.  S'piroplccta  bi/ormis  Parker  und  Jones 

16.  Vvigcrina  farinosa  v.  IIantken 

17.  B  oliv  in  a  nobilis  v.  IIantken 

Die  Mehrzahl  dieser  Foraminiferen  ist  von  Reuss  ) 
und  Schacko5 6)  im  Paleocän  von  Brunshaupten,  Karenz 
usw.7)  naehgewiesen  worden,  zum  Teil  wurden  sie  auch  im 
Wiener  Becken  bzw.  im  Unteroligocän  (Clavulina  SzaWA- 
Scbichten)  und  Mitteloligocän,  im  alpinen  Eocän  und  im 
Londonton  gefunden;  einige  kommen  schon  in  der  oberen 
Kreide  vor.  Besonders  auffällig  ist  das  Vorherrschen  der 
Nodosaria  raphanus  L.  in  großen  Exemplaren  und  der 
großen  Cristellaricn  Nr.  6 — 8  der  Liste  in  Bastorf  sowohl 
wie  Zarenthin. 

Ostrakoden. 

1.  Cythcrc  gracilicosta  Reuss 

2.  C.  scrrulata  Bosquet 

3.  C.  texturata  Reuss 

4.  C.  Baidingcrii  Bosquet 

5.  C.  hlspida  Speyer 

6.  C.  Meyni  Reuss 

7.  C.  Kochi  Reuss 

8.  Cythcrclla  ovata  Römer 

Sämtliche  Ostrakoden  dieser  Liste  mit  Ausnahme  von 
Cythcre  serrulala  Bosquet  sind  von  Reuss  bzw.  Schacko 
im  mecklenburgischen  Paleocän  festgestellt  worden.  Cythr- 
rella  ovata  Römer  kommt  in  der  Kreide  und  im  Eocän 
Englands  (Bracklesham)  vor,  Cythere  scrrulata  Bosquet 
im  Obersenon  von  Maastricht,  andere  auch  im  Oligocän 
bzw.  Mioeän. 

Außerdem  enthielt  der  Schlämmrückstand  Bruchstücke 
von  Seeigelstacheln,  von  Fischknochen  und  Fischotolithen 
sowie,  nach  der  Bestimmung  von  Herrn  E.  Voigt  (Dessau), 
Siichoporina  Reuss*  Stoliczka,  eine  zur  Familie  der 


5)  Reuss,  Beitrag  zur  genaueren  Kenntnis  der  Kreidegebilde 
Mecklenburgs.  Diese  Zeitschrift,  Bd.  7,  1855,  S.  261. 

6)  Archiv  d.  Freunde  der  Naturgesch.  in  Mecklenburg,  Bd.  50, 
1896.  S.  321. 

")  E.  Geinitz,  Geologie  Mecklenburgs.  Rostock  1922,  Teil  II, 
S.  106. 


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Conescharinelliden  gehörige  Bryozoe.  Wie  mir  Herr 
E.  Voigt  mitteilte,  treten  Stichoporiniden  zuerst  im  süd¬ 
bayrischen  Eocän  auf,  während  insbesondere  Stichoporina 
Reussi  bisher  nur  aus  dem  Unteroligocän  von  Calbe  und 
Latdorf  bekannt  war. 

Das  Ergebnis  der  Untersuchung  läßt  sich  dahin  zu¬ 
sammenfassen,  daß  die  Mikrofauna  des  Gruskalkes  von 
Zarenthin  einerseits  im  allgemeinen  ein  ausgesprochen  ter¬ 
tiäres  Gepräge  trägt,  wobei  das  Vorkommen  einzelner  Arten 
in  der  Kreide  bzw.  im  Eocän  im  besonderen  auf  das  Altter¬ 
tiär  hinweist.  Andererseits  ist  die  Übereinstimmung  mit  den 
im  mecklenburgischen  Paleocän  von  Karenz,  Bastorf  usw. 
durch  Reüss  und  Schacko  nachgewiesenen  Foraminiferen 
und  Ostrakoden  ganz  außerordentlich  groß.  Damit  dürfte 
der  letzte  etwaige  Zweifel  an  dem  paleocänen  Alter 
des  Kalkvorkommens  von  Zarenthin  beseitigt  sein. 


Pflanzenftthrende  Schichten  im  vogtländischen 
unteren  Kuhn. 

Vorläufige  Mitteilung. 

Von  Herrn  E.  Weise  in  Plauen. 

Der  untere  Kulm  des  Vogtiandes,  welcher  seine  Haupt¬ 
verbreitung  in  der  westvogtländischen  Mulde  besitzt, 
zeichnet  sich  recht  unvorteilhaft  aus  durch  seine  Armut 
an  organischen  Resten.  Abgesehen  von  einigen  Proble- 
maticis  sind  bisher  organische  Reste  nur  in  den  Neben¬ 
mulden,  z.  B.  bei  Hof  und  in  der  oberfränkischen  Regnitz¬ 
mulde  gefunden  worden.  Angesichts  dieser  Tatsache  hat 
jeder  neue  Fundpunkt  kulmischer  Versteinerungen  im  Vogt¬ 
land  erhöhte  Bedeutung.  Bei  den  Aufnahmen  des  Blattes 
Plauen-Oelsnitz  in  den  80er  Jahren  des  vorigen  Jahr¬ 
hunderts  gelang  es  mir,  einen  solchen  am  Koßb  erg  bei 
Kürbitz  südwestlich  von  Plauen  aufzufinden.  Dringende 
Arbeiten  verhinderten  sehr  lange  eine  eingehende  Unter¬ 
suchung.  Eine  solche  konnte  erst  vorgenommen  werden, 
nachdem  in  neuester  Zeit  umfangreiche  Schürfungen  aus¬ 
geführt  worden  waren.  Die  Ergebnisse  derselben  werden 


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268 


von  mir  in  allernächster  Zeit  zur  Darstellung  gelangen. 
Vorläufig  sei  nur  festgestellt,  daß  es  sich  bei  dem  Vor¬ 
kommen  am  Ivoßberg  um  eine  Uferbildung  handelt,  in 
welche  Pflanzenreste  aus  nicht  zu  großer  Entfernung  ein¬ 
geschwemmt  wurden.  Es  konnten  bisher  14  verschiedene 
Arten  festgestellt  werden,  welche  sämtlich  mit  solchen 
aus  den  schlesisch-mährischen  Dachschiefern  überein- 
stimmen.  Daraus  ergibt  sich,  daß  die  Koßbergschichten 
ein  Äquivalent  des  Kohlenkalkes  bilden,  und  zwar  dem 
obersten  Teile  dieser  Stufe  zugehören.  Die  zur  Zeit  auf¬ 
gefundenen  und  bestimmten  Pflanzenreste  umfassen  folgende 
Arten  : 

Archaeocalamites  radiatus  Bgt. 

Lepidodendron  V eltheimianum  Sterxbg.  zum 
Teil  mit  Halonia-Skulptur 

Lepidostrobus 

Sphenophyllum  spec. 

Rhodea  patentissima  Ett. 

Rhodea  moravica  Ett. 

Cardiopteris  frondosa  Goepi\ 

Cardiopteris  Hochstetteri  Ett. 

Arrha  eopteris  Tschermaki  Stur. 

Adiantides  tenmfolius  Goepp. 

Adiantides  Machaneki  Stur. 

Adiantides  antiquus  Ett. 

Cycadopteris  antiqua  Stur. 

Rhacopteris  transitionis  Stur. 

[Manuskript  eingegangen  am  5.  Mai  1924.1 


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Über  Fossil-  und  Fährtenhorizonte  im 
Buntsandstein  Deutschlands. 

Von  Herrn  Max  Blanckenhorn  in  Marburg. 

Am  9.  Februar  1916  hielt  ich  in  Marburg  in  einen 
Sitzung  der  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesamten 
Naturwissenschaften  einen  Vortrag  über:  „Organische  Reste 
im  Mittleren  Buntsandstein  Hessens“,  der  in  den  Sitzungs¬ 
berichten  veröffentlicht  wurde.  Derselbe  gab  einen  Über¬ 
blick  über  den  damaligen  Stand  unserer  Kenntnisse  der 
fossilen  Fauna  und  Flora  des  deutschen  Buntsandsteins  und 
dessen  verschiedene  Fossilhorizonte,  namentlich  neue  Mit¬ 
teilungen  über  das  Vorkommen  der  Gervilleia  Murchisoni 
und  gewisser  problematischer  Gebilde,  die  ich  im  Einklang 
mit  K.  Andere  als  Wurmspuren  nach  Art  der  heutigen 
marinen  Gattung  Arenicola  unserer  Wattenmeere  deutete  und 
Arenicoloides  luniformis  benannte.  Dieser  Aufsatz  hat  bei 
allen  deutschen  Fachgenossen,  die  sich  mit  Untersuchungen 
im  Buntsandstein  befassen,  mehr  oder  weniger  Anklang 
gefunden  und  zu  Ergänzungen  des  Mitgeteilten  Anlaß 
gegeben.  Auch  ich  selbst  habe  seitdem  noch  manche  neue 
Beobachtungen  gemacht.  Es  sei  mir  heute  gestattet,  die 
seitdem  gemachten  Fortschritte  in  der  Buntsandstein- 
forschung  und  die  Änderungen  unserer,  auch  meiner  An¬ 
schauungen  in  bezug  auf  die  Stratigraphie  und  Gliederung 
des  Buntsandsteins  noch  einmal  zusammenzustellen. 

Meine  ausgesprochene  Erwartung,  daß  der  als  eintönige, 
langweilige  Formation  verrufene  Buntsandstein  bei  weiteren 
Studien  doch  noch  manche  Schätze  an  interessanten  orga¬ 
nischen  Resten  und  an  Rätseln  bergen  möge,  die  nur  zu 
heben  seien,  hat  sich  ungeahnterweise  erfüllt;  aber  meine 
Hoffnung,  daß  er  durchgehende,  auf  bestimmte  Horizonte 
beschränkte  Leitformen  enthalte,  die  sich  zu  scharfer  Gliede¬ 
rung  eignen,  ist  stark  enttäuscht  worden.  Es  geht  eben, 
wie  bei  den  meisten  anderen  Fossilien.  Sie  sind  an  eine 
bestimmte  Fazies  oder  äußere  Lebensbedingungen  und  Ge¬ 
steinsausbildung  geknüpft,  und  wenn  diese  Fazies  oder  Ge¬ 
steinsart  wiederkehrt,  wiederholen  sich  auch  die  Fossilien 


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270 


innerhalb  einer  gewissen  größeren  geologischen  Zeitspanne, 
gleichgültig,  welches  spezielle  Niveau  oder  welcher  Zeit¬ 
abschnitt  in  Frage  kommt. 

A.  Unsere  neue  Deutung  der  mond-  bis  hufeisenförmigen 
senkrechten  Eindrücke  in  den  Sandsteinschichtoberflächen 
als  Wurmspuren  nach  Art  der  Arenicolabauten  hatte  ich 
übrigens  schon  am  27.  November  1913  in  der  wissenschaft¬ 
lichen  Sitzung  der  Preußischen  Geologischen  Landesanstalt 
in  Berlin  zur  Feier  des  40jährigen  Bestehens  der  Anstalt 
mündlich  vorgetragen,  dabei  gute  Stücke  von  Wolfershausen 
an  der  Eder  vorlegend.  In  der  sich  daran  anschließenden 
lebhaften  Diskussion  erfuhr  ich  u.  a.,  daß  Geh.  Oberbergrat 
Otto  Heiss1)  in  München,  der  gründlichste  Kenner  und 
Bearbeiter  der  Rhizocorallien  des  Muschelkalkes,  die  von 
mir  Arenicoloides  genannten  U-förmigen  Problematika  eben¬ 
falls  beobachtet  hatte,  und  zwar  im  Fränkischen  Chirotherien- 
sandstein,  und  dieselben  sich  auch  schon  als  Spuren  von 
Würmern  nach  Art  der  Rhizocorallien  deutete3).  Da  sie 
die  Unterseite  besagter  Chirotherienbank  in  Form  von  regel¬ 
los  durcheinander  liegenden  kleinen,  in  der  Mitte  erhöhten 
Wülsten  zierten,  hatte  er  sie  mit  Recht  den  sogenannten 
„Ranken“  verglichen,  welche  E.  Fbaas  auf  der  Unterseite 
von  Platten  des  Rhätquarzits  von  Vienenberg  im  Lippcschen 
entdeckt  hatte.  Auch  Fbaas  hatte  seine  Ranken  an  die 
Seite  der  Rhizocorallien  gestellt,  die  er  sich  freilich  noch 
als  vergängliche  Hornschwämme  dachte. 

Dazu  sei  gleich  bemerkt,  daß  ich  1922  in  einem  Bau- 
sandsteinbruch  im  NO  von  Treysa,  am  Süclrande  der  Hardt, 
die  Zugehörigkeit  der  Ranken  oder  Wulste  zu  den 
von  mir  beschriebenen  Furchen  feststeilen  konnte.  Dieser 
interessante  Steinbruch  zeigt  wiederholten  Wechsel  von 
70  cm  dicken  Bausandsteinbänken  und  fast  ebenso  starken 
Lettenlagen  mit  dünnplattigem,  mürbem  Sandstein.  Die  ab¬ 
gesprengten  Blöcke  sind  auf  ihrer  Oberseite  bald  von 
„Hühnertrappen“  oder  seichten  Wurmspuren,  bald  von 
Ranken  bedeckt.  Ja,  es  gibt  Quader,  die  zugleich  auf  der 
einen  Seite  (der  ursprünglich  oberen)  Furchen,  auf  der 
entgegengesetzten  (unteren)  Ranken  erkennen  lassen.  Die 


x)  Vgl.  seine  „Beobachtungen  über  Schichten  folge  und  Ge- 
steinsausbildungen  in  der  fränkischen  Unteren  und  Mittleren 
Trias.  I.  Muschelkalk  und  Untere  Lettenkohle“,  Geogn.  Jahres¬ 
heft,  XXn.  Jalirg.,  München  1910,  S.  233. 

2)  Vgl.  Erläuterungen  zur  Geol.  Karte  de9  Königr.  Bayern, 
Blatt  Euerdorf  Nr.  CG,  München  1915,  S.  8. 


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27/ 


Arenicoloides  nehmen  mehrere  Horizonte  im  selben  Stein- 
brueh  ein. 

Die  gleiche  Beobachtung,  Platten  mit  Furchen  auf 
der  einen  und  Ranken  auf  der  andern,  wurden  im 
Nordwesteck  des  Blattes  Schrecksbach  im  Forst  Mengs¬ 
berg  gemacht.  Hier  und  am  rechten  Wieraufer  bis 
Treysa  liegt  der  Haupthorizont  der  Arenicoloides 
direkt  über  dem  sogenannten  „Stubensand“  Denckmanns 
in  den  ersten  festen  Bänken  der  eigentlichen  Bausandstein¬ 
zone,  und  ein  höherer  wurde  östlicher,  34  m  höher,  erkannt. 
So  erscheint  die  Gegend  von  Treysa  überhaupt  als  die  an 
Arenicoloides- Spuren  reichste  in  Hessen,  die  ich  bisher  sah. 
Auf  Blatt  Borken  lagen  die  Steine  mit  Arenicoloides  wieder 
bestimmt  an  der  Basis  der  Bausandsteinzone  am  Hoseberg 
über  Reptich,  im  O  des  Blattes  Schwarzenborn  am  West- 
und  Südfuß  des  Elsenbergs  nahe  der  Grenze  gegen  Blatt 
Ludwigseck  direkt  über  dem  oberen  Gervilleienhorizont.  Das 
gleiche  gilt  für  Blatt  Schrccksbach  und  Alsfeld.  Auch  bei 
Marburg  hat  Sciiindkwolf3)  die  Arenicoloides -Furchen  an 
der  Basis  des  konglomcratisehen  Bausandsteins  nördlich  Mar¬ 
bach  wahrgenommen.  Auf  Blatt  Gudensberg  fanden  sie  sich 
außer  im  tiefsten  Niveau  der  Bausandsteinzone  an  der  Haus- 
iiet  noch  an  anderen  höheren  Plätzen. 

Auf  Blatt  Kirehhain  haben  sowohl  Scuindewolf1)  als 
ich  unabhängig  voneinander  ausgezeichnete  Arenicoloides- 
Vorkommen  auf  zwei  übereinander  gelegenen  Bänken  in  Stein¬ 
brüchen  bei  Burgholz  in  einer  zweifellos  höheren  Region 
des  Bausandsteins,  etwa  20  bis  25  m  von  der  Rötgrenze, 
erkannt.  Dem  gleichen  höheren  Niveau  nicht  weit  von  der 
Rötgrenze  dürfte  der  Steinbruch  bei  Anzefahr  angehören, 
von  dem  Platten  mit  Wurmfurchen  stammen.  Auch  auf  Blatt 
Schwarzenboi  n  am  Knüllgebirge,  glaube  ich,  noch  einzelne 
Vorkommen  von  A.  außer  der  Basis  auch  höheren  Lagen 
des  Bausandsteins  in  dessen  oberer  Hälfte  zusprechen  zu 
müssen.  Wir  haben  also  schon  in  Hessen  allein  mindestens 
drei  Arenicoloides-llonzonie:  An  der  Basis  des  Bausand¬ 
steins  dicht  über  dem  oberen  Gervilleienhorizont  und  dem 
Stubensand,  dann  34  m  höher  (bei  Treysa),  endlich  in  der 


3)  Studien  aus  dein  Marburger  Buntsandstein,  Sencker 
bergiana  III,  1.  Frankfurt  1921,  S.  40. 

*)  über  Spuren  mariner  Würmer  im  Mittleren  Buntsand- 
stein  Oberhessens.  Centralblatt  für  Min.  usw.,  1923,  Nr.  21, 
S.  662. 


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272 


Oberregion  des  Bausandsteins  etwa  20  m  unter  der  Röt- 
grenze. 

Dazu  käme  nun  im  0  der  Rhön  im  Weimarischen  Forst 
Ostheim,  westlich  von  der  Lichtenburg,  der  vierte  Horizont 
im  sogenannten  Plattensandstein  des  Oberen  Bunt  Sandsteins 
dicht  unter  dem  Fränkischen  Chirotheriumsandstein5).  Diesem 
höchsten  Horizont  entspricht  ungefähr  das  von  Reiss  und 
Schuster  erwähnte  Vorkommen  auf  Blatt  Euerdorf  auf  der 
Unterseite  des  Fränkischen  Chirotheriumsandsteins  und  die¬ 
jenigen  in  Süddeutschland  im  Odenwald  bei  Waldauerbach 
nach  Schottler  (1908)  und  Neckarburken  nach  Hamm 
(1923),  im  Schwarzwald  nach  Brauhäuser  und  Ax.  und 
Martin  Schmidt  u.  a. 

Neuerdings  w”  den  nun  noch  in  Ostthüringen  die 
U-förmig  n  Hantelfurchen  von  K.  KoLEseH-Jena  auf  vielen 
Kartenblättern  nachgewiesen,  und  zwar  in  den  oberen 
Schichten  des  Bausandsteins,  also  etwa  so  wie  auf  Blatt 
Kirchhain  und  Teile  i  von  Blatt  Schwarzenborn  in  Hessen6). 
Auf  dem  Meßtischbl  dt  Kahla  fand  Kolesch  die  U-Furchen 
im  Jeckeschen  Steinbruch  nordöstlich  von  Bibra,  ör  Mich 
Altendorf  bei  Rothenstein,  süidsüdwestlich  Eiseni*_i&,  -i 
Sulza,  Grcnda,  Zöllnitz  und  westlich  Rutha.  Im  übrigen 
Ostthüringen  fanden  sie  sich  auf  den  Blättern  Saalfeld, 
Blankenburg,  Rudolstadt,  Oriamünde,  Jena,  Roda,  Bürgel 
und  Eisenberg.  Hierzu  kämen  noch  die  Funde  Soergels7) 
von  Berka  an  der  Ilm.  Die  hier  das  Fossil  einschließende, 
nur  50  bis  55  m  mächtige  Sandsteinabteilung  mit  der  Signatur 
sma(0)  wird  von  Kolesch  dem  Bausandstein  Norddeutscb- 
lands  gleichgestellt  und  soll  angeblich  in  Süddeutschland 
den  Kugelsandstein,  das  Hauptkonglomerat,  den  unteren 
Chirotheriumsandstein  und  den  Plattensandstein  zum  Äqui¬ 
valent  haben.  Die  in  Ostthüringen  noch  folgenden  8  bis  16  m 
Chirotheriumsandstein  mit  zum  Teil  karbonatischem  Binde¬ 
mittel,  Karneolen  und  Fährtenspuren  von  Chirotherium. 
Barthi  stellt  Kolesch  dem  oberen  oder  Fränkischen  Chiro- 
theriumhonzont  gleich.  Das  scheint  mir  zu  weit  gegangen, 


&)  Vgl.  Erläuterungen  zu  Blatt  Ostheim  v.  d.  Rhön,  1910. 

6)  K.  Kolesch:  „Beitrag  zur  Stratigraphie  des  Mittleren 
Buntsandsteins  im  Gebiete  des  Blattes  Kahla“.  Jhrb.  d.  Preuß. 
Geol.  Landesanst.  für  1919,  Bd.  XL,  II,  2.  Berlin  1921. 

7)  W.  Soergel:  Beiträge  z.  Geologie  von  Thüringen.  II. 
Spuren  mariner  Würmer  im  mittleren  Buntsandstein  und  im 
unteren  Muschelkalk  Thüringens.  Neues  Jahrb.  f.  Min.,  Bei¬ 
lageband  XLTX,  1923,  S.  510, 


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273 


wenn  ich  auch  selbst  früher  in  Verkennung  des  oberen  Frän¬ 
kischen  niirotheiiumhorizontes  eine  zeitlang  eine  ähnliche 
Meinung  vertreten  habe.  Die  nur  etwa  50  m  mächtige 
Schichten  reihe  sma(0)  müßte  danach  Teile  nicht  nur  des 
Mittleren,  sondern  auch  des  Oberen  Buntsandsteins  umfassen. 
Denn  der  Plattensandstein  oder  Voltziensandstein  im  S  und 
W  Deutschlands  gilt  nach  der  herrschenden  Ansicht  doch 
als  Vertreter  des  unteren  norddeutschen  Röt,  wenn  nicht 
des  ganzen  Röt.  Das  echte  Chirotherium  Barthi  kommt,  wie 
die  gründlichen  Untersuchungen  K.  Willruths8)  gezeigt 
haben,  nur  in  der  Grenzregion  zwischen  Mittlerem  und 
Oberem  Buntsandstein  vor.  Der  ostthüringische  Chiro- 
theriumhorizont  entspricht  zweifellos  dem  westlichen  thürin¬ 
gischen  Chirotheriurnhorizont  von  Hildburghausen  und 
Meiningen,  also  nicht  mehr  dem  Oho.*_n  Bausandstein  von 
Hessen-Hannover. 

Durch  die  vielen  neuen  Funde  von  Are nicoloi des -Spuren 
ist  der  anfangs  lx>tonte  stratigraphische  Wert  derselben  als 
Leitform  etwas  gesunken.  In  Norddc.  ltsehland  halten  sie 
offenbar  ein  ganz  andcies  Niveau  inne  als  in  Süddeutschland, 
n:c  jden  Bausandstein  oder  die  obere  Abteilung  des 

Mittleren  Buntsandsteins,  und  treten  innerhalb  desselben 
heerdenweisc  bald  an  dessen  Basis  (in  Westhessen),  bald  in 
den  obersten  Schichten  (Blatt  lvirchhain  und  Ostthüringen), 
mehr  vereinzelt  abc»r  auch  in  zwischen  liegenden  mittleren 
Lagen  (so  auf  Blatt  Ziegenhain,  Gudensberg  imd  Schwarzen¬ 
born)  auf.  In  Franken,  von  Ostheim  v.  d.  Rhön  an,  im 
Odenwald  und  Württemberg  sind  sie  charakteristisch  für 
den  Plattensandsteiu  und  Oberen  oder  Fränkischen  Chiro- 
therienhorizont,  der  besser  zum  Oberen  Buntsandstein  ge¬ 
rechnet  wird. 

Außerdem  sind  gleichartige  Erscheinungen  auch  aus 
höheren  Triasstufen  bekannt  geworden.  V.  Fiikybkkg9)  er¬ 
wähnt  Bohrgänge  aus  einer  Bank  7  bis  8  m  unter  der  Tere- 
bratelbank  vom  Spitzen  Hügel  bei  Stadtilm  unter  ausdrück¬ 
lichem  Hinweis  auf  ihre  Ähnlichkeit  mit  Rühren  von  Areni- 
cola,  und  SoKi.aKK10)  beschreibt  Wurmwohnröhren  aus  dem 


*)  „Die  Fährten  von  Chirotherium“.  Inuug.  I)iss.  Halle 
a.  (1.  S„  1017. 

11 )  Der  Aufbau  des  unteren  Wellenkalks  iin  Thüringer 
Hecken.  X.  Jahrl».  f.  Min.,  Beilagebd.  XLV,  1021. 

lü)  Spuren  mariner  Würmer  im  mittleren  Buntsandstein 
und  im  unteren  Muschelkalk  Thüringens.  Ibidem  Beilagebd. 
XL IX.  1020,  S.  30. 

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274 


Oberen  Wcllenkalk  zwischen  Terebratelhank  und  Schaum¬ 
kalkregion  von  Niederwill  in  gen  bei  Stadtilm.  Die  gegebenen 
Abbildungen  lassen  sich  sehr  wohl  mit  solchen  der  Bunt- 
sandstoinplatten  vergleichen,  und  wenn  die  Muschelkalk¬ 
formen  auf  Me  Toswürmer  zurückzuführen  sind,  so  muß  das 
auch  für  die  des  Oberen  und  Mittleren  Buntsandsteins  gelten. 

Der  Vollständigkeit  wegen  ist  schließlich  noch  auf  di- 
oben  schon  erwähnten  Ranken  aus  dem  Rät  oder  Ober¬ 
keuper  von  Vienenburg  im  Dotmoldisehen  hinzuweisen, 
welche  E.  Fr  aas  abbildete. 

Was  nun  die  Deutung  und  Entstehung  der  Spuren  an¬ 
betrifft,  so  ist  unsere  Zurückführung  derselben  auf  die 
bohrende  Tätigkeit  von  Würmern,  die  vielleicht  Vorläufer 
der  Rhizoeorallien  waren,  eine  Auffassung,  die  gleichzeitig 
unabhängig  auch  O.  Reiss  aussprach,  von  den  meisten 
Seiten  günstig  beurteilt  und  als  die  passendste  angenommen 
werden.  Nur  Em.  Kaysek  blieb  es  Vorbehalten,  in  der 
neuesten  Auflage  seines  sonst  so  meisterhaften  Lehrbuches 
der  Formationskunde  von  1923  unter  Zitierung  des  ameri¬ 
kanischen  Verfassers  Clarke11)  und  Kopie  einer  von  diesem 
gegebenen  Abbildung  auf  die  verdächtige  Ähnlichkeit  der 
Furchen  mit  Eindrücken  von  Eisnadeln  hinzuweisen,  welche 
das  Grundeis  am  flachen  Schlammboden  der  kanadischen 
Küste  erzeugte.  Das  beweist  nur,  daß  er  das  ganze  Wesen 
dieser  senkrecht  zur  Schichtfläche  hinabgehenden  U-förmigen, 
unten  gerundeten  Vertiefungen  noch  nicht  erfaßt  hat. 
Nebenbei  bemerkt,  steht  auch  die  Eisbildung  im  Grunde 
von  Gewässern  kaum  in  Einklang  mit  der  von  E.  Kaysek 
noch  immer  als  allein  annehmbar  hingestellten  Walther 
FRAAsschen  Hypothese  eines  echten  Wüstenklimas  in  der 
Buntsandsteinzeit. 

Die  biologische  Seite  der  Frage  haben  besonders  Soelgkk 
und  Rud.  Richter12)  erörtert.  Letzterer  zeigt  soeben  in 
einer  gründlichen  Studie  über  die  lebende  Arenicola  und 
andere.  Tiere  der  Nordseewatten  und  -küsten  (Richter. 
Flachseebeobachtungen  usw.),  daß  genannte  lebende  Gattung 
von  Röhrenwürmern  doch  kaum  zum  Vergleich  herange zogen 
werden  kann,  da  ihre  Vertreter  als  vagile,  wenig  seßhafte 


n)  Strand  and  untertoxr  markings  etc.,  New  York.  Stalr 
Mus.  Bull.  No.  196,  1917. 

ls)  Flaehseebeobachtungen  zur  Palaeontologie  und  Geologie. 
VII,  Arenicola  von  heute  und  „Areniooloides“,  eine  Rhizocorallide 
des  Buntsandsteins,  als  Vertreter  verschiedener  Lebensweisen. 
Senckenbcrgiana  ö.  Frankfurt  1924. 


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275 


Sedimentfresser  sich  an  keinen  Gang:  oder  gar  einfache 
U- Röhren  binden,  bei  ihren  Bauten  Seitengänge  abzweigen, 
die  zu  weitverzweigtem  Netz  werden  können,  und  die  Röhren 
eine  rings  geschlossene  Wand  ohne  Spreite  haben,  kurz, 
daß  Arcnicola  keine  schlingcnförmig  vertieften,  durch  eine 
Spreite  verbundenen,  un verzweigten  U-Gehause  baut.  Das 
kommt  nur  bei  seßhaften  Planktonfischern  vor,  im  speziellen 
bei  der  lebenden  Gattung  Polydora ,  die  in  der  Literatur 
noch  wenig,  nur  von  H.  Doüville13)  und  Th.  Puchs14)  be¬ 
handelt  worden  ist.  Polydora  ist  in  der  Tat  recht  seßhaft 
und  zeichnet  sich  aus  durch  unverzweigten  U-Gang  seiner 
Wohnung  und  schleifenförmige  Tieferlegung  mit  Spreiten- 
bildung  und  Hantelquerschnitt.  Das  Tier  baut  seine  Gänge 
mit  „besonderen  Scharrwerkzeugen“  aus,  es  hat  „Haken 
an  den  Segmenten,  mit  denen  es  den  AbraHim  entfernt“. 

Unter  diesen  Umständen  wäre  also  der  von  mir  ge¬ 
wählte  Gattungsname  Arenicoloides  wenig  gerechtfertigt 
(eher  hätte  man  den  Buntsandsteinwurm  Polydoroides  oder 
Polydorites  nennen  sollen).  Auch  der  von  Kolesch  aus 
Prioritätsgründen  hervorgezogene  Name  Arenicolites  Salter 
ist  nicht  am  Platze,  da  alle  Arenicoliten  des  Karbons  wirklich 
ebenso  wie  Arenicola  ein  U  mit  getrennten  Schenkeln  ohne 
Spreite  bilden,  Arenicoloides  des  Buntsandsteins  aber  nicht. 
Wie  nun  Richter  entdeckt  hat,  ist  doch  schon  aus  älteren 
Schichten  eine  ganz  ähnliche  Form  beschrieben  und  ab¬ 
gebildet  worden,  nämlich  von  Smith  der  Corophioides  poly - 
upsilon  des  englischen  karbonischen  Sandsteins  von  Ays- 
shire16).  Smith  bezog  diese  kleineren  U-Gänge  allerdings 
auf  den  Amplüpodenkrebs  Corophium ,  obwohl  er  sie  vom 
Corophium- Bau  richtig  unterschied.  Wie  schon  Soelgeii 
auseinandergesetzt  hat  und  wie  Richter  bestätigt,  kommt 
aber  auch  der  Krebs  Corophium  als  Erbauer  der  Buntsand¬ 
steinspuren  nicht  in  Betracht,  da  er,  so  wie  der  Wurm 
Arenicola ,  seine  Gänge  ohne  Spreite  mit  allseits  geschlossener 
Wand  baut.  Trotzdem  muß  nach  den  internationalen  Regeln 
der  Nomenklatur,  wonach  eine  neue  Auffassung  in  der 
systematischen  Stellung  den  Genusnamen  eines  Tieres  nicht 
ändern  darf,  doch  der  Name  Corophioides  bleiben.  Dagegen 


13)  Perforations  dWnnelides  Bull  S.  G.  F.  (4)  7.  Paris, 
1907,  S.  114. 

14)  Über  eine  neue  Arbeit  zur  Aufklärung  der  Natur  der 
Alecturiden.  Mitteil.  Geol.  Ges.,  Wien  2,  1909,  S.  335. 

lö)  Feculiar  U-shaped  tubes.  Tranaact.  Geol.  Soc.  Glasgow  9, 
1893. 

18* 


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besteht  wenigstens  mein  Speziesnamc  luniformis  trotz 
Ivoj  kschs  Einspruch,  daß  es  lunaeformis  heißen  müsse, 
zu  Hecht,  denn  das  Woit  luniformis  ist  nachdem  lateinischen 
Sprachgebrauch  richtiger  gebildet  als  lunaeformis™). 

Neben  den  besprochenen,  so  verbreiteren  Corophioides 
luniformis  führt  Kolkscii  noch  aus  demselben  Steinbruch 
nordöstlich  Bibra  zwei  andere  Problematika  unter  dem 
Namen  Arenicolites  (einend.  Corophioides)  Zimmermanni 
und  kahluensis  an.  Bei  dem  ersten  haben  die  U-förmigen 
Röhren  1  tj  bis  3  cm  Längendurchmesser,  sind  von  einer 
graugrünen  Bleichzone  umgeben  und  durch  eine  nicht  ebene, 
sondern  gekiümmte  Spreite  verbunden;  sic  sitzen  im  Schiefer- 
ton.  Bei  der  zweiten  Art  handelt  es  sich  um  kleine  Höcker 
auf  einer  Gipslage.  welche  die  Unterseite  einer  Sandschicht 
einnimmt,  und  um  entsprechende  vertikale,  5  bis  (5  cm  lange 
Sandzylinder,  die  in  dem  unterliegenden  Schieferton  sitzen. 
Die  Ciipshöcker  sollen  die  ausgefüllte  Öffnung,  die  Sand¬ 
zylinder  die  Ausfüllungsmasso  von  Bohrkanälen  sein.  Die 
Höcker  erscheinen  teilweise,  aber  nicht  alle,  verdoppelt  zu 
liantelförmigen,  bis  2  cm  langen  kurzen  Wällen. 

B.  Die  zweite  wichtige  tierische  Fossiliengruppe  sind 
die  Muscheln,  insbesondere  die  fast  allein  herrschende 
Gervilleia  Murchisoni ,  die  wohl  mit  Aucella  Geinit zi  ver¬ 
einigt  werden  kann.  Diese  ist  etwas  horizontbeständiger 
als  die  Corophioides.  Sie  beschränkt  sich  auf  die  untere 
Hälfte  des  Mittleren  Buntsamlstoins,  kommt  also  niemals 
mit  Corophioides  in  derscll>cn  Schicht  vor.  Man  kennt  sie 
nur  aus  Norddeulseliland,  wo  damals  allein  die  Gewässer 
des  Buntsandsteins  beständige  größere  Binnenseen  erfüllten, 
die  Relikte  des  Zechsteinmeeres.  Fast  immer  tritt  Gerv. 
Mur ch.  heerdenweise  in  großen  Massen  auf. 

Was  die  vertikale  Verteilung  der  Gervilleien  in  jenem 
Schichtenkomplex  auf  den  von  mir  im  westlichen  Hessen 
kartierten  Blättern  lx?t lifft ,  so  machen  sie  es  ebenso  wie 
die  (’orophioiden.  d.  h.  sie  erfüllen  einen  unteren  Horizont, 
an  der  Basis  und  einen  oberen  an  der  Grenze  gegen  den 
Bausandstein,  treten  al>er  an  vielen  Plätzen,  namentlich  Blatt 
Neukirchen,  auch  in  der  zwischen  liegenden  mittleren  Zone 
auf.  Im  Westen,  auf  den  Blättern  Kirchhain,  Gilserberg. 
Neustadt,  Ziegenhain,  traf  ich  sie  nur  im  unteren  Horizont 
unter  den  Schichten,  die  Dknvkmann  als  Stubensand  (stri) 
ausschied.  Im  nördlichen,  östlichen  und  südlichen  Gebiet 


™)  Vgl.  Richten,  S.  137. 


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277 


fl«-**  Blätter  Borken,  Homberg  a.  d.  Efze,  Ludwigseck,  Niedor- 
aula  und  Alsfeld  sah  ich  sie  nur  im  oberen  Horizont.  Da¬ 
zwischen  aber  liegt  ein  zentrales  Gebiet,  das  Knüllgobirge, 
in  dem  sie  in  beiden  Horizonten  häufig  ist  (Blatt  Schwarzen¬ 
born)  und  teilweise  außerdem  sogar  noch  in  der  mittleren 
Partie,  dem  Äquivalent  des  Stubensandes,  ohne  Regel  auf- 
tritt  (Blätter  Neukirchen  und  Schrecksbach).  Unter  diesen 
Umständen  glaubte  ich  mich  berechtigt,  den  ganzen  Komplex 
als  Gcrvilleiensandstein  (sm1)  zu  bezeichnen,  zusammenzu- 
rassen  und  der  Bausandsteinzone  (sm-)  mit  t'orophioiden- 
spuren  gegenübcrzustellen.  Da,  wo  nur  ein  fossilführender 
Horizont  vorhanden,  erweitert  er  sieh  stets  vertikal  zu 
ungunsten  der  mittleren,  fossillecren  Partie  des  sogenannten 
Stubensandes,  indem  einzeln  oder  häufiger  quarzitische  Sand¬ 
steinplatten  mit  (iervilleien  unregelmäßig  auch  höher  und 
tiefer  erscheinen.  Eino  kartographische  Abscheidung  des 
mittleren  gervilleienfreien,  nicht  besonders  charakterisierten 
Schichtenteils  wird  dadurch  sehr  behindert,  ja  unmöglich. 
Die  Mächtigkeit  der  gervilleienführenden  Schichten  kann 
so  (z.  B.  auf  Blatt  Borken,  wo  der  untere  Horizont  anschwillt), 
ohne  Mitrechnung  des  dort  geringfügigen  Stubensandcs  bis 
auf  120  m  kommen. 

ln  anderen  Gegenden  Norddeutsehlands  verhält  es  sich 
ganz  ähnlich  wie  in  Westhessen.  Im  Solling,  im  Eichs¬ 
feld,  im  Mansfeldschen,  in  Ostthüringen  beschränken  sich 
die  Gervilleienfunde  entweder  auf  den  unteren  oder  den 
oberen  Horizont  oder  finden  sich  in  beiden,  so  im  Solling 
und  Ostthüringen  (Blätter  Orlamünde,  Kahla,  Roda,  München - 
bernsdorf.  Eisenberg,  Osterfeld),  getrennt  von  50  m  Sand¬ 
stein  ohne  Fossilien.  Oder  endlich,  wie  im  östlichen  Harz¬ 
vorland,  stellenweise  auch  im  Solling,  gibt  es  drei  Ger- 
villeienhorizonte17). 

C.  Die  dritte  wichtige  Tiergattung  des  Buntsandsteins 
ist  Chirotherium.  Ihre  berühmteste  Art,  Ch.  Barthi ,  ist, 
soweit  die  Untersuchungen  bis  jetzt,  geführt  sind,  auf  eine 
Zone  beschränkt,  auf  die  Grenzzone  zwischen  Mittlerem 
und  Obei  ein  Buntsandstein,  auf  den  Thüringische  n  (nicht, 
Hessischen!)  G  hi  rotheriumsa  nds  tein.  Aber  andere 
Arten  von  ITandtiereii  finden  sieh  noch  tiefer  und  höher. 
Im  südlichen  Hannover,  dann  in  Carlshafeu  an  der  Weser 
und  in  der  Gegend  südwestlich  Fulda  hat  man  Fährten 


i;)  Vgl.  IV ist:  Die  Zahl  der  Gervilleta-Biiuke  im  Mittleren 
LUinlsaiidstoin.  Centralbl.  f.  Min.  usw.,  1910.  Nr.  15.  S,  581. 


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278 


von  Vierfüßlern,  teils  Chirotherien  (aber  nicht  Ch.  Barthi ), 
teils  Schildkröten  usw.  angetroffen  innerhalb  des  Bausand- 
steins,  so  auf  den  Blättern  Großenlüder  und  Neuhof  etwa 
25  m  unter  der  Grenze  gegen  den  Bät.  Man  könnte  diesen 
tiefsten  Horizont  als  Hessischen  Chirotherium- 
h  o  r  i  z  o  n  t  bezeichnen18). 

Im  südwestlichen  Thüringen  und  Franken,  besonders  bei 
Gambach  am  Main  und  Odenwald,  kommt  noch  als  dritter 
der  höchste  oder  Fränkische  Chirotherium Sand¬ 
stein  lünzu,  der  zugleich  der  oberste  Horizont  der  Coro- 
phioiden  (Areniooloiden)  des  Buntsandsteins  ist.  Überhaupt, 
scheinen  Chirotherien  und  Corophioiden  nicht  so  sehr  von¬ 
einander  getrennt  gelebt  zu  haben.  Beide  sind  an  flache 
Küsten  gebunden;  die  Würmer  lebten  im  Wasser  seichter, 
vorgelagerter,  sanderfüllter  Watten  und  Buchten,  die  Hand¬ 
tiere  am  Ufer. 


18)  Im  Gegensatz  zu  0.  GiturE,  der  in  seiner  Schrift.: 
Zur  Gliederung  des  deutschen  Buntsandsteins.  Jahrb.  d.  Prcuß. 
Geol.  Landesanst.  f.  1912,  Bd.  XXXHI,  Berlin,  1912,  8.  410, 
gerade  den  Thüringischen  Chirotheriensandstein  als  Nieder- 
hessischen  Ch.-Sandstein  bezeichnen  zu  dürfen  glaubte. 

ManuskripKeingegangen  am  15.  April  1924.] 


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279 


Neueingänge  der  Bibliothek. 

K na tbk,  Jos.:  Zu  Albbecht  Pencks  Ablagerungen  und  Sckielit- 
störungen  der  letzten  Interglazialzeit  in  den  nördlichen 
Alpen.  Aus:  Geognost.  Jahresh.  1922.  XXXV.  München  1923. 

—  Die  geologischen  Verhältnisse  und  Aufschlüsse  des  Walchen- 
seokraftwerkes.  Aus:  Geognost.  Jahresh.  1924.  XXXVII. 
München  1923. 

Iyockel,  Karl  Walter:  Die  nördlichen  Ostalpen  zur  Kreidezeit. 
Ein  Ausschnitt  aus  der  Entwicklung  eines  Kettengebirges. 
Aus:  Mitt.  Geol.  Ges.  Wien  XV.  Wien  1922. 

Koeiine,  W. :  Die  Ausführung  und  Verwertung  von  Grundwasser- 
standsbeobacht ungen.  —  Die  Entwässerung  unseres  Landes 
eine  Gefahr?  Aus:  Deutsche  Wasserwirtschaft.  XVI IT.  Berlin 
1923. 

Kl'kük,  P. :  Die  geologischen  Grundlagen  der  Kohlenentstehung. 
Aus:  Brennstoff-Chemie.  Essen  1921. 

—  Eine  neue  marine  Leitschicht  in  der  oberen  Magerkohlen  - 
gruppe  der  Ruhrkohlenablagerung.  Aus:  Glückauf,  59.  Essen 
1923. 

v.  Lixstow.  0. :  Beitrag  zur  Geschichte  und  Verbreitung  von 
Corbicula  fluminalis.  Aus:  Archiv  f.  Molluskenkunde.  L1V. 
Schwanheim  a.  M.  1922. 

Oostingii,  0.  H. :  Recent  Shells  from  Java,  Part  I.  Gastropoda. 
Aus:  Mededeel.  van  de  Landbomvhoogeschool.  26  3,  Wage¬ 
ningen  1923. 

1'axzer,  Wolfgang  :  Studien  zur  Oberflächen  gestalt  des  östlichen 
Taunus.  Aus :  Ber.  Naturf.  Ges.  Freiburg  i.  Br.  Freiburg  i.  B. 
1923. 

Hutten,  L. :  Development  of  geological  knowledge  in  the  Dutch 
East  Indies. 

Angeheftet:  L.  van  Es,  Geological  investigation,  carried  out 
in  the  Dutch  East  Indies  during  the  20th  Century  on  behalf 
of  the  department  of  mines  by  the  engineers  of  the  staff. 
Aus:  Akad.  Wetensch.  Amsterdam.  History  and  present 
state  of  scient.  resarch  in  Dutch  East  Indies.  Amsterdam  1923. 
Sachs.  Artur.  Skizze  des  Mineralreichs,  Leipzig  1923. 
Scheibe,  Ernst  Albbecht,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Salzgitterer 
Eisenerzhorizontes  und  zur  Oolithfrage.  Aus:  Glückauf, 
59,  Essen  1923. 

Sc ii i n i) e wolf,  O.  H.,  Über  eine  Fnterkarlionfauna  aus  Ost- 
thüringen.  Eine  vorläufige  Mitteilung.  Aus:  Sencken- 
hergiana  IV.  Frankfurt  a.  M.  1922. 

—  Einige  Randbemerkungen  zu  E.  Pernas  Abhandlung:  ..Die 
Ammonecn  des  oberen  Neodevon  vom  Ostabhang  des  Süd¬ 
urals.  Ebendaher.  Frankfurt  a.  M.  1922. 

—  Entwurf  einer  natürlichen  Systematik  der  ClvmeuoMea.  Aus: 
Centralbl.  Min..  Stuttgart  1923. 

—  Eber  Foüley,  Etroeuugt  und  verwandte  Fragen.  Eine  Er¬ 
widerung  au  Herrn  W.  Pa  eck  bl  mann.  Ebendaher,  1923. 


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280 


Schmitthexxkr,  Heinrich.  Die  Oberflächenformen  der  Stufen- 
landsehaft  zwischen  Maas  und  Mosel.  Aus:  A.  Pexck. 
Geograph.  Abh.  2.  Reihe  1.  Stuttgart  1923. 

Schuster.  O.,  und  AV.  Wetzei..  Geologische  Wanderungen  in 
Schleswig-Holstein.  III.  Kreuz  und  quer  durch  die  ost- 
holsteinische  Seenlaudschaft,  Aus:  Die  Heimat,  32.  Kiel 
1922. 

Siiaxxox.  Eari.  V.,  Notes  on  the  inineralogy  of  Three  Gonge 
clays  froin  precious  metal  veins.  Aus:  Proeeed.  U.  S.  Nat. 
Mus.  62.  Washington  1922. 

—  Crystallographio  notes  on  Stephanite  in  a  silver  ore  fmm 
Mexico.  Eliendaher  63.  AVasiiington  1923. 

Sikiikkc.  August,  Geologische,  physikalische  und  angewandte 
Erdbebenkundc.  Mit  Beiträgen  von  Bf.xo  Gutknbkkg. 
Jena  1923. 

Stach.  Erich,  Horizontal  Verschiebungen  und  Sprünge  im  öst¬ 
lichen  Ruhrkohlengebiet.  Aus:  Glückauf.  59.  Essen  1923. 
v.  Staiii..  A.  F..  Kaukasus.  Mit  Beitragen  von  Walther  Staub. 
Aus:  Hdlxdi.  reg.  Geol.  V.  5.  Heidelberg  1923. 

—  Eine  Reise  zum  Ural  und  dem  AVytschcgdafluß.  Aus : 
Peterm.  Mitt.  Gotha  1923. 

Stille,  Haxs,  Anklänge  au  alpine  Tektonik  im  saxonisehen 
Schollengebirge.  Aus:  Xachr.  Ges.  AViss.  Göttingen.  Göttin¬ 
gen  1923. 

—  Normaltektonik.  Salztektonik  und  Vulkanismus.  Aus:  Z. 

I).  G.  G.  74.  Berlin  1922. 

Stutzer.  O.,  Uber  Erdöllagerstätten  im  Magdalena-Tal  (Kolum¬ 
bien).  Aus:  Petroleum  NIX.  Berlin- Wien  1923, 

—  f'ber  Augenkohle  vom  Pensberg  in  Oberbavern.  Aus:  Z. 
1).  G.  G.  74.  Berlin  1923. 

— -  Vom  Nebengestein  der  Kohlenflöze.  Aus:  Montanistische 
Rundschau,  Wien  1920. 

—  Ergebnisse  neuerer  Forschungen  auf  dem  Gebiet  der  Kohlen - 
geologie.  Aus:  Glückauf.  56.  Essen  1920. 

Walther,  Johannes,  Geologie  von  Deutschland,  4.  Aufl. 

Leipzig  1923. 

Weher.  Haxs,  Das  Plateau  von  Gossel,  ein  Beitrag-  zum 
Problem  der  prätertiären  Landoberflüehe  in  Thüringen.  Aus: 
(Vntralbl.  Min.  Stuttgart.  1923. 

vax  Wkrwecke.  L..  Schiehtenfolge  in  einer  Tieflxihrung  bei 
Sierenz  im  OIxTelsaß.  (Tertiär,  .Iura,  Keuper.)  Aus:  Mitt. 
Bad.  Geol.  I^andesanst.  JX.  Heidell)erg  1922. 

AVil<  kens.  Otto,  Begleitworte  zur  geologischen  Karte  des  Ge¬ 
birges  zwischen  Vals-Platz  und  Hinterrhein.  Aus:  Geol. 

Hundschau  XIV.  Berlin  1923. 

Wigskk,  J.  1  j.,  Erdgeschichte  des  vorderen  AViescntalgebictes. 
Schopfheini  1923. 

AVurm,  A..  Tektonische  und  magmatische  Analyse  des  alten 
Gebirges  im  Norden  von  Bayern.  Aus:  (’entralbl.  Min. 

Stuttgart  1923. 


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Ortsregister. 

(Die  Seitenzahlen  der  Monatsberichte  sind  kursiv 

gedruckt) 


Seite  ; 

Afule,  geoi.  Beobachtungen  29 

Albanien,  Asbest . 246 

Aleppo,  Geologie  ....  3,  47 

Allertal,  Tektonik  .  .  185,  195 
Alpen,  Diluvium  .  .  .  153,  228 

— ,  Faltung .  74  i 

— ,  Höttinger  Brekzie  ...  3  | 

— ,  Quartärgeologie  .  .  153,  228 
Alpenvorland,  Schotter  .  .  231 
Alstätte,  Tektonik  ...  55,  58 
Anden,  Kupferlagerstätten  1,  60 
Anina,  Steinkohle  ....  206 
Antilibanon,  Diluvium  .  .  21 

Argentinien,  Kupferlager¬ 
stätten  .  60,  63,  70 

Bahlburg,  Magnetische 

Messungen  .....  102,  108 


Balkanhalbinsel,  Serpentin  246 
Baltischer  Höhenrücken, 

Tektonik . 165  I 

Banat.  Steinkohle .  205  J 

Baumberge,  Obersenon  .  .  46 

Beienrode,  Tektonik  .  .  .  191 

Beka,  Diluvium .  21 

Bentheim,  Tektonik ....  55 

— ,  Tiefbohrung . 57 

Berlin.  Diluvium . 157  , 

Betische  Kordillere,  Ge¬ 
birgsbildung  . 186 

Bielefeld,  Grünsand  ....  38 

Blankenburg,  Tektonik  .  .  196 
Boekelo,  Tektonik  ....  59 

Böhlen,  Diluvialpflanzen  .  138 

Böhmen,  Kreide .  81 

— ,  Kohle .  202  1 

Bor,  Kupferlagerstätten  .  .  69 

Borken  i.  Westfalen,  Unter¬ 
st  non  . 100 

Borna,  Diluvial  pflanzen  148, 151 

— ,  Diluvium . 14L 

Brackwede,  Pläner  ....  38  \ 

Burg,  Endmoräne . 155 


Seite 


Burgundische  Pforte,  Sund¬ 
gauschotter  . 130 

Bünde,  Tertiär . 48 

Buurse,  Tektonik . 59 

Calbe,  Buntsandstein  .  .  .  186 

— ,  Endmoräne . 155 

Cerro  de  Paseo,  Kupferlager¬ 
stätten  . 60,  64 

Chuquicamata,  Kupferlager¬ 
stätte  .  ...  62 

Conow,  magnetische 

Messungen  . . 104 

Copiapo,  Kupferlagerstatten  63 

Corle,  Tektonik . 69 

— ,  Tiefbohrung . 53 

Cöthen,  Tektonik . 185 

Damaskus,  Kreide  ....  36 

Damaskusbahn,  Miocän  .  .  15 

Damme,  Obersenon  ....  36 

Danzig,  Baugrundkarte  .  .  156 


Deuben,  Diluvialpflanzen  148,151 
Deutschland,  Kalilager  .  .  7 

Dillmulde,  Deckdiabas  .  .  241 
Dippoldiswalda,  Kluftsystem  99 
Doggerbank,  Torf  ....  161 

Dorm,  Tektonik . 191 

Dortmund,  Obere  Kreide  .  167 

Blbing,  Tektonik . 169 

Elbsandsteingebirge,  Kluft¬ 
systeme  .  78 

Elsaß,  Sundgauschotter  .  .  130 

Elster,  Terrassen . 163 

Ems,  Osningachse  ....  60 

England,  Nordseeuntergrund  158, 

160 


lludisten . 171 

Engter,  Jura . 40 

Essen,  Rudisten  .....  167 


Fallstein,  großer,  Tektonik  193 
Felgeleben,  Tiefbohrung  .  187 


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282 


Seite 

Finnland,  Diluvium  ....  /// 

Fischbeck,  Diluvium  ...  91 

Flechtinger  Höhenzug, 

Tektonik . 71,  183,  194 

Fohnsdorf,  Glanzkohle  .  .  202 
Franken,  Buntsandstein  272,  278 

— ,  Keuper . 145 

Frankenhain,  Morphologie  .  250 
Frankfurt  a.  O.,  Diluvium  31,  157 
— ,  Grundmoräne  ....  3,  31 
Frankreich,  Rudisten  ...  171 
Frauenstein,  Kluftsystem  .  99 

Frisches  Haff,  Tektonik .  .  169 
Fünfkirchen,  Steinkohle  .  .  204 

Galizien,  Diluvialpffanzen  .  150 
Georgenthal,  Morphologie  .  250 
Gräfenhainichen,  Endmoräne  155 
Gronau  i.  Westf.,  Tektonik  55 
Großer  Fallstein,  Tektonik  193 
Groß-Salze,  Tektonik  ...  195 
Guanaco,  Kupferlagerstatte  71 
Grünbach,  Kohle  .  .  .  202,  207 

Haarmühle,  Tektonik  .  .  55,  59 


Hackel,  Tektonik . 195 

Haifabahn,  Senon .  31 


Halberstadt,  Tektonik  ...  196 
Haldem,  Obersenon  .  .  .  36,  46 


Hama,  geol.  Beobachtungen  17 
Hameln,  Terrassen  ....  90 

Hardt,  Buntsandstein  .  .  .  270 
Harli,  Tektonik  .....  193 

Harz,  Bodegang . 114 

— ,  Tektonik . 71,  183 

— .  Transgre8sionen  .  .  .  225 
Hedschasbahn,  geologische 

Beobachtungen .  36 

Heia,  Entstehung  der  Halb¬ 
insel  . 156 

Helgoland.  Nordsee¬ 
sedimente  . 159 

Herdorf,  junge  Schub¬ 
bewegungen  . 141 

Hessen,  Buntsandstein  272,273, 

278 

Hessisch-Oldendorf, 

Terrassen .  90 

Hohe  Straße,  Verwitterungs¬ 
rückstände  . 216 

Holland,  Tektonik  ...  3,  52 
Holstein,  magnetische 

Messungen . 102 

Hörde,  Rudisten . 167 

Hüsede,  Jura .  40 


Srite 

Ibbenbüren,  Karbon  ...  41 

Inn,  junge  Hebungen  .  .  .  238 
Isartal,  junge  Hebungen  .  238 
Island,  Geologie  .  .  .  226,  245 


Isterberg,  Tektonik  ....  55 

Jesreel,  geol.  Beobachtungen  29 
Jüterbog,  Endmoräne  .  .  .  15.> 

Kahla,  Buntsandstein  .  .  .  272 
Kaisarije,  geologische  Beob¬ 
achtungen  .  29 

Kalkalpen,  Höttinger  Brekzie  3 
Kanada,  Eisnadelabdrücke  .  274 
Karpathen,  Kohle . 207 


Karwin,  Steinkohle  ....  2/2 
Kattowitz,  Steinkohle  .  .  .  213 
Kaukasus,  Gebirgsbildung  .  186 
Kirchhain,  Buntsandstein  .  27/. 

273 

Kneyssen,  Tektonik ....  23 

Kolumbien,  Kupferlager¬ 
stätten  . 63,  64 

Korea,  Asbest . 246 

Kordillere,  Kupferlager¬ 
stätten  .  64 

Koßberg,  Kulmpllanzen  .  .  267 

Krefeld,  Horst .  67 

Krystynopol,  Diluvial¬ 
pflanzen  . ,150 

Kürbitz,  Kulmpflanzen  .  .  267 
Kvffhäuser,  Tektonik  ...  72 

Laaeher  See,  Karbonat¬ 
silikate  . 171 

I  La  Campana,  Kupferlager¬ 
stätten  .  64 

Lahn,  Unterkarbon  .  .  225,  240 
Lappland,  Diluvium  .  .  .  111 

Lappwald,  Tektonik  .  .  .  191 
Leipzig,  Diluvialpflanzen  .  138 
Lengerich,  Grünsand  ...  38 

Lewes,  Rudisten . 171 

Libanon,  Wealden  ...  23.  54 
Lichtenvoorde,  Tertiär  .  .  53 

Liparische  Inseln .  4 

Lippe,  Tektonik  ....  3,  33 
Lobstädt,  Diluvium  ....  1 4  L 

Lochen,  Dogger . 193 

Lothringen,  Tektonik  .  .  .  127 
Löwenberg,  Rudisten  ...  170 
Lübtheen,  magnetische 

Messungen . 104 

Luga,  Diluvialpflanzen  .  .  151 
Lüneburg,  magnetische 

Messungen . 102 ,  109 


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283 


Seite 

Lünten,  Tektonik  .  ...  55,  58 


Luxemburg,  Tektonik  .  .  .  127 

Madeira,  Armsessel  formen  .  245 

Mähren,  Kohle . 202 

Magdeburg,  Endmoräne  .  .  155 
Magistrat,  Kupferlager¬ 
statten  .  64 

Main,  Buntsandstein  .  .  .  278 
Mainzer  Becken,  tertiäre 
Verwitterung . 2/5 


Malbergen,  Tertiär  ....  48 

Mansfeld,  Tektonik  ....  188 
Masuren,  Tektonik  ....  167 
Mauersee,  Tektonische  Stö¬ 
rungen  . 167 

Mecklenburg,  magnetische 

Messungen . 103,  105 

— ,  Salzlagerstätten  ....  102 
Metelen,  Tektonik  ....  55 

Mitteldeutschland,  Braun¬ 
kohle  .  99 

Mittelrhein,  Sundgauachotter  130 

Mosel,  Terrassen . 135 

Münstersches  Becken, 

Bochumer  Grünsand  .  .  38 

Miederösterreich,  Kohle  202,  207 
Niederrhein,  Bewegungs¬ 
vorgänge  . .  62 

Niederstotzingen,  Jura  .;  .  195 
Norddeutschland,  magne¬ 
tische  Messungen  über 

Salzhorste . 98,  101 

— ,  Salzhorste .  98 

Nordsee,  Sedimente  .  .  145,  156 
Nordwestdeutschland,  Tek¬ 
tonik  . 3,  61 

Norrbotten,  Diluvium  ...  111 

Oberelsaß,  Sundgauschotter  130 
Ochtrup,  Tektonik  .  53,  55,  69 
— ,  Tiefbohrungen  ....  69 

— ,  Untersenon . 46 

Odenwald, Buntsandstein  273, 278 
öding,  Tektonik  .  ...  69 

Ölsnitz,  Kulmpflanzen  .  .  267 
Österbotten,  Diluvium.  .  .  111 

Orontes.geol.  Beobachtungen  17 

Osnabrück,  Jura . 40 

Osning,  Gebirgsbildung  .  .  88 

— ,  Tektonik  .  ...  35,  65,  126 
Osterkappeln,  Jura  ....  40 

Ostjordanland,  Kreide  und 
Tektonik .  36 


i  Seite- 

Ostpreußen,  Nehruugsbil- 

dung . 153 

— ,  Quartärtektonik  .  .  146, .166 
Ostseeküste,  magnetische 
Messungen  .....  102,  106 

Pabstorf,  Tektonik  ....  192 
Palästina,  geologische  Beob¬ 
achtungen  .  1 

Paschleben,  Grauwacke  .  .  186 

Pegau,  Diluvium . 141 

i  Peru,  Kupferlagerstätten  60,  64 


I  Plantengaarde,  Bohrung.  .  53 

j  Plauen,  Kulmptlanzen*.  .  .  26T 

!  Pleiße,  Hochterrassen¬ 
schotter  . 143 

|  — ,  Terrassen . 153 

i  Polen,  Diluvialtektonik  .  .  165 

|  — ,  Steinkohle . 212 

'  Pömmelte,  Tiefbohrung  .  .  187 

Porta  Westfalica,  Jura  .  .  40 

Potrerillos,  Kupferlager¬ 
stätten  .  63 

Priegnitz,  Paleocän  ....  265 


i  Preußisch-Oldendorf,  Spat- 

|  eisensteingang . 101 

Pulgar,  Diluvialpflanzen  .  138 
I  Pyrmont,  Spateisensteingang  101 


I  — ,  Zechstein  . . 44 

I  Quedlinburg,  Tektonik  .  .  196 

Rabutz,  Diluvium  ....  157 

|  Rajak,  Diluvium .  21 

Ratum,  Tektonik .  60 

,  — ,  Tiefbohrung . 54 

1  Rauensche  Berge,  Mark¬ 
grafensteine  .  99 

\  Reitling,  Tiefbohrung  ...  192 
Remlingen,  Tektonik  .  .  .  192 
Reschitza,  Steinkohle  .  .  .  205 
Rheinhessen,  Bohnerze  .  .  2/5 


,  Rheinisches  Schiefergebirge, 

1  junge  Schuhbewegungen  139 
.  Rostock,  magnetische 

Messungen . 102, 106 

;  Rossitz,  Kohle . 202 

'  Rothenfelde,  Sattel  ....  61 

|  Rügen,  Diluvium . 153 

I  Rumänien,  Steinkohle  .  .  .  205 

j  Saale,  alluviale  u.  diluviale 

I  Schotter . 89 

Sachsen,  Diluvialpflanzen  .  138 

I  — ,  Kreide . 78,  101 

Sächsisches  Quadergebirge  68 


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284 


Seite 

Sächsische  Schweiz,  Kreide  78 


Saerbeck,  Tiefbohrloch  .  .  35 

Samaria,  Kreide .  30 

Santiago,  Kupferlager¬ 
stätten . 61,63  1 

Saron,  Dünen .  34 

Saxonischer  Trog,  tekto-  • 

nische  Bedeutung  .  .  .  139 

Schatzlar,  Kohle . 202 

Schlesisch-Ostrau,  Stein¬ 
kohle  . 2/2  1 

Schlesien,  Rudisten  .  ...  170  | 

Schneeberg,  Kohle  ....  207 

Schönebeck,  Tektonik.  .  .  190 


Schrecksbach,  Buntsandstein  271 
Schwaben,  Dogger  ....  192 
Schwarzenborn,  Buntsand¬ 


stein  . 272 

Schwarzwald,  Diluvium .  .  134 
Schweden,  Diluvium  ...  111  ■ 

Segeberg,  magnetische 

Messungen . 102 , 107 


Serbien,  Kupferlagerstätten  66 
Siebenbürgen,  Molassekohle  207  \ 
Siegerland.  Gänge  ....  100  . 
— ,  junge  Bewegungen  .  .  139 
Sonneborn,  Zechstein  ...  44 

Sontheim  a.  Br.,  Dogger  193,  195 


Sorau,  Endmoräne  ....  155 
Spirdingsee,  Tektonische 

Störungen . 167 

Stadtilm,  Buntsandstein  .  .  273 
Stadtlohn,  Galeriten- 

«chichten . 164 

Staßfurt,  Kalilager  ....  22 

Tektonik . 195  ! 

Steiermark,  Braunkohle  .  .  202  I 
SubherzynesBecken, Tektonik  183 
Südamerika,  Kupferlager¬ 
stätten  . tf  60  | 

Süd  harz,  Kalilager  ....  9 

Sülldorf,  Tektonik  ....  195 
Sussex,  Rudisten . 171 


Syrien,  geol.  Beobachtungen  1 

Torneä,  Geschiebemergel  .  111 

Teutoburger  Wald  ....  46 

Themsemündung,  Pliocän  .  160 
Thüringen,  Buntsandstein  273,  ' 

277  ! 

Thüringerwald, Morphologie  250 


— ,  Tektonik .  71 

Tippeiskirchen,  Tiefbohrung  87 
Toquepala,  Kupferlager- 

stätten .  61 


Seil«r 

Treysa,  Buntsandstein  .  .  271 
Trierer  Bucht,  Tektonik  .  127 
Tul  Karm,  geologische  Be¬ 
obachtungen  .  29 

Turacher  Alpe,  Kohle  .  .  212 

Ungarn,  Steinkohle  ....  204 
Unseburg,  Tektonik  ...  195 

— ,  Tiefbohrung . 18* 

Vilbel,  Tertiäre  Verwitte¬ 
rung  . 217 

Vimy,  Rudisten . 171 

Vogtland,  Kulmpflanzen  .  .  267 
Vreden,  Tiefbohrungen  .  .  69 


Warnemünde,  magnetische 
Messungen  .....  102,  105 
Wasgenw’ald,  Oberpliocän  .  138 
Wasserall  fingen,  Dogger  .  192 
Wefensleben,  Salzstock  102,  106 
Weferlingen,  Tektonik  .  .  190 
Weser,  alluviale  u.  dilrviale 


Schotter .  89 

Weserbergland,  Spateisen- 

steingänge . 100 

— ,  Tektonik .  35 


Weichseldelta,  Sedimente  .  145. 


156 

Werra,  Kalilager  .  .  •  .  .  9 

Westfalen,  I’rod.  Karbon  .  41 

— ,  Rudisten . 157 

— ,  Steinkohle . 212 

— ,  Tektonik  ...  3,  33,  52,  62 

— ,  Untersenon . 100 

Wessum,  Galeritenschichten  164 
Wetterau,  Bauxitische  Ver¬ 
witterung  . 219 

Wiehengebirge,  Spateisen¬ 
steingang  . 101 

— ,  Tektonik .  35 

Winsen  a.  d.  Luhe,  magne¬ 


tische  Messungen  .  .  102,  108 
Winterswijk,  Tiefbohrung  53 
Wladimir  Wolynsk,  Inter¬ 
glazial  .  5 

Wolfershausen,  Buntsand- 

stein . 270 

Wolhynien,  Löß . 1,4 

Württemberg,  Buntsandstein  273 


Zarenthin,  Paleocän  .  .  .  265 
Ziegenhain,  Buntsandstein  273 
Zsiltal,  Molassekohle  .  .  .  207 
Züricher  See,  Terrassen  .  ,  239 
Zwenkau,  Diluvium  ....  141 


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Sachregister. 

(Die  Seitenzahlen  der  Monatsberichte  sind  kursiv 

gedruckt.) 

Seite  Seite 

Abkühlung,  tekton. Wirkung  174  Biradiolites  cornupastoris  .  15fr 

Aibien,  Osning  . 45  Bochumer  Grünsand,  Münster- 

Alluviale  Schotter,  Weser,  sches  Becken . 38 

Saale .  89  Bodegang,  Harz . 114 

Alttertiär,  Priegnitz  .  .  .  265  Bodenbewegungen,  Ost- 

Alveolinenkalk,  Syrien  .  .  20  preußen . 169 

Analysen  von  Kohlen  .  .  .  204  1  Bohnerze,  Rheinhessen  .  .  2/5 

Anziehungskräfte,  tektonische  ,  Böschungssprünge  ....  69 

Wirkung . 174  ;  Braunkohle,  Entstehung  •  .  190 

Aplit,  Bodegang . 117  j  — ,  Mitteldeutschland  ...  99 

Artefakte,  Palaestina  ...  38  Braunkohle,  Steiermark  .  .  202 


Asbest,  Albanien  ....  246  I  Braunkohlenquarz ite, 

Aucella  Geinitzi .  276  Sachsen . 13fr 

Auflagerkräfte,  tektonische  !  Brechtemulde .  50 

Wirkung . 174  .  Bruchzone  des  Niederrheins  66 

Aufsteigendes  Magma  ...  131  i  Bücherei,  siehe  Bibliothek 
Augengneis,  Bodegang  .  .  119  !  Buntsandstein,  Calbe  .  .  .  186* 

Augit, Umwandlung  .  .  .  .  171  \  — ,  Fossilhorizonte  ....  269 

\  — ,  Nordsee . 159 

Baltische  Dislokationsphase  167  Thüringerwald  ....  25T 

Baltischer  Höhenrücken  165,166 

Bänderton,  Sachsen  ....  139  Calamites,  Analyse  ....  212 

Basalgrundmoräne,  Sachsen  142  '  Calliergon  cuspidatum  .  .  .  145 

Basalschotter,  Sachsen  .  .  142  ’  —  giganteum . 144 

Basalt,  Island .  245  i  Campylium  stellatum  .  .  .  144 

— ,  Palaestina .  32,38  Cancrinit,  Synthese.  ...  171 

— ,  prämiocäner,  Syrien  .  .  17  Carbon,  Inkohlung  .  .  202,212 

— ,  Syrien .  7  — ,  Nordsee . 158 

Basin  ranges  structurc  .  .  77  — ,  produktives .  2 

Baugrundkarte,  Danzig  .  .  156  — ,  produktives,  Holland  .  53 

Bausandstein .  273  — ,  produktives,  Nord- 

Bauxit,  Entstehung  ....  219  deutschland .  60 

Beiratswahl .  226  Carex  er.  rostrata  •  .  .  .  .  146 

Beiträge  der  Mitglieder  .  .  148  Carnallit,  Entstehung  ...  9 

Bentheimer  Sandstein  .  .  55,57  Cenococeum  geophilum  .  .  .  146 

ßergschrund .  235  Cenoman,  Palästina  ....  37 

Berlebecker  Achse,  Fort-  — ,  Ochtrup .  55 

setzung .  59  — ,  Osning .  36 

Bibliothek,  Bestand  ....  150  — ,  Syrien .  24 


— ,  Neueingänge  202,  96, 144, 277  Ceriosymplegma  chalybonense 

— ,  Verzeichnis  der  Zeit-  n.  g.  n.  sp . 49 

Schriften  u.  Kartenwerke  202  Corophioides  polyupsilon  ..  275 


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286 


Seite 

Chirotherium  Barthi  ....  273  ! 
■Chirotheriumsandstein, 

Franken .  272  I 

— ,  Thüringen .  277  \ 

Chrysohypnum  stellatum  .  .  149  1 
•Clarain,  Analyse  .....  212  I 
Comarum  palustre  ....  147  | 

Copiapit .  68  I 

Coquimbit .  68  I 

Cöthener  Spalte . 185  | 

Cratoneurum  commutatum  .  144  j 

— Jilicinum . 144  i 

Culm,  Lahn .  240  f 

— ,  Pflanzen . 261  ! 


Dänische  Stufe,  Pulaestina  .  39 


Deckdiabas,  Lahn  ....  240 

Deckenbildung . 184 

Devon,  Lahn . 240 

Diabas,  Lahn . 240 

Diatomeenflora . 154 

Dillmulde,  Deckdiabas  .  .  241 
Diluvialschotter, Palaestina  39,44 

— ,  Weser,  Saale . 89 

Diluvial  tone,  Sachsen  .  .  .  138 

Diluvium,  Alpen . 228 

— ,  Elsaß . 131 

— ,  Frankfurt  a.  0 . 3,31 

— ,  Ostpreußen  ....  146, 165 
— ,  Palästina  ...  34,  38,  39,  42 

— ,  Rügen . 163 

— ,  Syrieu . 17,  21 

— ,  Tornea . 111 

Dinotherium  bavaricum  .  .  131 

Dogger,  Osning .  45 

Dolomit  im  Keuper  ....  145 

Dorm-Sattel . 191 

Drepanocladus  exannulatus  144 

—  revolvens . 144 

—  Sendtneri . 144 

Driburger  Achse,  Fort¬ 
setzung  .  61 

Druck,  Wirkung . 172 


Druckstörungen,  Siegerland  139 
Dünen,  Palaestina  ....  34 

Durania  Arnaudi .  .  .  160,  176 
—  Mortoni  ....  160,  163,  176 
Dysodil,  Libanon  ....  27, 54 


! 


I 


Eem-Frage .  223  . 

Eindrücke  von  Eisnadeln  .  274  | 
Eisenerze,  oolitische  ...  2  j 

Eiseninfiltration,  Pliocän  .  218  | 
Eisenstein,  Tertiär  ....  220  ; 
Eisnadelabdrücke . 274 


5*it* 

Elbtalgebirgisclie  Haupt¬ 
richtung  .  W» 

Emscher,  Osning .  3ö 

— ,  Westfalen .  46 

Enargit .  69,  70,  72 

Endmoränenzug,  Branden¬ 
burg  . l.Vi 

Ennepetalstörung .  70 

Entstehung  der  Klüfte  .  .  .  105 
Eocän,  Foraminiferen  .  .  .  267 

— ,  Syrien .  17 

— ,  Westfalen .  47 

Epirogenetische  Bewegungen  87 
erdmagnetische  Störungen  .  153 
Erdrotation,  tekton.  Wirkung  173 
Eriophorum  cf.  Scheiich- 


zeri .  146,  15b 

Eruptionskräfte,  tektonische 

Wirkung . 7/5,  174 

Eruptiva,  Syrien .  7 

Erzgebirgisches  Kluft¬ 
system  . 89.  90 

Exotika,  Kalkalpen  ....  3 

Fahlerze,  Peru . 70 

Fährtenhorizonte,  Buntsand¬ 
stein  . 269 

Faltengebirge,  Begriff  ...  76 

Faltengebirgsbau . 126 

Faltengitter .  77 

Faltung,  Alpen .  74 

Faltungsdruck,  Wirkung  bei 

Inkohlung . 214 

Faltungsphasen,  vari- 

stische .  225,  240 

Famatinit,  Argentinien  .  .  70 

Faserkohle,  Lias . 204 

Faunenmischungeu  ....  164 

Fels  it  porphyr . 116 

Flachmoor,  lebendes  und 
totes . 189 


Flammkohle,  Zusammen¬ 
setzung  . 202 

Fontinalis  hypnoides  ...  14N 

Foraminiferen,  paleoräne  .  265 

Forellenaplit . 115 

Forellenleptynit . 115 

Fossil horizonte,  Buntsand¬ 
stein  . 269 

Gabbro,  Paragenese  ....  171 

Galeritenschichten,  West¬ 
falen  . 164 

Gangeinscbieben . 97 

Gebirg8ban,  Holland  ...  52  | 


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287 


Seite 

Gebirgsbau,  Westfalen, 

Holland .  3 

Gebirgsbildung  .  .  155, 172,  204 

— ,  Harz  .  . . 225 

— ,  Ursachen  .....  172,  187 
Gebirgsdruck  bei  Inkohlung  200 

Gelenkfaltung .  76 

Geochemie  der  Inkohlung  .  200 
Geologenkongreß,  inter¬ 
nationaler  . 151 

Gervilleia  Murchisoni  .  .  .  276 
Geschiebemergel,  Frank¬ 
furt  a.  0 . 3,  31 

— .  Torneä . 111 

Gestein  ssynthese  .....  171 
Gibbssche  Phasenregel  .  .  170 
Gießener  Grauwacke  .  .  .  240 
Gildehäuser  Sandstein  .  .  57 

Gipfelgrate,  Entstehung  .  .  236 
Gips  im  Kupferschiefer  .  .  12 

Glaziale  Landschaften  .  .  154 

Tone . 154 

Glazialflora  .  •  .  .  .  148, 151 
Glanzkohle,  Steiermark  202,  212 
Glimmersyenitporphyr  .  .  116 
Goldgänge,  Südamerika  .  .  64 

Goldkupfergänge .  65 

Goldlagerstätten, Südamerika  65 

Gosau,  Kohle . 202 ,  207 

Granit,  Bodegang . 117 

— ,  Wirkung  bei  Kluft¬ 
bildung  . 107 

Granitporphyr . 116 

Granu  latenkreide,  Ochtrup  46 
Grauer  Salzton,  Entstehung  18 
Grauwacke,  Gießener  .  .  .  240 

— ,  Paschleber . 185 

Großwellung  der  Schollen¬ 
körper  . 179 

Grundgebirge,  Elbsandstein- 


gebirge . 

Grundmoräne,  Frank- 

110 

furt  a  0 . 

3,  31 

Grundproben,  Gewinnung  . 

157 

Grünsand,  Lengerich  .  .  . 

38 

— ,  Osning . 

38 

Gruskalk,  Priegnitz .  .  .  . 

265 

Hartsalz,  Entstehung  .  .  . 

8 

Harzkersantite . 

123 

Harzscholle . 

72 

Hasenwinkelachse  .  .  .  . 

191 

Heidemoor . 

190 

Heimatkunde,  geologische 

155 

Seite 

Hilsphase . 45 

Hiltsche  Regel . 203 

Hippuris  vulgaris . 148 

Hochmoor . 189 

Hochterrasse,  Rhein  .  .  .  135 

— ,  Syrien .  21 

Hochterrassenschotte  r, 

Pleiße . 143 

Hohmannit .  68 

Horst,  Krefeld .  67 

Höttinger  Brekzie,  Kalk¬ 
alpen  . 3,  229 

Huppererde . 132 

Interglazial,  Alpen  ....  229 

— ,  Sachsen . 141 

— ,  Wladimir  Wolynsk  .  .  5 


— ,  Verwitterungszonen  .  .  31 

Inkohlung,  Geochemie  .  .  200 
Insolation,  Wirkung  ...  86 

Intermoränal,  Sachsen  .  .  141 
Isostatische  Bewegungen  .  238 

Jungendmoränen,  Branden¬ 


burg  . 155 

Jura,  Nordsee . 159 

— ,  Osnabrück . 40 

— ,  Osning . 45 

— ,  Syrien .  24 


Kalilager,  Entstehung  .  2,  7,  98 
Kamnitzer  Richtung  .  .  .  101 
Kaolin,  Mainzer  Becken  .  220 
Karbonatapatit,  Synthese  .  171 

Kare,  Island . 245 

Keuper,  Franken . 145 

Kieselschiefer,  Lahn  .  .  .  241 

Kieserit,  Bildung .  8 

Kimmersche  Phase,  Harz¬ 
vorland  . 184 

Kippschollenkreuzung  .  .  183 
Klima,  Buntsandstein  .  .  .  274 
Klüfte,  Entstehung  .  .  .82,  105 

— ,  wilde .  80 

Kluftsysteme,  Elbsandstein¬ 
gebirge  .  78 

Kohlenflöze,  Geochemie  .  .  201 
Kontaktlagerstätten,  Anden  64 
Kontaktmetomophorse  ...  171 
Kreide,  Foraminiferen  .  .  267 

— ,  Nordsee . .  159 

— ,  Palaestina  ....  31, 36, 38 

— ,  Sachsen .  78 

— ,  Syrien  .  .  .  3.17,44,47,54 
— ,  Untere,  Ochtrup  ...  55 


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UNIVERSITY  OF  MICHIGAN 


288 


Seite 

Kreidekohle .  202,207 

Kreidespongien  . 15$ 

Krustenkalk .  31 

Krustenbewegungen,  quar¬ 
täre  . 237 

Kupfergänge,  C  hile  ....  64 

Kupferglanz,  Anden  .  .  60,63 
Kupferkies,  Anden  ...  61,64 


Kupferlagerstätten,  Anden  .  60,  / 
Kupferschiefer  mit  pri¬ 
märem  Gips .  12 

Landschaften,  glaziale  .  .  154 

Lappwaldmulde . 191 

Laubmoose,  Sachsen  .  .  .  143 
Lausitzer  Kluftsystem  .  .  89 

Lautarit .  76 

Lebendes  Flachmoor  .  .  .  190 
Leda  Deshayesiana  ....  138 
Lepidodendron,  Analyse  .  .  213 
Lias,  Osning . 44 


— ,  Steinkohle  ....  204 ,  205 
Lithothamnienkalke,  Syrien  15 


17,  3o 

IiOndonton,  Nordsee  ....  160 

Lose,  Elbsandsteingebirge  .  82 

Löß,  Elsaß . 135 

— ,  Wolhynien . /,  4 

Lycopus  europaeus  ....  148 

Magma,  aufsteigendes  .  .  .  131 
Magnetische  Messungen  über 

Salzhorste . 98,  100 

Magnetit,  Kolumbien  ...  64 

Malachit,  Argentinien  ...  60 

Mandelsteinbasalt,  Syrien  .  7 

Mansfelder  Mulde  ....  189 
Mechanische  Lockerung  .  .  83 

Mediteranstufe,  II ,  Syrien  .  7 

Meesea  triquetra . 143 

Mejonit,  Synthese  ....  171 

Menyanthes  trifoliata  ...  148 
Metasomatische  Erzkörper  60 
Miocän,  Syrien  .  .  .  .  5,  9,  17 

— ,  Westfalen . 48 

Mitgliederzahl . 148 

Mitgliedsbeitrag . 148 

Mitgliederverzeichnis  .  .  .  214 
Mitteloligocan,  Sachsen  .  .  138 
Mittelterrasse,  Rhein  .  .  .  136 

Molassesteinkohle . 207 

Molybdänglanz,  Peru  ...  64 

Moorlog,  Doggerbank  ...  161 

Moornomcnkiatur . 189 

Moose,  Diluvium . 145 


Seite 

Morphologie,  Thüringerwald  250 
i  Muschelkalk,  Nordsee  ...  159 

— ,  Ochtrup . 56 

— ,  Thüringerwald  ....  257 

Ifageltluh,  Syrien . 21 

Nautilus  bidorsatus  .  ...  199 
Neckera  complanata  .  ...  Wo 

Nehrungsbildung . 152 

Xeocom,  Ochtrup . 56 

— ,  Osning . 45 

— ,  Libanon . 29 

Neueingänge  der  Bibliothek  202. 

96,  144 ,  279 
Niederterrasse,  Rhein  ...  135 

Nordseeschlick . 162 

Nordwestfälisch-lippische 
Schwelle . 3,33 

Oberkreide,  Kohle  .  .  202,  207 
Obersenon,  Baumberge  .  .  46 

— ,  Haldem . 36 

Ochtruper  Horst . 56 

Oligoean,  Kohle . 207 

—  »Syrien .  9 

— ,  Westfalen . 4S 

Oolithi8che  Eisenerze  im 
Produktiven  Karbon  .  .  2 

Orogenetische  Zonen  ...  182 
Osningachse,  westliche  Fort¬ 


set  zung  . 59 

Osning-Flexur . 65 

Osningsandstein . 45 

Ostrea  lamellosa . b> 

Paläozoikum,  Harz  ....  225 
Paleocän,  Priegnitz  .  .  265,267 

— ,  Westfalen . 47 

Pecten  Ziziniae .  15 

Periphragella . 52 

Petrographie,  experimentelle  170 

Petrologie . 154,  170 

Pflanzen,  Kulm . 267 

— ,  diluviale . 13,^ 

— ,  Eintluü  auf  Kohlen¬ 
qualität  . 211 

sero- diagnostisches 

System . 146 

Phasenregel,  Gibbssehe  .  .  170 
Phytopaläontologie  .  ...  147 
Piesberg-Pyrmonter  Achse  49 
Pläner,  Brackwede  ....  3$ 

Plattensandstein . 273 


fHeuropholis  Koerti  n.  sp.  29.  54 
Pliocän,  Elsaß . 131 


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289 


Seite 

Pliocän,  Nordsee . 160 

— ,  Verwitterung . 218 

Polnischer  Sockel  ....  165 
Polygonum  viviparum  .  147,  149 
Porphyr,  Bodegang  ....  118 

Portland,  Osning . 45 

Postglaziale  Tone  ....  154 
Potentilla  aurea . 147 

—  cf.  alpestris . 147 

Potamogeton  pusillus  ...  146 
Pressung,  gerichtete  ...  775 

—  in  Schollengebirgen  .  .  68 


Primäre  Teufen  unterschiede 


bei  Kohlen . 201 

Produktives  Karbon,  Eisen¬ 
erze  .  2 

- ,  Holland .  53 


- ,  Ibbenbüren  ....  41 

- ,  Norddeutschland  .  .  60 

Proportionalitätsgesetz  .  .  174 
Ptychocalyptra  Koerti  n.  g. 


n.  sp .  47 

auadratenkreide . 159 

uartärgeologie,  alpine  .  .  228 
Quartär,  Ostpreußen  .  146, 165 
Quarzdiabas,  Paragenese  .  171 
Quarzporphyr . 116 

Radiolites  Gosae . 159 

—  hercynicus . 159 

—  Mälleri . 139 

—  pussillus . 159 

—  sublaevigatus . 159 

Rahmenfaltung,  Harzvor¬ 
land  . 183,  194 

Baibler-Schichten  ....  57 

Hamberggranit . 123 

Randfaltung,  zonare  ...  76 

Reaktionskräfte,  tektonische 

Wirkung  . . 174 

Rechnungsabschluß  1923  .  224 

Rbizocorallien . 274 

Rhyncholithes  Bathoniensis  194 

—  integer . 795 

—  Lochensis . 194 

—  tuberosus . 194 

Rhyolith,  Argentinien  .  .  60 

Rinnen,  Ostpreußen  .  .  .  166 

Rohhumus . 189 

Rotliegendes,  Fehlen  in 

Westfalen  . . 44,53 

Rot,  Ochtrup .  56 

Rückfaltung . 107 


Seite 

Rudisten,  Norddeutschland  159 
Rumpffläche,  Thüringerwald  257 


Saaleterrasse . 153 

Saarbrücker  Stufe, Westfalen  41 
Salpeterlagerstätten  ...  76 

Salzhorste,  magnetische 

Messungen . 98,101 

Samlandblock . 169 

Sande,  diluviale,  Torneä  .  777 

— Nordsee  .  . . 163 


Sattel  von  Alstätte  ...  55,59 

- Lünten  ....  55, 58,  61 

- Ochtrup-Gronau  .  55,  61 

Sauvagesia  Westfalica  n.  sp.  160, 

176 


Saxonische  Gebirgsbildung  184 
Saxonischer  Trog  ...  73,  139 

Schau  fei  flächen,  Siegerland  139 
Scheerung,  Wirkung  .  .  .  172 


Schlepp,  Sachsen . 142 

Schlick,  Nordsee . 762 


Scholle  von  Osnabrück  .  .  65 


Schollengebirge,  Bau  .  .  .  124 

— ,  Begriff .  77 

Schollen,  Großwellung  .  .  179 
Schollenränder,  Tektonik  .  59 

Schottersysteme,  inter¬ 
glaziale  . 230 

Schrägscholle  von  Münster  65 
Schrägschollengebirge,  Be¬ 
griff . 62,78 

Schreibkreide,  Palästina  .  35, 

49,  51 

— ,  Syrien .  5 

Schrumpfungsrisse,  Elbsand¬ 
steingebirge  .  78 

Schubbewegungen,  Rheini¬ 
sches  Schiefergebirge  .  .  139 
Schubspannungen  ....  776 
Schüttorfer  Sattel  ....  57 


Schwarzerde,  Wolhynien  . 
Schwarze  Kreide,  Osna¬ 
brück  . 45 


Schwefel,  gediegen  ....  69 

Schwelle,  nordwestfälisch- 

lippische . 3,  33 

—  von  Winterswijk-Ochtrup  69 
Schweremessungen,  Sieger- 

land . 140 

Schwerkraft,  Wirkung  ' .  .  173 
Schwerspat,  Argentinien  .  70 

Scorpidium  scorpioides  .  .  144 
Sedimente,  Nordsee  .  .  145,  156 
Sedimentpetrographie  .  .  .  146 


19 


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290 


Seite 

Seen,  Nehrungsbildung  .  .  153 
Seeterrassen,  Ostpreußen  .  167 


Senon,  Kohle . 207 

— ,  Osning . 36 


— ,  «Palästina  ...  31,  42,  49,  51 
Sero-diagnostisches  System  146 
Serologischer  Stammbaum  .  146 
Serpentin,  Albanien  .  .  .  246 
Sigillaria,  Analyse  ....  212 
Silbererzgänge,  Südamerika  64 
Sinterkohle,  Zusammen¬ 


setzung  . 202 

Solle . 154 

Spalten,  Beziehungen  zu 

Vulkanismus . 132 

Spaltenfrost,  Wirkung  .  .  85 

Spateisensteingänge,  W  eser- 

bergland . 100 

Spongia  hexactinellida .  .  .  51 

Spongien,  Kreide . 155 

— ,  Syrien .  47 

Spurrit,  Synthese . 171 

Staßfurter  Sattel  .  .  .  188,  195 
Statische  Probleme  in  der 

Tektonik . 172 

Steinkohle,  Geochemie  .  .  202 
Steppenkalk,  Syrien  ...  8 

Stinkschiefer,  Entstehung  .  17 

Störungen,  Ochtrup  ....  56 

— ,  Richtung .  78 

Stubensand . 276 

Stufenfalte  des  Osning  .  .  65 

Subherzynes  Becken  .  .  .  183 
Sundgauschotter,  Oberelsaß  130 
Sylvin,  Entstehung  ....  8 

Synthese  von  Gesteinen  .  .  171 


Talko- Asbest,  Albanien  .  .  249 
Tangentiale  Bewegung  .  .  187 

Tangentialkräfte . 179 

Tapes  aureus  var.  eemiensis  161 
Tektonik,  Beziehungen  zum 

Vulkanismus . 115 

— ,  Elbsandsteingebirge  .  78,  80 

— ,  Harzvorland . 183 

— ,  Nordwestdeutschland  3,  33, 
52,  62 

— ,  Palästina .  36 

— ,  Quartär  .  .  .  146,  153,  165 

— .  Syrien .  23 

— ,  statische  Probleme  .  .  172 
— ,  Wirkung  bei  Inkohlung  200, 

214 

Terrassen,  Alpen . 239 

— ,  Ostpreußen . 167 


I  Seite 

I  Terrassen,  Pleiße  ....  131 

— ,  Saale . 89 

1  — ,  Weser .  90 

Terrassenschotter,  Syrien  .  17 

i  Tertiär,  Albanien . 246 

— ,  Nordsee . 158 

Tertiäre  Verwitterungs¬ 
rinden  . 215 

Temperaturunterschiede, 

Wirkung .  86 

Teufenunterschiede, primäre, 

bei  Kohlen . 201 

Thermenaufstieg .  97 

Thuidium  Blandow ii  ...  144 
Turon,  Rudisteu  .....  159 

— ,  Syrien .  24 

Thüringer  Scholle  ....  72 

Tiefseelot . 157 

Ton,  glazialer . 154 

Torf,  Doggerbank  ....  161 

— ,  Einteilung . 189 

Tortonastufe,  Syrien  ...  16 

Totes  Flachmoor . 190 

Transgressionen,  Harz  .  .  225 
Trapp,  Verwitterung  .  .  .  218 

Trias,  Ochtrup .  55 

— ,  Osnabrück . 44 

Thrissops  sp . 29,  58 

Trocken  torf . 189 

Trogtheorie . 64 

Tuff,  Syrien .  8 

Tundren,  Sachsen  ....  148 

Turon,  Osning . 36 

— ,  Palästina . 31,  37 

Überfaltung . 184 

Überschiebung,  Allertal  .  194 
—  im  Rheinischen  Schiefer¬ 
gebirge  . 139 


Unterkarbon,  Lahn  .  .  225,  240 
Untere  Kreide,  Ochtrup  .  .  55 

- ,  Syrien  ....  24.  29,  54 

Untersenon,  Borken,  West¬ 
falen  . 100 

— ,  Ochtrup . 46 

Ursachen  der  Gebirgs¬ 
bildung  . 172,  187 

Varistische  Faltungsphasen  225, 

240 

Vegetation,  Wirkungen  .  .  86 

Vereisungsperioden,  Alpen  230 
I  Vergletscherung,  Alpen  .  .  228 
Verschiebungen,  tangentiale  178 
|  Vertorfung  bei  Inkohlung  .  200 


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291 


Seite 

Verwerfungen,  junge,  Syrien  21 , 


42 

Verwitterung,  chemische  .  84 

VerwitterungBrinden, 
tertiäre  ........  2/5 

Viola  palustris . 147 

Vorstandswahl . 226 

Vulkanismus,  Kräftegruppen  115 

Wadischotter .  38 

Wadisemen te,  Palästina  .  39,  44 
Warburger  Ache,  Fort¬ 
setzung  .  61 

Wealden,  Ochtrup  ....  56 

— ,  Osning .  45 

— ,  Syrien .  23,  29,  54 

Weichselia  reticulata  .  .  28,  29 


Seite 


Wellenbewegung . 184 

Wilde  Klüfte .  80 

Wind,  Wirkung .  86 

Wüstenklima, Buntsandstein  274 

Zechstein,  Deutschland  .  .  7 

— ,  Kalilager .  2 

— ,  Sonneborn  bei  Pyrmont  44 
Zechsteinsalze,  Tektonik  .  63 

Zonare  Randfaltung  ...  76 


Zentrifugalkraft,  tektonische 


Wirkung . 173 

Zerrung,  gerichtete  ....  139 
—  in  Schollengebirgen  .  .  68 

Zugspannungen . 176 

Zug,  Wirkung . 172 

Zwischenmoor . 189 


19* 


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Verlag  von  FERDINAND  ENKE  in  Stuttgart 


Abriß  der  allgemeinen  und 
stratigraphischen  Geologie 

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Geheimrat  Professor  Dr.  Emanuel  Kayser 

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Das  Buch  enthält  die  Hauptlehren  der  allgemeinen  und  stratigraphischen  Geo¬ 
logie,  wobei  alles  Wichtige  berücksichtigt  ist.  Beide  Teile  wurden  von  Auf¬ 
lage  zu  Auflage  sorgfältiger  bearbeitet  und  ausgestattet,  ohne  daß  der  Umfang 
allzusehr  angewachsen  ist.  Bei  der  vorliegenden  vierten  und  fünften  Auflage 
sind  die  jüngeren  Formationen,  besonders  Tertiär  und  Quartär,  erheblich 
eingehender  behandelt  und  mit  zahlreichen  paläogeographischen  Karten, 
neuen  Gliederungstabellen  und  Fossiltafeln  versehen  worden.  Der  paläonto- 
typische  Inhalt  der  verschiedenen  Formationen,  ihre  Flora  und  Fauna,  sind 
diesmal  ebenfalls  noch  etwas  eingehender  behandelt  und  durch  eine  Reihe 
von  neuen  Abbildungen  veranschaulicht  worden. 

Inhaltsverzeichnis: 

Allgemeine  Geologie:  1.  Physiographische  Geologie.  —  I.  Astronomisch-geo¬ 
physikalischer  Abschnitt.  —  II.  Geographischer  Abschnitt.  —  III.  Petro- 
graphisch-tektonischer  Abschnitt.  —  2.  Dynamische  Geologie.  —  A.  Exogene 
Vorgänge  (äußere  Dynamik).  — *  I.  Wirkungen  der  Atmosphäre.  — 
II.  Wirkungen  des  Wassers.  —  III.  Wirkungen  der  Organismen.  — 

B.  Endogene  Vorgänge  (imiere  Dynamik).  —  I.  Vulkanische  Ausbruchs- 
?  erscheinungen.  —  II.  Bewegungsvorgänge  der  Lithosphäre. 

Stratigraphische  Geologie:  I.  Archäische  Gesteinsgruppe  (Urgebirge).  — 
II.  Algonkium.  (Eo-  oder  proterozoische  Gesteinsgruppe).  —  III.  Paläo¬ 
zoische  (primäre)  Formationsgruppe.  —  A.  Kambrium.  —  B.  Silur.  — 

C.  Devon.  —  D.  Karbon.  —  E.  Perm.  — ~  IV.  Mesozoische  (sekundäre) 
Formationsgruppe.  —  A.  Trias.  —  B.  Juraformation.  —  C.  Kreideformation.  — 
V.  Neozoische  Formationsgruppe.  —  A.  Tertiärformation.  —  B.  Quartär - 

forpiation.  —  Register. 

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